Ausgabe 
14.6.1904 Erstes Blatt
 
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Käthchens Kunststücke auf einer Kugel waren sehr bewunderns­wert; fic dirigierte mit ihren kleinen Füßen die Kugel auf der schiefen Ebene eines schmalen Brettes auf- und abwärts. Auch im Ballspiel mit Messern, brennenden Fackeln :c. hatte sie große Fertigkeit; die beiden anderen Schwestern standen nicht zurück, die eine als äußerst gewandte Turnerin und die andere beim Balancieren verschiedener Gegenstände, z. B. brennender Lampen. Die heiteren Zwischenspiele der Clowns uahmen einen großen Teil im Programm ein. Bemerkens­wert sind noch die Tänze und Stabkünste dreier Neger und die Vorführung dressierter Hunde. Das Programm des Theaters verspricht, Abwechslungen zu bringen.

j. Laubach, 14. Juni. Das althergebrachte Aus- schußfest fand bei günstigstem Wetter von Sonntag bis Dienstag statt. Der Festzug, bestehend aus weiß gekleideten Schulmädchen, den Schützenabteitungen nnd zwei Musikkorps, zog am Montag vormittag 10 Uhr vor das Schloß, wo der diesjährige Schützenhauptmann, Schreiner Stotz, der Ver­dienste des Grafcnhauses gedachte und ein Hoch mit der Schützenmannschaft auf die gräfliche Familie ausbrachte, in welches die zahlreichen Anwesenden einstimmten. Graf Otto dankte und brachte der Stadt Laubach ein Hoch. Sodann empfingen Schulkinder den Ehrenpreis des Grafen, einen Hammel, und nun ging der Zug auf den Fesiplatz, wo das Wettschießen begann. Den ersten Preis, den Hammel, er­rang Maurer Stengel, zu desien Wohnung abends feierlich der Hammel geleitet wurde. Am Nachmittag des Dienstag fanden die üblichen, besonders für die Jugend ergötzlichen Spiele statt, besonders der Hahnenschlag. Ein Kind, dem die Augen verbunden werden, schlägt mit einem Dreschflegel und will eine Schüssel treffen; die Menge ermuntert seine Versuche mit dem ortsüblichenHag" (sprich hak). Das ganze Fest, an dem sich auch Graf und Gräfin nebst Kindern be­teiligten, nahm einen schönen Verlauf in der seit alter Zeit üblichen Weise. Der hiesige Stadtvorfland hat sich bereit erklärt, der Regierung einen bedeutenden Beitrag zu den Ko st en der Erbauung eines neuen Amtsgerichts zur Verfügung zu stellen.

R. 8. Darmstadt, 14. Juni. (Eigener Draht - bericht). Vor dem Schwurgericht stand heute die Anklage wegen Körperverletzung mit tätlichem Ausgang gegen den Maurer Reinhardt aus Affolterbach. In der verflossenen Nacht hat sich nun der Hauptzeuge, der Bruder des Ge­töteten, Georg Schwöbel, erhängt, und damit ist wieder .die in letzter Zeit so auffallend große Reihe der Selbstmord fälle um einen neuen Fall vermehrt worden.

Darmstadt, 13. Juni. Anschließend an die kürzlich in Kassel stattgehabte Versammlung deutscher Fahrrad­fabrikanten fand heute in Darmstadt eine neue Ver­sammlung statt, welche den ausschlaggebenden Teil der Produktion vertrat und woran sich auch Firmen beteiligten, welche bei den letzten Verhandlungen in Kassel nicht ver­treten waren. . Nach dem Verlauf der Verhandlungen ist die Gründung einer Konvention als gesichert anzusehen, sofern noch einige wenige Firmen, welche nicht anwesend sein konnten, noch in den nächsten Tagen beitreten. Die Grund­lage der Konvention soll die Kontingentierung bilden, um die Produktion in Uebereinftimmung mit dem Be­darf zu bringen und eine Festigung der Preise zu erzielen.

R. B. Darmstadt, 13. Juni. Wie uns mitgeteilt wird, hat die Abteilung für Schulangelegenheiten Großh. Ministeriums des Innern vor kurzem auf Gesuche einzelner Interessenten den Bescheid erteilt, daß die oberste Schul­behörde nicht abgeneigt sei, der Errichtung eines Realgymnasialkurses für Mädchen ihre Mit­wirkung zu leihen. Da staatliche Mittel indessen zurzeit nicht zur Verfügung stehen, könne der Angelegenheit nur dann näher getreten werden, wenn 1. mindestens 6 dem Lebensalter und der Vorbildung nach geeignete Schüler­innen bestimmt angemeldet werden könnten und 2. der Nachweis erbracht werde, daß die aus der Errichtung der Anstalt erwachsenden Kosten für deren er'"ies Verwaltungs­jahr vollständig von den Interessenten übernommen wer­den. Diese Entschließung der Ministerialabteilung ist grundsätzlich sehr wichtig und erfreulich. Zeigt sie doch, daß man an maßgebender Stelle dem Problem einer dem höheren Unterricht der männlichen Ausbildung gleich­wertigen Ausbildung der Mädchen besondere Aufmerk­samkeit zuwendet und geneigt ist, die Reform staatlicher­seits zu fördern und zu leiten, sofern nur die genügende Beteiligung gesichert ist. Anmeldungen nimmt die Aus­kunftsstelle der Darmstädter Ortsgruppe des allgemeinen deutschen Frauenvereins entgegen.

Mainz, 13. Juni. Die vom Rhein-Main-Gau des Alldeutschen Verbandes am Sonntag veranstaltete Festf ahrt zum Niederwald nahm einen glänzenden Verlauf; über 200 Teilnehmer hatten sich aus allen Teilen des Gaues zusammengefunden, um der Feier beizuwohnen, deren Höhepunkt eine Kundgebung vor dem Nationaldenkmal bildete. Dort hielt Landrichter Alt en d orf-Mainz, nach­dem die Klänge derWacht am Rhein" verrauscht waren, eine Ansprache, in der er zu strengster Auffassung und Er­füllung unserer Pflichten dem Volksganzen gegenüber auf­forderte. Mächtig brauste das LiedDeutschland, Deutsch­land über alles" dem Denkmal entgegen. Nach dieser Feier begab man sich zum Jagdschloß, wo das gemeinsame Mahl eingenommen wurde; während des Essens brachte Amtsrichter Dr. Mahr-Darmstadt einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Gerichtsassessor Dr. Winkler gedachte der Aufgaben des Alldeutschen Verbandes und der Verdienste seiner Führer. Der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtverbandes, Rechts­anwalt Claß-Mainz antwortete in einer Ansprache, in der er den dem Verbände gemachten Vorwurf zurückwies, als pflege er den nationalen Pessimismus, und meinte, daß die Auffassung und Tätigkeit des Alld. V. Zeugnis ablege für Lebensbejahung, für die Freude am eigenen Volkstum, dessen Zukunft die Arbeit gelte. Ingenieur Becker-Offenbach ge­dachte der Frauen und der ihnen obliegenden nationalen Pflichten. Nach dem Esten verrannen die Stunden in an­geregter Unterhaltung, worauf über Aßmannshausen die Rück­fahrt angetreten wurde.

p. Braunfels, 13. Juni. Die hiesige freimütige Feuerwehr feierte gestern im Tiergarten ihr fünf- undzwanzigjähriges Stiftungsfest, das einen recht guten Verlauf nahm. Von benachbarten Feuerwehr­vereinen beteiligten sich: Gießen, Weilburg, Ehrings­

hausen, Löhnberg, Mengerskirchen, Niedershausen und Emsthausen. Auch Se. Durchlaucht Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels weilte mehrere Stunden mit Gemahlrn und Kindern auf dem Festplatz.

p. Burgsolms, 13. Juni. Hier hat in den letzten Tagen durch Herrn Martell-Wetzlar für eine bis jetzt un­bekannte ^Gesellschaft ein größerer Geländekauf statt- gesunden. Der Gesamtpreis soll annähernd 50000 Mk. be­tragen: die Rute wurde mit 18 Mk. bezahlt. Man nimmt allgemein an, daß hier ein größeres industrielles Unternehmen geplant ist. Es wäre dies unserem Ort, in dem der ,Zechte" Bauersmann eine seltene Erscheinung geworden ist, sehr zu wünschen, zumal es den Anschein hat, als ob die größte Firma des Ortes, die Buderus- schen Eisenwerke, ihren Betrieb immer mehr nach ihrer Zentrale Wetzlar zöge.

Wiesbaden, 13. Juni. Der Landwirt Georg Becht aus Delkenheim, welcher noch unlängst bei Gelegen­heit der Einweihung der neuen Rheinbrücke dem Kaiser vorgestellt wurde, ist im Alter von 100 Jahren 7 Monaten gestorben.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das Darmstädter Wohltätig­keitsfest zum Besten des Russischen Roten Kreuzes schließt mit dem alle Erwartungen übersteigenden Reinertrag von 30 750.34 Mk. ab.

Vermischtes.

* Berlin, 14. Juni. Ten Morgenblättern zufolge wurde der vierzigjährige Zuhälter Lenz unter dem Verdacht, an der Ermordung der kleinen Lucie Berlin, deren Rumpf dieser Tage am Schiffbauerdamm gelandet wurde, beteiligt zu sein, verhaftet.

* M a i l a n d, 13. Juni. Von den bei Pragelato (Piemont) Mitte April durch eine Lawine Verschütteten wurden in­folge Schmelzen des Schnees weitere 11 Leichname auf­gesunden.

* Palermo, 13. Juni Auf offener Straße schoß der Gymnasialprofessor Mainone den Arzt Skar- zella nieder. Ter offenbar wahnsinnig gewordene Angreifer gab an, er habe sich rächen wollen, weil ihm der Arzt bei einer Operation Tuberkulose eingeimpft habe.

* Wien, 13. Juni. Nach der Feier der Denkmals- Enthüllung für Lanner und Strauß wurde der Bürger­meister Lueger auf dem Zentral-Friedhose von einer Frau mit einem Regenschirme angegriffen. Sie stürzte sich mit den Worten: 12 Jahre suche ich Dich, nun habe ich Dich, auf ihn los. Ehe sie zuschlagen konnte, war sie erfaßt. Es handelt sich anscheinend um eine Geisteskranke^

* Ein Unfall in den Alpen. Der Studierende der Chemie S ch r o f aus Wiesbaden ist von der Dreitorspitze ab­gestürzt. Eine Rettungsexpedition ging von Garmisch ab. Wahr­scheinlich ist Schrof tot.

Landwirtschaft.

Auf ein Huld igungste leg ramm an den Kaiser von den zu Potsdam versammelten Raiffeisen-Genossen­schaften Deutschlands traf folgendes Antworttelegramm ein:

Herrn Aufsichtsratsvorsitzenden Kaulen, Zurzeit Bürgershof, Klein-Glienicke. Seine Majestät der Kaiser und König haben sich über den freundlichen Gruß der in Allerhöchstihrer Residenz Potsdam aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes versammelten Vertreter ländlicher Raiffeisen-Eienosfenschaften gefreut und lassen der treuen Arbeit des Generalverbandes an der Förderung der deut­schen Landwirtschaft auch ferner Gottes Segen und reichen Erfolg wünschen. Auf Allerhöchsten Befehl: der Geh. Kabinettsrat Lucanus."

(z.) Lauterbach, 12. Juni. Interessenten und Freunde der Ziegenzucht werden auf die vom Kreis-Ziegen-Zuchtverein Lauterbach am nächsten Donnerstag, den 16. Juni, in Lauter­bach mit dem sog. Prämienmarkt veranstalteten Sa an er Ziegen schau nebst Zuchtviehmarkt besonders aufmerk­sam gemacht. Es werden eine größere Anzahl Tiere zur Schau und zum Verkauf gebracht werden. Auch ist beabsichtigt, die Tiere der Provinzial-Ziegenzuchtftation Lauterbach aus dem Markte auszustellen. Zweifellos wird der Markt reichlich Ge­legenheit zum Ankauf von gutem Zuchtmaterial bieten. Daß der Kreisziegenzuchtverein Lauterbach bereits etwas Tüchtiges leistet, beweist, daß er aus der vorjährigen großen landw. Provinzial- Ausstcllung zu Gießen den Sieger-Ehrenpreis der Großh. Hess. Staatsregierung für große Sammlungen im Betrage von 100 Mk. sowie 12 Einzelpreise und Anerkennungen auf 15 ausgestellte Tiere errungen hat.

() Marburg, 11. Juni. Mit den Morgenzügen trafen heute mehrere hundert heffische Landwirte, hauptsächlich aus Niederhessen, hier ein, um an der ordentlichen General-Ver­sammlung der Zentralgenossenschaftskasse und der Landwirtschaftlichen Genossenschaften für den Regierungsbezirk Kassel und die angrenzenden Gebiete teilnehmen zu können. In der Vormittagsversammlung int großen Museums- saale ftihrte Bürgermeister Massie-Niederzwehren den Vorsitz. Er wies auf die hohen Vorteile des genossenschaftlichen Zusam­menschlusses hin und betonte, daß man in der Landwirtschaft Theorie und Praxis bereinigen müsse, um vorwärts zu kommen. Der vor 21 Jahren in Offenbach mit 278 Genossenschaften ins Leben gerufene Verband zähle jetzt bereits 11000 Genossenschaf­ten in ganz Deutschland. Nach Erledigung des Geschäftsberichts durch den geschäftsführenden Direktor Böhme-Kassel erledigte man die Wahlen. Als Vorsitzender wurde Sinmng-Bettenhausen gewählt. Herr Böhme betonte dann in längerem Vortrag die Nützlichkeit des Checkverkehrs für die Landwirte und zum Schluß dankte der Vorsitzende den Ehrengästen Prof. Dr. Enneccerus und Prof. Dr. Tröltsch aus Marburg für ihr Erscheinen. An das gemeinsame Mahl schloß sich dann unmittelbar der Verbandstag der landwirtschaftlichen Genossenschaften für den Regierungsbezirk Kassel und angrenzende Gebiete an. Ten Vorsitz führte Herr Prof. Dr. Enneccerus-Marburg. Nach Erledigung der geschäft­lichen Angelegenheiten sprach Prof. Dr. Tröltsch-Marburg über die Wichtigkeit der Haftpflichtversicherung für die Landwirte und Generalsekretär Dr. Grabein-Darmstadt überDen Reichsverband der deutschen Genossenschaften". Da bei der Vorstandswahl Pros. Dr. Enneccerus auf eine Wiederwahl verzichtete, wurde Prof. Tr. Tröltsch als Vorsitzender gewählt.

Aus Kurhessen wird derFrkf. Ztg." geschrieben: Gutem Vernehmen nach hat die Staatsregierung mit den hessischen Kornhaus-Genossenschaften Kassel, Hof­geismar, Zierenberg, Hoheneiche und Hanau neue, auf einen größeren Zeitraum lausende Pachtverträge abgeschlossen, so daß der Fortbestand der hessischen Komhäuser gesichert ist. Der jetzt abgelaufene Pachtvertrag währte fünf Jahre.

Herichtssaat.

Berlin, 13. Juni. Wegen Beleidigung des früheren Rechts- anwaltes Dr. Fritz Friedmann wurde heute vom Schöffen­gericht der verantwortliche Redakteur der Staatsbürgerztg. Erich Karniner zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt. Das genannte Blatt hatte den Dr. Friedmann darauf aufmerksam gemacht, daß er seiner Gattin gegenüber es ist die dritte! aus seinen Brettl- sahrten nicht immer das nötige Gedächtnis gewahrt habe, so daß die Frau, um nicht verhungern zu müssen, Buffetdame wurde. Fran Friedmann sagte über die Unschuld ihres Mannes vor dem Schöffengericht u. a. aus, daß ihr Ehemann sich im September 1903 von ihr getrennt habe. Seit 9 Monaten habe er ihr im ganzen 65 Mark zugestellt, obgleich er wußte, daß sie ihre 60jährige Mutter zu ernähren hatte. Jetzt liege sie mit dem Privatkläger in

Scheidung. Als sie ihn in Würzburg mit seiner jetzigenBraut^ angetroffen, sei sie von ihm und seiner Begleiterin verprügelt worden. Ter Gerichtshof hielt eine Beleidigung nur nach § 185 für vorliegend, nicht aber den § 186, da der Wahrheitsbeweis tm wesentlichen erbracht sei. Der Schutz des § 193 stehe dem Ange­klagten nicht zur Seite, denn der Artikel behandele nur Vorgänge aus einem privaten Eheleber,. Ta der Artikel des Privatklägers als des früheren Vorsitzenden des VereinsWaldeck" gedenke und auf seineRasse" Hinweise, so habe man den Eindruck, daß einem früheren politischen Gegner ein Schlag versetzt werden sollte. Die Absicht der Beleidigung sei deutlich erkennbar.

St. Johann, 13. Juni. Im Beleidigungsprozeß Krämer wurde der Angellagte, der frühere Bergarbeiter Krämer, wegen Beleidigung in zwei Fällen zu drei Monaten Ge­fängnis verurteilt. Krämer beschuldigte im März 1904 durch zwei Flugblätter die königl. Bergwerksdirettion der Arbeiter­entrechtung, Vergewaltigung und Unterdrück- u n g.

Sport.

D i eW andere r", G. R.-G. veranstalten am 26. Ium d. Js. auf dem Sportplätze an der Hardt große R a d w e t t - fahren. Den Ehrenvorsitz im Wettsahr-Ausschnß haben bereit­willigst übernommen die Herren Professor Dr. Brauns, Rektor der Landes-Universität, Herr Tr. Breidert, Provinzial-Direktor, Herr Kullmann, Landgerichtspräsident, Herr v. Grävenitz, Oberst und Reoimentskommandeur, Herr Mecum, Oberbürgermeister. Es sinden 9 R mnen statt, darunter ein Motorfahren 6000 Meter und cm Niederrad-Hauptfahren mit einspuriger Motorführung 20000 Meter. Ten Siegen, fallen kostbare Ehrenpreise zu. Tie ofsizielle Aus­schreibung ist bereits erfolgt. Alle Nennungen unter Angabe der Lizenznummer und Beifügung der Einsätze sind bis spätestens Montag, den 20. Juni, abends 6 Uhr, zu richten an den Vor­sitzenden des Sport-Ausschusses Gustav Mund, Gießen. Spätere Meldungen können satzungsgemäß nicht berücksichtigt werden.

Paris, 13. Juni. Bei den geftriqen großen Rennen wurden im ganzen 4 7 8 0 000 Frcs. in Rennen umgesetzt. Die Wetten für das Rennen um den Grand prix beliefen sich auf 1 590 000 Frcs. An Eintrittsgeld wurden insgesamt 315 000 Frcs. vereinnahmt

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 13. Juni 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Oest. Kredit....201.37 Deutsche Bank . . . 219.10 219.12

Darmstädter Bank . . 137.75 137.50

Bochumer Guß . . . 189.10 189.50

Harpener Bergbau . . 199.00 198.90

Tendenz: Ziemlich fest.

Wetzlar, 12. Juni. Der Jahresbericht der hiesigen Handelskammer für das Jahr 1903 hebt mit der Fest­stellung an, daß die Genesung des geschäftlichen Lebens von dem Niedergang des Jahres 1901 im Berichtsjahr weitere Fort­schritte gemacht hat. Als Beweis dafür wird zunächst die als sicheres Merkmal anzusehende Mehrung der Bettiebsüberschüsse der Eisenbahnen (1901: 517 Millionen: 1902: 541 Mill.: 1903 schätzungsweise): 607,9 Mill. Mark, sodann die Tatsache an­geführt, daß aus dem Arbeftsmartt Nachfrage und Angebot während des Jahres 1903 sich beinahe so günstig gestaltet hatten wie in den Tagen der Hochkonjunktur von 1900. Der Grund für diese Erscheinung wird einmal der vermehrten Sautätigfeit, zum anderen der müderen Witterung des Herbstes zugefchrieben, welche es gestattete, Arbeiten an Bauten und im Boden bis gegen Weihnachten auszuführen, was für die große Zahl der ungelernten Arbeiter eine wesentliche Erleichterung bedeutete. Er­freulich war es auch, daß der Bedarf des heimischen Marktes gerade zu einer Zeit wuchs, als die außergewöhnlich große Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten nachzulassen begann. Ten Wert der Einfuhr des Jahres 1903 gibt der Bericht auf 5 983 530 000 Mark an, während die Ausfuhr auf 4 979 573 000 Mk. bewertet wird. In beiden Fällen sind die Edelmetalle nicht mitgerechnet. Gegen das Jahr 1898 weift die Einfuhr eine Steigerung von beinahe 900 Millionen, die Ausfuhr eine solche von beinahe V/t Milliarden Mark auf.

Märkte.

Gießen, 14.Juni. Marktbericht. Ans heutigem Wocbenmartt kosteten: Butter pr. Pfd. 0.901.00 Mk., Hühnereier 1 St. 56 Pfg. 2 Stck. 0000 Psg., Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier 70 Psg Käse pr.Stck. 68 Ps., Käsematte 2 Stck. 5-6 Psg. Erbsen pr. Liter 21 Psg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar0,801,00 Mk., Hühner pr.St. 1,301,40 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,70 Mk., Enten pr. Stück! 77,12,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 0070 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 0080 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6072 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6876 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,007,00 Mk., Weißkraut per Stück 912 Pfg., per Zentner 0.000.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 7,0010,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg., Aepfel per Zentner 20 bis 25 Mk., in Körben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Psg. Kirschen per Psd. 2530 Pfg. Marktzeit 71 Uhr.

)( Grünberg, 11. Juni. Aus dem heutigen W o ch e n m a rkt wurden verkauft: Korn, per Ztr. 7.00 Mk.; Kartoffeln, per Ztr. 2.252.30 Mk. Butter kostet 0.901.00 Mk. per Pfund, Eier per Stück 5 Pfg.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 15. Juni 1904: Zeitweise wolkig, bei milderer Nacht tagsüber wärmer, vielenorts Gewitterregen.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Temperatnr der Lah« und der Luft am 14. Juni 1904.

Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.

Wasser 19°, Luft 24°.

Albert Rübsamen.

Ncnelte Wetdiiilgen.

Originaldrahtmeldttugen des Gietzeuer Anzeigers.

Berlin, 14. Juni. Der Ausschuß der Berliner Aerzte-Vereine hat gestern einstimmig eine Resolution angenommen, in der das Ministerium ersucht wird, dem Lichterfelder Krankenhause von Prof. Schwcninger die Berechtigung zur Ausbildung von Aerzter' fernerhin zu versagen.

Berlin, 14. Juni. Zur Anbahnung einer reichst gesetzlichen Regelung des Automobil wese ns wird gegen Ende dieses Monats im Ministerium des Innern f'nC Konferenz von Regierungsvertretern und Mitgliedern der größeren Sport-Vereinigungen, insbesondere des mitteldeiitschen Motorwagen-Vereins stattfinden. Man beabsichtigt, cinheu- liche Normen für das ganze Reich aufzustellen. Damit wir auch die wichtige Frage der allgemeinen Einführung von Geschwindigkeitsmessern zur Erörterung gelangen.

Berlin, 14. Juni. Wie derVorwärts" mitteilt, ü der Antrag auf Ausschluß des früheren Reichstagsabgcord- neten Dr. Heinrich Braun aus der s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n Partei von dem zu diesem Zwecke eingesetzten Schiedsgericht abgelehnt worden. Wie dasBerl. Tagebl." hör^, finden im Kultusministerium schon seit acht Tagen fünf- bi sechsstündige Beratungen über die gesetzgeberische Formulining des Schul-Kompromiß-Antrages statt. Bei den