154» Jahrgang
. Mittwoch 21. September 1904
Erstes Blatt-
Nr. 222
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GietzenerAnzeiger
** General-Anzeiger
Mir- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Verantwortlich *flt den pohi unb allgern. Teil P. Witt ko: für »Etadt und lianb* unb .GerichtSsacU*. August Goetz. für den An- -eigenteil: Hans Deck.
Z?re yeukige Kummer umfaßt 12 Seiten«
Die K önung in Welflrad.
Heute eublich findet in der Kathedrale zu Belgrad mit dem bei dergleichen Gelegenheiten üblichen Schau- gepränge die Krönung des Pe ter Kar a g e o r gew i t sch zum König von Serbien ftatty nachdem die Feierlichkeit unter allerhand Vorwanden wiederholt verschoben worden war, zuletzt, weil angeblich die bei Pariser Juwelieren bestellte Krone nicht rechtzeitig fertig gestellt werden konnte.
In Wahrheit lagen die Dinge so, daß die Manager Peters es nicht riskierten, die Zeremonie zu inszenieren, weil sie angesichts der drohenden Haltung der getreuen Serben gegen ihren Erwählten befürchten mußten, daß schon während der Krönung der Herrlichkeit ein Ende mit Schrecken bereitet werden könnte.
yttmmehr scheint es, als ob sie ihrer Sache sicherer sind, und so kann denn heute die mise en scöne von statten gehen. Für dem Freudentaumel des guten Serbenvolkes haben die Regisseure trefflich gesorgt. Vleibt nur noch abzuwarten, wie lange Peters Freude dauern wird.
Bereits gestern, so wird aus Belgrad gemeldet, prangte die Stadt im Festgewande, an die Ausschmückung der Straßen und Gebäude wurde die letzte Hand gelegt. Gestern nachmittag trafen der Erbprinz Danilo von Montenegro und Gemahlin ein und wurden vom König und den Mitgli dern der königlichen Familie herzlichst begrüßt. Nachmittags um 5 Uhr übernahm im Thronsaale des Konaks im Beisein sämtlicher Mitglieder deS Königshauses und der montenegrinischen Gäste die Kroninsitznien-Abord- nung die Insignien, um sie in feierlichem Zkuae in die Kathedrale zu überführen. Der Zug bewegte sich durch dichlbesetzte Gassen bis zur Kathedrale, wo ihn am Eingang der gesamte Klerus, mit dem Metropoliten an der Spitze, und dicr Landesbischöfe erwarteten. Unter Ab- singung von Kirchen gefangen übernahm der Metropolit die Krone aus den Händen des Ministerpräsidenten, die Bischöfe nahmen die übrigen Insignien samt Krönungsmantel und stellten sie vor dem Mar auf. Zugegen war außer dem zahlreichen Publikum auch das gesamte Ossi zier ko rps mit den Reserveoffizieren. Nach dem Gottesdienste wurde die Ehrenwache ausgestellt. Die Kirche entleerte sich sehr langsam vom Publikum, das die Kroninsignien näher in Augenschein zu nehmen wünschte.
Heute werden die Popen den Segen des Höchsten so inbrünstig auf den schwarzen Peter herab flehen, wie sie ihn ehedem auf den scknoachsinnigen Alexander und seine Draga herabgefleht haben.
Am 15. Juni des vorigen Jahres, vier Tage nach der grauenvollen Tragödie im Konak zu Belgrad, war die Skuptschina berufen worden, um durch ihr Votum die Taten der Mörder sanktionieren und dem Prätendenten aus dem Hause der Karao-orgewitsch die blutbcsudelte Krone cmzu- bietcn. Die Volksvertreter besorgten ihre Aufgabe mit großer Promptheit, denn draußen standen die Prätorianer mit den Säbeln, die noch vom Blute der Ermordeten troffen, um im Notfälle jeden Widerspruch zu unterdrücken.
Welchen Anteil Peter Karageorgewitsch an der Ermordung Aleranders und Dragas genommen hat, ist noch ni,cht festgestellt, und erst eine spätere Zeit kann Klarheit darüber bringen. Sicher ist, daß die Fäden der Verschwörung in Genf, dem Wolmsitze Beters, zusammenliefen. daß die Pläne zur Ausrottung der Obrenowifich unter Teilnahme Peters entworfen wurden, kurzum, daß das Spiel zwischen den komplottierenden Offizieren und dem Karageorgewitsch von langer Hand abgekartet war. Für alles das spricht schivn die Schnelligkeit, mit welcher die Farce der Königswahl in Belgrad und die Annahme der Krone durch Peter erfolgte.
Bekannt ist, daß die Höfe Europas die diplomatischen Beziehungen mit Belgrad unmittelbar nach dem Morde abgebrochen beben. Wenn diese Begehungen späterhin wieder hergestellt worden sind, so geschah das nur darum^ weil keine Macht der andern freie Hand in Belgrad lassen wollte, und unter Nmständen kann ja auch in der Tat König Peter als Bundesgenosse wertvoll sein. Doch kcm einziger Hof läßt sich bei den Krönungsfeierlichkeiten durch einen besonderen Gesandten vertreten. Die ständigen Gesandten freilich sind wenigstens zum großen Teil dabei. Aber es sind keine Spezialgesandten, und das besagt für denjenigen, der die höfischen und diplomatischen Finessen kennt, genug. t
Geleistet hat Peter bisher noch nicht das mindeste. Die Verhältnisse in Serbien sind heute noch genau so zerfahren, wie sie es in dcn Tagen der Wschlachtung Alexanders und der Draga waren.
Votitlsche Tagesschau.
Tie Mirbach-Denkschrift.
Berlin, 20. Sept.
Ta? ,,<0cr1. Tagcbl." macht heute abend Mitteilungen über Zrtn Inhalt der geheimnisvollen Mirbacd-Denkschrift, die bisher nur 'm einem Kreise von Vertrauten zirkulierte. Dein „V. T." iß die Den!''lnist anonym zngegangen. Wer nun ganz Genaues von d-m Ob n Hofmeister selbst über das „System Mirbach" zu erfahren glo'.'bt, durfte enttäuscht Wben. ES ist w e n i h n e u e s, fcoS d-r' Am? griffe ne zur Entschuldigung zu sagen bat. Deuno't> rnfrfrincn zwei Feststellungen interessant. Tie eine, daß 7ri'r v Mirbach erklärt, über die -Sammlung „im großen Stile" J)ir ,r, ?4’nnücfi'nfl der Kaiser Wildelm-Gedätlstniskirche den preuß. Mini>>r M Innern unterrübtet zu faben, speziell auch von t>r.ii npl.-ivibm lm bk Oberprüsidenten. Die andere, daß Frhr. n. MiAmch nüchternen Tones angiibt, daß durch 'ihn den Direktoren brr verkrachten Pommern bank der Hostitel vcsichasst worden ist, ohne daß die Herren edjaifo und Nomeick den Titel nach-
gesncht hatten. Frbr. v. Mirbach gebraucht selbst das in diesem Zusammenhang nicht angenehm klingende Wort „verschafft". Titel und Elwen sollten aber nickst „verschaff werden.
Deutsches Deich.
Be r 1 in, 20. Sept. Der Kaiser wird während seines Aufenthaltes in Ostpreußen auch kurze Zeit in Königsberg verweilen unb dem Grenadierregiment König Friedrich Wilhelm L Nr. 3, dessen Ehef her Kaiser seit dem 9. September 1901 ist, einen Besuch macken.
— Dr. Gallen kam p, der Vizepräsident des Reichs- bank-Direktoriums, feiert heute fein fünf'igjähriges Dienst- iubilaum. Der Kaiser verlieh ihm den Charakter als Wirklicher Geheimer Nat mit dem Prädikat Exzellenz.
— Der „Natllib. Korr." zufolge wird die Frage einer anderweitigen Ordnung des Mili tärpensions- wesens zu den ersten gehören, die den Reichstag nach seinem Wiederzusammentreten beschäftigen werden.
Friedrichsruh, 20. Scpt. Tie Familie Herbert Bismarck legt Wert ans die Betonung des rein privaten Charakters der Tranerfeierlichkeiten. Der Kaiser wird dabei durch einen Adjutanten vertreten sein. Reichskanzler Graf Bülow ist von Homburg bereits hierher unterwegs. Der morgen nachmittag eintreffende Berliner Schnellzug bringt zahlreiche Vertreter der parlamentarischjen Frak'.ionen. Tie Beisetzung erfolgt unter gleichen Zeremonien wie die des alten Retchskanzlers in der Krvpia des Mausoleums. D-'e Einsargung der Leiche hat noch nicht stattgefunden. Die Ansbahrnng geschieht in demselben Zimmer, in bom am 16. März 1899 bie beiden Särge mit den sterblick)en Hüllen deS Fürsten Otto von Bismarck und feiner vor ihm gestorbenen Gemahlin standen, bevor die feierliche Uebersühr- ung in die Gcnfikapelle am Sachsenwaldc sba.ttfand. Bei der Beisetznna wird im Schloß Pastor Lahnsen ans Berlin die Trauerrede halten. Beileidskundgebungen treffen aus allen Gegenden in großer Antzo.hl ein, ein jeder in Friedrichsruh haltende Zug bringt Kranzspenden von zum Teil Nntnderbarer Pracht.
Chemnitz, 20. Sept. Entgegen anders laittenden Meldungen berichtet bie , whomn. Allg. Ztg", daß die frühere Kronprinzessin von Sachsen ihr Schiloß Wnrtegg demnächst zu verlassen gedenkt, nm sich nach Rom zu begeben. In ihrer 93enf-?ihmg wird sich ipre Tante, die Gräfin Psenbnrg, befinden.
Anstanö.
London, 20. Sept. Zwiseben ortfmb^rm, freidenkenden unb fozi-alistisckvn Juden kam es gestern abend anläßlich des jüdischen Feiertages zu argen Krawallen. Mau bombardierte sich mit Steinen und anderen Wursg^ckvssen, ipobH mehrere Personen verletzt wurden. Die Polizei schritt ein und machte bom Stmbgemcnge, an loelchem sich zirka 2000 Personen beteiligten, ein Ende. .
Haag, 20. Sept. Die Tagung der Generalstaaten wurde heute von der Königin mit einer Thronrede eröffnet, in welcher es heißt: Unsere Beziehungen zu trn auswärtigen Mächten sind die freundschaftlichsten. Wegen des Krieges im äußersten Osten haben die Niederlande eine Neutralitätserklärung erlefsen müssen. Die Ergebnisse deS Handels und der Schiffahrt lefsen zu wünschen übrig, auch die Ergebnisse der Industrie entsprechm, wegen der Konkurrenz de§ Auslandes, nicht den gehegte n Erwartungen. Die kricgerrscki-en Operationen in dm O^egend^n von Gajoe und AllaS auf Sumatra waren unumgänglich notwendig, baß nn venu ei dlicherweise habet auch Nichtkombattanteu ums Leben gekommen sind, ist bedaw'rli \ Die Finanzen von Nieherländisch- Jndien bedürfen einer Kräftigung.
Nom, 20. Sept. Heute, am Jahrestage des Einzuges der Italiener m Rom ist hier her 10. internationale Friedenskongreß eröffnet worden. Die Versmunckung zählt etwa 3000 Teilnehmer. In der großen Zahl der erschienenen Sozialisten unb Republikaner ist das Freimatirertum stark vertreten. Unter den 1500 fremden Besuchern dominieren die Franzosen und die Spanier. Die Zahl der Detrtschen belauft sich auf einige Dutzend. Nach her Eröffnung zog man nach der Porta Pia, wo bie internationale Hvmne intoniert würbe.,
R a c c o n i g i, 20. Sept. Heute fand im königlichen Schlaffe in Gegenwart des Ministers beS Innern Giolitti als Notar der Krone bie Unterzeichnung derGeburts urkunde d c s Kronprinzen statt, welcher die Namen Umberto, Nicota, Tommaso, Giovanni, Maria und den Titel Prinz von Piemont erhielt.
Acr Krieg zwiftk-en ^apan unö Auhland.
Port Arthur.
Petersburg, 20. Sept. ®enera! Stössel meldet dem Kaiser vom 10. Sept.: Der Feind feuert täglich auf die Forts und die Batterien und die innere Festung, geht jedoch nicht aktiv vor. Die Verwundetet: sind genefen und verlangen lebhaft an die Front zurückzukehren. Die Stimmung der Truppen ist ausgezeichnet. — Ein Telegramm des Generals Stöffel an den Kaiser vom 16. September meldet: Heute nacht griffen die Japaner um 3 Uhr früh in Stärke von mindefbens einem Bataillon die Wasserleitungsredor^e an, die Besatzung s ch 1 n g den Angriff ab. Die Japaner ftogen sich zurück und gingen nach einer halben Stunde, nachidem sie.Verstärkrmg erhalten hatten, wiederum zum Angriff vor. Die Besatzung schlug d c n A u g r i f s d u rch Ge w c h r- uui) Ma- s chi n e n g e w e h r f e u e r u: i t U n t e r st ü tz u n g dcr'Ar- tillerie zurück. Die I apo n er erlitten große Verluste und machten keinen weiteren Versuch zum Angriff Üb erzu gehen.
T s ch i f u, 20. Sept. (Reuter.) Nach zuverlässitzeu Meldungen begann gestern bei Tagesanbruch ein a l l g c'm einer <11 flriff der Japaner ans Port Arthur, der bis zum Einbruch der Dunkelheit sortgesetzt wurde. Stile Älnreichicn
deuten darauf hin, daß die Japaner verschiedene HauptfortS im Nord osten von Port Arthur zu nehmen versuchter^
London, 20. Sept. Dem Reuterschpn Bureau wirb aus Schanghai gemeldet: Bei dem gestern wieder aufae- nommenen allgemeinen Angriff auf Port Arthur habe die Flotte mitgewirkt. Die Japaner hätten heute morgen zwei wi chtige Forts auf der Seite nach ShinschrnK erobert.
Petersburg, 20. Sept. Der Generalstab der Marine meldet heute: Nach Nachrichten aus Port Arthur kamen beim Aussuchen von auf der Reede von den Japanern gelegten Minen am 24. August zwei Offiziere um und zwej wurden verwundet.
Aus drr Mandschurei.
Petersburg, 20. Sept. Gencralcidjutant Kurovatkin meldtt an den Kaiser vorn 19. September: Am 17. Sept, würbe eine verstärkte Erkundung der Stellung des Gegners bei. Bianiupusa ausgeführt. Die Stellung erwies sich als stark befestigt unb war von einer Abteilung in der Stärke von mindestens einer Brigade Infanterie mit 12 Geschützen besetzt. Westlich von Bianiupusa stien eine Kosakenstreiswache auf einen iapanischen Transportzug und erbeutete dreißig Pferde mit Gepäck. Oestlich von Bianupusa wurde der Gegner nicht gesehen. Am 18. September rückte der Feind nicht weiter über die von ihm besetzte Linie vor, doch wurde bemerkt, baß in der Umgebung des Dofies Bianiupusa Verstärkungen eintTQfen. Em großer Teil her Streitkräfte des (Segnet#, bei Liaujang ist bereits auf bas rechte Ufer des TaitseflusfeA lk b e r g c s e tz t.
Petersburg, 20. Sept. Wie her Rufs. Telegr.-Agentur aus Charbin gemeldet wird, wurde die Rekognoszierung zur Erkundigung der Aufstellung der japanischen Armee bei Bianiupusa von zwei Detachements unter Führung der Generale von Rennenkampf unb Samsonow auSgcfÜhrt. Die Abterlung Rennen- kampf erreichte gegen mittag die Ortschaft Ehuai^ialin^ bie von der japanisixn Vorhut besetzt war. Auf den Höhen östlich bavon entwiaelte sich ein heftiges F e u e r g e f e ch t, das den Gegner veranlaßte, mit vier Kompagnien anzugreisen. Nach erfolgretcher Lösung seiner Aufgabe zog sich das Detachement Rennenkampf gegen 2 Uhr nachmittags zurück. Dir Abteilung Samsonow ging auf Bergpsaden in östlicher Richtung von Fjndjagou vor unb besetzte die vier Wcrst nördlich von Bianiupusa gelegene Ortschast Zogou. Hier hielt General Samsonow durch das Feuer seiner beiden Geschütze bett gegen General v. Rennenkampf gerichteten japanischen Angriff aus und ging dann gegen 6 Uhr zurück.
Tokio, 20. Sept. (Reuter.) AuS dem Hcmptauartier dep mandsckwrischen Armee wurde heute telegraphiert, daß daS Er^ gebuis der seit bem letzten Berichte in her Nähe der Stativs Lianjang gemachten Beute folgendes ist: Besetzt wurden von den Japanern 353 Häuser und 214 Magazine, die zusammep einen Flächen raum von 58 000 QuadratyaÄ>s einnehm en. Erbeutet nnirben 16 000 Koku Gerste, Reis, Weizen unb Hirse, 1300 Fässer Petroleum. 1800 Fässer Zucker unb j.66 Tonnen Kohle, sowie viel Brennholz.
London, 20. Sept. AuS Ohan^hai wird gmnelbet: DiS^ Japaner schlugen am Sonntag einen Angriff der Russen bei Jumentsechan, nordöstlich von Liaurang, zurück; sie bracktten den Angreifern schwere Verluste bei Emern Gerücht zufolge ist General Mischtfchenko gefallen. Einzelheite« fehlen, doch loird bie Nachricyr in unterrichteten Kreisen für br- grünbet gehalten.
Tie Ostfkkflottt.
Reval, 20. Sept. Admiral Roschdiestwenskt. erklärte, ba^ bie rrlssische Ostsecslotte, sobald sie vollzählig versammelt sei und notwendige Ucbungen absolviert habe, bestimmt nach Ost- a s i e n abgehen werde.
Der Streik in Italien.
Rom, 20. Sept. Hier eingegangnte Nachrichten bestätigen, baß bie Rübe in ben Städten, in welchen ein Ausstand besteht, nicht gestört ist. Heilte vor-mittag tniget: sämtliche Städte anläßlich des Nationalfeiertages' ein festliches Aussehen. — In Mailand wird in vielen Industriezweigen gearbeitet; auch die Arbeiter der Gasfabrik nahmen heute früh die Arbeit wieder auf. — In Florenz herrscht voAständige Ruhe. — In Neapel fanden nach Sckluß einer Versammlung der Ausständigen an mehreren Orten der Stadt Zusammenstöße mit der Polizei 'statt, von der die Menge auseinander getrieben wurde. — In Bre § ci a wurde der Ausstand Sonntag Abend begonnen. In wenigen Stunden standen sämtliche Kasfechäuscr leer. Die nvcisten Ladenbesitzer wurden ge- zwmngen, ihre Geschäfte zu sckließen. Die Straßenbahnen mußten ihren Betrieb einstellen. Die Krrndgeber durchzogen die Straßen. Die Polizei ist nicht im stände, bte Ordnung wieder herzustellen.
M a i l a n b, 20. Sept. Hier wurde der 24jährigeW?.sckM L u r a g h i, Mitarbeiter anarckxistischer Blatter, als wahr- scheinlick)ier Mürber bes DoktorsGabolaim Restaurant Gasanova verhaftet.
. Genua, 20. Sept. Bei bem Versuch den Mwen des Generals Esearb aufzuhalten, wurde der Anarchist Pieter Delli von bet Polizei erschossen.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 21. September.
•• Stadtverordneter Pirr f. Gellern nachmittag' 1 Uhr ist Stabtv. Ludwig Pirr jäh aus dem Leden geschieden. Er erkrankte anfangs dieses Jahres an einem unheilbaren Kopfleiben, welches durch den Besuch einiger Bäder, wie Wiesbaden und WilhelmShöhe, unb die Konsultation mehrerer Spezialärzte leider keine Linderung erfuhr. Pirr erfreute sich tit hiesigen Bürgerkreisen und speziell unter Gießens Handwerkern allgemeiner Slehtung und Beliebtheit. Er stand im Alter von 53 Jahren und betrieb nahezu 30 Jabre lang in Gießen sein Geschäft. Heber U Jahve war er Obermeister der hiesigen Fleischerinnnng, deren Gcündcr er war. Seine Umsicht und fein unermüdlicher Eifer in gewerblichen unb sozialpolitischen Dinaen verschafften ihm mehrere


