vdtder darf pvllttfch tätig sein, nichts Politisches für irgend eine Leitung schreiben. Bei Verletzung deS Dekrets erfolgt fofvrtrge AuÄveisung.
Aus Stadt und Land.
Gießen, am 29. April 1903.
•* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 9, Hai außer der schon gemeldeten Verleihung der RettungS- Medaille an Josef Tiderrch zu Mainz noch folgenden Inhalt: Bekanntmachung, die Ergebnisse aus der Rechnung der Staatsschuldenverwaltung für das EtatSjahr 1899/1900 betreffend. — Bekanntmachung, den SteuerauSschlag für den RabbmatS- gehalt zu Offenbach für 1903/04 betr. — Uebersicht der vom Großh. Ministerium deS Innern für das EtatSjahr 1903,04 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfniffe in den Gemeinden deS Steuerkommiffariats Alzey. — Dienstnachnchten. — Konkurrenzeröffnungen.
** Konkurrenzeröffnungen. Erledigt find eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nauheim, mit der Stelle ist die Hälfte deS Organistendienstes verbunden; eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- rneindeschule zu Wemb ach-Hahn, mit der Stelle ist Or- ganistendienst verbunden; eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dortelweil, mit der Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden; eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stammheim, mit der Stelle ist die Hälfte deS Organistendienstes verbunden; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rixfeld, mit der Stelle ist Or- ganisten-, Kantor- und Lektordienst verbunden; an der Volksschule zu WorrnS, 8 Lehrerstellen, von denen 5 mit evangelischen Lehrern zu besetzen sind und eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzen ist; eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Gundersheim, mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, die Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu Planig, mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Bieber, eine mit einer katholischen Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gememdeschule zu Mühlheim; sämtlich mit dem gesetzlichen bezw. satzungsmäßigen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.
** Kanalisation. Die Stadtverordneten werden, einer Einladung des Herrn Oberbürgermeisters folgend, am kommenden Donnerstag die foroeit fertiggestellte Kanalanlage in der Bahnhofstraße besichtigen.
- Gießener Omnibus-Gesellschaft. Der Jahresabschluß der Gießener Omnibus-Gesellschaft, E. G. m. b. H., hat im vergangenen Jahre wieder einen Fehlbetrag von 3107 Mk. 70 Pfg. ergeben, der im Interesse der Erhaltung dieses gemeinnützigen VerkehrSinstituts wohl wieder von der Stadt gedeckt werden wird. Eine Einstellung des Betriebes würde wohl von keiner Seite gutgeheißen werden, da das Publikum sich bereits sehr daran gewöhnt hat und unser ganzes Straßenbild darunter leiden würde. Auch wird bei der demnächst zu erwartenden Eröffnung des abseits gelegenen neuen Friedhofs eine Fahrgelegenheit ein unabweisbares Bedürfnis fein. Die Kanalisationsarbeiten und die dadurch bedingte Sperrung der Hauptverkehrsstraßen, sowie die hohen Futterpreise sollen hauptsächlich daS ungünstige Resultat gezeitigt haben. Immerhin muß festgestellt werden, daß der Personenverkehr in der Stadt seit Gründimg der Gesellschaft (1894) stetig zugenommen hat und noch zunimmt, nur die Fahrten Schiffen berg und Wieseck haben weniger gute Einnahmen erzielt. Der Vorstand hat bereits erwogen, beide Linien eventuell ganz eingehen zu laffen. — Die Mitglieder- zahl ist durch Todesfälle von 137 auf 134 gesunken, deren Gesamthaftsumme am 1. Januar d. I. 219 000 Mk. betrug. An Fahrgeldern wurden vereinnahmt 21 401.20 Mk. Die Ausgaben betrugen 28 439.31 Mk., denen eine Gesamteinnahme von 26 831.61 Mk. gegenübersteht. Der Reservefond beläuft sich auf 4476 Mk. An Aktioas sind 22 688.77 Mk., an PassivaS 16 918.96 Mk. vorhanden, mithin am 81. Dezember 1902 ein Vermögen von 6674.82 Mk.
** Besitzwechsel. Das seither Herrn G. E. Seng, z. Zt. in Nauheim ansässig, gehörende Anwesen SelterS- weg 60 ist heute für 70 000 Mk. an den Kaufmann August Waag übergegangen.
** Deutscher Flottenverein. Der Landes-Ver- band für Hessen hält am 24. Mai inMainz seine Hauptversammlung ab. Der Verein hat in Heften im ab- aelaufenen Jahre Fortschritte gemacht. Die Mügliederzahl stieg von rund 5000 mit 8460 Mark Beiträgen auf 6300 mit 10 200 Mk. Verträgen. Diese Entwicklung iftrn erster Linie eine Folge der biologischen und kinematographischen Vor- ührungen. Letztere wurden in 15 Ortsgruppen vercm- taltet und von über 30000 Personen besucht. Während »er Landes-Verband im vorigen Jahre nur zivei Kreis- Verbände, 17 Ortsgruppen, dagegen 39 Vertrauensmänner- Stellen iptb 225 Verteilungsstälen zählte, ist jetzt die Zahl der Kreisßruppen auf 6, die der Ortsgruppen auf 50 gestiegen, wohingegen die Zahl der Vertrauensmänner- ftellen auf 30 und der Verteilungsstellen für die Flotte auf 170 sank. In WormS stieg bte MitgUede^ahl von 11 auf nahezu 400, in Friebberg von 27 auf 120, in Oppenheim von 98 auf fast 200.
)( Groh-Eichen, 27. April. Der hiesige Gastwirt Merz hatte sich eine unbedeutende Verletzung am Gesicht Sugezogen, plötzlich trat Blutvergiftung ein unb der aKann geriet in Lebensgefahr. Indessen befinbet er sich jetzt auf dem Wege ber Besserung.
Gründerg, 27. April. An einem, und wohl einem der ältesten Gebäube, — einem alten Wahrzeichen unserer ©tabt im Volksmnnb „die alte Sau Pforte" ge- nannt, wirb burch ben Besitzer Louis Stein gegenwärtig em Umbau vorgenommen. Die beiben unteren »Stockwerke toerben entfernt unb an deren Stelle der Neuzeit entsprechende Geschäftsräume eingerichtet. Tas Haus trägt feinen Namen von der ehemals ui nächster Nahe vorhandenen ftaifen Pforte gleichen "Namens. Wenn auch ber Name nicht gerade schön Hingt, so würde man es doch bedauern, wenn nach slattgehabtem Umbau eine new- modische, nicht entsprechende Aufschrift an dem Hause angebracht 1 verben lollte. Ter Name muß forlbestehen, aerobe so tote auf dem gegen über steh enden Naclwarhause der Name Grunderg hat eine reiche Vergangen
heit, aber vieles, das einstens unserer Stabt zur Zierde gereichte, ist bem Zahn ber Zeit, aber leider auch der Modernisierungssucht zum Opfer gefallen; wir erinnern nur an bas Rathaus unb ben alten Marktbrunnen. Die Mauern und Türme, die einstens unsere Stadt umgaben, sind gefallen; die Pforten sind verschwunden, durch welche unsere Urväter aus- unb ein gingen, stolz auf ihre wohl- verbrieften Rechte und Freiheiten. Es mag wohl auf einem Versehen beruht haben, baß man seinerzeit beim Andrin gen ber Schilber mit ben Namen der Straßen unb Plätze nicht auch an den betreffenben Ausgängen ber Stadt die Namen ber hier einstens gestandenen Pforten anbrachte. Vielleicht dienen diese Zellen dazu, daß bas Versäumte nachgeholt wird. (Gr. Anz.)
WormS, 28. April. Der Ausschuß für Errichtung eines Küchler-DenkmalS trat gestern zu einer Sitzung zusammen, um die Platzfrage zu regeln, sowie die Ausführung deS Denkmals an den Künstler Hirt desinitio zu übertragen. An Oberbürgermeister Köhler soll die Bitte gerichtet werden, der Stadoerordneten-Versammlung eine Vorlage zu machen, worin die Planierung und Umgestaltung des Lindenplatzes zu obigem Zweck auf Kosten der Stadt (resp. als Beitrag zu den Gesamtkosten) übernommen werden soll. (W. Z.)
Biebrich, 28. April. Eine gute Praxis hat der .Wunderdoktor' Muller hier. Gestern besuchten diesen wegen Kurpfuscherei mehrfach vorbestraften Taglöhner ca. 150, schreibe hundertundfünfzig von Denen, die nicht alle werden.
Vom Rhein, 28. April. Seit gestern laffen endlich die Nachtigallen ihre Weisen wieder ertönen, was sonst bei besserer Witterung schon um den 18. April zu geschehen Pflegte.
Bad Hornburg, 28. April. Der Bericht der Kurverwaltung für 1902 weist eine Steigerung der Kurfrequenz von 12 381 auf 12 424 Personen nach; es entfallen hiervon auf Deutschland 7400, auf England 2400, auf Amerika 1100 Personen u. s. w. Die englischen Besucher haben sich gegen das Vorjahr um 400 vermindert, was burch Zunahme der Gäste aus Deutschland und Rußland ausgeglichen wurde. Die Zahl der abgegebenen Bäder hat sich gegen das Vorjahr um rund 2600 vermehrt; der Mineralwasser-Versand ist um 11 000 Flaschen gestiegen.
Hersfeld, 28. April. Bei Friedlos fiel ber 35jähr. verheiratete Fabrikarbeiter Re in müller aus Sorga in der Dunkelhell von einem provisorischen Steg in die Fulda und ertrank.
fa. Kassel, 28. April. Unser Eisenbahnminister General Budde wurde als Leutnant im Gefecht bei Noisse- ville 1870 schwer verwundet. Sein damaliger Bursche, der jetzige Zugführer Schwarz hier, trug ihn mit einem Kameraden aus dem dichten Kugelregen heraus und pflegte ihn bis zu seiner Genesung. DaS hat ihm Budde nicht vergessen. In der vorigen Woche beschied der Minister den Zugführer nach Bebra und nahm ihn in seinem Wagen mit bis Eichenberg, wobei allerlei Erinnerungen aus dem Soldatenleben ausgetauscht wurden. Beim Abschied schenkte der Minister seinem ehemaligen Burschen einen Pokal mit silbernem Beschlag und der Widmung: Seinem treuen Kriegskameraden und Begleiter zur Erinnerung. Leutnant Minister Budde. Noiffeville 1870. Kastel 1903.
fc. Kassel, 28. April. Gegen den früheren Prokuristen ber Trebergesellschaft, Bollmann, wurde Anklage wegen Betrugs, begangen in feiner Tätigkeit für die genannte Gesellschaft, erhoben.
Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbarstaaten. In Frankfurt a. M. starb im 70. Lebensjahre ber Oberlehrer Isaak Blum, sell 36 Jahren Lehrer ber Naturwissenschaften an ber Realschule ber israelitischen ©emeinbe, bem sogenannten Philanthropin, baneben arbeitenbes Mitglieb unb wieberholt Direktor ber Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft. In weiteren Kreisen würbe er bekannt burch bie Verwendung beö Formaldehyds zur Erhaltung tierischer unb pflanzlicher Präparate. — Der Bunb beutscher Gastwirte hält feinen biesjährigen Bundestag vom 20. bis 28. Juli in Mainz ab. — In BenSheim starb nach längerem Leiben Profestor Kaufmann, Gymnasiallehrer i. P., hn 78. Lebensjahr. — Die Metzger in Bechtheim ftnb, wie bie Zeitungen melben, größtenteils mit ben Fleischpreisen herabgegangen, so baß Schweinefleisch unb Rindfleisch bas Pfund gegenwärtig um 64 Pfg. verkauft wirb. — Em Einbruch in bie Liebfrauen- irche in WormS würbe in ber Nacht von Samstag aus Sonntag verübt. Der Täter zertrümmerte ein bemaltes llirchensenster unb ließ sich mittelst eines WingertSbrahteS in bas Innere ber Kirche hinunter. Hier erbrach er drei Opfer- töcke. Da dieselben aber am Donnerstag erst entleert worben waren, so ist bem Einbrecher nichts in bie Hänbe gefallen. Von bem Täter fehlt bis jetzt jebe Spur.
Abhängigkeit des deutschen Vieh» und Fleischmarkteö vom AuSlande.
Neber diese Frage bemerkt die Denffchrift „Ergebnisse der Ermittelungen, toelche über den Umfang, die Ursachen und die Wirkungen der im Jahre 1902 eingetretenen Steigerung der Fleischpreise angestellt worden finb":
„Was die Abhängigkeit vom Auslande bedeutet, zeigt >as Beispiel vom Schmalzmarkt. Da Schweinespeck und Schmalz ungehindert von Amerika eingeführt werden können und Die sehr niedrigen amerikanischen Preise eine : tonturren^ des Inlandes ausschließen, ist man in Deutsch- 1 and immer mehr dazu übergegangen, anstatt der früheren Rassen mit ig.r ob körnigem Fleisch und reichlichem, festem Speck Schweine mit zartem Fleisch und weniger Fett zu züchten, die mehr dazu bestimmt waren. Brat- und Koch- leisch zu liefern, als Speck und Schmalz, letzteres aber Dom Ausland, besonders 9lorbameri£a, zu beziehen. Die ftolge der hierdurch her vor gerufenen Abhängigkeit vom Auslände war die, daß beim Ausbleiben des amerikanischen Speckes und vor allem des Schmalzes eine ganz gewaltige Preissteigerung für letzteres eintrat (im Jahresdurchschnitt 1902 gegenüber 1901: plus 19,9 Prozent, gegen 1900: plus 44,9 Prozent, zeitweise noch größer) und daß die Lage des lllländischen Schweinefteischmarktes verschärft wurde, inbem J>ie Händler und Fabrikanten von Dauerwaren, welche Speck und Schmalz benötigen, den Fleischern, die Fleisch zum Zivchen und Braten verkaufen, auf bem Schweinemarkt als Konkurrenten gegen übertraten. Welchen Einfluß die Lieferung amerikanischen Speckes unb Schmalzes auf den deutschen Markt hat, geht aus dem Umstande ;ervor, daß früher Die inländischen Fleischer zur Eiitschul- bigung der hohen Preise, die sie beim Zuruckgehen ber
Schweinepreise in den Jahren 1899 und 1900 nahmen, als Grund vorgaben, sie müßten so hohe Fleischpreise nehmen, weil stn infolge der amenfanifeben Konkurrenz beim Speck und Schmalz zusetzen müßten. Wenn die Grenzen also 1902 gegen das Ausland geöffnet worden wären, so würde dies nichts oder doch nur vorübergehend etwa- geholfen haben (es wird berichtet, daß es schon schwierig gewesen ift, das kleine Kontingent für Oberschlesien zu- sammenzubringen). Wer selbst wenn dadurch eine wesentliche Entlastung des inländischen Marktes hätte herbei- geführt werden können, wäre bem Verlangen doch nicht nachzukommen gewesen, wenn nicht die zur Gesundung der einheimischen Viehbestände durch die Grenzsperren und durch die schärfet: veterinärpolizeilichen Maßnahmen im Jnlande unter schweren Lasten und großer Mühe errungenen Erfolge wieder aufs Spiel gesetzt werden füllten. Die deutschen Viehbestände erfreuen sich einer verhältnismäßig befriedigenden Gesundheit. Insbesondere llt es mit vielen Opfern gelungen, bie Maul- unb Klauenseuche feit zwei Jahren auf einem Stand zu halten, ber die Hoffnung auf vollständige Tilgung dieser verderblichen Krankheit nicht unberechtigt erscheinen läßt. Tie Lungen- seuche des Rindviehes ist zur Zeit ganz erloschen. Tie Schiveinebestände leiden allerdings noch in nicht unerheblichem Matze an der Sckstoeinefeuche, aber ber Ansteckungsstoff hat offenbar seine Kraft schon wesentlich eingebüßt, unb es besteht die Hoffnung, daß auch diese Seuche, wenn auch erst durch jahrelange Arbeit getilgt werden wirb. Alle Mühe würde aber umsonst sein, wenn neuer Ansteckungsstoff eingeführt würde, unb dieser An- steckungsstoff ist gerade in den Ländern, aus denen allein eine bettächtliche Einfuhr stattfinden konnte, well verbreitet. Den Gefahren der Einschleppung von Seuchen durch veterinärpolizeiliche Maßnahmen an ben Grenzen vorzubeugen, wie vielfach vor geschlagen würbe, ist nach sachverständiger Ansicht und vielfacher Erfahrung nicht möglich. Dieses näher zu begründen unb die von ben einzelnen für bie Einfuhr von Vieh in Frage kommenden Ländern drohenden Gefahren barzulegen, würde den 11m- fang dieser Ausführungen überschreiten." ________
Vermischtes.
• Kiel, 28. April. Der Verteidiger HüfsenerS beantragte Ladung der Lehrofsiziere zum Zwecke der Auftlärung über die Instruktion. Zur Verhandlung sind 16 Zeugen geladen.
• Monte Carlo, 28. April. Hier ertränkte sich ein junger Mann aus Köln, Joses Bruck, nach einem erlittenen Verlust von 100 000 Mk.
Selbstmord versuch eines Einjährig-Freiwilligen. Der 20jährige Sohn des Gutsbesitzers und früheren Hauptmanns im 4. Garderegiment Cutt Richter dient seit dem 1. Oktober v. I. in demselben Regiment als Einjährig-Freiwilliger. Der junge Mann wurde wegen Ausbleibens über Zapfenstreich und Nachlässigkell im Dienste mehrfach bestraft. Als am Montag Niorgen das Regiment zum Ausrücken antrat, fehtte er. Der Hauptmann schickte seinen Burschen nach der Wohnung des Einjährigen, um sich nach dem Grunde des Ausbleibens zu erkundigen. Als Richter den Burschen im Nebenzimmer mll der Wittin sprechen hötte, nahm er feinen Revolver und versuchte sich durch einen Schuß in den Kopf zu töten. Die Kugel drang chm durch die rechte Backe, ohne ihn lebensgefährlich zu verletzen. Der Verwundete wurde von einem Arzte des Regiments verbunden und dann nach dem Garnifonlazaret gebracht.
* Feuer an Bord. Nach einer Meldung der ,Frkf. Ztg.^ aus Saloniki brach an Bord des nach Konstanttnopel fahrenden Dampfers „Guadalquivir' Feuer auS. Der Dampfer wurde, nach einem später eingetroffenen Telegramm, zu einem Wrack verbrannt, von einem anderen Dampfer hier eingeschleppt. Mehrere Verletzte und sämtliche Paffagiere sind in Sicherheit. Die Ursache des FeuerS ist eine Explosion d es Kessels.
* Ein lustiges Mißverständnis wird der „Schlesischen Zellung' aus einer Breslauer Privatschule beruhtet. Em kleines Mädchen erzählt aus der ftanzösischen Stunde, in der kein Wort deutsch gesprochen werden darf: „Die Lehrerin machte immer Kille Kille mit mir, unb ich mußte Zebra sagen.' Die Lehrerin hatte nämlich der Klaffe beibringen wollen, was der „Arm' auf französisch heißt und, da sie das Wort „Ann' nicht gebrauchen sollte, die Zeichen- prache angewendet, die Kleine also wrederhott auf den Arm getippt und dazu gesagt: „C'eet le brael*
• Ein Studentenulk. Ein eigenartiger Aufzug bewegte sich Montag durch Göttingens Hauptstraßen. Unter den Klängen des Chopinschen Trauermarsches wurden zwei Musensöhne von chren Komilitonen 3um — Karzer geführt. Die Delinquenten befanden sich gefeffelt auf einem von Ochsen gezogenen Leiterwagen. Die Schwere deö Verbrechens illustriette ein in ein blutrotes Gewand gehüllter, mit einem Holzbeil versehener Scharfrichter, der neben mehreren Bütteln auf dem Vorderwagen mit Platz genommen hatte. In mehreren Droschken wurden Betten der Verbrecher nachgeführt. ES folgten auf einem Möbelwagen zechende Studienbrüder, die ür die anscheinend nicht mehr leistungsfähigen bedauernswerten Opfer der gestrengen Universitätsjuftllia — die Herr- kerSmahlzeit einnahmen.
Kunst und Wissenschaft.
— Eine ncueCpcrettc von SidneyJoneS. Eine neue Operette, »Die Medaille und das Mädchen", ging am Samstag zum ersten male im Lyric-Thearer zu London in Szene und wurde vom Publikum recht freundlich ausgenommen. Das Opus entflammt der Feder der Herren Owen Hall und Sidney Jones, derVersaffer der „Geis ha". Sidney Jones hat fernen Rus als einen der besten, wenn nicht der beste, lebenden englischen Opereltenkomponisten bewahrt, und deshalb dürfte „The Aiedal and the Alaid" über kurz oder lang auch auf deulfcben Bühnen erscheinen.
— Dr.Hochs Kons ervatorium zu Fr anksurta. M. Im Juni d. I. wird Dr. Hochs Konservatonum die Feier feines 2öjährigen Bestehens begehen. Ter 1874 geftorbenc Tr. jur Joseph Paul Johann Hoch hatte durch ein im Jahre 18ü7 errichtetes Testament sein ganzes Vermögen mit geringen Ausnahmen jur Gründung einer Anstalt „zur Förderung der Musik in jeder Weise" bestimmt. Joachim Raff war der erste Lener der Anstalt, nach feinem allzu frühen Hmscheiden trat Bernhard Scholz an ihre Spitze, der heule noch m voller Schaffenskraft die Leitung inne hat.
AlniuerMts Nachrichten.
Bonn, 28. April. Hofbaurcn Ihne, der Hofarchitert des Raffers, weckte m der vergangenen Woche eurige Tage hier. Es


