Ausgabe 
9.5.1904 Drittes Blatt
 
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Zweites Matt

154. Jahrgang

Nr. 10S

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

Are Seuttge Kummer umfaßt 10 Seilen.

Montag N. Mai 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Untversttätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7^ Tel. Nr. bl. Tetegr^Lldr. r Anzeiger Gießen.

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener KamilienblStter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «htsfischr Landwirt" erscheint monaUich einmal.

SWen be§ ^ehgkbung, 8r°nnttoeins "w ^ge-

^molrotie Dildin, sei

Sitzen

nicht zu denken.

Ueber den ®ang der Dinge in Südwesta fri ka soll 6er Kaiser verstimmt sein. Nichts ist natürlicher. Zum Oberbefehlshaber der militärischen Streitkräfte in der auf­ständischen Kolonie hat er neuerdings den Generalleutnant v. Trotha ernannt. Nach seinen Ansichten werden noch ca. 10 000 (!) Mann ^forderlich sein, um den Aufstand gänzlich niederzuschlagen. Es sollen daher schon in dieser Zeit öfters stärkere Nachschubs als bisher erfolgen. Oberst Leutwein wird infolgedessen wahrscheinlich fernen ?lL- schied als Gouverneur erbitten, da er einen ihm im Range überlegenen militärischen Befehlshaber nicht neben sich wird dulden wollen. Vom württembergischen Armeekorps haben sich neuerdings als Freiwillige nach Südwestafrika 60 Unteroffiziere und 195 Mann gemeldet.

Der erste Mai, den die Sozialdemokraten-gern zu einem proletarischen Haupt feiertags stempeln möchten, ist fast allerorten durchaus ruhig versaufen. Aus' einer ehe­mals politischen Demonstration ist beute eine Art Ver­gnügungsfest mit den üblichen Volksbelustigunaen gewor­den, das sich in bescheidenen (^Wenzen hält. Ein fataler Zufall wollte es. daß mit diesem angeblich sozialistischen s^este der Ausfall der im Altenbur ger Wahlkreise anstehenden Reichstags wähl zusammentraf, in der der Kandidat der Sozialdemokraten d"m Vertreter der bürger- Ticfien Parteien unterlag. W sie nächsten Taae steht die Ersatzwahl in Frankfurt a. O. henor. Der sozialdemo- kimtische VarteiVorstand ermahnt im , Vorwärts" die Partei­blätter, sich wenigstens hier ihrer Verantwortlichkeit be- wustt zu sein und 'hre Plänkeleien einzntftellen, um den Varteiaenosten dm Wählkamvf nicht zu erschweren. In die Aufstelluna der Kandidatur vm Dr. Brann sich einzumischen, baba er keinen Grund Der B-md der Landwirte hat formell beschlossen, die von der wirtschaftlichen Vereinigung auf- gestellte Kandidatur von Jagwitz zu unterstützen sodaß sich die Aussichten der Wahl des vortrefflichen Bassermann leiden vw-mindern.

Zn den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist end­lich die mit größtem Tamtam ausposannte Weltaus­stellung zu St. Louis mit dem im Londe der unbe- vrenzten Möallckckeiten bei solchen G'i'ea-'n'beiten üblichen Vomu eröffn"t worden, ^-nwiew-it sich dieser internationale Jahrmarkt kolossalsten Stils bewähren wird, ob speziell die deutschen Aussteller auf ihre Kosten kommen werden, muß die Zukunft l-hren. Ein Anzeichen dafür, daß nun bald der Van d"s Panama kan als beginnen wird, war die lormelle Vesi<'uabme her Utensilien der Panamcv-Gesell- schaft durch die Vereinigten Staaten.

Auf dem ostasi ati sch en Kriegsschauplatz tft endlich das lang Erwartete eingetroffen Am Sonntag vor R Tagen hat das erste aröstere Landtreffen zwischen den beiden kriegführenden Mächten stattgestmden. Bei Tages-

Dermiid)te»<

* New-York, 7. Mai. In ProctorS Theater hier brach ein Bühnenbrand aus. Die 2000 Zuschauer ver­ließen in vollster Ordnung den brennenden Raum. Ein Un­glück wurde hauptsächlich deshalb verhütet, weil alle 60 Theaterangestellte seit dem Chicagoer Theaterbrand beständig im Feuerdrill geübt waren, so daß beim Ausbruch des Feuers keinerlei Konfusion entstand.

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ß. An;.) ig# 9. Mai 1904.

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anbruch setzten die Japaner. auf schnell geschlagenen Ponton­brücken über den Jalufluß und gingen unter dem Schutze ihrer zahlreichen und gut bedienten Artillerie zum An­griff über. Auf beiden Seiten wurde mit der größten Tapferkeit gefochten, doch war am Abend des ereignis­reichen Tages der Kampf zu Gunsten der Japaner ent­schieden. 28 Geschütze, zahlreiche Gewehre, Munition und eine große Anzahl Gefangener fielen in die Hände der Sieger. Der japanische Heerführer war der General Ku­roki, der durch sein durchdachtes und tatkräftiges Han­deln bewiesen hat, daß die strategischen Fähigkeiten der japanischen Heerführer keineswegs gering einzuschätzen sind. Durch diese Schlacht die vor der Hand als die bei Tiurentschen zu bezeichnen ist ist der Krieg von Korea in die Mandschurei hinübergetragen worden, d. h. die Japaner greifen nunmehr ihre Feinde in deren eigenem Lande an, da faktisch die Mandschurei immer noch als russischer Besitz anzuseyen ist.

Am 3. Mai hat denn auch schon ein zweites Ge - fecht in der Mandschurei stattgefunden, und zwar bei Tengschanghong, in dem die Japaner wiederum Sieger und 110 Russen gefallen sind. An tun g an der Jalumündung haben die Russen längst aufgeben müssen. Sie zogen sich, nachdem sie diese mit Munition und Proviant versehene Stadt in Brand gesteckt hatten, auf Föngwangtschöng zurück, daß am 4. Mai nach heftigem Kampfe gleichfalls gefallen ist. Am 5. dieses Monats haben sodann die Landungen der Japaner auf der Liaotung-Halbinsel be­gonnen. Sie waren so erfolgreich, daß Kapitän Kvmoto mit den eskortierenden Kriegsschiffen wieder zum 6>e- schwader zurückkehren konnte. Gleichzeitig legten die Ja­paner ein Kabel zwischen den Inseln und dem Fest- lande.

Eine Ironie des Schicksals wollte es, daß, während am Jalu heiß gestritten wurde, der Generalissimus der russischen Truppen in Ostasien, Kuropatkin, in Muk- de n eine Parade über die dortige Garnison abhielt und einen Ehrentrunk entgegennahm, ganz als ob es sich um eine friedliche patriotische Veranstaltung im fernen Heimat­lande handle. Daß die moralische Verantwortung für die letzten russischen Niederlagen fast ganz auf General Kuro­patkin fällt, ist zweifellos. Wie es scheint, ist er über die Absichten der Japaner schlecht unterrichtet gewesen, ebenso hat er ihnen auch den bewiesenen, todeSverachten-

bringen, den Verzicht auszusprechen: sie reden ihm unglaub­lich, aber wahr! ein, daß Preußen auch nach des Herzogs Verzicht auf Hannover die Thronbesteigung eines Welfen in Braunschweig niemals zulasten werde.

Solange Preußen nicht in Stücke geht, ist und bleibt Han­nover für das Haus Welf verloren, es muß sich mit den Ereignisten von 1866 abzufinden und für sich nur noch das Erreichbare zu erlangen suchen. Das ist allein die richtige Politik für den Herzog. Das ist auch dieselbe Politik, die dem Herzog von seinen wahren Freunden in Braunschweig immer wieder ans Herz gelegt wird, leider ohne Erfolg. Tie egoistischen Ratgeber und Führer der welfischen Partei, die schon so viel Haß und Unfrieden gesät haben, sehen sich in ihrer eigenen politischen Existenz bedroht, wenn der Herzog Verzicht leistet und nach Braunschweig geht. Freilich würde der Herzog alsdann die Verzichtleistung auf Han­nover aus eigener Initiative aussprechen müssen. Denn in Berlin kann man warten, und der Kaiser läuft niemand nach!

Kerichtssaat.

Nordhausen, 7. Mai. Der Oberförster Ziegenmeyer, der seinerzeit einen Förster niederschoß, wurde zu 600 Mark Geldstrafe event. 40 Tagen Gefängnis und in die Kosten verurteilt

Halberstadt, 8. Mai. In dem Prozeß gegen den wegen Vergehen ä la Dippold angeklagten Lehrer Jandt, in dem Jandt zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, kam u. a. zur Sprache, daß I. bereits wiederholt wegen ähnlicher Verbrechen erheblich vorbestraft war. So hieß es z. B. in den Akten, daß er einmal sechs Monate Gefängnis ver­büßen mußte, weil er, um einem Schüler ein Geständnis zu ent­locken, diesem mit einem Brennglas die ganze Ober- läche der Hand verbrannt (!) hatte. Jetzt, nachdem man seine verbrecherischen Neigungen entdeckte, schüttelt man in pädagogischen Kreisen den Kopf darüber, daß I. trotz dieser Breunglas-Assäre weiter Lehrer bleiben dürfte.

Kiel, 7. Mai. Das Kriegsgericht verurteilte den Oberleutnant z. S., Eichler, Sohn des Betriebsdirektors Eichler-Giebichenstein, zu 10 Tagen Gefängnis. Er hatte als Gerichts-Offizier des KreuzersAriadne" eine Geheimsache beseitigt und seine Dienstgewalt einem Schreibermaat gegenüber mißbraucht. Beantragt waren 15 Tage Gefängnis.

Kischinew, 8. Mai. In dem Prozesie wegen der bei den Ausschreitungen im April 1903 an zwei Juden begangenen Mordtat wurde der Angeklagte Woituschenko zu 5 fahren Zwangsarbeit verurteilt. Sechs Angeklagte wurden ftei- p'sprock'en.

hätte mancher junge Mann nicht, wenn er uldlZiü frühzeitig Obermepers Herba Seife gebraucht hätte, die den Haarausfall verhindert und den Nachwuchs befördert. Stück 50 Pf. u. 1 Mk. Zu haben in allen Apotheken, Drogu^jen und Parfümerie». 8175

den Wagemut nichjt zugetrant.

lÄne Parade Hat mich am 6. d. M. in Port Arthur stattgefunden ans Anlaß des Namenstages der russi­schen Kaiserin. (General Stössel wies in einer an die Truppen gerichteten Rede darauf hin, daß eine neue Phase des Krieges eingetreten sei, da Port Arthur von der Land­seite bedroht werde. Er sprach die feste Zuversicht auf die Ausdcriier der Verteidiger Kwantungs aus. General Stössel erließ aTStxinn folgenden Tagesbefehl:

Der Feind überschritt am 30. April und am 1. Mai den Jalu in großer Stärke. Die Unsrigen zogen sich auf vorher aus­gewählte Stellungen zurück. Gestern bewerkstelligte der Feind eine Landung im großen Maßstabe südlich von Pitzewo in der Nähe der Kintschaubucht. Nunbeginnt für uns die Arbeit. Natürlich wird der Japaner den Bahnverkehr unter­brechen und sich bemühen, unsere Truppen bis Port Arthur zu­rückzudrängen imd diese Festung, Rußlands Schutzwehr im fernen Osten zu belagern. Verteidigt sie bis zum Eintreffen der Truppen, welche uns entsetzen kommen. Ich halte es für meine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß Ihr unablässig wachsam, um­sichtig und bereft sein müßt, dem Japaner überall in ruhmvoller, den russischen Truppen würdiger Ordnung entgegenzutreten, und welche Zwischenfälle auch eintreten, den Kopf nicht zu verlieren. Seid eingedenk: Im Kriege ist alles möglich. Wir werden mit Gottes Hilfe die uns auferlegte schwierige Aufgabe zu er­füllen imstande sein.

Die Japaner behaupten ferner wach wie vor, daß die Hafeneinfahrt von Port Arthur nahezu blockiert sei, nur ein Schiff könne mit Schwierigkeit passieren. Danach scheint es sich wirklich zu bestätigen, daß der dortige Hafen endgiltig gesperrt ist. Unter solchen Um­ständen ist, trotzdem dort noch immer 16 000 Mann stehen, der Fall Port Arthurs, den man noch vor nicht allzu langer Zeit für unmöglich hielt, gar nicht mehr so unwahrschein­lich. Die weitere Verteilung der russischen Streitkräfte auf dem Kriegsschauplatz ist jetzt so, daß südlich von Mukden 120 000 Mann Infanterie unter General Lennewitsch, 8000 Kosaken unter Mischtschenko und 6 Batterien unter Kin- tschensk, ferner bei Baschikriau 20 000, in Haitschong 5000 und zwischen Mukden und Liaotong noch 70 000 Mann stehen. Zusammen 239 000 Mann, eine, wie man sieht, ganz stattliche Truppenmacht, die allerdings, wenn sie noch weiter in so unfähiger Weise wie bisher, geführt wird, trotzdem nicht viel auszurichten im stände sein wird.

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Politische Tagesschau.

Zur braunschweigischen Frage

wirb demB. T."von unterrichteter (Seite" aus Braunschweig geschrieben: , .

Immer wieder tauchen tn der Bresse Nachrichten über eine bevorstehende oder dock beabsichtigte Lösung der braunschweigischen Frage auf. Die Wahrheit ist, daß der Kaiser in der Tat lange Zeit geneigt war, dem Herzog von Cumberland das größte Entgegenkommen zu zeigen, sobald er auf Hannover Verzicht leiste Auch der vielbesprochene Besuch des Kaisers in Kopen­hagen verfolgte, wie wir authentisch mitteilen können, den Zweck, den Herzog von Cumberland, der zu gleicher Zett in Kopenhagen anwesend sein sollte, durch persönliche Aussprache mit dem Kaiser von dessen Loyalität in der braunichweigischen Sache zu überzeugen Hätte damals diese Unterredung stattgcsunden, hätten nicht äußere Einflüsse den Herzog bestimmt,. noch vor der Ankunft des Kaisers von Kopenhagen wieder ab- znreisen. so wären wir jedenfalls heute der braun­schweigischen Frage -sehr viel näher gerückt. Es war von den Beratern des Herzogs unverantwortlich, die Zigammen- kunft der beiden Fürstlichkeiten zu verhindern. Obwohl der Herzog persönlich, wie eingewechte Kreise wissen, durchaus nicht mehr abgeneigt ist, auf Hannover Verzicht zu l ei st en , obwohl die Herzogin ebenso wie die Königinmutter diesem Verzicht zustimmen, wissen einflußreiche Führer der han­noverschen Welfenpartei den Herzog immer wieder davon abzu-

Volitische Wochenschau.

In einem großen Teil der ausländischen Sensations- preffe waren während der Mittelmeerreise des Kaisers be­ständig alarmierende Gerüchte über den Gesundheits­zustand Wilhelms II. veröffentlicht worden. Schon nach dem Geburtstage des Kaisers, Ende Januar, hatte der ,Reichsanzeiger" den kaiserlichen Dank für die zahlreichen ihm zuteil gewordenen Glückwünsche zu seiner Genesung unter Hinzufügung einer sehr beruhigenden Erklärung veröffentlicht. Sonach war kein Zweifel: was da im Auslande behauptet wurde, das waren Lügengewebe zeilenhungriger Reporter. Der Kaiser ist auch in bestem Wohlsein wieder auf heimat­lichem Boden eingetroffen und hat bei seinem Aufenthalt in Mainz und Schlitz, nach nn§ vorliegendenPrivatmeldungen, durch sein gesundes und kräftiges Aussehen alle böswilligen Ausstreuungen Lügen gestraft. Die Krankheit ist ja über­haupt nie bedenklich gewesen, und wenn jetzt von gewißer Seite wiederum der GratulationLrummel zur endlichen Wieder­herstellung losgeht, so ist das einfach Unfug.

Bei der feierlichen Einweihung der neuen Rhein- Drücke in Mainz, an der auch unser Großherzog teil- nahrn, wies der Kaiser in markigen Worten auf die kom­merzielle und militärische Bedeutung dieses Bauwerks hin. Bei dieser Feier fanden verschiedene Beförderungen und Standesverleihungen statt, von denen die wichtigsten die Ver­leihung des erblichen Adels an den Bautenminister Budde und die Ernennung unseres bisherigen kommandierenden Gene­rals v. Lindequist zum Generalinspekteur in Hannover als Nachfolger WalderseeS zu erwähnen sind.

Im preußischen Abgeordnet en Hause haben die Be­ratungen über die wasserwirtschaftlichen Vorlagen die ganze Woche über gedauert. Die erste Lesung ist beendet und die Vorlage an die Kommission gegangen. Die Kanal­kommission beschloß, zwei Lesungen zu halten und die wasser­wirtschaftlichen Vorlagen in folgender Reihenfolge zu beraten» 1) Regulierung der unteren Oder, Havel und Spree; 2) die Verbesserung der Vorflutverhältnisse in Brandenburg und Sachsen; 3) Freilegung des Hochwassergebiets der mitt­leren und oberen Oder; 4) den (Gesetzentwurf wegen Frev- haltung der Ueberschwemmungs gebiete; 5) die Wasser- stt'aßenvorlage. Das Generalreferat über die Wasserstraßen­vorlage wurde dem Abg. Dr. am .Zehnhoff (Ztr.) über­tragen. Ohne sich auf müßige Prophezeiungen einzulassen, kann man heute schon mit ziemlicher Sicherheit behaupten, baß die Aussichten für das Zustandekommen nicht sehr günstig sind. Das Hauptstück der ganzen Vorlage, der viel­berufene Mittellandkanal, ist auS dem Zusammen­hang heraus gerissen und damit das Bruchstück viel unren­tabler geworden. Das Schicksal der Vorlage hängt davon ab, ob die Konservattven Ernst mit ihrer Absicht machen, den Kanal mit der .Kündigung der Handelsverträge zu ver­koppeln. An eine Realisierung der Wünsche der Lahn- regulierungsinteressenten ist leider zurzert gar

Sport.

Paris, 8. Mai. Den großen Radfahrpreis der Republik gewann Ruett-Köln, Mayer-Hannover wurde dritter.

Dandel und Uerkehr. Aolkswittschast.

Rückgang der russischen Werte. Fast jeder Tag bringt der russischen Kriegsmacht eine neue Niederlage und die Folge davon ist, daß auch die ruffischen Werte, Obligationen wie Dividendenpapiere, unausgesetzt, wenn auch immer noch recht langsam den Krebsgang gehen. Am meisten sind die Lospapiere und ganz besonders die Bankaktien betroffen. So verloren die Aktien der Petersburger Diskontobank an einem Tage 6 Prozent und die in Berlin und Frankfurt gehandelten Aktien der russischen Bank für auswärtigen Handel 8 Prozent. Auch die Industrie- Papiere gehen an der Petersburger Börse stark zurück; so, sind z. B. die Bankaktten von 525 bis 415 an einem Tag gewichen.

Amerikanische Ziffern. Anläßlich der Eröffnung der Welt-Ausstellung in St. Louis sind wieder einige der großen Ziffern veröffentlicht worden, die den gewaltigen Wohlstand der Ver. Staaten ebenso kurz wie treffenb illustrieren, und sozusagen mit einem Schlage ein ganz gewaltiges Bild auf­rollen. Wir führen hier nur einige Beispiele an: Nordamerika besitzt ein gewaltiges Schienennetz von fast 50 Milliarden Mark Anlagekapital. Seine Ernten sind enorm, in Baumwolle allein 1011 Millionen Ballen mit iy2 Milliarden Mark Wert. Seine Ausfuhr steuert auf die sechste Milliarde Mark zu, worunter 1 Milliarde Mark Brotstoffe allein. Nach Milliarden zählt das Kapital der Fabrikationsgesellschaften, nach Milliarden die Boden­schätze und Bergwerke in Silber, Kupfer, Eisen und Petroleum. Die Eisenproduktion geht auf 18 Millionen Tonnen Jahresproduk­tion zu. Schon einzelne Etablissements muten uns gigantisch an. Z. B. weist das größte Werk für Elektrotechnik drüben in feinem gerade ausgegebenen Abschluß folgendes auf: 1902 Roh- qeioinn Doll. 10 277 000, 1903 Doll. 7 895 000. Jahresumsatz 1902 Doll. 36 685 000, 1903 Doll. 41699 000; es ist dies die General Electric Company. Und daß, um an ein anderes Beispiel zu erinnern, die Standard Oil Company ihren Akttonären geradezu fabelhafte Profite in den Schoß wirft, ist eine bekannte Sacke, die wir vierteljährlich zu konstatteren haben.

äfpidpltm der vereinigte« Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 10. Mai*):Der Barbier von Sevilla". Hierauf: ^Phantasien im Bremer Ratskeller." Mittwoch den 11. Mai:Die Fledermaus." Donnerstag den 12. Mai:Götz von Berlichingen." Freitag den 13. Mai geschlossen. Samstag den 14. Mai:Figaros Hochzeit." Sonntag den 16. Mai:Merlin." Montag den 16. Mai:Der Troubadour." Dienstag den 17. Mai: Margarethe."

Schauspielhaus.

Dienstag den 10. Mai"):Salome." Hieraus:Wann wir altern." Zum Schluß:Die Empfehlung." Mittwoch den 11. Mai:Salome." Hierauf:Wann wir altem." Zum Schluß: Tie Empfehlung." Donnerstag den 12. Mai, abends halb 8 Uhr: Im bunten Rock." Freitag den 13. Mai:Rose Bernd." Sams- tag den 14. Mai: Zum ersten Male:Die Markomannen." Sonntag den 15. Mai, nachmittags halb 4 Uhr:Der Hochtourist." Abends 7 Uhr:Die Markomannen." Montag den 16. Mat: Salome." Hierauf:Wann wir altern." Zum Schluß:Die Empfehlung."' Dienstag den 17. Mai:Nathan der Weise."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.