Karzew ein Jahr fünf Monate, Roth II. ein Fahr vier Monate. Außerdem wurden verurteilt Roth I. zu drei Monaten Arrest auf der Wache und Einschränkung gewisser Vorrechte, der Geschützführer Gondarew und der Kanonier Mpalkow zum Verlust gewisser Vorrechte und Einstellung in das Arrestanten!'ataillon auf zwei Fahre. Oberstleutnant Polowzcw und der Geschützführer Patrikejew sind jr ei gesprochen worden.
Ein neues Komplott.
Die Geheimpolizei entdeckte in Moskau ein umfassendes, unter der Aegide des Londoner revolutionären Komitees stehendes Komplott. 300 Personen wurden unter dem Verdachte, diesem Komplott anzugehören, verhaftet. Auch wurde ein geheimes Bombendepot, sowie Waffen jeder Art mit Beschlag belegt. Außerdem entdeckte die Polizei eine geheime Druckerei, in welcher zwei Pressen, Schreibmaschinen und Korrespondenzen aufgesunden wurden. Letztere gewährten wichtige Einblicke in die Tätigkeit des revolutionären Komitees und über die Vorbereitungen zur Ermordung des Großfürsten Sergius.
Witte
soll, als er den Zare n nach der Niederlage bei Mukden auf die Aussichtslosigkeit weiterer Unternehmungen aufmerksam machte und die eventuellen Friedensbedingungen entwickelte, von diesem eine s ch r o f f e Z u r e ch t w e i s u n g erfahren haben und gilt nunmehr als kaltgestcllt. Er soll nunmehr einen Entwurf ausgearbcitet haben, der die Sns- pendicrungdes Ministerkonlitees und die Ueber- gabe aller Angelegenheiten desselben an den Ministerrat zu,m Gegenstand hat. Dadurch wird ihm die Möglichkeit geboten, sich still zrrrückzuziehcn, da er als Staatssekretär nicht verabschiedet werden kann.
Wie verlautet, werde der Landwirtschaftsminister Jermolow anstelle Wittes zum Präsidenten des Ministerkomitees ernannt werden.
An8 dem Kaukasus.
„Nowoje Wremja" meldet aus Baku unterm 18. März: £te jüngsten Unruhen sind zweifellos das Werk des armenischen Revolutionskomitees. Im statistischen Bureau des Stadtamts wurde die Bibliothek des örtlichen Komitees aufgefunden. Daselbst wurden auch zehn Personen verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich 39 Anarchisten.
Zn Kasan wurde ein zugereister Mann verhaftet, welcher in Banken Wertpapiere zu verkaufen versuchte. Diese gehörten, wie festgestellt wurde, Leuten, die bei den blutigen Zusammenstößen in Baku umgekommen sind. Ter Mann gab, als er verhaftet wurde, Schüsse ab und machte einen Selbstmordversuch. Es wurden bei ihm über 200 000 Rubel Wertpapiere gefunden.____________________________________
AeutlÄ-Sudwestafrika.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter Alfons Nittershofer ist am 12. März auf der Jagd durch Unvorsichtigkeit erschossen morden. Der seit dem 15. Februar vermißte Reiter Emil Bergemann, geboren in Damm, früher 3. Garde-Regt., ist nördlich von Hatakobis wieder aufgefunden morden und befindet sich gesund bei der Truppe. Im Gefecht bei Gei hau es ist am 11. März gefallen: Leutnant Eduard Führinger, geboren in Emden, früher Jägerbataillon Nr. 9. Schmer verwundet: Feldwebel Gustav Mesech (Brustschutz), Unter- ossizier Peter Jenden (Schutz in rechten Oberschenkel), Unter» offizier Andreas Schminn (Schutz durch die Brust); Reiter Friedrich Niedecker (Brustschutz); Reiter Johann Gehnen (Schuß in beide Oberschenkel); Kriegsfreiwilliger Franz Kopf. Leicht verwundet: Leutnant August Funk, Leutnant Herbert Papel, Leutnant Kurt Wolff, Unteroffizier Wilhelm Bartelt, Unterofftzier Edwin Eckardt, Reiter Friedrich Geboer.
Nach einer Meldung General v. Trothas vom 18. März steht Oberst Deimling mit den vereinigten Abteilungen Kamptz und Koppy bei Nurudas und säubert zunächst das Gebirge. Eine Kompanie mit zwei Geschützen wurde zur Abteilung Kirchner nach Kosis entsandt. Major v. Lenge rke, der mit Deimling durch eine Offizierspatrouille die Verbindung hergestellt hat, steht bei Kochanas. Er hatte bis zum 12. März morgens keine Berührung mit dem Gegner.
Teutsckes Reich.
Berlin, 19. März. Der Kaiser besichtigte gestern in der Bildergalerie des Königl. Schloßes 52 Linien- und 76 Landwehrfahnen. Heute wurde der Bezirkspräsident von Lothringen, Graf Zeppelin-Aschhausen, vom Kaiser zur Frühstückstafel befohlen.
— Der gestrigen Soiree beim Reichskanzler wohnten der Kronprinz, Prinz Joachim Albrecht, Vertreter der Diplomatie und zahlreiche Künstler und Gelehrte bei.
— Wie eine hiesige Korrespondenz von gut unterrichteter Seite erfährt, wird der Chef des Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Lucanus, in nicht allzu ferner Zeit in den Ruhestand treten. Lucanus, der sich schon feit längerer Zeit mit der Absicht trug, seinen verantwortungsvollen Posten zu verlosten, tritt in diesem Frühjahr in sein 75. Lebensjahr und dürfte diesen Zeitpunkt zur Erneuerung seines Abschiedsgesuches wahrnehmen.
— Frau Minna Gau er und Frl. Dr. Anita Augs- purg hatten eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der sie baten, das Tragen von Maulwurfspelzwerk unter Strafe zu stellen, da der Maulwurf ein der Landwirtschaft nützliches Tier sei. Der Landwirtschaft drohe durch die gedankenlose Modetorheit deutscher Frauen ein unabsehbarer Schaden. Tie Petitionskommission konnte sich nicht darüber einigen, ob der Maulwurf der Landwirtschaft mehr schade oder nütze, und verwarf die Petition.
— Anläßlich der Feier des 18. März erschien gestern nur eine kleine Zahl Neugieriger auf dem Kirchhof am Friedrichshain, um die Gräber der gefallenen Freiheitskämpfer zu schmücken. Im Gegensatz zu früheren Jahren hat die Zahl der Kränze bedeutend abgenommen, und etwa ein halbes Dutzend verfiel der polizeilichen Konfiskation.
— Der Bundesrat stimmte gestern Nachträgen zum Reichshaushalt für 1904 und Ergänzungen für 1905 zu. Genehmigt wurden die Bestimmungen für die am 1. Dezember 1 905 stattfindende Volkszählung.
— Dem Reichstage wird voraussichtlich in der nächsten Tagung eine Denkschrift über die bisher getroffenen Einrichtungen zur Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und über die damit erzielten Ergebnisse vorgelegt werden.
__ Der antisemitische Neichstagsabgeordnete und Pastor «. D. Krösell Hai sich mit einem großen Teil seiner frü
heren Anhänger überworfen. In dem Kyritzer landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein, in dessen Vorstand Krösell nach seiner Wahl gewählt worden ist, und dessen finanzieller Zusammenbruch nur dadurch verhütet worden ist, daß von einzelnen interessierten Großgrundbesitzern dem Verein ganz erhebliche Beträge (über 100000 Mk.) zur Weiterführung der Geschäfte zur Verfügung gestellt worden sind, ist es jetzt zu einem großen Krach gekommen. Inder Generalversammlung gab Regierungsrat Schlange die Erklärung ab, daß er aus dem Vorstände aiisicheide, weil er ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit Krösell für ausgeschlossen halte. Jetzt ersteht man aus einer Einladung zu einer für den 25. März einberufenen autzerordentliehen Generalversammlung, daß Krösell von dem Aufsichtsrat und dem Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen worden ist.
Düsseldorf, 19. März. Die Ausschüsse des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen und, der nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller beschlossen, den Landtag um Ablehnung der Berggesetznovelle zu bitten. In einer weiteren Resolution nahm der Vorstand und der Ausschuß des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen zu den Handelsverträgen Stellung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß bei den noch fernerhin abzuschließen- den Verträgen die Interessen der Industrie mehr gewahrt würden.
Preußisches Abgeordneterihaus.
Berlin, 18. März.
Die dritte Beratung des Etats wird fortgesetzt beim Etat der Justizverwaltung. Abg. Cassel lfr. Vp.'» bespricht die iingleiche Behandlung der R i ch t e r j ü d i s ch e n Bekenntnisses gegenüber den Vertretern anderer Religionen bei der Beförderung in höhere Stellen. Der Juslizminister habe es abgelehnt, auf diese Fragen einzugehen, weil die Ernennung der Richter zu den Prärogativen der des Königs gehöre. Zweifellos gehöre die Ernennung der Richter zu den Prärogativen der Krone. Dieses Recht darf aber nur nach Maßgabe der Verfassung und der Gesetze unter der Verantwortlichkeit d-r Minister ausgeübt werden. Nach dem Gesetze vom 5. Juli 1869 soll die Verleihung von Aemtern unabhängig vom Religionsbekenntnis erfolgen. Redner weist darauf hin, daß die Haltung der Staatsregierung keine einheitliche ist, denn als kürzlich diu Zentr'umsabgeordneter sich darüber beschwerte, daß bei der Besetzung höherer Verwaltungsämter die katholischen Bewerber zurückgesetzt würden, da hat der Minister des Innern sich nicht mit den Märogativen der Krone gedeckt, sondern eine sehr eingehende Auskunft an der Hand einer umfangreichen Statistik erteilt. s?(uf Anregung des Abg. v. B r o ck h a u s e n (k.) erwidert Minister Schönstedt, daß eine Vereinfachung des Wechselrechts angestrebt werde. Der Etat wird bewilligt.
Es folgt der Kultusetat. Hierzu liegt ein Antrag der Nbgg. Dr. Arendt lsk.) und Genossen vor, für die öffentlichen schulen eine den Verhältnissen von Stadt und Land Rechnung tragende F e r i e n o r d n u n g herbeizuführen. Ministerialdirektor Dr. Schwarzkopf bittet, den Antrag Arendt abzulehnen. Für die Bemessung der Ferien der höheren Lehranstalten müßten andere Gesichtspunkte maßgebend sein, als für die Volksschulen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (ff.) wendet sich nochmals, wie bei der zweiten Lesung gegen die Auffassung der Freisinnigen, daß es möglich sei, ein Volksschulunterhaltungsgesetz zustande zu bringen. Redner geht dann auf den Fall R o 11 e n b u r g ein, der Bonner Uuiv.-Curator v. Rotteuburg habe einseitig für die streikenden Bergarbeiter Partei ergriffen. Abg. S t v - chel (Pole) bringt mehrere Erlasse zur Sprache, durch die die Polen sich beeinträchtigt fühlen, und wirft der Unterrichts-Verwaltung vor; daß in ihr eine Willkür Herrschaft bestehe, wie in Rußland. Die polnischen Le harr und Beamten wurden gezwungen, bei den Wahlen für den deutschen Kandidaten zu stimmen, dadurch würden sie zu geist- und willenlosen Werkzeugen herabgedrückt. Minister Studt erwidert, er habe keinen Anlaß, auf die Beschwerden des Vorredners einzugehen.
Der Antrag Rewaldt wird abgelehnt. Der Kultusetat wird genehmigt, ebenso das Etatsgesetz. Damit ist die E t a t s beratungbeendet. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die A ende rung der Landesgrenze gegen Br e- me_n. Ein Komvromistantrag auf Rückverweisung an die Kom- mjssion wird einstimmig ana-nommen.________________________
Kirche und pcknte.
— Kein Theaterverbot. Die Meldung, daß im Fürstentum Neuß j. L. den Geistlichen der Theaterbesuch untersagt fei, ist, wie jetzt aus Gera mitgeteilt wird, absolut unrichtig. Auch die Meldung, daß der Erbprinz Heinrich XXVI. durch den Geh. Oberkirchenrat Lotze habe in Erinnerung bringen lassen, daß es nicht gern gesehen werbe, wenn die Geistlichen das Theater besuchen, ist falsch. Wahr ist, daß der Erbprinz den Wunsch ausgesprochen hat, die Geistlichen möchten, um nicht Anstoß zu erregen, in der Auswahl der Stücke beim Theaterbesuch recht vorsichtig fein. (Der Erbprinz-Regent von Reuß j. u. ä, L. ist selbst ein kunstverständiger Theaterfreund, der auch der neuesten Dramatik im Geraer fürstl. Theater die Tore geöffnet hat. Darum mußte die Meldung vom Theaterverbot überraschen. Da sich unter der reußischen Geistlichkeit auch ein ate Blihnenschriftsteller tätiger Herr befindet, der der neuesten Kunstrichtung nicht abhold ist, so mag das hier oder da Anstoß erregt und zu diesem Wunsche des Erbprinzen die Anregung gegeben haben. D. Red, d. Gieß. Anz.)
A usSand.
Rom, 19. März. „Agenzia Stefans" meldet aus Aden unterm 19. März: Der Vertreter der italienischen Negierung, Pestalozza, ist an der S o m ,a li k ü st c eingetroffen. Pestalozza hat in J'llig mit dem Mu llah ein Uebereinkommen nach bestimmten, von der italienischen Regierung vorgeschlagenen Bedingungen, auch im Interesse der englischen Regierung abgeschlossen. Das Ucbereinkommen vereinbart den allgemeinen Frieden. Der Mullah geht diese Verpflichtung sowohl gegenüber Italien als auch gegenüber England ein. Dadurch werden die Stämme in dem italienischen und dem englischen Schutzgebiet von den beständigen Raubzügen und "Verheerungen ihrer Ländereien befreit. Ter Mullah nimmt Aufenthalt m einem Gebiet, das bereits zum italrenischen Schutzgebiet gehört und dem Mullah durch das Uebereinkommen zu- gewiesen wird. Seinen ständigen Wohnsitz errichtet der Mullah an einem zwischen Ras Garad und Ras Gabbe gelegenen Punkte der Küste. Er unterstellt sich der italienischen Cchutzherrschaft und erkennt auch der italienischen Regierung die Befugnis zu, wenn sie will, einen Residenten bei ihm zu ernennen. In dem dem Mullah zugewiesenen Gebiet soll freier Handel gestattet, aber jeder Waffen- und Sklavenhandel verboten sein. Tas neue Uebereinkommen macht in Aden einen ausgezeichneten Eindruck, denn durch dasselbe wird nicht nur den schwierigen und kostspieligen militärischen Operationen Englands ein Ende gesetzt, sondern auch der unsicheren Lage, die feit mehreren Jahren das
ganze Somaliland schädigte. — Aus London wird der „Ag. Stefani" gemeldet: Ter Gouverneur von Britisch-Somali- land spricht in seiner Depesche, in welcher er den Abschluß des Abkommens zwischen dem italienischen Vertreter Pestalozza und dem Mullah hierher meldet, seine lebhufte Befriedigung über das Zustandekommen aus und zollt dem italienischen' Unterhändler hohes Lob. Derselbe habe, indöm er die Anweisungen seiner Regierung ausführte, durch« persönliches Geschick zur Ueberwindung aller Schwierigkeiten beigetragen.
Wien, 18. März. Der Gemeinderat beschloß, von der Regierung strenge Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen gegen die Einwanderung von Arbeitslosen aus Rußland zu verlangen. In der Debatte hierüber tadelte der Sozialist Reumann scharf, daß die Regierung ausgefordert werde, Rußland Bütteldienste zu (e ist e n. Uebrigens sei die Regierung nicht in der Lage, russische Militärflüchtige aus Oesterreich auszuweisen. Die Zahl der russischen Deserteure in Oesterreicb wird auf mehr als 10 000 geschätzt.
Aus Stadl und LanÄ.
Gießen, 20. März 1905.
* * Hudde in Heldenbergen. Der „F. ©/ berichtet über die (natürlich vollständig erlogenen) Aussagen des Raubmörders, die er am Tatorte gemacht haben soll, folgendes: Am Abortfenster des Pfarrhauses habe fein Genosse Willy die Schuhe ausgezogen und fei mit dem Kopfe voran durch da§ Fenster gestiegen. Er selbst habe seine Schuhe anbehalten unb sei gleichfalls mit dem Kopfe voran dem Gefährten auf demselben Wege gefolgt. „Nachdem mir eingestiegen waren, find wir bis zur Haustüre gegangen, hier habe ich die Schuhe ausgezogen und die Ture aufgeriegelt, dann traten wir ins Wohnzimmer und wie wir dort nichts fanden, gingen wir ms Eßzimmer und von dort in die Küche. Hier sagte Willy, ich will ein Messer mitnehmen, da können wir, wenn der Pfarrer aufwacht, ihm Llngst damit machen. Ich hatte schon vorher, als wir den Gang entlang gingen, dem Willy mitgeteilt, hier in diesem Zimmer schläft der Pfarrer. Nun gingen wir ins Schlafzimmer. Während ich mir am Schreibtische zu schaffen machte, hörte ich einen kurzen Wehruf, ich dachte, der Pfarrer wäre munter geworden und drehte mich um, um zu helfen, den Pfarrer niederzudrücken, damit er sieht, daß wir zwei sind und Angst bekommt. Da sah ich, daß der Pfarrer schon tot war. Jetzt forderte ich den Willy auf, lieber schnell fortzugehen. Da hat er gesagt: Die Sache ist ja geschehen, jetzt wollen wir auch das Geld mitnehmen, ivelches da ist. Nachdem wir alles durchgesucht hatten", so fuhr Hudde fort, „ging ich früher aus dem Zimmer heraus als Willy. Wir nahmen uns eine Flasche Wein mit, Willy breitete auf dem Platze vor dem Abortfenster ein großes Tuch aus und setzte sich darauf. Ich habe
daneben gestanden, dann haben wir zusammen den Wem ausgetrunken und etwas gegessen. Ich bin dann denselben Weg durch den Garten zurückgegangen, während Willy über die Mauer stieg und wir trafen uns an dem Kreuzweg, wo die Straße sich teilt und die Wege nach Windecken, Büdesheim und Großkarben abgehen. Von hier aus begaben wir iins auf verschiedenen Wegen nach Frankfurt zurück. Ich reifte nach Koblenz ab, wo Willy sich jetzt befindet, sage ich nicht." Das ganze Aliftreten Hiiddes ist selbstbewußt unherausfordernd, fast frech; nur als man ihm die Photographie des ermorbeten Pfarrers vor Augen führte, zuckte er einen Augenblick zusammen, gewann jedoch sofort seine frühere Sicherheit wieder. Das Gericht schenkt den Angaben des Mörders, soweit sie sich auf den unbekannten Freund, Genossen Willy und Hiiddes Nichtbeteiligung an der Mordtat erstrecken, diirchaus keinen Glauben.
^*DerSängerkranz>Gießen veranstaltete geftenr tm Neuen Saalbau ein vorzügliches Konzert, dessen geschmackvolles Programm den Beifall des voll besetzten SaalcS fand. Da war zunächst das Quartett für Violine, Viola, Eello und Klavier von Beethoven, das, von den Herren Franz Bauer, Musikdirektor Krautze, Ernst Krautze und Julius Hahn vorgetragen, eine überaus» weihevolle Stimmung hervorbrachte. Tie Männerchöre, teils sehr interessante fremdländische oder geschichtliche Lieder, waren gleichfalls boit tiefer Wirkung. Tie Solisten, Frl. Sack (Sopran) und Frl. Bauer (Alt), Herr Lotz (Bari-- ton) und die oben bereits genannten Künstler haben durch ihre gediegenen Vorträge die künstlerischen Darbietungen der Veranstaltung gehoben und verschönt.
* * Aus bem Bureau des Stadttheaters. Es fei nochmals auf die morgige Aufführung von „Alt- Heidelberg" hinqewiesen, die als Benefiz für das beliebte Mitglied unserer Bühne, Frl. Marga Ruf, in Szene geht. Mit der Aufführung dieses Stückes sowie mit dem Frl. Ruf bewilligten Benefiz dürste den Wünschen vieler Theaterfreunde entsprochen sein.
* * Stadttheater. Herr de Giorgi hatte sich M seinem Benefiz einen Schwank erwählt, den stets zugkräftigen „Hans Huckebein", der denn auch gestern^ am Sonntag, ein voll besetztes Haus erzielte, lieber den' guten Menschen Hnckcbein irgend etwas reden zu wollen, wäre vergebliches Bemühen; er erschöpft seine Lebensgeister' lediglich in Au's und Oh's über den komischen Schicksals-^ wetterhaael, der auf ihn niederprasselt. Wie mit einem stählernen Helm fängt er die schwankhaften Schwertstreichs der Helden Blumenthal und Kadelburg auf, indessen das Publikum darüber lacht und über die anderen Personen des Stückes, die unter dem Gußregen aus dem bewölkten Dichtergeist der beiden Autoren unter einigen Kniebeng- irngen ihre Schirme aufspannen. Doch es soll nicht bestritten werden, daß das Kreuzfeuer der Witze, das sich die Schwankdichter über den verhängnisvollen Schabernack des Kinematographen geleistet haben, mitunter sehr belustigend ist. 5)err Andreas war, abgesehen von-einigen Flüchtigkeiten in der Rede, ganz in''seinem Element, und unser« übrigen bewährten Lustspielkräfte, namentlich Herr Eon-« radi und Frau Jenny brachten gleichfalls viel Heiterkeit hervor. Frl. Gartner als tiefgekränkte Gattin konnte an eine besser für sie passende Aufgabe gar nicht gestellt: werden, während Frl. Rus die Bewegungen einer Mädchenerzieherin nicht gans glücklich zuwege brachte, lvenn sie auch im übrigen ihre gewohnte Munterkeit entwickelte. Herr de Giorgi, als „Festveranstalter", hatte sich in die dunklen Locken des russischen Boris Mensky gesteckt, der seinem Freunde Huckebern als Freund und Mitmacher an die Seite gestellt wird. Herr de Giorgi machte seine Sache gut; er pflückte feinen Lorbeer nicht nur, nein, eri wurde ihm gebracht, in Gestalt mehrerer Blllmenspendeu mit Beila-gen. Die 6-esangseinlage „Lob der Frauen" loac


