Ausgabe 
1.5.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 101 Zweites Bli-rtr.

155. Jahrgang

rfc^dnt S-Nch mit Ausnahme bef VonMagS.

Die .Sietzeil« §a«MendIStter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der iHesstiche todOttT ericheml monatlich einmal.

Giehener Anzeiger

Montag 1. Mai 1905

Ststattcmtorutf und Verlag der Brüh lachen UntoerfitötsbructereL 5L Sangt» Dietz«.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schnlftr.U.

Tel. vtr. 6L Telegr.-Adr. i Aa-etg« Dietzen

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».

Sämtliche Einsendungen sind(in die Gießener Familien,

Kür das schönste Kedichl

von Schiller und auf Schiller haben wir uns ent* schlossen, unter unseren Abonnenten eine Preiskonkurrenz auszuschreiben. Wir fordern den weiten Kreis unserer Abon­nenten auf, an dieser Konkurrenz sich zu beteiligen. Die Kon­kurrenz soll sich folgendermaßen gestalten:

1) Die drei besten, von Abonnenten de§ Gießenei Anzeigers verfaßten Gedichte auf Schiller werden durch wert­volle Preise ausgezeichnet und am 9. Mai, dem Schillertage, in den Familienblättern zum Abdruck gebracht. Sämtbichr drei Preise bestehen in von hervorragenden Künstlern geschaffenen meisterhaften Schillerbildniss en in geschma-ck vollen Rahmen.

2 Unsere Abonnenten werden gebeten, der Redaktion derGießener Familienblätter" den Titel des Gedichtes von Schiller mitzuteilen, das ihren! Gefühl nach ihnen das schönste scheint. Unter den Nennern des Gedichtes, das am häufigsten als das schönste bezeichnet wird, kommen ebenfalls mehre« Preise zur Verteilung.

modernen Meteorologie anfs engste mit der Erftuschrmg der physikalischen Verhältnisse des Luftmeeres über der weiten Fläche des Weltmeeres, welches mehr als 3A unseres Planeten bedeckt,! verknüpft ist.

Der französische Arzt Dr. Doyen, welcher sich kür^ich dnrch die Versuche mit seinem Heilserum gegen den! KrebÄ hervorgetan hat, beabsichtigt in London eine Klinik zn erricAeo ähnlich derjenigen in Paris zur ausschließlichen Behandlung troa Krebskranken nach seiner Methode.

Paris, 30. April. Der Schriftsteller Taillade ist wegen Nervenzerrüttung in eine Irrenanstalt gebracht worden.

Aus New York wird gemeldet, daß der bekannte Klavier» virtuose Paderewski in London (Kanada) plötzlich an einet mysteriösen Krankheit erkrankt ist, die der Genickstarre sehr ähnlich sieht. Gr leidet an heftigen Schmerlen. Hals und Arme sind unbeweglich.

Baltimore, 30. April. Im Auftrage beS Königs von» Württemberg überreichte General major v. Pfister' der Jo hm-Hopkins-Universität eine vier Fuß chotzo Schillerbüste. In seiner Ansprache an die Vertreter der Universität sagte der General, er entledige sich seines Auftrages, um den Freundschaftsbeweis fester zu knüpfen, und bringe von dem Staatsoberhaupt des Heimatlandes Schillers ein Zeichen aufrichtiger Freundschaft, v. Pfister wirrde zum Ehrendoktor ernannt. Die Kuratoren der Universität sandten an den Königs von Württemberg ein Danktelegramm.

Bu enos Aires, 29. Zlpril. (Meldung der Agence HavasZ Die argentinische Regierung hat das SchiffLe Franyais", mtt dem Dr. Charcot seine Südpolarexpedition ausführte, <nt* gekauft, da sie beabsichtigt, an verschiedenen Punkten, wo jene Ex-, pedition überwinterte, meteorolo gische Beobachünurgs-' Posten einzurichten. Der Kauf bedarf noch der Genehmigung des Kongresses. Es heißt, Dr. Charcot werde damit beauftragt werden, eine für kommenden November geplante Neue For-f'ch--! ungsreise zu führen. Dr. Charcot und seine Begleiter.werden! sich am 8. Mai an Bord derAlgerie" nach Frankreich ein» schiffen.

des englischen Gesandten unvernreidlich. Erst falls diese Unterstützung über die erwähnte Mgrenzung hinausginge, würde sie eine Spitze gegen Deutschland enthalten. In der Gegend von Tanger ist man übrigens nach wie vor sehr en gl and feindlich. In einer der letzten Nächte wurde das Besitztum von britischen Untertanen in der! Nähe von Tanger angegriffen; zwei Diener wurden mißhandelt und mehrere Pferde gestohlen; letztere wurden auf Vorstellungen des britischen Gesandten Lowther hin von den Behörden ersetzt. Allgemein wird Raisuli für den Vorfall verantwortlich gemacht, und es wird angenommen, daß dies die Antwort auf eine Anordnung des Sultans sei, derzufolge der Pascha von Tanger wieder in die Stellung als Befehlshaber des Distriktes, der in unmittelbarer Nähe der Stadt liegt, eingesetzt wurde, wahrend Raisuli den Befehl erhalten hat, sich auf eine gewisse Entfernung zu­rückzuziehen, wahrscheinlich wegen zahlreicher Beschwerden, die in letzter Zeit über die Konflikte zwischen Raisuli und fremden Staatsangehörigen laut geworden sind.

In Venedig sind zurzeit die auswärtigen Minister Oesterreichs und Italiens, Graf Goluchowski und T i t t o n i, zu gemeinsamen Beratungen zusammengetroffen. Graf von Goluchowski ist am Samstag vormittag dort em­pfangen worden. Er besuchte am 9tachmittag Tittoni, der am Abend einen Gegenbesuch ab stattete. Von 8 Uhr ab gab Minister Tittoni» ein Diner zu Ehren Goluchowskis. Hier­bei brachte Tittoni in italienischer Sprache folgenden Trink­spruch aus:

Ich spreche dem hervorragenden Staatsmann, dessen Tätig­keit wahrhaft kostbar sür die Sache des Friedens ist, meinen Dank für den Besuch aus, den er mir in Venedig hat machen wollen, und der eine Bekräftigung der intimen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien ist, und ich bitte, anzustoßen auf das Wohl des Kaisers von Oester­reich, Königs von Ungarn."

Graf Goluchowski erwiderte:

Ich bin glücklich darüber, hierher gekommen §u fein, mn die Hand meinem illustren Mitarbeiter an dem Werke des Friedens zu drücken, das den Gegenstand unseres ständigen Bemühens bildet, und um dadurch ein neues Zeugnis zu er­bringen von der vollkommenen Ueberein st immun g der Ansichten, die in denausgezeichnetenBeziehungen zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn obwalten. Ich trinke auf die Gesundheit des Freundes unb Verbündeten meines erhabenen Souveräns, des Königs Emanuel."

Man darf sicher sein, daß bei dieser Gelegenheit Fragen zur Erörterung gelangten, welche in hohem Maße auch die künftige Bedeutung des Dreibundes berühren. Welchen Kurs dievollkommen mit einander übereinstimmenden" Regier­ungen von Oesterreich-Ungarn und Italien einschlagen wollen, darüber kann man heute noch nichts sagen.

Das deutsche Kaiser paar hat in der vergangenen Woche Sizilien verlassen und sich nach Bari begeben, von wo aus es eine Reihe von Ausflügen im Automobil machte, u. a. auch nach dem Falkengeierschloß Castel bei Monte. In Trani wurde unter Führung des Erzbischofs die Kathe­drale besucht. Der Kaiser trug sich in das Gedenkbuch ein.

Die Automobile hat eine Turiner Firma dem Kaiserpaar zur Verfügung gestellt.

Das englische Königspaar begab sich von Algier über Ajaccio nach Marseille, und König Eduard setzte von dort allein seine Reise nach Paris fort, wo er am Samstag abend an gekommen ist. Der zwei­tägige AufenHcckt, den König Eduard auf der Heimreise- in Paris nimmt, bewahrt einen privaten Charakter. Do; das Gebäude der englischen Botschaft gegenwärtig ht Re­paratur steht, stieg der König im Hotel Bristol ab. Präsident Loubet wollte am Donnerstag abend im Mysee ein Bankett von 80 Gedecken veranstalten. Man darf auf die offiziellen! Reden, die da gestern gehalten worden sind, gespannt sein. Diese Reise gehört mit zu den Demonstrationen, die derselben . Natur sind, wie die kürzlich erfolgte Msage des Besuchst englischer Großkaufleute in Berlin, von der noch vor kurzem, die Rede war.

In der Frage der preußischen Hoch.schulbewegung hat, die Eingabe des Göttinger ReTtors und Senats; das Resultat gezeitigt, daß sich fünfzehn Hochschulen itnfoj Universitäten zustimmend zu ihr geäußert haben. Auch aus- englischen und amerikanischen Hochschulkreisen gingen zahl-« reiche Sympathiekundgebungen ein. Das Killtusministerium beraumte für den 12. Mai eine Rektorenkonserenz an, iw der endgültige Beschlüsse zu den jetzt die Studertteuschastj bewegenden Angelegenheiten gefaßt werden sollen. Die Be­teiligung mit kirchlichen und politischen Fragen soll angeblich der Studentenschaft Preußens untersagt, die Ausschuß­genehmigung auf das Ministerium übertragen werden. Mle diese Nachrichten sind indes noch ungewisser Natur. Möchte es die Rektorenschaft nur höflichst ablehnen, von dem Kultusministerium im Kampfe gegen die akademische Frei­heit als Prellblock vorgeschoben zu werden und sie sich bei­zeiten der schwierigen Stellung mitten zwischen zwei Ten­denzen bewußt weroen, die sie nur dann im Zaume halten kann, wenn sie selbst ein Programm hat, das sie beiden! Parteien, der diplomatisierenden sowohl wie der studen­tischen, fest gegenüber vertreten will.

Die Verhandlungen über einen deutsch-bulFari- schen Handelsvertrag haben in Berlin begonnen^' während der deutsch-rumänische Handelsvertrag ini Bukarest endgiltig ratifiziert wurde. iAmh ein d eutsch- chinesischer Handelsvertrag ist in Vorbereitung. Der mit der Führung der Verhandlungen beauftragte deutsche. Generalkonsul in Shanghai, Dr. Knapp, hat vor einigem Tagen den chinesischen Unterhändlern erneu in Berlin mrs- gestellten Vertragsentwurf mitgeteilt. Diese Vorschläge be­wegen sich innerhalb des Rahmens der Handelsverträge, ine von China neuerdings mit (Äigland, 'Amerika und Japan vereinbart worden sind, lieber den Stand der deutsch- amerikanischen HandelsvertraWverhmldlun-geu sindj Gerüchte im Umlauf, wonach, der bestehende .Vertrag vom° Jahre 1900 bereits gekündigt sein soll. Das' wäre inmter^ hin schon möglich, wenn es auch sachlich vorzuziehen ist,! daß erst ein neuer Tarifvertrag vereinbart wird, ehe diej

schiffahrt an vielen Orten Europas und Amerikas im April ver­anstaltet wurden, wurden auch an Bord der Jacht des Fürsten von Monaco zum ersten Male Registrierballons über dem freien Meere emporgesandt. Diese Aufstiege wurden nach einer von Professor Hcrgesell, dem Präsidenten der oben­genannten Kommission ersonnenen Methode veranstaltet, der sich an Bord der Jacht als Begleiter des Fürsten befand. Im Ganzen wurden fünf Aufstiege unternommen, bei welchen die Ballons Höhen zwischen 400Ö und 10 000 Meter erreichten. In vier Fällen brachten dieselben gute Registrierkarten herab, beim fünf­ten Aufstieg konnte das Luftfahrzeug infolge plötzlicher Wolken­bildung nicht mehr aufgefunden werden. Tie von Professor Her- aesell vorgeschlagene und ansgeführte Methode der Forschung besitzt den großen Vorzug, daß man über dem Meere weniger vom Zufall beim Wiedereinbringe n der Ballons abhängig ist und daß man das Instrument zu einer bestimmten, vorher fest­gesetzten Höhe steigen lassen kann. Die bei, den Untersuchungen gewonnenen Erfahrungen zeigen, daß man jetzt leicht Höhen bis zu 15 000 Meter und mehr auch über den Ozeanen mit Instru­menten erreichen kann. Das Studium der freien Atmosphäre ver­mittelst Registrierballons, welches durch Aufstiege über dem ftsten

das östreichisch-ungarische Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Die philosophische Fakultät der Zürcher Hochschule hat den Dichter Karl ©bitteter in Anerkennung seiner dichterischen Leistungen zum Ehrendoktor ernannt.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Am Donnerstag erfolgte in Lü11 ich die feierliche Eröffnung der Weltausstell­ung, die eine lange Reihe von Festlichkeiten zum 75 jährigen Jubiläum der Errichtung des belgischen Staates einleitet. Bel­gien, bereit Bevölkerung annähernd zu gleichen Teilen ger­manischer und wallonischer Zimae ist, vermag auf diesen ver­flossenen Zeitabschnitt mit lebhafter Genngtuung zurückzublicken. Mit seltener Tatkraft hat das deutsche Volk sich durch seine wirt­schaftliche Tüchtigkeit und Regsamkeit einen Wirkungskreis auf dem Erdenrimd geschaffen, der weit hinausgeht über die ziffern­mäßige Stärke und die territoriale Ausdehnung des Landes, das es bewohnt. Die Verschiedenheit des Ursprungs und der Sprache der beiden Hauptstämme, aus denen die Bevölkerung Belgiens sich zusammensetzt, blieb ohne lähmenden Einftuß auf die Entwicklung des Landes Dank dem treuen Festhalten an der Heimat, das Vlamen wie Wallonen bei aller Psiege ihrer Stammeseigentümlichkeiten von Beginn an bis auf den heutigen Tag bekundeten. Wenn in unserer Zeit die Vlamen ihre Eigenart auch politisch zur Geltung ztt bringen bestrebt sind, und, die Gleichberechtigung ihrer Sprache mit der französischen in wettern Umfange durchzusetzen wußten, so hielt sich diese Be- wegtmg doch in dem Rahmen, der durch den belgischen Staats-1 gedanken gezögert ist, und stellte deshalb kein Element der Schwächung dar, sondern im Gegenteil ein Element der sicheren Ausgestaltung des geistigen und politischen Lebens in Belgien. Im Einklang mit dieser Auffassung steht der Aufschwtmg, den Belgien neben seinen Leisttmgen auf dem Gebiete der Industrie und des Handels in kultureller Beziehung aufzuweisen hat. Ihrer Vergangenheit treu, wird die Bevölkerung Belgiens zu immer höherer Wohlfahrt emporsteigen und auch fenterhin ein wertvolles Glied der europäischen Völkerfamilie bilden, von dem ohne Unterlaß nette Pioniere in die Welt hinausziehen und in friMichem Wettbewerb der europäischen Bildung und Gesittung neuen Boden gewinnen.

Gelegentlich der internationalen Ballonfahr­ten, welche zur Erforschung der freien Atmosphäre von der internationalen Kommissimt für wissenschaftliche Luft-

Kleives Aevilleton.

Berlin, 30. Lkpril. Der von der Berliner Röntgen-Ber- dnigung veranstaltete Röntgen-Kongreß in Berlin wurde heute mittag eröffnet. Prof. Merl ein, der Vorsitzende des Organi­sationskomitees, hielt die Begrüßungsrede und führte aus: Im Dezember 1905 werden es zehn Jahre, daß Röntgen die Ent­deckung der wunderbaren Strahlen machte und anfing, sie für Medizin und Technik nutzbar zu machen. Schon nach wenigen Jahren war daraus eine große Wissenschaft entstanden. Man wandte diese Strahlen auf das Erfolgreichste in der Chirurgie, zur Heilung von Hautkrankheiten usw. an. Zur Würdigung dieser großen Wissenschaft beschloß die Röntgerwereinigung, einen Kon­greß in Berlin abzuhalten und damft gleichzeittg eine Huldig­ung fftt Professor Röntgen zu verbinden. An den heute abwesenden Geheimrat Röntgen wurde ein Huldigungs- ielegramm gesandt, ebenso an den Ehrenvorsitzenden Exzellenz v. Bergmann, den Krankheit am Erscheinen verhindert. Prof, iEberlein begrüßt sodann die ausländiichen und inländischen Gäste «aus allen Weltteilen, darunter Deane Butcher von derBritish Roentgen Societys-London, Charles Leonard-Philadelphia, Reid von derBritish Electtotheraperttic Society-London, Wertheim- Salomonson-Umsterdam, Kroeirlein-Zürich nsw. Als Vertreter des Reichskanzlers war Geheimrat v. Steinmeister erschienen. Kul­tusminister Studt war durch Unterstaatssekretär Weber, Handels­minister Möller durch Ministerialdirektor Neuhaus vertreten. Der Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg war persönlich an­wesend. Ferner bemerkte man Ministerialdirektor Dr. Mthoff, den Leibarzt des Kaisers Exzellenz v. Leuthold, die General­ärzte Schaper und Schierning, Rektoren der Universitäten und Hochschulen, eine Reihe von Universitätsprofessoren, Vertreter der Städte Berlin unb Charlottenburg. Nach der Begrüßung erklärte Redner den Röntgen-Kongreß für eröffnet. Darauf entschuldigte Unterstaatssekretär Weber die Abwesenheit des Kultusministers, begrüßte in dessen Namen die Anwesenden' und gedachte des Ent­deckers Röntgen, den nur bescheidene Zurückhaltung am heutigen Erscheinen verhindert hatte. Er preist die Röntgensttahlen nicht nur als Pfadfinder der Leiden, sondern auch als großen Heilfaktor und beglückwünscht die Röntgenvereinigung zu den errungenen Erfolaen und schließt mit dem Wunsche, daß aus ihrem Zu­sammenarbeiten der Wissenschaft und durch sie der Menschheit reicher Segen erwachsen möge Leonard-Philadelphia dankt dann im Namen der Ausländer für den Empfang und er­klärt, kein Name sei besser in der Welt bekannt, als der Name Röntgens. Schriftfführer Dr. Jmmelmann-Verlin hält darauf einen längeren Vrojettionsvorttag, in dem er bte Wicbttgkert der Röntgenstrahlen für Chirurgie und innere Medizin nachweist. Schließlich folgte die Besickftignng der großartigen Röntgen- Ausstellung unter Führrmg von Dr. Cowe-Berlm

Nachstehend bringen wir das Programm der Wies­badener Festspiele: EröffnungK-Vorstellung am 17. Mai. Der Freischütz"; am 18. MaiDie Jungfrau von Orleans"; am 19. MaiDie öernarrte Prinzeß", ent Fabelspiel m3 Auf­zügen von Otto Julius Bierbaum, Musik von Oscar von (H)ehu3; am 20. MaiCovpelia", Ballet in zwei Auszügen von Deftbes.

W e i m a r, 30. April. Die diesjährige I a h res Vers gmm - lung der deutschen Sha ke s pe areg e sel l sch af t ist stark besucht. Des Wiener Poeten Hugo v. Hofmann st h a l s Festrede wurde durch außerordentlichen Beifall ausg^etchnet. Das Er- chebins des Preisansschreibens wurde durch Professor Brandl verkündet. Weimar wurde auch ftir den nächsten Shakefpearetag (1906) als Ort der Zusammenkunft bestimmt. (Emen ausführ­lichen Auszug aus der Festrede .Hugo v. Hofmannsthal-, bringt die neueste Nummer derZukunft".)

Der Kaiser von Oesterreich Hal dem Professor Franz p. A.efreügcr in München <ni3 Anlaß seines 70. Geburtstages

ÄeÄrXÄ tiÄ und mit her Aufichnst..Schiller" z./verjehe»

Resultat, um so freudiger zu begrüßen, als die (Lttwicklung der 1 Der Schluß beider Konkurrenzen erfolgt am 6. Mai.

Politische Wochenschau.

Im Laufe der letzten Woche hat die gesamte öffentliche Diskussion Frankreichs sich auf das intensivste mit der marokkanischen Angelegenheit beschäftigt. Bon Del- caff63 Rücktrittskomödie, die ihm ein Vertrauensvotttm des Präsidenten der Republik eintrug, bis zu dem, fteilich sofort amtlich in Paris verleugneten Wutmisbruch desMUtin" folgte in Frankreich eine Aufregrrng nach der anderen. der Sache selbst aber ist kein Schritt vorwärts nach dieser oder jener Seite hin geschehen. Der deutsche Gesandte Graf Tattenbach erklärte, daß die Verhandlungen, die zwi­schen der deutschen und der französischen Regierung ge­pflogen worden sind, eine Aenderimg bet vom deutschen Reiche in Marokko verfolgten Politik nicht nach sich ziehen würden. Das deutsche Reich wünsche die Erhalttrng der Integrität Marokkos und der Souveränität des Sultans und bestehe auf Zubilligung gleicher Rechte an die Staats­bürger aller europäischen Länder ohne Ausnahme, wie sie durch die Konventton von Madrid festgesetzt worden sei. Sollten Abänderungen gemacht werden, so müßten sie von den Mächten gebilligt werden, welche die Madrider Kon­ventton geschlossen haben. Am wenigsten könne Deutsch­land, dessen Handelsinteressen in Marokko mit jedem Tag an Bedeutung gewönnen, diese Interessen preisgeben und darein willigen, daß lediglich Frankreich das Recht der offenen Tür zugebilligt werde. Graf Tattenbach reist am 2. Mai nach Fez ab und zwar vor der mit seiner Sonder- gesarrdtschaft verbundenen Militärmission, der auch der deutsche Militärattachee in Lissabon zugeteilt worden ist. Dieser wird aber erst nach Tattenbachs Abreise in Tanger eintreffen. Der Chef der Militärmission, Oberst v. Schenk, ist zum Generalmajor befördert worden, was der Sultan als schmeichelhaftes Kompliment auffassen und wodurch^ das Prestige der Mission erhöht werden dürfte. Auch der eng­lische Gesandte Lowther ist auf dem Wege nach Fez von mehreren Offizieren begleitet. Die Entsendung« Lowthers nach Fez wäre nur in dem Falle als eine gegen Deutschland gerichtete Politik seitens der englischen Regier­ung zu betrachten, wenn Lowther mit der Erhaltung des Status quo unvereinbare ftanzösische Forderungen unter­stützen würde. Vorläufig aber glauben wir noch nicht, daß bte englische Mission die französische Polittk uneingeschräntt unterMtzen werde. Der englische Gesandte als Vertteter! der ettAischen Regierung dürfte eine andere Auffassung der mit der Erhaltung des Status^ quo vereinbarlichen Polittk als die ftanzösische Miffion in Fez haben. Er dürfte kaum die Behauptung Taillandiers, des ftanzösi. schen Botschafters, daß er im Namen des gesamten Europa spreche, bestättgen. Die Entsendung einer englischen diplo- mattschen Miffion unter Lowther ist also an und für sich nicht als eine dem deutschen Reiche unfteundliche Politik aufzufassen. In Mbetftacht der Tatsache, daß England und Frankreich durch ein Mkommen über Marokko. verbündet sind, ist die Unterstützung der französischen Wünsche seitens