Ausgabe 
29.6.1903 Erstes Blatt
 
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mann von Sonnenberg-Fritzlar,'Gras Reventlow-Geismar, Werner- Hersfeld.

Elsässer 9 (10).

Delsov - Mahlstein, LabroisL v. Wuiße-Saarburg, Merot- Diedenhofen, Preiß-Eotmar, Tr. Rickleiu-Alikirch-Tham, Rollinger- Gebweiler, Dr. Vonderscheer-Schlettstadt, Wetterlö-Rappoldsweiler, WUtberger-Hagenau-Weißenburg.

Wilde 9 (8).

Fürst Bismarck-Jerichow, Dr. Burckhardt-Tillenburg, v.Tall- witz»Ostpriegnitz, v. Damm-Holzminden, v. Gerlach-Marburg, Dr. Jaunez-Metz, Jessen-Hadersleben, Baron de Schmid-Saargemünd, Stoecker-Siegen.

Deutsche Bolkspartei 6 (7).

Dr. Blumenthal - Straßburg - Land, Haußmann - Rottweil, Payer-Reutlingen, Schweighart - C-alw, Storz-Ulm, Wagner- Freudenstadt.

Welfen 5 (3).

Colshorn-Melle-Tiepholz, Goetz von Ohlenhuseq-Götlingen, v. Schele-Osnabrück, v. Schele-Neuburg, v. Wangenheim-Bleckede.

Bund der Landwirte 2 (6).

Vogt-Gerabronn, Wolfs-Heilbronn.

Bayerischer Bauernbund 5 (5).

Bachmeier-Pfarrkirchen, Hilyert-Rolhenburg o. T., Hufnagel- Ansbach, Äcitterineyer-Siraubing, Staufser-Honiburg, Bayern.

Aus Stadl und Land.

Gießen, 29. Juni 1903.

** Das amtliche Wahlresultat, das in unserer heutigen Nummer bekannt gegeben wird, stimmt genau überein mit der Mitteilung in unserer Sanistagsnummer, nämlich daß Kommerzienrat Heyligenstaedt mit 10 6 01 Stim­men zum Reichstagsabgeordneten des Wahlkreises Gießen-Grünberg-Nidda gewählt worden ist.

** Die medizinische Gesellschaft hält ihre nächste Sitzung am 30. Juni ab. Die Tagesordnung ist: 1. Herr Brüning: Ueber tragfähige Amputations-Stümpfe. 2. Herr Hohn: Zur chirurgischen Behandlung der ischaemischen Läh­mung. 3. Herr Engelhard: 2 operativ behandelte Fälle von Epilepsie. 4. Herr Ehrlich: Ein Fall von Pancreascyste. 5. Herr Krombach: Lokalanaesthesie. 6. Herr Bötticher: Operation der Hypospadie. 7. Hcrr Poppert: Zur Frage der Magenresektion wegen Earcinom.

** Vortrag über Wohnungs- undBoden- r e f o r m. Im oberen Saale des (Safe (Äel fand am Sams- ttag-Abend vor einem kleinen Kreis von Zuhörern ein Vor- trag von Werkmeister Bärrn aus Fr an k f urt statt, ver­anstaltet von der hiesigen Ortsgruppe desBundes deut­scher Bodenreformer". Dr. Koch als Vorsitzender stellte Herrn Bärrn vor, worauf dieser über Frankfurter Erfahr­ungen in Wohnungs- und Bodenreform sprach. Er erfühlte von den Bemühungen und Erfolgen der Erbbaugenosscn- fchaft in Frankfurt, die vom Evangelischen Arbeiterverein begründetworden ist. Diese Genossenschaft bemüht sich um die Schaffung gesunder, guter und bil.iger Wohnungen |ur kleine Leute, für Arbeiter, die in großen Städten außer­ordentlich zahlreich noch unter ungenügenden und unge­sunden Wahnungsverhällnifsen zu leiden haben. Er schil­derte, wie das Erbbaurecht, auf Gemeindegelündc an­gewandt, eine soziale Wohltat und ein vorzügliches Mittel ist. Unbemittelten zu zureichenden Wohnungen in eigenem Hause zu verhelfen. In Frankfurt ist man bekanntlich schon zu erfreulichen Erfolgen gekommen. Ist auch dort das Gelände ziemlich teuer, so ist .die Stadtverwaltung der Genossenschaft doch entgegengekommen, indem sie ihr verhältnismäßig billig ein Gebiet in Erbpacht für ihre Sau* zwecke gab. So ist die Stadt zwar Eigentümer des Bodens, den ihr die Genossenschaft für die Tauer des Erbbaurechts zu verzinsen hat, aber die Genossenschaft kann über die Ge­bäude, die sie darauf errichtet, vollständig frei verfügen, wie jeder Hauseigentümer. Da das Erbbaurecht selbständig mit Hypotheken belastet werden kann, so haben die un­vermögenden Genossenschaftsmitglieder zusammen nur einen entsprechenden Zins aufzubringen, um billig in eignem Hause zu wohnen. Werkmeister Bärrn verlas kurz den Erb- bauvertrag, der mit der Stadt Frankfurt abgeschlossen worden ist, und worin alle Cinzelabmachungen, die das Gesetz nicht vorgesehen hat, festgelegt sind. So hat die Frankfurter Genossenschaft die schönsten und bequemsten Zwei- und Dreizimmerwohnungen für ihre Mitglieder, meist arme Arbeiter, in freier, gesunder Lage errichten können, mit Bequemlichkeiten, über die manche größere Wohnungen nicht verfügen, nämlich Bad, Balkon und Bleich­plätzen. llnd wie kommen diese Einrichtungen gerade auch dem Arbeiter zu stallten, der ermüdet, staubbedeckt nach Hause kommt und dort ein gesundes Heim findet, in dem er sich wohl fühlen kann. Werkmeister Bärrn hatte Pläne milgebracht, womit er den Baukomplex in Frankfurt er­läuterte. An den Vortrag schloß sich eine lange und äußerst anregende Tiskusfron. Oberbürgermeister Mecum ergriff mehrere Male das Wort, um über die Frage des Erbbaurechts in der Gemeinde sich auszulassen. Er be­tonte, daß er, wie bekannt, Anhänger dieser Wohnungs- reformhi fei, an die in großen Städten mit Erfolg heran- .gegangen worden sei. Er wolle auch in der Ge­meinde Gießen, die noch viel Baugelände be­sitze, dafür Sorge tragen, d xi <ß das Erbbau­recht feinen Einzug balle. Diese Auslassung wurde mit lautem Bravo begrüßt. Die Diskussion nahm einen regen Fortgang, und als Werkmeister Bärrn in einem Schlußwort der Ueberzeuguiig Ausdruck gab, daß hier in Gießen die Sache der Wohnungsreform in guten Händen liege, verwies er auf eine hoffnungsvolle Zukunft, der im Interesse einer guten, sozialen Fürsorge in der Frage des Erbbaurechts aller Ersvlg zu wünschen ist.

* Museum des Oberhessischen Geschichts- oerei^^ im alten Rathause. Die sachgemäßen Aus­grabungen der letzten Jahre, die in der nächsten Umgebung unserer Vaterstadt vorgenommen wurden, haben uns schätzens­werte Aufklärung über die Besiedelung unserer Gegend in vorrümischer und römischer Zeit verschafft; dabei sind wert­volle, eigenartige Fuiide aufgedcckt und dem Museum im alten Rathause überwiesen worden. In neuester Zeit gelang es dem Oberhessischeii Geschichtsverein, festzustellcn, daß auch die Eis- und Höhlenzeit ihre sichtbaren Spuren um Gießen herum hinterlassen hat. Am Ostabhang der Hardt, da wo der Fahrweg nach dem Hardthof seinen Anfang nimmt, sind imposante Skeletteile atis der Fauna dieser Periode entdeckt worden. Knochen und Zähne der Höhlen-Hyäne (Hyaene spelaea), des Wild-Pferdes (equus toasile»), des Ur stieres (Bos priniigenius), des Renntieres (Cervus tarandus), so­wie des Rhinozeros (Itbin tichorinus) sind in der KieS- und Lcttenschichl, die durch ein ' fettiges Tonband getrennt ist, dem Boden entnommen worden. Dabei ist zu be­merken, daß das Pferd stch für die ganze Zeil vom Beginn der Dlluvialperiodc vis zur Gcgenwarl fortgesetzt

nachweisen läßt. Das in jener altersgrauen Zeit lebende Rhinozeros, ein Genosse des Mammut (Elephas primigeniue) mit verknöcherter Nasenscheidewand, war mit wolligen Haaren bedeckt, wie die in Eis gebettet gewesenen Funde von ganzen Tieren in Sibirien beweisen. Knochenüberresle derselben, so­wie der Höhlen-Hyäne sinden sich häufig und sind für die Eiszeit charakteristisch. Die an der Hardt gemachten Funde, durch das naturhistorische Museum in Mainz bestimmt, ge­hören der frühdiliivialen Zeit an und sind gleichaltrig mit den in unserem Museum zum Teil aufbewahrten wichtigen Ueberrcsten aus Knochenspalte in Steeden an der Lahn, Re­gierungsbezirk Wiesbaden. Leider konnte bisher das Dasein des Menschen (aus der Paläslithischen Periode) noch nicht festgestellt werden. Die Knochenfunde weisen keine Spaltung auf, welche darauf hindeuten könnte, daß das dadurch ge­wonnene Mark als Nahrung benutzt worden ist, ebenso sind daran keine Spuren einer Bearbeitiing durch Menschenhand wahrnehmbar. In den ersten Tagen des Juli werden diese Funde im Museum ihre Aufstellung finden.

* Fortbildungskursus für Volksschullehrer. Am vergangenenen Samstag hat der dritte wissenschaftliche Fortbilduugskursus für Volksschullehrer an der Landesuni- versität mit einem kleinen Kommers, den auch Se. Magn. der Rektor Prof. Dr. Krüger und die Professoren Dr. Groß und Dr. Sievers durch ihre Anwesenheit beehrten, sein Ende genommen. Wie in den Vorjahren, so hatte sich auch Heuer wieder eine stattliche Anzahl von Lehrern aus Ober­hessen und den benachbarten preußischen Gebieten eingefunden, um in ernstem Streben an der Erweiterung und Vertiefung ihrer Bildung zu arbeiten. Es handelt sich bei den immer zahlreicher ins Leben tretenden Kursen in erster Linie, wie die Herren Rektor Prof. Krüger und Prof. Groß in ihren Ansprachen ausführten, nicht so sehr um den Erwerb ausge­dehnten Wissensstoffes, als vielmehr um eine allgemeiue geistige Anregung, um eine gewisse Methoöik des Denkens. Indem die Hochschule diese Bestrebungen des deutschen Volks­schullehrerstandes mit Freuden begrüßt und unterstützt, ge­währt sie ihm in weitgehendstem Maße Anteil an den Kul­turgütern der Wissenschaft zum Wohl der deutschen Ju­gend. Ter Kommers, der von dem Vorsitzenden des Gießener Lehrervereins, Lehrer Valentin Müller geleitet und mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog eröffnet wurde, nahm den schönsten Verlauf. Im 9tamcn der Teilnehmer dankte Hauptlehrer Storch-Butzbach mit herzlichen Worten Sr. Magn. und den Herren Dozenten für das auch in diesem Jahre den Bestrebungen der Lehrer entgegengebrachte Wohl­wollen. An die Ausführungen des genannten Redners reihten sich wie Üblich gemeinschaftliche Gesänge und dekla­matorische Vorträge heiteren Inhalts an. Auch von dem dritten FortbilLüingskursus kann gesagt werden, daß er alle an ihn geknüpften Erwartungen vollauf befriedigt hat und sicher wird auch der nächstjährige Kursus wieder recht zahl­reich besucht werden.

"Der Abg. Breimer beantragt dringlich bei der II. Kammer, sie wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, der Kammer raschest eine Vorlage zu unterbreiten, in welcher die Besteuerung der in Rhein und Main auf hessischem Gebiete gebaggerten Materialien als Baukics und Bausand vorgesehen ist und zwar vom Kubikmeter 50 bezw. 40 Pfg.

** Das Bahnprojekt Mücke-Ulrich st ein-Rixfeld. Zu Gunsten des ProjektesMücke-Ulrichstein-Rixfeld" werden in einer vom Aktionsausschuß soeben der II. Kammer vor­gelegten Vorstellung mehrere neue Momente angeführt. Man betont, daß der Verkehr der in Betracht kommenden Gegend einzig und allein nach Gießen, mit seinen höheren Schulen, Kliniken, Universität, Landgericht, Märkten :c., und Frankfurt geht, Kirchhain-Kassel aber bedeutungslos ist. Die Linie über Ehringshausen würde neben manchem anderen der Porstellung zufolge auch dem Staatsintereffe selbst nicht ent­sprechen, da sie für Verwertung der Waldhölzer kaum in Betracht kommen könnte und nur den Konkurrenz-Revieren zu Gute käme. Es wird bei dem ProjektMücke" eine ärmere Gegend mit einer zahlreicheren Bevölkerung dem Ver­kehr erschlossen, während das ProjektEhringshausen" einem reicheren Landstrich mit einigen wenigen, gut situierten Land­wirten, ohne nennenswerte Industrie, zu Gute käme, also keinen besonderen allgemeinen Wert für den eigentlichen Vogelsberg hätte. Mücke ist Eisenbahn-Knotenpunkt für Gießen-Fulda und Laubach-Hanau-Frankfurt, und Kirchhain- Kassel; Marburg-Dreihausen-Londorf ober Mücke liegt im Projekt, hier ist also gleichsam der Schlüssel zumVogels- berg und darum kann eine Bahn, die dieses zentrale Berg­land erschließen soll, nur von Mücke ihren Ausgangspunkt finden. Sicher ist ferner, daß das Projekt Mücke-Ulrichstein weit weniger technische Schwierigkeiten stellt, wie das Projekt über Ehringshausen, während es zugleich den Vorzug der größeren Kürze und einer ziemlich gesicherten Rentabilität hat. Das eine ober bas andere noch bestehende Hindernis im Gelände dürfte schließlich hier noch leichter zu heben sein, wie bei der zur Zeit im Bau befindlichen Bahnstrecke Grebenhain-Gedern".

** Von her Stichwahl. Von den 5100 Wählern des Herrn Köhler ist höchstens 1/3 dem liberalen Panier gefolgt; ein starkes Drittel blieb verdrossen zurück, und die übrigen fielen Herrn Krumm zu. Diese Rechnung stimmt für die meisten Orte. Die Sozialdemokraten konnten nur wenige Reserven heranziehen; ihr Stimmenzuwachs er­klärt sich aus der Verdrossenheit im antisemitischen Lager und aus der zweideutigen Haltung vieler Häupter der Köhlerpartei. In vielen Orten ist bekanntlich von dieser offen für Krumm agitiert worden. Allerdings vermochte es die große Mehrheit unserer Bauern nicht über sich zu ge­winnen, der roten Fahne zu folgen. Der Zuwachs der Partei Krumm um mehr als 1800 Stimmen läßt sich auf diese Weise ganz gut erklären; es ytögen allerdings darin wenige Hundert Reserven enthalten, sein. Die 10500 Stim­men für unseren neuen Relchstagsabgeordneten setzen sich aus den 5350 Stimmen für Heyligenstaedt aus der Haupt­wahl, 2. aus 1700 Köhlerwählern und 3. aus 3500 Aian- nern, die bei der Hauptwahl nicht abstimmten und jetzt als Reserven herangezögen wurden. Auf mathematische Ge­nauigkeit macht diese Rechnung keinen Anspruch; es können wohl in vielen Gemeinden die Stimmenverhältnisse in etwas anderen Lichte erscheinen. Wir möchten nur fragen, ob man den Ausspruch Köhlers, daßseine 'Partei das festeste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie" sei, nach für be­rechtigt hält.

* * Erhöhte Fleischpreise. Die Ochsenmetzger in Mainz haben einen Aufschlag von 4 Pfg. für bas Pfund Ochsenfleisch eintreten lassenwegen der hohen Vieh- prcifc", wie die Mainzer Metzgerinnung mitteilt. Die hiesi­gen Metzger Haden vor kurzem bas Kalbfleisch teurer werden lassen. Auf dem Lande versteht man, wie uns ver­sichert wird, diese Verteuerung nicht, und in der Stadt freut man sich picht darüber.

Der evangelische Arbeiterverein hatte gestern eine Besichtigung der Kunstsammlungen unserer Universität veranstaltet. Dieselbe brachte den Teilnehmern eine Fülle von Genuß und Anregungen. Mit gespannter Aufmerk­samkeit folgten die Anwesenden den sachkundigen Erläute­rungen von Professor Sauer und gewannen, von Abteilung zu Abteilung fortschreitend, auf angenehmste Weise einen Ein­blick in die Geschichte und die Entwickelung der griechischen Kunst. Besonderes Interesse erregten neben den Nach­bildungen klassischer Kunstwerke aiich die Erzeugnisse des Kunst- Handwerks, welche erkenyen lassen, baß im griechischen Alter­tum Kunst unb Hanbwerk in nahen Beziehungen griianben haben. Freunden der Natur und der Pflanzenwelt diene einstweilen zur Nachricht, daß Sonntag, den 26. Juli, nach­mittags 2'/z Uhr, eine Besichtigung des botanischen Gartens unb besten Gewächshäuser ftatlfinben wirb, unter Führung von Profestor Hansen. Nichtmitglieder können sich als Gäste anschließen. Sonntag, den 12. Juli, nachmittags 3*/, Uhr, findet auf Textors Terrasse (bei ungünstiger Witterung im großen Saal), Kinderfest statt mit Spielen, Kinderreigen, Musik- und Gesangsvotträgen des Kinderchors (116 Kinder).

* Postalisches. Man teilt uns mit: Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie von Schweinsberg bis zum Basaltwerk Niederofleiden liegt bei dem Postamt in Homberg aus. Der Brief­verkehr Berlins hat einen solchen Umfang angenommen, daß es zur Ermöglichung einer unverzögerten Bestellung der Sendungen dringend erforderlich ist, in der Aufschrift der nach der Reichshauptftadt gerichteten Briefe außer dem Posl- bezirke (C. N. Q., W. u. f. w.) auch die Nummer des Postamts anzugeben, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird (z. B. Berlin, S. 42; Berlin, O. 17). Vom l.Juli ab sind Postanweisungen nach den portu- giesischenKolonien Angola, Capoerdische Inseln, Guinea, Mozambique, St. Thomas und Prinzipc bis zu 400 Mk. zulässig. Das vom Absender zu entrichtende Franko ist das gleiche wie für Postanweisungen nach Portugal selbst, doch gilt diese Frankierung nur bis Lissabon. Für die Weiter- beförderiing von da nach den Kolonien ivird portugiesischer­seits bei Umwandlung der eingezählten Beträge in die portu­giesische Währung eine Gebühr von 75 Reis für je 5000 Reis ober einen Teil hiervon in Abzug gebracht. Zu schrift­lichen Mitteilungen dürfen die Abschnitte nicht benutzt werden. Ueber die sonstigen Bedingungen erteilen die Postanstalten auf Erfordern Auskunft.

(i) Großen-Linben, 28. Juni. In herrlichstem Festesschmuck prangte heute unser Städtchen. Es fand nämlich hier das Verbands fest des Krieger-Ver­bandsHüttenberg" statt, womit gleichzeitig der hiesige Kriegerverein sein F a h n e n w e i h f e st verbunden hatte. Zwischen 1 und 2 Uhr wurden die auswürttgen Vereine empfangen und nach dem schön gelegenen und aufs präch­tigste geschmückten Festplat, neben der im Rohbau voll­endeten Turnhalle geleitet. Gegen *rei Uhr bewegte sich der nicht endenwollende Festzug buraj das Städtchen. Fast jedes Haus war mit Fahnen, Wimpeln, Kränzen, Guir- landen und Tannengrün geschmückt und zahlreiche Ehren­pforten bewillkommneten die Festgäste. Es nahmen im ganzen 35 Vereine an dem Festzuge teil. Tie Spitze des Zuges bildeten acht Reiter in der Uniform der alten hessischen Kavallerie von etwa 1800 bis 1870/71. Ihnen folgten sechs Infanteristen, ebenfalls in der alten Uni­form und Ausrüstung. Daran schlossen sich die Festdamen, welche die neue Fahne trügen, in ihrer schmucken Hütten­berger Volksttacht, die ÄTiegcrb creme, Gesangvereine Har­monie und Germania, der Radfahrerverein, die vollständig neu uniformierte Feuerwehr, der Turnverein, das Fest- koniitee und in einem Wagen die Veteranen. Auf dem Festplay angenommen, begrüßte Landtagsabgeordneter Bür­germeister Leun die Festgäste. Er schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf den Landesherrn Ernst Ludwig. Die Festdamen überreichten hierauf die neue Vereinsfahne, welche der Vorsitzende, Bürgermeister Leun, mit Worten des Tankes übernahm; der Fahnenträger gelobte, allezeit die Fahne in Ehren zu halten. Hiernach überreichte ocr Vertreter der Regierung, Kreisamtniann Dr. Kranzbüh- ler-Gießen die von S. M. dem Kaiser verliehene Fah­nenschleife für mehr als 25 jähriges Bestehen. In begeisterten Worten weist der Redner hin auf das schönste Recht der Kriegervereine, die glorreiche Erinnerung, und auf ihre schönste Pflicht, auf die Pflege der Vatcrlands- lieoe und der Treue zu Kaiser und Reich. Begeistert stimmte die Festversaminlung in das Hoch auf den obersten Kriegsherrn ein. Ter Vorsitzende des Bezirkes Gießen, Bruchhäuser, übergab die vom Präsidium des Hassia^ Verbands gestifteten Ehrentafeln au den Kriegerverein, der jetzt 28 Jahre besteht, an die Kameraden Bürgermeister Leun und Atenges, die 25 Jahre dem Vorstand angehören. Sein Hoch galt derHassia". Bürgermeister Leun verlas hiernach ein Schreiben des leider durch Krankheit an der Teilnahme verhinderten Verbandsvvrsitzenden Bürger­meisters Hardt. Dr. Platz überreichte namens des Krieger­vereins dem langjährigen, verdienstvollen Vorsitzenden Leun eine Schärpe mit Widmung. Tic Feier wurde ver­schönt durch die Gesangsvorträge der beiden Gesangvereine Harmonie" undGermania". Nach dem Festakt ent­wickelte sich auf dem Festplatz ein reges Treiben. Infolge des herrlichen Wetters vermochte der geräumige Fest­platz die Zahl der Festgäste besonders auch aus Gießen kaum zu fassen, die Hallen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachmittags gegen 6 Uhr führten die Fest­damen in ihrer Hüttenberger Volkstracht einen schönen Reigen auf, der zahlreiche Zuschauer herbeilockte. Daran chlossen sich turnerische Auffiihrungen des Turnvereins, Ter gesamte Festplatz ist mit Acetylengas beleuchtet und in diesem Lichte erstrahlen auch an der Turnhalle und der Tnbune bic Namenszüge des Kaisers und Großherzogs. Wohl seilen hat unser Städtchen ein so schönes, vom herrlichsten Wetter begünstigles Fest gefeiert.

e. Schlitz, 28. Juni. Ein tieftrauriges Unglück hat gestern die Familie des Papierfabrikanten Leonhard Habicht betroffen. Sein zweijähriges Töchterchen spielte wie immer an der Schlitz mit Puppe und Schirmchen. Nachdem es eine Zeitlang unbeobachtet dicht an dem Wasser geweilt hatte,

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