Nr. 297
Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Sumstag 17. Dezember 1904
Amis- und AnzetzMM für den Kreis Gießen
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VMische Tagesschan.
Sozialdemokratisches aus Heffen.
Zwischen der sattsam bekannten Mebringschen .„Leipziger Volksztg." und dem Mainzer sozialistischen Parteiorgan ist aus Anlaß der letzten St a d t v e ro r d n e t en wa bl eine Preß- fehde ausgebrochen, in der sich die beiden Bruderorgane die schönsten „Liebenswürdigkeiten" an den Kopf werfen. Selbst der Abg. Tr. David ist in die Polemik eingetreten, „um sich zu verteidige^ und gegen die Herabwürdigung seiner Person zu protestieren". „Sollte", meinte Tr. David, „die Leipziger Sitte um sich greifen, das; die Mgeordneten von der eigenen Partei als denk unfähige Tröpfe und charakterlose Streber hingestcllt werden, dann würde cs allgemach nicht nur. zu einer sehr zweifelhaften Ehre werden, dem sozialistischen Fra ktions korps a n z u g e h ör e.n , es müßte auch das öffentliche Vertrauen in die Partei, die solche Männer in den Reichstag schickt, schwer erschüttert werden". Tie Mainzer Parteiführer haben sich in einer Parteiversammlung, über ihr Verhalten bei der Stadtverordnelenwahl noch nachträglich ein Vertrauensvotum erteilen lassen. Bei dieser Versammlung ist dem Genossen Stadtv. Seel die interessante Bemerkung entschlüpft, „daß in drei Jahren die Konstellationen der Parteien wohl eine andere sein dürfte". Am Schlüße der Versammlung wurde in einer Resolution dem Mainzer Genossen, welcher in der „Leipz. Volksztg." gegen den Kompromiß bei der Stadtratswahl geschrieben, die „t i e f st e V e ra ch t u n g" ausgesprochen. Ebenso wurde das „unerhört niederträchtige Verhalten" der „Leipz. Volksztg." verurteilt. Ta die „Leipz. Volksztg." den führenden Genossen in Mainz schon mit dem nächstjährigen Parteitag droht, dürften diese Auseinandersetzungen sobald noch nicht, zur Ruhe kommen. Nachdem Bernstein, Göhrc usw. abgetan sind,, scheint man auch dem hessischen Revisionistenführer Dr. David, der sich bisher im Hintergrund gehalten, den Prozeß machen zu wollen.
Ein Wahlbündnis für die Gemeindewahlen hatten die liberalen Parteien in Darmstadt mit der Sozialdemokratie abgeschlossen. Innerhalb der Sozialdemokratie ist über dieses Kompromiß ein heftiger Streit airsgebrochen. In sozialdemokratischen Versammlungen in Darmstadt gab es erregte Szenen bei der Erörterung der Gemeindeivah'en. Ter „Vorw." berichtet darüber: „Verschiedene Parteigenossen hatten auf den Wahlzetteln Streichungen vorgenommen und erwiderten aus die gepiy; sie erhobenen Vorwürfe, daß man ihnen unmöglich zumukeu könne, wirtschaftlich^ Gegnern, mit denen sie kurz vorher im Kampfe a^st^ndm. ilwe Stimme zu geben. Ein Kritiker an der offiziösen Taktik der Darmstädter Genossen entfesselte einen solchen Sturm der Entrüstung, daß die Versammlung vorzeitig geschlossen werden mußte."
Tcutfcfred Reich.
Berlin, 15. Dez.. Des Kaisers jüngster Sohn, Prinz Joachim von Preußen, vollendet morgen sein 14. Lebensjahr. Auch Prinz Friedrich Sigismund von Preußen, ältester Sohn des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, hat morgen Geburtstag; er wird 13 Jahre alt. g
— Durch sozialdemokratische Blätter ist die Behauptung verbreitet worden, der I u stiz m ini st er habe eine generelle Anweisung gegeben, überall da, wo es irgend angängig sei, den Landfriedensbruch-Paragraphen zur Bekämpfung des Streikposten stehens in Anwendung zu bringen. Diese Behauptung entbehrt nach der „Nordd. Allg. Ztg." jeder Begründung.
Magdeburg, 17. Dez. Merten (Frei s. Volksp.) erhielt bei der R ei ch s t a g s sti chw a h l in Ierich-ow bis jetzt 13 914 Stimmen und Voigt (<5ov) 6312 Stimmen. Es fehlen noch 51 kleine Orte. (Die Wahl Mertens kann man danach als gesichert betrachten. Bei der Ersatzwahl am 6. ds. erhielten v. Brauschitsch 6034, der nationalliberale Vom Rath 3410, der Antisemit 2664, Merten. 6327 und Voiot 6736 Sü Schon nach dickem Resultat!
WeiHnachisSüchi-r.
* Epilog z u Strindbergs drittem Eheroman In einem Sonderheft des Neuen Magazins ist August S t ri n d b e r g s Drama „E h r i st i n e" erschienen, dessen Hanptcwstalt die merkwürdige Sckwedenkönwin zugleich aber in allen Eigenheiten ihres Charakters auch des Dichters dritte, vor kurzem vrni ihm geschiedene Frau Harriet Bosse sein HL Neber di VHch''naen der aeschi^t'i^en Gestalt zu Frau Bffse-Strind- berg schreibt der NcbeAetzer und Freund des Tichters, Emil Schering: „Tas schwedische Publikum kennt diese Frau als Stockholms modernste und eigenarliaste Schauspielerin: kennt sie vor allem als beste Strindberg-Spielerin, die ihre orößten Erfolge in den Dramen ihres Mannes gehabt hat, in „Samum", „Nach Damaskus", „Ostern". Das schwedische Publikum liebt Strind- berg und liebt Harriet Bosse: es versteht, daß zwei solch ausgeprägte Individualitäten auf die Tauer nicht zusammen leben können, ohne daß die eine die andere unterdrückt. Ta Strindberg die stärkere Persönlickftit ist, blieb für Harriet Bosse nur die Mahl, sich dem Genie ihres Mannes zu opfern oder dem eigenen Genius zu folgen Tas letzte hat sie gewählt; möge die Zukunft, von der sie einen Weltruf als Schauspielerin erwartet, sie nicht enttäuschen? Sie ist die skandinavische Düse genannt,, worden, und es ist nicht unmöglich, daß sie 'einmal ebenso berühmt und gefeiert ist wie diese, denn ihre geniale Begabung ist zweifellos: es fragt sich nur, ob die Entwickelung sie nicht im Stich läßt. Wenn aber eine Düse sich 'imnier wieder mit ihrem Dichter d'Anuunzio vereinigt, so ist eine Wiedervereinigung zwischen Strindberg und Harriet Bosse ausgeschlossen. Strindberg ist durchaus monogam veranlagt, er hält in der Ehe absolute Treue und verlangt in der Ehe absolute Treue. Hat er seine Frau einm 't frcigegeben, so ist eine neue Verbindung mit ihr für ihn nicht mehr möglich. Dio glänzendste Charakteristik, die Strindberg I, hier dritten Frcu gewidmet hat, ist „Christine". Hier ist Lmrrict Bosse, wie ie leibt und lebt, mit all ihren Vorzügen und Fehlern, mit ihren schnellen Bewegungen, mit ihren brennenden Augen, mit ihren vielen Gesichtern: bald als liebliches Kind, dann als hartes Mannweib, bald als schmachtende Frau, dann als
durfte man den Sieg des freisinnigen Kandidaten mit Bestimmtheit erwarten. Bei der Hauptwahl im Jahre 1903 erhielten Fürst Herbert Bismarck (kons.) 10 430, Voigt (Soz.) 8140, Merten (fr. Vp.) 6480 und v. Strombeck (Ztr.) 48 St. Bei der Stichwahl wurde dann Fürst Bismarck mit 14 665 Stimmen gewählt gegen Voigt, auf den 9742 Stimmen entfielen. Der Wahlkreis war schon früher einmall iw liberalen Besitz. Seit 1893 war Fürst Herbert Bismarck Vertreter des Kreises.)
R a w i t s ch , 16. Dez. Bei der heutigen Reichstags- ersatz Wahl im Kreise Posen 5 wurde bis 11 abends gezählt: Wagner (Rp.) 3643 und Stychel (Pole) 8925 Stimmen. Das Ergebnis mt§ 12 Ortschaften fehlt noch; die Wahl Stpchels scheint gesichert.
Kcer unb A'oUe.
— Aus dem Militärwochenblatt, v. Sanden, Oberlt. im 1. Großherzogl. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, unter Beförderung zum Hauptm., als Komp.-Chef in das 7. Thüring. Jnf.-Negt. Nr. 96 versetzt. Luckwald, Major u. Bats.-Konunandeur im 5. Großherzogl Hess. Juf.- Regt. Nr. 168, zum Kommandeur des Landw. Bezirks Na- witsch ernannt. Brommundt, Major, aggregiert dem 1. Nassau. Jnf.-Regiment Nr. 87, unter Versetzung in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Negt. Nr. 168 zum Bats.-Kommandeur ernannt, v Pentz (Hans), Leutnant im Jnf.-Negt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, zum Oberlt. befördert. Gold mann, Leutn. im 5. Großherzogl. Hess. Jnf.- Negt. Nr. 168, in das 7. Lothr. Jnf.-Negt. Nr. 158 versetzt. Werneburg, Lt. im 1. Großherzogl. Hess. Feldart.- Regt. Nr. 25 (Großherz. Art.-Korps), in das Thüring. Hus.- Negt. Nr. 12 versetzt, v. Studnitz, Lt. der Landw.-Kav. 1. Aufgebots (IV Berlin), unter Versetzung zu den Res.- Offizieren des 2. Großherzogl. Hess. Drag.-Regts. (Leib- Drag.-Negts.) Nr. 24 vom 1. Januar 1905 ab auf ein Jahr zur Dienstleistung beim letztgenannten Negt. kommandiert. Dr. Minrath (Worms) Unterarzt zum Assist.-Arzt der Res. befördert. Dr. Nu ckelsha usen, Tr. Hochgesand (Mainz), Dr. Di eh lei (I Darmstadt), Oberärzte der Landw. 2. Aufgebots, Dr. Seitz (Frankfurt a. M.), Stabsarzt der Nes., der Abschied bewilligt.
^arlamcnfarifd) s.
— Tie Zentrumsfraktion d"s Reichstages bat folgende Resolutionen zum Etat eingebracht: 1. Zum Reichskanzleretat: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch welches Elsaß-Lothdingen als Mitglied des Reiches eine selbständige Vertretung im Bundesrat erbält. 2. Zum Etat des Reichsamtes'des Innern: Ten Reichskanzler zu ersuchen dem Reichstage möglichst bald eine Tenkschrift über di" »um Zweck der Vrodnktion, Preisfestsetzung nnd des Vertriebes von Waren, gebildeten Kartelle, Syndikate, Interessengemeinschaft vorzulegen, welcher die Vertragsbestimmungen dieser Gesellschaft an- gesügt sind.
Heising sors, 16. Dez. Der Magistrat hat trotz der Aufforderung des Gw'.verneurs, eine allgemeine Rat- hausversammlung zur Wahl von Mitgliedern in die Kreiswehrpflicht-Kommission einzuberufen, dies nicht getan imb es damit motiviert, daß die Frage noch nicht erörtert worden sei. Ter Verweser des G>out)fi:ncm('nt§ befahl die Berufung der Rathauskommission zum 29. Dezember bei einer Strafe von 1000 Mark für den Vorsitzenden und von 500 Mark für die Bejsister.
h rzloser Dämon, bald mit rührenden Tränen int Arme, dann ein höhnisches Gelächter anscklaqend, bald ein heiterer Schckm, dann eine schroffe Tvrannin, bild scheu vne ein edles Pferd, dann ans- fahrend wie eine Katze usw. 'ifto. Ein ganz unerhört reiches Leben hat der Dichter hier in einen Spiegel aufgefangen."
— Ludwig Thoma, Der heilige H i e s. Merkwürdige Schicksale d : s ho ch w ü r d i g c n Herrn Mathias Fottner von Ainhofen, Studiosi, Soldaten in.n d späterhin Pfarrherrn zu Rapperts- w y l. Mit vielen bunten und schwarzen Illustrationen von Prof. Ignatius Taschner. Nur gefunden in Original-Leinenband 5,Mk. Verlag von Albert Langen in München. „Ter heilige Hies", manchem unserer Leser wohl schon aus den „Süddeutschen Monatshefent" ist m. E. nicht nur Thomas beste Pauerngeschichite, das will beim Autor des „Agiicola" sehr viel sagen, sondern überhaupt die beste und lustigste B a u e r n g e s ch i ch t e unserer Ä?oderne. Und in Jgnat'g s Ta'chner hat diese Geschickte einen Illustrator gefunden, der d^'m Dichter vollkommen kongenial nnd ein ebenso guter und hm^orvoller Beobachter und Kenner de§ oberbaverischen. Volkslebens ist. So haben diese beiden Künstlerin gemeinsamer Arbeit ein Werk geschaffen, das nicht nur z u den a m ü s a n t e st e n und s ch ö n ft e n gehört, die seit lange erschienen sind, sondern auch ein Werk, das bleiben wird als ein w'ertvollcs kulturhistorisches Tokil- ment. „Der heilige Hies" ist, was Buchausstattung anbelangt, außerdem eins der geschmackvollsten Prachtwerke. Vis auf das eigens cntwwrfene Vorsatzpapier hat sich die liebevolle Sorgfalt des Künstlers erstreckt, der prächtige Einband, die zahlreichen bunten und schwarzen Illustrationen, die zum Truck verwendete schöne alte Tvpe und ebenso Stil und Art der Bilder sowohl wie des Textes -- das alles paßt in einer Harmonie zusammen, daß hier ein M e i ft e r w e r k d c u t s ch e n H u m ors u uddeut - j efi c r Bucht u n st vorliegt, wie mnii cs wohl noch nicht oft zu sehen bekommen hat.
— Von Sonnen und Sonnenstäubchen, .Kosmische Wandcrungcn von Wilhelm B ö l s ch e. 4.—8. Tausend. Vo IV- ausgabe. Berlin, Georg Bondi. Brosch. 2.50 Mk. — Bei dem, was Völschc in diejem Buche erzählt, belvundert man
Kopenhagen, 16. Dez,. Der Landwirtsch<r.ftsmimster! Hansen legte heute dem Folkething einen. Gesetzentwurf bor/ in dem folgendes vorgeschlagen wird: 1) die Einführ-, ung von Ursprungszeugnissen bei der Einfuhr von Butter, Käse, Eiern, Schmalz, Talg unb: Fleisch; 2) das Verbot der Einfuhr von Schm a 1 z inj. Blasen und das Verbot des Verkaufs von Mischungen! dänischen Schmalzes mit ausländischem; 3) die Einführung eines obligatorischen gemeinsamen Merkztei-! chens für alle dänische Exportbutter. :
London, 16. Dez. In hiesigen aristokratischen Kreisen- herrscht Aussehen wegen des Eintritts der Lady War-, wick in die soziald emo kr atis ch e Par tei.
Der Krieg.
Port Arthur
Paris, 16. Dez. Das „Petit Journal" berichtet aus. Petersburg: Im Schloß von Zarakoje Selo soll ein Telegramm des Generals Stössel eingelaufen sein, wonach die gesamte Flotte von Port Arthur sich tn gutem Zustande befinde. Seit einigen Monaten seien, die Schiffe unter Wasser gesetzt. Das Feuer der Japaner habe nur die oberen Teile der Schiffe beschädigt. Die r Maschinen und sonstige wichtigen Bestandteile seien unversehrt. Die Geschütze waren bereits früher entfernt. Die Russen können die Schiffe, falls die Japaner' sie stark bedrohen, völlig zerstören. Die Tatsache, bafl' sich verschiedene Schiffe nach der Seite legen, kommt daher- daß sie auf Grund gesetzt sind- wo sie durch Ebbe und Flut hin und her bewegt werden.
Tschifu, 16. Dez. (Reuter.) Sieben Russen in> Zivilkleidung, die aber, wie ihre Haltung und Wortkargheit' schließen läßt, Militärpersonen sind, und offenbar Nachrichten überbringen, sind heute aus Port Arthur inii einem offenen Segelboote hier eingetrofsen und! begaben sich ins russische Konsulat. Starker Wrnd hatte;' ihnen eine rasche Ueberfahrt ermöglicht.
Aus der Mandschurei.
Petersburg, 16. Dez. Wie General Kuropatkin deut, Kaiser von gestern meldet, ist der Kormnandeur der drittens' Armee, General der Kavallerie Baron von Kaulbars-^ gestern in Mukden eingetroffen. '
Petersburg, 16. Dez. Ter Korrespondent der „Bir- schewija Wjedomostt" in Schanguanschan telegraphiert stinem Blatte unterm 15. Dezember: Es geht das Gerücht, daß die Japaner unter Mißachtung der Neutralität Chinas sich endgiltia der Bahn Sin!- minting-Schanhaikwan bemächtigten. Auf der Station Goabandzy halten verkleidete japanische Soldaten; und drei japanische öffiviere die Reisenden auf.
Die baltische Flotte.
London, 16. Dez. Ein Kopenhagener Bericht bestreitet entschieden, daß dem Admiral RoschdjestwenSky, besohlen worden sei, nach Rußland zurückzukehren oder nicht weiter als bisher zu gehen. Andererseits^ wird aber eingeräumt, daß, wenn Port Arthur fällt, ehe das Geschwader Ostasierr erreicht hat, die Zurück- berusung sicher erfolgen werde und daß Rosch- djestwensky den Befehl hat, seine Flotte nicht dem Kampfe mit einer überlegenen Macht auszusetzen, nötigenfalls sogar einen neutralen Hasen aus zu suchen, und seine Schiffe' eher abzurüsten, als eine Niederlage zu riskieren.
700 Millionen für den Krieg.
Tokio, 16. Dez. Die Budgetkommission hat in der Negierungssorderung von 700 Millionen Jen für Kriegszwecke 41 Mill, gestrichen.
.WTO-i I., IIIIIII !!■—fl——
s ine Kunst, seine plastische und farbige Darstellnngsart; der Rinqkampf um die Erforschunq des Andromedanebels stst ebenso dichterisch gesebcn und erzählt, wie die köstliche Episode, die b 'richtet, wie Bölscke in Brieselang bei Finkenkrug zum ersten Male das geheimnisvolle Krebstier, den Apics, aus dem mo- aunen Blättergrunde eines stachen Tümpels hervorwackeln sieht. Aber wesentlicher ist noch das Wie dieser kosmischen Novellen. Varn Andromedanebel spinnt Völsche eine schrammende Kette bis §ur Erde, bis zum Lebendigen, bis zum Menschen; und vom Apns spinnt er dieselbe Kette bis zum letzten Nebelfleck, d'ssen Entfernung von uns selbst Licktjahre kaum mehr messen können. Das ist mvtbischer als die Mythen der Alten und zugleich, wenn man zwischen den Zeilen lesen will, von einem tiefen ästhetischen und ethischen Willen beseelt und dnrckiwachsen.^
— Friedrich Huch: Wandlungen. Roman. (S. Fischer, Verlag. Berlin.) Geh. 2.50 Mk., geb. 3.50 Mk. — Zwei Schicksale entwickeln sich nebeneinander, die in entgegengesetzter Richtung führen: wir sehen die langsame Trennung zweier Gatten (Wolf und Aliech die früher durch ihre Kinder vereinbar verbunden, nun, ans sich allein angewiesen, in wachsender Entfremdung ein fast gespen'isckes Zusammenleben ftihren — und auf der andern Seite vollzieht sick die Verbindung zweier Menjchcn (Hagen und Cornelie), die, äußerlich getrennt, innerlich von Anfang an für einander bestimmt, mit langsamer Kon- seauenz sich auf einander znbetvegen. Wie eine Arabeske sticht sich episodisch dazwischen — halb ernst, halb spielerisch — das zarte, schwärmerische Verhältnis Anselms zu Jasmin, die, beide an der Scbwelle des Lebens stehend, in sich das Glück gefunden zu haben wähnen, bis auch Her ihre Entwicklung eine Wandlung schasst. Diese drei in sich noch vielfach komplizierten Probleme sind in ihrer gegenseitigen Beeinflussung mit größter psvckolo- gischer Feinheit nnd Delikatesse durcligesübrt. Tiefere Svmbolik fühlt man überall, am Schluß wird sie beherrschend. Tas Werk bedeutet gegenüber den „Geschwistern", aus denen es hrraus- wnchs, eine Steigerung' >’■" bildet ihren zweiten Teil, l>esteht aber, für sich genommen, als ein selbstundiges Ganzes.


