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22.7.1905 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt.

Grfcheinl Eyll^ mit Ausnahme des Sormtags.

DieGtetzener Samillenblätter werden dem .tlnjciger viermal wochenllrch betqelegL Ter wWflffr Landwirt erscheint monatlich einmal

155. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Samstag 22. Juli 1008

Rotationsdruck und Verlag der vrÜhl'sch« UnwersitätLdruckeret. R. Lang«. Dteße»,

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst*. R, Tel. Nr. 51. Telegr^Adr. i Anzeiger ffite&en.

General-Anzeiger, Amts- nnd Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Uolitische Tagesschau.

__ Vcrbrauchsberechnungen.

Das "Statist. Jahrll). f. b. Deutsche Reich" enthält eine Mo Jon Berbranchsberechniingen, aus der sich ernibt, des die meisten Trahrungsmrttel unb sonstigen Lebcnöbedürfnissc im Vergleich Mir Bevölkerung ihren Verbrauch in letzter Zeit erhöht haben.

Bon den Erzeugnissen des Landbaues waren zum ^itbraud) rm Deutschen Reiche für menschliche und tierische Er- uahruug und für gewerbliche Zwecke verfügbar auf den Kopf der Bevölkerung im Erntejahre 1903/04 15 <8 /im Durchschnitt J-erSabre 1893/94 bis 1902/03 150,2) Kilogramm Weizen, 3,2 (89,9) Kilogr. Roggen, 80,8 70.5, Kilogr. Gcväe, 124,9 ni.3,2) Kilogr. Sbafcr unb 614,1 597,2) Kilogr. Kartoffeln. Die und w Roggenmenge blieb etwas hinter dem Jahre 1 J0l,O3 zurück, in dem sie den höchsten Stand erreicht hatte. »Lte Kartoffelmenge war niedriger als in den beiden vorauf- gegangenen Jahren. Der B r o n u t w e i n v e r b r a u ch betrug an ^rinkbranntwein im Jahre 1903/04 4,0 Liter auf den Kvvf gegen. 4,3 im Durchschnitt der voraufgegangenen 10 Jahre, ist blfo tut Rückgänge. Der Brauutweinverbrauch zu gewerblichen Zwecken war int Jahre 1903/04 so hoch wie nie zuvor: er belief fun auf 2,4 Liter gegen 1,7 im zehnjährigen Durchschnitt. Der Überverbrauch. hat im deutschen Zollgebiete i. I. 1903 117 Liter auf den Kopf betragen gegen 11G i. I. 1902, 124 i. I. 1901 und 125 in den Jahren 19Ö0 und 1899. N a ch dem wesentlichen Rückgang im Jahre 1902 hat also 1903 eine kleine Steigerung stattgefunden. In Bayern und Württemberg hat di: A b n a h m e noch im Jahre 1903 an- gehalten: der Verbrauch betrug in Vayern 232 Liter gegen 235 i. I. 1902 und 248 i. I. 1.899, in Württemberg 169 gegen I 72 und 193 Liter. Im Vraustenergebiet ist her Verbrauch von 97 auf 98 Liter gestiegen, nachdem er 1900 106 Liter betragen hatte. Ter Tabakverbrauch schwankt in den letzten zehn Jahren zwischen 1,4 und 1,8 Kilogr. auf den Kopf. Im Jahre 1903 betrug er 1,5 Kilogr. gegen 1,6 in den drei vorauf­gegangenen Jahren. Der Salz verbrauch ist bei der steigen­den Verwendung von Salz zu gewerblichen Zwecken i. I. 1903 nuf 18,9 Kilogr. gestiegen gegen 18,4 i. I. 1902 und 18,2 i I. 1901. Zu Speisezwecken wurden 7,9 Kilogr. verbraucht gegen 7,8 i. I. 1902 und 7,6 i. I. 1901. Der Znckerver­brauch ist infolge der neuen Gesetzgebung stark gestiegen: er betrug im Jahre 1903/04 17,2 Kilogr., während er sich in keinem der voraufgegangenen Jahre auf mehr als 13,7 Kilogr. belaufen hatte. Der >2 t e i u k o h l e u v e r b r a u ch war i. I. 1903 mit 1803 Kilogr. auf ben Kops so hoch wie nie zuvor: 1902 betrug er 1687, 1901 1744 Kilogr. Der Braunkohle u- toerbraud) war mit 914 Kilogr. größer als im Jahre 1902 »880 Kilogr.), blieb aber hinter dem des Jahres 1901 (920 Kilogr.) etwas zurück. Der Verbrauch an Roheisen war im Jahre 1903 der größte je festgestellte: er betrug 164,9 Kilogr. gegen 141,1 i. I. 1902 und 137,6 i. I. 1901. Im Jahre 1900 war er mit 126,5 annähernd so groß Ivie 1903. Auch der Ver­brauch bmt Baumwolle (6,41 Kilogr.), Reis (2,61), Südfrüchten (2,82), Kakao (0,44) und Gewürzen (0,17) war größer als in iitcm der Vorjahre. Dagegen ist von 1902 zu 1903 der Ver­brauch von Heringen von 3,69 auf 3,68, Kaffee von 3,08 auf 3,00 und Petroleum von 17,37 auf 17,35 Kilogr. auf den Kopf zurückgegangen.

Sitzung des Irovinziatausschusses.

Gießen, 19. IHN.

erster Gegenstand der Tagesordnung wurde über die Enteignung von Gelände zur Herstellung einer Straße längs den Gebäuden des neuen veterinär­medizinischen Instituts in Gießen, hier Ausspruch der Enteignung, verhandelt. Nachdem das Urteil des Pro- vinzialausschusscs vom 29. April d. I., in dem die Zulässig­keit der Enteignung ausgesprochen wurde, rechtskräftig ge­worden und die von der 'Stadt zu zahlende Cmtschädigungs- summe hinterlegt worden war, erfolgte heute der Aus­spruch der Enteignung der beanspruchten Parzellen.

Zur Verhandlung über den zweiten Punkt der Tages­ordnung : Enteignung von Gelände zur Verbreiter- u u g d e r M a r b u r g e r st r a ß e in Gießen waren erschienen als Vertreter der Stadt Oberbürgermeister M e e u m, als Vertreter der zu enteignenden Grundbesitzer Rechtsanwalt Katz Von diesen Grundbesitzern hatten sich vor dem heuti­gen Termin alle mit Ausnahme Eines mit der Stadt ver­glichen. Da heute auch ein Vergleich mit Diesem in Aussicht genommen werden konnte, wurde die Sache vertagt, da Vergleichsverhandlungen zwischen den Parteien im Gange finb."

Auch die dritte, für die heutige Verhandlung in Aus­sicht genommene Sache, betreffend Gesuch des Michael D e s ch zu Bleichenbach um Erlaubnis zum Betriebe einer Gast­wirtschaft wurde auf Antrag des Anwalts des Gesuch­stellers vertagt.

Zuletzt stand das Gesuch des Wilhelm Maar II. zu Homberg a/Öhm um Erteilung eines Wände raewcrbe- scheins zur Verhandlung. Der Kreisausschuß des Kreises Alsfeld hatte dem Maar die Erteiltmg eines Wandergewerbe­scheins vertagt, da er unterm 21. November 1902 wegen Sittlichkeitsvergehen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, und seit der Verbüßung der Strafe (3. Dez. 1903) noch keine drei Jahre verflossen waren. Maar ver­folgte hiergegen Rekurs an den ProvinziaGnsschuß. Dieser bestätigte in seiner heutigen Sitzung die Entscheidung des Kreisausschusscs, indem er den Rekurs kosten fällig verwarf.

* lieber eine unglaubliche Frivo lität berichtet derHarzer Kurier" aus Thale. Mehrere junge Damen aus Berlin weilten in dem zwischen Rheinstedt und Stecklenberg belesenen Walde. Eine der Damen ruhte in einer Hänge­matte, als zwei junge Leute in Jägertracht herankamen, von denen der eine plötzlich auf die junge Dame in der Hängeniatte seine Büchse anlegte und schoß, bevor die Bedrohte sich in Sicherheit bringen konnte. Aufgefordert, seinen Namen zu nennen, eilte der Schütze davon, wurde aber von hinzukommenden Arbeitern als der sechzehnjährige Sohn des Frhrn. v. d. Bussche-Streithorst bezeichnet. Die schwer verletzte junge Dame wurde nach ihrer Wohn- ung in Rheinstedt gebracht, wo es den Bemühungen des Arztes gelang, acht Rehposten zu entfernen, während eine über dem rechten Auge tief sitzende Kugel bis jetzt noch nicht entfernt tverden konnte. Durch den Schuß wurde außerdem eine andere junge Dame leicht an der Hüfte verletzt.

* Tie Ehescheidungsklage, die Prinz Philipp von K o b u r g gegen die Prinzessin Lui«s e beim Land­gericht in Goiba auf Grund des Koburg-Gothaischen .Haus­gesetzes durch den Rechtsanwalt Dr. Kunrcuter in Gotha eingebracht hat, enthält die ausführliche Geschichte der 1875 in Brüssel geschlossenen :stvilstandsehe des Prinzcnpaares und der angeblich durch die Prinzessin verschuldeten Ehe­st ö r nn g c u , die in der Kl a g esch r i 7t selb st als euro­päischer Skandal bezeichnet rocrc.n. Die Ursache der Ehestörungen wird zuerst auf körperliche Leiden Typhus im Winter 1876, Absturz in den steierischen Alpen bei Schladmina, Lälmungserscheinungen, gesteigerte Reizbar­keit und auch auf die seelische Erschütterung der Prin­zessin durch den Tod des Erzherzogs Rubolf zurückgeführt. Die Prinzessin habe die Zärtlichkeiten des Prinzen immer energischer abgelehnt, und jeder eheliche Verkehr habe seit 1890 aufgehört. In ausführlicher Weise stellt die Klage­schrift das Liebesverhältnis der Prinzessin mit M a t t a s i ch seit der Mitte der neunziger Jahre dar. Da­mals habe die Prinzessin für ihre persönlichen Bedürfnisse jährlich 120 000 Kronen bezogen, nachdem ihr das Heirats­gut von 250 000 Francs zuruckerstccktet und für persönliche Ausgaben, die sie gemacht hatte, eine Million neünzig- tauscnd Kronen bezahlt worden waren. Das Duell zwi­schen dem Prinzen und M a t t a si ch vom Februar 1898 wird mit dem Beifügen erwähnt, daß es am 40. Geburtstag der Prinzessin stattfand, weshalb sie an Mattasich tele­graphierte:Dieser Geburtstag sei der. schönste ihres Lebens". Die Scheidungsklage hebt den fortge­setzten sinnlosen Aufwand der Prinzessin her­vor, die 1896 mit Mattasich nach Nizza ging, von dort mit ihm verschwand, und alle ihre Effekten, ihre Dienerschaft und eine große Schuldenlast in Nizza zurückließ. Die Klage betont ferner die Wechselaffäre, in die die damalige Kronprinzessin Stefani durch Fälschu ngihres Namens verwickelt wurde. Den Konsequenzen dieser Hand­lungsweise habe sich die Prinzessin mit Mattasich durch die Flucht auf das kroatische Schloß Lobor des Adoptivvaters Mattasichs, Keglevics, entzogen. Die Klage konstatiert ferner, daß die Prinzessin damals aus Oesterreich ausgewiesen war, in eine Untersuchung wegen Wechselfälschung einbezogen wurde, und daß gegen sie W e ch s e l f o r d e r u n g e n v o n mehr als drei Millionen siebenhunderttausend Kronen Vorlagen. Den Schluß der Klage bildet ein Bericht über die ärztlichen Untersuchungen und die Behandlung des Geisteszustandes der Prinzessin in Döbling, Purkersdorf und Koswig, ihre Flucht aus Elster nach Paris und der weitere Prozeß vor dem Wiener Oberhofmarschallamt, der mit Aushebung der Wiener Kuratel endete. Hiervon sieht aber die Klage ab und verlangt die Ehescheidung wegen Ver­

weigerung der ehelichen Pflichten, böswilliger Verlassung und Ehebruchs.

Millionär und Ochsenknecht. Ein unange­nehmes Abenteuer erlebte der amerikanische Eisenbahnmagnat George I. Gould auf einer Automobilfahrt bei Küßnacht. Gould, der sich mit seiner Familie in Luzern aufhält, machte mit seiner Frau und seinem Sohne einen Ausflug in die Umgegend. In der Nähe von Küßnacht stießen sie auf einen vor ihnen herfahrenden Ochsenwagen, dessen Lenker trotz wiederholter Auft'ordernng nicht ausweichen und das Auto­mobil oorbeilaffen wollte. Als sich dann endlich eine Ge­legenheit bot und das Automobil vorbei fuhr, hob der Fuhr­mann seine schwere Peitsche und schlug auf die Insassen des Automobils ein. Frau Gould erhielt einen Schlag über den Hals und die Schultern, der einen blutigen Striemen zurück­ließ, und der junge Gould einen Schlag ins Gesicht. Am nächsten Tage begab Gould sich in Begleitung des amerika­nischen Konsuls und eines Polizeibeamten nach Küßnacht und erhob Anklage gegen den Bauern.

Ein Studentenulk. Aus Halle ging am Freitag dem Stadt- und Landboten in Neuhaldensleben eine Post­karte zu, auf der unter Bezugnahme auf die Anzeige in Nr. 162 dieses Blattes, betr. einen zuverlässigen nüchternen Mann, der als Nachtwächter gesucht wird, zwei tüchtige Kräfte für die Zeit der Studentenferien in Empfehlung ge­bracht werden (folgen Namen, Personalbeschreibung usw.); der eine wird als recht kräftig, der andere als ziemlich kräftig bezeichnet. Dann heißt es weiter: Beide sind gewöhnt, des Nachts zu wirken, imposante Erscheinung, allgemein bekannt und sehr lokalkundig. Gefällige Offerten mit Angabe von Gehalt (Trinkgeldern) usw. Der Necchaldenslebener Abend Halle a. S. Versammlung jeden Donnerstag 8 Uhr: Lichten- hainer Krug. Der Stadt- und Landbote hat das Gesuch dem Auftraggeber des Inserates zugesandt und zweifelt nicht, daß die Bewerbung der beiden Brüder Studio bei dem großen Mangel angebildeten" Nachtwächtern Berücksich­tigung finden wird.

ECursfoeräcM-

FraBskfiart a. M.,

3*/2% Reiohsauleiho . . 101.25 3 n/9 do. ... 90.20 3*/,% Konsole .... 101.40 8% do......90.20

372% Hessen . . . 100.75

8/,M Oberhessen . . . 99.00 4% Oesterr. Goldrente . 101.45 4x]6% Oesterr. Silberrente . 101.10 4% Ungar. Goldrente . . 98.00

4°/c Italien. Rente , . . 106.35

4% Portugieser I . . . 67.30

3°/ Portugiesen. UI . 66.90

1% Unit Türken . . . 88.90

Türkenlose......135.00

4% Griech. Monopol.-Anl. 53.90 47,°/<> äussere Argentiner . 44.35

Tendenz:

21. Juli Offizielle Schlussknrse.

3°/0 Mexikaner .... 68.25 4%% Chinesen .... 96.85 Electric. Schuckert . . . 136.25 Nordd. Lloyd . . . . 124.70

Kreditaktien . . . , . 206.80 Diskonto-Kommandit. . . 190.10 Darmstädter Bank . . . 145.00 Dresdener Bank .... 158 60 Berliner Handelsges. . . 170 00 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.80 Lombarden ..... 18.10 Gotthardbahn ..... 00.00 Laurahütte ..... 261.50 Bochum ...... 254.70 l i arpener . ..... 2W.60 Staatschatzscheine . . . 100.60

fest.

aber nur in Maschen, n>o Plakate aushängen.

D32/»

Auf der Alp, da gißt's ka Hüud

aber erkalten, kann man sich da oben tüchtig da oben, wie auf jedem Berge. Ich wenigstens habe mir einen Katarrh geholt, den ich sobald nicht wieder los werde. Ach was, ich wette, Sie sind ihn in ein paar Stunden los. Kaufen Sie sich sofort eine Schachtel Fays ächte Sodener

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