Ausgabe 
30.6.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 150

Erscheint tagtt* aus;er SomUagS.

Dem GteßenerAnzelger werden tm Wechsel mit dem Kekfischen Landwirt die Siegener Zamilien- blätter Dtermai In der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Untverf.'Buch- u. Stem- druckeret (Pietsch ürben) Redaktion. Trpedttto« und Druckerei:

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Zweites Blatt.

Dienstag 30. Jnni 1903

153. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

" Seseral-Anzeiger v *

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

Teü: P. ötltto: für Stadt und Eantr und .GerichtSsaalE. August Götzi für den An» zeigenteU: Han« Beck.

VezngSpretsr monatltch7b VU, viertel­jährlich Mk. SL0; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viettel- jährl. auSschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer jü8 vormUlagS 10 Uhr.

^ettenpreiS: lokal 12

auSwürtS 20 Pfg.

Die heutige Kummer umfaßt 8 Setten.

Der Kaiser in Kiel.

Äielr 29. Juni.

Gestern abend fand an Bord der ,^ohenzvllern" zu Ehren des kaiserlichen Jachtklubs Tafel statt, bei welcher der Kaiser und die Kaiserin eincrnoer gegenübersaßen. Rechts vom Kaiser folgten die Prinzessin Heinrich von Preußen, Herzog Friedricb Ferdinand von Schlesnng-Hol- jtein, Fräulein v. Gersdorfs, Admiral v. Koster, Herr von Lary, Generalarzt Dr. Leuthold, Kapttän Usedom und Staatsanwaltschaftsrat Mendelssohn, lrnks Frau v. Köster, der Reichskanzler usw. Rechts von der Kaiserin saßen der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Freifrau v. Secken­dorfs, Prinz Adalbert usw., links Prinz Heinrich von Preu­ßen, Freifrau v. Wilmowsky, Graf zu Eulenburg, Frau Usedom, Baron v. Mixen-Finden, Vizeadmiral v. Arnim, Vizeoberzeremonienmeister v. d. Knesebeck, Kapitän Sarnow, Professor Busley und Korvettenkapitän Ammon.

Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Staatssekretärs v. Tttpätz. Die Kaiserin besuchte mit der Herzogin Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein die Marinegarnisonschnle in Friedrichsort.

Heute mittag sand Frühstückstafel auf derHohen- zollern" statt, bei welcher das Kaiserpaar eiucmder gegen­über Platz genommen hatte. Vom Kaiser rechts nahmen Platz die Marquise Ormonde, Fürst Hohenlohe-Schillings­fürst, Miß Vanderbitt, Oberhosmarschall Gras Eulenburg, Prinzessin Pleß, Graf Redern, Gräftu Schmettow, Francis RegS, links die Fürstin Hohenlohe-Schillingsfürst, Dtarquis Ormonde, Gräfin Eulenburg, Mr. Vanderbllt, Prinzessin Elisabeth zu Hohenlohe, Lady Buther, Prinz Pleß, Miß Gölet; rechts von der Kaiserin saßen der amerikanische Botschafter in Rom, Meyer, Fürstin Lynar, Gräftn Redern, her französische Marineattachee Graf Lugny, Frau Fre­gattenkapitän Grumme, Robert Walter Gölet, links der Reichskanzler Graf Bülow, Fürstin zu Eulenburg-Hertefeld, Fürst Lynar, Mistreß Gölet, Gräfin Lugny, Miß Thomson.

Nachmittags 2 Uhr sand bei Dem Generalinjpekteur der Marine, v. Köster, in den Räumen der neuen See­burg zu Ehren des amerikanischen Botschaf­ters, des AdmiraLS und des Kommandanten des ameri­kanischen Geschwaders ein Frühstück statt.

Heute nachmittag sand ein Wettrudern der Fähnriche zur See, der Kadetten und Schiffsjungen statt. Den siegen­de Mannschaften wurden die Preise an Bord der,^ohen- zollern" ausgehändigt. Heute abend 'nahm der Kaiser au dem Festessen des kaiserlichen Jachtllubs teil.

Auf dem,Marsarge" sand heute nachmittag ein großer Empfang statt, wobei u. a. Prinz und Prinzessin Heinrich, der amerikanische Botschafter, Staatssekretär Tirpitz und andere erschienen waren.

Heer und Flotte.

Die billigsten und teuersten Garnisonen. Nach der vom Kriegsministerium herausgegebenen neuen Uebersicht über das Beköstigungsgeld für die einzelnen Garnisonen ergibt sich daß die Burg Hohenzollern das teuerste Garnisonpftaster ist; hier bettägt das Bekösttg- ungsgeld für Gemeine 42 Pfg., für Unteroffiziere 55 Pfg. pro Tag, es ft>lgt Helgoland mit 40 resp. 52 Pfg., teuer sind auch die Garnisonen in Lothringen, Metz, das viel­genannte Mörchingen mit 39 resp 50 Pfg. Die billigste

Garnison liegt im Bereico des L Armeekorps, Stalln- vönen, mit 31 Pfg. pro Tag für den Gemeinen und 39 für den Unteroffizier; Goldap, Memel, Insterburg sind nur um 1 Pfg. teurer; hier braucht der Staat nur 32 Pfa. für den Gemeinen und 40 für den Unteroffizier zu 5afften. Im Bereich des 17. Armeekorps (Westpreußen) findet man ebenfalls so billige Garnisonen: Rosenberg, Osterode mit 32 resp. 40 Pfg. Berlin ist ein relativ billiges Pflaster, der Gemeine muß hier mit 35, der Unter» offizcer mit 44 Pfg, auskommen; Potsdam ist schon teurer, für Gemeine toerben 36, für Unteroffiziere 46 Pfg. ver­langt; in Königsberg i P. sind die Sätze 34 resp. 43 Pfg., in Magdeburg 35 resp. 45 Pfg., in Breslau 36 resp. 46 Pfg., in Köln 37 resp. 47 Pfg., in Bremen 34 resp. 43 Pfg^ in Hamburg 35 resp. 44 Pfg., in Danzig 35 resp. 45 Pfg., in Hannover 35 resp. 45 Pfg., in Frankfurt a. M. 35 resp. 45 Pfg., in Wiesbaden 38 resp. 49 Pfg.

Kolo ni alp ost.

Wie dieStoff. Ztg," hört, ist die Bildung eines Syn­dikats gesichert, das für den Bau einer Bahn im nörd­lichen Kamerun, von Quara am Benue nach einer ge­eigneten Stelle am Logone, dem großen linken Schari- Nebenfluß, die Mittel hergebeu will. Beteiligt sind kapital­kräftige Kolonialfreunde unb auch der Bruder der Kaiserin, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein wird genannt. Es handell sich zunächst um die Rtorarbeiten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 30. Juni 1903.

** Enteignung. In der Sache (Enteignung von Gelände zur Erbauung einer Augen- und einer chirurgischen Klinik wurde am Samstag durch den Vorsitzenden, Provin- zial-Direktor Dr. Breidert, das Urteil gesprochen. Ter Provinzialausschuß hat die Frage der Notwendigkeit der Erbauung der in Frage kommenden Kliniken an der Stelle zwischen Wilhelmstraße und Klinikstraße bejaht und als an­gemessene Entschädigung zugebilligt an die Eigentümer: Pfarrei Gießen, Rentter Schwan sen., Weidig Erben, Nathan Rosenthal den Betrag von 5 Mk. pro Quadratmeter. Weidig und Rösenth al erhalten außerdem für aus chren Grundstücken vorhandene Bäume rc. 83 Mk. resp. 279 Ml.; Gails Erben für Gelände außer­halb des Parkes 5 Mk., innerhalb des Parkes 7.50 Mk. pro Quadratmeter, für Bäume rc. 2319 Mk., für den Windmotor (Wasseranlage) o300 Mk., im ganzen 66021 Mk. Der Balser- stistung werden zugebllligt für Gelände pro Quadratmeter 7.50 Mt., sowie 517 Mk. für Bäume. August Gabriels Hoftaite soll entschädigt werden für den Geländewert zu 10 Mk. pro Quadratmeter, für die Villa mit allen Anlagen 27 000 Mt., für Obstbäume rc. 9687 Mk., im ganzen 70 917 Viart, Gerbermeister Plank Gelände pro Uuabr atmet ex 12 Mk., 548 Mk. für Bäume. Im ganzen beträgt der vom Provrnzialausschuß festgesetzte Betrag für zu enteignendes Gelände zum &toede der Kliniksbauten 235 462 Mt. Der Staat hat den Eigentümern, deren Gelände nur teilweise in Anspruch genommen wird, die nötige Abgrenzung (bau- vlatzartig) kostenlos herzuftellen. Den Parteien wird das Urteil des Vrovinzialausschusses, welches gedruckt wird, zu­gestellt werden.

* Ein heiteres Stückchen ereignete sich, wie man uns schreibt, dieser Tage 'auf einer vberhessischen Lokalbahn. Der Zug kam an einem Steinbruch vorbei, als

die Reisenden einen heftigen Ruck verspürten und bemerk­ten, daß der Zug mitten auf der Strecke anhielt. Alle eilten an die Wagenfenster. Der Lokomotivführer und der Schaffner aber winkten fteundschaftlich und besänftig­ten die Gemüter mit dem Trostworte: Es gehe gleich wieder weiter. Alles atmete erleichtert auf, als man ver­nahm, des Bahnwärters Herde junger Enten sei auf den Schienen herumaewatschelt, und sein kleiner Schlingel habe nicht auf sie acht gegeben, und nun wolle man die hoff­nungsvollen Federviehbabies doch nicht überfahren.Nach Anhörung dieser Erzählung war die Strecke wieder frei geworden und der Eisenbahnzug kam dann seinem Ziel immer wieder näher.

** Bier Jahreszeiten. Wir machen an dieser Stelle nochmals aufmerksam auf die heute und morgen in denBier Jahreszeiten" stattfindenden Spezialitäten- Vorstellungen.

(l) Geiß-Nidda, 28. Juni. Unsere seit einigen Wochen begonnene Wasserleitung ist nun soweit gediehen, daß bereits ein Teil unserer Einwohner sich ihrer Seg- nun gen erfreut. Die Qualität des Wassers ist ausgezeichnet und die Quantität für doppelten Verbrauch ausreichend. Anreger und Erbauer dieses Werkes haben sich für alle Zeiten ein bleibendes Verdienst in unserer Gemeinde er­worben.

Mainz, 27. Juni. Ein grauenhafter Fund wurde gestern abend im hiesigen Hafen gemacht. Bei dem Ausbaggern brachten die Sandfärcher eine unförmliche Masse herauf, die sich bei näherer Besichtigung als em menschlicher Rumpf erwies, dem der Kopf, die Arme und die Beine sehlteu Anscheinend hat er schon sehr lange versandet im Wasser gelegen. Als der Rumpf einige Zett der Luft ausgesetzt war, löste fielt das Fleisch vollständig ab, sodaß das Knochengerüst bloßgelegt wurde. Es ist voll­ständig unaufgeklärt, ob hier ein Verbreche oder ein Un­glücksfall vorliegt. (Mi Tfgbl.)

Frankfurt a. Mt,. Juni. Die Stadt Frankfurt bezw. die hiesige Aktiengesellschaft für Hoch- und Tief­bau errichteten für den Gcsangswetlftreit die große Fest- Hafte, die im Lause dieses und des nächsten Jahres für eine Reihe von Ausstellungen benutzt werden soll. Die Stadt hat allerdings weniger Lust, auf die verschiedenen Projekte einzugehen, doch läßr sich mit der Aktien-Gesell- schast für Hoch- und Tiefbau und dem Eisenbahnfiskus, dem Inhaber des Platzes, ein Abkommen treffen, wonach die Hafte für die nächste Zett stehen bleibt. Es sollen in ihr abgehalten werden eine große Hundeausstellung, eine Aus­stellung des Verb an des deutscher Tabak- Händler, die besonders umfangreich werden soll und für die der Deutsche Tabakhänvler-Verband größere Gelö- beträge zu deponieren bereit ist, dann eine Kolonialaus­stellung des KolonialVereins in Berlin; eine große Auto­mobilausstellung von 4 Wochen Dauer ist definitiv zuge­sagt und garantiert, ebenso eine große, zwei Monate dauernde Kochkunst-Ausstellung mtt Nebenveranstaltungen. Das Jahr 1904 wäre oamtt bis zum Herbst hinein mit größeren Veranstaltungen belegt. Jetzt kommt es nur her­auf an, daß die Stadt der Erhaltung der Halle zustimmt. Anerkennenswert ist die fördernde Haltung des Eisenbahn­fiskus.

Homburg v. d. H., 29. Juni. Vor einigen Tagen wurde in der Nähe des Mithräums eine größtenteils gut erhaltene Steininschr ist aus der Zeit des Antoninus Pius 138 bis 161 n. Ehr. auf einem allen Wege ge-

Die Kunstgewerbliche Ausstellung.

s. Gießen, 30. Juni.

Menn das Kunstgewerbe auf der zur Zett hier statt- ftndenden Ausstellung das meiste Interesse der Besucher auf sich zieht, so ist es etwa rricht einer Minderwertig kett der gleichzeitig ausgestellten Gemälde zuzuschreiben, son­dern wohl eher dem Wunsche, einmal mit eigenem Auge zu sehen, welche Bedeutung eigentlich her modernen Be­wegung beizumessen ist. Der Kampf um den neuen Stil ist für die Wissenden längst entschieden, und es steht un­zweifelhaft fest, daß wir bereits an einem Punkte an- getommen sind, den wir ohne Uebertteibung als Klärung bezeichnen können. Die Jntemattonale Ausstellung in Turin, über die der bekannte Emst'sche Kunstverlag in Berlin zur Zett ein hervorragend schönes und wertvolles Lieferungswerk herausgiebt, legte beredtes Zeugnis davon ab, daß namentlich das deutsche Kunstgewerbe an der Spitze marschiert und sowohl in Bezug auf Originalität wie an Vornehmheit feiner Erzeugnisse hinter keinem anderen Land zuruckzu- stehen braucht. Auch wir Hessen haben an der Entwicklimg der Dinge kein geringes Interesse, hat uns doch der weite Blick unseres Großherzogs einen Vorsprung im Kunstgewerbe verschafft, um den uns mancher größere Staat beneiden könnte. o.

Olbrich und Behrens erzielten mit ihren hessischen Zrm- mern goldene Medaillen, und die Möbelindustrie hat in- zwischen einen ungeahnten Llufschwuna genommen, ganz zu schweigen davon, baß kleinere Geschäfte m Darmstadt Dank der modernen Bewegung in die erste Linie gerückt

Gin glücklicher Zufall will es, daß gerade hier in Gießen eine ganze Anzahl neuer Entwurre zur Vorführung gelangt, und Cisj arz, dieser bedeutende Graphiker, stellt rch uiis ftüher vor, als bet Residenz.

Ein wesentliches Interesse darf das Einfamilien­haus von Olbrich für sich in Anspruch nehmen, das ntt moderner Atöbeleinrichtung der unteren Zimmer ohne Garwlatz ein sehr geringes Bankapttal beansprucht.

Ans Sorge vor Beschädigung konnten hier nur die

Photographieen des Modells %ur Aufstellung gelangen, sodaß die Vorzüge der malerischen Architektur lecher nicht ganz zur Geltung kommen. In Gruppen zu je drei erdacht, würde es eine Zierde jeder Stadt sein.

Die große Haus uh r, sowie die durch chre herr­liche Farben ab stimmung auffallende Standuhr, werden sich gewiß die Gunst des Beschauers im Sturm erobern, indessen an den Schatullen und Kartenkästchen mancher unachtsam vorübergeht, ohne zu ahnen, welchen Kunstwert sie besitzen. Der Unterbau quadrattsch, der Deckel zur Aufnahme des Würfelbechers pyramchenförmig gestattet, zeigt das Kartenkästchen eine Zweckmäßigkeit und vorzüg­liche Abwägung der Ausdrucksmittel, daß nicht im gering­sten von Ueberladung die Rede sein kann. Wie aus einem Guß erscheint es geformt Auf den vier Seiten des Deckels zeigen sich ine vier Kartenkönige, in Intarsien, Emaille und Holzschnitzerei ausgeführt, an den Ecken des unteren Teils sind vier Landsknechte in getriebenem Kupfer an­gebracht, auch das Schlüsselschild ist getrieben, während ein zartes Jntarsiornament den Schmuck der unteren Fläche bildet Eine gleiche Einfachheit und Vornehmheit im Ausdruck zeigen auch die Schattillen, deren Einlage ans ftemden Hölzern vielfacb für Metall gehalten wird.

Die Schatullen zeigen als Ornament eine profilierte Leiste und dazwischen leuchtet verstohlen eingelegtes Perl­mutt ans gelbem, ebenfalls eingelegtem Hol^ hervor. Beide gehören der jüngsten Schaffenspcriode des Künst­lers an, »und bedeuten eine Konzession an das Publikum, das eine gewisse Anlehnung an seinen Geschmack darin finden toirb. ,

Von mehr praktischer Bedeutung dürften die ausgestell­ten Kissen und Vorhänge für unsere Damenwelt werden. Auf keinem findet sich eine früher so beliebte naturalistische Darstellung ober ein der Vergangenheit entlehntes Orna­ment, überall neue Linien, neue Formen und vor allem neue Farbeneffekte. Zwar werden auch jetzt noch der Natur die Formen enllehnt, aber mit seltenem Verständnis der Fläche angepaßt. Gleich bas erste Deckchen mtt Alpen- vettchen giebt einen vorzüglichen Beweis. Wie satt heben sich die tiefroten Blüten vom bunteigrünen Grund, wie harmonisch gliedern die Stengel die Fläche, ohne nur ein­

mal die Ruhe zu stören. LIeberaU finden wir Fläche durch Flächen geschmückt. Die blaue Decke in Franzosentuch von Christiansen gehört mit zu dem Besten, desgleichen der Wandbehang von Leipheimer mit seinen farben­frohen Tönen. Auch dem zweiten Deckchen und verschie­denen Läufern können wir unsere Anerkennung nicht ver­sagen. Die Vorhänge Patriz Hubers erzielen eine äußerst vorteilhafte Stimmung im Raum. Die Verteil­ung des Ornaments auf je eine breite Borde oben und unten ist sehr wirkungsvoll. Die Porttere erscheint bei­nahe wie Glasmalerei in durchsichtigem Tuch.

Ein anderes Stoffgebiet, aut dem auch .Hervorragendes geleistet wird, ist das Porzellan, bei dem Be hr ens sowohl wie Olbrich sich neue Formen geschaffen haben. Während Olbrich auf eigenes Dekor verzichtete, verband Behrens Fläche und Ornament und steht denn auch in der Wirkung unerreicht da.

Auch das S e v r e von Bürk, und namentlich das von Rein st ein, mehr für Neuvermählte erdachte, werden viele Freunde gewinnen, reichen aber in Wirkung an das Erst­genannte nicht heran. Auf dem Gebiete der Gläser domi­nieren Christiansen und Olbrich mit neuen und eigen­artigen Formen, die sich durch große Gefälligkeit aus- zeichnen. So originelle Bierbecher, wie der Entwurf Olbrichs von 1903 vorführt, sind mir noch nicht begegnet

Mir müssen es uns versagen, auf altes einzugehen, jedenfalls ist eine Fülle von Anregungen geboten, und jedes einigermaßen geschulte Auge wird seine Freude an den schönen Linien ober Farbenzusammensiellungen haben. Einen besseren Beweis hätte Darmstadt für seine Leistungen nicht erbringen können, als daß es eine Auswahl sandte, die die berechtigte Ueberzeugung hervorruft, daß wir zur gegebenen Zeit noch besseres und mehr zu seherc betommen werden. Der mit offenem Auge begabte hessische Hand­werker wird mit Leichtigkeit ermessen, wie er gegenüber der zunehmenden Konkurrenz der Fabrikarbett seinen Votteil wahren kann.Unser ganzes Leben ist in einem Zustand gärender Bewegung. alle 1 ebiete wollen und sollen sich ästhetisch uiib harmonisch ausleben. Hierzu bedarf es der sorglich leitenden Haitd des Berufenen: des Künstlers."