Nr. 124
Viertes Blatt
Samstaa 27. Mai 1905
155. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Redaktion, Expedition u. Druckerei: ©djidfH-t, TeU Vic. 61 leiegu-Hltita Lln-eigei Gietzea»
RotaNonSdruck unb Verlag da Vrü h l 'fchea UnwersttätSdruckerei. UL Lange. (Sieben,
Erlcheini mit Ausnahme de- Sonntag-.
Die »Olehener gamilienblätter“ werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegl. Der «Hejstfchtz LavdwiN" ericheuu monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Voliiische Tagesschau.
Abgeordneter Richter.
Die Meldung von der schweren Erkrankung de? Ab- geordn. Nichter — glücklicherweise stellt sich die Nachricht, ihm drohe völlige Erblindung, als übertrieben heraus — hat, wie man uns aus Berlin mitteilt, außer in den Parlamenten auch in Negierungskreisen aufrichtige Teilnahme hervorgerufeu. Sie dürfte bereits dem Leidenden zum Ausdruck gebracht worden sein. Abg. Nichter wird seit den dampfen um den Zolltarif, wo hauptsächlich seiner resoluten Mitwirkung die Besiegung der sozialdemokratischen Obstruktion zu danken war, fast als eine Stütze der „Ordnungsparieicn" betrachtet. Die konservative „Kreuzztg." hat nach seiner Rückkehr ins Parlament mehrmals ein wahres Verlangen zu erkennen gegeben. Das ist ziemlich viel, wenn man bedenkt, daß gerade Nichter stets der schneidigste unb einflußreichste Gegner der agrarischen Bestrebungen und insbesondere der sogenannten agrarischen „Liebesgaben" (an die Branntweinbrenner), des Getreidemonopolantrags Graf Kanitz usw. gewesen ist. In diesen Anschauungen ist Nichter der Alte geblieben. In Bezug aus andere politische und wirtschaftliche Fragen aber glaubt man auf Seiten der Rechten an eine entschiedene Milderung der Opposition des „Rufers im Streit", und darum, und auch wegen seiner Bedeutung als Bekämpfer der Sozialdemokratie möchte man ihn gerne ins Parlament zurückkehren sehen.
Das Ansehen des KnmmergerichtS.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In den NeichstagSverhrud- iungen der lebten Tage wurde von sozialdemokratischer Seite dem In st i z m i n i st er wiederholt der Vorwurf gemacht, daß er sich Eingriffe in die Rechtsprechung des Kamm er- gerichts schuldig gemacht lwbe, dieser Vorwurf entbehrt jeder Begründung. Der Sachverhalt ist einfach folgender: In einem Rechtsstreit zweier eingetragener Genossenschaften mit beschränkter Haftung forderte der Justizminister anläßlich einer von der abgewiesenen Seite an ihn gerichteten Vorstellung das rechtskräftige Urteil des Kammergerichts ein. . Er stellte daraus fest, daß der Tatbestand dieses Urteils eine Reihe aktenwidriger Ungenauigkeiten enthielt, die getroffene Entscheidung aus Bestimmungen des Gesetzes über die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, statt auf diejenigen des Genossenschaftsgesetzes gestützt war. Auf diese Verstöße wies der Justiz-Minister den Kammergerichtspräsidenten hin, ohne sich irgendwie in eine Prüfung der materiellen Seite ein-ulassen und er beschränkte sich darauf, den Präsidenten zu ersuchen, nicht den Senat (wie versehentlich in der Sitzung des LlibgeordnetenHauses vom 18. März erklärt worden ist) sondern den zurzeit erkrankten Referenten nach seinem Wiedereintritt in den Dienst mit diese Versehen aufmerksam zu machen. Hierzu war der Justizminister vermöge der ihm durch § 78 des Au^ühruugsgesetzes zum E^ericht^v^rfassungsgesetz übertragenen Aussicht über die Gerichte ebenso berechtigt wie ver- psiichtet. Was darüber hinaus von einem Eingreisen des Iustiz- minisiers in der Sache behauptet worden ist, beruht aus Ersindung. Der Umstand, daß inzwischen andere Senate des Kammergerichts in ähnlichen Prozeßen zu Gunsten der klagenden Genossenschaft entschieden haben, gab einem sozialdemokratischen Abgeordneten den traurigen Mut' zu der Behauptung, diese Senate hätten sich durch das Einschreiten des Justizministers beeinflussen lassen. Das Ansehen des Kammergerichts steht zu hoch, ist zu ieft begründet, um durch solche Angriffe berührt werden zu können. Der Vorwurf jenes Abgeordneten ist aber um so haltloser und frivoler, als die verschiedenen Urteile in der rechtlichen Würdigung des Klage- grundeS vollständig übereinstimmen und die Abweisung der Klage in dem früheren Prozesse lediglich auf Grund eines Eimvandes erfolgte, der in den späteren Prozessen nicht erhoben werden konnte. Wenn der Justizminister sich versagen mußte, den gegen ihn erhobenen Angriffen im Reichstage selbst entgegenzutreten, so beruht dies darauf, daß die königliche Staatsregierung den Reichstag nicht als diejenige Stelle betrachtet, an welcher sie sich wegen preußischer Verwaltungsakte zu verantworten hat.
• Die ft reitbare Barfußtänzerin Isadora Duncan, die bekanntlich am 22. März d. I§. vom Ehar- lottenburger Schöffengericht wegen Beamtenbeleidigung und tätlichen Angriffes auf den Gerichtsvollzieher Rapsch zli 150 Mk. Geldstrafe, bezw. 50 Tagen Gefängnis verurteilt wurde, sollte am Montag in der Berufungsoerhandlung dieser Angelegenheit vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II erscheinen. Trotz gehörig zugestellter Vorladung blieb Miß Duncan aber aus. Die Strafkammer beschloß Vertagung und nochmalige Vorladung der Angeklagten zu einem neuen Termin unter der Androhung der zwangsweisen Vorführung im Falle unentschuldigten Ausbleibens.
• Roosevelts erster Gruß an Kaiser Wilhelm. Der amerikanische Diplomat Andrew D. White, der in den Jahren 1897 bis 1902 Botschafter Amerikas in Berlin war und als namhafter Historiker vor vier Jahren zum Ehren- mitgliede der preußischen Akademie der Wisienschaften ernannt rvuröe, hat soeben seine Memoiren erscheinen lassen, die besonders aus seiner Berliner Zeit vieles für uns Deutsche Interessante enthalten. Andrew D. White hegt für unseren Kaiser die größte Bewunderung. Auch das kleinste Erlebnis mit dem Kaiser hält et in seinen Aufzeichnungen fest, und gerade aus vielen kleinen Zügen setzt sich das Bild zusammen, das er sich von dem Herrscher gebildet hat. Er gibt seiner Bewunderung Ausdruck über die Sachkenntnis und Fürsorge, die der Kaiser auch in scheinbar nebensächlichen Dingen entfaltet; so beispielsweise, wenn er bei der Besichtigung eines Dampfers der Hamburg-Amerika-Linie dem Kapitän des Schiffes vor Augen hält, wie unzweckmäßig an den mischen die scharfen Ecken sind, da sie bei stürmischer See leicht gefährlich werden können. Mit besonderem Interesse aber erfährt man heute, wo die zwischen Kaiser Wilhelm und Präsident Roosevelt bestehende gegenseitige Sympathie so oft öffentlichen Ausdruck gesunden hat, von dem ersten Gruß, den der Präsident der inächtigen Union durch den Botschafter Andrew D. White an den Kaiser ausrichten ließ. Roosevelt sagte damals, nachdenl er eben den Präsidentenstuhl bestiegen
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hatte, zu dem Botschafter bei seiner Abreise nach Deutschland: „Berichten Sie Seiner Majestät dein Kaiser, daß ich vor allem ein Jäger bin und daß ich ihn als solcher besonders um eins beneide, was er getan hat, und was ich noch nicht fertig gebracht habe. Er hat nämlich einen Walfisch erlegt. Aber wenn er einmal nach den Vereinigten Staaten kommen möchte, so würde ich ihn zu einer Jagd auf Berg- löwen einladen. Wenn er dabei einen erlegen wird, und ich bin nicht im Zweifel, daß es geschieht, so würde er der erste Monarch sein, der dies getan hat, seit dem babylonischen König Tiglatpilesar." Diese Worte Roosevelts sind sehr hübsch, aber mit den Berglöwen stimnit's nicht, ßöioeu gibl's in Amerika nicht, unb wenn man auch den Puma „Silberlöwe" nennt, so hält er sich doch stets in der Ebene auf und kann also nicht Berglöwe genannt werden. Der Babylonierkönig bat aber wirkliche Berglöwen erlegt, unb insofern hinkt ber Vergleich.
* Das Amt des Reichsgerichts-Prüsibenten ist nun zum vierten Male besetzt worben. Es ist nicht leicht, ür einen so schwierigen Posten eine allen Ansorberungen gewachsene Persönlichkeit zu finden. Diese Schwierigkeiten machten sich insbesondere geltend, als es galt, das hohe Amt zum ersten Male zu besetzen. Fürst Bismarck legte Wert darauf, an die Spitze des neugeschaffenen Reichsgerichts einen Mann zu stellen, der nicht nur als Jurist hervorragte, sondern der durch einen in allen Volkskreisen geschätzten glanzvollen
schäft betreibe, für besondere Fälle Seiden zu präparieren. Dev Konkursverwalter ersuchte schließlich, um Mnfbcb-img des land- gerichtlichen Urteils und beantragte vorsorglich den Nachweis b'rüber, daß S^ade vor der Kcmferseröffnung in den Tod gegangen sei. Als Ver'rcter der Witwe ivicß Rechtsanwalt Dr. Reis darauf hin, baß ein Versicherungsvertrag nicht einseitig vom Versicherungsnehmer abgeändert werden könne, sondern stets die Zustimmung der Gesellschaft erforderlich sei. Er halte daran fest, daß der Tob Schades vor der Konkurseröffnung erfolgt und mit dem Moment des Todes die Witwe in alle Rechte des Vertrages eingetreten sei. Die Prämkenbeträge während der beiden letzt-'n Jahre vor dem Konkurs habe die Witwe an die Konkurse masse vergütet. Dem DersichorungSnchmer lwbe irgend ein Aw4 spruch au die Versicksirunossumme überhaupt nicht Hugestanden, da sie ja erst mit seinem "Tode fällig wurde und sie vertragsmäßig einem Dritten übertragen war. Da sei es doch selbstverständlich, daß sie nicht mit in die Konkursmasse einbe^m werden könne; der vom Konkursverwalter ausgebrachte „offene Arrest" könne sich doch nur auf das zur Konkursmasse gehörige Vermögen beziehen und daß die dem Sch. überhaupt nicht Anstehende Versickwrungssummc nicht dazu gehöre, liege auf der Hand. Auch die „Germania" habe in ihren Korrefvonden-en fortgesetzt den Standpunkt vertreten, daß nur Frau Schade für die Auszahlung der Summe zuständig sei. Der Präsident teilte nach kurzer Replik und Duplik mit, daß die Verkündung des Urteils am 7. Juni d. I. erfolgen werde.
Mainz, 2ß. Mai. Der Totfchlagsprozetz gegen Baron v. Lengerke, der am 2. Juni vor dem Schwurgerichte zur Verhandlung kommen sollte, wurde wieder vertagt, weil ein Hauptbclastunasreuge wegen Erkrankung nicht erscheinen konnte. Der Prozeß wird erst in der Schwurgerichtsperiode im September ftattfinben.
Namen dem Amt zur Zierde gereichte. Er nahm nun den langjährigen Präsidenten deutscher Parlamente, Eduard Simson, der sich durch seine politische Tätigkeit eine historisch bedeutsame Stellung errungen hatte, in erster Reihe in Aussicht. Der Fürst begab sich zum Kaiser, um ihm über die Angelegenheit Vortrag zu halten, und als er mit der Liste der Kandidaten für das Reichsgerichtspräsibium eintrat, rief ihm ber Kaiser entgegen: „Ich habe schon einen Kandi- baten." Bismarck enuiberte: „Majestät, es ist wahrscheinlich berselbe, ber aus meiner Liste obenan steht." Es war in ber Tat so. Run setzte sich der damalige Staatssekretär des Neichsjustizamtes Friedberg mit dem ihm befreundeten Appella- tionsgerichts-Präsibenten Simson in Flankfurt a. O. in Verbindung, erfuhr aber zu seiner Ueberraschung, daß Sinison das hohe Amt ablehnen wolle. Friedberg, ber barüber sehr ungehalten war, bat ihn, seinen ablehnenden Entschluß bem Fürsten Bismarck selbst mitzuteilen. Simson begab sich nun zuin Fürsten, ber ihn mit den Worten empfing: „Sie sind also hergekommen, um uns einen Korb zu geben?" Darauf erklärte ihm ber Kanzler, baß der Kaiser selbst seine Ernennung wünsche unb daß sich ein passenderer Abschluß seines Lebend als an der Spitze des Reichsgerichts kaum möchte ersinnen lassen. Simson wies auf sein vorgerücktes Alter hin — er war 69 Jahre alt — worauf Bismarck erwiderte: „In Leipzig wird wohl eine paffende Parterrewohnung zu finden sein." Simson entschied sich aber nicht sofort, sondern wollte sich vorerst mit seiner Familie beraten, und als er bei seinen Angehörigen unbedingte Zustimmung fand, schrieb er an Bismarck, daß er sich zur Verfügung stelle. Bald darauf erhielt er das Ernennungspatent mit einer amtlichen Zuschrift des Reichskanzlers, in welcher Bismarck die Bemerkung hinzufügte: „Euere Exzellenz wiffen schon aus meinen mündlichen Mitteilungen, wie sehr ich mich freue, daß Se. Majestät der Kaiser durch diese Auszeichnung Hochdero Verdienst von neuem anerkannt haben, und wie lebhaft ich wünsche, daß Gott Ihnen für lange Zeit Gesundheit verleihen möge, um Ihre langjährige Arbeit in ber Herstellung unb Befestigung des Reichs auch in ber Stellung eines ersten Richters im Reich fortzusetzen." Simson verwaltete bas hohe Richteramt elf Jahre.
(SrntfitslaaL
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Märkte.
Gießen, 27. Mai. Marktb eri cbt. An? heutigem Wocbenmarll kosteten: Butter pr. Pfd. 1.00—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 5—6 Vfg. 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 15—00 Pia., Enteneier 6—7 Pfg., 5käse vr. Stck. 6—8 Pf., Läsemalte 2Stck. 5—6Psg. Erbten vr.Liter 21Pfg., Linien vr. Liter32 Pfa., Taubenpr.VaarO,80- 0,90Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55—05 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 70—80 Psg., Kuh- unb Rindfleisch vr. Pfund 62—68 Pfg., Schweine- lleisch pr. Psnnd 60—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 i'fa., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,50—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel per Zentner 0 bis 0 Alk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 00 - 00 $fg.' Zwetschen per Zentner 0.00-0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkrant 0.10—0.15. Marktzeit 7—1 Uhr.
Grünberg, 25. Mai. Der heutige Himmelfahrt? m arkt reihte sich inbezug auf die Jregnenz dem Ostermarkte würdig au; er wies äußerst zahlreichen Besuch auf, und ebenso war der Schweinemarkt stark befahren. Trotz der hoben Preise — sie schwankten zwischen 60 und 90 Mk. pro Paar — ging der Handel äußerst flott, und früh schon war der gesamte Auftrieb an den Mann gebrach^ Auch für Rindvieh wurden recht annehmbare Preise erzielt: der Austrieb zeigte indessen mit wenigen Ausnahmen nur jüngerej Ware. Im ganzen waren 810 Stück Schweine und 71 Stück Rindvieh aufgetrieben.
te. Frankfurt a. M., 27. Mai. Heu- und Strohmarkt. Hcu kostete beute Mk. 8.00—3.40, Stroh Mk. 2.40 bis Mk. 2.55. Alles per 50 Kilo. Tendenz: in Heu sehr flau, in Stroh fest.
Schiffsnachrichton.
Norddeutscher Lloyd.
In Gießen vertreten durch Earl LooS, Kirchenplatz.
Bremen, 23. Mai. (Per transatlantischen Telearaph.) Der Doppelschrauben-Postdampser „Bremen", Kapitän R. Nierich, vom. Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 9 Uhr morgend wohlbehalten in Newyork angekommen.
Brem en, 25. Mai. iBer transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Cchnellpostdampfkr „Kronprinz Wilhelm", Kapitän A. Nichter, vom Norddeutschen Llovd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Red Star Linie
Vertreter E arl Retter, Gi eßen, Eichweg7, Ecke großer Steinweg.
Der Postdampfer „Kroonland" der Red Star Linie in Ant« w erden, ist laut Telegramm am 22. Mai wohlbehalten in Newyork angekommen.
R. V. Darmstadt, 25. Mai. Ein Nachspiel zn dem feiner» freit viel befbroebenen Konkurs des hiesigen Bankiers Christ. Schade, das auch in rechtlicher Befriedung allgemeines Interesse bietet, beschäftigte heute das hessische Oberlandesgericht. Sch. hatte im Jahre 1884 mit der Lebens-Versicher- ungs-Mtrengesellschaft ,,Gevmania" zu Stettin eine Versicherung über 5000 Mark, zahlbar bei seinem Tode, abgeschlossen und d-abei mit der Gesellschaft ausdrücklich vereinbart, daß die Versicherungssumme seiner Frau zufatten solle.. Der Konkurs-Verwalter fand nun diese Versicherungsval'z^ im Kasseuschrank des Sch. vor und bezog sie in die Konkursmasse mit ein. Die Witwe erhob darauf Klage auf Freigabe dieser Polize, und das Landgericht entschied im vorigen Herbst dahin, daß die Versicherung außerhalb der Konkursmasse stehe und alle Rechte daran der Witwe zustäuden, sck>on d^sh'-'lb, w'-il seitens des Konkursverwalters fein Widerruf erfolgt se'. Es haudelt sich hier, nebenbei bemerkt, nicht um den vollen Bersick>erungsbetrag, sondern, da Selbstmord vorliegt, um die von der 6st:sellschaft zu zahlende volle Prämienreserve im Betrage von 1874 Mark. In der heutigen Berufungsverhandlung mochte der Konkursverwalter, Rechtsanwalt Schimmllpfeng, geltend, bie Versicherung gehöre schon deshalb in die Konkursmasse, weil Sch. im Moment der Kon- kurserllärung zweifellos noch gelebt habe. Denn dieselbe erfolgte am 2. Mürz v. I., während die Leiche des Sch. erst am 27. April bei St. Goarshausen im Rhein aufgefunden wurde. Sch. bobe nachweislich mehrere hundert Mark bei seiner Flucht mitgenommen und bei der Leiche seien nur 65 Pfg. vorgefunden worden, er habe also jedenfalls noch einige Zeit von diesem Gelde gelebt. Für den 188 t in Stettin abgeschlossenen Versicherungsvertrag sei das preußiscl'e Landrecht maßgebend, nach welchem die Begünssigungserklärung in der Versicherung nur als eine einfache Anweisung betrachtet werde. Dem VersicherungÄinternehmer allein standen auch alle Rechte an der- Versicherung z-u, z. B. der Rückkauf, die anderwei'ige Uebcrtragung usw. Mle übertragbaren Rechte des Schuldners abe- unterlägen der Zwangsvollstreckung, gebürten also auch in die Konkursmasse. Der Versicherungsvertrag sei lediglich ein Rechtsverhältnis zwischen der Gesellschaft und dem Versicherungsnehmer, ein Dritter habe gar- nichts mitzudestimmen. Allgemeine Heiterkeit erregte noch die Mitteilung des Konkursverwalters, es sei vorgestern ein Konkursgläubiger bei ihm gewesen und habe erklärt, er besitze die bestimmtesten Beweise, ba£> Bankier Schade noch lebe. Es gebe in England eine wohlorganisi'crte Gesellschaft, die Ge-
Teiephonischer Kursbericht.
Frankfurt rr. U., 8«/t% HeichHanleibe . . 101.45 3% do. ... 90.45 3V,% Konsols .... 101.55 *.o/o do ..... 90.40
liessen .... 100.80 811, % Oberhesflon . . . 99.— 4 % Oesterr, Goidrerte . 102.10 4* Oesterr. Ailberrento . 100.95
4% Unerar. Goldrente . . 99 95 4°/ Italien. Honte . . . 106.50 4 % Porhigiea-T I , . . 66.80 8°/ Portugiesen. IH . . 67.00 \% Unit Türken . . . 88 40 Türkenlose......134.60
4% Gr.eoh. Monopol.-Anl. 55.00 4l/j° o äussere Arcentiner 00.00
Tendenz: rnhi?. Schla.
26. Mai. Offizielle SchloBskurse.
3u/n Mexikaner .... 66.65 4Ve'7r, Chinesen .... 96.40 Electric. Sol uckert ... 136.00 Nordd. Lloyd . . . . 123.40
Kreditekfien ... * * 208.90 Diskonto-Kommandit. . . 186.60 Darmstildter Bank . . . 140.50 Dresdener Bank .... 15390 Ber iner Handels^ea . • 168 80 Oesterr. Staatubahn . . . 142 80 Lombarden.....15.50
Gotthardbahn ..... 00.00 Laorahütte ..... 266.20 Bochum ...... 241.00 Harpener . ..... 211 80 Staatscbatzscbeino . . . 100.55 8 etwas ab^e^chwächt.
Für die Gesamt R d kt! n verantwortlich: i. V. August Goetz.
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Jnhalatorium.
Bade: ‘ durch die ßadeverwaltun£.


