WbÄ'i’ÄÄ von „ihren EpiZ-n und R-ig-n ma«oL
Wohltätiges zu befördern geeignet ist, war geradezu verblüffend; und ein werter Monn, der seinem Berufe nach das tz^anze des Schulturnens und der Schulspiele in Deutschland zu über« sehen in der Lage ist, sagte mir, daß dies der ungefähr allgemeine Typus deutscher Schulreigen sei. Dann meine ich allerdings, daß dies mäst ein Mittel, die Jugend zum Tanze zu erziehen, sondern eines fie davon abzuschrecken ist, und daß jede Stunde, die auf eine Arbeit solcher Art verwandt wird, sündhaft vergeudet ist.
Die neue Zeit hat vielen von uns die Augen etwas künstlerisch geschärft, sodaß wir anfangen, das Mangelhafte solcher Uebungen einzusehen.
„Än uns ist es fetzt, ob wir diese neue Sachlage benutzen, ans rhr dre natürlichen Folgerungen ziehen und an die Aufgabe gehen wollen, em bisher wüstes und unfruchtbares Gebiet der Jugenderziehung urbar zu machen. Hierzu bietet der für den Oktober angesetzte Kunsterziehungstag in Hamburg eine Ge- le^nheit, wie sie, wenn sie ungenutzt vorüber gehen sollte, sich nM lln.cht wieder breten wird. Auf seiner Tagesordnung, die a» Ä W Gymnastik umfaßt, hat auch der Tanz Platz gesunden.
, HoAn wir mit Dre^ner, daß von diesem Tage ausgehen jSEurSlÜ Bewegung, die den Tanz (im weitesten bÖOiET"ic6en Rücksichten in unfe« ^hre haben überzeugend gezeigt, daß ein Sbfafera4' ßLifL” von einem edlen nnb
Ä bc5 Fortschrittes erfüllt ist, daß sie auf das
<^?d gewillt ist, es sich anzueignen und es brrba£Lcauszuproben. In dem tätigen und di? Ä^s^^er Manner und Frauen werden sich, wie ich Snb l?’SLhnb™' d-e den Versuch der Erziehung der wrtd olm?«LXr«8« jntmat praktisch wagen. Dieser Versuch =Ä-!3ii
.........dann soll ihnen die Mutter — der Vater ist ja leider meist zu beschäftigt — freundlich entgegenkommen, sichs vortanzen und Vorspielen lassen, mit den Kindern dazu singen oder für fie die Klavierbegleitung übernehmen. Freunde und Freundinnen werden hinzukommen, Brüder und Schwestern mit einander tanzen. Die allezeit rege Phantasie der Jugend wird ein ganz neues Betätigungsfeld finden: Die Kinder werden selbst Lieder und Melodien darzustellen, neue Formen des Ausdrucks für ihren Körper zu finden suchen. Und so wäre eine Tanzstunde geschaffen, die eigenartig wäre und Werte smufe. Es wäre der Grund gelegt für ein Gebäude, wie es die Griechen ichon besaßen, wie es Fidus und Isadora Duncan er- nchten wolleii, ein Gebäude, in dem die Schönheit wohnt."
Diese Worte führen uns zu dem Ausgangspunkte zurück. Wir müssen das, was die Amerikanerin uns zeigt, beachten und beherzigen, wenn wir unsere weibliche Jugend allmählich zu größerer Gesundung führen wollen. Dadurch werden wir unserem Volke einen unschätzbaren Dienst leisten.
qrr» Noch sei mir gestattet, auf einen Aufsatz hinzuweisen, den Albert Tresdner dn geistvolle Verfasser des „Weges zur Kunst" D'edenchs) m der lebten Nummer des „Säemanns" 9yJ?0b^°n Reforrn 1. Jahrg. 9. H. Teubners Verlag) veröffentlicht. Er würdigt gerade die Leistung der Duncan, die ich in rz-rauffurt sah- Ballet und Chöre aus Glucks Iphigenie - vertritt er seine schon früher ausgesprochene
.Inschauung, daß die Kunst der Duncan, die sie in der lebten Seit £„nn’ merklich ausgebildet habe, lehrbar und berufen sei, auch ftir unsere Jugenderziehung ein Vorbild zu werden.
"Vw, habe auch einmal", sagt er, „einen deutschen Schul- reigen gesehen. Da fangen die Kinder „?llle Vögel sind schon da" c r*n bcC etwa damit, daß fie im Tempo eines . obweckselnd ihre linken und ihre reckten Deine «.»« Mäftredtm unb d»b fte linlS hm,m Ttpeniten, wenn sie cm <rtütf nach rechts gegangen waren und rechts herum, wenn sie sich nach links bewegthatten. Die Sinn- losigke' dieser Hebung, die weder die Geschmeidigkeit des Körper- noch tun an geordneter Bewegung noch sonst irgend etwas
nebrmc sich des -r.anzes an, des mimischen Tanzes im Reigen unb — h" Paaren, denn auch das ist zu pflegen. Wir wollen «wiß Nicht aus das Tanzen zu Zweien verzichten. Wirkt hier L5 Tur-mtiinde und sucht fie dem Schritte die Bewegung des fo toirb die törichte Tanzstunde alten Stiles überflüssig, die aus unseren Mädchen Geselffckwstsdamen »uS unseren Jungen Cfesellschaftsherren machen will. Freilich müßte es uns dann gelingen, für den Turnsaal ein Instrument <ur Begleitnim der Tanze zu erhalten: denn der Tanz, nach Tonen ohne Worte ist noch reizvoller als der nach gesungenen Liedern, weil er den Rhythmus und die Melodie allein herrschen W und das immerhin schon etwas Verstandesmäßige des Lred-Jnhaltes zunickdrangt.
Aus der leider nur kurzen Zeit meines Turnunterrichtes habe ch besonders zwei kleine Erfolge zu verzeichnen: der eine war Ä.?"^"nen-Rcigen, ,?er die Weinernte und den sich daran .chließenden Tanz darstellte, und dann vor allen Dingen ein Weihnachtsreigen, in dem ich von meinen Mädchen drei Strophen aus dem lieben Weihnachtsliede: „Ihr Kinderlein kommet" tanzen ließ. Bei Gelegenheit einer größeren Schulfeier mit intimer Bedeutung, zu der ein Festspiel von Kvllegiumsmitgliedem gereimt worden war, wagte ich endlich den Schritt, den ich mir schon lange vorgenommen hatte: ich ließ fed>§ größere Mädchen einen Degrüßungs- und Dankestanz ausführen und wich dabei von der Reigenform ab, indem ich den ursprünglichen Kreis sich *ur Linie ausbilden ließ in verschiedenem Figurenweckscl. Die Begleitung bildete nicht wie sonst ein gesungenes Lied, sondern das Klavier allein. Der Tanz bestand nicht nur im Sclwitte und in den Armbewegungen, sondern ick hatte, soweit sick die Scheu her schon _ halb erwachsenen Mädcken bei einem solchen ersten 'wrfumc überwinden ließ, den Körper mitsprechcn lassen stud c V^vetide gehabt beim Einüben, die Mädchen beim Auf
führen xic Mädchen zeigten eine Anmut, die man in manchen von ihnen gar ustht vermutet hat.
„ soweit die schule. Das soll und kann nun das Haus lnsteu? Ich sage: das Wichtigste. Wenn die Kinder zu Hause
Geschick die alten Formen neu erstehen laßt. Aber wenige haben uns so geholfen, wie der Mann, der in so glänzender Weise die Reihe unserer Gründer und Gönner mit dem G fort setzt: Gareis, Gnanth, v. Gagern, Gundermann: denn er heißt — ich bitte es nicht zu verraten, denn er liebt nicht, daß man von seinen Taten spricht — er heißt Wilhelm Gail. Seinem feinen Verständnis, seinem Spürsinn, seiner Opferwilligkeit verdanken wir es zu einem großen Teil, wenn unfere Sammlung sich heute vor Ihnen kann sehen lassen. Leider ist unser Verein eine Republik, die keine Orden und Ehrenzeichen zu vergeben hat. Tas einzige, was wir tun können, ist, daß ich heute int Namen des Vereins Herrn Kommerzienrat Gail bitte, fortan unser Eh^en- Mitglied sein zu wollen. Ich brauche kaum, die Bitte h'nzuzufügen, daß er uns auch fernerhin seinen Anteil nicht versagen möge, denn wir wissen es alle: er kann gar nicht anders, zu tief ist die Neigung zu Kunst und Altertum in ihm gewurzelt.
Vieler Hilfe können wir brauchen, so habe ich gesagt: aber ich meine, Vielen können wir auch etwas bieten. Wohl haben wir kein Schwert Karls des Großen, keine Schnupfdose des großen Preußenkönigs; aber doch wird der Raritätenfreund gar manches finden, woran er sein Herz erlabe. Besitzen wir doch einen Topf aus der Lindener Mark, der in keiner Sammlung seines Gleichen findet, ein Schwert des 13. Jahrhunderts, für das man uns wiederholt viele Hunderte geboten hat. Ter Mann des Handwerks und des Gewerbes, er mag mit Gewinn die alten Formen, die alten Geräte beschauen, und aus ihnen lernen, was man erst neuerdings wieder zu entdecken beginnt, daß der Zweck die Form sich erschafft, daß diese kein zufälliges Gewand ist, die man dem oder jenem Gegenstände anziehen kann. Ter Freund alter Kunst, alten Lebens mag von dem Getriebe des Alltags sich erholen an den Bildern vergangener Tage, mag sie im Beschauen der Tinge selbst lebensvoller vor seinen Augen erstehen lassen, als es der Bericht der Chronik, der alten Urkunde vermag. Aber freilich, wenn wir durchaus nicht bloß für den Gelehrten arbeiten wollen, so soll doch die Wissenschaft unser letztes Ziel sein, die Einheit bilden in der verwirrenden Fülle der Erscheinungen. Unsere Sammlung ist ja nur Nein, sie birgt nicht die unermeßliche Fülle wie das Zentralmuseum in, Mainz; unsere Nephritbeile marschieren nicht legionsweise auf wie im Rosgarten in Konstanz. Aber ich denke, es geht wie bei den kleinen Universitäten: auch die kleine Sammlung hat ihre Vorzüge, „bietet ihre eigenen Lehren. Ich denke dabei nicht nur an die Schätze unserer Papyri und Ostraka, die unmittelbar auf den Gelehrten berechnet sind. Der Kundige vermag es nicht selten, aus dürftigen Scherben unscheinbarer Töpfe Schlüsse zu ziehen, Taffackjen zu erkennen, die keine geschriebene Quelle verrät, und es wird ihm möglich, die Erscheiimngen der Prähistorie, der Vorgeschichte, umzuwandeln in solche der Frühgeschichte. Und die Funde unserer Gegend sind in mancher Beziehung besonders lehrreich dank der Mittelstellung unseres Gebietes zwischen südlicher und nördlicher Kultur. So hoffen wir, daß unsere Sammlung immer mehr auch hineinwachse in die Rolle einer Unterrichtsanstalt, und so begrüßen wir es ganz besonders, daß auch unsere Hochschule heute in so stattlicher Zahl ihre Vertreter entsandt hat.
Mögen Sie alle, die ich hier willkommen heißen darf, die freundliche Neigung, dieser oder jener sachliche Anteil zu unserer Feier geführt hat, nunmehr einen freundlichen Eindruck erhalten, wenn Sie unter der Leitung des Herrn Könservators die Sammlungen durchwandern. Ich erfiäre das Museum des Ober- hessischen Geschichtspereins für eröffnet.
Ter Vertreter der Landesuniversität, Geh. Justizrat Tr. Schmidt, führte aus:
Die Landesuniversität hat mich beauftragt, dem Oberhessischen Geschichtsverein und seinem Vorstände zur Feier des heutigen Tages die Glückwünsche der Ludoviciana zu überbringen. Es gibt einen alten Rat an Reisend?: „Willst Du eine Stadt kennen lernen, so steige auf ihren Kirchturm". Mir scheint, als ließe sich dieser Rat für unsere Stadt in die Worte kleiden: „Willst Du Gießen kennen lernen, so gehe in sein historisches Museum!" Zwei Gedankenverbindungen werden sich bei dem Beschauer auslösen. Die eine wird die Empfindung eines starken Gemeinsinns und einer weitgehenden bürgerlichen Opferfreudigkeit sein, die aus diesen Sammlungen sprechen. Dieser opfer- freubige Gemeinsinn, um den uns manche größere Stadt und mancher größere Verband beneiden könnte, hat den Rahmen einer rein lokalaeschichtlichcn Sammlung gesprengt imb dem Museum auf prähistorischem und römischem Gebiete einen guten Namen verschafft. Wichtiger noch ist das andere, was das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins verkündet, und ihm erlauben Sie mir als Festgruß Ausdruck zu verleiden. Nur Wenige, die flüchtig an Gießen vorübereilen, oder in die durch Krieg und Brand oft heimgesuchte Stadt eintreten, ahnen den reichen historischen Boden, auf dem wir stehen. Wohl sind es keine großen, weltgeschichtlichen Ereignisse, mit denen der Name Gießens und der Provinz Oberhessen verknüpft ist. Aber wer in den lebendigen Blättern der Chronik zu lesen vermag, die diese Säle darstellen, vor dessen geistigem Auge entrollen sich Bilder, wie sie für die ältere Geschichte unseres Vaterlandes nur wenige Gegenden so greifbar in Funden zu bieten vermögen. Er sieht fernher gekommene Einwanderer die ersten, bescheidenen Hochburgen ihrer Kultur auf den sandigen Höhen im Osten der Stadt errichten. Er erkennt, wie neue Völker Vordringen und dem Boden um uns ihre Spuren aufdrücken. Vor seinen Augen ertjebt fick der feste römische Grenzwall mit seinen Türmen und Kastellen, das Zeichen eines jahrhundertelangen Ringens zwischen Römer- und Germanentum. Ihm zeigen die Gräber- ftinde die verfeinernden Einflüsse römischer Kültur bis der Grenz- Wall fällt und die römischen Adler sinken. Nach dieser Zeit wird die Sprache der Funde, die bisher der Boden freigebig spendete, ärmer und ärmer. Für Jahrhunderte verstummt sie in unseren Sammlungen fast ganz. Eine Zeit, die ihren Toten nicht mehr die Zeichen des Lebens mit ins Grab gab, bat uns ftir manches wichtige (Gebiet des wirtschaftlichen Lebens mehr fragen hinterlassen, als die Kulturperioden, die um Jahrhunderte weiter zurückliegen Nur wenige Sammlungen — das weiß
jeder, der die deuffchen Museen kennt — sind imstande, hier die Lücken auszufüllen. Um so reicher erscheinen in den Räumen, in denen wir stehen, die Repräsentanten des späteren Mittel. alterZ und der Neuzeit. Sie reden von friedlichen Zeiten, von behäbigem Wohlstand im Hause des Bürgers und ^Bauern, wie von stürmischem Treiben und kriegerischer Not. Sic begleiten das Aufblühen der Stadt, die Gründung und das Wachstum uttferer Universität. Sie weisen auch vielfach die Bahnen, in denen sich die Entwickelung des flachen Landes und seine- Bewohner vollzog.
Dieses weitgedehnte Material zu „Bildern aus der deut« scheu Vergangenheit" gefaßt zu haben, ist ein Verdienst, für das wir dem Verein und seinem Vorstand auftichtigen Dank schulden. Die LandesUniversität schuldet diesen Tank doppelt, weil sie den Worten Ihres Herrn Vorsitzenden die Zuversicht entnimmt, daß die Schätze Ihres Museums der wissenschaftlichen Forschung alle Zeit offen stehen und damit die Aufgaben fördern folfen, denen wir, die Mitglieder der Ludoviciana, dienen. DaS Beste aber, was Sie zu geben vermögen, liegt nickt auf wissenschaftlichem, sondern auf uationalerzieherisckwm Gebiete. Goethe hat als die beste Wirkung der Geschickte die Begeisterung bc* zeichnet. Möchten auch diese Sammlungen für weite Kreise dazu beitragen, die Freude und Begeisterung an der Vergangenheit unseres Vaterlandes, an deutscher Art und deutscher Sitte zu stärken und zu vermehren. Das ist der Wunsch, den Ihnen die Landesuniversität zum heutigen festlichen Tage entgegen* bringt.
Unter der Führung des Konservators der Sammlungen, Hauptmann a. T. Kramer wurde sodann eine Besichtigung der Sammkun gen vorgenommen. Tas Museum, das sich durch 3 Stockwerke erstreckt, überraschte die Teilnahme an der Besichtigung durch seine Reichhaltigkeit, den Mert der ausgestellten Gegenstände und die geschmackvolle und übersichtliche Anordnung der Airsstellung. .Im mittleren Stock, der zuerst besichtigt wurde, befinden sich die aus dem Mittelalter und der Neuzeit stammenden Gegenstände, Wehr und Waffen, Erzeugnisse des mittelalterlichen Handwerks und der Kunst, Hausrat und Gießener Erinnerungen. Auch die Universität ist mit manchen wertvollen Erinnerungen vertreten und sogar der ehemalige Karzer hat hier seine bleibende Stätte gefunden. Auch die Anfänge einer oberhessischen Trachtensammlung sind hier in mehreren interessanten Stücken zu sehen. Ter obere Stock ist der prähistorischen, römischen und fränkischen Zeit gewidmet. Er enthält die wertvollen Ergebnisse der Ausgrabungen des Vereins, von denen die in der Lindener Mark, auf dem Trieb und am Bodensee die reichste und wertvollste Ausbeute lieferten. Nebenräume enthalten interessante Gegenstände aus der Vergangenheit der Universität und der Stadt Gießen. Das Erdgeschoß endlich enthält in mehreren Räumen die Ausstellung von Werkstätten und Werkzeugen des Handwerks usw.
Um 2 Uhr fand im Hause des Gesellschaftsvereins das Festessen statt, an dem sich etwa 90 Herren beteiligten. Iw Verlaufe des trefflichen Mahles ergriff Geheimrat Dr. Behaghel das Wort, um in fein humoristischer Rede an der Hand zweier auf dem Trieb „gefundenen" Scherben die Verdienste von Staatsregierung und Stadt um das neue Museum zu feiern. Der Staat habe gegeben, ohne etwas zu nehmen, und die Stadt habe gewonnen, ohne es zu behalten, sondern noch etwas dazugegeben, und das zu einer Zeit, in der noch kein Tenkmalschutzgesetz bestand. In das auf die Staatsregierung und die Stadt Gießen ausgebrachte Hoch stimmte ote Festversammlung begeistert ein.
Professor Tr. Sau er begrüßte die Gäste, insbesondere die anwesenden Dozenten der Landesuniversität, die Vertreter der Staatsregierung, Ministerialrat v. Biegeleben, den „Vater des Tenkmalschutzgesetzes", und Geheimrat Tr. Breidert, die Stadtvertretung, den Oberst v. Lindcnau, Landgerichtspräsident Kullmann die Vertreter der historischen Vereine von Darmstadt Worms, Friedberg, Alsfeld, Butzbach, Marburg und Herborn, sowie die verschiedenen ehemaligen Mitarbeiter und widmete ihnen sein Glas.
Geh. Hofrat Prof. Tr. Dehaghel verlas sodann folgenden telegraphischen Gruß des Ehrenmitgliedes, Fiuanzminister Gnauth Exz.:
„Zu meinem lebhaften Bedauern dienstlich abgehalten, an der heutigen Feier persönlich teilzunehmen, beglückwünsche ifi hierdurch in alter Treue den Geschichtsverein beim Einzug in sein neues Heim, überzeugt, daß von da zählen wird eine neue Aera schönster Entwicklung oberhessischer Geschuhts- und Denkmalspflege
Gn a u t h."
Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben wies in längerer Ansprache auf die wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung der Geschichtsvereine bin und widmete dem oberhessischen Geschichtsverein sein Hoch.
Geh. Kabinettsrat Römbeld aus Darmstadt überbrachte die Glückwünsche des Großh. Landesmuseums, indem er versicherte, daß dieses allezeit bereit sein werde, das hiesige Museum mit Rat und Tat zu unterstützen. Er trank auf das Blühen und Gedeihen des Gießener Museums und all derer, die in selbstlosem Zusammenwirken so schönes zustande gebracht hätten.
Ten vier Ehrenmitgliedern des Vereins, Professor Dr. Gareis, Geheimrat v. Gagern, Exz. Gnauth und Kommerzien- rat Gail widmete Landgerichtsrat Tr. Schäfer Worte der
Hoheit de? Großherzogs und sodann die fachmännische Anerkennung des Geh. Oberbaurats Hofmann in Darmstadt. Dieser war es auch, der es iür wünschenswert erklärte, daß die Leittmg der Wiederherstellung in eine für solche Arbeiten besonders berufene Hand gelegt würde. Der Vorschlag fand um so bereitwilligere Aufnahme, als gerade damals an das Stadtbauamt eine Reche praktischer Aufgaben von ungewöhnlichem Umfang und von größter Bedeutung herantraten. So wurde am 23. März 1900 beschlossen, die Bearbeitung der Einzelpläne, sowie die ganze Bauleitung dem Architekten Ludwig Hofmann in Herborn zu übertragen. Dieser gründliche uud geschmackvolle Kenner älterer Bauformen bat mm 'm liebevoller Hingebung, mit sorgsamster, nichts übereilender Erwägung ein Werk geschaffen, das den Vorüberwandernden erfreut, den Besucher entzückt, uns, die neuen Hausherren, mit dem leb haftesten und wärmsten Tank erfüllt. Für uns bedeutet das neue Heim ja eine Erlösung aus Sorge und Gefahr, aus Druck und Enge, die Erfüllung von lange gehegten Wünschen, von Hoffnungen, die zurückgehen fast bis in die Anfänge des Museums.
Als oberhessischer Verein für Lokalgeschichte ist unser Verem oegrünbet wordcn am 15. Juni 1878. Gleich m der beschließenden Versammlung hat Prof. Tr. Hofmann den Gedanken angeregt, em Museum für Lokalgeschichte zu schaffen, ein Gedanke, der freudig aufgenommen und rasch in Wirklichkeit übersetzt wurde. Hofmann selber entfaltet als erster Konservator der werdenden Sammlung eine eifrige Tätigkeit; bereits am 2. Februar 1879 kann im alten Rathaus in den Räumen des früheren Ortsgerichts, das die Stadt bereitwillig zur Verfügung gestellt hat, das neue Museum dem Zutritt des größeren Publikums eröffnet werden, mit einem für die Kürze der Zeit immerhin recht stattlichen Bestand.
Mit diesem Tage trat Prof. Dr. Buchner an die Spitze berneuen Gründung, der nut rastlosem Eifer und ungewöhnlichem Geschick der Mehrung und Ordnung der Sammliingen seine Tätigkeit gewidmet hat. 18 Jahre lang sehen wir Buchner in dieser Arbeit unermüdlich wirksam, aufs nachhaltigste unter-stützt durch freiwillige Helfer, durch den Anteil, den Dpferfinn unserer Bevölkerung. In herzlicher Dankbarkeit gedenken wir feiner Verdienste um den Verein. Die schwierige Aufgabe, ihn nach feinem Hinscheiden zu ersetzen, übernahm Herr Hauptmann Kramer, der schon in Buchners letzten Zeiten ihm zur Seite gestanden hatte, und der noch heute, beständig wachsend mit feinen größeren Zwecken, unferm Museum ein treu sorgender Vorstand ist. Ohne ihn sich unfere Sammlungen vorzustellen, das ist ein Denkvorgang, den zu vollziehen wir völlig aufeer Stande sind. In nimmer auf- hörender Aufopferung, in nie versagender Liebenswürdigkeit, draußen in Wind und Wetter die Ausgrabungen leitend, ober im Rathaus sitzend, seine Schätze beschützend, ordnend, meffenb, beschreibend, stellt er sich in den Dienst der frei gewählten Aufgabe. Was er geleistet hat bei der Uebersiedelung und Neugestaltung des Museums, das drängt sich unmittelbar Ihren Blicken auf; das weiß aber nur der ganz zu würdigen, der ihn bei der Arbeit gesehen, der die wüsten Massen geschaut hat, die drin in den Sälen sich um ihn stauten und über die er fein „Es werde" zu sprechen hatte.
So ist nach und nach unsere Sammlung zu dem geworden, was sie heilte darstellt, und sie hat sich entwickelt zu einem immer wichtigeren Gliede in der Reil>e unserer Aufgaben. Das ist hochbedeutsam für die ganze Stellung unseres Vereins, denn eben dem Museum verdanken wir es vor allem, daß wir in enger Fühlung bleiben mit der Stadt und Provinz, mit den Bürgern unseres Gemeinwesens und unserer Nachbarschaft. Und darauf legen wir den allerhöchsten Wert. Wohl waren es große Opfer, die die Stadt sich auferlegt hat, um für ideale Zwecke, für ein Merk des Geistes dieses Gebäude zur Verfügung zu stellen. Heute sind es ja vor allem praktische Ausgaben, die die Gedanken der Stadtverwaltungen beherrschen müssen. Nicht mehr die Vertreter der alten Gefchlechter leiten heute die 6>c- schicke der Stadt; selbst die Herrschaft der Juristen muß zurücktreten, die seit lange als die geborenen Verwaltungsbeamten galten; die Führung gleitet in die Hände der Technik, und die Stadt Gießen ist der fortgeschrittensten eine. Um so mehr Anerkennung und Dank verdient es, ivenn diese Techniker, wenn Herr, Gnauth und Herr Mecum sich verständnisvoll auf die Geschichte der Stadt besonnen, wenn sie erkannten, welchen Wert, welche Bedeutung eine solche Stätte des Beschauens, des Aus- rnhens für den hastenden Menschen der Gegenwart besitzt. Denn •mir wollen nicht bloß ein Werkzeug sein im Dienste der Wissenschaft: nachdrticklich müssen wir den Gedanken ablehnen, als ob wir nur für den Gelehrten und mit dem Gelehrten arbeiten wollten. Wir würden uns selber anfs schwerste schädigen, wenn wir uns der unmittelbaren Begeisterung, der freudigen Hingebung des bloßen Liebhabers berauben wollten. Wir können jeden brauchen, der uns helfen will. Freilich hat auch der Gelehrte bei uns sein gutes Stück Arbeit getan: Ich gedenke vor allem dankbar unseres früheren Vorständskollegen Prof. Dr. Gundermann, jetzt in Tübingeir, der manchen lieben Tag von frühster Morgenstunde bis zum nächtlichen Dunkeln, kaum dem färglicfjen Imbiß einige Augenblicke gönnend, draußen gestandei^ hat, um der Erde vorgeschichtliche Schätze zu entreißen; der geradezu ein Erzieher unseres Vereins geworden ist.
Aber gar viele andere haben uns beigestanden: So der Einzelne, Mann oder TVrait, wie die Körperschaft in Kreis und Provrn; wie die staatliche Malt; sogar der Hobe Olymp bat sick mubrotl uns zugeneigt. Sie haben uns geholfen, die einen mit erheblichen Spenden, desjenigen metallischen Stoffs, der mcht bloß zum Kriegführen erstens, s weiten § und drittens not- fft: mit Ucbertaffung entbehrlicher Dopvelstücke, wie das Landesmuseum in Darmstadt: mit der Unterstützung durch lhiX Werkstätten, wie das Zentralmuseum in Mainz: die andern mit eigener eifriger Mühewaltung. Geholfen hat uns der spaten- kundige Mffitär: Tie Ans<->rabungen, die .Herr Major von Schlem- mer geleitet hat, sind mnstergiltig in ihrer Art geworden; geholfen bat uns der kluge Arzt, der das Flicken statt an lebendigen Gliedern nunmehr an alten Knochen und Waffen ausübt: ge- holfen der Mann des Buchgewerbes, der die Vorstufen seiner Kunst mit liebendem Auge sichtet und ovdnet: geholfen ber ehrsame laener de-> ^ate». her nut zähester Geduld, mit immberbarem


