terefTen ter übrigen Signatarmächte W Madrider Vertrages
gerichtet sind.
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„Echo de Paris" berichtet, aus London: Man ift hwr sehr erstaunt, daß die deutsche Presse fortfährt, England zu beschuldigen, ein Friedensstörer zu sein. Man versteht nicht, daß deutsche Zeitungen, von denen einige als inspiriert .gelten, fortfahren, augenscheinlich Falsches zu bekräftigen. Es scheint, daß auch in England verschiedene geheimnisvolle deutsche Emissäre eingetroffen sind, welche behaupten, daß Frankreich eine unausstehliche Haltung Deutschland gegenüber eingenommen hat, durch welche der europäische Friede bedroht werde. Dasselbe Blatt berichtet aus Petersburg, tee dortige Presse brücke ziemlich allgeureiii ihre Unzufriedenheit aus über die Haltung des deutschen Kaisers in der marokkanischen Frage und mißbillige entschieden die Haltung Deutschlands, ,-oer uns in Deutschland 'weiß man von einer solchen anttdeutzchen Haltung in Rußland nichts.
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freier einer Großmacht betreffend die kriegerische Eventualität folgendes: Unter sehr bedeutenden Opfern, welche Deutschland in patriotischer Weise trägt, unterhalten wir eine mächtige Armee, welche int Ernst in Mion zu treten weiß. Deutschland wird niemals die Initiative eines Angriffes ergreifen, ohne hierdurch durch höhere 'Gewalt gezwungen zu sein. Dies ist jedoch angesichts der Tatsache, daß Deutschland von Ländern umgeben ist, die einen hohen Grad der Zivilisation erreicht haben, immer unwahr-
Der Korrespondent des „Petit Parisien" berichtet aus Ber- : Der Kaiser sagte in einem Gespräch mit einem Ver-
Daß auf die Möglichkeit eines europäischen Krieges auch von neutralen Staaten Bedacht genommen wird, zeigt das Beispiel Belgiens. Eine auf Initiative^ König Leopolds von der Regierung ausgearbeitete Vorlage über N e u - befestigung Antwerpens ist aus der,Erwägung hervorgegangen, daß ein kriegerischer Konflikt zwischen Großmächten die Selbständigkeit Belgiens gefährden müßte, sofern es nicht auf das schleunigste seine Landesverteidigung vervollkommnet. Deshalb soll die einige hundert Millionen fordernde Vorlage vom Parlament schnellstens verabschiedet werden, damit mit dem Bau der Festungswerke noch in diesem Jahre begonnen werden kann. Sie sollen die veralteten Befestigungen an Umfang um das >Dreifache übertreffen. Entscheidend für das Parlament dürsten die in der Kommission zu erwartenden vertraulichen Mitteil- nngen der Regierungsvertteter über die veränderte politische Lage in Europa sein, und der Hinweis auf einen Konflikt zwischen Deutschland und einer westlichen Großmacht wird wohl seine besondere Rolle spielen.
Sehr bemerkenswert ist, daß der französflche Mnnsterprasi- dent R o u v i e r in einer freundlichen Unterredung mit dem belgischen Gesandten in Paris diesem angesichts der politischen Lage darauf aufmerksam gemacht habe, daß Belgien wohl daran tüte, seine Befestigungswerke in Verteidigungszustand zu setzen. Rorrvier habe dabei den belgischen Gesandten überzeugt, daß die fra«zösische Republik keinerlei schwarze Pläne Belgien gegenüber hege.
Nach einem belgischen Blatte werden 108 Millionen gefordert für die Vergrößerung des Festungsgürtels von Antwerpen. Der 'Regierungsentwurf schließt mit, den Forts von Tormonde eine 21 mal größere Fläche ein, als die des Festungs- gürtels v on Metz.
Der Krieg. Immer weiter tapfer zurück!
Petersburg, 27. Juni. General Linewitsch telegraphiert: Am 25. Juni ergriff der Feind die Offensive gegen unsere Kavallerie-Vorposten südlich der Eisenbahn. Der Feind, welcher Verstärkungen an Infanterie und Kavallerie erhielt, vertrieb unsere Vorposten nach Norden zu, in die Gegend von Hailungchen. Am 24. wurde einer unserer Kavallerie-Vorposten im Tale des Tsinkhe- ilusses von den Japanern vertrieben. Wir sandten freiwillige Jäger zur Verstärkung, doch diese gerieten bei Santsiatay in feindliches Artilleriefeuer. Japanische Infanterie wurde in den Bergen gesehen. Am 22. griff der Feind einige Sotnien unserer Vorhut an, welche sich nach dem Kampf zurückzogen.
Petersburg, 27. Juni. Nach einer Meldung der „Petersb. Telegraphenagent." aus Godsiaden wurde am 25. Juni bemerkt, daß sich bedeutende japanische Streitkräfte gegen die linke russische Flanke konzentrierten. — In Korea gingen die Japaner am 22. ds. zum Vormarsch gegen Kosaken-Sotnien über, welche sich kämpfend nördlich zurückzogen. — Die japanische Vorhut steht in der Linie Tschatschudegi—Pugotin.
Die Friedeuskoufereuz.
Petersburg, 27. Juni. Wie die „Petersb. Tele- graph.-Agent." erfährt, teilte der hiesige amerikanische Botschafter am 25. Juni dem Minister des Aeußern mit, den
Anfang August (n. St.) alb Termin für die Zusammenkunft der Bevollmächtigten Rußlands und Japans in Washington zu wählen. Nock am gleichen Tage antwortete Rußland, daß e§ mit dem Vorschläge em- verstanden sei. ____
‘ Aus MM und Land.
Gießen, 28. Juni 1905.
•• Die gestrigen Handelskammern) a hl en hatten folgendes Ergebnis: Gewählt wurden: Herr Kaufmann Max Friedberger anstelle von E. Balser bis Ende 1908 mit 149 Stimmen, Fabrikant Adolf Klingspor anstelle von A. Katz bis Ende 1906 mit 88 Stimmen. Im ganzen wurden 264 Wahlzettel abgegeben. Außerdem erhielten Kaufmann Aug. Noll 79, Bergwerksdirektor Münker 61, Fabrikant Emil Horst 22 und Fabrikant Gustav Mueller 8 Stimmen.
•* Der Fall Noack-Schädel. In der „Mainzer Volkszeitung" richtet der Landtagsabgeordnete Dr. David eine offene Anfrage an den Geh. Oberschulrat Nod- nagel, worin behauptet wird, Profeffor «Stamm in Gießen habe Herrn Nodnagel keineswegs die Auskunft erteilt, daß das Lehrerkollegium ablehne, .irgend etwas an diesen Behauptungen für berechtigt zu halten". Vielmehr habe Pros. Stamm seinem Vorgesetzten erklärt, die in dem Schriftstück enthaltenen Beschwerden seien zwar der Form nach übertrieben, entsprächen aber dem Inhalt nach durchaus den An- rchten und Stimmungen des Gießener Lehrerkollegiums. Herr Stamm habe später den Oberschulrat Nodnagel in Gegenwart der übrigen Oberlehrer in Gießen wegen dieser Sache interpelliert. Nodnagel sei aber, so lautet es in dein offenen Brief, verpflichtet, die in der Oeffentlichkeit gegebene falsche Darstellung nunmehr auch öffentlich richtig zu stellen. Er, Dr. David, richte darum an Nodnagel die Anfrage, ob dieser die Absicht habe, dies zu tun?
** Gi eßener Radfahrern erein 18 8 5. Die große portliche Veranstaltung des Gießener RadsahrervereinS 1885 anläßlich seines 20jährigen Bestehens am 1.—3. Juli erfreut ich, wie uns der Vorstand des genannten Vereins heute chreibt, großer Beteiligung seitens der auswärtigen Vereine und Bundesmitglieder. Nicht in letzter Linie ist eS unsere chöne Gegend, wie unsere liebe Heimatstadt Gießen, welche die Gaukameraden veranlaßt, uns zu besuchen; dies merkt man so recht deutlich an den cingegangenen Meldungen zur Dauerfahrt nach Gießen. Nicht weniger als 23 Vereine, zahlreiche E'nzel- und Motorradfahrer unseres Gaues 9 Frankfurt a. M. haben ihre Beteiligung zugesagt, und noch vor Meldeschluß haben bereits 30 Vereine mit ungefähr 500 Fahrern zum Korso gemeldet. Ebenso zahlreich sind die Meldungen zu den übrigen sportl. Konkurrenzen. Mit vielen Vereinen und Sportskameraden steht der festgebende Verein noch in Unterhandlung. An Ehrenpreisen für die ausgeschriebenen Konkurrenzen sind 2000 Mk. vorgesehen, außerdem sind dem Verein in liebenswürdiger Weise zahlreiche wertvolle Ehrenpreise gestiftet worden, u. a. von dem Gau 9 des D. R.-B., dem Nordbezirk des Gaues 9, vvn den Damen, sowie von Sportsftennden und Gönnern des Vereins.
Wieseck, 27. Juni. Zum 10. Stiftungsfest des Gesangvereins Eintracht am 1., 2. und 3. Juli sind umfassende Vorbereitungen zur Ausgestaltung der Feier zu einem Volksfest getroffen worden. Der Wiesengrund an der Wieseck ist zum Festplatz hergerichtet und räumlich so bemessen, daß darauf allerlei Belustigungen, Gesangsvorträge, Konzert, Tanz :c. geboten werden können. Auch bei der Anlage der Wirtschastshallen wurde Rücksicht auf starken Besuch genommen. Der festgebende Verein ist bestrebt, das Fest so zu gestalten, daß es einem städtischen Fest an die Seite gestellt werden kann.
** Kleine Mittei! nnorn n u -5 Hesse n und den Nachbar st aaten. Die Gemeinde Fellingshausen gedenkt eine neueSchule bauen zu lassen. Die ersorderlichen Arbeiten sollen am 10. Juli vergeben werden. — Zu der in Nr. 146 unseres Blattes gebrachten Notiz über ein Familiendrama in Lang-Göns wird uns mitgeteilt, daß es übertrieben ist, wenn gesagt wurde, H. habe nach seiner Frau gestochen. — Ter Metzgermeister Büller in Langenlonsheim hat im Streite seinen Gehilfen, der schon lange Jahre bei ihm in Stellung war, erschlagen.
Märkte.
ke. F r a n k f u r t a. M., 27. Juni. Heu- und Stroh- mar k t. Man notierte: Heu Mk. 3.20 bis Mk. 3.60, Stroh Alk. 0.00 bis 0.00. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.
ko. Frankfurt a. M., 28. Juni. !Orig.-Telegr. be5 „Gieß.
Viehmarkt. Zum Verlause standen 227 Kälber, 0 Schafe u. Hammel, 1356 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90 Pf,. Lebendgewicht 52—54 Pig., 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 49-51 Pfg., Schlachtgewicht 62-66 Pfg. Schale 1. Qualität' Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Schweine 1. Qualität 69-00 Pfg., Lebendgewicht 54.00 Pfg., 2. Qual. 68—00 Pfg., Lebendgewicht 53—00 Pfg., 3. Qualität 62—64 Pfq., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschält bei Kälber gut, Ueberstand unbedeutend, bei Schweinen gut, kein Neberstand.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 29. Juni 1905: Meist wolkig, vielerorts Gewitterregen,, stärkerer im Norden, geringerer im Süden Hessens. Später Abkühlung.
Nähere. durch die Gießener Wetterkarte.
Hrlsiinar-vraKtmekdungen.
Berlin, 28. Juni. Zu der Beratung der Bergnovellen im Herrenhause beantragen die Konservativen eine Resolution, in der sie Maßnahmen verlangen, welche geeignet seien, den Kontraktbruch, insbesondere wo ein öffentliches Interesse obwaltet, unter Strafe stellen, der Aufforderung dazu entgegenzutreten und die Arbeitswilligen zu schützen. — Die Staatsregierung wendet der Verstärkung der Nahrungsmittelkontrolle ihre volle Aufmerksamkeit zu und leitete Verhandlungen ein, welche auch die Frage einer Reichszentralbehörde für die Heber« wachung des 'Nahrungsmittelverkehrs umfassen sollen.
Plauen i. V., 27. Juni. Auf der Bahnstraße kam ein elektrischerStraßenbahnwagen, infolge Versagens der Bremse, ins Nollen, sauste die Bahnstraße abwärts und fuhr in ein Haus hinein. Hierbei wurden eine Person getötet und 14 verletzt.
Lon don, 28. Juni. Ms Zeichen für die pessimistische Auffassung der politischen Lage in England darf die Anordnung der Versicherungsagentur Llovd gelten, welche die Prämien für Kriegsgefahr auf sechs Monate für Schiffe und Schiffsladungen afif 5 Prozent erhöhte.
Paris, 28. Juni. Der gestrige Empfang des deutschen Botschafters Fürsten Radoliu beim Ministerpräsidenten Rouvier dauerte über eine Stunde. Fürst Radolin überreichte dabei die Antwortnote des Fürsten von Bülow. Den von der Konferenz ausgeschaltetcn Punkten widmete Rouvier bei seiner Besprechung mit Radolin große Aufmerksamkeit. Rouvier werde, sagt der „Soir", in den allernächsten Tagen eine neue Note nach Berlin gelangen lassen, worin Frankreich seine erworbenen Rechte zur Vermeidung künftiger Mißverständnisse zu fixieren willens ist. Bezüglich der Errichtung eines internationalen Kontrollorgans für die Reformen der marokkanischen Armee und der Finanzen zeigte Rouvier noch keinerlei Begeisterung. Voraussichtlich wird die Zeit bis zum Zusammentritt der Konferenz benutzt werden, um eine allgemeine deutsch-fran- zösische Verständigung anzubahnen. Unmittelbar nach Ra-« dolins Unterredung mit Rouvier wurde dessen Entschluß den parlamentarischen Parteichess bekannt gegeben, daß Ende Juni ein französischer Vertrauensmann nach Fez abgehen werde, um dem Sultan Frankreichs Geneigtheit zur Beschickung! der Konferenz anznzeigen. Auch werden schon drei Mitglieder genannt, welche Frankreichs Vertreter bei der Konferenz sein sollen, nämlich Bourgeois, Ministerialdirektor R e v o i l und General F am in. — J!n allen Kabinetts ist mau ausnahmslos von dem neuen Kurs in der Marokkofrage befriedigt, weil überall Deutschlands uneigennütziges Vorgehen und sein loyales Bestreben anerkannt wird, die noch zu behebenden Schwierigkeiten auf das Mindestmaß zu beschränken.
Warschau, 28. Juni. Aus Lodz wird hierher telegraphisch gemeldet: Das Militär argwöhnte, daß in einem Hause eine Anarchistenversammlung stattfand. Die Soldaten umzingelten das Haus, drangen ein und feuerten in die Finsternis hinein. Die Einwohner wurden von Panik ergriffen imd einige derselben verwundet. Bei Zgierz wurde gestern im Walde eine Sozialistensitzung entdeckt, an der etwa 200 Personen teilnahmen. Kosaken umzingelten die Versammlung, feuerten mehrere Salven ab, verwundeten 30 rmd arretierten 180 Personen. Die Verhafteten wurde zu Fuß nach dem vier Meilen entfernten Gefängnis von Lenschitz ab geführt. Jtt Lodz sind jetzt 15 000 Mann Truppen konsigniert. Der Hauptstab dieser Truppen ist in einem Madchengymnasiunt nntergebracht. Die zerstörte Gasbeleuchtung kann in etwa 10 Tagen her- gestellt werden.
8eine lieben E. M. E. M., A. H. A. EL, i. a. C. B., i. a. C. B. erlaubt sieh unterfertigter G. 0. von dem zu Giessen erfolgten Ableben seines lieben a. H.
Rheuaniae-Heidelberg (XX. XX.) 1886-88
geziemend in Kenntnis zu setzen.
Giessen, den 27. Juni 1905.
Cf. 0. d@r Tontonia
I. A.
Hartmann, XXX.


