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8.7.1905 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt.

155. Jahrgang

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Giehener Anzeiger

Samstag 8. Juli 1905

Rotattonflbrud and Verlag ba vrü hlgch« Unwerklärst)ruderet. R. Lange. ®«B»

Redakttorr, ExpedMon u. Druderet ©djulfttt.

Del 9h. 6L Itiegt^flbt.» Ln-etg« ötefcea

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».

KevßcrunglN des Kerrn von Witte?

Wenn wir sagen, daß der Petersburger Korrespondent desPetit Parisien" nachfolgendes Interview mit Herrn von Witte gehabt haben will, so ist verständlich, warum wir hinter den Titel dieser Ausführungen ein Fragezeichen gesetzt haben. Das Boulevardblatt hat zwar eine große Verbreitung in den Bildnngsschichten von Paris, aber der Wert seiner Aeußerungen ist ganz dieser Art der Verbreitung angemessen. Das Pariser Voll braucht Sensation. Der Petersburger Korrespondent desPetit Parisien" hat sich ein Hintertürchen offen gelassen, indem er gar nicht Herrn von Witte nennt, sondern ihn einfach als Einsiedler be­zeichnet. Die ganze Darstellung ist aber so gehalten, daß Herr von Witte von dem Petersburger Korrespondenten ge­meint sein müßte.

Also se non ben trovato, so galten die ersten Fragen des Korrespondenten dem gegenwärtigen Kriege. Herr von Witte soll die Unterhaltung damit begonnen haben, er glaube an den Frieden, weil er notwendig sei, weil schlechte Geschäfte gemacht würden, wenig Geld vorhanden sei und das Elend in der Bevölkerung dahindränge. Es gäbe, soll Herr von Witte fortgefahren haben, nur wenige Familien, in denen man nicht einen To ten betrauert. Ein unendliches Elend drücke das ganze russische Volk nieder und es leide tief unter diesem schrecklichen blutigen Kriege. Das müsse aufhören. Des­halb ist die Initiative Herrn Roosevelts mit größter Dank­barkeit und Freude zu begrüßen. . . .

(Nach einer Pause auf eine Frage des Korrespondenten): Za, die Dinge sind viel weiter fortgeschritten, als man allgemein glaubt, aber man muß zugestehen, daß wir ge­rade nicht den besten Willen an den Tag legen, um Herrn Roosevelt seine Aufgabe zu erleichtern. Sie haben recht, seit Beginn der Verhandlungen spricht man immer von den Opfern, die Japan bewilligen müsse, aber man hört nie davon sprechen, daß Rußland vielleicht auch einige wird bringen müssen. Wir werden sogar sehr viele Zuge­ständnisse machen müssen. Sicherlich werden uns die Japaner harte Bedingungen auferlegen, aber ich glaube nicht, daß sie uns zum äußersten treiben wollen. Diese Leute sind nicht nur ausgezeichnete Soldaten, gute Offi­ziere und fähige Generäle, sondern auch sehr feine und geriebene Diplomaten. Sie werden nicht so blöde sein, uns zu zwingen, einen Verzweiflungskrieg fortzusetzen. Es ist also an uns, uns gleichzeitig versöhnlich und fest zu zeigen, viel zu bewilligen, aber darauf zu achten, daß man nicht über die erlaubten Grenzen hinausgehe. Ich glaube nicht, daß wir geschwächt und gcdemütigt aus dieser Konferenz hervorg eh en werden, deren Ergebnis meiner Ansicht nach das sein wird, die Ein­tracht in Europa wieder herzu st ellen....

Ja, Japan wird eine starke Kriegsentschädig­ung verlangen. Und man wird sie bezahlen müssen, denn das ist die Klausel des Vertrages, auf die sie vielleicht am meisten dringen werden, die, bei der wir voraussichtlich am meisten nachgeben müssen, was man auch sagen möge. Der, dem man den Köpf abschneiden will, weint nicht um seine Haare", sagt ein russisches Sprichwort. Wir dürfen nicht zu laut schreieen, wenn man uns etwas kurz schert. Die Entschädigung, die wir bezahlen werden, wird die für unsere sorglose Leichtfertigkeit sein. Nein, die Japaner werde« keine unannehmbaren Bedingungen stellen und selbst von England und Amerika in dieser Hinsicht gut gemeinte Ratschläge erhalten....

(Nach einer längeren Pause): Bor ganz kurzer Zeit gab es einen Herrscher, der die Welt befehligte. Seine Kriegsmarine war mächtig, seine Armee stark und dis­zipliniert und sein Volk, obgleich unwissend und arm, be­zeigte ihm Liebe, Unterwürfigkeit und Achtung. Dieser Herrscher war der Zar. Alle Staatsoberhäupter bemühten sich um seine Freundschaft, und allgemein war die Befürch­tung, daß diese Macht sich eines Tages furchtbar bekunden könnte. Mit einem verächtlichen Lächeln sah daher Europa das kleine Japan das riesige russische Reich angreifen. Und doch wurde dieses besiegt und seither hat sich alles sehr geändert. Jetzt wenden sich die Schmeichler und Höflinge dem Kaiser Wilhelm II. zu. 15 oder 20 Iahre wird er die Welt beherrschen. Er wird der Schieds­richter über Krieg und Frieden sein. Deutschland hat durch unser Verschulden in diesem jämmerlichen Abenteuer mehr gewonnen, als es vielleicht aus einem zweiten Siege über Frankreich hätte ziehen können. Mehr noch, ohne einen einzigen Mann zu verlieren, ohne eine Patrone zu verbrennen, ohne einen Pfennig aus­zugeben, hat es infolge unserer Schwächung mehr Vorteile, als wir selbst errungen hätten, wenn es uns gelungen wäre, unseren Gegner zu schlagen. Deutschland und sein Kaiser sind die Nutznießer dieses un­seligen Krieges wenigstens auf dem europäischen Festlande. Und die französische.Diplomatie hat wegen ihrer unvorsichtigen Politik einen Teil der V e r - antwortung dafür zu tragen. Sie brauchen nicht über das, was ich Ihnen sage, zu erstaunen. Erinnern Sie sich, was bei der Veröffentlichung des Textes des englisch-japa­nischen Einvernehmens verging. jener Zeit waren, wir auf den Krieg gefaßt, und wenn wir ihn auch nicht direkt hervorriescn, so muß doch zugestanden werden, daß wir nichts Besonderes taten, um ihn zu vermeiden. Was tat da die französische Diplomatie? Sie beeilte sich, auf dieses Tlbkommen mit einem Abkommen zu antworten, das sic mit uns schloß und in dem ausgemacht wurde, daß Frankreich in den rusfifch-j-aPanischen Kon- flikt eingreifen würde, wenn England sich an

ihm beteiligen sollte. Das war für unsere Politik eine Aufmunterung, auf der betretenen Bahn weiter zu gehen. Frankreich hätte damals uns warnen und uns zeigen müssen, welcher Gefahr wir entgegengingen. Daß die französische Regierung die Macht Japans nicht kannte, ist keine Entschuldigung. Regierungsmänner müssen alles vorausseben und vorbereiten. Die bevorrechtigte Stellung Frankreichs Rußland gegenüber ermächtigte Ihre Diplo­matie, uns eine Warnung in einer Frage zuteil werden zu lassen, die die französische Neutralität ernst gefährden konnte. Sie tat das aber nicht, sondern ließ uns ruhig gewähren. Wenden Sie nicht ein, daß die russische Regierung solche Warnungen zurückgewiesen hätte: dazu hatte sie kein Recht, weil sie durch einen formellen Vertrag mit Frankreich verbunden war. Eine vorsichtige und iveise Mahnung von zuständiger Seite hätte vielleicht den Zaren und den Grafen Lamsdorff zur Ueberlegung angeregt, aber diese Warnung kam nicht. Und mangels eines mit Festigkeit vorgebrachten Rates endet der begonnene Krieg mit unserer De mütigung, mit dem Triumphe der deutschen Diplomatie. Ein Mittel dagegen wollen Sie wissen? Für uns? Beiuns ist alles er st neu zu schaffen. Für Sie? Frankreich tut gut daran, sehr vor­sichtig zu sein und nichts dem Zufall zu über­lassen . .

Zu Hinzufügungen und Ausfi'hr'.tngen in dieser Hin­sicht wollte sich derEinsiedler nicht verstehen.

Wie gesagt das Boulevardblatt insinuiert seinen Lesern, daß so ein Staatsmann vom Range Wittes gesprochen

Die Erste Ziegenschau des Kreisziegenzuchtvereins Gießen.

(Original-Bcricbt desGießener Anzeigers".)

Die am Dienstag morgen in Li ch stattgehab.te. Schau des Kreisziegenzuchtvcreins Gießen war. obwohl einige Ge­meinden, die Mitglied des Vereins sind, nicht ausgestellt hatten, sehr gut besucht. Es waren einige 80 Ziegen aus­gestellt. Der Hauptzweck der Schau war, eine Musterung abzuhalten, was man als Bestes auf die Mainzer Aus­stellung bringen könne. An Preisen waren vom Landwirt­schaftlichen Provinzialverein 150 Mk. bewilligt worden: außerdem hatten Se. Durchl. der Fürst von Hohensolms- Lich einen Ehrenpreis für die beste Gesamtleistung,. die Stadt Lich einen Ehrenpreis von 40 Mk. und Bürgermeister Heller-Lich einen Ehrenpreis, der Ziegenzuchtverein Lich einen größeren Geldbetrag gestiftet.

Bei der Prämiierung waren Kreisamtmann Hechler und Oekonomierat Leit Higer selbst zugcaen; als Preis­richter waren Kulturtechniker Kunz von Lauterbach und Bürgermeister Guß mann von Hirzenhain tätig.

Folgende Preise wurden verteilt: in Klasse 1, Böcke von mehr als Vs Jahr, Gemeinde Utphe 1. Preis, Stadt Lich zwei 2. Preise. Anerkennungen: Ph. Gregorius- Gießen und die Stadt Lich. In Klasse 2, Ziegen mit mehr als 2 Schaufeln, Ehr. Nebe -- Gießen 1. Pr., Fr. Zimmer- Lich 2. Pr., Ehr. Nebe - Gießen 2. Pr., Wilh. L a n g s darf-Lich 2. Pr., Wilh. Freitag-Utphe 3. Pr., Hermann Textor-Lich 3. Pr., der­selbe 3. Pr., Herm. Vh. Schmidt- Lich 4. Pr., August Nöding- Gießen 4. Pr., Wilh. Aller-Lich 4. Pr., Fr. Kem pf-Lich 4. Preis, Anerkennungen Kvrl Nikolaus - Lich, PH. Gregorius -Gießen, Johs. Habermehl -Lich und Karl Wecker-Gießen. In Klasse 3, Ziegen mit nicht mehr als 2 Schaufeln, Karl Uhrohe-Lich 1. Pr., Heinr. Z et)-Utphe 2. Pr., Emil Zimm er-Lich 2. Pr., Joh. Noll-Lich 3. Pr., Heinr. Luft-Lich 3. Pr., Johs. Habermehl-Lich 3. Pr., Anerkennungen: Johs. Weber-Lich, Ph. Freitag-Utphe, Karl Schwen^-Lich, Hermann Textor-Lich. In Klasse 4,. Lämmer unter 8 Monaten, Ehr. Nebe-Gießen Ehrenpreis und Stadt Lich und Ehrenpreis des Bürgermeisters HeUer-Lich, Heinr. Zev-Utphe 1. Pr., Wilh. Freitag-Utphe 2. Pr., Kvnrad Balzer-Utphe 2. Pr., Fr. Schrezhaupt-Lich 3. Pr., Fr. Z im m er-Lich 31 Pr., A. Nöding - Gießen 3. Pr., Karl Stengler-Lich 3. Pr., Wilh. Filsings-Utphe 3. Pr., PH. Fendt- Utphe 3. Pr. Anerkennungen: Karl Fr. Schmidt- Lich, Heinr. Meng es-Lich, Karl Fr. Frenz HI.-Lich, Ph. Schmidt-Lich, Fr. Schneider-Utphe, Ehr. Schäfer-Lich, Hcrmarnn Textor-Lich. Außerdem wurden noch 22 Weg- vevgütungen gegeben.

Nach der Prämiierung wurde das beste Material für die Mainzer Ausstellung ausgesucht; gleich­zeitig wurden von der Körkommifsion die zur Zucht taug­lichen Tiere angekört. Die Schau verlief durch das freunb» liche Entgegenkommen der Stadt Lich sehr zufriedenstellend.

OeriÄtslaal.

)( Gießen, 8. Juli. Die Strafkammer verurteilte gestern: den Bauführer Friedrich R. von Bad-Nauheim wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 100 Mark Geld­strafe. R. war bei dem Umbau des Viktoriahotels zu Bad-Nauheim, das einer gründlichen Umänderung unter­zogen wurde, als Bauleiter tätig. Es wurden insbesondere an den Fenstern und an den Balkontüren Acnderungen vorgenommcn. Zu diesem Zwecke wurden die Türpfosten teilweise durch neue ersetzt. Ehe nun die Maurer mit ihrer Arbeit fertig waren, gab R. den Befehl, sämtliche Sprießen an den Türpfosten zu ent­fernen, was die Zimmerleute, auf die Sachkunde des Angeklagten vertrauend, taten. Kaum eine halbe Stunde darauf wurde von einigen Arbeitern ein Wagen in den Borgarten geschoben. In diesem Moment löste sich eine Schwelle los und fiel auf den Wagen. Sie überschlug sich und traf einen Arbeiter an der rechten Hüfte, der eine schwere Quetschung erlitt und längere Zeit bettlägerig war. Er ist bereits seit zehn Wochen arbeits­unfähig, und es wird noch längere Zeit dauern, bis er seiner Arbeit' wieder voll nachgehen kann. R. entschuldigte sich da­mit, daß er zu sehr mit Bureauarbeiten beschäftigt gewesen sei und deshalb nicht immer an der Baustelle hätte fern können: die Arbeiter hätten die Gefahr erkennen und ihr aus dem Weye gehen müssen. Das Gericht ließ sich jedoch darauf nicht ein und erkannte den Angeklagten für schuldig, indem es hervor­

hob, daß er sich, bevor er den Befehl gab, hätte verlässigen müssen, ob keine Gefahr vorhanden war. Der Schuhmacher- geselle Friedrich A. aus Karlsruhe hat seinem Meister Paul Kluge zu Rödgen bei Bad-Nauheim ein Fell im Werte von 9 Mk. entwendet und verkauft. A. ist tiwtz seiner Jugend rück­fällig. Es wurden ibm aber mit Rücksicht auf den nicht hohen Wert, mildernde Umstände zugebilligt, sodaß er mit einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten durchkam. Gegen ein Urteil des Schöffengerichts Butzbach hat der Privatier Christian R. von Hausen bei Frankfurt a. M. Berufung erhoben. Er wurde von zwei Landwirten in der Okmarfintg Ober-Hörgern auf frcnidem Jagdgebiet mit Hund und zur Jagd aus­gerüstet betroffen. Das Schöffengericht hatte ihn zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt: auch sollten der Hund und das Gewehr, das er bei sich führte, eingezogen werden. Während der Vor­untersuchung sowohl, als auch beim Schöffengericht bestritt er, fremdes Jagdgebiet betreten zu haben. In der gestrigen Ver­handlung gab er die Möglichkeit zu, unbeabsichtigt über die Grenze gekommen zu fein. Er wurde von Zeugen als ein ge­wissenhafter Mann, der es mit seinen Jagdgrenzen bisher sehr genau genommen hat, geschildert. Das Gericht hielt ein ab­sichtliches Neberschreiten der Grenze für ausgeschlossen und hob das erstinstan'liche Urteil auf, ließ aber wegen Uebertretung Bestraf­ung ein^reten. die mit 3 Mark Geldstrafe bemessen wurde. Selbstverständlich fällt hiermit auch die Einziehung des Hundes und des E^ewehrs weg. Der Taglöhner August G. aus Gries­heim a. M. hatte sich unter falschem Namen als Knecht nach Ossenheim vermietet. Am Tage des Eintritts veranlaßte er seinen Mitknecht in eine Wirtschaft zu gehen. Er hlieb zu Hause und brach ihm den Koffer auf, aus dem er, was ihm paßte, mitnahm, ohne wieder zurückrukebren. G., der rück­fällig ist, hat noch einige Strafen aus Wiesbaden zu verbüßen. Es wurden ftir den Diebstahl in Ossenheim 2 Jahre ht Ansatz gebracht und auf eine Gesamtstrafe von 2 Jahren und 9 Mo­naten Gefängnis erkannt. Mit Rücksicht auf die ehrlose sinnung, die in dem Bestehlen eines armen Mitknechtes erblickt wurde, schien die Llberkcnnung der bürgerlichen Ehrenrechte aus 5 Jahre gerechtfertigt. Der Bergarbeiter Peter K. aus Witobel hatte sich als Dicnstknecht nach Kalbach verdingt. Da er rn! den landwirtschaftlichen Arbeiten nickt bewandert war, gab es wegen des Lohnes Differenzen, die schließlich zu einer Kla§v führten. Da ihm die Sache aussichtslos erschien, zog er in einer Eingabe an das Amtsgericht Büdingen die Klage zurück und fügte an, daß der Dienstherr die Kosten übernehmen werde. Das Schriftstück unterzeichnete er nicht blos mit fernem, sondern auch mit dem Namen d e s D i en st h errn. Weitev hat er auf seiner Geburtsurkunde das Geburtsjahr 1886 in 1885 umgeändert. Diesgeschah zugestandenermaßen zu dem Zweck, die Einberufung zum Militär ein SVnfrr früher herbeizuführen. Die Sache wurde von der Militärbehörde sowohl, als auch von dem Amtsgericht zur Anzeige gebracht. K. wurde der Urkun-t denfälschung in zwei Fällen für schuldig erachtet. Es.wur­den ihm aber mildernde Umstände im vollen Maße zugebilligt, da eine Schädigung nuf keiner Seite eingetreten ist. Die Jugend und seitherige gute Führung wurden strafmindernd in Betracht gezogen, sodaß das Gericht eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen als ausreichend erachtete, die es durch die erlittene Untersuchungs­haft als verbüßt erklärte. Der Haftbefehl wurde aufgehobeil und K. in Freiheit aesiftt.

Äröetterßewt'qunq.

Essen (RuhrV 7. Juli. Der im rheinisch-westfälischen Bau» gewerbe ausgebrochene Konflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat eine hochbedeutsame Maßnahme des hiesigen Oberbürgermeisters im Gefolge gehabt. Bekanntlich haben die Arbeitgeber beschlossen, auch in denjenigen Städten die Arbeiter auszusperren, in denen Tarifverträge bestehen. Für Essen sind diese Verträge unter der eifrigsten Mitwirkung des Oberbürger­meisters zu stände gekommen. Als die Arbeitgeber dem Bürger­meister von der geplanten Aussperrung Kenntnis gaben, erklärte diefer, er werde id ann sämtliche städtischen Arbeiten sofort unter städtischer Aufsicht auf Kosten der Unternehmer Herstellen lassen und die Mehrkosten ein klag en. Ferner werde er beim Stadtverordneten-Kollegium die Bewilligung von 26 000 Mark zur Unterstützung der im Kampf gegenkontraktbrüchigeArbeitgeberbroh los gewordene Arbeiter beantragen. Der Antrag wird schon die nächste Stadtverordnetensitzung beschäftigen.

Augsburg, 7. Juli. Die a u s g e s p e r r t e n Ar be iter der Metallindustrie beschlofsen die Wiederauf­nahme der Arbeit auf Grund der Einigungs-Vorschläge und des Versprechens, daß niemand gemaßregelt werde.

Verviers, 7. Juli. Infolge von Meinungsverschieden), heilen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern der Spinnereien ist ein ernster Kvnflikt ausgebrochen. Die Fabrikanten kündigten für morgen die Schließung von 43 Werken an. Mehrers tausend Arbeiter werden von dieser Maßregel betroffen.

Nm die Kindersterblichkeit energisch zu befämpfen, ist es uw bedingt erforderlich, die während der heißen Sommermonate gefahr­bringende frische Kuhmilch gänzlich fortzulasten und an deren Stells eine leichter verdauliche, immer gleich bleibende, keine Verdauungs­störungen verursachende Nahrung zu geben. Diesen Anforderungen entsvricht am besten das altbewährte Nestle'sche Kindermehl, welches nur mit Wasser gekocht eine vollkommene Kindernahrung ergiebt, Brechdurchfall und Diarrhoen verhütet, und bereits bestehende Ver­dauungsstörungen beseitigt.

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