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M.Tön, Äamtittyiitatov i. P. uut. Jaslowsti, Win Zecher. Lehrer Mulch RreiSbiener.
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Nr. 280
Zweites Blatt« 153. Jahrgang
Samstag 28. November 1903
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Di- „Glehener Famllienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der „hejßjche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Glehener Anzeiger
verantwortlich für den allgemeine» EeEt P. Witt ko; lür den AnzetgenteU: fc» ®«fit
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lecher»
Unwerfttätsdruckerei (Prelsch 6d>m), ®ic&au
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben.
pie Ycutige Mmmcr umfaßt 18 Seiten.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Nov. Das Kaiserpaar machte gestern einen Spaziergang in der Umgebung des Neuen Palais.
— Tem preußischen Landtage wird, wie tierärztliche Fachblätter bestimmt versichern, eine die Kreis - tierärzte bettessende Vorlage zugehen. Es ist, wie aus einem Bescheide des Landwirischaftsministers an die Zen- ttalvertretung der tierärztlichen Vereine sich ergibt, in dem Gesetzentwurf geplant, den Kreistierärzten die Pensionsberechtigung zu verleihen und ihre Tienstbezüge ander- wett zu regeln. Die Gehälter der Kreistierärzte sollen durch den Staatshaushal.s tat erhöht werden. Die Ordnung der Nangverhältnisse, von der auch die .Höhe der Reisegebühren abhängt, bleibt der königlichen lättfchließ- ung Vorbehalten. — Ebenso sicher ist, daß die dem Reichstage zugehende Heeresvorlage die notwendigen Forderungen für die Chargen des M i li t är v e t e r i n ä r- Osfizierkorps enthalten wird. Es ist kein Zweifel, daß die Bearbeitung des Organisationsplams im Kriegsmini- sterium längst abgeschlossen und die kaiserliche Genehmigung schon eingeyott ist. Eine Bekanntgabe der Organisation wird jedoch, bevor der Reichstag ihre finanzielle Basis bewilligt hat, kaum erfolgen.
— Die „Bert. Pol. Nachr." halten die Annahme für gerechtfertigt, daß über den durch Mehrerträge der Uebec- weisungs,leuern gedeckten Betrag hinaus eine Vermehrung der M a t r i ku l a r um l a g e n für 1904 gegenüber dem diesjährigen Betrage im Erat nicht vorgesehen sein werde.
Ausland.
Kopenhagen, 27. Nov. Nach der heutigen Staatsratssitzung brachte der Finanzminister im Folkeihing einen Gesetzentwurf ein, nach dem 11 Millionen Kronen aus dem 19 Millionen Kronen betragenden Reservefonds der staat- llchen Lebensversicherungsanstalt an die Staatskasse über- ttagen werden, ferner ein staatlicher Darlehnsfonds von $0 Millionen errichtet werden soll. Tie Mittel des Fonds sollen für die gesetzlich festgelegten Darlehen zur Schaffung soii Landparzellen für Landarbeiter, zum Bau don Arbeiterwohnungen, sowie für landwirtschaftliche Vorschußvereine und dergl. verwendet werden. Turch diese Veranstaltung wird eine Balancierung der Staatshaushalts.echnungen erreicht. Ter Ministerpräsident brachte einen Gesetzentwurf ein, durch den die Re ichs-
tagsdiäten für die Zeit vom Sessionsbeginn bis Pude des Finanzjahres von 6 auf 10 Kronen täglich erhöht werden.
Paris, 27. Nov. Nach der heute vormittag abgehal-- tenen Sitzung der parlamentarischen Kommission für die 5)umbert -Angelegenheit erklärten die Mitglieder der Kommission, in den versiegelten Aktenstücken befinde sich nichts besonderes, nur zahlreiche Briese unbekannter Bittsteller. Tas Interessanteste seien die Aktenstücke be- ttefsend die Familie Magnin und die Bank von Frantteich, welch letztere den Humberts Geld geliehen habe. Aus den Aktenstücken ergäben sia) die Machenschaften der Humberts, um eine ehelicye Veroindung eines Mitgüedes der Familie mit dem früheren Kammerpräsidenten Teschanel herbci- zuführen Die Familie Magnm scheine dabei ohne Wissen Tesch anels gehandelt zu haben.
— Ter „Figaro" meloet, daß der französische Botschafter in Rom mit dem italienischen Miniger des Aeußern, Tittoni, einen Schiedsvertrag nach dem Muster des englischen vereinbarte und nächstens in Pars erwartet werde, wo er den Vertrag dem Minister zeicü)je vorlegen werde.
Cherbourg, 27. Nov. Tie Untersuchung auf dem hiesigen Bahnhofe ergab, daß die Steine, die der Soldat Dior auf das G l e i s e der vom italienischen Königspaar zur Rückkehr nach Italien benutzten Streue legte, überhaupt keinen Unfall hätten herbeiführen können. Die gerichtliche Untersuchung stellte die Unzurechnungsfähigkeit des Angcschuldigten fest.
Lissabon, 27. Ncov. Tie Meldung, der König beabsichtige, im Mürz Südasr.ka zu Kfacijen, entbehrt der Begründung
Petersburg, 27. Nov. Tas heutige Bulletin über das Befinden der Kaiserin üuUt: Gestern betrug die Abendtemperatur 37,3, der Puls o6, heute morgen bie Temperatur 37, der Puls 64. Ter Schlaf war völlig befriedigend. Schmerzen sind nicht vorhanden. Ter Eiterab'luß dauert in normaler Weise fort. Das subjektive Befinden ist gut.
New York, 27. Nov. Präsident Roosevelt kam heute in Newyork an, um der Beerdigung eines Onkels berzuwohnen. Er wurde den ganzen Tag von 500 besonderen Polizisten in Uniform unb Zivil bewacht. Noch nie hat eine einzelne Person in Newyork eine solche Bedeckung gehabt. Zwei Irrsinnige, von denen einer Roosevelt mit Gewalt bedrohte, wurden verhaftet. Ein Irrsinniger Namens Teming überreichte ihm einen Brief,, worin er verlangt, Roosevelt solle den Kaiser Wilhelm auf eine unfehlbare Kur für Kehlkopfleiden aufmerksam machen.
Aus Stadt und KauS.
** Personalien. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde der Negierungsassessor P t jt o c in Alsfeld mit der Aushilfeleistung bei dem Kreisamt Lauterbach beauftragt. — Ernannt wurde der Kanzleigehilfe bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Oberhessen Johann Schäfer zum Kanzlisten bei diesem Gericht. — Der Pedell an der Realschule und dem Progymnasium zu Michelstadt Wilhelm S ch r ü d t e r zu Michelstadt wurde zum Hauswärter am nördlichen Kollegiengebäude er» nannt. — In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hess?Pceuß. Eljenbahngemeinschaft Johann Frey zu Bingen.
** Hausen, 26. Nov. Heute abend fand die Generalversammlung des Rauchklubs „Blaue Wolke Hausen" statt, wie uns der Vorstand schreibt. Der Rauchklub erfreute sich eines vergnügten Abends, da alles in größter Ordnung ablief und nebst vorzüglichem Glas Denninghof die Pfeife die Hauptrolle spielte.
)( Aus d e r W e t t e r a u , 27. Nov. Ein sehr beachtenswerter Versuch wurde kürzlich auf eine Anregung des Landtagsabgeordneten Köhler in Langsdorf mit der dortigen Fortbildungsschule gemacht, indem diese zu einer rein landwirtschaftlichen Schule gestaltet wurde. Das von der zuständigen Behörde eingehend geprüfte Ergebnis der llunvandlung war sehr befriedigend, sodaß diese nun auch .mit je einer Fortbildungsschule in jedem Kreise vorgenommen werden soll.
4- Aus dem Ohmtal, 27. Nov. Ein inter- essantes Schauspiel wurde gestern nach der Hess. Landesztg. in der Nähe von Kirchhain beobachtet. Als in Folge des heftigen Schneewetters die Flüsse schnell aus ihren Ufern traten, sah man, wie die 9)1 äuse vor dem nassen Elemente flüchteten, aber des Einen Leid ist des Anderen Freud. H underte v on Raben stellten sich ein und packten die nassen Tierchen, um sie alsbald zu verzehren. Was nicht ertrank, wurde von den Raben verzehrt.
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Gießener Thcaterverein.
Die Kreuzelschreiber.
Bauernkomödie mit Gesang in drei Akten von Ludwig Anzengruber.
Als vor 31 Jahren „Die Kreuzelschreiber" erschienen, da erkannte sofort Rosegger, der ungelehrte Volksdichter,-die Bedeutung des Werkes und nannte eß in einem Briefe „eine klassische Komödie, naturwahr, dem heutigen Tag auf den Leib geschrieben (im Juli 1870 war die Unfehlbarkeit des Papstes zum Dogma erhoben worden), und doch wird, muß es hinausragen über unsere Jahre. Anzengruber ist ein Kämpfer gegen die Getstesknechtschaft des Volkes, aber auch gegen den Schlendrian des Volksstückes. Wird die Kanzel zur Bühne gemacht, so muß die Bühne eine Kanzel werden V
Rian hat heute diesem knappen Urteil nichts hinzu- zusügen. Roseggers Prophezeiung ist zur Wahrheit geworden, die Komödie ragt ins 20. Jahrhundert hinein, wie sie über ihre Zeit hinausragte. Eine Anzengruber-Aufführung ist freilich etwas Seltenes bei uns zu Lande. Allerdings, viele litterarisch gebildete Theaterbesucher begeistern sich heute für Anzengruber und die Kritik ist sich in der Wertschätzung seiner Werke fast ganz einig, sie tut vielleicht aber in dieser Richtung hier und da zu viel des Guten, wenigstens geht nach meinem Geschmack der neueste Anzengruber-Forscher Dr. Sigismund Friedmann in einer diesem Poeten gewidmeten Monographie") gar zu panegyrisch vor. 3lt breiten Massenerfolgen hat es, wohl vor allem der Dialektschwierigkeiten wegen, aber mel- lcicht auch, well er die Bauern doch nicht so sah,^ wie sie sind, sondern wie er sie gern gesehen hätte, der Oesterreicher bei unserem Publikum jedenfalls nicht gebracht. Selbst seine persönlichsten und kostbarsten Schöpfungen, „Der Riemetd- lauer« und „Das vierte Gebot", erscheinen nur selten mir reichsdeutschen Bühnen, wo österreichische Dialektstucke nur dann Ersotg zu haben pflegen, wenn Blumenthal, Kadelburg, Schönthan e tutti quanti die Verfasser sind. Siehe „Rom- tksse Guckert", „Das weihe Rößl" rc. re.
Von derbstem Humor bis zu tiefster Tragik umschließt diese Komödie alles Äicnschliche und läßt an ihrer quellenden Frische und dichterischen Urwüchsigkeit ermessen, mit wie schalen cilißeren Alitteln die Possenniänner von heute den Beifall ihrer Freunde zu gewinnen siichen. Es handelt sich in dem Stücke um Männer, die ihr Kreuz als Unterschrift unter eine Er- klärimg gegen das Unfehlbarkeitsdogma gesetzt haben und uun von ihren Frauen aus der Schlafkammer auf den Heuboden gesperrt werden. So kriechen die Kreuzelschreiber vor tinren Hauskreuzen zu Kreuz. Das ist ja nun freilich ein bischen unwahrscheinlich und widerspricht aller Kenntnis von der d-erben Herrennatur der Bauern aller Donauländer, ^aß m c iner oberbayerischen Ortschaft die empörten Beichtväter die Weiber zu diesem Verlangen zu bestimmen vermochten, d°as ist, wie Dr. Friedniann in seinem Anzengruber-Buche
*) Leipzig 1902, Herrn. Seemann Nachf.
erzählt, verbürgt; aber daß die Bauern auf dieses Ansinnen ihrer Weiber nicht mit ihren Fäusten antworten, ist ebenso wenig glaublich, als wie es nicht wahrscheinlich ist, daß ihnen von den Priestern als Buße eine Pilgerreise nirgends anders als nach Rom auferlegt wird. Em anderes aber bildet deii Vorzug des Stückes. Auch Aristophanes hat den Fleischhunger, um für eine alte Wahrheit ein altes Wort zu brauchen, zu einer Komödie benutzt. Doch so saftig die Spässe des Griechen sind, bei Anzengruber wird alles Menschliche wieder, was es durch den Rtenschen so oft aufhört zu sein — unschuldig. Und obendrein bergen die einfältigen Seelen dieser Bauern ein Stück unsterblicher Gottesweisheit. Der alte Brenningcr, der ins Wasser geht, weil seine kranke Alte ihm die Kammer verschließt, so daß er die Sieche nicht mehr pflegen und ihr nachts nicht mehr ihren Tee reichen kann und nun ganz aus seiner alten „Ordnung" konimt, der Steinklopfer, der heitere Philosoph von der Straße, der mit dem Leben seinen Ausgleich gefunden hat und alles ins Gleiche zu bringen versteht, die kokette Josepha, der durch seine Kraft die Männer beherrschende und doch von der Frau beherrschte junge Bauer, die anderen alle, die mit ihnen leben und lieben — welch eine unerschöpfliche Fülle von Gestalten, durch die Hand eines Meisters zu lachendem Dasein erweckt l .
Der große Dichter, dem nichts Menschliches fremd ist, der überall aus den Tiefen seines Gemütes schöpft — er hat ja richtige Bauern nie gesehen, da er über das Weichbild von Wien nie hinausgekonimen ist — fordert von seinen Darstellern vor allem Einfachheit, eine schlichte Kunst, die aller Künstelei und Manier unversöhnlicher Gegensatz.
Für die Rolle des Steinklopferhans hatte man Frankfurts beliebtesten Darsteller, Herrn Arthur Bauer, verschrieben. Er bot eine ausgezeichnete Leistung. Der ganzen Gestalt verlieh er etwas ungemein wohltuend Farbiges, als sei sie durch flimmerndes Sonnenlicht gesehen. Flicken und Fetzen hat das Gewand, aber von absoluter Integrität ist das Herz, einheitlich und unauflöslich die frohgründige Lebensbetrachtung dieses einst, am Wege einsam liegen gebliebenen armen „Hascherl" in Bauers Darstellung.
Tie Schalchastigkett, den überlegenen Mtz und das ehrliche warmfühlcnde Herz des die Welt und die Men;chen scharf schauenden -Sinnierers zeigte Bauer mit dem ihm ganz persönlich eigenen unwiderstehlich liebenswürdigen Humor, der immer wieder gefangen nimmt. Freilich war er bei seinen großen Reden etwas rhetorisch, nicht ganz so schlicht und iiicht ganz so ohne Sentimentalität, wie der Weise von der Laird.rraße wohl vom Dichter gedacht ist. B. ist ein großer Freund hübscher Nuancen, tleiner, mit klugem Bühnenblick erdoafter höchst wirksamer Mätzchen. Dadurch gerät er bisweilen ein wenig ab von der reinen dtatur, da- durch komntt mituiuet das Gruudechte um ein Kleines zu kurz. Dadurch aber wirtt er gerade aus ein cheaterscohes Publikum. Jedenfalls hat seine aus Saft und Wurme, ans Verschmitztheit und Humor mit großer Kunst zu schöner Einheitli^keit gefügte Gestalt alle ^rzen geruhrr und allgemeine dankbare Bewunoerung gefunden. Mit an.pruchs- loser Befa-eiden1)ett trachtete er danach, dem Ganzen srch
einzufügen, über das er frettich ttotzdem, alles in allem genommen, um ein sehr Erhebliches hinausragte.
Unter unseren Darstellern war weitaus der beste Herr Haag, der umsichtige Regisseur des Abends, als der alte Brenninger. In dieser kurzen Episodenrolle steckt in Wahrheit eine der lauterstenü sfenbar. ngenAnz ngruberscherKraft. Tie Tragic der Gewöhnung, die Poesie oes dumpfen, engen Beieinaiiderhausens, die rührende Freude an einem gut bereiteten Gericht, das freudige Bedürfnis an alltäglichen kleiner Tienstleistung um des Wohlbefindens der LebetiA- gefährtin willen, das alles lebt darin. Und das alleA kam in 5^errn Haags Spiel beweglich, ergreifend -um Ausdruck. Das war jubttle, peinl.»h! gewissenhafte Miniaturmalerei, der doch die große Wirkung gegeben war. Eine gute Josepha war noch Frü Hohl, freilich keine robuste Torf-, sonderm mehr eine Salonkokette, die ihren Tonl geschmeidig unrschmeichelte und duckte. Dieser Tonl, der bärenstarke Eheknecht, war Herr Sandorsf; er paßt für solche Rollen fast noch weniger als Frl. Hohl, das bäurisch Unbehilsliche, Unbehauene, schwerfällig Protzige liegt ihm nicht.
Nehmen wir nun das Ganze, so ist leider zu km-» statieren, daß der Bauernkomödie doch an kräftiger Naturwüchsigkeit manches fehlte. Da sah doch manches gar geschminkt und getüncht aus. Die Regie des Herrn Haag verdient gewiß warme Anerkennuilg, die große Rauferei am Schluffe des 2. Aktes z. B. war überaiis lebendig, und belustigend. Aber unsere ganzen Theaterverhältnisje eignen sich nun einmal nicht für derartige Stücke. Die ernsten wie die heiteren Szenen, die doch manche tiefgehende Wahrheit enthalten, verfehlten ja auch gestern ihre Wirkung nicht. Der östreichische Dialekt bietet aber von vornherein für Darsteller wie Zuschauer in ihrer weit überwiegenden Mehrzahl schwer überwindliche Schwierigkeiten. Tazu tritt noch als .Hauptschwierigkeit die Charakie».art Anzengrubers. Er stellt Menschen aus die Bühne von absoluter Simplizität. Tiese einsachen fceute da protestieren auf Anregung des EOoßbauern, ohne zu wissen warum, und erst allmählich begreifen sie nichts anderes, als daß sie an des Leibes Notdurft und Nahrung gestraft werden; ihre Frauen aber Überspannen in kurzsichtiger Hartnäckigkeit ein Prinzip, bis es sich gegen sie selber wendet. Tas alles verspottet Anzengruber in prachtvoller, versöhnlich lächelnder Lebensausfassung. Das alles aber liegt unfern Darstellern so weltenfern, das Schauspiel unserer Tage wächst aus so grundverschiedenem Milieu heraus, daß ttotz aller Bemühungen der eifrigen Regie doch das Ganze mitunter etwas Marionettenhasres, etwas nach Defreggers schlechter Manier zwangvoll Gestelltes an sich hatte.
Anzengruber verdient es zweifellos bekannter und anerkannter zu werden als er es ist, und jeder darauf ab- zielende Versuch ist zu begrüßen. Aber soll ein solcher Versuch in allen Teilen gelingen, dann gehört dazu ein größeres Verständnis der Darsteller für die Anzeugrubersche tzeimatkunst.
Herrn Bauer aber, obwohl er Anzengrubers Landsmann ist, hätte mancher wohl lieber in Ibsens „Gespenstern" oder „John Gabriel Borkmanu" gesehen, durch die er sich in die erste Reihe der zeitgenössischen deutschen Bühnenkünstler gestellt hat. P. W.


