Ausgabe 
28.11.1904 Zweites Blatt
 
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land tit friedlichen Beziehnnjgcn ynn Besten der Zivilisation zu verknüpfen, und er möge die Gefühle gegenseitiger Achtung und Kameradschaft­lichkeit zweie r großer und i n n g e r Völker fördern helfen und dauernd ihrer friedlichen Weiterentwicklung zu gute frmnnen. Von gmrzem Herzen N'ünsche ich Mnerika und seinen Bürgen^ die mir aufrichtige Bewunderung einflößen. Fortschritt und Gedeihen. Wilhelm."

Hieraus ist aus Washington folgende Antwort ein- qetroffen:

^,Mit dankbarer Anerkennung las ich die freundliche Botschaft Eurer Majestät, und in vollstem Maße weiß ich Ihre Gesinnung der Achtung vor dem amerikanischen Volk, sowie Ihre edelmütigen, für dessen Wohlfahrt ausge­sprochenen Wünsche zu schätzen. Es freut mich, daß die Gelegenheit sich mir wiederum bietet, Eurer Majestät meine Hochachtung auszndrücken und meinen herzlichen Wunsch daran zu knüpfen, mit Zustimmung aller meiner Lands­leute, zum Glück und Wohl der deutschen Nation. Theodore Roosevelt."

Gilt Blutbad unter den Kalmücken.

Ter Petersburger Korrespondent desDaily" Expreß" meldet, daß russische Kolonisten unter den Eingeborenen des Altai-Gebirges in Sibirien <mf Anordnung der Regierung ein fürchterliches Blutbad angerich­tet haben. In dem Eingeborenenstamm der Kalmücken erschien,, wie bekannt, vor Wochen ein Prophet Namens Airod, der sic zur Erhebung gegen die russische Autorität anfeuerte. Ta die Behörden über wenig Militär verfiigten, versahen sie die dort ansässigen russi­schen Bauern mit Schußwaffen und ließen sic gegen den Stamm los. Tie Bauern überfielen mut die Kalmücken in der Nacht und schlachteten sie massenweise ab. Offizielle Berichte sind nicht veröffentlicht worden, aber Meldungen, die der Kaiserlich russischen geographischen Ge­sellschaft zugegangen sind, schätzen die Zahl der in einer Nacht getöteten Kalmücken a u f T a u s e n d e. Ter Prophet Airod wurde in Ketten nach Bist gebracht.

Seit den Greueln von Blagoweschtschensk, ivo hunderte von Chinesen von den Rusten wie zum Vergnügen in den Amur getrieben und alsdann erschossen wurden, soweit sie nicht ertrattken, und seit den Greueln von Kischinew und Homel hat man nicht mehr das Recht, solche Meld- mtgeit wie die desDaily Expreß" ohne weiteres ins' Reich der Fabel zu verweisen. Es wird sich Herausstellen, wie es sich mit der Erzählung des englischen Blattes von dem Blutbad unter den Kirgisen verhalt.

parlamentarisches aus Kessen.

Eine neue Regierungsvorlage bringt den Entwurf eines Gesetzes, die berufsständische Vertretung der Land­wirtschaft betreffend.

Die Abg. Häusel und Genossen beantragen die Erbaunng einer Nebenbahn Höchst i. O.Aschaffenburg.

Der Vierte Ausschuß beantragt nach Prüfung der An­träge der Abg. Hauck und Reh den Ausbau der Realschulen zu Groß-Umstadt und Alsfeld zu Oberealschulen, zumal dem Staate daraus eine jährliche Ersparnis von etwa 13 000 Mk. erwächst.

Die Abg. Köhler und Genoffen beantragen neuerdings, die zweite Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen:

1. in den ländlichen Fortbildungsschulen land- wirtchaftlichen Unterricht unter Zugrundlegimg der ge­wonnenen Erfahrungen in geeigneter Weise einzusühren. 2. zur Föftrerung dieses Zweckes in den Lehrer - S e m i n a r i e n geeignete landwirtschaftliche U n t e rri ch ts kn rs e für Seminaristen und Lehrer einzurichten.

Der Aufstand in Deutsch-SiidweAafrika.

Berlin, 27. Nov. (Amtlich). Gefallen am 22. Oft. fm Gefecht bei Kub: Unteroffizier Ständer, die Reiter Alfred Müller, Paul Wittig, Paul Sauer, Mar Sell. An Typhus gestorben: Reiter Hugo Weschke. Der als vermißt gemeldete Reiter Bruckmann hat sich wieder eingefunden.

?er Erzbergbau in Hberßessen in Beziehung zur ^aönLanalisalion. ~

Gießen, 27. Nov.

. Zu dem Vortrag, welchen am Samstag nachmittag im Cafe Leib der Geh. Oberbergrat Prof. Tr. E h e l i u s - Tarmstadt hielt, hatten sich äsußcr den Mitgliedern des Bergmännischen Vereins Gießen der Provinzialderektor Geheimrat Tr. Breidert, Oberbürger - meiiter Vtecum, sowie eine Anzahl Stadtverordnete eingefunden. Nachdem Direktor M arx die Versammlung eröffnet hatte, nahm Geh. Oberbergrat Prof. Tr. Chelius das Wort und führte etwa das folgende aus:

Er wolle von vornherein erklären, daß er nicht etwa als Vertreter der Regierung hier spreche, welche zur Lahnkanalfiage noch keine Stellung genommen habe, sondern das; das, was er aussühren wolle, lediglich die Anficht darstelle, welche er sich ge­bildet habe^ Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Kanalisation eines Flusses unter allen Umständen der Volkswirtschaft von großem Nutzen ist, wird doch dadurch der Verkehr erleichtert und vermehrt, denn es ist bekannt, das; die Wasserftacht sich billiger Itellt als die per Achse oder Eisenbahn. Frankreich hat durch ^men umfassenden Kanalbau gezeigt, wie dadurch .Handel. Jn- duftne und Gewerbe einen großen Äuffchwung genommen haben, und io wird sich ohne Frage auch in Deutschland ein umfassendes Kanalnetz bewähren, ganz besonders aber wird es sich lohnen, me nenten Flüsse zu brauchbaren Transportwegen auszubauen. Vorzüglich eignet sich hierzu unsere Lahn, welche zu den kräf- tigiten ^cebenftüssen des Rheins gehört und welche in ihrem Lauf (petnetc öurchzieht, die wertvolle Produkte liefern. Der Redner bemerkt über das Gebiet der unteren Lahn, daß es reich fei an -^über, Blei, Kupfer und Roteisenstein usw. Es lagern dort schätze, welche m viel reicherem Maße ausgebeutet würden, wenn ern billiger Transportweg die Möglichkeit einer guten Ver­wertung böte. Hierzu kommt noch das vorzügliche Baumaterial der unteren.Lahn, welches für Hochbau sowohl wie für Wegebau vorhanden rN, Material welches seit Jahrhunderten vergeblich einer mtennven Ausbeute harrt, weil es an einem billigen Wasser­weg zum Fortschapen mangelt. Tann ist zu erwähnen die nicht unbedeutende Hütteninduitrie an der Lahn, welche überaus steiger- ungssähig wäre, wenn em billigerer Transport ihrer Produkte zu ermöglichen sein würde. Nun seien seit der letzten Zeit die oberhernschen Materialien, die im Vogelsberg lagern, mehrfach angegriffen, als verächtlich, unbedeutend und gering hmgestellt worden, und er, so erklärt Geh. Oberbergrat Chelius, betrachte es als seine Ausgabe, diese Vorwürfe zurückzuweisen. Er wolle erklären und könne beweisen, daß im Vogelsberg große Mengen Erze und Basalt lagerten, welche der Ausbeute harren, die auch Zweifellos als Schätze gehoben würden, wenn es möglich würde, sie von Gießen aus per Schiff zu verfrachten. Doch sei dabei zu bedenken, daß es mit der verbesserten Wasserstraße vom Rhein bis Gi-chen auch möglich sein würde, die Minette, welche unserem oberf^ r&'rabnu eine so schädigende Konkurrenz macht,

auch Gii bi( .Hüttenwerke der Lahn abzusetzcn und darum müsse nun? vorsichtig sein und bei Zeiten damit rechnen, daß die Tarife so gestaltet werden, daß Nachteile für die oberhessischen Produkte

ausgeglichen würden. Die Minette, welche die Preise für Eisen­stein heral>drückt, und den Absatz des oberhessischen Materials bc- schrätlkt hat, wird in Luxemburg sehr leicht gewonnen, int Gegen­satz zu den erheblichen Produktionskosten, loelche der Bergbatt bei uns aufzubringen hat. Früher war die Minette wegeit ihres Gehaltes an PboSphorsäure intfcrent Erz nicht gefährlich, weil dieses nach der Verhüttung nur ein minderwertiges Eisen ergab. Doch das Tlwmasverfahren hat hierin Wandel geschaffen zum Schaden unseres heimisclien Bergbaues. Tie Minette hat dadurch einen früher nie für möglich gehaltenen Aufschwung genommen, und unsere heimischen Erze, welche ftüher nach dem Niederrhein verhattdelt wurden, dort vollständig verdrängt. Hierbei ist zu beachten, daß bei der Verhüttung von Minette die in der Schlacke zurückbleibcnde Phosphorsäure ein ivertvollcs Produkt ist, welches der Landwirtschaft als Düngemittel unentbelirlich geworden ist.

Die Frachtbedingungen lassen einen Wettbewerb der ober- hessischen Erze, in weiteren Gebieten gegen die Minette nicht zu, daher muß es die erste und vornehmste Aufgabe der beteiligten Kreise sein, für die Konkurrenzfähigkeit des heimischen Produktes einzutreten und da bin zu wirken, daß eine Tarisermüßigung für die. oberhessischen Eisensteine gewährt wird, welche es ermöglicht, unser gutes Produkt an die großen Hütten am Niederrhein und in Westfalen zu verkaufen. Unstr Material bietet den Werken große Vorteile, ist leicht schmelzbarer und hat 45 Proz. Erz. Heute ist der Msatz der sehr zurückgegangenen Brauneisenstein- gewinnung nur noch möglich "nach Siegen, Dillenburg, Wetzlar und Lollar. Allein schon nm dem Erzbergbau in Oberhessen zu helfen, ist das Verlangen nach 'billigen Tarifen für denselben gerechtfertigt. Professor Ehelius verwies auf eine vorgelegte Karte von Oberhessen, in welche zwischen Gießen, Mücke nnd Alsfeld hunderte von Feldern rot eingetragen waren, die vom Staate zur Ausbeutung von Eisenerz verliehen sind; aber, so erklärt Chelius, betrachtet man die nnrklich vorhandenen Betriebe des Bergbaues in Oberhessen, so findet man ein recht betrübendes Bild, denn nur auf wenigen Feldern wird die Gewinnung von Eisenstein mit Energie betrieben. Das Verlangen, die Erzgelvinnnng in Oberhessen, intensiver zu betreiben, als dies bisher geschehen ist, sei gerechtfertigt, und die Anregung, die in dieser Richtung die zweite Kammer gegeben habe, sei nur zu begrüßen. Man dürfe nickt mehr Jahrzehnte lang geduldig zusehen, daß Schätze, die der Boden birgt, ungenutzt liegen bleiben. Die Regierung nnd die obere Bergbehörde werden erwägen müssen, wie man hier, ohne rigoros vorzugehen, Wandel zum Besseren schaffe. Ties liege schon im Interesse der Bewohner des Vogelsberges, denen durch einen lebhafteren Bergbau Verdienst und Arbeit zusiele. Es sei sicher, daß ein Äuffchwung in gewissen Gegenden der Provinz, ent­lang der Eisenbahn zum größten Teil auf beit dort betriebenen Bergbau zurückzuführen sei, denn dort, wo dieser gedeiht, rollt das Geld. Es sei fiir jene Gegenden von Bedeutung, daß pro Monat 3040 000 Mark an Löhnen ausbezahlt werden, die dem Verkehr zugute fommcit und die ihren Einfluß auch nach Gießen hin ausüben.

Unter diesen Umständen müsse es aber verdrießen, so bemerkt Ehelius, wenn man sehe, wie vorhandene Schätze nicht genutzt würden, deren Hebung der Bevölkerung Arbeit geben würde.

(Schluß folgt.)

Sprechsaal.

(Für den Inhalt der unter bi cf er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zur Theater- und Saalbaufrage.

Auf die Entgegnung, die meine Ausfilhrungen gesunden haben, erwidere ich:

Es lag mir völlig fern, Mitgliedern unseres Komitees einen Vonvurf übertheaterpartikularisfischc" Bestrebungen zu machen, denn dieses hat sich ja die Förderung des Gesamtprojektes zum Ziele gesetzt; ich durfte mich deshalb vielmehr eins mit dem Komitee wissen, wenn ich gelegentlich einer Antwort auf die kürz­lich . imGießener Llnzeiger" erschienene abfällige Kritik der T-ülferschen Architektur, in der zugleich einem Nur-Theater das Wort geredet wurde, versuchte, nochmals das allgemeine Interesse für das Gesamtprojekt anzuregen.

. Tagegen wollte ich mich gegen die mir bekannt gewordenen einseitigen Strömungei: außerhalb des Komitees wenden, denn das ist doch klipp und klar, daß, wenn man jckwn jetzt die Hoff­nung auf Zustandekommen des Ganzen aufgibt, alle die Greife der Sache fern bleiben, die für einen Saalbau Interesse urtb noch etwas besseres übrig haben.

Zu den einzelnen Punkten jener Erwiderung sei, wenn sie mir z. Tl. auch sehr unwesentlich ersck^nnen, bemerkt:

ad 1. In das Verbienst, bas Geiamtprojekt aufs Programm gesetzt zu haben, bürten sich Theaterverein nnb Saalbau- n er ein teilen, denn letzterer hat feine Beihilfe und Bei steuer selbstredenb nur bem Gesamtproiekte zugesagt.

ab 4. Ein Spender, imb zwar eines sehr namhaften Betrages, hat seinerzeit offiziell im Komitee erklärt, daß er nur für gleich­zeitige Ausführung beider Bauteile zu habm ist. Ob sich diese Stellungnakpne inzwiichen geändert hat, weiß ich 'nicht, offiziell Widerrusen ist sie nicht.

Ein weiterer, noch nicht angemeldeter, voraussichtlich auch sehr erwünschter, Beitrag ist ganz unumstößlich nur für das Gesamt- profekt zu haben. 'Ferner darf wohl auch, wenngleich darüber noch nicht formell entschieden ist, der Fonds des Saalbauoereins hierher gerechnet werden.

ad 5. Ob es gerade vier Bürger sind, die in danke^lsiverter Weise ein Viertel der Baukosten zugesagt haben, tut nichts zur Sache, jedenfalls sind 180 000 Mark (nicht 160 000 Mk.) in Aus­sicht gestellt, sodaß mit dem Saalbauvereinsfonds rimb 200 000 Mark vorweg zur Verfügung stehen. Tiefe bilden aber etwa ein Viertel der Bail kosten, die aus rund 800 000 Mk. ver­anschlagt sind. Allerdings ist dann noch eine Summe für innere Einrichtung hinzuzurechnen.

ad 5. Tiefer Punkt dürfte wohl erst dann zur Erörterung stehen, wenn sich tatsächlich demnächst gezeigt haben sollte, daß Gießen für das Gesamtproiekt mcht zu haben ist.

ad 7. Konzerte im Theater gelten in Musikerkrciscn als Notbehelf, sind dal)er nur selten (nicht etwa, wie gesagt wurde, in allen großen ünd mittleren Städten) zu fiubrö, und auch dort meist durch besondere Verhältnisse bedingt. Aufführungen von Chorwerken (wie auch Kammermusik) im Theater wären aber ein musikalisches Monstrum.

a d 8. Warum soll nur das Theater den richtigen Raum für Konzertbesuch aus allen Kreisen abgeben? Es handelt sich doch bei den Platzpreifen nur um die Platzzahl. Tie beiden Säle sind aber zusammen für 1100 bis 1200 das Theater nur für 800 Pevsonen vorgesehen.

Zur Schlußbemerkung: Warum soll man die Hoffnung auf das Gesamtprojekt schon aufgeben und nicht mrnehmen, daß auch die Stadt, die doch den Nutzen davon haben soll, kräftig mit­wirkt, wenn auch vielleicht anfangs noch mit einer Zubuße? Es darf auch noch auf zwei Faktoren hingewiesen werden, die die Jetztzeit für ein solches Unternehmen gerade geeignet erfcheinen lassen. Tiese sind: einmal die jetzt noch verhältnismäßig billigen Baupreise, sodann der große nrnterielle Zllwachs, beit Gießen durch die in Ausftihnuig begriffenen außerorbentlich großen Slaatsbauten erfährt. Allein in den Universitäts-Neubauten wer­ben jetzt wieder fast drei Millionen festgelegt; hiei^u kommt noch die neue Irrenanstalt.

Welche gewaltigen Vorteile erwachsen Gießen aus diesen Ausführungen, an sich sowohl, als aus den großen Betriebskosten, bie sich hi Gießen umfetzen, aus Vermehrung des Personals dieser Institute sowie der Studentenzahl!

Wird nicht auch selbstredend bei aller weisen Haushaltung die Stadt Ehre und Vorteil darin suchen, sich 'solchem, ihr von außen kommendem Aufschwünge entsprechend weiter zu ent­wickeln ? B e ck er.

Bereinigung von Theater und Saalchau.

Nach den Aussührungen von Fromme ist es unwalnscheinlich, daß die hohe Summe für das Dülfer'sche Projekt aufgebracht werden wird. Tol-er sind die Einwendungen, die gegen dieses

möglich sind, gegenstandslos. Nirn streitet man sich, ob Theater oder Saalbau vorgehen solle, während jeder Unbesangene von der Notwendigkeit beider überzeugt ist. Hierbei schlägt Fromme vor, das Theater als Konzertraum zu benutzen, was in der Tat möglich ist. aber vielen Vertretern der Konzertpartei mit Recht nicht genügt. Bei dieser Sachlage frägt es sich, ob nicht ein Bauwerk möglich ist, welches bei wesentlich geringeren Kosten beiden Auf­gaben gerecht wird. Ties erscheint au8fütyrbar, wenn man von der typischen Form des Theaterbaues mit den übereinandergeschach­telten Logen völlig abgeht, eine Form wählt, die den Anforder­ungen eines idealen Konzertraumes zugleich entspricht. Aus einem Theaterbühneuraum kann niemals ein akustisch vollendet wirksamer Raum zur Ailfstelluug von Chören usw. werden, weil die Konstruktion desselben den Forderungen der Akustik zum Teil widerspricht. Ganz anders liegt die Sache, wenn man 1) in das Zentrum der Anlauge einen gemeinsamen Saal für Theater- und Konzertbesuchor legt, 21 gegenüber dem Bühnenraum in gleicher Art mit diesem amphitheatralisch einen Raum für Konzert- speziell Chorlverke schafft, dessen Wand- nnd Decken­beschaffenheit den Gesetzen der Akustik Rechnung trüge. Der­selbe kann an Theaterabenden ohne Weiteres als Galerie-Amphi­theater verwendet werden und würde hierfür bei seiner Lage in der Mittelaxe viel besser geeignet sein als viele sogenannte Galerien in modernen Theatern, deren Seitenplätze von Kundi­gen gefürchtet werden. 3) Dieses Amphitheater wäre von dem unter 1) genannten Saal durch einen schmalen Querraum zu trennen, der den Zugang zu dem verdeckten Orchester bildet, ohne welches ein idealer Konzertraum undenkbar ist, wie dies bei den nach Bayreuther Muster gebauten Opernhäusern schon üblich geworden ist. Tie räumliche. Stellung des Kapellmeisters ist nach dem Gesagten selbstverständlich und würde eine sehr praktische zur Ilebereinstimmung von Chor und Orchester sein. 4) Ter zentrale Saal würde Sitzgelegenheiten haben, die sowohl nach dem Bühucnraum, als auch nach dem Chorraum zu verwendbar wären, was. technisch sehr einfach zu machen ist. 5) Tie Seiten­teile des Zuschauer- und Zuhörrerraumes wären unter Anpassung an die Form des Chorraumes ebenfalls amphitheatralisch anzu­legen, was int Gegensatz zu den üblichen Logen mit Säulen, hinter denen man oft fast nichts sieht, einen großen Fortschritt bedeuten würde.

Tas Ganze fyat eine innere Beziehung zu den Urformen des Theaters unter Berücksichtigung aller modernen Anforderungen an Bühnen- und Konzerträume.

Ten Einwand, daß es so etwas nicht gibt, erkennt bet Schreiber dieser Zeilen nicht an. Es handelt sich eben um die Aufgabe, von inneren Gründen ausgehend eine passende Bau- form zu finden, nicht aber darum, irgend etwas Gegebenes nach- zuahmen. Ich habe Tlnater- und Konzerträume in manchen Län­dern gesehen und durch die Vergleichung derselben unter einander und mit den Formen der griechischen und griechisch-römischen Thea­ter die Ueberzeugung gewonnen, daß es Zeit ist, für die seelischen Bedürfnisse der Gegenwart neue Ausdrucksformen zu gewinnen, die in manchen Punkten mit den Formen des antiken Amphitheaters übercinftiinmcn, jedoch in der Tnrchführnng den Aufgaben der modernen Bühne und des Musiksestes entsprechen müssen.

Mit einer solchen Vereinigung der kostspieligen Mittel räume von Theater und Saalbau wäre nun in praktischer Be- zielnmg vor alleni die Geldftage loahrscheinlich gelost, da die letzt erforderliche enorme Summe wesentlich durch die völlig getrennte Anlage bedingt ist.

Ter Einsender ist bereit, falls der entwickelte Plan An­hänger findet, sich mit einem Architekten zum Entwurf einer bestimmten Skizze zusammenzufinden. S.

Kerichlssaal.

A n n c c y , 25. Nov. Tas Schwurgericht verhandelte gegen die Söhne des Fabrikanten Crcdiez in La Cluse, die im Juli ans ausständige Arbeiter geschossen hatten. Tret Söhne des Fabrikanten Erediez wurden zu einem Jahre Gefängnis, der vierte zu acht Monaten Gefängnis, alle vier solidarisch zur Zahlung von 12 000 Francs Entschädigung an die Hinterbliebenen der Getöteten bezw. an die Verwundeten verurteilt. Tie wegen Plünderung angeflagtcn Arbeiter wurden fteigesprochen.

In Frauen kleidung wurde in Berlin vor einiger Zeit derSchauspieler" Mbert Behrens aufgegriffen und ver­haftet. In einer Nacht beobachtete ein Schutzmann einTämchen". Einige verdächtige Bewegungen ließen bei dem Beamten Zweifel aussteigen, ob er wirklich eine Vertreterin desholden" Ge­schlechts vor sich habe. Als er etwas näher an dieTarne" heran­trat, rief diese in den höchsten Fisteltönen:Was wollen Sie denn von mir, ich bin doch ein anständiges Mädchen!" Ties half jedoch wenig. Ter Beamte war so ungalant, den zarten Schleier zu lüften p.nd die blonde Perrücke hochzuheben, unter der die grauen Haare des 52jährigen Angeklagten hervorschauten. Es wurde an Ort und Stelle gleichzeitig feftgestellt, daß zwei junge Kaufteute fürs vorher von derselbenjungen Tame" angesprochen worden waren. Die Folge war eine Anklage gegen Behrens wegen groben Unfugs und Beleidigung in zwei Fällen, wegen bereit Behrens vor einer Abteilung des Schöffengerichts I stand. Ter Angeschuldigte versuchte sein Verhalten als einenharmlosen Uff" hinzustellen; dem widerfprach jeboch seine mehrfache Vorbestrasung wegen gleicher Vergehen. Ter Gerichtshof berücksichtigte bei Ab­messung des Strafmaßes bie Gemcingesährlichkeit eines berarfigen Treibens und erkannte auf zwei Monate Gefängnis.

bewährt bei y Darmkatarrh. T Diarrhoe,

Brechdurchfali etc.

üfeke$ K*nder= '- mehl

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Abspannung u. Blutarmut

der sind meist eine Folge geistiger oder Nerven-

Ueberanstrengung Solche Frauen benötigen F iS# Udl vor allen Dingen ein kräftiges Frühstücks- n. Abendgetränk, wie es der Hausens Kasseler Hafer-Kakao ist, der mit Wasser od. Milch gekocht, die Blut-Beschaffenheit bessert, die Nerventätigkeit anregt u. eine reichliche Anbildung der JKörper- gewebe, Muskulatur u. von Fett bewirkt, n. so der Blutarmut u. der vielfach auf unbewusstes Hungergefühl zurückzuführenden Magen­nervosität vorbeugt. Bei gesunkenem Ernährungszustand giebt es kein besseres Kräftigungs-Mittel als der von mehr als 10 000 Aerzten emphohlcn Hausens Kasseler Hafer-Kakao, der auch für Kinder das behömmlichßte Getränk ist. Nur echt in blauen Kartons ä 1 Mk., niemals lose. hv6/ie

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Hautjucken SS'SE

Bernau, 18. Mai 1902.

Ich bestätige hierdurch gerne, dass ich mit Obermeyers Herba- Seife sehr zufrieden war. Das Hautjucken war nach Stägigem Ge­brauche vollständig geheilt. Den Rest des Stückchens verwandte ich gegen Bartflechte, die ebenfalls bald beseitigt war.

Hochachtend Th.Wüst. Postassistent. Z. h. i. a. Apoth., Drog. u. Park. p. St. 50 Pf, u. 1 Mk. Obenneyer & Co. G. m. h. H., Hanau. ssl,/n

Steiuhagcn (Wests.) den 1. November. Aus ber Weltanö» stellttng in St. Louis erhielt bie Steinhäger Brennerei H. C. König, Steinhagcn für ihren Steinhäger (Marke: Steinhäger- Urquell) bie goldene Medaille. 8601