Ausgabe 
27.5.1905 Zweites Blatt
 
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platze ober auf dem Wege dahin verseucht werden. Würden auch die Tiere beispielsweise durch btc Maul- und Klauenseuche nicht zu Grunde geben, so würden sie doch als Zuchttiere unbrauchbar werden und jedenfalls 50 Prozent oder mehr an Wert verlieren. Um den ZentralKuchtviehmarkt hatten sich beworben G t e ßcn, Butzba ch und Hungen. Eine Kommission,hatte die lokalen Verhältnisse geprüft, namens dieser Kommission referierte der Vorsitzende. Die Stadt Hung-cn scheidet aus, da wenigstens vor­läufig kein bestimmter Platz überwiesen werden kann, da in der Gemarkung Hungen die Feldbereinigung im Gange ist. Die Stadt Butzbach war in der Lage, geeignete Plätze anbieten zu können imb ist auch im übrigen gewillt, alles zu tun,, um den Wünschen des Provinzialvereins entgegenzukommen. Gießen bot zunächst den Viehmarktvlatz in der Umgebung des Schlachthauses an. Die Züchter lehnten diesen Platz schon in eurer früheren Sitzung entschieden ab, wegen der Senckstmgefahr. Die Stadt Gießen hatte in zweiter Linie die Rennbahn an der Hardt als Platz für den Zentralzuchtviehmarkt in Vorschlag gebracht. Auch gegen diesen Platz wurden in der Sitzung schwere Bedenken laut, die unterstützt wurden durch das Gutachten des Kreisvetermar- arztes. lieber die Lahnbrücke werden alle Schlachttierc, ms Schlachthaus geführt, zahlreiches Handelsvieh passiert zwischen den Viebmärkten die Zahnbrücke, wenn es zu ftuß lahnabwartS in der Richtung Wetzlar, oder über Rodheim, oder SVrofbon ms hessische Hinterland nach Biedenkopf und Gladenbach getrieben wird. Dazu kommt, daß neuerdings immer häufiger önrerchische Ochsen vom Schlachtbos in Frankfurt über unsere Lahnbriicke ins Schlachthaus geführt werden. Da wir der Einfuhr von Schlachtvieh aus Oesterrettb-Ungarn febon häufig die Einschklevvung der Maul- iind Klauenseuche zu verdanken hatten, wie der Kreis- tierarzt ausführt, so liegt b*e Gefahr nahe, daß unsere wert­vollsten Viehbestände, die mll großen Opfern herangezucbteten Heerdbuchticre beim Pasfieren des einzigen Weges über die Lahn- bnlcke am Schlachthaus vorbei verseucht werden könnten. Schon heute, sagte einer der Redner, rächt sich tue Anlage des städtischen Viehmarktplatzes m der unmittelbaren Umgebung des Schlachthofes jenseits der Lalm, ein Platz, der von dem entfernten Bahnhof aus unter den ungünstigsten Umständen zu erreichen <t. Die großen Viehhändler me-den den Gießener Markt, weil l-e die zahlreichen und wertvollen Tiere nicht auf einen Markt bringen wollen, der für den Händler zu kostspielig, zu um­ständlich und zu gesahrvo-N ist. Der damalige Oberbürger­meister G n a u t h sah weiter als die Mehrzahl seiner damaligen Stadtverordneten. Er wollte den Viehmarktplatz in die Nähe der Margarethenhütte bringen, der Platz sollte Geleisanschluß haben, die Unterkunftsräume für die frischmilchenden Kühe soUten so beschaffen sein, daß ftc leicht gründlich gereinigt und des­infiziert werden konnten. Der fremde Viehhändler sollte seine Tiere aus dem Waggon bi reff in den Stall führen können, er sollte auch so in der Lage sein, das unverkaufte Vieh rasch wieder zu verladen, um damit einen anderen Markt aufzusuchen. Ein solcher Viehmarktplatz tourb von weit her mit zahlreichem Milch­vieh beschickt worden sein. Dadurch würden Hunderte von Käufern angelockt, die der Stadt an den Markttagen den Verkehr gebracht hätten, den der Kaufmann und Gewerbetreibende herbeifehnt. Gießen liegt so glücklich auch als letzte Ausladestation für Milch­vieh, das ja vorherrschend aus dem nordöstlichen Deutschland

kommt, daß Gießen der bedeutendste Milchvieh- /narkt Deutschlands hätte werden können. Unter den heutigen für den Händler höchst ungünstigen Verhältnissen versorgt der Gießener Markt die Milchviehftälle an Rhein, Mcnn imb Lahn, die zahlreichen Taunusbäder, bie Landschaften bis hinunter nach Bayern und Württemberg., Man war in jener Zeit, als es sich um die Verlegung des städtischen Viehmarktplatzes handelte, in Stadtverordnetenkreisen vielfach der Anschauung, man müsse den Viehmarktplatz reckst weit binauslegen, damit die Händler genötigt seien, recht lange am Orte zu verweilen. Das deckt sich mit der Anschauung mancher mitteldeutschen Staaten, die vor hundert oder mehr Fahren mit ihren neuen Straßen die Steigungen geradezu anfiuchten, damit die fremden Fracht­fuhrleute recht lange im Ländchen bleiben mußten, um den Bauern durch Vorspannsdienste, den Schmieden ,und Wagnern und Wirten tributspflichtig zu werden. Der Gießener Milchvieh­markt ist garnicht tot zu machen, sonst wäre er längst tot. Die Gießener Viehmarktsverhältnis se sind ganz un­haltbar, wurde von anderer Seite behauptet. Was soll wer­den, wenn aus diesem Markt einmal eine gefährliche Seuche aus­bricht ! Zum Schlüsse sahmanda vonab, schon imji ä eh st en Jahre den Zentralzuchtviehmarkt zu eröffnen, um die Sorge darum der bis dahin kommenden Lcmdwrrtfchasts- kammer zu überlassen.

Man prüfte dann den Voranschlag für 1905/06, der abschließt mit 142 000 Mk. Für die Fohlenweide im Tiergarten bei Hungen soll ein Stallschuppen für die Füllen errichtet werden. Der Ausschuß gibt seine Genehmigung auch für die banlick'en Veränderungen der Jungviehweide in Zell.

Die Rechnung der Haushaltungsschule Lindheim wird ge­nehmigt.

Die Buschlußfassung Letr. der Ziegenzucht st ation Gie üen wird ausgesetzt.

Für die Teilnehmer an der projektierten Studienreise nach Oberbaden in das Zuchtgebiet des Simm^ntalerrindes werden einige Stipendien bewilligt. Die Rückversicherung der Fohlen auf unseren Jnngviehweiden wird gutgeheißen. Da­mit schloß abends 6 Uhr btc Versammlung.

Dom HcwerlUchasisKongrcß in Köln.

Köln, 26. Mai. In der heutigen Vormittagssitznng des Kongresses der freien Gewerkschaften wurde die Erörterung über die Frage, ob paritätische Arbeits- oder Arbeite r- kammern eingerichtet werden sollen, sortgesetzt. Es wurde alsdann namentlich abgestimmt. Das Ergebnis der Abstimmung wird von der Wahlprüfungs'kommission festgestellt werden. Als­dann beriet der Kongreß die Frage des Generalstreiks. B ö m e l b u r g-Hamburg führt aus: Die Erörterung des Ofene- ralstreiks sei durchaus notwendig, es wäre eine Unterlassungssünde gewesen, wenn der Generalstreik nicht auf die Tagesordnung des Gewerkschaftskongresses gestellt worden wäre. Er sei kein prin­zipieller Gegner des Generalstreiks, man müsse ab" r sehr vorsichtig fein, ehe man einen Generalstreik unternehme. Eine Niederlage bei einem Generalstreik würde die Arbeiterbewegung Jahrzehnte zurückwerfen. Es habe unendliche Opfer gekostet, ehe es gelungen sei, die Gewerkschaftsbewegung auf den heutigen Stand zu bringen, man sollte es sich daher überlegen, ehe man einen Gene­ralstreik unternehme. Wenn man den Arbeitern das politische Wahlrecht und das Koalitionsrecht nähme, wären sie noch lange nicht am Ende ihres Lateins, im Gegenteil, die Arbeiterbewegung würde ins Ungewisse voachsen. Die beste Waffe gegen die Reaktion sei, wenn die Masse zum Klassenlnwußtsein erzogen sei, aber die große Masse der deutschen Arbeiter würde das K'lasfenbewußt- sein läutern, sie würde w'.e ein Mann zusammenstehen: dann werde man es zum Ausstand nichr kommen lassen. Tim m - Mün­chen, Leim Peters-Bochum und Kl o th-Verlin geben der Ansicht Ausdruck, es könnte der Fall eintreten, in welchem der Generalstreik unvermeidlich sei. Schmidt-Berlin warnt, Ge- spenster an die Wand zu malen; die Reaktion wünsche nichts sehnlicher, als die Gelegenheit, die Arb iterbewegnng mit Gewalt niederzu schlag en. Die Arbeiter hätten sich aber selbst unter dem Sozialistengesetz nicht Provozieren lassen, dadurch sei es ihnen gelungen, trotz des Sozialistengesetzes, zu einer Macht zu er­starken, vor der man kapitulieren müsse. Es empfehle sich auch, weiter an der bisher bewährten Taktik festzuhalten. Sollte es einmal notwendig werden die Kampfisweise zu ändern, bann wird es immer noch Zeit genug dazu fein.

In der Nachmittagsntzung des Kongresses der freien Gewerk- f (haften wurde mitgeteilt, daß in namentlicher Abstimmung 44 Delegierte mit 379 431 Stimmen für paritätische Arbeitskammern, 151 Delegierte mit 771 663 Stimmen für Ärbeiterkammern sich erflärt hatten. Darauf wurde die Erörterung über den General­streik fortgesetzt. Abg. v. Elm-Hamburg meint, der General­streik sei nicht imstande, bie soziale Frage zu lösen; es dürften aber Zeiten eintreten, in denen man von dieser Waffe werde Gebrauch machen müssen. Die anderen Rcdw waren auch der

Meinung, daß die Möglichkeit eines Generalstreiks ins Auge gefaßt werden müsse: man müsse aber die Arbeiter vor Putschen bewalden. Es gelangt schließlich mit allen gegen 7 (Stimmen ein Antrag von Dömelburg zur Annahme; danach erklärt der Kongreß, daß die Taktik für etwa notwendig werdende Kämpfe zur, Verteidigung von Volksrechten sich nach den i e- weiligen Verhältnissen zu richten habe. Der Kon­greß hält daher arte Versuche K durch bie Propagierung des poli­tischen Massenstreiks eine bestimmte Taktik festlegrn zu wollen, für verwerflich; er empfiehlt der organisierten Arbeiterschaft, solmen Versuchen energisch entgegenzutreten. Den Generalstreik, der von Anarchisten und Leuten ohne jegliche Erfahrung auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Kampfes vertreten wird, halt der Kongreß für undiskutabel. Er warnt bie Arbeiterschaft, sich durch bie Aufnahme imb Verbreitung solcher Ideen von ber täglichen Kleinarbeit zur Stärkung der Arbeiterorganisationen ab­halten zu lassen. Es sand alsdann eine sehr lange Erörterung über bie Maifeier statt. Von einer großen Anzahl Redner wurde bie Durchführung der Arbeitsrnhe am 1. Mai für un­durchführbar und jeder vernünftigen Lohnbewegung fmrn h er* slärt. Die Beschlußfassung über die Maifeier wurde auf Samstag vertagt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 27. Mai 1905.

** Personalien. Ernannt wurden der Gerichts-

fchreibergehilfe Lang in Seliaenftadt zum Aktuariatsassi-

ftenten bei dem Amtsgericht Gießen mit Wirkung vom

1. Juni 1905 und der Gerichtsschreibergehilfe Jochim in Darmstadt zum Aktuariatsasfistenten bei der Staatsanwalt­schaft am Landgericht der Provinz Starkenburg mit Wirkung vom 2. Juni 1905.

** Die Prüfung für Tierzuchtinspektoren an ber Lanbesuniversität erfolat nach einer im Regierungs­blatt Nr. 17 veröffentlichten Prüfungsordnung. - Nach § 1 können zur Prüfung Bewerber zugelassen werden, die ent­weder die landw. Staats- oder Diplomprüfung oder die tierärztliche Fachprüfung an der Landesuniversität oder an einer anderen deutschen Universität oder Hoschule (Ma- demie) oder an einer außerdeutschen, von dem Großh. Ministerium des Innern als gleichwertig anerkannten Lehr­anstalt bestanden haben. Für Landwirte wird die Zulassung zur Prüfung überdies von einer genügenden praktischen Vor­bildung des Bewerbers abhängig gemacht; über ihr Vor­handensein entscheidet in jedem Falle die Prüfungs­kommission.

** Der Oberhessische Geschichtsverein hat im Verlauf dieses Monats umfassende 'Ausgrabungen aus dem Exerzierplatz amEulenkopf" unter der Leitung des Konservators des Museums, .Hauptmann a. D. Kramer, vornehmen lassen. Ein mächtiges .Hügelgrab wurde er­schlossen und darin zwei Skelettbestattungen vorgefunden. Im ersten Grabe, das schon in früheren Zeiten geöffnet war, fand sich eine seltene Gewandnadel von Bronze mit kolben­artigem Kopfe und Reifelungen sowie Reste von Bronze- Spiralen vor. Die zweite, unberührte Grabstätte wies dar­auf hin, daß die Leiche seinerzeit auf einem Kiesclbelag ge­bettet war. Zwei Steine, sogenannteWächter", standen oberhalb dies Hauptes. Die Erde zeigte deutliche dunkel­farbige Spuren an den Stellen, wo die Auflösung der Leiche stattgefunden hatte. Der Tote ruhte mit dem Kopfe nach Süden, mit den Füßen nach Norden. Ein wohlerhaltener Bronzehalsring lag bei geringen Neberresten der (Sdyäbcl* decke und bei Teilen des Unterkiefers mit gut erhaltenen Zähnen. In unmittelbarer Nähe lag ein kleiner bronzener Ohrring. Der Leichnam war mit einem Gürtel versehen, der auf den beiden Seiten drei parallele Reihen etwa sünf- pfenniggroße, sauber gearbeitete, halbkugelige Bronzebuckel trägt. Die Buckel haben zwei Spitzen, die in das Leder gesteckt und dann zur Befestigung umgebogen sind. , Ein hakenförmiger Verschluß von Eisen vervollständigt diesen eigenartigen, schönen Schmuck, der aus der Lendenwirbel­säule ruht. Der Fund stammt aus der älteren Hallstattz-Lit, etwa 800 v. Ehr. Die nicht unerheblichen Kosten sind auch in diesem Jahre in dankenswerter Weise von einem ge­borenen Gießener, Herrn Wilhelm Gail zu Baltimore, ge­tragen worden.

** Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, um 12 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre z. Op. der Nordstern von Meyerbeer. 2. Valse bleue von Margis. 3. Ezardas a. d. Op. Der Geist des Wojewoden von Großmann. 4. Armee-Marsch Nr. 1, 4 Der Nheinsträmer.

** Turn gang am Himmelfahrtstage. Der Turnverein Gießen hat für den Himmelfahrtstag einen Turngang auf den Hoherodskopf geplant. Die Abfahrt erfolgt morgens 5.44 Uhr und die Turner treffen etwa 12 Uhr mittags mit den Turnvereinen von Lich, Laubach, Hungen, Nidda, Schotten, Alsfeld, Lauterbach und Schlitz auf dem Hoherodskopf zufammen.

Männerturnverein. Nächsten Donnerstag unter­nimmt der M. T. V. Gießen seinen Himmelfahrts- ausflug von Nieder-Weimar aus über den Rimberg nach Caldern-Marburg. An diesem Ausfluge, der durch eine reizende Gegend unternommen wird, werden sich auch eine Anzahl Vereine des ersten Bezirks beteiligen. Näheres wird noch im Anzeigenteil bekannt gegeben werden.

! Hohensolms, 26. Mai. Mitte Juni werden das Großherzogliche Paar zu Hessen sowie Se.Durchs, der Fürst Karl zu Solms-Lich mit I. Durchs, der Fürstin hier eintreffen, um im hiesigen Schlosse mehrere Tage Wohnung zu nehmen.

n. Katz en fürt, 26. Mai. Das bemitleidenswerte Mädchen Selma Sternberg von hier, über dessen Brand­unfall wir in vorletzter Nummer berichteten, ist, wie an- zuncbmen war, gestorben.

Marburg, 26. Mai. .3 400 000 Lachse werden diese Woche in der Eder bei Viermünden, Franken berg und Battenberg ausgesetzt. Der deutsche Fischereiverein hatte dem Kasseler Fischereiverein die Eier überwiesen und dieser hatte sie in einer Anstalt ausbrüten lassen. Die Tierchen hatten eine Länge von 23 Zentimeter.

Limburg, 26. Mai. Eine Bleivergiftung ent­standen durch Einbildung dürste das neueste sein, was die medi?finische Wissenschaft aufzuweifen hat. Vor einiger Zeit wurde berichtet, daß ein Dienstmädchen in Elz nach dem Genuß von V ü ch s e n c r b f e n schwer erkrankt und in ein hiesiges Krankenhaus gebrach! worden sei, wo durch die Untersuchung eine Bleivergiftung fest gestellt wurde. Die mikroskopische, bakteriologische Untersuchung der Erbsen durch einen vereidigten Chemiker gab keine Anhaltspunkte für die angeblich statt gehabte Gifiwirknng der Erbsen. Durch die gleichzeitige Untersuchung der Konservendose wurde fest- gestellt, daß die Verzinnung keinen Bleigehalt hatte. Wie darum eine Bleivergiftung konstatiert werden konnte, ist geradezu rätselhaft.Es ist darum nicht unbedingt von

der Hand zu weisen", so meint derLimburger?Anz." ganz, ernsthaft,daß durch übertriebene An gst vor einer Bleivergiftung und infolge rasch eingenom­mener stark reizender Gegenmittel ein Erkrankungsbild ge- chasfen wurde, das auf wirkliche Vergiftung schließen ließe." (Kl. Pr.)

ß'in Schisser-penkmal für Kießen.

Man schreibt uns:

In einer seiner Schiller-Nummern brachte derGieß. Anz." am 6. Mai einen mit P. W. nntermchneten Artikel unter dem Titel:Was lehrt die Gießener Schillerfeier vom Jahre 1859?" An der Hand des Programms des Gießener Sck'illersestes . von 1859 wies der Verfasser auf den volkstümlichen Charakter jener Feier hin, an der alle Schichten der Gießener ^Bevölkerung be­geisterten Anteil nahmen. Der Artikel schloß mit dem Wunsche, daß an den dies'ähriaen so erbebend verlaufenen Festakt, dem naturgemäß nur beschränkte Kreise der OJief'.ener Einwohnerschaft anwohnen konnten, noch eine durch einen Gießener Vernn ver­anstaltete würdige Volksfeier an der 1850 g^pflantten Schiller- Eiche sich ans.'bließen möge. Ja, die Schillev-Eiche auf ,dem Lutherberge! Wie viele Gießen-er kennen sie? Wie oft schon ist der Verfasser, wenn er die Schiller-Eiche nannte, mit Er- taunen nach ihrem Standorte befragt worden, auch von solchen, denen Gießen längst: zur .Heimat geworden ist! Gar wenige würden es wohl beachten, wenn mit den 9Mageit auf , dem Lutherberge eines Tages auch die Schiller-Eiche verschwinden würde. Normal ist dieses Verbälwis der Gießener Bevölkerung zu jener Erinnernng arcs irr Zeit der feurigsten Begeisterung iir unfern großen Dichter sicherlich nicht. Ich meine, gerade die diesjährige Feier sollte uns den Gedanken nahelegen, hier Wandel frit schassen und wieder Fühlung mit jenem Enthusiasmus zu gewinnen, der in den trüben Novembertagen des Jahres 1859 viele Hunderte aus allen Kreisen der Gießener Bevölkerung zu der Vvlksfeier auf dem Lutherberg geführt hat, und ber sie in der jungen, emporstrebenden Eiche, die damals zum Gedächt­nis des Dichters des Wilhelm Tell gepflanzt wurde, zugleich ein Wahrzeichen der eigenen drängenden Sehnsucht nach einem geeinten Deutschland erblicken ließ. Auch den Nachkommen der Gießener Turner, Schützen, Studenten und Sänger, die damals im Festzuge schritten, sollte der Lutherberg^ eine dem Gedächtnis unseres unsterblichen Dichters geweihte Stätte bleiben, und die heutige Generation sollte es als eine Pflicht betrachten, gerade dort ein bleibendes Erinnerun gszeichen an die im Säkularjahr 1905 dem Genius Schillers bereitete Huldigung auszurichten. Der Entfaltung besonderen Prunkes bedarf es hierzu keineswegs. In eine am Fuß der hochragenden Schiller-Eiche aufgetürmte Felsengruvpe mag eine Gedenktafel eingelassen werden, die mit schlichten Worten der Nachwelt verkündet, daß auch unserem Ge­schlechte Schiller lieb und teuer gewesen ist.

Findet der vorgetra-gene Gedanke in weiteren Kreisen Zu» stjmmuNg, so wird seine Ansflilwung sich rasch in die Wege leiten lassen. Da die Kosten der Errichttmg eines Schiller-Gedenk­steins voraussichtlich nur ganz geringe sind, so würde ihre Auf­bringung unserer Stadtverwaltung kaum e schwer fallen. Viel­leicht wollen aber auch die verschiedenen Gießener vaterländischen Vereine der Turner, Sänger usw. sich, die Widmung d.'s Gedenk­steins nicht nehmen lassen. Hoffen wir, daß uns tu jedem Falle noch das Jubiläumsjahr die Errichtting des Gießener Schtller- denkmals bringen wird! D- D-

I.!!!,-!

«Landwirtschaft.

- D i e Maul- und Klauenseuche ist in den letzten Monaten erfreulicherweise in Deutschland sehr zurückgegangen. Gegen Ende des Jahres 1904 zählte man dort 168 mit Maul- nnd Klauenseuche behaftete Gemeinden und 361 Geböfte; letztere Zahl war die größte des ganzen Jahres 1904. Dagegen weist die amtliche Aufstellung für den 15. April d. I. nur noch 20 Gemeinden und 31 Gehöfte als verseucht nach, nämlich le 3 Gemeinden in den Regiwnngsbez'rken Königsberg und Oberpfalz, 2 Gemeinden in Anhalt, je 1 Gemeinde in den Regierilngs- bezirken Frankfurt, Stettin, Posen. Oppeln, Merseburg, Mittel- franken, Unterfranken, Neckarkreis Schwarzwaldkreis, Jaxtkreis, Mannheim und Nheinbesfen. Rheinland-Westfalen sind also ge­genwärtig von dieser Seuche frei. In ganz Preußen waren also um die Mitte April noch 8 Gemeinden, 9 Gehöfte, im übrigen Deutschland noch 12 Gemeinden und 22 Gehöfte mit Maul- und Klauenseuche behaftet. Damit sind wir ungefähr wieder auf dem Stande vom 31. Dezember 1903 angelangt, wo es in ganz Deutschland 21 verseuchte Gemeinden gab. Daß es trotz wieder­holter Cünschleppung der Seuche, und zwar sowohl aus Rußland als auch aus Oesterreich-Ungarn, im Jahre 1904 gelang, die Seuche wieder so weit zurückzudämmen, muß als ein sehr gün­stiges Ergebnis der allerdings mit großer Ausdauer und Energie dnrchgeführten Maßnahmen gegen diese Seuche bezeichnet werden. Leider wird nie sich ermitteln lassen, welche Riesenopfer die überaus strenge Durchführung der Msperrmaßregeln im Inlands ber Landwirtschaft in den betroffenen Gegenden Deutschlands auferlegt hat, ganz zu schweigen von den hohen Kosten, welche die deutschen Bundesstaaten haben aufwenden müssen, um die Maul- und Klauenseuche mit Aussicht auf Erfolg zu bekämpfen. Hoffentlich führen diese gewaltigen Schädigungen, bezw. staat­lichen Aufwendungen dazu, day noch mehr, als bisher, der Einschleppung der Maul- und Klauenseuche vorgebeugt wird, was viel mehr wert ist, als die schärfste Bekämpfung der Seuche, wenn diese bei uns 5ingeschleppt ist. Freilich setzt ein solches Vor­beugen voraus, daß auf den deutschen Viehhöfen das inländische Vieh viel strenger von dem ausländischen getrennt wird, als dies bisher der Fall ist.

lüö^fnUi!*' t Ifcbrrlidit brr Cebrsfälir in brr ZiM Kirßlu

12. Woche. Vom 19. bis 26. März 1905.

Einwohnerzahl: angenommen zu 28 000 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 26,00 nach Abzug von 3 Ortsfrentden: 20,417^.

Kinder

Es starben an: Ztffammen:

Lungentuberkulose 2 (1)

Krebs 2

Lungenentzündung 1

Lungenemphysem 2

Ileus ( 1 (1)

Nierenentzündung 1

Wocheubettfieber 1 (1)

Zuckerkrankheit 1

Alterskrankhcit 2

unbekannter Krankheit 1

Erwachsene: im ooin

1 . Lebensjahr: 2.15. Jahr

2(1) - -

2

1

2

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1

Kl) - -

1

2

1

Summe 14 i3) 14 (3).

Sinnt,: Tie m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach

Gießen gebrachte Kranke kommen.

Masi verbinde

ausdrücklich die Oriffinalmarke Dr. DSmnmeFs Haematogen und lasse sich Nachahmungen nicht aufreden. vV,

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bewährteste Nahrung Für

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