Ausgabe 
29.8.1903 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

Samstag Ä9. August 1903

153. Jayrgmrg

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Are HerrLige Wummer umfaßt 12 Seite«.

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2. Unterelf. Inf.--Regt. Nr. 137; das Ritterkreuz 1. Klasse Desselben Ordens: dem Hauptmann Freiherrn v. Dinck- lage int 3. Garde-Feldarttllerie-Regiment; das Ritter­kreuz 2. Klasse desselben Ordens: dem Oberleutnant von Hirschfeld, Flügeladjutauten des Großherzogs von Sachsen; das demselben Orden >angereihte silberne Kreuz: dem Musikdirigenten Drehmann im 5. Thür. Infanterie- Regiment Nr. 94.

TerFränk. (Sour." meld et: Von den auf dem Truppenübungsplätze Hammelburg befindlichen bayerischen Infanterie-Regimentern Nr. 4 und 8 sind drei­hundert bi s vierhundertMajnn und mehrere Offi­ziere an typhösen Erscheinungen erkrankt. Nach der Korrespondenz Hoffmann erkrankten tun 23. Ang. vom zweiten Bataillon des 4. Infanterie-Regiments, welches gegenwärtig in Hammelburg ist, plötzlich nach dem Mittag­essen 150 Mann an heftigen (Äbrechen; sie waren sämt­lich nach sechs Stunden wieder wohl und sind zurzeit im Tienst. Die Ursache der Massenerkrancung wird im Genuß von Kartoffelsalat vermutet.

Berlin, 28. Aug. Das Kriegsministerium teilt über die Fahrt der Truppentransportschisse mit: Der Ablösungs­transport für die ostasiatische Besatzungsbrigade auf dem TampserSilvia" ist am 28. August wohlbehalten in Co­lombo ein getroffen und geht am 28. August weiter.

Paris, 28. Aug. Ein Einwohner von Croix bei Rou­baix hat ein neues Gewehr-Modell angefertigt, mit welchem in Paris vorn 10. bis 15. September Versuche an ge­stellt werden sollen. Tas neue Gewehr, eine Art Mitrail- leus e, ermöglicht es, bei geringem Pu lverv er brauch 40 Schüsse in der Minute abzugeben.

Nr. 202

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem GießenerAnzetger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Glehenee Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh loschen Univers.-Buch- u.Stein- bructerei (Pietsch Gerben) Redaktion. Spedition und Druckerei:

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

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GietzenerAnzeiger

K General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

Keer und Ilotte.

Tas Komturkreuz 1. Klasse des Großh. Hess. Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen wurde verliehen: dem Generalmajor z. T. Bigge zu Koblenz; das Komturlreuz 2. Klasse desselben Ordens: dem Generalmajor 0'r er Herrn v. Maerckeu zu Geerath, Kommandeur der <J. ^n- santeriebrigadc; das Ehrenkreuz desselben Ordens: dem Oberstell John v. Frey end, Kommandant des Fnsanterre- reaiments Prinz Moritz von Anhalt-Dessau (5. Pomm.) Nr. 42; das Ritterkreuz 1. Klasse mit der Krone desselben Ordens- dem Major Müller, Bataillonskommandeur tm

Gießen, den 29. August 1903.

** Anläßlich des diesmaligen Aufenthalts des Kaisers in Hessen unb Nassau wurde eine Menge von Auszeichnungen verliehen. Darunter sind die folgen­den besonders bemerkenswert: Prof. Behring in Mar­burg wurde zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exeellenz ernannt. Oberbürgermeister Schüler in Marburg und Landrat v. Dehn-Noth- felser in Kassel wurden Geheime Regierungsräte. Vize­marschall der hessischen Ritterschaft Hans v. Mals bürg auf Escheberg erhielt den Kronenorden 1. Klasse. Denselben erhielten noch der Fürst zu Ysenb urg-Büd in g en- Dirstein und Gras Solms-Rödelheim zu Eisen- Heim. Den Roten Adlerorden 2. Klasse erhielten der Eustos der Universität Marburg, Steinmetz, der In­tendant der Königlichen Schauspiele in Kassel, Freiherr v. Gilsa, und Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Vogt, der elhemalige Direktor des Gymnasiums, das der Kaiser besuchte. Steinmetz und Dr. Vogt erhielten den Orden mit Eichenlaub. Den Kronenorden 2. Klasse bekamen der Erb- marschall von Hessen Riedesel Freiherr von Eisen- b a cf) , der Lehrer an der Königlichen Kunstakademie Pro­fessor Knack fuß, Landesrat Dr. Sommer in Frankfurt a. M. und Staatsanwaltschastsrat Ganslandt in Mar­burg. Ten Roten Adlerorden 3. Kl. mit der Schleife erhielt der Abg. Rabe v. Pappenheim auf Liebenau.

** Die Großh. Domanial-Weingüter. Aus einer soeben erschienenen Zusammenstellung, über die Großh. hessischen Tomanial-Weiubaugüter im Großherzogtum Hessen haben dieselben eine Fläche von 135 hessischen Morgen oder 5 400000 Quadratsuß. Das größte Weingut befindet sich in Nierstein-Nackenheim mit 46,1 hessischen Morgen, bann kommt das Gut in Mn gen, Büdesheim und Kempten mit 32,3 Morgen und dann das Gut in Oppenheim-Dienheim- Ludwigshöhe mit 16,5 Morgen. An der Bergstraße Pro­vinz Starkenburg befinden sich noch einige Weinberge in hessischem Domanialbesi' in einer Größe von 4,7 Morgen. Das erste Weingut wurde erst im Jahre 1900 angekauft. Bezüglich der Tomanial-Weinberge an der Bergstraße heißt es in dieser Zusammenstellung:An der hessischen Berg­straße wurden in den Gemarkungen Bensheim und Heppen­heim Wüstfelder und sofort auszuhauende Weinberge an- gekaust, um durch Neuanlagen zur Förderung des dortigen Weinbaues beizutragen. Es soll insbesondere geprüft wer­den, welche Rebsorten in reinen Säßen daselbst einen ent­sprechenden Wein erzielen lassen, und es sollen Versuche über die zweckrnäßigchsten Erziehungsarten gemacht werden. Ein Weinberg in BensheimStreichling" ist bereits mit Moselriesling bepflanzt und wächst ins zweite Jahr. In Heppenheim,Stetnkopf", werden die Arbeiten in diesem Winter begonnen."

** Ein Opfer seines Berufes. Der vor 8Tagen auf dem Bahnhose überfahrene Weichensteller Hof­mann aus Wieseck ist gestern seinen schweren Verletz­ungen erlegen.

k. Rodheim a. B, 28. Aug. Tot aufgefunden wurde gestern vormittag der etwa 25 Jahre alte Dienst- knecht Rücker. Er stand auf dem Hofgut Haina in Diensten und verschwand vor einigen Wochen. Trotz eifriger Nach­forschung. kam man dem Vermißten ntcht auf die Spur, bis ihn gestern ein Bergmann in einem außer Betrieb befindlichen Bergwerksschachte ausfand. Seine Leiche war bereits stark verwest; bei ihm lag noch feine Pfeife nebst Tabak. Man vermutet, daß Rücker, der zeitweise getftig nicht normal war, in einem Anfall von Geistesgestört­heit sich hineingestürzt hat oder hineingefallen ist. Er war unverheiratet. .e. ,

Offenbach, 28. Aug. D-te öffentlichen Gebäude unsrer Stadt sowie die Hauptstraßen haben Flaggenschmuck am aeleat- da^ Kreisamt und die Gebäude in feiner Umgebung sind besonders reich geschmückt. S. K. H. der Gro ß he r z o g. mar um 12 Uhr in Begleitung des Generaladjutanten v Wächter im Viererzng von Jagdschloß Wolfsgarten bei

Kine Keffeurede des Kaisers.

Kassel, 28. August.

Der Kaiser hielt bei der heutigen Tafel für die Provinz Hessen folgende Rede:

Indem ich mein Glas auf das Wohl der Provinz er­hebe, spreche ich meine Freude aus, so viele der Kurhessen und Nassauer um mich versammelt zu sehen, und heiße die Herren alle herzlich bei mir willkommen. Es ist mir stets eine Freude, wenn ich mich eine Weile in dem für mich zur zweiten Heimat gewordenen Kassel aufhalten und daran freuen kann, daß die alten Beziehungen der Kasse- laner zu mir in der herzlichen und innigen Begrüßung wieder zum Ausdruck kommen, wie auch am heutigen Tage durch den besonders schönen Schmuck der Stadt. Ich bitte Ew. Exzellenz (an den Grafen Zedlitz gerichtet), den Kassela- neru in meinem Namen auszusprechen, wie gerührt die Kaiserin und ich durch die spontane freudige Begrüßung der Bevölkerung und die Ausschmückung der Straßen sind, und unseren warmen, herzlichen Dank zu sagen. Ich freue mich, auf dem Boden zu fein, auf dem ich gelernt habe, von kundiger Hand geleitet, daß die Arbeit nicht nur um sich selber willen da ist, sondern daß man in der Arbeit feine ganze Freude finden soll. Die ernsthaften und unablässigen Vorbereitungen, die ich in meinen Studien auf dem Gymnasium und unter der Leitung des Geheim­rats Hinzpeter hier vornehmen konnte, haben mich be­fähigt, die Arbeitskraft auf meine Schultern zu nehmen, die von Tag zu Tag in wachsender Bürde zunimmt. Wenn schon damals meine Lehrer, überzeugt von der hohen Aufgabe, die ihnen übergeben war, alles dransetzten, jede Stunde und jede Minute auszunutzen, um mich für meinen kommenden Beruf vorzubereiten, so glaube ich doch, daß niemand von ihnen sich darüber klar sein konnte, welche ungeheure Arbeitslast, welche nieder drücken de Verantwortlichkeit dem­jenigen aufgebürbet ist, der für 58 Millionen Deutsche verantwortlich ist. Jedenfalls bereue ich keinen Augenblick die mir damals schwer vorgekom­menen Zeiten. Ich kann wohl sagen, daß die Arbeit und basLebeninderArbeitmirzurzweitenNatur geworden sind, und das danke ich dem Kasselaner Boden. Schmerzlich bewegt mich, baß ich am heutigen Tage, ehe ich das Wohl der Provinz ausbringe, zugleich das Scheibeglas für Eure Exzellenz trinken muß. Wenn etwas meinen tiefen Schmerz noch erhöht, so ist es das, baß ich mit Rührung sehe, wie sich aus allen Teilen der Provinz uneingeschränkte Trauer kunbgiebt über Euer Cwzellenz Scheiden. Wenn auch die Provinz vollinhaltlich begreift, daß, wo die Stot am höchsten ist, der Fürst zu dem SJfcanne greifen muß, der ihm der rechte an Ort und Stelle zu sein scheint, da em- psinbet sie doch tief, baß ihr Oberhaupt genommen wird. Tas beweist, daß Eure Exzellenz die Aufgaben hier noch in weit höherem Maße M erfüllen imstande waren, wie ich bei Ihrer Berufung! gehofft hatte. Es ist Ihnen gelungen, in der Provinz Vertrauen zu gewinnen, diese verschieden­artige Bevölkerung an Ihre Persönlichkeit zu fesseln »und sie mit Vertrauen und Zuversicht zu erfüllen, daß sie freudig an ihre schwere Arbeit ging. Verschieden sind die Gaben von der Natur und Vorsehung in diesem Lande ans- gebreitet. Sehen wir einen Teil desselben in hartemRingen um den Ertrag des Bodens er - starken, so können wir auf der anderen Seite die In­dustrie, zumal im südlichen Teile, sich entwickeln sehen. Auch Kunstdenkmäler und historische Erinnerungen, schöne Kirchen wie Erinnerungen an noch ältere Zeiten, so die Burg auf dem Taunus, wo der eherne Schritt der römischen Legionäre einst auf das Geheiß des Cäsaren römische Kultur den unbändigen Germanen einprägte, alles das vereinigt sich in dieser Provinz. Das erfordert von dem Oberpräsidenten ein solches Maß verschiedener Kennt­nisse, daß es eingehender, tie fein greif en b er Selbstarbeit be­darf, um allen diesen Gebieten einigermaßen gewachsen zu sein. Wo ich hingehört habe, in jedem Stand, jeder Beschäftigung, ertönt Euer Exzellenz Lob. weshalb beglua- wünsche ich die Provinz zu diesem Ausgang und darf wo hi im Namen der Provinz Ihnen Dank ausjprechen für die aufopfernde Arbeit, der Sie sich zu ihrem Wohle unter­zogen haben. Die Provinz möge daraus ersehen, wie es mir am Herzen liegt, un-d wie ich beftrebt bin, soweit es rn meiner Macht steht, Männer einzusetzen, von denen ich glaube, daß sie den Aufgaben gewMhsen sind. Sie möge auch in Zukunft Vertrauen zu mir haben, daß ich bestrebt fein werde, den Nachfolger jo zu wählen, wre er zu ihrem Wohle nötig ist. Alle meine Wünsche faste uh zusammen in dem Stufe: die Provinz blühe, grüne und gedeihe. Hurra, hurra, hurra! t k <

An der Tafel nahmen außer dem Kaiserpaar und den hier anwesenden Fürstlichkeiten unter anderen tell: Ober­präsident Graf Zedlitz-Trützschler, Geheimrat Lueanns, Ge­heimrat Hinzpeter, die Bischöfe von Fulda und Limburg und Justizrat Hagens-Frankfurt a M.

jährlich Ml. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch hie Post Mk.2. vtertel- jährl. auSfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer j18 vormittag- 10 Uhr. ZettenprriSrlokalUPf, auSwärtS 20 Pfg.

ÖecaRtwoitlidb für den poltt. und allgem. Teil- P. ©Utto: für Stadt and ßanb* und ,GerichtSfaal*r Auaust Götz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Langen abgefahren. In Sprendlingen, welches gleichfalls festlich geschmückt war, wurden dem Landesherrn bei der Durchfahrt' begeisterte Huldigungen dargebracht. Um 3/U Uhr traf der Großherzog, der Ebenso wie sein Begleiter in Zivil war, an der Stadtgrenze von Offenbach in der Spreudlingerlandstraße ein; er wurde hier von Kreisrat v. Hombergk und Kreisamtmann Gennes begrüßt. Dann ging die Fahrt, nachdem der Großherzog einen bereitstehen­den Landauer bestiegen hatte, zur Ludwigstraße, wo sich in der Umgebung des Kreisamtsgebäudes eine gewaltige Menschenmenge angefammelt hatte. Vor dem Kreisamt hatten die Kuerwehrkapelle, ferner der Veteranen- und MilitärvereinHassia", der Offenbacher Landwehrverein und der Veteranenverein Offenbach mit ihren Fahnen Aufstellung genommen. Während die Kapelle die Landeshymne spielte, schrttt der Großherzog unter den brausenden Hoch- und Hurrarufen des Publikums die Fronten der Vereine ab. Die sich anschließende Mittagstafel bei Kreisrat v. Hom­bergk fand mit 16 Gedecken statt; der Kaffee wurde in dem kleinen, aber reizend angelegten Garten eingenommen; die Feuerwehrkapelle konzertierte während dieser Zeit im Hofe. S. K. H. der Großherzog besichtigte die Zelluloid- Warenfabrik von Schreiner u. Sievers, das alte Isenburger Schloß und die Anilinfabrik von Oehler und fuhr abends 71/2 Uhr wieder nach Wolfsgarten zurück.

Frankfurt, 28. Aug. Das Haus am Großen Hirsch- graben, wo Goethe am 28. August 1749 geboren wurde, ist heute zu Ehren seines Geburtstages mit Fahnen, Girlanden und Lorbeerbäumen geschmückt. Im Innern des Hauses zieren Blumen und Blattpflanzen das Vestibül, das Treppenhaus und die Zimmereingänge. Das Denkmal auf dem Goetheplatz ziert ein mächtiger Lorbeerkranz mit Wid­mung. Die stille Ecke auf dem Peterskirchhofe, rechts vom Schäfergasseneingang, das Grab der Eltern Goethes, ist in einen Blumenhain umgewandelt. Auf der Jüfchrist- platte prangt ein Kranz roter und weißer Rosen mit der Widmung: Den Eltern Goethes datz Freie deutsche Hoch- ftift. Auf dem Hühnerweg in Sachsenhausen ist zur Feier des Tages das Willemerhäuschen mit der Büste Goethes und Girlanden geschmückt. Das Schauspielhaus ehrt den großen Sohn Frankfurt durch einen Goetheschen Dramen-Zyklus an sieben Abenden. Nächsten Sonntag- Vormitrag hat das Freie deutsche 5)vchsttft im Hochschen Konservatorium feine Goethefeier mit Festvortrag und Gesang.z

Vermischtes.

* Mühlhausen i. Th., 27. Aug. Zum Tode des Dv. Schloß erhält dieMühlh. Ztg." von Kreisarzt Dr.Seiffart folgende Mitteilung:Gegenüber den immer noch umher­schwirrenden Gerüchten über ein angebliches Duell, dem der verstorbene Dr. Schloß zum Opfer gefallen sein soll, erfröre ich unter Berufung auf meinen Amtseid, daß dieses Gerücht unwahr und Herr Dr. Schloß an einer Blut­vergiftung infolge Scherenstiches bei einer Operation ge­storben ist." Ueber die Ergebnisse der in Gotha erfolgten gerichtlichen Leichenöffnung schreibt dasselbe Blatt: Das Gerücht über ein angeblich zwischen zwei hiesigen Aerzten stattgeh^abtes Duell lvird nun wohl doch zum Verstummen kommen müssen. Die auf Anordnung der Kgl. Staats­anwaltschaft zu Erfurt erfolgten Erhebungen in dieser An­gelegenheit haben ergeben, daß das eifrig kolportierte Ge­rücht völlig unbegründet ist. DaS amtliche Protokoll über die Sektion der Leiche des Tr. Schloß liegt zwar noch nicht vor, soviel ist jedoch bekannt geworden, daß der Tod des (Genannten lediglich infolge Blutvergiftung ein-- getreten ist. Von einer in einem Duell erhaltenen tödlichen Wunde ist keine Rede. Die Beschlagnahme der Leiche er­folgte am Vormittag auf Anordnung der Erfurter Staats­anwaltschaft, welche sowohl an das dortige Amtsgericht, als auch an den Oberbürgermeister von Gotha diesbezüg­liche telegraphische Anweisungen gerichtet hatte. Pros. Meusel aus Gotha, der den Verstorbenen mitbehandelt hatte, gab zwar gleichfalls die Erklärung ab, daß der Tod des Dr. Schloß nur die Folge einer Blutvergiftung sei, den Angehörigen war es aber schließlich erwünscht, batf die Sektion der Leiche stattfände, da durch das Ergebnis der Sektton alle Gerüchte am besten widerlegt werden müßten. Die Festnahme des Dr. Schwarz erfolgte gleich­falls auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft zu Erfurt. Dr. Schwarz wurde nach Mühlhausen gebracht, woselbst mit ihm auf dem Polizeibureau ein längeres Verhör an gestellt wurde. Nach Beendigung desselben wurde er wieder auf freien Fuß gefetzt.

* Anläßlich des Brandes des Goldbergschen Warenhauses in Bud apest weist dieVerl. Korr." darauf hin, daß für Preußen im Jahre 1901 Bestimmungen für solche Gebäude erlassen worden sind, die ganz oder teilweise zur Aufbewahrung von größeren Mengen brenn­barer Stoffe bestimmt sind, und daß deren Anwendung den Polizeibehörden bei SZeuEiauten, wie bei bestehenden Waren­häusern zur Pflicht gemacht ist. Die ergangenen Bestimm­ungen sind derart, daß bei ordnungsmäßiger.Handhabung nach menschlicher Berechnung Unfälle wie der obenerwähnte sich kaum ereignen können. Gleichwohl bildet die Frage der Zulänglichkeit der Normen den Gegenstand dauernder Auf­merksamkeit der Zenttalinstanz. Auf Grund der vorliegen­den Gutachten der Provinzialbehörden werden die Vorschrif­ten vom Jahre 1901 erneut geprüft werden, wobei auch die Erfahrungen des Brandes in Budapest Beachtung finden sollen.

* Tie Bismarck ule des Verbandes deut» scher Studenten soll auf den Altendorfer Klippen bei Kelbra errichtet werden. Ein Modell Der Säule ist be­reits angenommen.