Ausgabe 
27.5.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

griffen die Flucht, als ein Dienstmädchen ihnen von" ihrem Fenster aus zurief. Sie hatten bereits eine Scheibe einge­drückt, um einzusteigen. In beiden Fällen scheint es sich um dieselben unbekannten Täter zu handeln.

Sitzung deS P r ov i n z i a l - A uS s ch u sscs. Am Mittwoch, den 31. d. MtS., vormittags 1/29 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzial-AuSschusseS der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt. 1. Gesuch des Philipp Kreiling XL zu Wicseck um Erlaubnis zum Be­trieb Zitier Gartenwirtschaft. 2. Die Bureaukosten des -Großh. Bürgermeisters zu Okarben.

* * Hunde sperre. In der heutigen Nummer unseres BlatteS ist die Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts ent­halten, auf die unsere gestrige Notiz hinwies. Es ist danach unverminderte Vorsicht beim Verkehr mit Hunden und Katzen geboten. Die hier und in auswärtigen Blättern mnlaufende Nachricht, es sei am Donnerstag in Gießen wieder ein Mann von einem anscheinend tollwütigen Hunde gebissen worden, ist falsch. Der Verbreiter dieser unrichtigen Mitteilung scheint vielmehr selbstvon einem tollen Hunde gebissen" zu sein. Wie wir nämlich aus bester Quelle gören, hat aller­dings ein Familienvater, der sich gern einmal in Berlin vergnügen wollte, seiner stärkeren Ehehälfte gegenüber die Ausrede gebraucht, von einem Hunde gebissen worden zu sein, nm unbeanstandet und sogar bemitleidet in die Reichs- hauptstadt sich zu begeben.

Die Sanitätskolonne vom Noten Kreuz hielt gestern abend eine Hebung neben dem Volksschulbade an der Lahn ab. Nach einem Vortrage d's jetzigen ärzt­lichen Leiters der Kolonne, Oberarzt Dr. Flath, über die Verwendung von Leiterwagen zum Transport von Kranken und Verwundeten, wurden an zwei am Hebungsplatze auf­gestellten Leiterwagen praktische Hebungen vorgenommen. Mit primitiven Hilfsmitteln, wie man sie in jedem Bauern- hofe vorfindet, wurden die Tragen auf den Leiterwagen be­festigt und das Auf- und Abladen ausgeführt. Am 25 Juni findet eine Hebung im Gießener Stadtwalde statt. Bei dieser Hebung soll die Verwendung von an Ort und Stelle ent­nommenen Stämmchen, Aesten, Reisern usw. zu Tragbahren, sowie das Verladen Kranker und Verwundeter und der Trans­port derselben auf weitere Entfernung geübt werden. Auch eine Hebung der Kolonne in Gemeinschaft mit der freiwilligen Feuerwehr ist in Aussicht genommen.

* * Der Zirkus Althoff kann sich über mangelnden Besuch nicht beklagen. Auch in der gestrigen Mendvor- stellnng waren sämtliche Plätze des geräumigen Zeltes be­seht. Der Zirkus verfügt über sehr gute Kräfte und präch­tige Pferde, und das Programm ist reichhaltig und gediegen. Am besten hat uns die anmutige und graziöse Drahtseil­künstlerin Frl. Alma Althoff gefallen, die auf dem dünnen, kaum sichtbaren Draht die schwierigsten Kunststücke ausführte und stets ihre elegante und geschmeidige Hal­tung bewahrte. Mer auch ihre Kunstkollegin von der Reiterei, Frl. Lina Althoff, erwies sich in ihrem Fach als wagemutige Kunstreiterin als äußerst geschickt und sicher. Wenn wir die Damen in den Vordergrund der Be­richterstattung stellen wollen, dürfen wir die Doppeltrapez- künstlerinnen Helene und Adele Althoff nicht ver- j gessen, die in beträchtlicher Höhe sehr bemerkenswerte tnrne- rische Darbietungen aussührtcn. Herr Althoff jr. führte »zwei ungarische Schcck-Ponis in Freiheit dressiert vor und ritt später einen prächtigen Rapphengst in der hohen Schule. Auch die übrigen vorgeführtcn Pferde waren sehr gut dressiert. Ein Jockey-Reiter fand viel Beifall, und der dumme August, der sich im Laufe des Abends mit einem gesinnungsverwandten Herrn I o s e p h o sehr um die Heiterkeit des Publikums bemühte, wurde, als er später mit seinem Esel Jule allerlei Familiengeheimnisse preis- gab, ebenfalls mit lauten Bravorufen bedacht. Den Schluß der Vorstellung bildete dieFahrt im Todesring", wobei zwei Radfahrer in sehr halsbrecherischem Tempo in einem schräg aufgestellten Bretterring herumrasten. Der Zirkus bietet im ganzen viel und ist sehenswert.

* * Dienstauszeichnungen für hess. Eisen- pahnbeamte. S. K. H. der Großherzog hat nun auch wie der König von Preußen ein Erinnerungszeichen für 25- und 40jähnge Dienstzeit für hessische Eisen­bahnbeamte gestiftet.

e. Wieseck, 26. Mai. Der Bürgerverein hat an den Ortsvorstand das Ersuchen gerichtet, den Erwerb der in­folge des Schulhaus-Neubaues in Betracht kommenden Straßengeländes ins Auge zu fassen. Der Verein hofft auf diese Weise, denjenigen Einwohnern, die sich ein Haus zu errichten beabsichtigen, auf billige Weise entgegen- zukommen. Dadurch würde vermieden, daß gute Steuer­zahler nach Gießen ziehen und dort selbstverständlich ihre Bedürfnisse beziehen. Auch andere Minhelligkeiten würden ferngebaLen, z. B. Ben>streitigke'ten über Gelände, lücken­hafte Bebauung neuer Straßen u. dgl. mehr. Als Uebel- stand hrrb es sirn^r empfunden, daß die Frage betr. der Verlängerung der Alicestraße, d. h. desjenigen Teiles, der von der Ludwigstraße nach Gießen führt, noch nicht gelöst ist. Der^gerverein bittet schließlich den Ortsvorstand, mit Entschiedenheit der Bahnverbindung Rödgen- Wieseck-Gießen (vgl. Vortra , des Prof. Dr. Sommer, Nr. 122 des Gieß. Anz.) näherzutreten.

v. Bad-Nauheim, 26. Mai. Bis zum 25. Mai sind 5801 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 4590 anwesend waren. 46 296 Bäder wurden bis zum 25. Mai abgegeben.

8 Friedberg, 27. Mai. Ein großes Schiller- Volksfest findet am morgigen Sonntag nachmittag in der Burg statt. Es wird ein Festzug vom Kriegerdenkmal nach der Burg veranstaltet, wo dann die vereinigten Gesang­vereine und der Seminaristenchor Schilterchöce vortragen. Mends ist Militärkonzert und bei eiubrechender Dunkelheit bengalische Beleuchtung des Schlosses und der Burg,

+ Bad-Salzhausen, 26. Mai. Die Zahl der in diesem Jahre bis jetzt verabreichten Bäder ist gegen das Vorjahr beträchtlich gestiegen, trotzdem in der vergangenen Badesaison schon mehr Bäder verabreicht worden waren, als je vorher. Namentlich sind es zahlreiche Vormittagsbäder, die von hier wohnenden Kurfremden genommen werden.

sd. Darmstadt, 26. Mai. Ter Ma. Re in bart hat eine dringliche Anfrage bezüglich oer Ansbilouug und Anstellung der israelitischen Religions- lehrer an die Negierung gerichtet, in der er ausführt, haft aus den Beschluß des Landtags 1900/03 von der Ne­gierung nichts erfolgt sei, obwohl in der ZwUeuzeit der Antragsteller die Frage verschiedentlich angeregt habe und von den Regieruligsvertrctern zusagende Antwort erteilt worden sei. Der Abg. fragt nunmehr dringlich an, ob

die Negierung geneigt ist, noch in diesem Landtage die Aus­bildung und Anstellung israelitischer Neligion^lebrer in die Wege zu leiten. Ferner ist der zweiten Kammer eine Vorstellung der Materialwarenhändler von Mainz znge- gangen, worin sie bitten, daß die Erlaubnis zum Gift- v er kauf nur von der Zuverlässigkeit des Verkäufers tntb nicht von dem Nachweis eines Bedürfnisses abhängig ge­macht werde.

[] Marburg, 26. Mai. Die 8. große Geflügel- Au 8 stellung des Gesiügelzucht-Vereins für den Kreis Marburg wurde heute nachmittag um 3 Hhr eröffnet. Sämt­liche Hallen des RestaurantsSchützenpfuhl", welches in unmittelbarer Nähe des Südbahnhofs liegt, sind für die Unterbringung des Geflügels in Benutzung genommen; für das Wassergeflügel muß sogar noch ein großer freier Platz unter schattigen Lauben hergerichtet werden. Ter Ausstellungs­katalog, der etwa 500 Nummern umfaßt, enthält auch die Namen zahlreicher bekannter Geflügelzüchter aus dem übrigen Hesien-Nassau und den angrenzenden Gebieten.

Frankfurt, 26. Mai. In der vergangenen Nacht hat in einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs der dreißig Jahre alte verheiratete Weißbindermeister Heinrich Brey, der im Hause Niddastraße 64 wohnte, seine Geliebt Anna Heipt, die Tochter eines Eisenbahnbeamten aus der Niddastraße, erschossen und dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Auch er war sofort tot. Zwei zurück­gelassene Briefe richten sich an die Frau des Weißbinders und an die Eltern der Heipt. Die Leichen kamen auf den Frankfurter Friedhof.

Hanau, 26. Mai. AuS Anlaß des nm Montag vor der Strafkammer verhandelten Prozesses gegen den Bäckermeister Karl Kaltenschnee von hier wegen Vergehens gegen die Nahrungsmittelgesetze, wobei sich heraus» stellte, daß in der Kaltensthneescheu Bäckerei seit mehreren Jahren die widerlichsten Schmutzereien bestanden haben, stellte Pas Stadtverordnetenkollegium einen Antrag beim Magistrat, dieser möge erwägen, inwieweit es möglich sei, festzustellen, ob in den anderen hiesigen Bäckereien Mißstände inbezug auf die Sauberkeit be­ständen und ob die Möglichkeit gegeben sei, solche durch Maß­nahmen der städtischen Behörde abzustellen.

Bingen, 24. Mai. Für eine elektrische Neben­bahn Bingen-Bingerbrück und V i n g e n - B ü d e s- h e i m erwirbt und übernimmt die Stadt Bingen die Konzession. Der Bahnbau wird nicht in eigener Regie aus­geführt, sondern dem Oberingcuieur Hecker in Wiesbaden übertragen. Das Unternehmen wurde am 22. Mai unter der FirmaAktiengesellschaft für Binger Nebenbahnen" in das Handelsregister eingetragen.

* Kleine M i t - i' u n g e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Petterweil feierte dieser Tage der B ü r g e v m e i ft e r F r. Berges sein 30 jähriges Diensljubiläum als Ortsoberhaupt. Dem Jubilar gingen zahlreiche Gratulationen, darunter auch solche von ben Behörden, zu. Die ©emernbe ver­anstaltete dem verdienstvollen Oberhaupt zu Ehren eine Festlichkeit und die Vereine brachten ihm ein Ständchen. In Mainz kletterte bas 5 jährige Töchterchen ber Militärmusikers Dorsheimer auf dem Fort am Drususstein herum und stürzte dabei in den 1012 Meter tiefen Graben. Es erlitt so schwere innere 93er- letzungen, daß es im Rochusspital gestorben ist.

Zum Brauduuglück in Offenvach.

Für die von dem Brandunglück Betroffenen ist eine Hilfsaktion cingcleitct worden, und die Stadtverord­netenversammlung in Offenbach hat für die Mwendung der ersten Not vorläufig bereits 1000 Mk. bewilligt.

Noch immer steht, so entnehmen wir der O. Ztg., die ganze Stadt unter dem Eindruck des schrecklichen Unglücks. Viel besprochen werden natürlich die ganz unwürdigen W o hn un g S v erh ä ltn i s s c, die in einigen der abge­brannten Gebäude geherrscht haben, ganz besonders in dem Hof--Querbau, wo nur der Umstand, daß die Wohnungen der Familie Renninger und Fisch über den Heukammern lagen, und daß durch diese eine enge Holztreppe führte, den Tod von fünf Personen zur Folge gehabt hat. Vielfach ist man der Meinung, daß die W o h n u n g s i n s p e k t i o n ihres Amtes nicht genügend gewaltet habe, doch ist es in der Hauptsache ein Zusammentreffen unseliger Zufälle, die hier die Schuld tragen. Das ging auch aus den Ausführ­ungen hervor, die der Beig. Zopfs in der Stadtverordneten­sitzung am 25. Mai in dieser 'Angelegenheit machte. Danach hat am 30. Januar d. I. eine genaue Untersuchung der Husnagelschen Hosraite seitens der Wohnungspolizei und des Kreisgesundheifsamtes stattgefuuden. Speziell be­mängelt wurde die Steilheit der engen und dunklen Treppe, die leicht einen Absturz verursachen konnte; auch fehlte jede Ventilation. Dem Verwalter der Hofraite wurde die Auf­forderung zugestellt, die Wohnungen räumen zu lassen. Dieser hatte aber nichts mehr damit zu tun, und so ging die Zustellung weiter an einen Herrn nach Kesselstadt und schließlich an den jetzigen Verwalter. Dem Gesetz nach muß ein Monat Frist gewährt werden, wenn die Leute noch keine andere Unterkanft gefunden haben. Aus Nachsuchen wurde die Frist definitiv auf den 1. Juni fest­gesetzt; die Leute hätten also dieser Tage die Wohnungen räumen müssen. Noch am Tage vor der Vrandnacht sind die Leute nochmals zum Wohnungs­inspektor gekommen, nm eine Verlängerung der Frist zu verlangen, was dieser jedoch ablchnte, "zumal der Verwalter ihnen schon andere Wohnungen zur Verfügung gestellt hatte.

Betreffs der Entstehung des Brandes herrscht noch Ungewißheit. Die fünf Leichen sind bei den Auf­räumungsarbeiten gefunden worden. Die Ueberreste der Frau Renninger, die etwa 30 Jahre alt war, mit ihren Kindern tagen dicht beisammen an der Südostseite des Hauses. Die Kinder waren bis auf die Knochen verkohlt; die Frau, die weniger verbrannt war, hatte die Arme vor der Bru.st verschlungen, als ob sie eins der Kinder an sich gepreßt hätte. Erst später, gegen 5 Uhr, fand man auf der anderen Seite des Gebäudes die Leiche der bereits bejahrten Frau Fisch unter den Trümmern; sie lag mit dem Gesicht zu Boden und war verhältnismäßig wenig verbrannt. Die unglücklichen Opfer wurden auf den Fried­hof verbracht. Den im Krankenhaus untergebrachten Ver­letzten und den geretteten Wöchnerinnen geht es ziemlich gut, sodaß eine Lebensgefahr nicht mehr besteht. Außer den Schwerverletzten wurden im ganzen 10 Personen leicht verletzt.

Oi.) Gießen, 26. Mai. Die Strafkammer hob heute ein sreisprechendes Urteil des Schösseng-crichts Alsfeld auf und ließ Verurteilung eintreten. . Die Bierbrauerei Wallach zu Alsfeld liefert sieit einiger Zeit F l a s ch e u b i e r an die Arbeiter der Alsfelder Möbelfabrik und läßt cs durch den Arbeiter Steuer»

naget an die übrigen Arbeiter verabfolgen. Steuernagel bcwmmt für seine Bemül)UNg"N pro Flasche 1 Pfg., welche Beträge ihm von der genannten Brauerei monatlich mit 810 Mark vergütet werden. Das Bier wird von ihm ohn" Aufschlag an die ArbeUer weitere,egcbcn. Die Steuerbehörde erblickte in btefer Handlung eine gewerbliche Niederlassung und ließ, weil ein Gewerbepatent nicht gelöst wurde, d"m Stencrnagel einen Strafbescheid »u- g eh eit. Aus seinen Einspruch w"rde mit Genehmigung des Mr- uisterinms der SEasbefch-cid znrückgezog-'n und gegen den Brau- ereibesiher Karl W. gerichtet, der gerichtliche Entscheidung an- trug. Das Schöffengericht begründete seinen Freispruch damit, daß von einem bcsondeni Gewerbebetrieb kein Rede sein kann. Das Verusnngsgericht erachtete eine gewerbliche Nieder­lassung als vorliegend, indem cs ausfi'ihrte, daß es nicht darauf aukomme, ob die betreffenden Lokalitäten groß oder Nein, ob sie besonders für den Betrieb bergerichtet seien oder nicht. Es wurde weiter angntommen, daß Steuernagel als Bmuftragter der Brauerei und als Vermittler, nicht aber als Verkäufer an- znschen sei. Es wurde sonach der Berufung der Staatsanwalt­schaft stattgegebcn und der Inhaber der Firma Wallach zu der in d^m S^rsibescheid des Steuerkommissariats Msfeld angesetztcn Strafe verurteilt. Wegen Vergehens gegen dem § '182 Abs. 1 des Jnvaliditäts- und Altersversickierungs-Gv» s e tz e s wurde der Maurer Wilhelm Karl B. von Vilbel zu zehn Mark Geldstrafe verurteilt. B. war angeklagt, daß er als Bau­führer den von ihm auszulohnenden Arbeitern die Beiträge in Abzug gebracht, aber nicht an die betreffenden Kassen gbgelicfert hat. Daß dies in rechtswidriger ^lbs'cht geschehen ist. wurde nicht als erwiesen angenommen. Von der weiteren Anklage des Vergehens gegen das Krankcnversicherungsgesetz erfolgte Frei­sprechung. Ein wegen Freisprechung van der Staatsanwalt­schaft angefochtenes Urteil des Schöffengerichts Friedberg wurde aufgehoben und auf Strafe erkannt. Der Landwirt Karl Sch. von Assenheim hatte ohne Veranlassung einen Weißbinder mit F austs chlägen und Fußtritten an den Unterleib traktiert. Er wurde aber, da man den Angaben des Verletzten nicht traute, von dem Schöffengericht frcigesprochen. Ans Berufung der Staats­anwaltschaft und des Verlebten, der als Nebenkläger auftrat, er­kannte das Gericht auf 50 Mark Geldstriafe und sprach dem Verlebten eine von dem Angeklagten zu zahlende Buße von 20 Mark zu.

Sport.

7. Fußball. Der Gießener Fußballklub v. 1900 spielt am morgigen Sonntag in Friedberg gegen den Akademischen Sport- HubJnlernakionol", gegen den er bereits zweimal st eg reich war.

Oriliinal-Dra!Um«'sdnnac'n.

Dresden, 27. Mai. Die Bürgerschaft brachte qefterr abend dem König zum Geburtstage eine großartige Huldigung durch einen Lampion-Fackelzug bar, an dem 200 Vereine unb Körperschaften, insgesamt 12 000 Per­sonen, mit 26 Musikkapellen, teilnahmen. Der König nahm die Huldigung vom Balkon deS Altstädter Rathauses ent­gegen.

Neustadt a. d. H., 27. Mai. Der 22. deutsche Weinbau-Kongreß wird vom 22.25. August hier, rtattfiubcn. Mit bem Kongreß ist eine Ausstellung von Kellergeräten verbunden, die bis zum 4. September aus­gedehnt wird.

Stuttgart, 27. Mai. Prinz Heinrich von Preußen traf heute vormittag 8 Hhr 15 Minuten in Be­gleitung seines Adjutanten, des Korvettenkapitäns Schmidt von Sehwindt hier ein. Zum Empfang waren auf dem Bahnhof erschienen: der König in der Uniform seines preußi­schen Kürassier-Regiments, Herzog FriedrichEugen von Württem­berg, ferner Generalabjutcmt Bilfinger, der preußische Ge­sandte von Plessen-Cronstern, ber Ehrendienst, sowie ber Aus­schuß des Württemberger Landesverbandes unb des Deutschen Flottenvereins mit dem Herzog Karl von Hrach an der Spitze. Nach herzlicher Begrüßung fuhr der König mit seinem hohen Gaste nach dem Nesibenzschloß, wo der Prinz Wohnung nimmt.

Stuttgart, 27. Mcn. Zu Ehren der Delegierten deZ Deutschen F l o 11 e n v e r e i n s gab gestern abend die Stadt Stuttgart im Stadtgarten ein Festkonzert. Oberbüraermstr. vonIaucd begrüßte die Erschienenen, indem er darauf hluwics,, daß schon Schiller den Schwaben in verschiedenen Gedichten, den Sinn für das Seewesen, insbesondere für eine starke See­macht eingepflanzt habe. Der Verein werde es erfahren, daß fein anderer Volks stamm mehr Sinn für die maritimen Mer- essen hege, als der schwäbische, wenn auch die Meinungen über das Maß des Schutzes der deutschen Handelsflotte geteilte feien.' Der Oberbürgermeister fügte noch die Bitte hinzu, der Flotten^ verein möge seinen Einfluß in 'dem Sinne verwerten, daß in Deutschland alles geschieht, was das seeentfernte Württeyiberg dem Meere näher bringe, und allcs^vermieden werde, was diese Enifernnng vergrößern könnte. Ersteres wurde erreicht durch einen Verbindungsweg zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meere, der auch Württemberg berühre. Der Vizepräsident desl Vereins, Frhr. v. Würtzbnrg, sprach den Dank für diesen Will-^ kommengruß lains. . '

London, 27. Mai. Nach einer Depesche desDaily Telegraph" aus N e w y o r k wurde gestern der Urheber des> am 11. Mai 1903 gegen den Eunaid Umbria im hie­sigen Hafen verübten Höllenmaschinen-Anschlags, Gesiler-Rousseal, zu vier Jahren Gefängnis ver­urteilt. Der Verurteilte ftebt auch im Verdacht, den Anschlagl gegen das Standbild Friedrich des Großen in Washington verübt zu haben.

Wien, 27. Mai. Nach Meldungen aus Konstantinopel sollen die Araber in Damaskus und anderen Orten Syriens sich gegen die türkische Oberhoheit er* hoben haben und C h ri ste nm e tz e l e i en veranstalten. Der Ministerrat beschloß eine neue Mobilisierung von 100 000 Mann.

Petersburg, 26. Mai. Die Petersb. Telegr.-Agent., meldet aus Godsiadiau: Die Prinzessin Neuß ist' bei der Armee eingetroffen, um als barmherzige S ch w e st e r tätig zu sein. Die Prinzessin wurde in längerer Audienz von den Generälen Lincwilsch und Kurovatkin ent», pfangen, wobei diese die allgemeine Dankbarkeit für die Ankunft der Nmnzessin und die Tätigkeit des deutschen- Lazarettes ausdrückten.

Petersburg, 27. Mai. (Petersb. Telegr.-Ag.) In' Tschifu hat der dortige Vertreter der japauischew Tampfergesellschaft, Nippon-Jusan-Kaischa, den Befehl, die zum Auslaufen bestimmten Dampfer bis auf weiteres zur ückzu halten von Shanghai mit der Begründung erhalten, daß zwei russische Kreuzer von Ww» sung aus nordwärts vorgegangeu seien.

Warscktau, 27. Mai. Der Generalgouverneur macht dureh öffentlichen Anschlag bekannt, baß bie Herstellung der Ruhe in ber Stadt bem Militär übertragen werbe unb bie Unruhestifter kriegsgerichtlich bestraft werben. Bei ben gestrigen Zusammenstößen würben bis abenbs 10 Hhr 19 weitere Personm verletzt, 15 von ihnen durch Shdnvunbcii, 4 durch Schußwunden. Im Spital starben drei Verwundete. Im Ganzen wurden etwa lbOPcrsouen verhaftet.