Wt« 193 Zweites Blatt. 158. Jahrgang Donnerstag 17. August 1SV5
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen«
Aus dem Reiche des Kerrn von Audde.
Wir lesen in der „N. Hamb. Ztg.":
In den Parlamenten ist in den letzten Jahren kaum etwas so lebhaft erörtert worden, als Eisenbahnfragen aller Art. Da standen u. a. zur Diskussion: Aufbesserung der Eisenbahnbeamten - Gehälter, Regelung der Dienstzeiten, Vereins- und Koalitionsrecht der Eisenbahnarbeiter, Durchführung einer Personentarif-Ncform, Betriebsmittelgemeinschaft für alle deutschen Bahnen und anderes mehr. Fast immer, wenn der Eisenbahnminister, Herr von Budde, sei es im Parlamente oder sonstwo, zu einer dieser Fragen Stellung nahm, hatte man die Freude, zu hören, daß der Herr Minister jeder Reform oder Verbesserung ungemein „wohlwohlend" gegenüberstehe. Sowohl die verschiedenen Beamtenkategorien in der Eisenbahnverwaltung, als auch das reisende Publikum durften eine zeitlang die Hoffnung hegen, von diesem Wohlwollen reichlich zu profitieren.
Aber: „Kaum jedoch, daß wir noch hoffen, hat uns Unheil schon betroffen". Der Periode vertrauensvollen Hoffens sind starke Enttäuschungen gefolgt. Einmal fiir das Publikum, denn der Buddesche Tarif-Reformentwurf kommt auf eine Verteuerung des Reiseverkehrs hinaus; zum' anderen auch für die Beamten, die nach endgiltiger Prüfung ihrer Wünsche durch den Minister erfahren mußten, daß zurzeit kein Grund vorliege, eine Aufbesserung ihrer Gehälter und Löhne eintreten zu lassen. Die Ablehnung von Gehaltserhöhungen dürfte immerhin noch hingehen, obwohl sie angesichts der Verteuerung aller Lebensverhältniffe sehr seltsam und bedauerlich ist, aber unbegreiflich erscheint es denn doch — und das ist tatsächlich leider geschehen — daß man trotz aller Wohlwollens-Versicherungen sogar noch eine Herabsetzung des Einkommens bei einer bestimmten Klasse von Angestellten der Eisenbahnverwaltung als zulässig erachtet hat.
Es gibt im Eisenbahndienst eine Kategorie von Angestellten, die weder Beamte noch Arbeiter sind, und zwar sind es im Eisenbahndienst ca. 6000 an der Zahl. Diese Leute wurden bisher als Gehilfen im mittleren Eisenbahndienst bei, einer Tagesbesoldung von 2,50—4,50 Mark, welcher Höchstlohnsatz in ca. 15 Jahren erreicht wird, beschäftigt. Nach jahrelangem Petitionieren derselben, in den Eisenbahndienst, unter Berücksichtigung ihrer bisherigen Bcschaftigungsweise, etatsmäßig übernommen zu werden, wurde angeordnet, sie als Unterbeamte anzu- stellen, trotzdem sie bislang die Arbeiten der mittleren Beamten ausgeführt hatten. Leider aber waren fast alle Unterbeamten- stellen, die hierfür in Frage kommen konnten, als zum Beispiel Lademeister, Fahrkartenverkäufer, Telegraphisten, den Militär- anwartern und den Damen Vorbehalten, so daß' für die Gehilfen im mittleren Dienst nur die Stellen für Weichensteller, Portiers, Bahnsteigschaffner offen blieben. Die Zahl der Portters und Bahnsteigschaffner ist nur beschränkt, so daß schließlich nur die Weichensteller-Laufbahn für die benannten Gehilfen in Frage kam. Jahrelange Bureauarbeit hatte indessen einen Teil dieser Angestellten für diesen Dienstzweig (Außendienst) untauglich gemacht usw.
Nur ein ganz geringer Teil kam daher dem Anerbieten der Eisenbahn-Verwaltung nach, die aber, nachdem sie die Vorbedingungen erfüllt und die Ausbildung für ihren neuen Posten vollendet hatten, zum größten Teile nach wie vor als „Gehilfe" weiterbeschäftigt wurden.
Es war das gewiß nicht der richttge Weg, eine kür die Verwalttmg ganz unentbehrlich gewordene Klasse Angestellter, die in jahrelanger treuer Llrbcit dem Staate Dienste geleistet, zu „versorgen". Es war darum auch nur natürlich, daß sie ihre berechtigten weitergehenden Wünsche immer dringender bei der Verwaltung vorbrachten.
Nach vielfachen Vorstellungen verfügte endlich unterm 23. Juni d. Js. der Minister, dast nach den Berichten der Eisen- bahnoirektionen es für angängig gehalten werde, die gegenwärtig noch vorhandenen Stattonsgehilfen und Hilfstelegraphisten, die für den unteren Betriebsdienst körperlich nicht befähigt sind, unter Weiterverwendung im inneren Dienste als Betriebsunterbeamte etatsmäßig anzustellen. Die ministeriellen Hauptbestimmungen bezüglich des Anstellungsmodus lauteten u. a. dahin, daß der Anstellung eine zehnjährige Eisenbahndienstzeit vorangehen soll: daß es ferner „nach den geltenden Grundsätzen" nicht angehe, „einen Teil der bisherigen Dienstzeit. auf das Besoldungsalter anzurechnen". Ein durch die etatsmäßige Anstellung verursachter Rückgang im Einkommen soll daher, „wenn nötig", „durch Bewilligung von Unterstützungen" ausgeglichen werden. Ms Lebensaltersgrenze für die etatsmäßige Anstellung wird das 55. Lebensjahr festgesetzt, „da die Uebernahme in das Beamtenverhältnis bei einem höheren Lebensalter zwecklos erscheint". Es wurde dann noch ferner bestimmt, daß Diele Anstellungsbedingungen auch für die Gehilfen Der Bahnmeistereien-, Betriebswerks!ätten- und Materialien-Verwaltungen zu gelten haben. Mles dieses sind eben Gehilfen im mittleren Eisenbahn- dienst.
Was nun die bisherigen Einkommensverhältnisse der Gehilfen mit einer außeretatsmäßigen „Dienstzeit" von mindestens 10 Jahren betrifft — um solche handelt es sich chier —, so bezogen diese einen jährlichen Lohn von 1533 Mark (pro Tag 4,20 Mk.), bezw. nach 15 jähriger Beschäftigung 1642 50 Mark (pro Tag 4,50 Mk.). Nach ihrer etatsmäßigen Anstellung als Betriebsunterbeamte (Weichensteller im Bureaudienst) würden sie aber nur an Gehalt 900 Mark und eine Wohnungsgeldentschadig- ung von 240 Mark jährlich — d. h. in allen größeren Städten der Service-Klasse la — erhalten, und demzufolge einen Lohnausfall von jährlich 502,50 Mk. erleiden, bis sie nach weiteren 15 Jahren das Höchstgehalt der Weichensteller mit 1400 Mk. und 240 Mk., zusammen also 1640 Mk. wieder erreicht hatten. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die in Frage kommenden Gehilfen der Arbeiterpensionskaffe angehören, und dieser nod) mindestens weitere zehn Jahre angehören müssen, da sie eben erst nach 10 jähriger etatsmäßiger Anstellung als Beamte pensionsberechtigt sind. Zu dieser Kasse wären dann also noch jährlich ca. 73 Mk. Beiträge zu leisten, während an Beiträgen für die staatliche Beamtenpensionskasse von jeder Zulage — alle drei Jahre 80 Mark — die erste einmonatliche Zulage zu zahlen ist. Alle diese Beiträge gehen von dem ohnehin geringen Gehalt noch ab, wodurch es nattirlich noch erheblich toeiter zu- sammenschmilzt. Die etatsmäßige Anstellung hat danach mit einem Wort das Ergebnis, daß die betreffenden Gehilfen zunächst dasselbe Arbeitspensum pro Mann um 502,50 Mark billiger zu leisten haben als früher! .
„Wenn nötig!" heißt es tn der mmistertellen Verfügung, sollen die Ausfälle durch „Bewilligung von Unter
stützungen" ausgeglichen werden. Abgesehen davon, daß dies gewiß nicht die rechte Art ist, Leute, die dem Staate 10—25 Jahre pflichttreu gedient haben, zu entlohnen, so weiß jeder Angestellte wohl auch zur Genüge, wie schwer es ist, dieses „Nötig" oder „Wenn nötig" nachzuweisen, um eine Unterstützung überhaupt zu erhalten.
Dies Verfahren, eine ganze Kategorie von Staatsangestellten gewissermaßen mit einem Almosen abzuspeisen, verdient sicherlich die entschiedenste Mißbilligung. So gut, wie es durchführbar war, die jüngst neu eingerichteten etatsmäßigen Stellen für Schirrmeister und Schachtmeister mit dem Gehalt zu dotieren, das diese Leute bisher in der außeretatsmäßigen Anstellung bezogen hatten, so gut sollte es unbedingt auch angängig fein, den schon ohnehin durch viele Jahre hindurch schwer geschädigten Gehilfen int mittleren Eisenbahndienst bei ihrer etatsmäßigen Anstellung den bisherigen Lohn als Gehalt voll zu belasten.
Die Friedensunterhandlungen.
New-York, 16. Aug. Witte erklärte eine gemeinsame Verwaltung Sachalins durch Rußland und Japan für undenkbar. Die Konferenz ging vorläufig zu der Gebietabtretungsfrage über, in welcher die Japaner sehr starrsinnig sind. Sie sollen nachgiebiger bezüglich der in den Häfen Ostasiens internierten Kriegsschiffe sein. Die russische Friedensdelegation glaubt den Beginn eines Umschwungs in den amerikanischen Sympathien zu bemerken, der Wittes sympathischer Persönlichkeit zugeschrieben wird. England übt angeblich einen Druck auf Japan aus, sich nachgiebiger zu zeigen. — Die „Associated Preß" meldet, Witte suche tatsächlich eine Anleihe.
Portsmouth, 16. Aug. Artikel 6 der Friedensbedingungen, der angenommen wurde, sichert den Japanern die Uebergabe der russischen Pachtungen auf der Liautung - Halbinsel, einschließlich Port Arthur, Dalny, der Blonde- und der Ell iot-Inseln. Ein anderer Artikel enthält die gegenseitige Verpflichtung, die territoriale und administrative Unversehrtheit Chinas und das Prinzip der „Offenen Tür" zu achten.
New-York, 16. Aug. Die heutige Morgensitzung der Friedenskommission betraf Punkt sieben, wahrscheinlich die Abtretung der ostchinesischen Bahn südlich C Harbin. Die Debatte darüber dauert fort. Nachmittags wurde Punkt acht beraten, der unwichtig sein soll. Die Punkte neun und zehn betreffen die internierten russischen Schiffe, die Beschränkung der russischen Seemacht im Pacificmeer, die Entfestigung Wladiwostoks und die Geldentschädigung. Punkt zwölf soll einen Bündnisvorschlag enthalten. — Die Japaner verlangten in Washington das zur Niederschrift von Verträgen übliche Pergamentpapier.
Portsmouth (New-Hampshire), 16. Aug. (Reuter.) Voraussichtlich werden die Verhandlungen nunmehr weniger schnell geführt roerben. Witte erhob energischen Einspruch dagegen, daß außer der Zahlung einer Kriegsentschädigung und der Abtretung Sachalins noch die Auslieferung der in neutralen Häfen internierten Kriegsschiffe, eine Einschränkung der Seestreitkräfte im fernen Osten und die Abtretung der chinesischen Osteisenbahn an China gefordert werde. Artikel 7, der sich mit der Osteisenbahn befaßt, wird heute erörtert. Die Russen bestehen darauf, daß die Bahn als Privateigentum der Russisch-Chinesischen Bank anzusehen sei. Die Japaner erklären demgegenüber, daß die Bahn von Rußland zu strategischen Zwecken gebaut worden sei. Eine maßgebende japanische Persönlichkeit erklärte, Japan werde von diesem Standpunkte niemals abgehen.
Portsmouth (New-Hampshire), 16. Aug. (Reuter.) Die Lage läßt sich inoffiziell folgendermaßen beschreiben: Die japanischen Friedensunterhändler werden mit den Verhandlungen fortfahren, soweit dies möglich ist, ohne jedoch in den weiteren Punkten, welche Japan für wesentlich hält, nachzugeben. Sollte sich dann Herausstellen, daß es unmöglich ist, ein Uebereinkommen zu erreichen, wird Japan er- slären, daß weitere Verhandlungen zwecklos sind, und wird keine Aufmerksamkeit dem Feldzuge in der Mandschurei zuwenden; jedoch hat man immer mehr Hoffnung, daß ein Kompromiß erreicht werden wird._________________________
Aer Krieg zwischen Rußland und Japan.
Petersburg, 16. Aug. General Line witsch telegraphiert vvm 14. August: Am 13. August beschossen japanische Torpedoboote Lazarewo. Die Versuche Truppen zu landen wurden zurückgewiesen. — Nach Berichten aus Korea ging am 5. August eine japanische Abteilung von Kvvungsan aus gegen eine bei Tschakeri stehende russische Abteilung vor, wurde aber durch Gewehrfeuer zurückgeworfen. Die Offensive des Feindes wurde am 6. und 7. August erneuert, jedoch zurückgewiesen. Gleichzeitig gingen die Japaner gegen eine andere russische Abteilung vor, wurden aber auch dort zurückgeworfen. Die Japaner flohen und ließen eine Anzahl Tote und weggeworfene Munition zurück. Am 10. August KampfbeiOnghi. Eine rnssisckie dlbteilung ging zum Angriff über, trieb die Japaner in südlicher Richtung zurück und erbeutete Waffen und Munition. In einem zweiten Telegramm meldet General Linern i t s ch: Nach Berichten aus Korea besetzten die Russen nach einem Kampf das Dorf Kopungsan. Das Gewehrfeuer bei Lazarewo hörte auf. Am Morgen des 13. August entfernten sich die Torpedoboote.
Kuropatkin über japanische Kriegsmethodeu.
Nach der Schlacht bei I'iaujang fiel in die Hände der Japaner ein Brief des russischen Oberbefehlshabers Kliropatkin, an feine höheren Offiziere gerichtet. Darin machte der General auf die besondere japanifcöe Taktik aufmerksam, welche darin bestände: 1) so wenig wie möglich in offener Ebene zu kämpfen, die Hügel dagegen schnell mit ausreichender Artillerie zu besetzen: 2) dem Feinde eine so schmale Front wie nur möglich zu bieten: 3) das Vorgehen ihrer Hauptarmeen durch ausschwärmende kleinere Korps nack beiden Seiten hin zu verbergen. Während diese ausschwärmenden kleineren -Zeitenkorps den Feind
heftig angreifen, um ihn womöglich glauben zu machen, daß sie das Hauptkorps seien, wird die eigentliche Hauptarmee oft in verborgener Stellung zurückge halten. Erst, nachdem der Feind durch die ausgeschwärmten Korps schwer engagiert, rückt das Hauptheer in die Gefechtslinie ein. Nur sehr selten feuert die japanische Artillerie, bevor die feindliche gefeuert hat. Aus diese Weise zwingen sie den Gegner, die Stellung seiner Artillerie zu demaskieren. Mle bisherigen Erfahrungen zeigen, daß die Japaner alle ihnen zu Gebote stehenden Streitkräfte, Infanterie sowohl wie Artillerie, ins Feuer schicken. Sie legen wenig Wert auf eine große Reserve. Dadurch erreichen sie zugleich die denkbar vollste Kraft des Angriffs auf den Feind. Nach Kuro- patkins Auffassung ist dagegen die russische Kavallerie der japanischen weit überlegen. Den allergrößten Dienst hat nach Ansicht des russisckien Oberbefehlshabers im gegenwärtigen russisch-japanischen Kriege der japanische Kundschafter- und Patrouillendiensij geleistet., Die Geschicklichkeit und Unerschrockenheit der Japaner dabei sei geradezu bewunderungswürdig.
Russische Disziplinlosigkeit.
Ein Vorfall in der russischen Marine wirft ein grelle- Schlaglicht auf die Disziplinlosigkeit unter den russischen Offizieren. Der Marinemini st er hatte vor einiger Zeit dem Oberkommandeur desK'ronstädterHafens und Vorsitzenden des Kronstädter Kriegsgerichts, Generalleutnant Selen y, Befehl erteilt unverzüglich nach Lrbau zur Verhaicklung gegen die Meuterer des Panzerschiffes Imperator Alexander IIL SU reifen. Der General leistete diesem Befehl jedoch nicht sofort Folge, sondern reifte er ft eine Woche später. Darauf ist nun gegen ihn wegen Nichtbefolgung des Befehls eines Vorgesetzten ein Verfahren eingclcitet worden. In Marinekreisen ist man äußerst gespannt darauf, welches Urteil das Krtmstädter Kriegsgericht gegen seinen Vorgesetzten fällen wird.
Japanische Eisenbahnbavten.
Newyork, 16. Aug. Hier sind in den letzten Tagen Best e l lun gen I a p a n s auf Eisenba Hn-Material plaziert worden, die in ihrem Umfange und ihrer Bestimmung anscheinend eine politische Bedeutung haben. Es handelt sich um 350 Stahlbrücken, 150 Lokomotiven und 2000 Stahlwaggons, die für eine Ausdehnung der Bahn von Fusan nach Söul über den Palu bis Liaujang verwendet werden sollen, wo eine Verb in düng mit der chinesischen Ostbahn hergestellt werden kann. Diese neue Linie wird den Namen Söul-Wiju-Bahn führen und etwa 150 Meilen lang fein.
Deutsch-englische Festtage.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt:
Die bevorstehende Anwesenheit der englischen Hei- matsflotte an unserer Ostseeküste hat bei dem deutschen! Publikum vielfach den Wunsch erweckt, dieses interessaute Schauspiel mit eigenem Augenschein zu besichtigen. Wie wir hören, beabsichtigt der Minister der öffentlichen Arbeiten, die Ausführung! solcher Wünsche durch Einlegung von Sonderzügen zu ermäßigten Preisen zu erleichtern.
Den Engländern widerfährt Heil: der Besuch des Kcmal- geschwaders in der Ostsee, in dem man man anfangs einen bedeutsamen politischen Schattenriß sah, wird jetzt lediglich als interessantes Schauspiel bewertet, dem beizuwvhneu für zahlreiche Deutsche bereits beschloffeue Sache ist. Der fürsorgliche preußische Eisenbahnminister läßt verlauten, daß er Sonderzüge zu ermäßigten Preisen in den Dienst den Schaulust stellen wird. Er dürfte damit ein gutes Geschäft machen, und namentlich wird der Andrang nach Danzig stark sein, auf dessen Sportplätzen, dem „Lokalanz." zufolge, ein friedlicher Wettkampf in athletischen ©bleien zwischen Deutschen und Briten veranstaltet werden soll. Es ist nur zu wünschen, daß die Deutschen bei der Begrüßung der Gäste eine maßvolle Freude an den Tag legen. Man beachte immer, daß kein Engländer in Begeisterung gerät über den Besuch deutscher Schiffe, sondern daß ihm die nationale Würde über alles geht. Im übrigen kann es, da Kaiser Wilhelm und König Eduard in diesem Sommer feine Begegnung haben, nur von Vorteil sein, daß eine freundschaftliche Berührung von Voll zu Voll, besonders dem! in Waffen, auf deutschem Boden stattftndet.
Deutsches Reich.
Wilhelms höhe, 16. Aug. Der Kaiser und die K a i 4 serin unternahmen heute vormittag einen längeren Spaziergang über die elf Buchen nach 'Herkules. Später hörte der Kaiser denj Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts v. Lucanus, sowie im Anschluß daran, in Gegenwart des letzteren, denjenigen des Ministerialdirektors Dr. Althoff.
Berlin, 16. Aug. Wie das „Wolff-Bur." von zuver lässiger Seite hört, wird der Königvvn Spanien seinen Be- such am Berliner Ho fe nicht während der diesjähriges Käisermanöver, sondern erst im November machen.
— Der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Kröche r ist zum Wirkt. Geheimen Rat mit dem Titel Exzellenz ernannt worden.
Bremen, 16. Aug. Gegenüber Zeitungsmitteilungen übet das Projekt einer elektrischen Schnellbahn zwischen Bremen und den llnterweserorten erfährt „BoeSmanns-Bur."^ was bisher geschehen sei, beschränke sich darauf, daß 'ein aus sechs Herren bestehender Ausschuß zusammen getreten sei, um durch Zeichnung Mittel aufzubringen, die Angelegenheit im einzelnen! zu prüfen und die Vorarbeiten vorzunehmen. Erst auf Grund des gewonnenen Materials werde man sich darüber schlüssig werden, ob die Ausflihrung des Projekts möglich ist ober nicht. Gin formelles Gesuch um die Erlaubnis der Vornahme eventueller Vorerhebungen sei erst in diesen Tagen an das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten gerichtet worden.
Norderney, 16. Aug. Reichskanzler Fürst box Bülow ist nach Berlin abgereist.
!£>erIe§^)aufen bei Eisenach, 16. Aug. Landgraf Alex is von Hessen-Philippstal -Barchfeld ist heute nachmittag in seinem hiesigen Schlosse gestorben.
Kattowitz, 16. Aug. Aus die Petition be\ Magistrate der oberschlesischen Städte an bett' 9t ei di § Jans let ist die Antwort heute eingetroffen. Wie der Reichskanzler mitteill, steht eine Erhöhung des russischen! 'Schweinekontingents nur dem Lnndwirtscha fts- m in ist er zu. Der Reichskanzler sieht sich außer stände, beul Wünschen der oberschlesischen Magistrate zu entsprechen.
Eisenach, 16. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin, treffen bestimmt am 26. August in Eisenach zum Besuche des Großherzogs ein. Auf der Wartburg ist eine Besichtigung der restaurierten Elisabethenkemnate und der acht neuen Wand- gemälde Professors Oetken-Berlin vorgesehen.
Landau (Pfalz), 16. Aug. Prinzregent Luitpold bewilligte für die durch den Hagel- und Wetterschaben heimgesuchten Bewohner des Amtsbezirkes Landau 3000 Mark.
Südwestafrika.
Heber Generalleutnant v. Trotha schreibt die Kreuz- zeitung in einem Artikel, worin sie den Führer unserer Trupps


