Donnerstag 3 l. Dezember 1903
153. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 306
Genera!-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Kießen vor zweiundscchszig Iuhren
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(tupferberg Gold!
Zur M ge der Taöakanpfltrnzu7?gen.
Der Tabakanbau könnte von kleinen Landwirten noch
verantwortlich tüt öen aDaenetne® P. SBmto; iür den Anzeigenteil i
Rotationsdruck unb Verlag öct Brü hl 'ick)« UniDerfuätsörudeiet (Pietich Lrtrenx
Welchen Aufschwung unsere Stadt Gießen seit 62 Jahren erfahren hat, dürften die nachstehenden Mitteilungen zeigen, die einen! ^ldreßbuche der Stadt Gießen vom Jahre 1841 entnommen und denen Vergleiche über unsere heutigen Verhältnisse beigefügt sind. Das Adreßbuch, das kaum etwes über Westentaschenformat hat, bietet vieles Interessante, es ist fast so eingerichtet, wie unsere heutigen Adreßbücher.
Tie Stadt Gießen hatte im Jahre 1841 eine Einwohnerzahl von 8669, sie. zählte 33 öffentliche und 780 Privatgebäude, seht hat sie ca. 26 500 Einwohner und ca. 2C00 Gebäude. Unter den Einwohnern finden wir: 151 Staatsdiener, 412 Gewerbsleute, 37 Ackerleute, 62 Ackerern d 6-ewerbsleute, 30 Taglöhner, 538 Dienstboten, 335 Fabrikarbeiter, 101 Handwerksgesellen und 38 Lehrlinge.
Stark vertreten finden wir das zünftige Gewerbe. So hatten z. B. die Bäckerzunft 40 Meister, die Gerberzunft 12, die Küferzunst 17, die Metzgerzunft 38, die Schneider- zunjt 85, die Schreinerzunft 46, die Schuhmach-erzunst 118 (gerade so viel wie heute), die Weißbindermnft 9, Schlosser- zunst 13, Spenglerzunft 9 und Zimmerzunft 7 Meister. An sog. unzünftigen Gewerben sehen wir: Apotheken 3, die sich bis jetzt erholten haben, Barbiere 7 (jetzt 35), Buchbinder 11 (14), Buchdruckereien 4 (6), Zigarrenfäbriken 2 (26), Ellenwarenhandlungen 19, Gasthäuser 8 (33), notabene nur Wirtschaften mit Logieren: Goldschmied 1, Häfner 1, Kaffeehäuser 2 (6), Knopfmacher 2, Lederhandlungen 3 (7), Leineweber 7, Liaueurfabrikanten 2 (10), Materialisten 2 (15), Mechaniker 2 (9), Müller 3 mit 3 Mühlen (2), Posamentier 2 (3), Seifensieder 3 (2 Fabr.), Seiler 6 (1), Schornsteinfeger 3 (3), Sperereihandlungen 27 (88), Steindruckereien 3 (4), Tabakfabriken 3 (2), Tapezierer 5 (37), Uhrmacher 4 (14)
Die Stadt, die damals nur wenige Häuser außerhalb unserer jet'igen Anlagen (früher Schoor genannt) anfwies, hatte 44 Sttraßen, die mit wenigen Ausnahmen ihre jetzige Benennung sichren. Nur die damalige Judengasse ist in Rittergasse, die Hintergasse in Wetzsteingässe, der Reihensand in Bahnhofstraße, die Fsi'gelsgasse in Damm- straße umgetauft. Das Kalttuloch zählt, jetzt zur Neustadt. Tie unter diesem Namen nicht mehr existierende neue Stadtanlage umfaßte 21 vor dem Selterstor gelegene Häuser,, welche in der nunmehrigen Westanlage, Franksurterstraße, Liebigstraße und Südanlage standen bezw. noch stehen. Jetzt
lassen.
Die weitere sommerliche Psiege erstreckt sich auf Reinhalten und Lockern des Erdreiches und wenn kurz nach dem Anpflanzen trockene Witterung herrscht, müssen die Pflanzen begossen werden. Jeder Pflanze wird die Triebspitze genommen und rasch geköpft, sodaß 20 Blätter durchschnittlich gut werden. Das Reifen der Tabakblätter fördert ungemein eine etwas trockene Witterung, wodurch der Geschmack, die Farbe, der Geruch und die Verbrennlichkeit wesentlich ver-
42 Ar., Wetzlar 1 fl. 8 Ar.
Eine Garnison hatte Gießen damals nicht.
Von den im Adreßbuch aufgeführtcn Einwohnern ist keiner mehr unter den Lebenden. 'Zwei, die ein sehr hohes Alter erreicht haben, sind in den letzten Jahren in die Ewigkeit gegangen. Es waren dies die Herren Rabbiner Dr. Levy und Lehrer I. Körner. Emil Geißler.
Eilondttiui-Zeitung.
Vom Frankfurter Ost bahn Hof. Wie die Kleine Presse aus sicherer Quelle er'ährt, hat der Eilenbahnstskus nunmehr das Gelände von Jungs Lok an der Hanauer Landstraße mit den darauf befindlichen Häusern angekauft und den dort wohnenden Mietern, last lauter kleinen Leuten, bereits aut den 1. Februar gekündigt. Es scheint allo jetzt doch mit dem Bau des neuen Ostbahnhofs ernülich vorwärts geben fiit wollen. Mit der Errichtung des neuen Ostbabnbois hängt bekanntlich auch die Errichtung dere le k tri s ch e n R i n g b a b n Frankfurt-Sachfen- h n u s e n - F e ch e n b e i m-O f f e n b a ch- F r a n k s u r t zusammen. Es ist möalich, das; nunmehr auch diese Linien baldigst Entscheid- ung cicrrlsi'stn wird. _____
Oerrnnchtes.
* Anläßlich der Weihnachtsfeiertage teilen die Münchener „Reuest. Nachr." einen Brief mit, den unmittelbar nach dem Tode Kaiser Fr i e d r r ch s^erne französische Dame, in deren Hans der damalige Kronprinz während seines Versailler Aufenthaltes gewohnt hatte, an eine Freundin schrieb. Es hieß darin u. a.: „Es war damals wahrlich eine schreckliche Zeit, aber wir suhlten uns glücklich, unter dem Schutze dieses gütigen und imposanten Edelmannes zu sein. Er erscheint uns jetzt, oa tote seiner erinnern, als der gute Genii s. der unser Haus beschützt hatte. Obwohl er dem Kriegshetze nach unser Herr sowohl als auch der momentane Eigentümer alles
uv CL uu,u yuvHu. ....... Ich werde niemals ver
gessen, mit welcher Liebenswürdigkeit er das für sich oocr seinen Adjutanten Notwendige verlangte, stets.sich entschuldigend, uns gestört zu haben, stets besorgt, nicht zu fallen und sich stets erkundigend, ob er nicht rrgendwre unsere Gewohnheiten störte. Am Vorabend vor Weihnachten erhielt er aus Berlin eine riesige Kiste, und da lud er mich und meine Familie ein, den Weihnachtsrnchen mit ihm zu teilen. „Diesen Kucken" — sagte er rüdem er einer jeden der anwesenden Damen ein Stuck verlegte, — „hat meine Frau selbst gemacht, daher müssen Sie ihn auch kosten, denii er ist sehr mit" Dann svrach er von dem Weihnachts^est in seiner glücklichen Familie und las. urS einige Stellen aus den Briesen vor, wttchtt er an die,em Tage von der Prinzessin und seinen beiden ältesten Kindern erhalten hatte. Während dieser traurigen Tage lernten wir das vortreffliche .Herz des nun verstorbenen deutschen Kaisers kennen. An dem unvergeßlich schrecklichen ^age, am 19. Januar 1871, während man sich am Mont Valerien, in Bougival und St. Cloud schlug und unsere Truppen nach Paris zurückgedrängt wurden, wurden Tausende unserer Soldaten gefanaen genommen. Gegen sechs Uhr abends erfuhr der Kronprinz, des; sich unter den Gefangenen auch viele befanden, die keine wehrpflichtigen Soldaten waren, sondern Advokaten, Kimstler, Prch'sftren, Kaufleute u. a. m. Da ersuckte er die gefangenen Offiziere, sie möchten diesen Herren mitteilen, daß. wenn sie ihre Namen abgeben wollten, er ihnen eine Eskorte zur Verfügung stellen wurde, damit jeder unverzüglich und unbeanstandet in seine Wohnung zurückkehren könne. Tiese edle Großmut des Prinzen machte einen tiefen Eindruck auf uns alle, sie ist auch heute noch nicht vergessen worden, und ich entsinne mich genau, mit welchem Respekt man von diesem ritterlichen C-roberer sprach Die Franzosen jener Zeit werden, ovwohl sie niemals jene schreckliche Zeit werden vergessen können, stets die Erinnerung an Friedrich den Edlen, den Prinzen
Der Gipfel
aller Tafelfreudcn ist ein gutes Gkas Sekt. . Das ergötzt den Gaumen, regt den Magen und feuert den Geist an. Es giebt Wohlgeschmack, Wohlbehagen und Witz, — und zwar je mehr je besser der Sekt ist. Diese Erfahrung, die durch jedes höhere Fest, durch jedes intimere Gastmahl bestätigt wird, führt den Kenner und Freund feinsten Genusses immer
hat Gießen 112 Straßen.
Tie Universität war damals ziemlich gut besucht. Sie weist 407 Studenten, darunter 331 Hessen und 76 Ausländer auf. Außerdem besuchten das chemische Laboratorium, dem der berühmte Liebig Vorstand. 2 auswärtige Professoren und 2 auswärtige Doktoren. Die Universität war reich an bedeutenden Lehrkräften. Lehrer der freien Künste waren: Im Reiten: Stallmeister Frankenfeld und Bereiter Bansa; in der Musik: Musikdirektor Hoffmann; im ^eicknen: Franz Dickore; int Tanzen und Fechten: P. B. Bartholomav. Universitätsrickter war Dr. Trygophortis die Universitätspolizei wurde geübt von Pedell Krämer, Pedell Gerb^de und einem unvermeidlichen Karzerdiener (Schmidt).
Das Pädagog (Gymnasium) war bestellt mit 1 Direktor (Tr. GeißX 5 ordentlichen und 4 Hilfslehrern (jetzt 28); die Realsckstile mit 1 Direktor (Braubach), 6 ordentlichen und 2 .Hilfslehrern (jetzt 35). Die Namen Weigand, Ettling, Haustein, Stein, Dickore und Kantor Schiwabe werden noch in Vieler Erinnerung sein.
An Stadtschulen existierten: die Knabenschule mit 2 Lehrern: Lips und Braun (jetzt 23), die Mädchenschule mit 2 Lebrern (jetzt 31\ die Elementarschule mit 1 Lehrer, die Freisckule mit 1 Lehrer, die Israel. Elementarschule mit -k Lehrer. r _ _ . , , .
Tie Geistlichkeit bestand aus: 1 Superintendenten (SimonV 2 Pfaw ern (Kirchenrat Tr. Engel und Bertihard), 1 Freiprediger (Lips), 1 kathol. Pfarrer (Kestnagel).
Als Gemeindevertretung finden wir: 1 Bürgermeister (Schneider), 2 Beigeordnete und 13 ^meinderate (jetzt 1 Oberbürgermeister, 3 Beigeordnete und 17 Stadtverordnete). ä ,, r. .
Dann eristierte eine A r m e n - K o m m i s s r o n und mne Pfandleihanstalt, die unter der Direktion des Posizei- rats Zulehner stand. „
An Verwaltungsbehörden editierten: 1. das Provinzial-Kommissariat (jetzt Provinz'al-Direktiow, 2. die Kreisverwaltung (jetzt Kreisamt), Kreisrat: Geh. Reg.-Rat otr
Ter Polizeiverwaltung stand vor: Polizeirat Zulehner: 6 Bolizeiosfizianten besorgten den Srcherheits- dienst (jetzt 26). , .,, ,
Tie Justiz wurde geübt: 1. von einem Hofgericht der Provinz Oberhessen (1 Präsident, 1 Direktor, 11 Rate, 5 Assessoren, 6 Sekretäre, 10 Accessisten). 2. von einem Krimi- nalgericht (Kriminalrichter Danz und' Wollner). 3. von einem Stadtgericht (1 Stadtrickter, 3 Asiessorem 1 -^k uar). 4. von einem Landgericht (1 Landrichter, 2 Asse,,oren, 1 Jftnar). er tret er n existierten 37 Hofgerichts-
Advokaten. während jetzt nur 20 Rechtsanwälte vraktizieren, ein Beweis, daß früher der Rechtsbeistand nicht gut zu
bessert werden. r, r v
Reif ist das Blatt nach dem Lagern, wenn es sich trocken anfühlt, sich nicht zusammenballt, bei dem leisesten Druck wieder glatt wird und nicht bricht. Vor dem Lagern, also bei der Ernte, sollen die Blätter je nach der Sorte braun oder hellbraun sein. Das Brechen der Sandblätter geschieht Mitte, das der Vorblätter Ende August. Je trockener die Blätter abgebrochen werden, desto besser trocknen dieselben unter dem Dach nach $7an bindet die, Blätter zu 2 6 Stück zusammen, reiht dieselben aber nicht zu dicht auf einen dünnen Traht oder auf Bindfäden. Je lustiger hie- elben im Herbst hängen, desto Bef;er wird der Tabak. Schimmelige Blätter sind'sofort beim Erscheinen auszumerzen. Auch achte man darauf, daß beim Abnehmen keine ange- rorenen Blätter mit zusanimengebunden werden. Ferner ollen nur gesunde Blätter, keine sogenannten Speckrippen lunsertiae kranke Rippen) besitzende Blätter gebündelt werden. Gleichfalls sind alle Sandblätter, weil von magerer, schwacher Beschaffenbeit, von der besseren Qualität abzu- ondern, weil sie, mit diesen zusammen fermentiert, faulen.
An Rippenfäule leidende Blätter und Stengelteüe, welche schon während der Aufhängens von der Schnur fallen, dürfen nicht mit in die Mschel gepackt werden, wodurch der Wert der Marktware herabgemindert wird. '
Je kleiner man die Blätterbüschel gemacht hat, desto besser lassen sich dieselben verpacken. In manchen Gegenden werden die Blätter zu 25 Stück gedockt, wodurch nicht allem die Fermentation besser vor sich geht, sondern auch der Wert des Produktes wesentlich erhöht wird. In Bündeln oder Strängen von 25 Blättern zusammengebunden, las;en sich dieselben in einzelnen Docken viel bequemer transportieren und zusammenlegen. Ein Ar bringt je nach Düngung 55—60 Pfund Tabak. Ein Morgen etwa 1350 Pfund. Das Aufbewahren des Tabaks soll in einem trockenen, aber nicht zu heißem Raume geschehen. In feuchten dumpfigen Räumen über Viehställen, an Gewölben und Kellern versiert er den Geschmack und die ursprüngliche Farbe. Eine gute Lagerung ist die folgende: Man bringt in dem Raume, an den Wanden und in der Mitte etwa mit bis 70 Zentimeter Zwtichen- räumen übereinander stehende Holzstellagen an. Auf diesen Stellagen können die Büschel mit den Spitzen gegeneinander in eine Doppelschicht gelagert werden. Bei dieser Lagerung ist das gefährliche Warmwerden der Blätter ausgeschlossen, mithin wird auch ein öfteres Umsetzen überflüssig. Alle vier Tage sehe man aber trotzdem die BnsckM nach und wenn das Umlegen notwendig wird, so soll es gleich ge-
und Kaiser bewahren."
* Cakewalk im Löwenkäfig. Vor der zehnten Strafkammer des Seine-Tepartements in Paris spielten ich jüngst zwei amüsante Prozesse ab. Ein wahrer Menagerieduft, ein Bestienodeur durchströmte den Sitzungssaal. Bändiger und Bändigerinnen auf der Anklagebank, Bändiger und Bändigerinnen als Zeugen. Zuerst mürbe gegen Georg Steil, «genannt Romanns, und seine Gefährtin in Geschäft und Liebe, Elisa -Orge, verwitwete Mnterbert,- wegen Ueberttetung des Kinderschutzgesetzes verhandelt. Steil hatte die 15V?jährige Tochter seiner Genossin tn einem1 Tierkäfig „arbeiten" lassen. „Es war nur ein ganz, ganz kleiner Bär drin", sagte er zu seiner Entschuldigung, „er war erst fünf Monate alt und hatte noch die Milchzähne/ „Rufen Sie die Zeugin!" befiehlt der Richter dem Gerichtsdiener. Ein hübsches Mädchen tritt vor, verneigt sich errötend und sagt: , Erstens war es wirklich nur ein kleiner Bär, und barm bin ich auch kein Kind mehr. Ich wollte sogar schon mit den Hyänen und mit dem großen Bären „arbeiten", aber um mich an die Tiere zu gewälsiien, und um mich zu amüsieren, fing ich mit dem kleinen Bären an." Der Richter sprach die Angeklagten frei, „weil es nur der kleine Bär war und weil das kleine Fraulein kern Kind mehr ist", fügte er erläuternd hinzu, indem er dev Fünfzehnjährigen einen verliebten Blick zuwarf. ,,Leo Steil und fein Sozius Coulet!" brüllte der Gerichts- btener. Es sollte jetzt nämlich der zweite Dändigerprozeß zur Verhandlung kommen. Angeklaat war der Bruder und Konkurrent des Herrn Ge>org Steil-Romanus; um nicht mit dem Bruder verwechselt zu werden, nennt er sich Darius. Darius war nicht zur Stelle und hatte feinen Mitangeklagten Kompagnon Coulet geschickt. Die Anklage war erhoben worden, weil Coulets zwölfjährige Tochter im Löwenkäfig den „Cakewalk" getanzt hatte — also auch in diesem Falle Ueberttetung des Kinderschutzgesetzes. „WaS haben Sie zu Ihrer Entschuldigung anzusiihren?" fragte der Richter Herrn Coulet. — „Daß der Löwe uralt und zahnlos ist und daß er sich überhaupt nicht mehr von der Stelle bewegen kann: er hat nämlich einen Schlaganfall erlitten. Ter hohe Gerichtshof kann sich von der Richtigkeit meiner Aussage überzeugen und ohne Besorgnis den Löwenkäfig betteten." Der Präsident schien eifrig mit den Beisitzern zu beraten, aber diese schüttelten energisch ablehnend den Kops. „Der Gerichtshof hat nicht die Absicht, Ihre freundliche Einladung anzunehmen", sagte dann der Präsident.
Wir glauben Ihnen auch so, daß Ihr Löwe ganz ungefährlich ist und eher einem „Bettvorleger", als einer wilden Bestie gleicht (große Heiterkeit); aber ich verurteile Sie ttotzdem zu einer Strafe von 50 Francs, da Ihre Tochter in der Tat noch ein Kind ist, und ein 51'nd fei' in t Löwen noch nichts zu tun haben, selbst wenn sie noch so zahnlos ■ und gelähmt sind. Jcv schließe die Sitzung."
viel mehr in den Bettieb ausgenommen werden, als es tatsächlich geschieht. Große Ansprüche an den Boden stellt der Tabak nicht, nur muß man mit den Pflegearbeiten nach dem Pflanzen besonders mit der Düngung vorsichtig fern. Es kann z. B. eine zu starke Düngung mit chlorhaltiger Jauche nach verschiedenen Seiten hin schädlich werden. Gewöhnlich entwickeln sich nach dem Jauchen sehr mastiae wasserhaltige Blätter, die aber nicht reif werden, daher schlecht ttocknen und einen miserablen Brand des Tabaks zeitigen. Tie beste Eiaenschast eines guten Tabaks ist und bleibt aber ein gutes, langsames, regelmäßiges Brennen und nur solche Blätter erzielen hohe Preise beim Verkaufe. Anstatt der Jauche verwende man auf 200 Liter Wasser 1—IV2 Pfund salpetersaures Ammoniak, welches 35 Prozent Stickstoff enthält. Dieses muß den schwachwachsenden Pflanzen kurz vor einem Regen gereicht werden, damit der Regen die Nahrungsstosfe an die Wurzeln bringt. Das salpetersaure Ammoniak kann aber auch im trockenen Zustand während . eines Mgens Verwendung finden. Zu diesem Zweck muß derselbe, um nicht vom Winde fortgetragen zu werden, mit feiner Erde, Sand oder mit Sägemehl vermischt werden. Auf je einen halben Morgen rechnet man 20 Pfund. Der ’ vermischte Dünger wird gleichmäßig ausgestteut und dadurch and) ‘ein gleichmäßiges Wachstum erzielt. Der Boden ’ erhält durch diesen chlorfreien Dünger auch keine Stof.e, welche die Unverbrennlichkeit des Tabaks direkt veran-
elltBe^nrm bestanden in Gießen noch foiaende Behörden: ,me Obereinnehmerei, ein S-teuerkommrssa- riat -wei Stcuereinnehmereien, em Rent- amt' ein Hauptpostamt, ein o i ft t n f c o t ^Prgß Tr. Heyer) und ein Revierförster (Prof. Dr. $ Tas damalige P o st a i^t hatte nur 9 Beamte: 1 Postmeister 1 Posthalter, 1 Pvstscsretar, 3 Pvstc>s?tst-p)en, 1 Packer und 2 Briefträger, während heute ca. ^0 Beamte hie Arb-it kaum bewältigen können. Fahrposten ainaen von Gießen täglich ab nach: Frank-urt und Darmstadt Kassel über Wabern und Friklar, Fulda über Grun- bera' Ms eld und Lauterbach, nach Mmseerg über Maden- 2' Biedenkopf und Battenberg, nach Lich. Hrmgen, Nidda, nach Siegen über Herborn und Dillenburg. Dann gingen ä n m itimniaatn auf kürzere Entfernungen. FrllchNuhren und Boten besorgten den weiteren Verkehr.
Ein Einblick in den Person eng eldtarif der dessen war, was, wir besaßen,, benahm er sich ^ts°lS Dost zeigt uns, daß das Reisen zu damaliger Zeit neben ob er unser Gast gewesen wäre. Ich werde ntem»E « der Unbequemlichkeit auch noch recht kostspielig war. Do ..... »r das für sich oder
kostete eine Potz fahrt nach Alsfeld 3 sl. 9 Kr., nach Arnsberg 9 fl. 55 Kr., Battenberg 4 fl. 38 Kr., Butzbach 1 fl. 23 Kr., Kassel 7 fl. 38 Kr., Darmstadt 5 fl. 6 Kr., Frankfurt 4 sl.
5 Kr., Friedberg 2 fl. 16 Kr., Fulda 5 fl. 36 Kr., Reiskirchen
Erjchetn. täglich mit Ausnahme deS SormlagS. re . z-k A AA
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