Ausgabe 
9.7.1904 Zweites Blatt
 
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Burkhardsfelden, Climbach, Flensungen, Flensnnger-Hof, Geils­hausen, Göbelnrod, Groß-Eichen, Grünberg, Harbach, Ilsdorf, Kesselbach, Lauter, Lehnheim, Lindenstruth, Londorf, Lumda (Groß- und Klein-), Merlau, Odenhausen, Queckborn, Reinhardsham, Reiskirchen, Saasen mit Bollbach, Beitsberg und Wirberg, Solms- Ilsdorf, Stangenrod, Steinbach, Stockhausen, Trais o, o. Lumda, Weickartshain, Winnerod. Einwohner 17 754.

10. Wahlkreis Homberg. Appenrod, Arnshain, Berns­burg, Bernsfeld, Bleidenrod, Büßfeld, Burg-Gemünden, Dannenrod mit Neu-Ulrichstein, Deckenbach, Ehrmgshausen mit Oberndorf, Elpe»,rod, Erbenhausen, Ermenrod, Gleimenhain, Gontershausen, Haarhausen, Hainbach, Heimertshausen, Höingen, Homberg, Kirsch­garten, Kirtorf, Lehrbach mit Schmitthof, Maulbach, Rieder- Gemündell, Nieder-Ofleiden, Nieder-Ohmen mit Köntgsassen, Ober- Gleen, Ober-Ofleiden, Ober-Ohmen, Ohmes, Otterbach. Rüddings- hausen, Rülfenrod, Ruhlkirchen, Ruppertenrod, Schadenbach, Seibelsdorf, Unter-Seibertenrod, Wäldershausen, Wahlen, Weiters- hain, Wettsaasen. Zellbach. Einwohner 17 496.

1L Wahlkreis Alsfeld. Alsfeld, Altenburg, Angenrod, Bieben, Billertshausen mit Gethürms, Brauerschwend, Eifa, Elben­rod, Eudors mit Dotzelrod, Fischbach, Groß- und Klein-Felda mit Schellnhausen, Heidelbach, Hergersdorf, Hopfgarten. Kestrich, Köd­dingen, Leusel, Liederbach mit Oberod, Münch-Leusel, Nieder- Breidenbach, Ober-Breidenbnch, Ober-Sorg, Rainrod, Reibertenrod, Reirnenrod, Renzendorf, Romrod, Schwabenrod, Schwarz, Slorn- dorf, Strebendorf, Stumpertenrod, Unter-Sorg, Badenrod, Vocken­rod, Windhausen, Zell. Einwohner 18 321.

12. Wahlkreis Lauterbach. Allmenrod, Angersbach, Bernshausen, Blitzenrod, Dirlammen, Eisenbach, Eulersdorf, Frau-Rombach, Frischborn, Grebenau, Hartershausen, Heblos, Hemmen, Hutzdori, Landenhausen, Lauterbach, Maar, Nieder-Stvll, Ober-Wegfurth, Pfordt, Queck mit Wehnerts und Sassen, Reuters, Rinlbach, Rimlos, Rudlos, Sandloffs, Sassen-Hof, Schlitz, Schlitzer Wald IVII, Sickendorf, Udenhausen, Uellershausen, Uetzhauseu, Unter-Schwarz mit Rechberg, Ullter-Wegfurch, Wallenrod, Wallers­dorf, Wernges, Willofs. Einwohner 17 898.

13. Wahlkreis Herbstein. Altenhain, Altenschlirf, Bannerod, Bermuthshain, Bobenhculsen II, Crainfeld, Eichelhain, Elchenrod, Engelrod, Feldkrücken, Fleschenbach, Freiensteinau, Grebenhain, Gunzenau, Heisters, Helpershain, Herbstein, Höckers­dorf, Hörgenau, Holz-Mühl, Hopfmannsfeld, Ilbeshausen, Jlbes- häuser Wald, Kölzenhain, Lanzenhain, Meiches, Metzlos, Metzlos- Gehaag, Nieder-Dtoos, Nösberts, Ober-Moos, Ober-Seibertenrod, Petershainer Hof, Rad-Mühl, Rebgeshain, Reichlos, Rixfeld, Salz, Schadges, Schlechtenwegen, Schmitten, Sellnrod, Steinsurt, Stock­hausen, Ulrichstetn, Vaitshain, Weid-Rtoos, Wohnfeld, Wünsch- Moos, Zahmen. Einwohner 17 081.

14. Wahlkreis Schott en. Betzenrod, Breungeshain, Burk­hards, Busenborn, Eichelsachsen, Eichelsdorf, Einartshausen, Eschen­rod, Freienseen, Gedern mit Schönhausen, Götzen, Gonterskirchen, Hartmannshain, Herchenhain, Kaulstoß, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Laubacher Wald IIII, Merkenfritz, Michelbach, Mittel- Seemen, Nreder-Seemeli, Ober-Seemen mit Altenfeld, Rainrod, Rudingshain, Ruppertsburg, Schotten. Sichenhausen, Stockhäuser- Hof, Stornsels, Ulfa, Bolkartshain, Wenings, Wernings, Wetter­feld, Wingershausen. Emwohner 18 764.

15. Wahlkreis Nidda. Bad Salzhausen, Bellmuth mit Bieberberq und Steinkaute, Bergheim, Verstädter-Mark, Bingen­heim, Bleichenbach, Blofeld, Babenhausen I, Borsdors, Conrads- dort, Dauernheim, Dauernheimer Hof, Eckartsborn, Effolderbach, Fauerbach b. 9si Geis-9tidda, Gelnhaar (Domanral), Gelnhaar (Isenburg), Glashütten mit Igelhausen mrd Strefthain, Grund- Schwalheiin, Harbwald mit Glaubzahl, Hirzenhain, Kohden, Liß- berg mit Breitenhaide, Leustadt, Atichelnau, Nidda, Ober-Mockstadl, Ober- und Unter-Lais, Ober-Schmttten, Ober-Widdersheim, Orten­berg, Rabertshausen I, Rabertshausen II, Ranstadt, Reichelsheimer Anteil an der Bingenheimer Mark, Ringelshaufen, Schleifeld, Schwickartshausen, Selters, Steinberg, Stockheim, Urtter-Schmitten, Unter-Widdersheim, Usenborn mtt Louisenlust und Stollberger Wal^ Wallern Hausen mtt Hof Finkerttoch, Wippenbach. Einwohner

16. Wahlkreis Büdingen. Allenstadt, Altenstädter Markwald, Alt-Wiedermus, Auleri-Diebach, Betten, Beundehof, Bindsachfen, Bös-Gesäß, Büches, Büdingen, Büdinger Wald mit Tiergarten, Büdinger Markwald, Burabracht, Calbach, Diebach am Baag, Düdelsheim, Dudenrod mit Christinenhof, Eckartshausen, ckartshäuser Oberwald, Eckartshäuser Unterwald, Engelthal, Erb- .stadter Domanialwald, Glauberg, Harnchen, Hain-Gründau, Hardeck, Heegheim, Himbach, Hltzkirchen, Höchst a. d. N., Höchster Wald, Illnhausen, Kefenrod, Langeii-Bergheim, Lmdhelm mtt Ensheim, Lorbach mit Herrichaag, Dtarienborn, Michelau, Mittel-Gründau, Mittel-Gründau Ortsbez., Oberau, Orleshausen, Pferdsbach, Rinder- bügen, Rodenbach, Rohrbach, Rohrbacher Wald, Rommelhausen, Ronneburg Hof, Ronneburger Wald, Unter-Diebach, Bonl)au en. Wolf. Einwohner 17 805.

Deutschamerikaner giebt eS nicht?

Zir den Gästen der 50jährigen Jubelfeier der Wis­consiner Staatsuniversität in Madison ge­hörte auch der deutsche Reichskommissar für die Welt- aussteUuna, Geh. Oberrcgierungsrat Dr. Lewald, welcher während der Festtage von dem Vorsteher derGermania" rn Milwaukee über seine Ansichten betreffs des Deutsch- amerrkanertums interviewt wurde; Dr. Lewald sagte:Von Deutschtümelei der Deutschamerikaner, wie solche hin und wieder von unverständigen Leuten versucht wird, will ich nichts wissen. I chkenne nur Amerikaner. (Be­kanntlich soll vor Jahr und Tag der deutsche Kaiser emmal dasselbe gesagt haben, er kenne nur Amerikaner, aber keine Deutschamerikaner. Anm. d. Red.) Und wenn solche, die von Deutschland stammen, es sich ange­legen sein lassen, im betten Interesse für die Vereinigten Staaten und Deutschland zu wirken, Handel und Wanoel zwischen beiden Ländern zu hegen und zu vflegen, und auf dem Felde von Kunst und Wissenschaft sich 'im fried­lichen Wettstreit zu üben, dann tun sie für ihr Atoptw- vaterland und die politisch verlorene alte Heimat das Beste. Die aus Deutschland Ein gewanderten müssen Amerikaner sein, denn Deutsche können sie nicht bleiben, das ist ein Unding."

Dr. Lewald ist wiederholt in den Vereinigten Staaten gewesen, da sollte er doch beobachtet haben, daß es aller­dings Deutschamerikaner gibt, so gut wie Angloamerikaner. Wer die Politische wie wirtschaftliche Geschichte der Union kennt, weiß, was gerade die Deutschamerikaner für die Union getan haben und welchen hohen sittlichen Wert gerade das Deutschtum für die Entwicklung der Union gehabt hat und noch hat. Dr. Lewald scheint wohl von der Existenz eines gewissen Dcutschamerikanischen Nationalbundes und tausender deutscher Vereine in der Union nichts zu wissen? Oder hat sich der Berichterstatter etwa verhört? Daß die eingewanderten Deutschen amerikanische Bürger werden, halten wir für selbstverständlich, denn sonst sind sie eine politische 9tull; aber ebenso selbstverständlich und be­rechtigt ist es, wenn sie als gute Deutschameri­kaner ihre deutschen Sitten und Gebräuche bewahren. Dies Recht beansprucht der Anglosachse, der Ire, der Pole, der Italiener, Und der Deutsche soll dies nicht dürfen?!

Aer Aufstand in Aeutsch-SüdwestafriLa.

Okaha ndja, 8. Juli. Die Aussagen des englischen Händlers Wallace, der bis vor kurzem von Samue Maharero gefangen gehalten wurde, decken sich mehrfach nicht mit den Aussagen anderer Leute. Der Store-Besitzer Michels behauptet: Anfang November habe er Samuel aus geschäftlichen Gründen besucht. Er mußte im Vorzimmer warten, da gerade eine Versammlung der Häupllinge statt­fand, der arlch Wallace beiwohnte. Er will nur gehört haben, daß der Dolmetscher Samuels Schulmeister Wilhelm zu Wallace holländisch sagte:Es bleibt dabei, es sangt an allen Orten zugleich an.Ä Eine halbe Stunde später habe Michels den Wallace daraufhin interpelliert, welcher behauptete, es habe sich um den Ankauf seiner Farm gehandelt, dann aber hinzugesügt, mir kann passieren was will, die Hereros werden mich nicht untergehen lasten. Michels ist der festen Ueberzeugung, daß Wallace die Hereros frei­willig begleitete. Wallace versichert demgegenüber, er habe keine Ahnung von dem Aufstand gehabt und als Gefangener unter strenger Bewachung gestanden. Ein Diener bestätigt, daß die Hereros am Omuramba stark verschanzt wären. Eine Herero-Frau erzählt, Wallace habe freie Bewegung gehab und sei zu den Beratungen der Großleute zugezogen worden, im Gefecht aber stets bei den Weibern gewesen.

Berlin, 8. Juli. Nachrichten au§ Südwestafrika zu- olge starben: Gefreiter Gustav Bars (Bagensky-Transport) am 4. Juli in Otjosondu, Marme-Oberassistenzarzt Tiburtius am 5. Juli in Otjosondu, Reiter Otto Tietz aus Reppen (Kreis Weststernberg) am 6. Juli in Okahandja, Leutnant v. Wurmb am 7. Juli in Okahandja.

lÄder hatten sich mit Prügeln bewaffnet, mit denen sie cmE btt Oberndorfer ernfchlngen. Diese erhielten ihre Hiebe, wobei der Bergmann Ran einen solchen Schlag auf den Kops erhielt, daß ^r du Straßenbo.schung hinunterkollerte und nachher drei Wochen krank darniederlag. Seine rechte Körperseite blieb längere Zett gelähmt, woraus ersichtlich, daß ein Bluterguß ins Hirn stattgefundeu hatte. .Die ein geleitete Untersuchung hatte das Er- gebnis, daß Anklage gegen den 20 Jahre alten Maurer Otto Rink aus Hartenrod erhoben werden konnte, der den Schlau gegen den Rau ausgeführt haben sollte. Außerdem wurde noch Anklage gegen den Schmiedelehrlmg Heinrich Kraft erhoben. Die Verhanolung vor dem Schöffengericift jn Gladenbach endete damitt daß Rmk zu sieben Wochen, Kraft zu einer Woche Gefängnis verurteilt wurde. Gegen dieses Erkenntnis hatte Rink Beruftmg eingelegt mtt der Angabe, daß er dem Rau den Schlag über­haupt nicht versetzt habe. Tie schwere Verletzung, die dieser am Kopf erhalten, konnte sehr wohl von dem Sturz die Böschung hinunter herrühren. Zur heutigen Berufungsverhand­lung vor hiesigem Landgericht waren 15 Zeugen und ein ärztlicher Sachverständiger geladen. Dieser meinte, daß die Ver­letzung aller Wahrscheinlichkeit nach von einem heftigen Schlag herrühre. Tas Geriätt konnte die Ueberzeugung nicht gewinnen, daß Rink der Täter sei, und sprach ihn frei. Ter Staatsanwalt hatte sich dem Antrag .des Verteidigers auf Freisprechung ange­schlossen.

Frankfurt, 7. Juli. Hin und wieder findet auch ein, Sonnen prahl des Humors, und dann saft stets des unfreiwilligen, den Weg in den kalten Schatten des Gerichtssaales. Dankbar quittiert dannallgemeine Heiterkeit" die wlllkouuneue Abwechselung. So auch während der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts. Ein mit dem herkömmlichen Sonntagsaffen be­hafteter Taglöhner hat in mächtigem Tatendrang einen Spazier­gänger attackiert und dessen unschuldiges Haupt mit dem Spa­zierstock demoliert. .Im Strafregister des Tapferen findet sich unter manchem Begreiflichen auch der unbegreifliche Vermerk: Ein Tag Gefängnis wegen Totschlags. Unbegreiflich für Gericht und Staatsanwalt. Auch der so gelinde bestrafte Totschläger weiß keine Auskunft zu geben. Ter Richer ver­mutet einen Schreibfehler, möchte aber doch Gewißheit und inquitiert den Angeklagten nochmals aus etwaige Möglichkeiten. Tem scheint die Gabe eines üebrrgen Gedächtnisses versagt zu sein, aber plötzlich, .als man schon denSchreibfehler" sanktto» niereu will, kommt ihm die Erleuchtung. Erleichtert ruft er: ,Lch hab' als zwölfjähriger Bub dehaam emol en Tag Ge­fängnis krieht, well ich e Gans dodgeschlage hab!" Tie auch bei den Herren Kriminalstudenten zum Ausbruch kom­mendeallgemeine Hetterkett" wrrd diesmal auch am Ge­richts tische geteilt und deshalb nicht gerügt. (,,F. G. A.")

Leipzig, 7. Juli. Im Landesverrats-Prozeß wurde der Schlosser Davot zu 3 Jahren Zuchthaus, 1500 Mtt Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Leipzig, 7. Juli. Tas Reichsgericht erkannte in dem objekttven Strafverfahren auf die Unbrauchbarmachung sämtlicher Exemplare, Formen und Platten der Schrrft, die zum 40.Jahres­tage des polnischen Aufstandes 1863 von dem Komitee des polnischen Nalic Schatzes herausgegeben wurde, wegen hoch- verräterrischen Juhans dieses Buches.

Zlniversttäts-Yachllchtm.

Bonn, 5. Juli. Gestern mittag fand im Senatssaal der- Universität die feierllche Exmatrikulation des Herzogs' von Sachsen-Koburg-Gotha statt. Ter Herzog trug die Uniform cher 9. Husaren. In seiner Ansprache an den Herzog, führte der Rektor u. a. .folgendes aus: Ter akademische Unter­richt trägt naturgemäß bei dem fürsllichen Studenten einen an­deren Zuschnitt, als bei seinen Kommilitonen. Es handelt sich hier nicht um eine sttenge berufliche und sachliche Ausbildung, sondern um eine möglichst weit zu greifende Orientierung auf dem Gebiet menschlichen Wissens und Fmffchens. Ter auf den. Höhen des Wissens Stehende soll sich einen freien Ausblick erobern in das Reich der Erkenntnis. Selbst teilzunehmen an, der harten Arbeit, mtt der diese Schatze gehoben werden, ist nicht seines Amtes. Aber ein Verständnis für das Wesen und das Werk der Wissenschaft wird sich ihm schon aus der Aufnahme und dem Durchdenken des Gehörten ergeben. Ew. Königliche Hoheit hoben als der künftige Regent eines deutschen Bundes­staates vor allem sich eingelebt auf dem Boden des Rechts- das trotz aller historischen Wandlungen die bleibende Grund­lage aller fürstlichen Gewalt, wie jeder menschlichen Ordnung überhaupt darstelltt Tie eigenartige politische Entwicklung un­serer Nation legt dem deutschen Fürsten von heute eine hohe doppelte Verpflichtung auf: er soll mit gleicher Liebe und mit dem gleichen Gefühl der ^Verantworllichkett das Wohl des Reiches wie das seines eigenen Staates hegen und pflegen. Nach Schluß der Rede überreichte der Rektor dem Herzog die in die sächsi- scheu Farben gebundene Exmatrikel.

Nolilische Tagesschau.

Geheimgeschichte des Krieges.

Langsam und nur stellenweise beginnt sich der Schleier zu lüften, der über der Geheimgeschichte des russisch-japanischen Krieges liegt, wie über allen Kriegen!, .nur daß er vielleicht überraschendere Merkwürdigkeiten bedeckte. Taß die Japaner in den asiatischen Besitzungen Rußlands einen ausgedehnten Auf- klärungs- und Agitationsdienst unterhalten haben, ist bereits seftgesteltt. Es wird aber bchouptett daß auch im europäischen Rußland ein trefflich organisierter und reich dotierter Aufklär- ullgsdienft für bie javanische Regierung vor Ausbruch des Krieges tätig gewesen fei, und daß er sich nicht nur auf militärisch Wissens­wertes beschränkt habe. Tas Hauptquartter dieser Organisation sei in Odessa gewesen, eine der wichtigsten Zweigstellen in Pe­tersburg selbst. Ter dirette Verkehr mit Tokio habe von der südrusfischen Hafenstadt aus stattgefunderr. Ter Dienst soll ins­besondere auch die Vorgänge auf dem Balkan und in Armenien genau verfolgt haben. In englischen diplomattsck)en Zirkeln wird sogar behauptet, hätte das Auslaufen der Schwarzmerr- flotte und die ruffifdje Demonstration in Macedonien zum Aus­bruche eines Balkankrieges geführt, so wäre man in Tokio be­reits damals willens und vorbereitet gewesen, die Gelegenhett zum Losschlagen zu benutzen. In England scheint man über diese Absichten unterrichtet gewesen zu sein. .Auf das Auslaufen der Schwarzmeerflotte fielen eirglische Konsols bedeutend. Me großen Londoner Citysirmen waren ja tatfächlich auch schon beim Abgang der letzteren rusfisck>en Rote, als man in Peters­burg noch an die Erhaltung des Friedens glaubte, davon benach- rickstigt, daß Tokio den Beginn der Feindseligkeiten beschlossen hatte. Am^ Donnerstag früh wurde von Banken mit Fühlung zum Auswärtigen Amt fdjonKrieg disponiert", und am Sams- trag erfolgte der Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Im September vorigen Jahres erreichte in England, währnrd die frankofifd>en Macedoisiersreunde bereits abwieaelten, die Agi­tation für eine selbständige, antirussische Balkanpolitik ihren Höhepunkt, und Lord Lansdowne sprach sehr energische Worte, die er seitdem im Hause der Lords abgesilpvächt hat. Damals wurden in London, Brüssel und an holländisck)cn Plätzen große Lieferungen an Effekten, Stieseln, Waffen und Munition abgc- fchloffen, angeblich für südamerikanifck^ Republiken, die so große Li fcruiigen niemals kontrahieren konnten. Jn Wahrheit gingen sie nach Japan, z. T. auf dem Umwege über Amerika. Russist Tiplomaten fehen auch in den jüngsten armenischen Metzeleien eine Folge jenes japanischen AufllärungSdiensteS, der darauf au^ ging, Rußland europäsihe Verlegenheiten zu bereiten und jeden-- falls die Sci-warznieerflotle, wen» nicht auch die baltische, fesh- -ni-alten. ,Tie ruffifdx* Gesandtfckmft in London scl-einl sich wie alle übrigen diplomatisck-en Vertreter Rußlands darüber haben n an n von Nofl n m ! okio und inem rujfif6en ^rmöin in England, der unter bürgerlickn'rn Namen als KorrefpondeM für russische Revuen tätig ist, wurde, als sie reäftzettig warnten, kein Glaube geschenkt.

vemnischte».

Berlin, 8. Juli. Heute mittag wurde in einem großen Geschah auf der Krautsstraße ein Einbruch ver- ucht. Die Einbrecher wurden gestört und ergriffen die Fluchtt Einer derselben feuerte auf die ihn verfolgenden Personen 6 Revolverschüsse ab, wodurch drei Personen verletzt wurden. Schließlich gelang es, den Einbrecher fest zu nehmen. Er wurde entwaffnet und von dem erbitterten Publikum gezüchtigt. Er mußte schließlich von herbeiettenden Polizisten vor der Wut der Menge geschützt werden.

Kansas City, 7. Juli. Die Fluten des Kansasflußes teigen reißend. Der Regen halt an. Die Menschen werden aus den Häusern vertrieben. Viel Schaden wurde angerichtet in den Städten einschließlich Topeka, Lawrence Wichtta und Notthtopeka. Der Eisenbahnverkehr ist in Verwirrung geraten. Die Züge der Atchison-Topeka and Santa Fs, Union Pacific, Chicago-Rockisland and Paciftcbahnen hörten auf, von Topeka aus nach Osten oder Westen zu gehen. Der Getreidefchaden ist bedeutend.

Aerichlssaal.

ä. M a i n z, 7. Juli. Ter bisher unbestrafte 31jährige Schriftsetzer Karl Schuldig uns Berlin, zuletzt in Worms, ist der 9)t a j e ft ä 18 b c l e i b i g u n g angeklagt. Am 18. Mai ver­langte der Angeklagte in Worms von einem auf Poste»! stehenden Schutzmanns, verhaftet zu werdem Als der Beamte ihn fragte, ob er etwas angestellt habe, verneinte es der Angeklagte, worauf der Schutzma»m ibn wegwies. Trotzdem verlangte der Sch. verhaftet \u werden. Auf die wiederholte Aufforderung des Schutzmannes, einer Wege zu gehen, stieß der Al,geklagte eine beleidigende Aeußerung gegen den deutschen Kaiser aus, woraus seine Verhaftung erfolgte. Heute erklärte der Schuldig, nicht den geringsten Grrmd zur Beleidiglmg des Kaisers gehabt zu haben, er könne sich auch ar nicht erinnern, eine solche verübt zu haben; an dem betreffenden läge will er betrunken geivesen sein. Er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Marburg, 8. Juli. Eine großartige Prügelei zwischen zweiT ö r f e r n" sand am Sonntag ben 20. Scptt vorigen Jahres in Hartenrod statt. ES hatte dort kurz vorher gebrannt und es waren dtt Burschen aus Oberndorf am ge­nannten Tag in größerer Drzahl nach Hartenrod gekommen, um die Brandstelle zu befidjtigen. Sie begaben sich dann in die Seitz'scl)e Wirtschaft, in der sich auch Hartenröder Burschen be- anden. Die Oberndorfer, die zunächst in großer Uebermacht tvaren, nahmen eilte herausfordernde Haltung gegen die Hartcnrödcr an, die von ihnen mit den Ausdrücken Schweinelöffel und anderen Schimpfworten belegt wurden. Sogar das Messer zogen einzelne von ihnen und bcdrohtcu damit die Hartenrüder, die von ihnen heute noch Prügel haben füllten. 25 von den Hartenrödern füllten heute noch tülgefehlageu iuerben ufw. Ttt Hartenröder sammelten ich hierauf vor der Wirtfckmft an, unb als die Oberndorfer nach dem Bahnhof wollten, kam es zur Schlägcrci. Tie Harten-

KanSel und Verkehr. Uolksunttschast.

Märkte.

Gießen, 9. Juli. Marktbericht. Aus heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.001.15 Mk., Hühnereier 1 St. 56 Psg. 2 Stck. 0000 Pfg Gänfeeier 0000 Pfg., Enteneier 70 Pfg^ Käse pr. Stck. 68 Psi Käsematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr.Liter 81Pfg^ Linsenpr. Liter 32 Pfg., Taubenpr.Paar0,80-1,00 Mtt, Hichnerpr.Stt 1,301,40 Msi Hähne pr. Stück 0,801,70 Dtsi Enten pr. Stück 77,12,20 Mtt, Gänse vr. Pfd. 0070 Pfg., Ochfensteifch pr. Pfund 0080 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6268 Pfg^ Schweme- leisch pr. Pfund 6072 Pfg Schweinefleisch, gefallen, pr. Pfund 76 Pfg Kalbfleisch pr. Pfd. 6876 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,500,00 Ritt, Weißkraut per Stück 912 Pfg., per Zentner 0.000.00 Mtt, Zwiebeln pr. Zentner 7,0010,00 Msi Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 20 bis 25 Msi in Korben 0000 Psg. Misse 100 St. 0000 Psq. Kirschen per Pfd. 1500 Pfg. Marktzeit 71 Uhr.

Limburg <u d. L., 6. Juli. Frucht markt. Durch- chnittSpreife pro Malter. Roter Weizen 14.46 Mtt, weißer Wetten 14.30 Mk., Korn 9.86 Mtt, Gerste 8.50 Mtt, Hafer 6.77 Mk., Erbsen 0.00 Msi Kartoffeln 0.00 Litt

Publikums und m dem meinen zu per*

Apotheker Richard Brandts Rachf. Apotheker Friedrich Merckting.

Schaffhausen im Mai 1904. 5940

Richard Braudt'schr Schwcizrrpillcu.

Ick) werde mein mir geschütztes Eigentum mit aller Energie im Interesse dcS " ' teidigen wissen.

Vorsicht!

Seit 25 Jahren ist die neben­stehende Fabrikmatte der Apot-eKer Aickard ZSrandt'fche«

SchwctzerpiLc«

das weitze M-e«z

aus rotem Grunde

mit demRamenszugRchd.Brandt in Deutschland gesetzlich geschützt.

Diese gabuUnarte befindet sich als Etikett auf einer Blech- schachtel, welche in einem mir gleichfalls gesetzlich geschützten Kanon verpackt ist, dessen obere Seite offen und das Etikett deutlich erkennen läßt.

Es sind nur in letzter Zeit verschiedene Nachahmungen meiner Marke bekannt geworden und habe ich bereits gegen 2 Fabrikanten, welche mein geschütztes Warerizeichen nach- geahmt haben, burch meinen Anwalt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen lassen.

Ich warne hiermit vor Nachahmiingen oben abgebil­deter Schutzmatte betreffend: Apotheker