Ausgabe 
3.1.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 2

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Dienstag 3. Januar 1905

triein) IBgfiö mli vuSnahm« bei VrmntogS.

DieÄtefifner LamlllendtStter" werden dem ^Anzeiger otermai wöchentlich beigelegt. Der ^hilfsich« Landwirt- erjcheinl monatlich einmal.

Kch«r Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag da Brüht Ich« UntDerfttät8t)ruderet R. Lange, ©tefetn,

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Let Nr. 61 Lelegr^Adr.» Anzeiger Dietz«»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

BoMifche Tagesschau.

Dorsengesetz.

Mit einer gewissen Spannung sieht man in interessierten Kreisen der weiteren Entwickelung entgegen, die das Börsen- gesetz nun nehmen wirb. Vorerst hat es nicht den Anschein, als ob die Acnderungen der 9iooeUe den Umfang annehmen würde, den man für eine wirtliche Besserung resp. Verbesse­rung im Sinne der Börse erwartet. Bei der Negierung mag jetzt endlich das Versländns für die Notwendigkeit einer Um­gestaltung voll erwgcht sein, aber nicht die Energie, sie den kurzsichtigen und übelwollenden Gegnern der Börse und des mobilen Kapitals abzutrolzen. Es steckt viel Kraft und In­telligenz irx der deutschen Banktütigkeit. Nur ist zu befürchten, daß eine Fortdauer der schwierigen Verhältnisse, unter denen unser Bankierstand arbeiten muß, die Lebensbedingungen für die kleinen Betriebe noch mehr erschwert, als dies bisher ge- schehen ist.

Will England Schutzzölle einsnhren?

Seit einiger Zeit schon sind in hiesigen politischen Kreisen Gerüchte darüber im Umlauf gewesen, daß der Schatz- kanzler Austen Chamberlain im kommenden Budget einen Einfuhrzoll von 5 Prozent auf alle importier­ten Waren vorschlagen wirb, bie bisher nicht ver­zollt wurden. Weine, Spirituosen, Bier und Tabak sollen die alten Steuern behalten. Nach einer anderen Version soll der öprozentlge Einfuhrzoll nur auf Manusa kl urwaren erhoben werden. TiePall Mall-Gazette", die sich sonst nicht mit Gerüchten abzugeben pflegt, veröffentlicht nun einen Brief eines Korrespondenten, den das Blatt als besonders gut informiert bezeichnet. Darm wird die erstere Version als die richtige angegeben. Der Schatzkanzler wurde nach der Richtigkeit der Meldungen gefragt, erklärte jedoch, er tonne sich vorläufig nicht über kommende Budgetfragen äußern. Es ist schon längst kein Zweifel darüber, daß Austen Chamber­lain nut einem gehörigen Defizit vor das Parlament ^u treten haben wird. Die (Sinf om men ft euer hat bisher in diesem Jahre bedeutend weniger eingebracht als

berechnet worben war. Andererseits scheinen aber aller­dings auch die Ausgaben nicht so groß gewesen zu sein, wie man berechnet halte. Wie groß das Defizit sein wirb, laßt sich natürlich vorläufig noch nicht berechnen, man schätzt es auf etwa 5 Millionen Pfund. Immerhin ist eS sicher, daß bie Regierung auch in biefer Beziehung einen schweren Stand haben wirb, und sobald bas Parlament zusammen- tritt, dürfte es zu heftigen Kämpfen über diese Fragen, ebenso wie auch über die Frage der Fiskalresorm fommen. Ganz besonders aber erwartet man, daß die Regierung wegen der schlechten Bewaffnung der $lrtillerie und der unsicheren und unbestimmten F l o t t e n p o 111 i f heftig angegriffen werden wirb, bie m den unnützen Ausgaben für die be­gonnenen Einlagen am Firth of Forth wieder einmal recht klar zutage getreten ist.

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Zm ungarischen Abgeordnetenhaus

hielt Ministerpräsident Graf Tisza eine Ansprache, worin er die Neujahrswünsche der liberalen Partei erwidernd, sagte, das Kabinett betrachte es als heilige Aufgabe, die Wirksamteil des Parlaments auf eine dauernde Grundlage zu stellen. Leider erwicfen auch einzelne, bisher Libeiale der Obstruktion einen ungeheueren Dienst durch ihren Anschluß an bie Oppo­sition. Die heterogensten Fratkionen der Opposition gegen die liberale Partei hätten sich mit zynischer Verleugnung ihrer Grundsätze verbündet, um die Arbeitsfähigkeit des Parlaments zu vereiteln. Der Verniiitclungs - Vorschlag Julius Andrassys sei diirchaus ungenügend, er würbe der technischen Obstruktion Tür und Tor öffnen und enthalte die nut den elementarsten Begriffen des Parlamentarismus völlig unvereinbare Bedingung des Rücktritts des Minisierpräsidenlen. Trotz des kolossalen Systems der Irreführung vertraue er auf die Wählerschaft. Gerade im gegenwärtigen kritischen Momente bedürfe es der ganzen Kraft der Station, um das zu erreichen, was ihr Ehrgeiz stets anstreben müsse, nämlich, daß in dieser Monarchie, der nun eine so große Aufgabe harrt und deren Bestand eine Lebensfrage für Ungarn bildet, der Schwerpunkt immer mehr nach Ungarn verlegt werde. Die Liberalen sollen diese Ziele der nationalen Po­

litik mit aller Kraft vertreten und die Wähler mit derselben Auffassung durchdringen. (Stürmischer Beifall),

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Südafrikanische Minenaktien.

In unterrichteten Londoner Kreisen wirb angenommen» daß Namenaktien noch tm Laufe des Januar wieder gute Kurse sehen werden. Die sachlichen Verhältniüe hätten sich geklärt und gebessert. Deutsche Großbanken und deutsche Bankiers seien durch Kapital an südafrikanischen Werten stark interessiert. Einzelne Minen haben sogar vorwiegend deutschen Charakter. Infolge­dessen ist auch schon der Gedanke aufgetaucht, daß bie Deutsche Bank und bie Dresdner Bank dahin wirken sollten, Mmencittlen an den beutschen Börsen zur Einführung zu bringen. Auch wird daraus hmgewiesen, baß der Frank­furter Platz für derartige Aktien besonders geeignet wäre, ba süddeutsche Kapitalistentrelse die Spekulation m Minenaktien bevorzugen.

Keec und .- olle.

Vier neue Generalseldmarfchiille.

Bet der Parvleansgaoe tm ^cug^auje, die sich an dte Gratulatiotiscour schloß, verlieh der Kaiser, wie schon kurz gemeldet, drei um die Armee hochverdienten Männern die höchste .militärische Würde: die Generalobersten Graf tzaseler, v. Hahnte und v. Los wurden zu Generalfeld­marschallen ernannt

GeneralielvNi^rchall Graf ßä feier hat nach hervor- ragender Teilnahme an den Feldzügen der Jayre 1864, 66 und 70/71 hauptsächlich im Generalstabe die Stufen­leiter der militärischen Chargen in rascher Folge erklommen. Im März des Jahres 1890 trat er als Generalleutnant an die Spitze des damals neu errichteten 16. Armeekorps in Metz, wurde am September 1890 General der Ka­vallerie und am lo. Januar 1901 Generaloberst Bei seinem öOjuijrigcn Militardiensijubiläum erhielt er den drang eines Feldmarschalls und trat im Juni 1903 vonj der Führung des 16. Armeekorps zurück.

Generasieldmarschall v. Hahnte stand von 1888 Bti 1901 an der Spitze des kaiserlichen Militärkabinetts und

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