Ausgabe 
6.6.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 130

Zweites Blatt

154. Jahrgang

Giehener Anzeiger

Erfchetnl täglich Ausnahme deS Sonntags.

""ter prii.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Lietzen

Aie beutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

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Stunde bereiten möge.

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Redaktion, Expeüttton ».Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. i Anzeiger Dieben.

DieSiebener ZamilienblStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Der «hesfliche Landwirt' ericheint monatlich einmal.

Montag 6. Juni 1904

Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'scheu Untversttätsdruckerei. R. Lange. Gießen.

bis 1,50, , 0.50,

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ssan irsweg 20.

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Als Sonntag rnittag 12 Uhr 15 Min. unsere Frankfurter Gäste in der Turnhalle Platz genommen hatten, um noch eine kurze Probe vorzunehmen, ergriff der derzeitige Vorsitzende

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Bekanntmachung.

Betr.: Milzbrandverdacht.

Bei einem dem Anton Müller zu Hungen ge­hörigen Rind ist Milzbrand festgestellt worden.

Gehöftsperre ist verhängt.

Gießen, den 3. Juni 1904.

Großherzoqlickcs Kreis amt Gießen.

I. V.: Hechler.

haben an einem Wettlauf von 45 Kilometer Länge teilgenommen, den derMatin" in majorem sui gloriam veranstaltete. Man sah während 5 oder 6 Stunden französische Leutnants und Haupt­leute, die über die Aermel ihres Uniformrockes eine Binde ge­streift hatten, die in groben Lettern schwarz und weiß den Namen des größten Neklamejournals von Frankreich trug:Le Matin". Generale ließen sich in einem Automobil spazieren fahren, an dem in Riesenlettern auf Segeltuch der Name der Firma, ihrer Firma für diesen Tag, prangte:Le Matin". Die Interpellation über diesen Vorgang, bei der, wie wir berichteten, von der Re­gierung nur ungenügende und befremdende Auskunft gegeben wurde, beschäftigt nun wieder die Gemüter ganz Frankreichs, und cs scheint, daß diese Angelegenheit der französischen Regierung noch viel zu schaffen machen wird.

Dazu ist nun in Frankreich noch eine neue Bestechungsaffäre ans Tageslicht gezogen worden, die vielleicht am Ende die Trevfus- Angelegenheit wieder aufrollen wird. Die Feststellung des Rates am Pariser Kassattanshof, Athalin, der einen Offizier des fran­zösischen Kriegsministeriums bei Fälschungen in amtlichen Doku­menten ertappte, erregen wieder das größte Aufsehen. Auch diese Sache wird wohl noch einmal von sich reden machen.

Der Wahlausfall in Belgien hat einen Sieg der oppositionellen Liberalen auf Kosten der herrschenden Klerikalen und der Sozialdemokratte ergeben. Nach der Theorie der Sozial­demokratie und der Sozialreformer hätten die belgischen Sozial­demokraten gerade jetzt von Sieg zu Sieg schreiten müssen, nach­dem sie bei den Ereignissen im April 1902 durch die Negierung und die herrschende Parteiunterdrückt" worden waren. In Wahrheit hat die damalige schwere Niederlage nur zu fort­gesetzten Mißerfolgen der sozialdemokratischen Bewegung in Belgien geführt, und zwar zeigen sich diese Mißerfolge ganz besonders in den Industriezentren, in denen doch sonst die Quellen sozial­demokratischer Macht zu suchen sind.

Nach Deutsch-Südwestafrika ist in den letzten Tagen ein neuer Verstärkungstransport abgegangen. Es scheint nunmehr sicher zu sein, daß Oberst Leutwein in diesen Tagen mit der Hauptkolonne den Vormarsch nach dem Waterberg anttitt. Die Truppenschau mit anschließendem Gottesdienst, die der Gouverneur kürzlich in Okahandja vorgenommen hat, läßt die Vermutung zu, daß jetzt der Hauptschlag gegen die Herero geführt werden soll.

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rm (2. Gr. Hess.) Nr.

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Abends 81/, ®

Aer Weltbund für Irauenstimmrecht.

Berlin, 4. Juni.

Heute wurden Programm und Satzungen beraten. Es entspann sich eine lebhafte Debatte über die Frage, ob die F r a u dem Manne Gehorsam schuldig sei oder vielmehr, ob nicht ein Angriff auf die dahin lautende, noch in England, Däne­mark usw. übliche E h c f o r m e l im Programm des Bundes der Propaganda schaden förnie. Man ließ aber in dem Programm die ominöse Auflehnung gegen den Gehorsam fallen und das Programm gelangte mit einigen mildernden Abänderungen zur Annahme. Der Grundgedanke ist hauptsächlich in dem Satz ent­halten:Die natürlichen Beziehungen zwischen den Geschlechtern bestehen in gegenseitiger Abhängigkeit und gemein­samer Arbeit. Jedwede Beschränkung und Unterdrückung der Freiheit und Rechtes eines Geschlechts schädigt ganz unvermeidlich die ganze Menschheit." Die Satzungen des Weltbundes sind in der Hauptsache die folgenden:

Jedr nationale Frauenstimmrechtsverband tinn Mitgl ed des Weltbundes werden imd sich dadurch die Verttetting auf allen internationalen Konferenzen sichern. Der Jahresbeittag für kleine Vereine beträgt 5, für große 10 Dollars. Einzelpersonen können gegen Zahlung von jährlich 10 Dollars Genossenschafter des Welt­bundes für Frauenstimmrecht werden, dieselben sind zum Bezüge aller Publikattonen des Weltbundes berechttgt und üben alle Rechte der Delegierten bei allen öffentlichen Zusammenkünften aus, außer dem Recht der Abstimmung. Der Weltbund ver­anstaltet alle fünf Jahre eine Zusammenkunft zur Wahl des Vorstandes und zur Ordnung der Geschäfte: dieselbe ist mit einer öffenllichen Propaganda-Demonsttatton verbunden.

Die Satzungen wurden genehmigt und hiermit ist die Kon­stituierung des Bundes vollzogen. Die klare und sach­liche Beredsamkeit der Mrs. Carrie Chapman Gott, die während der ganzen Verhandlungen ihre glänzende parlamentarische Schul- uny und große Beherrschung des Gegenstandes bewiesen hatte, besiegte alle Bedenken. Sie führte aus, daß es unmöglich sei.

Krtrakonzert des Konzerl-Kereius

Gießen, ,5. Juni.

Ein herrlicher Sommersonntag,von Himmelbläue wundersam umwoben", wahrlich! niemanden war's zu verübeln, wenn er, taub gegen alle Verlockungen des Programms zum heutigen Konzerte, hinaus in den grünen Wald gewandert ist, um dort, vielleicht mit einem frischen Liede aus eigener Kehle, dengoldenen Ueberfluß der Welt" zu preisen. Wohlgetan war's! Aber besser tat, wer trotz Sonnenschein und Vogelsang in die Gießener Turnhalle pigerte; reich belohnt wurde er durch das Dargebotene, neben dem Bewußtsein, sein klingend Scherf­lein als kleinen Beistein zum neuen Saalbau gespendet und Meister Trautmann an seinem Ehrentag nicht im Stich gelassen zu haben. Und so war denn auch eine zahl­reiche Versammlung erschienen, die mit gespannter Auf­merksamkeit den vielseitigen Genüssen des Programms lauschte und nach guter alter Gießener Sitte mit herzlichem Beifall nicht kargte.

Zweck und Anlaß des Konzerts verbieten eine ein­gehende Kritik der einzelnen Leistungen. Das Programm des Abends ist schon von anderer Seite in mehreren Aufsätzen besprochen worden; so seien uns einige Be­merkungen gestattet. Zunächst sei demSchuler'schen Männerchor", dem die Palme des Abends gebührt, herz­lichster Dank dargebracht für die nicht genug anzu- erkennende hochherzige Bereitwilligkeit, mit der er Mühe und Kosten nicht gescheut hat, um seinem Dirigenten und dessen Gießener Konzertverein treu zu helfen in ihrem eifrigen Bestreben, Meßen einen würdigeren Saalbau zu schaffen. Möge er in dem Bewußtsein seinen Lohn finden, sich in Gießen viele gute Freunde erworben und das lang bestehende innige musikalische Verhältnis zwischen Frankfurt und Gießen aufs neue befestigt zu haben! Wir verstehen es jetzt, daß Meister Trautmann bei seinem Weggang von Frankfurt dem Verein Treue gehalten hat nnd dieser ihm; in allen Darbietungen der stattlichen Sängerschar trat die Freudigkeit und Liebe zutage, mit der Dirigent wie Sänger an der Sache sind und in gemein­samer Arbeit ihr Bestes einsetzen, das Vertrauen, von dem sie gegeneinander beseelt sind. Hoffen wir, daß wir den Verein in nicht zu ferner Zeit im neuen eigenen

Politische Wochenschau.

Gießen, 6. Juni.

Auch in der letzten Woche sind die verschiedenen Meinungen innerhalb der nationalliberalen Partei betreffs des preuß. Schulkompromisses noch nicht zur Ruhe gekommen. In vielen Versammlungen faßte man Resoluttonen, die dem Schritte der nationalliberalen Fraktion des preuß. Mgeordneten- hauses entgegentraten. In Köln verteidigte der Reickstagsabg. Dr. Sattler nrt wenig Erfolg den Schulanttog, denn man beschloß eine Erklärung, daß es unerläßlich sei. daß bald ein allgemeiner deutscher Delegiertentag der nationalliberalen Partei zu einer Aussprache in der Angelegenheit einberufen wird.

Sonst ist es eben in Deutschland politisch ruhiger als irgendwo anders. .In friedlicher, ersprießlicher Arbeit tagten sehr zahl'-eich Kongresse und Versammlungen aller möglichen Vereinig­ungen, von denen am Ausgange der Woche die internationale Frauenstimmrechtskonferenz, die Konstituierung eines Welt­bundes für Frauenstimmrecht vollzog.

In unserer engeren Heimat, in Darmstadt hat auch ein Ver­band getagt, der auf dem Gebiete der Kunst vorwiegend wirken will. Der Verband der Kunstfreunde am R h e i n hat am 30. und 31. Mai im gastlichen Schloß seines hohen Protektors, unseres Großherz^gs, verhandelt und ohne lautes Programm die Förderung künstlerischer Talente unparteiisch und ohne Rücksicht auf den Geschmack des Publikums materiell und ideell sich zum Ziele gesetzt. Dieser Verband zählt nun schon 2000 Mitglieder, und in den Namen der mit der Leitung betrauten Künstler liegt die Gewähr, daß hier wirllich Bedeutungsvolles für die Kunst geschehen wird. Besondere Beachtung verdienten die Beratungen des zweiten Tages: über einen Zusammenschluß der westdeutschen Künstlerschaft, um gegenüber Berlin und München der rheinischen Kunst größere Geltung zu schaffen. Nicht nur um der Kunstpolitik dieser Kunstgroßstädte in der Einigkeit der Heineren westdeutschen Kunststädte ein Gegengewicht zu geben,sondern um einer Kunst der Hand die Kunst der deuffchen Seele ent­gegenzustellen, wie sie sich gerade in rheinischen Meistem so wundervoll zeigt. Die hohe Ehrung, die dieser Versammlung zuteil wurde durch die Teilnahme eines so wahrhaft kunstsinnigen Fürsten, der schon einmal in die Entwicklung des deutschen Kunst­lebens nachhalttg eingegriffen hat, kann allen Bewohnern unserer rheinischen Länder eine Anregung fern, dem Verband der Kunst­freunde in den Ländern am Rhein beizutteten, um so von den rheinischen Ländern aus eine Reinigung der deutschen Kunstpflege von allen persönlichen ttadttionellen Rücksichten anzustteben.

In Frankreich sind Ereignisse eingetteten, die die Oeffent- lichkeit, die schon durch die Politik der Regierung dem Papste gegenüber in einige Bewegung gekommen war. noch mehr auf die Beine gebracht haben. Es ist wieder einmal flat zutage getreten, daß die Verhältnisse unserer westlichen, leicht erregbaren Nachbarn von den unseren doch außerordentlich verschieden sind. Die Kund­gebungen den klerikalen Einrichtungen gegenüber, von denen wir am Samstag berichteten, erscheinen uns Deutschen wahrhaft erstaun­lich. Geplanten Prozessionen gegenüber veranstaltete man Gegen- funbgebungen, und wegen der Abweisung von Kommunikanten zur kirchlichen Einsegnungsfeier reißt man Heiligenbilder aus der Kirche und zerschlägt alles, was an Reliauien und sonstigen kirch­lichen Dingen einem entgegentritt Große Verwunderung erregt bei uns aber der Vorgang, der die französische Heeresverwaltung in ein ganz seltsames Licht setzt. Der PariserMattn" hat es fertig gebracht, das französische Heer in den Dienst seiner Re- flame zu stellen. Etwa 2000 Soldaten aus ganz Frankreich

dem Frauenstimmrecht innerhalb der vielseittgen Arbeit des all­gemeinen Bundes genügend Beachtung zu widmen. Diese eminent wichtige Frauenangelegenheit bedarf einer eigenen angestrengt tätigen Organisation.

Dem Bunde traten bei: Victoria, England, Deutschland» Holland, Schweden und die Vereinigten Staaten. Von dem Reckt, Ehrenmitglieder zu ernennen, wurde Gebrauch gemacht, indem Susan 93. Anthony die erste Ehrenmitgliedschaft ver­liehen wurde. Es war ein ergreifender Moment, als der ganze Saal laut Beifall jubelte und alle Anwesenden sich von den Stühlen erhoben, um tone 84jährige, die mit besonderer Frische an den Verhandlungen teIgcnommen hotte, zu ehren. Da MrS. Susan B. Anth-mv erllärte, ihres hohen Mters tragen keine Wahl mehr annehmen zu können, wurde sie statt zur Präsidenttn zur Ehrenpräsidentin gewählt, wie sich Mrs. Catt aus- drückte, zur Sckntzpattonin des Weltbundes. Zur Präsidenttn wurde einstimmig Mrs. Chapman Catt gewählt, zur Vize- präsidenttn Dr. Anita Augspurg, zur 2. Präsidenttn die Führerin der enaliscken Frauenstimmrechtsbewegung. Mrs. Fa- matt, zur Schriftführerin Mrs. Foster Avery iAmerikas Frl. Dr. Schirmacher 'Parisi, Frl. Johanna Naber (Holland), zur Schatzmeisterin Mrs. Ruger Cunly (England).

Nack dem Schluss- des Kongresses fvrach Frau Minna Caner noch einige Worte, mit denen sie ihrer Freude Ausdruck verlieh, daß Deutschland und speziell die Stadt Berlin der Schau­platz dieses nicht mir für die Frauen, sondern auch für die poli­tische Entwicklung wichtigen Moments fei. Sie forderte noch zum Besuch einer Montag abend stattfindenden öffentlichen Versamm­lung auf, in der Ansprachen von sozialdemokratischen und frei­sinnigen Abgeordneten über das Frauenstimmrecht stattfinden werden.

Ein deutsch-israelitischer Frauenbund soll als Seitenstück zum Verbände denffcher Juden anläßlich des inter­nationalen Frauenkongresses hier gegründet werden. Tie neue Organisation will einen Zusammenschluß und ein einheitliches Vorgehen der zahlreichen jüdisck^en Frauenvereine in Deutschland herb eifübren.______________________________________________________

Aus Stadt und Kaad.

Gießen, 6. Juni 1904.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Mitinhaber der Firma Dyckerhoff u. Söhne zu Amöne­burg, Kommerzienrat Gustav Dyckerhoss, den Charakter als Geheimer Kommerzienrat erteilt. In den Ruhestand wurde versetzt der Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Oberheffen Friedrich Korell auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Der Notar Dr. Bernhard Pfeifer m Wörrstadt wurde zum Notar mit dem Amtssitze in Nieder- Olm ernannt. In den Ruhestand wurde versetzt der Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Darmstadt II Franz» Carnier auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers sowie unter Anerkennung feier langjährigen treuen Dienste. Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher in Bad-Nauheim Heinrich Wedel zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Darmstadt II mit dem Amtssitz in Darmstadt und der Gerichtsvollzieher in Alten» stadt Albrecht Gl enz zum Gerichtsvollzieher mit dem Amts­sitze in Bad-Nauheim.

* Personalien der Oberpostdirektion Darm­stadt. Versetzt sind: der Ober-Postpraktikant Quenzlein von Mainz nach Lübeck, die Telegraphengehilstnnen Schleyer von Offenbach nach Darmstadt und Elsbeth Schmidt von Leipzig nach Offenbach. Bestanden haben: die Postsekretär­prüfung : der Ober-Postassis^ent Fritzges in Alsfeld; die Post­assistentenprüfung: die Postgehilfen Adam Fischer in Mainz, Hausmann in Seligenstadt, Karl Kayser in Offenbach und

,Zeche in Castiglione" ans dem flotten Wolffschen Liedchen im Ohre. Wir möchten sie gern einmal einen 2lftend lang nur Lieder von Brahms und. Wolf im Salon oder in einem ganz intimen kleinen Saal fingen hören; wenn dann noch die so überaus feinsinnige Flügelbegleikung Herrn Trautmanns, die wir heute wieder einmal, wie schon seit langem schätzen durften, dazu käme, das wäre ein Genuß! Wie wär's damit einmal im nächsten Winter?! in einem der von Herrn Trautmann eingerichteten Saal­baukonzerte?

Daß dieSchubert's" uns leider nicht sehr ge­fallen haben, jetzt dürfen wir's ja wohl gestehen. Oft es an der Ungewohntheit der Saalverhältnisse, ob an einer anfänglichen Befangenheit lag, wir wollen's nicht entscheiden. Die Stimme tremulierte stark und klang bei stärkerem Anschwellen belegt. Schade um die schönen Lie- oer! After dann nach der Pause dieerste Liebe" von Schaeffer: wie wunderbar innig, zart und doch voll llang es; und bann von Lied zu Lied wurde die Stimme freier, jubelnder. DasFrühlingslied" von Hugo Wolf, eine un­endlich feine Komposition, wurde ganz entzückend vor­getragen; von dem Wolf'schenIch haft' in Paaren usw." haben wir schon eben gesprochen. Die Stimme von Frau Obsner ist nicht sehr groß und umfangreich, aber von einer weichen, zärtlichen Innigkeit, sinnlichem Klang und ihr Gesang von seelischem Ausdruck durchdrungen, die Aussprache ist vorzüglich. So hoffen wir gern, ihr nock öfter wieder zu begegnen im Gießener Konzertsaal.

Zum Schluß dem Orchester der Sinfoniekapelle des Zoo­logischen Gartens in Frankfurt noch gebührende Anerkenn­ung für die unseres Erachtens einwandfreie Bewältigung seiner zum größten Teil recht dankbaren Aufgabe! Meister Trautmann wird in den ihm ja wohlbekannten Mienen seiner Gießener Freunde, aus ihrem freudigen Beifall selbst all den Tank gelesen und herausgehört haften, den wir ihm schulden uni) gerne Vorbringen, die Freude, daß wir ihn besitzen, die Hoffnung, daß er uns noch manche schöne

Heim, dem Gießener Konzerthaus, wieder zu hören Ge­legenheit haben werden!

Von dem reichhaltigen Programm, das uns den Chor in seinem vielseitigen Können zeigte, sei hervorgehoben an erster Stelle leider auch in der zeitlichen Folge an erster Stelle, wir hätten es lieber an letzter, oder noch besser an erster und letzter Stelle gehört das wunderbare, so selten gehörte Schubert'sche Werk,Die Allmacht, das in der Ausführung Chor und Orchester trefflich gelang; im Orchester sei namentlich auch an­erkennend der Sologeige gedacht, die so süßflehte". Das zweite größere Werk, Seyffa.'t'sDurch Kampf zu Fried" ist eine groß angelegte, mit allen modernen Mitteln der Orchestertechnik ausgestattete Arbeit; ent­zückend ist die Malerei derwonnig süßen Juninacht", charakteristisch die Schilderung des Schwerterkampfes. Die Wirkung wäre bei einem stärkeren Orchester wohl noch großartiger gewesen. Das Werk und seine Wiedergabe, die die Präzision des Chors im Einsetzen, seine Klang­fülle und seine Modulationsfähigkeit zeigte, und dem Dirigentenstab Herrn Trautmanns alle Ehre machte, wurde vom Publikum mit Beifall ausgenommen. Brambach's Waldmeisters Brautfahrt", ein duftiges, Hangschönes und dabei anspruchsloses Musikstück, gelangte gleichfalls sehr ansprechend zu Gehör.

Von den a capella - Chören schien uns dasEcholied" von dem Niederländer Orlando di Lasso, ein kleineres Kaftinettstückchen, intb das schöne Brahms scheWie- genlied", dies namentlich in der vom Publikum stürmisch erbetenen Wiederholung, am Besten gelungen.

Ein Mitglied des Vereins, Herr Bahling-Aachen, er­freute mit einigen Liedern, von deren Wiedergabe uns Im Herbst" von Franz von Basten gefiel. Er verfügt über eine ausgiebige, gut geschulte Stimme, der nur mehr sinnlicher Klang und Wärme zu wünschen wäre; für Brahms'Feldeinsamkeit" die überhaupt in ihrer ganzen Tiefe an Gefühl und einzigartiger Schönheit wohl nur von einer Frauenstimme wie der gegeben werden kann, liegt sie nicht. Dies Lied hätten wir gern von der Solistin des Ab.nds, Frau Obsner-Henschel aus Essen, gehört. Sie hat sich, und das wird wohl allen Hörern so ergangen sein, uns ins Herz gesungen; noch jetzt Hingt uns das

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n gejucht. Cfjerten im in die Expedition d. pünktlichem Zinszahlcnu.

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Ch'erten m. 21 ö. Zi'ne- t, 4923 a. d. (frp. d. : Itltcnr örirtmarkcu. 0 DM. HM. w. «E

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