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7.8.1905 Erstes Blatt
 
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e»ie«et teeti* außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesftschen Landwirt die Kießener Kamillen- tiittet viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Der- Uig der Brü h l'scheu Nittvers.-Buch^». Stein« druckerei. «. Sauge. Redaktion, Lrv-dMoa imfc Druckerei:

OSolVroße 7.

ßlbresi» für Devescheu: Anzeiger Gießen.

Krrnsvr^chanIchlußNr 51

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

tag 7. August 1905

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

ve>ng«pr<tSi monatlich 75 'Bl., viertel» jährlich Mk. 9.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2. viertel« jährl. ausschl. Bestellg. "'inahme van Anzelc» ir die tf tiimet 8 Domittiqi J

Ze ^rnvreiS:

ai'-^warl- > '* Hj-z. 'BetfjntrooiUd, fift den poliL und -Jl ,eri. Teil: P. Wittlo: für , Stadt und Canlr und .Gerichtösaal': August Goetz, für den An­zeigenteil: tzanS Bech

Ire heutige Dummer umfaßt 8 Seilen.

Politische Wochenschau.

Eine Hundstagsstimmung auf politischem Gebiete gibt es seit Jahren nicht mehr. Alle Tage bringen neue politisch« Er­eignisse und daneben sorgen allerlei Gerüchte, Behauptungen und Widerlegungen dafür, daß noch mehr Mwcck'slung in die all­gemeine Unruhe, das böse Zeichen einer bösen Zeit, kommt. Noch immer zehren englische und französische Blätter an Erinner­ungen und Folgerungen, die mit der Kaiferbegegnung in Björkö zusammenhängen, aber die Aufregung hat sich doch schon gelegt. Wenn man auch merkt, wie sehr die Mißstimrn- ung gegen das rüstige, nach allen Rickrtungen und auf allen Gebieten sich rege umschauende und betätigende, die habgierigen Pläne anderer gern plump durchkreuzende Deutschland von dort aus genährt wird, so läßt sich doch ein Abflauen in den Ver­hetzungen, die noch vor acht Tagen ins Ungemessene zu gehen drohten, nicht verkennen. In Widersvruch freilich mit gehässigen Pariser Prcßäußerungen steht das Verhalten der französischen Regierung, bei der eine Wandlung zu äußerlich freundlicheren Anschauungen Deutschland gegenüber um sich greift. Immerhin ist dem konziliant und höflich uns anlächelnden Frankreich nicht zu trauen, und allenthalben lauert es nur darauf, uns irgend­wo ein Schnippchen schlagen zu können. Die äußeren Formen aber im Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich sind tadel­los und nach außen hin das Verhältnis von vollkommenster Ausgeglichenheit. So hatte die französische Negierung vor einiger Zeit den Wunsch ausgesprochen, die Gebeine der in Deutschland verstorbenen Kriegsgefangenen sam­meln und nach Frankreich bringen zu lassen. Der Kaiser hat jetzt, wie dieGrenzboten" melden, seine Zustimmung gegeben und zugleich angeordnet, daß die Uebergabe unter mili­tärischen Ehren vollzogen werden soll. Also vor aller Welt scheinbar ein Herz und eine Seele! Die englischen Staats­männer aber tragen, im Gegensatz zu der dortigen, die gesamte Volksstimmung ganz richtig wicdergebende Hetzpresse, Deutsch­land gegenüber eine wohlwollende, freundlich herablassende Miene uns gegenüber gütigst zur Schau, und im Unterhause hat neulich der kluge und vorsichtige Unterstaatssekretär Earl of Perch in seiner Rede über Englands auswärtige Politik sichtlich alles ferngehalten, was bei uns aufs neue verletzen könnte.

Ueberraschen mußte die Nachricht von der bevorstehenden en g- lischen Geschwaderfahrt nach der Ostsee aber auch diese Aufregung legte sich auf beiden Seiten rasch, nachdem von Berlin aus mit großer Geberde freundlichst behauptet worden war, daß keine politische Kundgebung großen Stils bezw. eine Abschwächung der Erfolge der Kaiserbegegnung von Björkö be­zweckt sei, daß es sich dabei vielmehr um die Ausft'lhrung eines schon vor Monaten beschlossenen Planes, also umolle Kamellen", handele. Ja, dadurch, daß das Publikum jetzt erst erfuhr, was die Negierung vielleicht längst schon wußte, wird die Sache aber doch nicht minder seltsam. Warum schickt Kaiser Wilhelm seine Schiffe nicht flugs einmal hinüber nach der Iri­schen See zum friedlichen Manövrieren und möglichsten Kennen­lernen aller englischer! Hafenintimitäten? Natürlich ist auch die englische Presse jetzt bemüht, den heraufbeschworcnen Ver­schärfungen entgegenzutreten und die Harmlose zu, mimen. Die PetersburgerNowoje Wremia" ist übrigens der originellen Ansicht, daß die engl. Flotten-Demonstration sich mcht gegen Deutschland, sondern gegen Rußland richte, das zum Nach­geben bei den Friedensverhandlungen gezwungen werden soll. Die Engländer sollten aber, so fährt das Blatt weiter fort. Acht geben, daß sich kein zweiter Hüller Zwischenfall er­eignet, falls britische Schiffe ungebeten in den finnischen Ge­wässern erscheinen sollten. Jedenfalls heißt es sowohl für uns Deutsche wie für die Nüssen, vor den Engländern, höllisch auf der Hut sein!

Der Besuch des d e»u tsch en Ka isers in Kopen h a gen, der ebenfalls Gelegenheit zu manchem Lufthieb gegen Deutschland bot, ist vorüber. Es zeigt sich, daß die guten Beziehungen, die der Kaiser bei seinem letzten Besuche in Kopenhagen so betont hatte, weiter fortbestehen und auch eine weitere Dauer ver­sprechen. Ob als Folge der Zusammenkünfte des Kaisers mit dem Zaren und den Königen von Schweden und Dänemark nun ein engerer Zusammenschluß der Ostseereiche bevorsteht, mit dem man in England und ^r^nkr<'ick> bereits rechnet, ist nicht unwahr-

scheinlich. Zum mindesten dürfte die Frage der für uns recht wertvollen dänischen Neutralität im Falle eines Kon­flikts zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reiche ihrer Klärung näher geführt worden sein.

Inzwischen ist eine neue Nachricht aufgetaucht, nach der eine Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem König von England demnächst in unserer Nackibarstadt Frankfurt am Main erfolgen soll. An der Tatsache einer nahen Begeg­nung zu zweifeln, liegt u. E. kein Grund vor. Die Begegnung würde im gegenwärtigen Zeitpuntte eine besondere Bedeutung erlangen, denn es liegt auf der Hand, daß sic nicht einzig und allein erfolgen würde um der rein verwandtschaftlichen und persönlichen Beziehungen der beiden Monarchen zu ein­ander. Ob allerdings das Verhältnis zwischen den beiden überall einander scheel betrachtenden und heftig miteinander konkurrieren­den Völkern dadurch eine Wandlung erhalten könnte, scheint uns doch sehr zweifelhaft. Dem weltgewaltigen Briten sind wir aufstrebenden Deutschen nun einmal ein Dorn im scharf­blickenden Auge, der ihm recht unbeguem ist. Nach neuesten in Marienbad eingetroffenen Berichten kommt König Eduard am 14. August dort an. Ursprünglich war seine Ankunft für den 11. August festgesetzt; sie ist aber, wahrscheinlich mit Rück­sicht auf eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm, um drei Tage verschoben worden. Woraus für uns nicht allzu günstige Schlüsse auf den Urheber des Entrevue-Gedankens zu ziehen sind.

Die Lohnkämpfe dieses Sommers haben mit der großen Aussperrung der sächsisch-thüringischen Färber und Weber einen ganz außerordentlichen Umfang angenommen. Bei dieser Streik-Aussperrung handelt es sich um einen gewaltigen Kampf, bei dem schließlich die Zahl der Leidtragenden an die Hunderttausend herankommt. Ter Zeitpunkt, um mit Lohn­erhöhungen an die Fabrikanten heranzugehen, war im Hinblick darauf, daß die sächsisch-thüringische Textilindustrie sich jetzt erst langsam von einer jahrelangen Niederlage zu erholen be­ginnt, jedenfalls nicht glücklich gewählt. Der Kampf im rhei­nisch-westfälischen Baugewerbe hat nach dem Schei­tern der Einigungs-Verhandlungen an Schärfe zugenommen. Aus sämtlichen Bahnhöfen des Jndustriebezirkes sind Streikposten aus­gestellt worden, die den Zuzug Arbeitswilliger fernhalten sollen. Die Essener Bauarbeiter-Organisation richtete ein Schreiben an die Unternehmer, sich bis heute, Montag, Mittag 12 Uhr darüber zu entscheiden, ob sie die erhöhten Stundenlöhne zahlen Uwllen. Erfolgt keine oder eine ablehnende Antwort, so soll in den allgemeinen Streik eingetreten werden. Eine Anzahl Bauunter­nehmer des Bochumer Reviers erkannte auf Vorstellung der Sechserkommission den neuen Lohntarif an. Die Mehrzahl ver­hält sich aber ablehnend. Eine dritte größere Aussperrung be­trifft die schlesische Metall-Industrie. In Breslau waren die Eisendreher der Waggon- und Maschinenfabriken wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten; als ihnen darauf seitens der Industriellen em Ultimatum gestellt wurde, erklärten sich die übrigen Breslauer Metallarbeiter mit ihren Kollegen soli­darisch, und die Folge war eine Aussperrung aller Organisierten. Nach neuesten Meldungen aber sind die Breslauer Differenzen jetzt glücklich beseitigt worden.

Aus unseren südafrikanischen Kolonien, wo der Aufstand der Eingeborenen immer mehr Opfer an Gut und Blut fordert, kamen wieder mancherlei neue unerfreuliche Nachrichten. Wie amtlich aus Südwestafrika gemeldet wurde, ist nun­mehr bestimmt festgestellt, daß H e n d r i k W i t b o i mit starken Kräften am Tsachcib, einem zwischen dem Hudup und dem Keisub nach dem Leberfluß führenden Revier, sitzt. General­leutnant von Trotha gedenkt ihn dort anzugreifen und ist im Begriff seine Truppen zu sammeln. Am 28. Juli überfiel eine kleine Hottentottenbande die Station Gaimaichos, 25 Kilometer nördlich von Berseba. Nach einstündigem Kampf zog sich der Feind unter Verlusten nach dem nahen Hornkranz zurück. Auf deutscher Seite wurden ein Reiter schwer und drei leicht ver­wundet. Nach einem Telegramm des Gouverneurs inDeutsch- Ost-Afrika sind zum Ueberfluß nun auch noch unter den Eingeborenen der Matumbisberge, nördlich von Kilwa, Un­ruhen ausgebrochen, deren Veranlassung noch nicht völlig geklärt ist. In dem an der Küste gelegenen Orte Ssamanga sind verschiedene Jnderhäuser von den Eingeborenen verbrannt worden. Zur Unterdrückung der Unruhen, bereit lokaler Cha­rakter allerdings vorsichtig von dem Gouverneur betont wird, sind die beiden Kompagnien aus Lindi und Dar-eA-Salaam nach Kilwa beordert worden. Leider svielen die Umtriebe

Eine Dadfagrt nach der Schwalm und Kochwaldyausen.

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) (Fortsetzung.)

Ein gar liebliches Ländchen ist die Schwalm. Der Wald, der hier prangt, die Dörfchen, die hier träumerisch im Verborgenen blühen, die Berge, die, die Landschaft ein­rahmend, in der Ferne thronen,in Bildern mags der Maler wiedergeben, denn unbeschreibbar ist's. Es ist auch mehr Musik, mehr Volkslied.

Leise schleicht der Abend durch den stillen Wald. Die untergehende Sonne streut Rosen über Himmel und Erde. Denn wie zarte duftige Röschen blicken die vom letzten Sonnenstrahl geküßten CirruSwölkchen auf uns hernieder, und wie von goldgelben Kapuzinerrosen leuchtets von den im schrägen Sonnenlichte stehenden beryllgrünen Buchenstämmen. Die scheidende Sonne gießt ihre schönsten Tinten aus. Von Zeit zu Zeit springt ein Reh über den Weg. Hier eine ent­zückende gelbgrüne Waldwiese, über die ein stämmiger Jäger schreitet, dem weit voraus sein Hühnerhund springt; dort goldene Garben, auf freiem Felde von fleißigen Händen zusammengehäuft und auf den noch sonnenbeschienenen welligen Stoppelacker tiefblaue Schatten werfend.

Der Maler findet hier eine unerschöpfliche Menge von Motiven. Jeder neue Moment bringt neue Lichter in die Landschaft, jedes Stückchen Waldes und Feldes, jedes traulich in einen Wiesengrund gebettete Gehöft neue Reize.

Unter den Umrissen der Berge, unter den sanften Win- -ungen der Hügel und der sich kreuzenden und dadurch die Landschaft merkwürdig abwechselungsvoll gestaltenden Gründe, unter den Gruppierungen dieser Bäume und Ge­büsche laufen einfach schöne Linien hin; das Zufällige, durch Spiel der Natur heroorgebracht, erhöht unser Interesse an

dem Charakter des Einzelnen; Anschauung und Gedanke wecken in uns Empfindungen und Ideen, die uns diese ganze Gegend somalerisch" erscheinen lassen wi^ wenige.

Unsere Rüder tragen uns bald hügelanf, bald hügelab. Jetzt kommt eine lange, lange, obendrein ziemlich jähe Senkung. MitVogelfluggeschwindiakeit rollen wir sie hinab. Ta, nach einer Wegbiegung, rattert gemächlich ein mit Klee beladener Bauernwagen vor uns. Schon sind wir ihm ganz nahe. Ich drücke ein wenig meine Vorderbremse, doch nur wenig wird des Rades stürmender Lauf gehemmt. Mein Vordermann biegt auf dem schmalen Wege, der nur auf einer Seite Raum zum Vorbeifahren bietet, aus, und in demselben Moment bringt er das Rad durch Benutzung der Freilaufbremse zu langsamerer Fahrt. Ich folge ihm unmittelbar, die Stellung meiner Pedale ist gerade so, daß zum Anziehen der Freilaufbremse eine halbe Um­drehung nötig ist. Kurz, ich kann dem Laufe des Rades nur wenig Einhalt tun. IN einer Sekunde überlege ich mir, daß ich, wenn ich dem Vordermann folge, ihn und mich zu Fall bringe; so können wir vielleicht beide unter die Pferde oder den Wagen geraten. Weiche ich nach der anderen Seite aus, dann liege ich sofort im Graben, vielleicht mit ge­brochenem Genick. Das einzige ist, ich lasse das Rad gegen den Bauernwagen laufen. Vielleicht falle ich weich auf den Klee.

Ter Zusammenstoß erfolgt und im nächsten Moment liege ich, vom Rade auf den Wagen und vom Wagen auf die Erde gefallen, am Boden. Ich erhebe mich und schaue zuerst nach dem Rade. Mein Mitradler eilt hilfbereit herzu, ebenso die Insassen des Wagens, Vater und Sohn, die Klee geschnitten haben. Ich war gegen die Beine des jungen Bauern geprallt, der hinten auf dem Wagen stand. Die Lenkstange ist arg verbogen und lädiert, das Hinterrad ein wenig verschiest, sonst ist das Rad intakt. Ein Hosenbein hat einen kleinen Riß; sonst ist mir nichts geschehen. Oder doch? Ich fühle Leisten schmerz. Jedenfalls ist die Lenkstange gegen die, übrigens ein wenig angesplitterte Langwiede des

englischer Händler der Kapkvlonie, die nicht gefaßt werden können, eine recht verhängnisvolle Rolle und auch das Verhalten der britischen Kapregierung erscheint recht zweideutig. Der stellver­tretende Premierminister in Kapstadt sieilich ermächtigte das! Reuter'sche Bureau zu erklären, daß Waffenhandel zwischen der Kapkolonie und dem Damaraland nicht stattgesiinden habe. Er erklärte, daß die Regierung ausnahmslos alle Waffen auf­halte, welche in der Kolonie cingcbracht oder ausgeführt werden sollten. Sollen wir's ihm glauben?

In Ungarn ist die Krifis zu einer ständigen Einrichtung acivorben. Tie Koalition hält an ihren Forberungen fest, die Krone will nicht mehr Trottligen, als sie schon getan hat,, und so verschärfen sich die Gegensätze von Tag zu Tag, verschlimmern sich die gesamten staatlichen Verhältnisse immer weiter. Sogar die Frage der Ausiechterhaltung der Solvenz Ungarns nimmt nach und nach ein ernstes Gesicht an. Zweifellos,kann die Zahlungsfähigkeit des Staates auf die Dauer nicht un- erschüttert bleiben, wenn die Steuerzahlung vollstän­dig st o ck t und selbst die freiwillig gezahlten Steuern der Staats­kasse nicht zugeführt werden, lieber kurz oder lang muß der Staat vor die Frage gestellt toerben, entweder die äußeren oder inneren Zahlungen zu reduzieren oder einzustellen. Wahrschein­lich werden die auswärtigen Staatsgläubiger befriedigt, dafür aber die inneren Zahlungen, darunter zunächst die Beamten­gehälter, herabgesetzt oder ganz eingestellt werden. An ein Nachgeben des Kaisers in der Frage der ungarischen. Kom­mandosprache ist in keinem Fall zu denken. Die große liberale Partei aber ist völlig zersplittert, weil die einen einlenken, die anderen weiter opponieren wollen. Die Herren Banffy und Stita drassy sind über diesen Zerfall froh; denn jetzt, so meinen sie, werde man in Wien zu der Einsicht tontnten, daß eine Ent­wirrung ohne die Koalition unmöglich sei. Die Ralliierung der 67 er Parteien sei bloß im Rahmen der Koalition denkbar, die unbedingt aufrecht erhalten bleiben müsse.

Auf amerikanischem Boden haben soeben die Friedens» Verhandlungen begonnen. In dem Orte Oysterbay trafen am 5. August die japanischen Fricdensbevvllrnächtigten als die Ersten an Bord eines Kriegsschiffes ein. Dort wurden sie durch den Unterstaatssekretär Pejrce dem Präsidenten Roosevelt vorgestellt, der sie in kurzen Worten im Namen der Regierung der Vereinig­ten Staaten begrüßte. Dann erschienen die russischen Delegierten Baron v. Rosen und Witte, der am Tage vorher ein sehr freund­liches, 'eigenhändiges Schreiben des Zaren Roosevelt über­reicht hatte. Darauf fand ein gemeinsames Frühstück art Bord der JachtMavflower" statt. Präsident Roosevelt brachte folgenden Toast aus:

Ich bringe einen Toast aus, auf den keine Antwort erfolgt und welchen ich'Sie ersuche, stillschweigend und stehend anzuhören. Ich trinke auf bie Wohlfahrt der beiden Souveräne und der beiden großen; Nationen, deren Vertreter sich auf diesem Schiffe be­gegneten. Ich hoffe aufrichtigst und es ist mein Gebet, daß im Interesse nicht nur dieser beiden großen Mächte, sondern im Interesse der gesamten Menschheit ein gerechter, dauern-, der Friede zwischen Ihnen bald abgeschlossen wird."

Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze sind inzwischen die Japaner unbestrittene Herren der Insel Sachalin geworden. In der Mandschurei stehen sich die beiden Niesenheere nach wie vor gegenüber. Die Front des Generals Linewitsch! erstreckt sich auf eine Entfernung von 500 Kilometer und zwar umfaßt diese Linie den Tumenfluß, den Amur und die Küste bis Wladiwostok. Die Ankunft neuer Truppen aus Europa gab Anlaß zu Differenzen zwischen Linewitsch und feinem Generalstabe. Linewitsch verlangt,. wie es heißt, daß alle Truppen an die Front gebracht werden, um eine größere Tätigkeit zu entfalten, während der Generalstab für starke Reserven eintritt. Immer wieder wird aber gemeldet, daß die russ. Generale auf dem Kriegsschau­platz einhellig vom Friedensschluß nichts wissen wollen, da sie: jetzt überzeugt seien, siegen zu können. Warum sie aber dann, trenn ihnen eine solche Ueberzeugung zur Seite steht, noch immer mit dem siegversprechenden Angriff zögern?

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Keer und Motte.

Die wehrpflichtige Jugend Bayerns wirb allmählich mehr von der städtischen als von her1 wesentlich landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung.

Wagens gestoßen, umgeknickt und mir in die Leisten gefahren. Tie schmerzende Stelle wird untersucht. Sie ist bereits stark geschwollen. Tie beiden Bauern sind zu jeder Hilfe bereit und gehen auf den Vorschlag, mich über ihr Dorf, Rei­bertenrod, nach Alsfeld auf der Kleesichre zu bei fördern, ein.

Große Niedergeschlagenheit, moralischer Kollaps. Doch man muß die Flinte, d. h. das Rad nicht gleich ins Korn werfen. Also hinauf auf den Klee mitsamt dem Rade. Wer das Barometer der Reiselust ist doch rapid gesunken. Meine arme Radlerseele taucht unter in dem Sumpfe pessimistischer Grübelei, und als Ergebnis brodelt der philosophische Satz empor: Die Dumme der Tourenlust ist geringer als die Summe des Tourenleids ....

Inzwischen geht die rumpelnde Fahrt gen 'Alsfeld zu. Ter alte Bauer ist abgestiegen und trottet neben dem Wagen her. Nicht für 10 Mark, meint er, würde er sich je auf ein Rad setzen. Ich glaube, es würde sich auch keiner finden, der ihm 10 Mark gäbe.

In Reibertenrod, einem kleinen, idyllisch in einer! Mulde gelegenen Dörfchen, ladet vor einem Hause der alte Bauer die Hälfte Klee ab. Um den Wagen sammelt sich staunend die Torfiugend. Der junge Mann ift ins HauA gegangen, um sich anzuziehen zur unvorhergesehenen Fahrt nach der Stadt. Drinnen erzählt er seiner alten Mutter das Erlebnis, und tränenden Auges eilt sie zu mir an den Wagen, und mit rührend mütterlichem Ausdruck in der Stimme raunt sie mir zu:Ach, lieber Herr, fahren Sie doch nicht mehr Rad, cs ist das Leben!" Es wird mir schwer, die liebe alte Frau zu trösten; so sehr ich auch versichere, daß ich nur geringe Schmerzen habe und morgen wohl alles wieder gut ist, ihr Blick ruht voll immer gleichen Kummers auf mir.

Ich glaub's sieilich selber nicht, was ich der alten Frau da sage. . .

Und weiter geht's nach 'Alsfeld. Wenn unterwegs er­staunt ein entgegenkommender Bauer meinen Fuhrmann