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Nachdem die Waldfeier mit Musik und anderweiter Unterhaltung auf das schönste geendet hatte, gab eS abends im Dorf zwischen mehreren Burschen Streitigkeiten. Natürlich war der Grund Eifersucht. Einer der Burschen, der sonst einen recht guten Leumund genießt, greift zum Messer und verletzte drei andere junge Leute, darunter einen aus dem benachbarten Okarben nicht ungefährlich durch einen Stich in die Herzgegend. Der Täter ist bereits in Haft genommen worden.
B. Darmstadt, 16. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Der Zentralausschuß der deutschen evangelischen Kirchengesangvereine hielt heute vormittag hier eine Sitzung unter Vorsitz des Geh. Kirchenrats Prof. D. Köstlin ab, der den Jahresbericht erstattete. Danach beläuft sich der Betrag der Hallwachs-Stiftung auf 14 Oll Mk. Es gibt z. Zt. 22 Verbände evangelischer Kirchengesangvereine mit 151.3 Orts- und 390 Schülervereinen und 58980 aktiven und 16 200 passiven Mitglieder.
R. B. Darmstadt, 15. Mai. Der Evang. Kirchen-Gesangverein für Hessen begeht heute und morgen hier die Feier seines 25jährigen Jubiläums. Dieselbe wurde heute abend 1/26 Uhr in würdigster Weise durch einen Fe st g 0 t te s d i en st eröffnet, dem auch Se. Königs. Hoheit der Groß Herzog beiwohnte. Die Fest- seier war äußerst zahlreich besucht, auch von Vertretern aus Preußen, Württemberg-, Baden, Bayern usw. Seitens der vier vereinigten Darmstädter Kirchen-Gesangvereine gelangten zahlreiche Perlen evangelischer Chormusik zur Auf- sührung. Die Liturgie hielt Pfarrer Velde, das Schlußwort sprach L>berkonsistorialrat Petersen. Ain Wend sand eine gesellige Vereinigung statt, die von weit über tausend Personen besucht war. Vom Oberkonsistorium waren Oberkonfistorialpräsident D. Buchner und Oberkonsisto- rialräte Petersen, Merk und Flörin g erschienen. Der Letztere hielt den Vorsitz und hieß die Versammelten von nah und fern herzlich willkommen. Kirchenrat Herold aus Neustadt a d. Haardt überbrachte dem Verein die Glückwünsche Bayerns, Pfarrer Velde gratulierte namens der hiesigen ev. Stadt gemeinde, Pros. Marx namens des Frankfurter Vereins, Pfarrer D. Schlosser-Gießen bemerkte in längerer Rede, daß auch Gießen, de m n ä ch st sein25jähriges Jubiläum feiern könne, der ünter' der steten Förderung des hessischen Landesvereins so kräftig sich entwickelt habe. Er gab dann einen interessanten lieber- blick über die Entwicklung des evangelischen Kirchengesangs nnb dessen Vereine und schloß mit einem Toast auf die Gründer des Gesamtvereins, Oberkonsistorialrat Karl S e II und Geh. Rat Hallwachs. Weiter sprachen noch Direktor Keßler- Speyer und Pfarrer P ä z 0 l d aus Brackenheim, welch letzterer das schöne Verhältnis der Vereine von Württemberg und Hessen feierte. Für die eigentliche Feier boten die vier hiesigen Kirchengcsangvereine wiederum eine Reihe Chorlieder dar. Ter am Erscheinen verhinderte Mitbegründer Karl Sell sandte aus Bonn einen poetischen Glückwunsch.
Frankfurt, 15. Mai. Heute abend gegen 7 Uhr ereignete sich auf der Mainzer Landstraße, in der Nähe der Radrennbahn bei Griesheim, ein schwerer Automobilunfall. Ein Automobil kam um diese Zeit von Frankfurt in der Richtung nach Griesheim mit starker Geschwindigkeit, in dichte Staubwolken eingehüllt, und überfuhr einen Mann in den 30er Jahren und sein 5 Jahre altes Töchterchen, während die Mutter und ein kleiner Knabe unverletzt blieben. Das kleine Mädchen blieb auf der Stelle tot; der Mann trug einen schweren Bruch des linken Unterschenkels davon, Quetschungen am Kopfe und Abschürfungen an Armen und Händen. Das getötete Kind heißt Emma Noß und wohnte Fallerstraße 17 in Griesheim. Die Insassen des Wagens wurden von einem Schutzmanne zur Griesheimer Polizeiwache zum Verhör gebracht. (Fr. Ztg.)
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. In Lollar hatte am gestrigen Sonntag der Gesangverein Germania im Saale des Gastwirts Scherb Probesingen zum Sängerwettstreit in Gießen. — In Frankfurt wurde am Sonntag der Grundstein für ein neues naturhistorisches Museum gelegt.
Vermietet«
* Brüssel, 15. Mai. In vergangener Nacht erfolgte in der Wohnung des Gemeindelehrers Gilbert in Wasmuel eine V0 m b en explosi 0 n, die große Verheerungen anrichtete, aber niemanden verletzte. Die Motive dieses Attentats sind unbekannt. Die Fußspuren vom Tatort weisen nach der Wohnung eines Anarchisten. Schon vor 14 Tagen war im benachbarten Frameries bei Mons ein Bombenattentat gegen den Polizeikommissar Laga versucht worden.
* Oporto, 15. Mai. Während des Stierkampfs durchbrach ein Stier das Geländer und verletzte 20 Zuschauer, darunter mehrere schwer.
Herichtssaal.
Frankfurt a. M., 16. Mai. Vor dem S ch w u r g e r i ch t öegann heute vormittag 9 Uhr die Verhandlung gegen die Mörder des Klavierhändlers Lichtenstein. Ter AnNagebeschluß lautete: Auf Antrag der kgl. Staatsanweltschaft wird' 1. gegen den Oskar Bruno Groß, geb. am 9. Nov. 1876 zu Werdau, Kreis Zwickau in Sachsen, evangelisch, geschiedener Ehemann, zum Landsturm gehörig, vorbestraft, insbesondere wegen Diebstahls mit 8 Monaten Gefängnis, früher Fleischer, jetzt Möbelträger, zuletzt wohnhaft in Frankfurt a. M., zurzeit in Untersuchungshaft daselbst, 2. gegen den August. Friedrich Stafforst, geb. am 14. Juli 1879 zu Goslar, evangelisch, ledig, Ersatzreservist, vorbestraft, insbesondere wegen Unterschlagung mit 4 Monaten, wegen Diebstahls mit 1 Monat und wegen Münzvergehens mit 1 Monat Gefängnis, Kutscher, Hausdiener und Pferdeknecht, zuletzt in Frankfurt wohnhaft, zurzeit in Untersuchungshaft daselbst, das Hauptverfahren vor dem kgl. Schwurgericht' eröffnet, weil sie hinreichend verdächtig erschienen, zu Frankfurt a. M. am 26. Februar 1904 durch ein und dieselbe Handlung gemeinschaftlich: 1. den Klavierhändler Hermann Lichtenstein vorsätzlich getötet und die Tötung mit Ueberlegung ausgeführt zu haben, 2. mit Gewalt gegen die Person des Klavierhändlers Hermann Lichtenstein demselben gehöriges Geld in Höhe von ca. 800 Mk. sowie eine goldene Uhr nebst Kette, 2 Medaillons und 1 goldenen Bleistift, fremde bewegliche Sachen, dem Eigentümer in der Absicht weggenommen zu haben, dieselben sich rechtswidrig zuzueignen und zwar, indem durch die gegen Lichtenstein verübte Gewalt der Tod desselben verursacht worden ist. Verbrechen gegen die §§ 211, 249, 251, 47, 73 des Strafgesetzbuchs." Zu der Verhandlung sind 71 Zeugen geladen, darunter der Bruder des Ermordeten, Oekonomierat Lichtenstein hier, die beiden Brüder Stafforsts, der Glaser Max Stafforst aus Hannover und der Nachtwächter Wilhelm Stafforst aus Goslar, ferner die Braut des Groß, die Näherin Elise Koob,
. 194.90
199.60
218.26
136.62
189.37
194.99
. 199.40
. 217.60
. 136.75
. 190.00
Oest. Kredit. .
Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß .
Harpener Bergbau . .
Tendenz: Besser.
und bereit Schwester, sowie ein Frauenzimmer aus Köln, mit der Stafforst das geraubte Geld durchgebracht hat. Als Asservate befinden sich auf dem Gerichtstische die durch mindestens 10 Schläge mit einem stumpfen Instrument zertrümmerte Schädeldecke des Ermordeten, die Schnur, irfit er erdrosselt wurde, u. a. Die Verhandlung leitet Landgerichtsdirektor Fleischmann, die Staatsanwaltschaft vertreten der Erste Staatsanwalt v. Reeden und Staatsanwalt Dr. Bluhm e. Als Offizialverteidiger sind aufgestellt die Rechtsanwälte Dr. Stulz (für Groß) und Dr. Heß (für Stafforst).
m. Kinzenbach, 14. Mai. Wegen Übertretung der Polizeistunde bei dem Besuch der Spinn st üben in der Fastnacht am 24. Februar 1903 waren mehrere hiesige Hausbesitzer, sowie etwa 40 Burschen und Mädchen in Strafe von je 5 Mk. genommen worden. Fast alle Beteiligten erhoben Rekurs gegen diese vom Bürgermeister zu Krofdorf angesetzte Strafe, worauf die Strafkammer bei dem kgl. Amtsgericht zu Wetzlar unterm 9. Dez. 1903 diese auf 1 Mk. pro Person herabsetzte. Allein auch gegen dieses Urteil haben die Beteiligten Revision eingelegt, und daraufhin hat der Strafsenat des kgl. Kammergerichts in Berlin in der Sitzung vom 14. April 1904 für sämtliche Angeklagte auf Freisprechung erkannt. Daneben fallen auch die Kosten des Verfahrens, einschließlich der den Angellagten erwachsenen notwendigen Auslagen, der Staatskasse zur Last. In diesen Tagen wurde allen Beteiligten dieses freisprechende Urteil nebst einer ausführlichen Begründung zugestellt.
Zur Bankenfusion. Tic große Aktion, von der Wochen-, ja man kann sagen monatelang die Rede war, hat nun stattgefunden. Die Deutsche Genossenschaftsbank in Berlin und Frankfurt a. M. sowohl wie das Bankhaus v. Erlanger u. Söhne werden der Dresdener Bank angeschlossen, ferner die Westdeutsche Bank in Bonn und die Niederrheinische Kreditanstalt in Krefeld dem A. Schaaffhauscnschen Bankverein. Der Telegraph hat die von den bei der Aktion beteiligten Banken hcrausgegebenen Kommuniques den Zeitungen übermittelt und diese haben ihre Leser von der Uebernahme der Institute und den dadurch notwendig gewordenen Kapitalerhöhungen Kenntnis gegeben. Es sei hier noch rekapituliert, daß der A. Schaaffhausensche Bankverein sein Aktienkapital um 25 Mill. Mark und die Dresdener Bank das ihrige um 30 Mill. Mark erhöht. Das Bezugsrecht auf die jungen Aktien der Dresdener Bank wird den Besitzern der alten Aktien zu 136 Proz., und das der jungen Aktien des A. Schaaff- hausenschen Bankvereins zu 130 Proz. angeboten. Die Generalversammlung der Deutschen Genossenschaftsbank, die über das Abkommen mit der Dresdener Bank Beschluß zu fassen hat, findet am 3. Juni statt.
Märkte.
fo. Frankfurt a. M., 16. Mai. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Mk. 17.25—00.00, Kurhessischer Mk. 17.25—00.00, La Plata Mk. 17.25—18.25, Kansas Mk. 17.25—18.25, Roggen (hiesiger) Mark 13.60—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.00—15.50, Franken- selber Mk. 16,75—00,00, Hafer Mk. 12.75—14.00, Mais Mk. 11.50—12.00, Weizenmehl 0 Mk. 26.00—26.50, 2. Qualität Mk. 24.00
bis Mk. 24.50,' 3. Qualität Mk. 22.00—22.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—22.50,1. Qualität Mk. 19.50—20.00, Weitzenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 9.25, Roggenkleie Mk. 9.50—10.00, Maisreime Mk. 10.50 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Nied Mk. 00.00—000.0. Alles per 100 Kg. ab hier.
fc. Frankfurt a. M., 16. Mai. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 691 Ochsen, 212 aus Oestreich, 49 Bullen, 3 aus Oestreich, 765 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 284 Kalber, 119 Schafe und Hämmel, 1555 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70—72 Mk., 2. Qual. 62—65 Mk., 3. Qual. 58-60Mk.; Bullen 1. Qual. 64 bis 66 Mk., 2. Qual. 61—63 Mk.; Kühe 1. Qual. 68—70 Mk., 2. Qual. 63—65 Mk., 3. Qual. 69—61 Mk, 4. Qual. 46—48 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kälber: 1. Qual. 87—88Psg., Lebendgewicht 61—53 Pf., 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 48—50 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 64—66 Pfg., Schafe: 1. Qual. 68—70 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 53—00 Pfg., Lebendgew. 42 Pfg., 2. Qual. 51—52 Pfg., Lebendgewicht 41—00 Pfg., 3. Qual. 44—46 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh gut.
Kunst und Wissenschaft.
— „Die M ar k0 rn annen", ein vieraktiges Studentenstück von Arnold Straßmann, wurde im Schauspielhause in Frankfurt a. M. am Samstag zum ersten Male aufgeführt. Das Werk behandelt ein interessantes Sujet. Trotz einiger Schwächen sand es vielen Beifall, sodaß der Verfasser, ein Arzt aus Berlin, oft gerufen wurde.
Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 17. Mai, abends 7 Uhr: .Margarethe." Schauspielhaus.
Dienstag den 17. Mai, abends 7 Uhr: .Nathan der Weise/
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 14. Mai 1904.
(Mitqeteilt von der Bank sür Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 8Ve Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Dienstag, den 17. Mai 1904: Zunächst ruhig und heiter, später windig und zunehmende Bewölkung, zunächst wärmer (schwül), später Gewitterregen und kühler.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Krieskasten der Redaktion.
K. B. Versuchen Sie es einmal mit einer Mischung von zwei Teilen Schwefelblüte und einem Teil Wohlgemut (Origanum vulgare). Das Kraut des letzteren wird bei gelinder Wärme getrocknet, zu Pulver gerieben und dann werden beide Teile recht gut gemischt. Das so hergestellte Pulver streuen Sie auf die von den Ameisen heimgesuchten Stellen.
M. W. in W. Ein zuverlässiges Mittel gegen Sonnenbrand ist bisher, soweit uns bekannt, nicht gesunden worden.
^Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehender Artikel übernimmr die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Zur Frage des Türe Stehens schreibt uns noch ein deutscher Dichter aus Gießen:
Der Feger!
Nach Gießen, unsrer Heimatstadt, Die so schon so viel Narren hat, Kam plötzlich, wer hält' das gedacht, Auch noch der „Feger" über Nacht. Er macht ganz plötzlich sich bekannt Im „Anzeiger" als: „Eingesandt". Er leidets nicht, ob früh, ob spät, Wenn wer vor seiner Türe steht.
Willst an der Tür du lenzen faul, Fährt dir der „Feger" übers Maul Und schreibt zu seinem Zeitvertreib Ein „Eingesandt" dir auf den Leib.
Er unterzeichnet es mit „1‘, Schickts auf die Redaktion dann schnell. Daß jeder sehen kann zur Frist, Wie groß, 0 Herr, dein Tierreich ist.
Hast einen Laden du allhier, Steh nicht vor deiner Ladentür. Sonst kommt der Feger an in Eile Und fegt dich weg mit seiner Zeile.
Sieh niemand an mit großen Augen (Auch dies will nicht dem Feger taugen), Erwarte nicht, daß man dich grüßt, (Weil dies den „Feger" stark verdrießt.) Hast im Geschäft du nichts zu tun, So brauchst du deshalb nicht zu ruh'n, Beschäit'ge dich, wie's Feger will, Aus andre Weise, brav und still.
Es giebt ein altes Sprichwort hier: „Ein jeder kehr' vor seiner Tür." Dies scheint dem „Feger" unbekannt; Man sieht's an seinem „Eingesandt".
Wir haben zwar erst Monat Mai, Doch ich, ich denke mir da frei, Und hoff', daß jeder es begreif': Der „Feger" ist für’n Sommer reif.
Neueste Meldungen.
Originaldrahtmeldttngen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 16. Mai. Der Reichstagsabg. Bernstein erklärt in seinem neuen Montagsblatt in Bezug auf die Erklärung des „Vorwärts": Meine Tätigkeit bestand bis zum Herbst v. I. in der eines fest angestellten Mitarbeiters. Sie wurde mir im Herbst v. I. mit einer Begründung gekündigt, die sich in einigen Punkten mit der jetzt vom Genossen Buchner gegebenen deckt. Ich habe aber keinen Grund, anzunehmen, daß nicht irgend eine sonstige Eigenart meiner Artikel, sondern Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Parteifragen bei der Kündigung entscheidend waren. Die Kündigung erfolgte, ohne daß ihr auch nur die leiseste Spur eines Zwistes vorausgegangen wäre, aber auch, daß man es für nötig hielt, sich mit mir vorher in irgend einer Weise auseinanderzusetzen.
Berlin, 16. Mai. Ein Raubmord ist auf der Chaussee am Spandauer Schiffahrts-Kanal verübt worden. Dort wurde der Geschäftskutscher Otto Schemel aus Berlin von zwei arbeitsscheuen Burschen, August Piller und Edwin Job aus Spandau auf seinem Wagen ermordet und beraubt. Piller ist bereits ergriffen und geständig. Job wird noch gesucht. Schemel hatte 300 bis 600 Mk. ein- kassiert.
Berlin, 16. Mai. Im S tre i k b u r e a u derBäcker wurde festgestellt, daß von den in Frage kommenden 2260 Bäckereien 1882 die Gesellenforderungen unterschriftlich bewilligt haben. In den Ausstand getreten waren insgesamt 4088 Gesellen, davon 3475 organisierte. Streikende sind noch 1025 vorhanden, während zu den neuen Bedingungen 3063 Gesellen arbeiten. Gestern sind über 600 neue Arbeitskarten ausgegeben worden gegen 410 am Tage vorher.
Rosenberg (Westpr.), 16. Mai. Der verheiratete Po st vermalter Pieske aus Bischofswerder wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen an Schulmädchen in 6 Fällen zu 4 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.
London, 16. Mai. Seit gestern zirkulieren in Paris und hier Gerüchte, daß Port Arthur gefallen ist. Offizielle Bestätigung fehlt.
Petersburg, 16. Mai. Meldungen auS Liaoyang zufolge sind die Hafendämme, Docks und Quais in Dalny durch die Russen gesprengt worden. Die Stadt selbst soll vernichtet werden, sobald die Fortschaffung der Bewohner gelingt. Man nimmt an, daß die Japaner in Kwantung nur eine Demonstration beabsichtigen und alle Streitkräfte gegen Liaoyang richten werden.
L. St. Louis, 16. Mai. Kaiser Wilhelm sandte dem Gouverneur Fran eis, dem Präsidenten der Weltausstellung, telegraphische Glückwünsche zu dem Erfolge der deutschen Ausstellung. Das Telegramm schließt mit den Worten: „Empfangen Sie meine besten Wünsche für den Erfolg der großen Ausstellung, die, wie ich glaube, zur Stärkung des Weltfriedens durch die Erleichterung beitragen wird, die sie den konkurrierenden Nationen für wechselseitiges Studium bietet".
Telephonischer Kursbericht.
31/%°/o Reicheanleibo . . 102.— 3% do. ... 89.60 SV,"/» Konsole .... 101.65 30/n do.....89.65
V/o% Hessen .... 99.85 3*/,% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 100.70 4*/6% Oesterr. Silberrente 100.00 4% Ungar. Goldrente . . 98.80 40/? Italien. Rente , . . 102.55 4'1,% Portugieser , . . 69.70 so/ Portugiesen.....58.50
1% C. Türken .... —
Türken! ose......126.80
4% Grieoh. Monopol.-Anl. 46.00 41/, % äussere Argentinor 43 30
ennkiurt a. 31., 16. Mai.
3O/o Mexikaner ... 26.50 4>/2% Chinesen .... 85.85 Electric. 8ohuckert . . . 105.90 Nord4. Lloyd . . . . 103 00
Kreditaktien . ... 199.30
Diskonto-Komroandit. . 183.70
Darmstädter Bank . . 136.60
Dresdener Bank .... 151.70 Berliner Handelsges. . . 152.70 Oesterr. Staatsbahn . . . 135.80 Lombarden.....13.60
Gotthard bahn .... 191.—
Laurahütte...... 239.00
Bochum.......189.70
Harpener ... 195.20
Tendenz: still.
Dem Kaiserlichen Aufsichtsamt für Privatversicherung unterstehen außer den öffentlichen Anstalten, den Hülss-, Untersttttz- ungs- und Knaovschasts-Kassen, nicht die Transport- und Rückversicherungs-Gesellschaften, die Versicherung gegen Coursverluste, sowie die Gesellschaften, deren Geschäftsbetrieb sich auf einen Bundesstaat beschränkt. Die Kosten des Amtes trägt das Reich, jedoch werden von den seiner Aufsicht unterstellten Unternehmungen alljährlich Gebühren erhoben, die onnäbcrub die Hälfte der Kosten ausmachen sollen, sodaß also auf das Reich und die Versicherungs- Gesellschaften je die Hälfte der Kosten entfällt. Die Gebühren für das Jahr 1903 sind berechnet nach den Prämieneinnahmen, der Gesellschaften im Jahre 1902 aus den im Deutschen Reich laufenden Versicherungen abzüglich der znrückgewährten Gewinnanteile. Die Kostenoerteilung giebt einen sicheren Maßstab für die absolute Größe der einzelnen vom 9lmte zu beaufsichtigenden Gesellschaften, ohne Rücksicht auf die Art der Versicherungszweige. Die gesamte gebührenpflichtige Prämieneinnahme aller beteiligten Unternehmungen beträgt Mk. 592 024 329, davon entfällt nach der Festsetzung des Amtes auf die Viktoria Mk. 59503735, also mehr als der zehnte Teil. So beweist diese Kostenverteilung wieder, was auch sonst hinlänglich bekannt ist, daß z. Z. die Viktoria die größte deutsche Versicherungs-Gesellschaft ist. Die nächste Gesellschaft zahlt noch nicht die Hälfte, ist also noch nicht halb so groß, wie bte Vit toria. 401


