Ausgabe 
29.5.1903 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, am 29. Mai 1903.

** Heber den Ausfall der letzten juristischen Staatsprüfung in Darmstadt erfahren wir heute fol­gendes: 22 Herren haben sich dem Examen unterzogen, 2 sind vom Examen zurückgctreten, 7 durchgefallcn. Bestanden haben die Accefsiften Bräunig, Carnier, Dix, Eger, Eulau, Fink, Fricker, HemmeS, Hoffmann, Kaufmann, Lemser, Seibert und Soldan, und zwar 1 mit sehr gut, 5 mit gut und 7 mit genügend.

** Bei der gestern stattgehabten Wahl der Kirchengemeindevertretung wurden gewählt: 1. für die Matthäusgemeinde: 1. Magnus Becker, Vorarbeiter, 2. Friedrich Decker, Agent, 3. I. Peter Egly, Kreisamls- diener L P., 4. Wilhelm Ferber, Rentner, 5. Heinrich Geb­hardt, Oberamtsrichter, 6. Heinrich Knauß, Hauptlehrer, 7. Heinrich Pfaff, Lehrer i. P., 8. Lorenz Spitz, Lehrer, 9. Wilhelm Spörhase, Mechaniker, 10. Wilhelm Spruck, Kauf­mann. 11. für dieMarlusgemeindc: 1. Georg Schwan, Messerschmied, 2. Wilhelm Peter, Stationsassistent i. P., 3. Peter Erle, Gärtner, 4. Ludwig Kümmich, Postsekretär i. P., 5. Karl Schlenke, Oekonomierat, 6. Philipp Völlmar, Schuh- macherineister, 7. G. W. Schneider, Kaufmann, 8. Emil Horst, Bauartikel-Fabrikant, 9. Adam Kauß, Kreiskassenrech- ner. 111. für die Lukasgemeinde: 1. Justus Rinn, Gelbgießer, 2. Ritsert, Posldirektor a. D., 3. Heyligenslaedl, Kommerzienrat, 4. Holtzmann, Professor, 5. Friedrich Seibel, Kaufmann, 6. Siebcck, Geh. Hofrat, 7. Stade, Geh. Kirchen­rat, 8. Drews, Professor, 9. Hermann Spamer, Rentner, 10. Andreas Keßler, Postschaffner, 11. Wilhelm Wagner, Rc- gierungsrat, 12. Heinrich Heß, Schuhmachermeister.

** Reichsgesetzliche Arbeiter-Versiche­rung. Auf Anweisung der Jnvaliden-Versicherungs-Anstalt Gr. Hessen wurden durch die Postanstalten im Jahre 1902 1 122 981 Mk. 63 Pfg. Invalidenrenten, 52 531 Mk. 54 Psg. Krankenrenten und 346 469 Mk. 46 Pfg. Altersrenten, ins­gesamt also für Renten 1 521 982 Mk. 63 Pfg. ausbezahlt. An Beitragserstattungen wurden im Jahre 1902 140 411 Mk. 80 Pfg. auSgezahlt. Im deutschen Reiche wurden im Jahre 1902 in Gemäßheit des Gesetzes vonr 13. Juli 1899 103 884 208 DU. 62 Pfg. an Invaliden-, Alters- und Krankenrenten und 7 171 171 Mk. 73 Pfg. an Beitrags­erstattungen von den Trägern der Jnvaliden-Bersicherung ausbezahlt.

§ Großen-Linden, 27. Mai. Die Erweitcrungs- arbeiten an dem Eisenbahn - Einschnitt zwischen hier und Gießen gehen ihrer Vollendung entgegen. Die Arbeiten waren durch die fortgesetzten Rutschungen des Lett- und Sand­bodens erforderlich geworden, die den Bahnkörper öfters ge­fährdeten. Die Böschungen werden mit Akazien bepflanzt, und am Bahnkörper entlang Mauern gezogen. Wie von fach­kundiger Seite verlautet, erfordern die Arbeiten, die schon über ein Jahr dauern, einen Kostenaufwand von über 100000 Mark.

-t.- Saasen, 28. Mai. Der Pächter der hiesigen Jagd, L. auS Frankfurt a. M., hat auf der Höhe hinter dem Dorfe ein Stück Land käuflich erworben und dort einen hübschen Aussichtstempel errichten lassen. Von dieser Stelle aus hat man einen herrlichen Blick in das hessische Oberland mit seinen gut bebauten Feldern und Wiesen und gepflegten Wäldern. Interessant ist ferner die Stelle dadurch, weil in unmittelbarer Nähe derselben die sehr starke Quelle der Wieseck in einem reizenden Wiesentälchen sich befindet. Der Aussichtstempel, der von Jedermann besucht werden darf, wurde einem hier namentlich von der Kinderwclt beliebten Jagdkollegen des Pächters, Herrn H. Stackemann aus Frank­furt gewidmet und auf den Namen dessen einzigen Töchter­chens MarthaMartha-Ruh" getauft.

§ Butzbach, 28. Mai. Gendarmerie-Distriktskomman­deur Major Zahn in Gießen weilte zwecks Inspektion der Gendarmerie gestern in unserer Stadt und in Rockenberg. Da8 Gasthaus zum Stern (W. Schneider) hier wurde nebst Inventar heute von der GambrinuS-Brauerei Melchior für 74500 Mk. käuflich erworben. Uebergabe des Anwesens soll am 1. August dieses JahreS erfolgen. Der heutige Krämermarkt, welcher als Konsirmandenmarkl früher eine große Bedeutung in unserer Gegend hatte, war nur mäßig besucht und zeigte weniger Berkaufsstände wie in früheren Jahren.

tc. Friedberg, 28. Mai. In Ober-Hörgern fiel der i> Jahre alte Sohn des Polizeidieners Seipp in einen im Dorfe befindlichen Wasserbehälter, der nur mii einer niedrigen Mauer umgeben ist und ertrank.

Ett ingShausen bei Grünberg, 28. Mai. Die ,eüHerbst vorigen Jahres im Bau begriffene Quellwasser­leitung ist jetzt vollständig vollendet mit einem Kostenauf­wand von ungefähr 50 000 Mark. Die Quellen liegen in der Gemarkung Queckborn, die Leitung hat natürliches Gc- säll, Maschinen waren deshalb nicht erforderlich. Da die Ge­meinde finanziell sehr gut steht, so erhielt jeb er B e - wohner den HauSanschluß kostenlos hergestelll. Im Sommer ist cm großes Einweihungsfest geplant.

§ Ehringshausen, 28. Mai. Gestern wurde hier das 50jährige Dienstjubiläum unseres Lehreres hünergarth gefeiert. Die Vertreter der Großh. Kreis- schulkomniission, Kreisrat Dr. Melior, Kreisschulinspektor Mathes und Dekan Wagner, die fast vollzählige Lehrer­schaft des Kreises, mehrere Geistliche, Der Gemeinde , Schul- und Kirck-envorftand, sowie viele Freunde und Verehrer des Jubilars versammelten sich vormittags um 11 Uhr im Schulhofe. Blauer Maienhimmel, liebliches Maiengrün und lieblicl)er Fliederdiist gaben dem Feste eine wirksame Folie. Schülergesang eröffnete im ersten Schulsaale die offi­zielle Feier. Kreisrat Dr. Melior überreichte unter herz­lichen Worten dem Jul'ilar das ihm von Sr. König!- Hoheit dem Großherzoge verliehene Philipps kreuz. Dekan Wagner verlas ein sehr huldvolles Schreiben des Ober­ton sistoriums. Ortspfarrer Heinrichs übergab namens des KirchenvorstandeS den Prachtbund,,Das Leben Jesu". Eine goldene Uhrkette spendete der Bürgermeister im Auftrage der Gemeinde. Lehrer RuckelShausen hier überwies den von der Lehrerschaft gestifteten Plüschsessel, die Schüler spendeten ein Teeserviee und der Präsident des hiesigen Krieg.rvereins einen Weinlühler. Alle diese Geschenke nebst Duftenden BlumLiisiräußen wurden unter herzlichen Worten der An- ertennung der Verdienste des Jubilars überreicht. Tief bo 1DCgt, von Rührung überwältigt, dankte dieser für alle

Gaben. Schlußgescmg der Schüler endigte die offizielle Feier. Eine gemeinsame Mittagstafel vereinte sodann Jubilar und Festgäste im Saale der Weisenbachschen Gastwirtschaft. Kreisrat Dr. Melior eröffnete oen Reigen der Tischreden; er forderte die Festversammlung auf zu einem Hoch auf Kaiser und Großherzog, in das begeistert eingestimmt wurde. Dann pries Kreisschulinspektor Mathes in form­gewandter Rede die Verdienste des Jubilars. Von Herzen kamen, zu allen Herzen drangen die Worte des Dekans Wagner über das freundschaftliche Verhältnis von Schule und Kirche. Es folgten zahlreiche weitere treffliche Reden; sie alle waren glänzende Zeugnisse von den Verdiensten des Jubilars, wie von seiner Wertschätzung und Beliebtheit. Doch dürfen wir die poetischen Worte des Pfarrers Georgi, die eindrucksvolle Ansprache des Landtagsabg. Bauer, die humorvolle Satire des Lehrers Neeb und das Hoch des Lehrers Müller auf die Großh. Kreisschulkommission nicht unerwähnt lassen. Auf alle diese Ansprachen dankte der Jubilar, der sich noch voller geistiger und körperlicher Frische erfreut, in tiefbewegten Worten. Inzwischen langten immer noch Depeschen und Briefe an, sodaß ihre Zahl auf 200 stieg. Stolz kann der Jubilar auf eine solche Ehren- feier sein, stolz ober auch die Lehrerschaft auf eine würdige Anerkennung der Verdienste eines Standesgenossen und stolz die Gemeinde auf den Jubilar und auf ein solches Fest, das sie selber ehrt.

4- Laubach, 27. Mai. Die seit fast 2 Jahren im Bau befindliche Bahnstrecke Laubach Mücke geht jetzt ihrer baldigen Vollendung entgegen. Rian hofft, daß die Eröffnung spätestens am 1. August statlfinden kann. Gegenwärtig wird der Oberbau mit Packlager hergestellt, die Gleise liegen bereits zur Hälfte und zwar von hier bis über Freienseen hinaus. An den Stationsgebäuden werden die letzten Arbeiten ausgeführt. Die etwa 14 Kilometer lange Strecke wird im Betrieb der seitherigen Strecke Hungen-Lau- bach angeschlossen.

? Bobenhausen b. Ortenberg, 27. Mai. Lehrer R. hier stürzte auf einer Radtour bei Forsthaus »Finken- loch" so unglücklich vom Rade, daß er nach einiger Zeit von Leuten in bewußtlosem Zustande gefunden wurde.

r. Eberstadt, 28. Mai. Heute weilt der Unter­suchungsrichter von Gießen zum zweiten male in unserem Dorfe, um hiesige Einwohner zu vernehmen. Be­kanntlich brannten vor einigen Wochen zwei Scheuern im hiesigen fürstlichen Hofgut nieder. Der damals gleich verhaftete mutmaßliche Brandstifter, ein junger Knecht auS Worms, welcher der Sache sehr verdächtig ist, leugnet bis jetzt noch die Tat.

Darmstadt, 28. Mai. Der deutsche Bühnenvercin beschloß heute in der Frage der Kostümlieferung an weib­liche Mitglieder diesen in weitestem Maße entgegcnzukommen. Da aber nicht genügendes Material beschafft sei, werde für November eine außerordentliche Generalversammlung zur cndgiltigen Beschlußfassung in dieser Angelegenheit einberufen werden. Als Mindestmaß wurde schon jetzt die Verpflichtung zur Lieferung von historischen Kostümen an weibliche Chor- mitglieder vom Jahre 1906 ab, angenommen. Sodann wurde die Kündigung im ersten Vertragsmonat nach den Wünschen der Bühnengenossenschaft geregelt.

fc. Mainz, 28. Mai. Nunmehr kam auch in der Bürgerschaft ein Fall von Genickstarre vor. Eine hiesige junge Dame wurde davon befallen und durch ihre Angehörigen ins Rochusspital gebracht.

Vermischtes.

* Paris, 28. Mai. Hiesige Blätter wiffen folgendes zu erzählen: Ein französischer Mitkämpfer aus dem Kriege 1870/71 namens Midelin ist nunmehr aus der deutschen Gefangenschaft nach Frankreich zu rück gekehrt. Er diente damals in einem Zuaven- Regiment, wurde gefangen genommen, entfloh und wurde wieder ergriffen. Er unternahm dann einen Fluchtversuch, wobei er einen Wachtposten tödlich verwundete, wofür er zu 30 Jahren Kerker verurteilt wurde. Die Schläferin von Thsnelles, welche sich ununterbrochen seit 20 Iahren in einem lethargischen Zustande befindet, ist jetzt erwacht. Sie ist schwindsüchtig ge­worden. In ärztlichen Kreisen beschäftigt man sich eingehend mit diesem Fall.

* Krakau, 28. Mai. Auf der Eisenbahnstrecke Wien- Krakau wurden aus dem Gepäck der Gräfin Skarzinska Schmucksachen im Werte von 60,000 Kronen ge- stohlen. Als Dieb ist em Schaffner namens Schastok ermittelt worden.

* lieber die schwere Bootskatastrophc, welche sich auf der Warthe in der Nähe von Dembno bei Neu­stadt in Der Provinz Pofen ereignete und bei welcher elf Schulkinder ertranken, wird noch aus Posen tele­graphiert: Etwa 40 Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren aus verschiedenen Orten, die dem katholischen Religions­unterricht in Dembno beiwohnten, mußten, um wieder nach Hause gelangen zu können, über Die Warte übergesetzt werden. Trotz der zahlreichen Passagiere nahm der Fähr­mann einen Kahn, Der schadhaft war unD dessen Leck er mit Werg verstopfte. Als sich das Fahrzeug schon auf Dem Fluß befanD, löste sich Das Werg, Das Wasser Drang ein und Das Boot begann zu sinken. Die ÄinDcr gerieten in Todesangst unD Drängten sich instinktiv nach Dem Hinteren Ende des Kahnes, um Dem LanDe möglichst nahe zu sein. Das Boot {enterte und 11 ÄmDer fanden Den ToD in Den Fluten, währenD Die anderen sich nut Mühe unD Not ans Ufer retten konnten. Auch derFährmann i ft ertrunken. Am Ufer, wo Die Mütter Der verunglückten Kinder diese erwarteten, spielten sich herzergreifende Szenen ab.

Unsere Militärmusrt hat bei Dem heutigen Regi- mentsfeste wieder einmal Gelegenheit, ihre Kunst zu zeigen. Die Militärmusik ist uralt, (»eit Die Menschen zum Kampf gegeneinander auszogen, iifb jederzeit Musik oder Gesirng zui Anfeuerung der Krieger verwendet, und wenn man den Anfängen Des Jnsfimmentenspiels, das die Grundlage unserer jetzigen Militär- und Marschmusik bildet, nach­forschen will, so müssen wir das erste Buch Mosis zu Hülse nehmen und unS bis in die aller graueste Vorzeit führen lassen Danach soll um das Jahr 600 nach Erschaffung der Welt ein Nachkomme Kains, Jubal, Der Erfinder des Jnstrumentenspiels und insbesondere Der Vater der bis auf Den heutigen Tao Den Trommelschlag begleitenden Pfeifer gewesen sein. JedenjaLs ifc der Lern Der Militär­

musik, der Marsch in seiner taktischen, rhythmischen Glie­derung und melodisch-harmonischen Entwicklung, eine Er­findung der Deutschen in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Es entstand dadurch eine in sich abgeschlossene Musikgatt- ung, die den 9lamen von ihrer Bestimmung erhielt. Von dieser Zeit an begannen die Heere nach der Musik in gleich­mäßigen Schritten zu marschieren. Man führte nun nach und nach auch neue Instrumente ein, wie die Hvdoe, die lange Zeit ausschließlich in Der Militärmusik verwendet wurde. Weil sie als Melodie blasendes Instrument am meisten Dominierte, legte man den Militärmusikkorps den Namen Hoboistenkorps bei. Friedrich der Große, der be­kanntlich selbst Märsche komponierte, rief bieArmee- Märsche" ins Leben, die die nachfolgenden Könige aufrecht erhielten und fortsetzten. werden demnach Märsche, die sich durch sangbare Melodie, originellen Rhythmus und ein­fache, geschmackvolle Instrumentation auszeichnen, zu Ar­meemärschen ernannt, Die Dann in die Mustersammlung der König!. Preuß. Armeemärsche aufgenommen und dann an sämtliche Regimenter verteilt werden. Die Militärmusik, bie bei uns seit Der Erfindung des Marsches im eigentlichen Sinne des Wortes Marschmusik war, hat indessen seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts diesen Zweck nicht mehr so ausschließlich wie früher. Namentlich wirkte Friedrich Wilhelm IV. auf die Militärmusik veredelnd ein, indem er viele klassische Sachen für Militärmusik zu in­strumentieren befallt. Aucy war er ein eifriger Förderer Der Preismarschaufführungen; er hörte selbst Die einge­laufenen Preisarbeiten an und ernannte Die gekrönten Preis­märsche zu Armeemärschen. Ebenso widmet unser jetziger Kaiser der Entwicklung Der Militärmusik sein besonderes Interesse. Er hat den historischen Armeemärschen einen Ehrenplatz in der Militärmusik gegeben.

Hanöel uui> Verkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 28. Mau Der Privatdiskont ermäßigte sich heute aut 3h, Proz., Ultimogeld auf 3% Proz.

Leipzig, 27. iDlai. Um sich gegen die wirtschaftlichen folgen des amerikanischen Tadaklruits zu wehren, welcher Die Dresdener Zigarettenfabrik Jasmatzi seinen Interessen dienstbar zu machen verband, beschlossen die hiefigen Zigarrenhändler, alle 6m- psehlungsplakcue re. der letztgenannten Firma aus ihren Schau- senflern zu nehmen und nur auf besonderes Verlangen der Käufer Jasmatzi-ZigareUen zu liefern.

Mannheim, 28. Mai. In der heutigen ordentlichen General­versammlung der Gesellschaft Stahlwerk Al an n heim in Rheinau waren 769 Aknen durch neun Personen vertreten. Tie Bilanz sowie die Verwendung des sich aus der Sanierung ergeben­den Buchgewinnes zu den von der Verwaltung vorgeschlagenen Ab­schreibungen wurde genehmigt und Auffichtsrat imo Vorstand Ent­lastung erteilt. Aus dem Aussichtsrat auSgeschieden sind Direktor I. Neuberth und Franz Winkler. Neu gewählt wurden Rechts­anwalt König, Direktor Otto Riedel, Hugo Stinnes und Dr. Fer­dinand v. Znccalmaglio, sämtlich in Mannheim.

LebcusversichcrungS- und Ersparnis-Bant in Stuttgart. Der Rechnungsabschluß 1902 weist einen Gesamtüberschuß von Alk. 8 371 880 aus, den höchsten, welchen die Bank bisher erziell bat. Auf die Todesialloersicherten entfällt davon die Summe von Mk. 8 317 153, d. i. 34,7 Pro», der gewumberechtigten Prämien (im Vorjahre 33,8 Proz.). Der Rest nut Alk. 54 727 gehört der Gruppe der Altcrsversicherlen. Zur späteren Dioidendenverleilung an die Todesfallversicherlen fließen nach dem Vorschlag des VerwaltungS- rates von dem oben angeführten Ueberschuß Mk. 7 637 441 in die Gewinnreserve; an die Allgemeine Reserve wird der Betrag von Alk. 600 000 abgezweigt, wodurch sich dieselbe auf Mk. 4 700 000 erhöht; Alk. 49 711 werden der Kursausgleichungsreserve und Mk. 30 000 dem Pensionsfonds der Bankbeamten zligewiesen. Das Gesamtvermögen der Bank stellt sich damit Ende 1902 auf Mark 212 529 195, wovon Mk. 38 505 857 auf Extra- und Dividenden- rejerven entfallen.

Arbeiterbewegung.

Dresden, 28. Mai. Nachdem bereits vorgestern in den Abend» und Nachtstunden anläßlich des Bauhandweckerausstandes Aus- s ch r e i t u n g c n stattgesunden haben, kam es gestern zu erneuten Ruhestörungen. Ausständige versuchten gegen Abend gewaltsam Arbeitswillige vom Baugrundslück zu vertreiben. Zur Wiederher­stellung der Ruhe mußte die Gendarmerie mit blanker Waffe vor­gehen, da die Menge heftig widerstand und teilweise angriff. Nach Perbeiziehung beratener Gendarmerie wurden die Ruhestörer aus den angrenzenden Straßen vertrieben, viele wurden verhaftet. Durch Vermittlung des Oberbürgermeisters Beutler ist der Streü zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beigelegt worden.

Näder.

Neuer Luftkurort. Ein für Sommerfrischler eingerichtete Ort ist: Fels°Eck in Treis a.d.Luinda, Kreis Gießen. Dienen erbaute, in diesem Frühjahr erweiterte Villa ist mit allen Bequem­lichkeiten für Sommerfrischler hergerichtet. Am südlichen Abhange von dem mit Laub- und Nadelholz bewaldeten Todenberg ist m einer Entfernung von 56 Minuten bie genannte Villa sozusagen in einen Felsen hineingebaut. Die Anlage ist terraffenformg, das ganze Besitztum, emschließlich einer mit Spaziergängen und ver­schiedenen Ruheplätzchen versehenen Gartenanlage bietet auch ben- jemgen, welche nicht gerne Berge steigen unb benen bet Walb zu weit ist, Erholuirg und Bewegung in frischer, reiner tiuft. Balkons und Terrassen bieten Aussicht.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt alire unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wer hat wohl die rechtliche oder moralische Verpflichtung, die Anlagen" am ^utherberg zu unterhalten? Bäume, Sträucher und Busche alles grünt, sogar bie Plätze und Wege um Luther­eiche und Schillereiche. An dürrem polz auf den Pfaden unb in ben vecken fehlt es nicht. Dagegen stehen auch einige der steinernen Reiteniräger schief, die Ketten hängen lose herunter, eine ist zerrissen und liegt in Stücken auf der Erde, gerade so schön noch, wie im Herbst des vorigen Jahres.

Ein einsamer Spaziergänger.

4amilirii-$ladjridjlrn.

Geboren: Mr. William Forst il Frau Tina, geb. Muth, in Newyock-Eity eine Tochter. Gestorben: MinnaBauer inBad-- Slauheim.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Mai 1903.

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