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14.7.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 163

Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Erich etrU W-Nch mH Vu-nahme bei Sonntags.

Dieeteftenct LavilienblStter- werden dem ,Anzetge, viermal wöchentlich beigelegt. Der e^t|P|4i< taaöelrt* erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeige

Freitag 14. Juli 1905

StotaflonSbrud unb B erlag bet vrühl'lchen UntoerfUdtSbanferel 8L Lange, Dietzen.

Redaktion. Expedition u. Druckerei! Vchulstr.1.

Tel. Nr. 6L lelegt^Ubt. t Ln-eiga Dietzen»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

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Der bayrische Liberalismus.

102 plus 10 sind 112 und damit ist für das rot­schwarze Bündnis die Zweidrittelmehrheit in der bayrischen Abgeordnetenkammer erreicht und sogar über­schritten. DaS allgemeine gleiche direkte und ge­heime Wahlrecht wird also künftig in dem zweit­größten Einzel st aat des Deutschen Reiches gelten. Das wird ja zweifellos ein Fortschritt sein, aber ein mit schlechten Mitteln erlangter. Denn nur der Wille zur Macht hat das bayr. Zentrum dazu veranlaßt, das unnatürliche Ver­hältnis mit den Sozialdemokraten einzugehen, während es gleichzeitig in Württemberg mit allen Kräften die Liberali­sierung des Wahlrechtes bekämpft. Also nicht aus ethischen Gründen, sondern aus einer ganz niedrigen Jnteressenpolitik heraus wird cs für die Einführung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts in Bayern Sorge tragen.

Der noch jüngst im besten Kernstil vom Domkapitular Dr. Schädler bedrohte Minister des Innern Graf Feilitzsch wird wohl jetzt ernstlich an den Rücktritt denken müssen; besser wäre er gleich mit dem Grafen Crailsheim gegangen oder ihm bald im Rücktritt gefolgt, wie dies der Finanz­minister Freiherr v. Riedel tat. Obschon auch dessen Nach­folger Herr v. Pfaff der evangelischen Konfession angehört, ist doch das dem Zentrum verhaßt gewesene .protestantische Dreiministerkollegium" dann beseitigt und der bayrische Kirchenstaat im Prinzip angebahnt. Und zwar durch das Bündnis mit dem krassesten Materialismus.

Obgleich bei dem diesmaligen Handel die Mannen des Ritters Georg v. Vollmar ein Mandat verloren haben, gegenüber einem Zentrumsgewinn von 18 Sitzen, ist doch auch ein Profit auf Seite der Sozialdemokratie gewesen. Sie hat pfälzische Sitze hinzugewonnen und da­neben ein Mandat für Augsburg, ihre Sitze in der bayrischen Königsstadt hat sie behauptet. Verloren ging Nürnberg; bekanntlich wird im Reichstag die alte Noris durch den nord- »vestdeutschen Damenfreund Dr. Cüdecum vertreten. Aber dafür bekommt man bei der nächsten Reichstagswahl be­stimmt Würzburg; schon 1903 wurde dem Zentrum dieser Neichstagssitz nur durch den entschloßenen Beistand der Libe­ralen erhalten. Auch bei einem anderen fränkischen Neichstogs- ssitz des Zentrums ist dasselbe der Fall gewesen und wird sich vielleicht die gleiche Folge Herausstellen.

In ihrer Wut gegen den Liberalismus haben überhaupt die Zentrumsführer jetzt alles getan, um ihre Schäflein den Locktönen der Vollmarschen Hirtenflöte zugänglich zu machen. So ist in den pfälzischen Wahlkreisen Speyer-LudwigShafen unb Frankenthal-Grünstadt vom Zentrum jetzt die Parole nusgegeben worden, auf jede eigene Agitation zu verzichten und sofort für die sozialdemokratische Wahlmännerliste zu Kimmen. Dabei hat gerade in der Pfalz die sozialistische Agitation immer einen besonders kirchenfeindlichen Charakter gezeigt und jetzt gegen den Befehl des Herrn v. Vollmar mitten im gemeinsamen Wahlkampf ihre grundsätzliche Zen- trlimsverachtung herausgekehrt. Indes, dergleichen kann von republikanischen Atheisten ein Streiter für Thron und Altar schon hinnehmen, wenn man dafür von den Roten einen weiteren Landtagssitz zugeschanzt bekommt.

Aber wie wird es hinterdrein werden? Die am 17. Juli zu wählende Abgeordnetenkammer wird ein Mandat bis zum Sommer 1911 besitzen; vor der Urwahl vom 10. Juli ist freilich von der rotschwarzen Koalition die Parole ausgegeben worden, sofort nach Durchsetzung des neuen Wahl­rechts die Kam merauflösung zu verlangen, damit eine Vertretungnach der wirklichen Meinung des Volkes" her- qestellt werden könne. Die Sozialdemokratie wird sehr be­stimmt auf die Durchführung dieses Programms dringen; ob es dann dem Zentrum damit so besonders eilig sein wird, dürfte immerhin zweifelhaft sein. Es hat schon jetzt an Mandaten bekommen, was es irgendwie erwarten konnte, und in den ländlichen Bezirken wird die geheime Wahl wohl vielfach jeder anderen Partei eher zu gute kommen, als der mit Kanzel und Beichtstuhl wirkenden. Dauert aber die Landtagssession bis zu dem normalen Ende, dann wird es um die Einigkeit unter den rot-schwarzen BundeSgenoffcn doppelt mißlich bestellt sein. Die ZentrumSpresse hat ja die Parole auSgegeben, daß dem Niederwerfen des Liberalismus sofort der rücksichtsloseste Kamps gegen die Sozialdemokratie folgen solle; dann seien nur noch die katholische und die atheistische Weltanschauung als kriegsfähige Faktoren übrig, undderEntscheidungskampf zwischen Christus und Belial" könne und müsse beginnen. Ein mit sozialdemokratischer Hilfe zum Kammersitz und damit nach einiger Refcrentenwirksamkeit zur kirchcnanitlichen Beförderung gelangter katholischer Geistlicher wird sich allerdings in diesem Kampfe ganz besonders gut ausnchmen, aber das Zentrum wird jener Ankündigung wenigstens einigermaßen nachlcbcn müssen schon aus Rücksicht nachoben", wo man an die sozialdemokratischeRettung deS bayrischen ThronS" vor dem llnitarismuS noch immer mcht recht glauben zu wollen scheint. Herr v. Vollmar wird aber auch den dürftigsten Scheinangriff von Seiten des Zentrums sicher sehr ernsthaft nehmen und mit wuchtigster Energie beantworten, schon weil er äußerlich letzt bei der Landtagswahl Einbuße erfahren hat.

Zum Verzagen besitzt also der bayrische -Liberalismus noch durchaus keinen Anlaß. Zumal in München 'hat am 10. Juli da§ Zentrum im ersten Wahl­gange auch nicht einen Wahlmann durchgesetzt, weil der rote NundeSgenhsse zunächst seine Stärke gesondert erproben und Zeigen wollte; erst in der Stichwahl errang man dann mit sozialistischer Hilfe die erforderliche Wahlmänneranzahl. Die relativ stärkste Partei in der bayrischen Haupt­stadt ist der Liberalismus noch immer; er hat dies jetzt unter sehr ungünstigen lokalen Verhältniffen gezeigt. Sehr'

schmerzlich ist der Verlust von Augsburg, das übrigens schon 18811887 in der Münchener Kammer zwischen Zentrum und einer lokalen orthodox-lutherisch partikularistischen Richtung geteilt war; jetzt ist an die Stelle der letzteren die Sozial­demokratie getreten, was für gewiße vorbezeichnete Kreise vielleicht recht lehrreich sein könnte. Damals waren dort lokale und gemeindepolitische Verstimmungen schuld und das Gleiche ist auch diesmal der Fall gewesen, nur daß sich der mit dem Zentrum den Gewinn teilende Faktor seitdem ganz beträchtlich geändert hat. lieber den liberalen Mißerfolg in dem schwäbischen Günzburg wie im Allgäu sieht man noch nicht ganz klar; in Franken hat der frühere ReickstagSab- geordn. Brauereibesitzer Lutz viel geschadet, der als Kreuz­zeitungsmann den Liberalismus fanatisch bekämpfte und da­mit den Ultramontanen Vorspann leistete. Der Herr war s. Z. in Berlin alsder Renommierbauer" der hoch­konservativen Aristokraten bekannt.

Man müßte Bayern nicht kennen, um nicht der be­stimmten Ueberzeugung zu leben, daß bei der nächsten Land- tagSwahl der Liberalismus wieder weit besser abschneiden wird. Diesmal hatte er in einer ungewöhnlich ungünstigen Konstellation zu kämpfen und das rotschwarze Schlagwort von denWahlrechtsmördern" verfing, obgleich dem Kammer­präsidenten und Lycealrektor v. Daller erst jüngst nachge­wiesen worden ist, wie er 1884 bayerische Staatsbeamte wegen angeblicher Abstimmung für Herrn v. Vollmar bei dem Ministerium öffentlich denunziert hat. Gleichviel, ob die nächste bayrische Neuwahl 1911 oder schon beträchtlich früher kommt, der Liberalismus wird Zeit haben, sich zu rüsten, um künftig unter besseren Bedingungen erfolgreicher zu kämpfen.

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Aus Stsöl unö AmÄ.

Gießen, 14. Juli 1905.

** Bei den Arbeiten für die Entwässerung der Stadtkirche wurden auf der Nordwestscite die Funda­mente von starkem altem Mauerwerk, u. a. einer mit der Kirche ungefähr parallel laufenden Mauer, und ein alter Brunnen mit stark quellendem Wasser aufgcdcckt. Es wird vermutet, daß es die Reste der eigentlichen ältesten Burg find, unterhalb deren dann die Pankratiuskapelle stand, aus der später die 1485 erbaute, 1808 abgerissene alte Stadt- kirche erwachsen ist.

** Der Verbandstag der Ga belsbergerschen Stenographen des Hessisch-Nassauischen (Main-Rheingau) Verbandes findet am 16. und 17. Juli in Marburg statt. Prof. Dr. Larfeld auß Remscheid wird den Festvortrag halten. Soeben erfahren wir, daß auch der Bundesvorsitzende, Prof. Dr. Medem aus Danzig, anwesend sein wird.

Konzert des Schulischen Künstlerquartetts. Selbst bei dieser augenblicklichen Tropenhitze war es, wie man uns berichtet, eine Erquickung, einem Kunstgenuß sich hin- zugeben, wie er am Dienstag im Neuen Saalbau von vier Mitgliedern des Königl. Hoftheaters Wiesbaden geboten wurde. Mit feiner Empfindung trugen die Künstler ernste und heitere Lieder vor. Es war erstaunlich, mit welcher Kraft und Verve die Forte-Stellen zu Gehör gebracht wurden, nicht zu ver­geßen das säuselnde Pianissimo, das wie ein Hauch verklang. Von den ernsten Liedern seien besonders erwähnt das schwie­rigeStändchen" von Sturm, sowie KoschatSRöserl am Wörther See". Auch das heitere Genre kam zur vollen Geltung, besonders mit dem uraltenRur nicht ängstlich" von Kuntze und der ZugabeO Pepita", welches ganz be­sondere Anforderungen an die Zungenfertigkeit der Sänger stellt. Reicher Bestall seitens der nicht allzu zahlreich er­schienenen Zuhörer veranlaßte die Künstler zu mehreren Zugaben.

Schwere Gewitter find, nach drückender Schwüle am Tage, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag über dem südlichen Teile OberheßenS und der benachbarten Main- gegcnd niedergegangen. Wir in Oberhessen haben gestern nur wenig davon abbekommen. Bei Friedberg schlug der Blitz in mehrere Telegraphenstangen, in Ginnheim in die evangelische Kirche und richtete im Turm sowie im Innern deS Baues selbst schweren Schaden an.

Ueber die Rettung eines Lebensmüden im Roten Meer durch einen früheren Gießener Mitbürger wird uns folgendes berichtet: Es war an Bord deS Hansa- DampfersDrachenfels" im Roten Meer am 28. Juni 1905, morgens nach 5 Uhr, als durch den RufMann über Bord" die gesamte Besatzung alarmiert wurde. Kapitän Lintig, welcher auf der Brücke war, ließ sofort die Maschine stoppen und rückwärts arbeiten, so daß das Schiff in kurzer Zeit zum Stillstand kam. Zwei Rettungsringe wurden über Bord ge­worfen und gleichzeitig wurde ein Boot zu Wasser gelaßen, um unter Führung des ersten Offiziers Sch mehl die Meeresoberfläche abzusuchen. Nirgends konnte man den über Bord Gesprungenen entdecken, und schon vermutete man, daß die hier zahlreichen Haie ihr Opfer gefordert hätten, da er­blickte man in der Nähe des Schiffes den Heizer auf den Rettungsringen treibend. Schnell wurde hinzu gerudert, doch als man den Lebensmüden erfassen wollte, schwamm er da­von. Nun wurde verflicht, ihn mit dem Bootshaken heran­zuziehen, doch da tauchte der Mensch unter. Da er dieses Manöver noch mehrere male ausführte und man seiner dlirch Hin- und Herrudern nicht habhaft werden konnte, sprang der l.Osffizier Schmehlderselbe Gießener, der im Februar 1903 beim Brande des Dampfers Ockenfels im Hafen von Bombay sich ausgezeichnet hatte zu Wasser und schwamm auf den Unglücklichen hinzu. Dieser wich wiederum geschickt aus und tauchte unter. Ter 1. Osffizier jedoch bekam ihn zu faßen und schwamm mit ihm mch dem Boot hin. Hier mürben beide aufgenommen. Der Htzizer, befragt, warum er

über Bord gesprungen sei, erklärte, daß er weder überbürdet noch mißhandelt worden sei, Allah jedoch hätte ihn ge­rufen, und da müßte er kommen. Der Lebensmüde war ein Türke.

-n- Denkmalsschutz. Bei den meisten Leuten herrscht noch Unklarheit über den Denkmalsschutz. Ost stoßen die ?(rbeiter bei Kanalisierungen, Roden von Weinbergen, Aus­schachtungen und Kelleranlagen auf Mauerreste, Scherben, Knochen, Münzen, Geräte, Töpfe, Eisen- und Bronzegegen­stände, die achtlos beiseite geworfen werden. Werden Funde dieser Art geniacht, dann versäume man nicht, dies sofort der zuständigen Bürgermeisterei, dem Pfarrer oder Lehrer anzuzeigen, damit die Gegenstände, die für den Einzelnen wertlos, für die Forschung aber oft von Bedeutung sind, ge­borgen werden können. Man ist zur Zeit bemüht, eine Land­karte über die Besiedelung unseres Landes in vorgeschichtlicher Zeit festzustellen. Die Arbeiter erhalten den durch die Meldung der Funde entgangenen Lohn und einen sogenannten Fund­lohn und der Besitzer des betr. Grundstückes eine Ent­schädigung für den Zeitverlust. Zuwiderhandlungen können nach dem Gesetze vom 16. Juni 1902 bestraft werden.

B. Hungen, 13. Juli. Am 30. und 31. d. MtS. wird im Gasthause zur Traube hier die 4 5. Wanderver­sammlung deS Oberhessischen Bienenzüchter­vereins abgehalten werden. Mit ihr ist eine Ausstellung, Prämiierung und Verkauf von Bienen, Bienenzuchtgeräten, Honig und Wachs verbunden; auch steht den Besuchern eine Tombola, bei der unter anderen schönen Sachen besonders aiich garantiert reiner Honig gewonnen werden kann, zur Verfügung. Das hiesige Lokalkomitee ist gegenwärtig eifrig an der Arbeit, die Vorbereitungen zur geschmackvollen Her­richtung der Ausstellung und zu einem würdigen Empfang der Gäste zu treffen. Während der erste Tag mehr der Ausstellung und dem Honigmarkt gewidmet ist, wird am zweiten Tage, dem Montag, die Generalversammlung deS Hauptvereins stattfinden, bei der u. a. zwei allgemein inter­essierende Vorträge aus dem Gebiete der Binnenzucht ge­halten werden. Mit der Versammlung ist auch eine Ver­losung verknüpft, bei der garantiert reiner Honig in 2 Pfd.- GläserN, der bei vertrauenswürdigen Imkern angekauft ist, zur Auslosung kommt. Der Besitz eines Loses berechtigt zu freiem Eintritt in die Ausstellung und Versammlung.

RB. Darmstadt, 13. Juli. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer hat heute vormittag und nachmittag zwei umfangreiche Sitzungen abgehalten, welchen auch Staats« Minister Rothe, Finanzminister Gnauth und mehrere Ministerialräte beiwohnten. Den Hauptberatungsgegenstand bildete neben verschiedenen glatt erledigten kleineren Vorlagen, wie das Spielverbot in auswärtigen Lotterien, den Lotteriever­trag mit Preußen, den Gemeindeumlagen-Entwurf (Wert- mwachs- und Billetsteuer), Antrag Häusel über Pferdezucht, Nachforderung für das Wormser Gymnasium rc. der Gesetz­entwurf betr. die Gemeindesteuerreform, über welche der Ausschußberichterstatter, Freiherr v. Heyl zu Herrns­heim, ein ausführliches Referat erstattet haben dürfte. Die Beratung über diesen Gesetzentwurf dehnte sich bis 6 Uhr abends aus, ist aber noch nicht zum Abschluß gelangt. Der zweite (Gesetzgebungs-) Ausschuß der Ersten Kammer mar unter Vorsitz des Fürsten von Leiningen heute nach­mittag gleichfalls zu einer Sitzung beisammen. Auf der Tagesordnung stand in erster Linie die Beratung des Gesetz­entwurfs betr. die berufliche Organisation der Landwirtschaft lLandwirtschaflskammer). In der heute nachmittag unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Glässing stattgehabten Stadtverordneten-Versammlung wurde mitgeteilt, daß dem Zentralverein zur Beschaffung billiger Wohnungen zur Ausstellung der Entwürfe für den vom Verein veran­stalteten Preiswettbewerb die Turnhalle der höheren Töchter­schule zur Verfügung gestellt wurde. Die übrigen Verhand­lungsgegenstände waren lokaler Natur.

Frankfurt, 13. Juli. Gestern abend fuhr der Hilfs- waqenwärter Hermann Neumann aus Brück bei Kitzingen mit noch einem Manne in einem Kahn auf dem Main. Der Kahn schlug um und Neumann ertrank. Sein Begleiter rettete sich durch Schwimmen. Am 11. Juli wurden hier 30 Männer und 11 Frauen, am 12. Juli 47 Männer und 25 Frauen verhaftet.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 13. Juli.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Curschmann und Heyligenstaedt, sowie alle Stadtverordneten, außer Brück, Emmelius, Faber, Helm, Krumm und Loos.

Oberbgm. Mecum eröffnete die Sitzung, indem er Kennt» nis gab von einer an die Stadtverordneten-Versammlung er­gangenen Einladung des Gleibergvereins, sich an der Generalversammlung des Vereins, die am 15. d.M. nachmittags stattfindct, beteiligen zu wollen. Weiter teilte Oberbgm. Mecum ein Schreiben des Verbandes der Spenglermeister mit, welcher vom 27.29. Mai hier getagt hat und dabei über die Stadt Gießen loSgezogen ist, weil deren Gas- und Waßerwerk den Spenglern Konkurrenz mache. Es wurde bei dieser Tagung auch eine Resolution gefaßt, die die Versammlung gestern hörte, aber nicht zum Anlaß einer Debatte nahm, da sie bei ihren früher gefaßten Beschlüssen beharren wollte.

Der 2. Punkt der Tagesordnung betraf ein Baugesnch der Witwe 2. Rothenberger im Neuenweg. Sie will, da ihr Haus baufällig ist, ein neues Vorderhaus mit an­schließendem Seitenflügel errichten, wozu es erforderlich ist, daß sie sich an die Baufluchtlinie hält und von der Stadt ein Stück Gelände von 41 Quadratmeter übernimmt. Die Baudeoutation hat das Gesuch befürwortet, indem sie bean-