Ausgabe 
21.4.1904 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 2 L. April 1904

154. Jahrgang

Zweites Blatt

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

;jie heutige Mmmer umfaßt 10 Seiten

Tr. Breidert

3682

Aus kolonialen

,M1 Mannsgerichte und Aerhältviswayl.

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Minister Möllers Verdruß.

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Lin Berliner kr.uuibtufc*

Afrikamüde.

Kreisen wird unS geschrieben:

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Unwersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. I.

Tel. Nr. BL Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen»

dMÜsel tSgstth mit LluSnahme deS Sonntags.

Dt Äi.S ehener Lamilienblättett' werden dem A 'm yt viermal wöchentlich beigelegt. Der Lavdwirf erscheint monaUtch einmal.

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Gießen, 19. April 1904.

$etrx»v Zviftand der Volksschulen des Kreises in den Jahren

Tie erneut« Zurücknellung der Börsengescp- novelle bedeurer für den pveubijujen Handelsminister

Wenn nicht Alles täuscht, befinden wir uns in einer Zeit der Gouverneurkrisis. Daß Oberst Leutwein das Ende des HererofeldzugeS als das Ende seiner kolonialen Laufbahn betrachtet, darf als feststehend gelten. Jetzt verlautet aber, auch der Gouverneur Kameruns, o. Putt kam er, sei amtSmüde und werde vom Urlaub, den er im Mai anzutceten gedenkt, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. Es hat sich zwar nicht ermitteln lassen, wie man amtlicherseitS über dieses Gerücht denkt, doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit muß ihm zuerkannt werden. Denn Herr v. Puttkamer befindet sich bereits ein Jahrzehnt in Afrika , und speziell in Kamerun länger, als Weiße der klimatischen Verhältnisse wegen im allgemeinen es aushalten. Der Gouverneurwechsel würde sich zu einer für die Kolonie sehr ernsten Zeit vollziehen. Im Großgebtet, wo schon mancher Angehörige der Schutztruppe sein Leben lassen mußte, hat erst unlängst wieder ein Aufstand stattgefunden, und auch anderwärts im Hinterlande soll es unter den Eingeborenen gähren. Fast scheint eine Verstärkung auch der Kameruner Schutztruppe unvermeidlich, auf deren Notwendigkeit schon Herr v. Puttkamer wiederholt hingewiesen hatte.

Bekanntmachung.

Betrch^ WSchenauSschlag zu Grüningen.

£tr Bläschenausschlag unter dem Viehbestand zu GrLMinigen ist erloschen. Die VersicherungSmaßregeln sind aufg,.M-ul.

Sirjien, den 19. April 1904.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

_____ I. V: Hechler.

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KelrmmlmachMg.

Betr R^ischbrand in Grüningen.

Indem Gehöft deS Heinrich Christoph Fay zu Grü hin i|{tn ist ein Fall von Rauschbrand festgestellt worden.

Sieben, den 19. Aprll 1904.

Croßherzog U < 3 KreiSamt Gießen.

I. V.: Hechler.

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WQbqt, ehiiiT , . 3643

Wucht ItxoBe ajy

Volitische Tagesschau.

Aus dem Reichstage.

Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 20. April:

Es wird gewiß niemanden geben, der nicht den pensio- nierten Militärs eine Erhöhung ihres Ruh eg e-

Die Tabakarbeiter Berlins hielten dieser Tage eine Versammlung ab. Der sozialdemo» zratische Reichstagsabg. Molkenbuhr sprach von der Lage der Tabakarbciter sonst und jetzt. Einzelnes Bemerkenswerte aus seinem Vortrage sei hier wiedergegeben:

Molkenbuhr klagte mit Recht über die stete Beunruhigung und Bedrohung der Tabakindustrie durch die Steuer- und Monopolprojekte der preußisch-deutschen Regierung. Die Fab­rikanten sahen früher daS Unheil nahen und nun begann aus den großen Industriezentren die Flucht aufs Land, um durch die billigeren Löhne der ländlichen Bevölkerung und nament­lich durch Anlerncn weiblicher Arbeitskräfte dem drohenden Unheil ein Paroli bieten zu können.DaS Sozialistengesetz", so führte Molkenbuhr aus,erschien auf der Bildfläche; die Arbeiterorganisationen wurden mundtot gemacht; der all­gemeine deutsche Zigarrenarbeiter-Verein wurde vernichtet, und nun war alles zum Empfang des neuen Zolltarifs vorbereitet. Derselbe brachte eine nette Bescherung für die Tabakarbeiter: der Zoll wurde für 100 Kilo von 24 Mk. auf 85 Mk. erhöht und die Jnlandsteuer von 6 Mk. auf 45 Mk. gebracht. Die sofort eintretenden Folgen waren für die Tabakarbeiter erschrecklich: Zehntausend derselben be­völkerten die Landstraße. Die es ermöglichen konnten, wan­derten nach Amerika aus; ein anderer Teil suchte in anderen Berufen unterzukommen, und so finden wir, daß drei Jahre nach dem Inkrafttreten des neuen Zolltarifs im Jahre 1882 die Zahl der Tabatärbeiter um rund 9000 abgenommen hatte. Wäre 1880 diese Zählung vocgenommen worden, wäre der Rückgang wohl noch gewaltiger erschienen. Die Zahl der Arbeiter in den großen Städten nimmt zusehends ab, auf dem Lande ist ein rapides Steigen zu verzeichnen. Zum Beispiel waren in Baden nach den Berichten des Dr. WörriS- hofer im Jahre 1878 Tabakarbeiter beschäftigt: 7956; im Jahre 1882: 11 514; zehn Jahre später, 1892, 24 156; darunter nur 7293 männliche Arbeiter, während die Zahl der weiblichen auf 17 863 angewachsen war.

Die Bekämpfung der Steuerprojekte in den Jahren 1893 und 1894 hat stattgefunden. Aber noch sind wir nicht am Ende des Kampfes. Neue Kämpfe stehen unS bevor. Die Ausgaben für Heer, Marine, Schulden und Pensionen haben den Etat im Zeitraum von 20 Jahren von 430 Millionen auf 1060-Millionen Mark ün Jahre gebracht. Da muß das Allheilmittel, der Tabak, wieder heroorgcsucht werden, um dem abzuhelfen. Für die laut Angabe der Tabak-Berufs- geuossenschaft im Jahre 1882 in 6528 Betrieben beschäftigten 144936 Tabalarbeiter mit einem Durchschnittslohn von 519 Mk. jährlich ist der Tabak doch wohl kein Luxus- artikel, sondern die Quelle ihrer Ernährung.

Die Tabakarbciter haben auf allen Kongressen, und auch auf dem letzten im vorigen Monat, stets ein gänzliches Ver­bot der Heimarbeit gefordert. In zweiter fiinie: Aus­dehnung der bundesratlichen Bestimmungen auf die Haus­arbeit. Verbot der Arbeit schulpflichtiger Kinder. Stellung der Heimindustrie unter das Fabrikinspektorat. Abschaffung der Gefängmsarbeit für Industrielle. Bekämpfung der regier rungSseitigen Steuer- und Zollprojekte.

Redselige Abgeordnete

sind nicht etwa eine -p^ziaurut oer deutsche» Volksver­tretungen Auch *im Auslande hat man Grund, sich über

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eine Verdrießlichkeit und soll beigetragen haben zu der Entschließung Möllers, durch eine Amerikafahrt auf längere Zeit derAmtsluft" zu entrinnen. Es ist in parlamentarischen Kreisen ein offenes Geheimnis, daß Möller bei seiner Berufung ins Ministerium seinen pollli- schen Freunden gegenüber für eine baldige Reform der Börsengesetzgebung sichstark gemacht" hatte. Fast drei Jahre amtiert nun Möller in Preußen, aber er kann nicht erreichen, daß das endlich zu Pavier gebrachte geringe Maß von Börsengesetzreform durch den Reichstag der Ver­wirklichung zugefrihrt wird. Der Zolltarif verursachte den ersten Aufschub der Reform, im Herbst wird das parlamen­tarische Interesse sich auf die Handelsverträge konzentrieren, deren Verabschiedung dem Zentrum weit dringlicher er­scheint, als jede gesetzgeberische Aktion zugunsten der Börse. So sieht Möller die Hoffnungen schwinden, die sich an seinenAusstieg in die Regierungswolken" in den nicht agrarisch gesinnten Kreisen geknüpft hatten, und so wird dem Minister eng der weite Bereich seines Ressorts.

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haltes ebenso gönnt, wie den Veteranen eine Erhöhung il)rer gewiß nicht ausreichenden Bezüge. Das Unternehmen des Abg. Grasen Oriola (nl.), auf dem Wege der Reso­lution die Regierung zu einem beschleunigten gesetzgeber­ischen Vorgehen anzuregen, ist deshalb dankenswert. Auch der Wille der Regierung, hier zu helfen, läßt sich nicht in Zweifel ziehen. Aber es fehlen ihr gegenwärtig die finan- ziellen Kräfte. Der Schatzsekretär wies darauf hin, daß das Reich schon jetzt Schulden machen müsse, um den Kriegsteilnehmern die ihnen zukommende Bei­hilfe zu zählen. Ueber diese bittere Tatsache helfen alle an sich gewiß berechtigten Worte des Unmuts nicht hinweg, wie sie auch heute lvieder an die Adresse der Regierung gerichtet wurden. Die Erhöhung der Militärpensionen ist ja auch in der Thronrede als dringlich bezeichnet worden. Aber zurzeit der Abfassung der Thronrede ließ sich die Entwicklung der Reichsfinanzen nicht absehen, wie auch auf die Notwendigkeit einer langwierigen und kostspieligen Expedition nach Südwestasrika damals niemand vor­bereitet sein konnte.

Im übrigen dürfen die Veteranen sich versichert halten, daß Schatzsekretär Frhr. v. Stengel das irgend Mögliche für sie tun wird. Er hatte für die Resolution Graf Oriola nicht so kühl abweisende Worte, wie man sie von feinem Amts- vorgänger Frhrn. v. Thielmann hören mußte. Interessant war in der Diskussion das Auftreten des Abg. G r ü n b e r g iSoz.). Er stellte sich als Kriegsteilnehmer vor, sprach mit bewegter Stimme von dergroßen Zeit", feierteSedan" als den Geburtstag deS Reiches, kurz, er schlug so warme nationale Töne an, daß der aufs Internationale schwörende Genosse völlig in den Hintergrund trat. Der sarkastische Abg. v. Oldenburg (lons.) erklärte indessen, zu dieser Mauserung" kein Zutrauen zu haben. ,. '

von der äußersten Linken aus der Nähe kennt, weiß, daß ihr Herz das alte geblieben ist." Ein fettesSehr richtig" aus der Fraktion Bebel gab Herrn v. Oldenburg recht. In der Frage der Veteranen-Unterstützung selbst tat der Reichstag auch beute wieder seine Pflicht: er liahm die Resolution des Grafen Oriola ein-

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fc-m wichtigsten Aenderungen, die an dem Gesetz- enhrto'.ii letreffend Kaufmannsgerichte durch die Reichs­tags rlhninlijfion vorgenommen worden sind, gehört die Vor- fchri:jfl, bch die Wahlen der Beisitzer nach den Grundsätzen der i lahAtniswahl stattfinden müssen, während der entiiDMl dieses Wahlsystem nur als zulässig bezeichnete, amu: solll die Zustimmung zu dem Gesetzentwurf auch nlenbikiien ermöglicht werden, die die Befürchtung hegten, oaß ' Sti :-?er Entscheidung durch bloße Mehrhellswahl die VeisMabomk vollständig in bte Hande einer einzelnen, iljr hortet gelangen könnte. Die Verhältniswahl soll ine ; iwtibr dafür bieten, daß jede nur einigermaßen hebMe Minderheit des Berufsstandes ihre Vertretung untern dm! Beisitzern findet.

S Hi Mterfäsied zwischen Verhältniswahl und Mehr- rnlls imhl 1 läßt sich an einem Beispiele leicht klar machen. ,nrM12 Llrbetterbeisitzer zu wählen sind und 350 sozial- dimoi°!Mstche, sowie 250 christlich-soziale Stimmen abgeijU^m werden, so sind bei der üblichen MehrrriliSi.vahl sämtliche zwölf sozialdemokratische Kandü'ÄUu gewählt. Wenn bei der nächsten WcchlUsch daS Verhältnis umgekehrt gestaltet, so bringen wieder sämtliche Kandidaten der christlich-sozialen Liste durchs unb die sozialdemokratischen fallen aus. Anders bei iifen iSystem der Verhältniswahl. Hier wären nach dem : rien genannten Beispiele die Sitze im Verhältnis von 8iM? fru 250 zu teilen, d. h. neben 7 sozialdemokratischen BiijisW würden 5 christlich-,oziale gewählt, und bei einer Aend'Mg der Parteienstarke würde das nächstemal nur nach .. :<m Verhältnis dieser Aenderung eine Verschiebung, nicht: ito eine gänzliche Umgestaltung, eintreten.

TL^enn durch die Gewerbegerichtsnovelle von 1901 die Q:ü'.l,rung der Verhältniswahl durch Ortsstatut für die E ck-.riregerichte zugelassen wurde, haben bereits eine ;^öße!M lrizahl von Gemeindeverwaltungen davon Gebrauch nema itc In unmittelbarer 9tähe der Reichshauptstadt hat PotSdtai :)ie Verhältniswahl eingeführt, ferner im Westen ber wMWchen Monarchie Frankfurt a. M., Bocholt, Gelsen- lnche 4(eigen, Osnabrück; im Osten ist Liegnitz vorange- gange:K cicombera und Gncsen gefolgt. Aus Bayern führt eine tutibter Reichsregierung vorgeleate Zusammenstellung Münc.ch ü.nb Bamberg auf, aus Sachsen: Glauchau (Amts- huupt.m^r.schast), auö Württemberg: Gmünd und Göp- vinge-n:r:s Baden: Karlsruhe, Mannheim, Freiburg und aus L!'i< l>roßherzogtum Hessen: Gießen.

T vorstehende, von der Reichsregierung vorgclegte Ueber rr:: die 18 Städte umfaßt, ist dabei noch nicht ein­mal .::;tinbig. Aus dem Verbandsorgan der deutschen Geweiru -richte,Das Gewerbegericht", geht hervor, daß auch i ><r württembergischen Stadt Ravensburg am 25. Rq nur in 1303 Gewerbegcrichtswahlen nach dem System ber V^ rhä L-wähl stattgesunden haben. Gerade bas Beispiel von i iuJoenäburg ist besonders lehrreich, und Bar umch zwei Seiten bin. In Ravensburg tterfln -ms Arbeiterseite ausschließlich die christ- yenüt äMnisationen die Beisitzerbank besetzt; gleich­wohl ^>rabe von ihnen der Antrag auf Einführung der BechäH^wahl ausgegangen, in deren Folge sie nur sieben Sitze ' intpiten, während 5 den Gewerkschaften zusielen. Ein $ daß auch die Mehrheitsparlei ein Interesse daran:: ü, ihre augenblickliche Mehrheit nicht zür Ver- neiual to-Ai der Minderheit zu benützen, sondern sich durch das S.iim der Verhältniswahl auch für den Fall einer etwaicD. Mrbröckelung eine Vertretung zu sichern. 'Noch merkntMiozer ist die Arbeitgeberwahl in Ravensburg Der- taufenuiulf die Aufforderung, Vorschlagslisten einzureichen, ging i xz eiune einzige Liste ein, auf die sich sämtliche Arbett- geber . ,:irhigt hatten. Jnsolgedcsien war nach dem Ra- vensb-m-r i Statut ein förmlicher Wahlakt überhaupt über-

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stimmig an.

Die folgenbe Beratung bes Etats für die ost- asiatische Expedition gab dem Abg. Payer (Dtsch. Volksp.) Veranlassung, dem Wunsch feiner Fraktion nach baldiger Rückberufung ober Verminderung ber Besatzungs­brigade Ausdruck zu verlechen und gegen etwaige auf die Bildung einer Kolonialarniee abzielende Pläne nachdrücklich zu protestieren. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen er­widerte in beruhigendem Sinne, doch die Forderung nach ätücfberufung der Brigade, ,chie mehr dekorativen Z.oecken" diene, wurde im Lause der Debatte erneut erhoben. In Verbindung damtt fand auch die volitische Lage in Ost- asien Erwähnung. Dem Prinzip der Sparsamkeit hatte schon die Budgettommisswn Rechnung getragen, indem sie rund 10 Prozent der Ausgabeposten strich.

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Der Reichskanzler und die Konservativen.

Aus Berlin, 20. tilpril, wird uns gefchrieben:

Der scharse Angriff des Abg. v. Oldenburg Reichstag gegen den Grasen Bülow, unter häufiger und entschiedener Zustinunung der Rechten, ist für unsere Re­gler ungs kreise eine vollstätidige Uelrerraschung gewesen. Aus diesen Grad von VerstimmungderAgrarier, haupt­sächlich wegen der Nichtkündigung der Handels­verträge, war man nicht gefaßt. Es scheint aber ge­radezu eineKabine11sfrage" aus der Kündigung der Handelsverträge gemacht zu werden, d. h., dem Reichs­kanzler steht bei Nichterfüllung dieser Forderung ein Sturm der Agrarier" bevor, arger noch als der zu Eapriois Zeiten Ter konservative Abg. Gras v. Schwerin-Löwitz hat kürzlich in engerem Zirkel diese Aussicht eröffnet. Das Organ des Bundes der Landwirte, dieTagesztg.", deutet heute abend das Rezept an, wie dem Grasen Bülow die Macht der Konservativen fühlbar zu machen ist.Deutsch­land und Preußen stehen vor wichtigen Aufgaben; die Lösung dieser Ausgaben wird wesenllia) erschwert, ja viel­leicht gefährdet, wenn man nicht endlich Klarheit über die wirtschaftspolitische Zukunft des Reiches schasst." Ohne konservative Unterstützung seien die Ausgaben der Zu- kunst nicht oder doch laum zu lösen. Der in diesem fettge­druckten Satze liegende Hinweis auf daS Schicksal der Kanalvorlage in Preußen ist hinlänglich deutlich. Ent­weder die Külwigung der Handelsverträge oder die Kanalvorlagen fallen durch. Ta war fchlieglich der konser­vative Führer Graf Kanitz doch noch bescheidener, als er vom Grasen Bülow als Vorbedingung für die Annahme der KanalvorlagenTaten" gegen die Sozialdemo­kratie verlangte. 9hm sind es bereits zwei Vorbeding­ungen, und da aller guter Tinge drei sind, dürste die dritte nicht allzu lange aus sich warten lassen. Das eigen­artige ist dabei, dag gerade von konservativen Zellungen Graf Bulow eben erst höchlich belobt worden ist, bag er jedes politische Moment bei d.n Kanalvvr.agrn vernunfugerweise ausgejchaltet habe. Dadurch werde Die Verständigung er­leichtert. Nun mit einernrnale werden ganz fernliegende Dinge in Die Erörterung hmelligetragen. Die Kanäle in Preußen und die vom Reich zu bewirkende Kündigung der Handelsverträge haben nichts miteinander zu tun. Trotz­dem sollen sie, zu Rrvanchezwecken, beii-^pelt werden, wenn es nach den Wunsck)en oer Agrarier geht. Unter diesen Umständen dürsten die demnächst beginnenden Kanal-De­batten einen sehr bewegten Verlau, nehmen.

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02294 k'ianIüZe 60. fit 6i6

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1901-11102, 1902/03, 1903/04.

DiätSirossh. Kreisschulkonimissiou Gietzen

ä* an die Schulvorstände des Kreises.

'tjTTS- koionit Sie unserer Auflage vom 22. März L IS., lW f SImtÄl Nr. 2, noch nicht entsprochen haben, werden Sie 1 ' <ut hrifcn .Lrledigung erinnert

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lässig :s i kann die Verhältniswahl unter Umständen dazu ührer Ai Erstelle des Wahlkampses eine gütliche Einigung »er Pc Kpatra über das muimahliche Ergebnis herbeizusüyren.

L.L^Misch ist viel über die Kompliziertheit der Ver­hältnis... gefiagt worden. Prattijch srimmen die Be­richte i u sämtlichen Orten, in denen eine Verhältniswahl herelltÄ ^gefunden hat, bai in überein, daß das Wahl- geschäfH iv« glatt und ohne Cxhwierigkeilen vollzogen hat.