Nr. 222
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ichar Unwersttätsdruckerei. R. Lange, Greß«.
Redaktton, Expedition u.Druckerei: Schulstr,?.
TeU Nr. 6L Telegr.-Adr. t An-erger Greß«.
Die „Giehener Lamttlenblatter" werden dem »Anomer viermal wöchenllrch betgelegL Der «hesfllchr Landwirt" erjchemi monatlich einmal.
Drittes Blatts. 154. Jahrgang Mittwoch 21. September 1904
Metze« Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Tagesschau.
Kaiser und Zar.
Zu der bereits dementi-erten Nachsicht von einer Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Zaren in Skierniewice äußert sich ein maßgebender Diplomat der „W. Allg. Korr." gegenüber folgendermaßen:
Es konnte von allem Anfang als ausgeschlossen betrachtet /cerb-cn, daß Kaiser Wilhelm in gegenwärtiger Zeit dem Zaren einen Besuch abstatten würd'. Selbst wenn ein Anlaß Zu einem solchen Besuche sich ergeben hatte, würde er mit Rücksicht auf die Kriegslage wohl unterblieben sein, um keinen Grund zu allerlei Kombinationen, die gewiß an die Begegnung der Souveräne geknüpft worden wären, zu bieten. In Wirklichkeit fehlt jede Veranlassung zu einer Aussprache der befrermdeten Monarchen, dmn bei. ichrer letzten Begegnung zurzeit, als Kaiser Wilhelm sich bereits leidend fühlte, wurden bereits jene wichtigen Vereinbarungen getroffen, welche zur S i ch e r st e l l u n g des Verhältnisses zwischen Deutschland und R u ß l an. d dienten. Man wird sich noch erinnern, daß Kaiser Wilhelm selbst cs war, der dem RcichstaggsPräsidenten gegenüber, der ihn zu seiner Wiedergenesung beglückwünschte und seiner Bewunderung Ausdruck gab, daß der Kaiser trotz seines Leidens sich noch d'n Mühlen der Begegnung mit dem Zaren unterzog, die Notwendigkeit und die Wichtigkeit dieser Zusammenkunft betonte. Uebrigms würde auch die strenge Neutralität Deutschlands gegenüber dem Krieg in Ostasien den Kaiser von einer Begegnung mit dem Zaren abhalten, und andererseits würde auch Kaiser Nikolaus eine solche Zusammenkunft vermeiden, um nicht den Anschein zu erwecken, daß Rußland den offiziell proklamierten Standpunkt, jede Intervention zur Herbeiführung des Friedens, von welcher Seite sie auch kommen möge, abzulehnen, verlassen wolle.
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Juristen voran!
VongeschäßterSeitewirdunsausdembenach- barten Preußen geschrieben:
In der allgemeinen Staatsverwaltung spielen die Juristen bekanntlich eine hervorragende Nolle. Die Ressorts mögen noch so sehr aufs speziell Fachliche zugeschnitten sein, das juristische Element ist auch in ihnen vertreten. Es gibt diese Vorzugsstellung immer wieder Anlav zu Mißstimmung und Bemängelung bei den ^Nichtjuristen unter den höheren Beamten Preußens. Eine gewisse Spannung hat sich im besonderen herausgebildct zwischen den Juristen einerseits und den im höheren technischen Dienst tätigen Herren wie den Oberlehrern andererseits. ,Tas Verlangen der letzteren auf Gleichstellung mit den Richtern wird zum Ausdruck gebracht, und die vor kurzem erfolgte Begründung der Einrichtung des „O b e r l e h r e r t a g s" ist wesentlich erfolgt zur Hebung des Standesbewußtseins und Förderung der Standesinter- essen dw Oberlehrer im Hinblick auf die Juristen. Ebenso wie die V o l ks s chu l l e hre r die Schulaufsicht durch Fachmänner besorgt haben wollen und gegen die Berufung von Geistlichen Einspruch erb'ben, wünschen die Oberlehrer, daß ihre Vorgesetzten durchweg Philologen sind. So erreat jetzt in Lehrerkreisen die Meldung Verdruß, daß zum Direktor des Breslauer Provin- z^i als chu l k o l l egi u m s ein Geh. Regierungs- oder Justizrat ausersehen sein soll. Aehnlich liegt die Sache bei den böHerrn Technikern. Sie sind nichts weniger als erfreut darüber, daß in Zeitläuften, denen die exakte Wissenschaft das Gepräge gibt, das juristische Element beispielsweise in den Eisenbahndirektionen noch immer bedeutenden Einfluß hat. Die Herren geben indessen angesichts des lebhaften Interesses des Kaisers für alles Technische die Hoffnung nicht auf, daß ihnen im Rahmen der Staatsverwaltung allmählich mcbr Terrain eingeräumt werden wird. Bis in die Wolffn' der Ministerh-errlichkeit versteigen fick' di' entsprechenden Wünsche der Oberlehrer und höheren Techniker nn allgemeinen nickt. Sie wissen, daß besonders in Preußen die Göttin Justitia die Gewohnheit hat. „ihren eigenen Spröß- lingen Minister-Portefeuilles in die Wiege zu legen". Neben ihnen kommt in der Regel nur das Offizierkorps in Betracht. Insofern ist das auf Juristen und Offiziere bezügliche W^rt von dm „erstklassigen Menschen" nicht unzutreffend. Und daß das Offizverkorps wiederum vorzugsweise den Juristen „Ebenbürtigkeü" zuerkennt, a^lst daraus hervor, daß es zu den A"sncckmcn gehört, wmn hier ein Jurist, notabene christlichen Bekenntnisses, nicht zum Reserveoffizier gewählt wird.
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Die „sozialdemokratischen Heerschaaren" mustert Arnold Steinmanu-Bucher im „Tag". Er gibt folgende Uebersicht: Nahezu die Hälfte der ganzen sozialdemokratischen R e i ch s t a g s f ra fit o n besteht aus Schrift- st e l l e r n und Redakteuren, sowie Druckern und Verlegern von sozialdemokratischen Tagesblättern. 30 Mitglieder der Fraktion sind nämlich Schriftsteller und Redakteure, 7 sind Buchdrucker und Buchhändler. Diesen schließen sich die durch ihre Lebensstellung von der Partei ebenfalls abhängigen 8 Beamten sozialdemokratischer Vereine und Gewerkschaften an. Der niedlichste Teil der Fraktion setzt sich zusammen aus Vertretern des reinen und ungeschminkten Geschäftssozialismus, den Gastwirten und Zigarrenhändlern, zusammen elf an der Zahl! Tie übrigen Berufe kommen gegen die vorstehenden Zahlen,nicht mehr auf. Da sind drei Rechtsanwälte und auch drei Stadtverordnete, merkwürdigerweise zwei Fabrikanten und zwei Kaufleute, sogar ein Direktor und ein Privatier, und last not least:^ein Pfarrer a. D. Doch halt! Vergessen wir nickt, daß die Sozialdemokratie eine Arbeiterpartei ist. und darum ist die Klasse der Lohnarbeiter in der Fraktion auch durch 3, schreibe drei Abgeordnete, vertreten: einen Former, einen Maschinenbauer mtb einen Wirker! A u s je de Million sozialdemokratischer Reichstagswähler ein Arbeiter! Tas nennt sich Arbeiterpartei! Etwas besser ist noch das Handwerk wcggekommcn, den^ neun Handwerker gehören der Fraktion an, nämlich 2 Tischler, 2 Schneider. je 1 Maurer, Lithograph, Tapezierer, Töpfer und Khttfc binder. Diese drei Arbeiter und neun Handwerker, allenfalls noch die paar Gewerkschaftsbecnnten, die in der Fraktion sitzen, deuten dm ganzen Einfluß an, den die Gewerkschaften in der Partei erlangt hab-n.
vermischtes.
"Kiel, 20. Sept. Auf dem Holzlagerplatz der Finna Jaacks entstand gestern nacht gegen 2 Uhr Großfeuer. Außer der hiesigen Feuerwehr beteiligte sich auch Marine und Infanterie an den Löscharbeiten. Durch den Brand wurde auch das Maschinenbaus und die Tischlerwerkstatt, in der unter anderem große Borräte für das neue Schloß des Prinzen Heinrich in Hennnelmark lagerten, eingeäschert. Der Schaden wird auf 100 000 Ml. geschäht.
* München, 18. Sept. Die Gattin des ehcm-aligcn bayerischen Gesandten am russischen Hose Freifrau Alice
Gaszer klagt am Landgericht München I gegen ihren G-atten Exzellenz Freiherrn Rudolf von Gaszer wegen Entziehung des Erziehungsrechts an ihren zehn und zwölf Jahren alten Kindern. Die Frau begründet ihre Klage damit, daß ihr Gatte von seinem einmal gefaßten Entschluß, die beiden Mädchen gegen Len Willen der Mutter auf die Dauer von sechs Jahren in dem von Salesianer Nonnen geleiteten Mädchen Pensionat in Zcmg- dorf unterzubringen, nicht abzubringen sei. In dieser Bestimmung ihres Mannes sieht Frau von Gaszer einen Mißbrauch der ehelichen Gewalt ihres Mannes, der dadurch nichts anderes bezwecken wolle, als der Mutter Kränkungen schwerster Art anzutun. Freiherr von Gaszer verwahrte sich entschieden gegen diesen Vorwurf. Manche deutsche Prinzessin verdanke den Salesianerinnen ihre Ausbildung, und es sei höchste Zeit, den Mädchen eine entsprechende allgemeine Bildung angedeihen zu lassen.
* Ferrara, 20. Sept. Nach dem Zusammenstoß der Lokomotive mit dem von Bologna nach Venedig fahrenden Schnellzuge brach in dem Schnellzuge Feuer aus, durch welches der Gepäckwagen und der Postwagen vernichtet wurden. Fünf Wagen sind unbeschädigt, die beiden Maschinen wurden beschädigt. Ein nach der Unfallstelle entsandter Hilfszug brachte die Reisenden nach Ferrara, von welchen 12 verletzt sind. Der Heizer der Lokomotive, die mit den, Schnellzug zusammengestoßen ist, derFührer des Schnellzuges und 4 Reisende wurden getötet. Der Zusammenstoß wurde dadurch herbcigeführt, daß der Lokomotivführer des auf dem Bahnhofe Ferrara rangierenden Güter- zugeS denselben dein Heizer übergab, der die Maschine nicht anhalten konnte; diese lief mit dem Güterzug auf die nach Bologna führende Linie und stieß mit dem Schnellzug zusammen, der um 2 Uhr morgens nach Bologna abgeht. Unter den Verwundeten erlitten sechs schwere Verletzungen. Unter den letzteren befindet sich ein Herr Ritter, Mitglied der österreichischen Handelsvertragskommission.
* Der Kindersegen Berlins belief sich im Jahre 1903 auf 49 549 neugeborene Kinder, von denen jedoch 1747 tot zur Welt kamen. Ehelich wurden 41 811 geboren, außerehelich 7738. Ueber die ehelich geborenen Kinder veröffentlicht das städtische statistische Amt jetzt eine Auszählung nach der Geburtenfolge. Danach waren 12 570 der ehelich geborenen Kinder, also drei Zehntel ihrer Gesamtzahl, Erstgeborene. Die Zweitgeborenen waren mit 10 432 Kindern vertreten, das ift rund ein Viertel. Es folgen die Trittgeborenen mit 6650, die Viertgeborenen mit 4318, die Fünft« geborenen mit 2656. Die Zahl sinkt dann immer rascher, so daß schon an Zehntgeborenen nur noch 369 bleiben. In einzelnen Fällen geht aber der Kindersegen auch über die Zehn, ja über die Zwanzig hinaus. Fünfzehnte Kinder wurden noch 43 gezählt, zwanzigste noch 5. Die höchste Leistung war diesmal ein vierun dz wanzigstes Kind; sie wurden in zwei Fällen gemeldet. Die Mutter war in dem einen Fall 44 Jahre alt, in dein anderen sogar erst 36 Jahre.
* Agnes Sorma verunglückt. Agnes Sorma, die am Dienstag in Berlin im Neuen Theater die Nolle der Frau Ftuth in Shakespeares Lustspiel „Die lustigen Weiber von Windsor" spielen sollte, wurde während der Generalprobe von einem sehr schweren Fall betroffen. Die Künstlerin stürzte die Bühnentreppe hinab und erlitt außer Hautabschürfungen und leichteren Verletzungen einen Bruch des rechten Armes. Die Künstlerin wurde sofort in eine Klinik geschafft, wo ihr ein Gipsverband angelegt wurde. Nach Ansicht des Arztes wird Frau Sorma mindestens vier Wochen im Bette liegen müssen.
"Mordtaten. In Vesoul (Frankreich) wurde in einem Fluß der zerstückelte Leichnam der Gattin eines Hotelbesitzers aufgefunden. Der Tod war schon vor 8 Tagen eingetreten und die Leiche stark in Verwesung übergegangen. Die Brüste waren abgeschnitten und der ganze Körper war verstümmelt. Der Urheber des Mordes ist der eigene Gatte der Ermordeten. Er wurde verhaftet und hat ein Geständnis abgelegt. Bei seiner Verhaftung mußte der Mörder vor der wütenden Volksmenge geschützt werden. — In Greifswald hat sich der Büchsenmacher Grafenthin, der am Freitag seine Frau durch Revolverschüsse zu ermorden versuchte und sie lebensgefährlich verletzte, in seiner Werkstatt erschossen. Auf eine Eisenplatte hatte er fein Testament mit Kreide geschrieben, worin er seine Frau flehentlich um Verzeihung bittet.
* Tod in den Bergen. Am 12. ds. begaben sich Baron Walther von Lichten turn und seine Gemahlin von Bozen aus in das Eggental, jene bekannte, großartig wilde Talschlucht, durch welche die Straße zum Karersee- paß zieht. Als die beiden in vorgerückter Nachmittagsstunde heimkehren wollten, brach ein heftiges Gewitter los. Sie warteten deshalb auf den nach Bozen fahrenden Omnibus; es war aber nur ein Platz in demselben frei. Die Baronin stieg ein und ihr Gatte begab sich in das Löwenwirtshaus, wo er eine Fahrgelegenheit zu finden hoffte; er fand aber keine. Nun ging Freiherr von Lichtenturn bis zum Sonnenwirtshause weiter, das er aber nach kurzem Aufenthalte ebenfalls wieder zu Fuß verließ. Gegen 8 Uhr abends rnurbe er beim Wasserfalle im strömenden Regen auf der Straße gesehen. Er kam aber in Bozen nicht an. Tags daraus wurde er als entblöste Leiche im Wildbache gefunden. Entweder also .ist Baron Lichtenturn im Dunkeln von der Straße abgekommen und in die Schlucht gestürzt oder Verbrecher haben ihn erschlagen oder ein herabfallender Stein hat ihn getroffen und zu Sturz gebracht. Letzteres ist das Wahr- cheinlichste, denn bei Regen sind Steiuschläge im Eggentale nichts Seltenes. Andererseits wird eine Mordtat allgemein
als ausgeschlossen erachtet, wahrend endlich zu bedenken ist, daß Baron Lichtenturn die Straße oft begangen hat und infolgedessen auch nicht von ihr abgeirrt sein dürfte. Das schreckliche Unglück erregt großes Aussehen. Baron Lichtenturn war Sekretär bei der Fürstin Camposranco in Bozen. („N. Fr. Pr.-)
* Wegen eines Mädchens erschlagen. Det der Einquartierung wurde in Rolfshagen (Kreis Stormarn) ein aus Mecklenburg stammender Soldat oH' Leiche an einem Baume hängend aufaefunden. Zunächst wurde Selbstmord angenommen, da aber die Leiche am Kopfe und Halse starke Verletzungen aufwies, so mußte man auf ein Verbrechen schließen. Als der Tat verdächtig wurden die Quartiergenossen in Untersuchungshaft ge^ nommen und in ihre Garnison Wismar geschafft. Jetzt hat sich herausgestellt, daß ein Bauernsohn aus Eifersucht den Soldaten erschlagen und die Leicht dann an den! Baum gehängt hat. Die beiden waren wegen eines Mädchens in Streit geraten.
* Au s einer jungenEhe. Mit Hilfe guter Freundinnen ist die 39 Jcchre alte Frau Klara des Schneidermeisters Schmidt ans Berlin ihrem Manne ausgerückt. Die Leute sind erst seit Januar d. I. verhjeirabet. Sie vertrugen sich nicht, weeil die Frau sehr putzsüch tig ist. Als Schmidt am Donnerstag vor acht Tagen liefern gegangen war, fuhren zwei Frauen mit einer Droschke vor, halfen Frau Schmidt zwei Reisekörbe herunterholen und fuhren mit ibr und dem Gepäck wieder davon. Auf die Frage der Pförtnersfrau, wohin die Reise gehe, antwortete Frau Schmidt, sie fahre nach Berlinchen. Dort ist sie aber nicht angekommen. Alle Bemühungen des eheverlasienen Mannes, seine Gefährtin wiedemmsinden, blieben bisher! erfolglos. Auch die beiden Entführerinnen konnte er noch nicht ermitteln.
* Orden unter dem Hammer. Nach einem eng^ lischen Blatt hat der deutsche Kaiser den Hosenbandorden des verstorbenen Herzogs von Cambridge! erworben. Die Mzeichen waren bei Ch-ristie in London kürzlich für 1100 Pfund Sterling versteigert worden, und zwar an einen Herrn aus Homburg. Kaiser Wilhelm )oll jetzt 1300 Pfund Sterling dafür bezahlt haben. Für andere Exemplare des Ordens sind noch höhere Preif^ erzielt worden. So wurde der Stern, den vier Marquis! von Hertfort getragen hatten, und den Sir Richard Wallace dem Earl of Beaconsfield verehrte, auf 12 000 Pfund Sterling geschätzt. Georg IV. kaufte für 10 000 Pfund Sterling den Stern, der dem ersten Herzog von Marlborough gehört hatte, und schenke ihn dem Herzog von Wellington.
*ÄmerikanischeFournalistengehälter. Aus Newvork wird berichtet, daß einem zurzeit beliebten Humoristen vom „Herald" für einen wöchentlichen Artikel im Jahr 10 000 Dollar gezahlt wurden. Jetzt ist der Mann zum „World" übergegangen, der ihn mit 12 000 Dollar honoriert.
* Der dicke Herr Pfarrer. .Start da mit dem Abendzuge an der Grenzstation Amanwciler ein geistlicher Herr aus Frankreich an. Ter arme Mann, mit der Soutane bekleidet, hatte einen derartigen Leibesumfang, daß er nur mit Unterstützung der Zug'beaünten sein Abteil zn verlassen vermochte. Angeblich waren Hochwürden beide Füße eingeschlafen, sodaß er seiner Beine kaum Herr war. Sllle Welt betrachtete mitleidig den geplagten geistlicher Herrn, der es so schwer hat auf dieser Welt. Zugbeamte, Steuerbeamte usw. konnten sich des Mitgefühls nicht erwehren, und. unbehelligt durchschritt der Herr Pfarrep den Zollrevisionssaal. Ueber der Grenze bestieg er den Zug nach Metz. Mein das Unglück reist noch! schneller. Die deutschen Grünröcke pflegen nicht von Sentimentalitäten sich ankränkeln zu lassen. Trotz der Größe des geistlichen Herrn;' hielten sie seinen Leibesumfang nicht für proportioniert, sondern ersuchten Hochwürden, wieder aus dem 'Abteil herauszukommen. O weh! das war ein schwieriges Stück Arbeit; „mais contre la force il nch a pas de rßsistance." So folgte denn der Pfarrer wohl oder übel der freundlichen Einladung. Doch was war das? Plötzlich erhob sich ein Klingen, wie Geigen so süß, und diese Klänge kamen unter der geistlichen Soutane hervor; just als wollten, sie den heimischen Kirckjenglocken der Hochwürden Konkurrenz machen. Tie Zöllner wußten, was diese Glocken geschlagen hatten; sie nahmen eine hochnotpeinliche Leibesvisitation vor, die das vorausgesehene Resultat hatte: Hochwürden wollten zierlich aneinandergereiht acht Rot-- Weinflaschen über die Grenze schlmuggcln. Der Plan mißlang. Eben noch> von Gloria umflossen, stand der Defraudant da, wie ein Pudel begossen. Zoll und Strafe be- h'ugcn insgesamt 43,95 Mark, dazu die Blamage. Der Geistliche gab an, Robert zu heißen und aus Bar-le-duc zu stammen. Nach anderer Lesung soll er aus der Umgegend von Sierck in Lothringen sein.
* Ein „Verband abstinenter SBirte' dürfte den Ausspruch des weisen Ben Akiba wieder einmal sehr stark anfechten. Ein solcher ist soeben in Bildung begriffen, wie die Korrespondenz „Alk^.,olfrage^ mitteilt; er hat den Zweck, die Interessen der Inhaber und Pächter der zahlreichen alkoholfreien Restaurants Deutschlands zu wahren. Unter einen verschiedenen Aufgaben scheint uns das Bestreben, für einwandfreie alkoholfreie Getränke und Erzielung einheitlicher Preise derselben zu sorgen, besonders bemerkenswert.
Juwelen. Gold, Silber sowie versilberte Waren, silberne und
goldene Taschenuhren empfiehlt in reichster und modernster Auswald vom feinsten bis zum einfachsten Genre
Juwelier
Brück,
Kreuzplatz 8.
Juwelen, altes Gold und Silber, äusser Cours gesetzte Münzen worden in Zahlung • < noinmen sowie auch zu den höchsten
Preisen angekanft.


