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Nr. 14»
Erfcheinl tLgllch mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Giehener Lamilienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der ^hefflfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Zweites Blatt. 154. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Montag 30. Juni 1904
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.
Iie heutige Bummer umfaßt 8 Seiten.
Volitische Wachcnschnu.
.. ®'CT. Reichstag bat seine Pforten geschlossen und ist in ore Ferien gegangen. Erst im November werden die Erwählten des deutschen Volkes ihre gesetzgeberische Tätigkeit wieder auf- nebmen. Hatten vorher, viele Mitglieder durch ihre Abwesenheit geglänzt, so zeigte sich das Haus bei den letzten Beratungen stets gut besetzt, sodaß es, wenn auch in beschleunigtem Tempo, das vorliegende Material bis auf das letzte Titelchen erledigen konnte. Von den wichtigsten Vorlagen, die in zweiter und dritter Lesung angenommen wurden, sftrd besonders die Anleihe für das Schupgebict Togo und der Bau der Bahn von Dar-es- S a l a a m nach M r o g o r o erwähnenswert. Ferner die Münz- gesetznovelle und das Gesetz über die Kaufmanns- ükrichte. Zum Schluß gab es dann noch einen großen Knall- enelt. als die Sozialdemokraten eine Interpellation über den Gewtzentwurf zur ErsclMerung des Kontraktbruches der la it b11 d)en Arbeiter einbrachten und dabei ihren stärksten Dauerredner, den Abg. Stadthagen, vorschickten, der zum (schrecken des Dauses in zweieinhalbstündiger Rede den Regier- ungscntwurf in leidenschaftlichster Weise angriff und an ihm sozusagen kein gutes Haar ließ. Nach Schluß der Tiskussion erschien Graf Bülow mit der Kaiserlichen Urkunde, die die Vertagung des Hcmses verordnete und nach dreimaligem Hoch auf bas ^Reichsoberhaupt wurde die Sitzung geschlossen.
Im Plenum der 2. hessischen Kammer wird Ende dieses Monats eine wichtige gesetzgeberische Tätigkeit anheben, nachdem ln ™ Kommissionen wacker vorgearbeitet worden ist. Ter Referent der Wahlrechts kom Mission, Abg. v. Brentano, hat in einem umfangreichen Schriststiicke die Beschlüsse der Kommission dargclcgt. Wir haben darüber bereits ausführlich be- riil-tet. Inzwischen sind die reaktionären Gegner des liberalen Wahlrechts in Worms u. a. . O. fleißig am Werke, das von langer Hand mühsam vorbereitete volksfreundliche Werk der Regierung zu verzerren und zu verzausen, und setzen alle Hebel in Bewegung, den Entwurf zu Falle zu bringen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welcher von beiden Teilen der Stärkere ist in Hessen, der, welcher das jämmerliche Wahlmännersystem auf den Kehrichthaufen geworfen haben will, auf den es gehört, um in den breiteren Volksmassen das Interesse zu beleben an der Heimatspolitik, oder jener andere, dem alten Feudalismus erbeigentömlickie, der dem Volke nicht geben will, was des Volkes ist.
Der großes Aufsehen erregende Mirbach-Zwischenfall in dem endlosen Pommernbank-Prozcß scheint sich zu einer bedeutsamen politischen Angelegmheit auswawsen zu wollen nach der zeugeneidlichen Vernehmung des Ober Hofmeisters der Kaiserin. Mit Reckt wurde von Blättern aller Schattierungen Ausklärung darüber verlangt, in welchem Zusammenhang die Verleihung des Titels „Hofbank der Kaiserin" an das inzwischen verkrachte Institut mit den enormen zu Wohltättgkeitsbcstrebungen gestifteten Summen stand und wie es kam, daß das bei der Pommernbank hinterlegte Vermögen der Kaiserin bei dem Zusammenbruch bis auf den letzten Pfennig erhalten blieb, während die Spargroschen der meist zu den kleinen Leuten gehörigen Einleger völlig verloren gingen. Auch die eigentliche Sebentung des geheimnisvollen Konto K harrt noch immer einer einwani^ freien Lösung. Nach der „Deutschen Korrespondenz" soll die Verleihung des Hofbanktitels darauf znrückzuführen sein, daß Direktor Schultz Herrn v. Mirbach bei Zeiten seine Bedenken gegen die Preußenbank mitgeteitt und die Zurückziehung der Gelder der Kaiserin angeraten habe. Der Kommerzienratstttel sei Schultz verliehen worden, weil er in der Lage war, einer dem Kaiserhause verwandten fürstlichen Persönlichkeit einen Kredit von sechs Millionen gewähren zu können. sTer ganzen letzteren Angelegenhett stehe die Kaiserin wie Freiherr v. Mirbach völlig fern. Die „3 u Fun ft" macht darauf aufmerksam, daß zwischen der Einzahlung der 350 000 Mk. und der Auszahlung der ersten Rate davon der Tag der Ernennung der Pommernbank zur Hofbank liege. Sie gibt ferner einige Beispiele dafür, wie Frhr. v. Mirbach die Wohltätigkeit „in Anspruch zu nehmen" wußte. Es kam ihm, so behauptet Harden, nicht darauf an, für cvang. Kirchenbauten auch Kat^>liken und Juden heranzuziehen. Harden teilt einen Brief Mirbachs an einen jüdischen Industriellen mit, worin um eine große Gabe für die Kaiser-Wil- belm-Gedächtniskirche gebeten wurde, einen Brief, der Krone und Wappen mit der Umfdjrift „Kabinett Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin" trug.
Frankreich hat nach längerer Pause auch wieder einmal seine „Affäre. Im Gegensatz zu der skandalösen Dreyfus-Ge- schichte ist die jetzige harmloser, man möchte sagen komischer, mit einem Stich ins operettenhaste. Dem Ministerpräsidenten C o m - b e s, der eifrig bemüht ist, Frankreich vom klerikalen Joche zu befreien, ist vom Orden der Karthäuser das nette Sümmchen von zwei Millionen Franken angeboten worden, wenn er zu Gunsten der Pattes ein Auge zudrücken wolle. Nach anderen Versionen soll man das Anerbieten seinem Sohne (Sbgar gemacht haben. In der Kammer von seinen Gegnern zur Rede gestellt, beteuerte Combes, der übrigens hoher Siebziger ist, seine und seines Sohnes Unschuld. Trotzdem hat der Abg. Firmin Faure in der Kammer einen Anttag eingebracht, worin die Regierung aufgeferbert wird die Herren Edg r Cembes und Lagt ve, dm in die Affäre mitverwickelten Kommissar der Republik bei der Weltausstellung in St. Louis, ihrer äffentlidjen Aemter zu entheben. Eine Kommission nimmt inzwischen Haussuchungen, Beschlagnahmen von Papieren rc. vor.
In dem vergewalttgten Finland kommen die politischen Leidenschaften nickst so bald zur Ruhe. Der Generalgouverneur des unglüdtiefen Landes, General Bobrikow, ist am Donnerstag von dem Sohn des zur „schwedischen" Partei gehörigen Senators S ch a u m a n durch einen Revolverschuß getötet worden. Bobrikow war in Finland als blindwütiger Vollstrecker ungerechter und Vertragsbrüchiger Politik die bestgehaßte Persönlichkeit. Nun hat den Mann, der sich in Finland um die Fortschritte der Nussiftzierung sehr „verdien?" gemacht und dort das schwedische Element aufs äußerste bedrängt und verfolgt hat, sodaß die maßlose Erbitterung in schwedisch-finländiseben Kreisen nicht verwunderlich ist, fein Schicksal ereilt. Der Witwe Bobrikows sind Beileidstelegramme vom russischen Kaiserpaar, vom Kriegsminister General Ssacharow rc. zugegangen. Kaiser Nikolaus sagt in seinem Telegramm, Bobriünvs Name werde im Gedächtnis der wahren russischen Pattioten immer fortleben. Ter Kriegs Minister betont, die Armee habe in Bobrikow einen ihrer würdigsten Vertreter verloren, der als Opfer seiner Pflichterfüllung und Hingebung an Kaiser und Vaterland gefallen sei. Der Metto- polic" telegraphierte, olle wahren russischen Patrioten hätten Bobrikows Wirken in Finland mit Bewunderung und glänzenden Hoffnungen verfolgt: er sei als wahrer Christ und großer Bürger gestorben. — Die Finnen denken über den Toten anders.
Japans Aufmerksamkeit hat sich in letzter Zeit dermatzen auf die ' Liautunghalbinsel gesammelt, daß das r u f s r s ch e Geschwader aus Wladiwostok (dieser russische Name bedeutet übrigens zu deutsch „des Ostens Beherrscherin") ungestört bis an »ie Linie herankommen konnte, auf welcher bte von Japan aus
nach Korea bezw. nach Liautung gehenden Transportschiffe verkehren. Drei ruffische Kreuzer machten die Sttaße von Korea bei der für die Beherrschung dieser Meerenge überaus wich- tigen Insel Tsuschima unsicher, und cs ist ihnen mindestens ein großer Dampfer, an dessen Bord ein starker japanischer Truppentransport sich befand (darunter mindestens ein halbes Dutzend europäischer Offiziere) zum Opfer gefallen: andere japanische Schiffe mußten sich, zum Teil sehr schwer beschädigt, in die japanischen Küstengewässer flüchten. Der untergegangene Dampfer „Ditachi-Maru" war in Antwerpen gebaut und repräsentierte ein Kapital von 2V2 Mill. Frcs. Wo sich zurzeit das Wladiwostok Geschwader aufhält, weiß man noch nicht. Daß es von den Japanern aufgebracht worden fei, wie gemeldet wurde, ist ganz gewiß falsch. Es scheint auch in keinen Kampf mit der japanischen Flotte geraten, sondern vielmehr im höchsten Norden wieder zu sein, wo cs an der Küste von Peso, der nördlichsten Insel Japans, den Feinden bedrohlich wird. Man fragt sich: wo ist die japanische Kriegsflotte? Frülwr sollte der Hafen von Wladiwostok durch japanische Minen gesperrt und außerdem durch japanische Kriegsschiffe blockiert fein, sodaß man das russische Geschwader dort für eingeschlossen halten mußte. Und nun erscheinen die russischen Schiffe in den japanischen Gewässern. Tas ist eine kühne Tat des neuen Admirals Skrydlow, für die Japaner aber nicht ehrenvoll.
Dem gegenüber steht aber eine schwere Niederlage, die der russische General Baron Stackelberg bei Wafangou erlitten hat. General Stackelberg sollte mit seinen Truppen, etwa 40 000 Mann, Port Arthur Erleichterung verschaffen durch Belästigung der japanischen Belagerungsarmee in deren Rücken. Tas veranlaßte die Japaner, sich etwas Bewegungsfreiheit zu sichern. Bisher hielten sie cs für ausreichend, die Russen an der Linie Pitscwo—Port Adams festznhaltcn; neuerdings drängten sie die Feinde aber weiter nordwärts zurück; dabei kam es in der Nähe von Wafangou zu einer entscheidenden großen Schlackt, in der die regelmäßig wiedcrkehrende japanische llmgchnngstaktik für die Russen ganz ausserordentlich schlimme Verluste zur Folge gehabt hat. 1100 bei Wafangou verwundete Russen, darunter 55 Offiziere, erreichten freilich Liaujang. Der G e s a m t v e r l u st der Russen in dieser Schlacht aber beträgt etwa 2000 Mann. Insgesamt hatten bei Wafangou 42 russische gegen 44 japanische Bataillone gestanden. Hingegen waren die Japaner den Russen an Artillerie sehr überlegen, da sic über 200 Geschütze verfügten. Ein französisches Blatt will ans Petersburg erfahren haben, dort gehe das Gerücht, daß Stackelberg bei seinem nordwärts gerichteten Rückzüge nach der Schlacht bei Wafangou weitere 10000 Mann an Toten, Verwundeten ober Gefangenen verloren habe. Tie auf dem linken Flügel stehende Division fei umaangen und vernichtet worden. So kommt denn für die Russen eine Armee Stackelberg wohl kaum mehr in Bettacht. Rach englischen Meldungen hat zwar General Kuropattin zwei Divisionen nach dem Süden geschickt, um Stackelbergs Rückzug zu decken., .Der japanische General Nodzu hat sich Stackelbergs Kolonne jedoch schon mehr genähert als irgend welche russische Verstärkung. Stackelberg selber soll verwundet fein. Kuropatkin ging, wie es heißt, am Mittwoch selbst aus Liaujang ab, um das Kommando zu übernehmen. — Der japanische Mikado soll in dieser Schlacht auch einen schweren Verlust erlitten haben. Einer seiner Neffen soll den Heldentod vor dem Feinde gefunden haben.
parlamentarisches aus Kessen.
Folgende Anfrage richtet der Abg. Wolf an die zweite hessische Kammer:
Vergangene Woche wurde von Zigeunern auf hessische Bürger bei Udenheim, die ihr Eigentum vor Tiebstählen durch Zigeuner schützen wollten, scharf geschossen, so daß mehrere hessische Bürger verwundet wurden. Ebenso wurde beobachtet, daß Zigeuner des Nachts mit Gewehren auf Diebstahl ausgingen. Ich frage aus diesem Grunde bei der Großh. Regierung ergebenft an: 1. Hat die Regierung Kenntnis von diesen der hessischen öffentlichen Sicherheit Hohn sprechenden Vorkommnissen? 2. Was gedenkt die Regierung zu tun, um zu verhüten, daß derartige Dinge in Zukunft vermieden werden? Insbesondere frage ich an: Ist die Großh. Regierung bereit, beim Bundesrate sofort mit allem Nachdruck zu veranlassen, daß r e i ch s g e s e tz l i ch e Maßnahmen gegen die besonders in wohlhabenderen, ländlichen Gegenden immer mehr zunehmende Z i g e u n e r p l a g e getroffen werden unter folgenden Gesichtspunkten: 1. Bessere A b- Sperrung der bayerisch-böhmischen Grenze gegen den Einzug von Zigeunern ins Reichsgebiet, weil die Zigeuner diese Grenze einzeln überschreiten, um sich im Reichsgebiet wieder zusammenzufinden. 2. Verbot des Gewerbebetriebs im U m h e r z i e h e n f ü r Z i g e u n e r, weil der Geivcrbebetrieb dem Gesindel nur die Gelegenheit mm Stehlen und Leutedrangsalieren gibt. 3. Verbot des Waffen» und Munitions.besitzes für 3 i g e u n e r. Ebenso Verbot des Waffen- und Munitionsverkaufs oder -taufches an Zigeuner. 4. Verbringung der' schulpflichtigen Kinder von Zigeunern in Reichs; wangs- erziehungsan st alten. 5. Verbot des längeren Haltensauf öffentlichen Straßen und des Kampierens zur Nachtzeit.
Der Verein der Wirte in Mainz und Umgegend petitioniert um Abschaffung der Automaten-, wie Kl aoi erst euer, Abschaffung der Umzugs st euer bei Uebernahme eines anderweiten Lokales, Abschaffung der Konzessionssteuer im Falle des Todes des Ehemannes bezüglich der Witwe, genauere Prüfung der Bedürfnisfrage bei Erteilung einer neuen Konzession und Heranziehung von Fachmännern zur Beratung, Heranziehung zur Konzessionierung sämtlicher Flaschenbierverkäufer, und endlich um einheitliche Besteuerung für Kon- zessionserteilung in den drei Provinzen des Großherzogtums ohne Rücksichtnahme auf die Bevölkerungsziffer der Gemeinden._____________________________
Politische Tagesschau.
Graf Bülow über die Ostmarkenpolittk.
Die „Norddeutsche" meldet:
Der Reichskanzler empfing am 18. l. Mts. die Verwaltungskommission der königl. Akademie zu Posen, die ihm das Diplom als Ehrenmitglied der Akademie überreichte. Auf die Ansprache des Rektors Proseffor Kühne- mann erwide rte der ReichSlanzler nach Dankes- worten:
Er sei heute mehr wie je der Meinung, daß die Ostmarkenfrage die wichtigste Frage unserer inneren Politik sei, und wenn er auch pflicht mäßig alle seine Landsleute ins Herz geschloffen habe, so habe er doch für die Deutschen unserer vielumstrittenen Ostmark ganz besondere
Liebe. Er lege bei seinen Maßnahmen für die Hebung des Deutschtums im Osten auf die geistige Seite großes Gewicht. Wo der Deutsche prosperieren solle, müsse ihm geistiges Leben blühen; wo ihm Kunst und Wissenschaft fehlen, verkümmere der Deutsche, wie einer unserer großen Philosophen gesagt habe: Das Heil, komme den Deutschen von den Ideen und durch die Ideen. Hierfür nun zu sorgen, sei die Akademie in erster Linie berufen. Er stimme den beiden Hauptgedanken zu, die der Rektor ausgesprochen habe: Von der notwendigen Unabhängigkeit der Wissenschaft und der nationalen Aufgabe der Posener Akademie. Die Freiheit der Wissenschaft sei für den Deutschen die Luft, deren er für das geistige! Leben bedürfe. Die nationalen Ziele, welche die Posener Akademie in dem uns Deutschen im Osten aufgedrungenen Kampfe verfolge, müßten jedem an derselben tätigen Lehrer immer vor Augen stehen. Es sei schon ein Großes, wenn die Akademie dazu beitrage, die Deutschen in Posen zu einigen. Unser Volk habe bei seinen Vorzügen auch Fehler, die im Laufe der Geschichte dem Vaterlande ost Schaden gebracht haben. Hierzu gehöre vor allem der Hang der Deutschen zur Uneinigkeit. Wir würden mit unserer Ostmarkenpolitik schon weiter sein, wenn die Deutschen im Osten gegenüber dem Gegner kleine Parteiunterschiede, kleinliche Standes- und Klassenvorurteile in den Hintergrund toten ließen. Möge die Akademie Einigungspunkt und Bindeglied unter den Deutschen in Posen werden. Bülow schloß: Er werde stets als erstes Ehrenmitglied der Posener Akademie an ihrem weiteren Ergehen den größten Anteil nehmen, und wenn er ihr bei irgendwelchen Schwierigkeiten ihrer Entwicklung einmal beistehen könne, so solle sie immer auf ihn zählen können. Im Verlaufe des sich anschließenden Gesprächs gab der Reichskanzler der Hoffnung Ausdruck, daß § 15b des Gesetzentwurfs betreffend die Gründung neuer Ansiedlungen, den er in voller Kenntnis seiner Tragweite eingebracht habe und als notwendiges Verteidigungsrüstzeug im Kampfe gegen den Gegner des Deutschtums betrachte, vom Abgeordnetenhause angenommen würde.
Mach dem Kordon-Aennet-Kennen.
Die endgültige Siegerliste
ist nach den offiziellen Zahlen:
1. Thöry (Frankreich) 5 St. 50 Min. 03 Sek.
L Jen atzt) (Deutschland) 6:01:23.
3. de Caters (Dentschland) 6:46:31.
4. Nou gier (Frankreich) 6:47:11.
5. Braun (Oesterreich) 6:59:49.
6. Hautva'st (Belgien) 7:12:36.
7. Salleron (Frankreich) 7:15:15.
8. Lancia (Italien) 7:17:54.
9. Girling (England) 7:22:54.
10. Cagno (Italien) 7:23:36.
11. Werner (Oesterreich) 7:32:14.
12. Iarrot (England) 7:36: 52.
Die Ueberreichung des Rennpreises
vollzog sich am 18. d. M. im Homburger Kurhaus. An der F-ürstentasel prangte der Gordon Bennett-Preis auf dem Tischtuch zwischen dem Präsidenten der Tafelrunde, dem Prinzen Heinrich von Preußen und dem Herzog von Ratibor, . der ihm Vis-L-Vis die Honneurs des Deutschen Automobilklubs machte. An den Tafeln zur Seite saßen die Mitglieder der Gordon Bennett-Kommission neben den Vertretern der staatlichen Behörden: Von den Vertretern ausländischer Klubs seien Baron von Zuylen, Markgraf Pallavicini, Mr. Gray Dinsmore, Graf Clemens von Schönborn-Wiesental genannt. Die Deutschen machten bunte Reihe mit ihren Gästen, unter denen die Fabrikanten Richard Brasier, Fritz Daimler, Mors, Baron de Dietrich und der schneidige Mercedes-Mann Baron e ters hervorragten.
Rach der Suppe sprach Prinz Heinrich den Kaisertoast. Er rief als Echo die Kaiserhymne hervor. Dem nächsten Toast, den der Präsident des Deutschen Automobilklubs, der.Herzog von R a t i b o r sprach, folgte als Gegengruß der Marseillaise. Baron von Zuvlen dankte in französischer Sprache mit einem Hoch auf den Deutschen Automobilklub. Mit der Höflichkeit seiner Nation knüpfte er den Wunsch an die Uebernahme des Siegespreises, daß man sich in einem Jahr im Wettkampf um den Preis wieder begegnen werde. Generalleutnant z. D. v. Raabe dankte namens des deutschen Klubs, den Behörden, die dem Rennen den Weg bereitet. Der Minister des Innern Frhr. v. Hamm er st ein erwiderte. Er schloß mit einem Hoch auf den Automobilismus und die von rchm' geförderte Jndusttie. Oberbürgermeister Ritter von Marx widmete den fremden Gästen seinen Willkommeusgruß namens de-. Stadt Homburg. Dann sprach französisch mit Geist und Witz Graf Tal lehr an auf den genialen Konstrukteur Brasier und seinen energischen Fahrer Th4ry. Prinz Solms Braunfels dankte für die auswärtigen Gäste. Außerhalb der offiziellen Rednerliste brachte General z. D. Becker ein Hoch auf die Presse aus. Er rühmte ihre außerordentlichen Leistungen und knüpfte daran Hoffnungen für die weitere Mitarbeit. Alle erhoben sich. Nur Prinz Heinrich blieb sitzen, vielleicht zufällrg. Während des Festmahls betrat der Sieger T h 6" r y den Saal, jubelnd begrüßt. Er sprach einige Worte des Dankes.
Den Abschluß der Veranstaltungen bildete eine Festlichkeit in dem feenhaft beleuchteten Krcrgarten.
Ein Faustkampf Thery.Jenatzy.
Beim Zurückwiegen der Wagen am Renntage kam es dem „B. T." zufolge, zu einem peinlichen Rencontre zwicken Th^ry und Jenatzy. Der siegreiche Franzose fand (?§ nutzt unter seiner Würde, den so ehrenvoll unterlegenen Gegner durch hämische Bemerkungen zu reizen. Jenatzy llieb nicht die Antwort schuldig, ein Wort aab das andere, und ehe man es verhindern konnte, waren die beiden Gegner auseinander losgestürz: und "bearbeiteten sich mit den Fäusten. Nur mit Müh^


