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^Mische Lagesschau.
Das Universalmittel.
Man schreibt uns aus Berlin:
Es tut wohl, wenn über dem Ernst der Tagesgeschichte gelegentlich der Humor aufglänzt. Tas Land des Sonnen- und Löwenordens, Persien, macht sich jetzt in diesem Sinne verdient. Dom Hofe des Schah kommt die erheiternde Kunde, daß dort demnächst der in Paris beglaubigte Gesandte Mexikos in außerordentlicher DAstion erwartet wird. Ter Tiplvmat dürste über die Ein- und Aussuhrverhält- nijse Persiens si chinformieren, um an seine Regierung einen Speziatbericht senden zu können. Hat doch dec persische Gesandte in Washington aus Tatendrang, vielleicht auch mangels ausreichender Beschäftigung, sich veranlaßt gesehen, mit Mexiko unb einigen südamerikanischen Repu- blrten Handelsverträge abzuschließen. Es wird wohl auch dem kenntnisreichsten Statistiker bisher unbekannt gewesen sein, daß zwischen dem vorderasiatischen Staat und amerikanischen Republiken ein derartiger Waretiaustausch stattjindet oder sich erwarten läßt, daß der Abschluß von Handelsverträgen erforderlich wuroe. Ter Fall zeigr aber, daß sich heute keine Staaten so fern steyen, um nicht durch die Handelsverträge verbunden werden zu können.
Kerkerhaft wegen Einbruchs und Raubanfalls verurteilt worden ist. Bevor er jedoch den Gerichtshof verließ, richtete der Gefangene eine Bitte an den Richter. Er bat um nichts weniger, als daß er die Erlaubnis bekäme, zu heiraten, bevor er sich an die prosaische Wirklichkeit harter Arbeit machte. Der Richter teilte diese Bitte dem Gefängnisvorsleher mit, der so liebenswürdig war, sie zu bewilligen. Am Hochzeits- morgen wurde daher der gefangene Bräutigam, gehörig mit Handfesseln versehen, voni Gefängnis zuni Standesamt gebracht, wo die Ziviltrauung slattsand, wobei zwei Gefängniswärter in Uniform als Zeugen gegenwärtig waren. Darauf begab sich die seltsame Hochzeltsgefellschast in das Haus der Neuvermählten und setzte sich zu einem üppigen Mahl nieder. Dian hatte dem Gefangenen zu verstehen gegeben, daß man ihm erlauben würde, den Tag mit seiner jungen Frau zu verbringen, aber daß er bereit sein müßte, früh am folgenden Morgen in das Gefängnis zurückzukehren. Da er aber für einen ziemlich energischen und gefährlichen Menschen galt, wurde er von den Gefängnisbeamten streng bewacht. Der Tag verging mit Feiern und Smgen, da der junge Ehemann sich offenbar vorgenommen halte, noch einmal recht vergnügt zu sein. Der einzige Schatten bei dem Fest waren die uniformierten Hüter des Gesetzes, die jedoch ihre Anwesenheit so wenig lästig zu machen schienen, als es mit der notwendigen Erfüllung ihrer Pflichten vereinbar war. Selbst als die anderen Gäste sich entfernten, blieben die beiden ungebetenen Gäste, und nachdem sie ein Versprechen von dem Gefangenen erlangt hatten, daß er nicht veriuchen würde, durchs Fenster zu entfliehen, standen sie die Stacht hindurch im Korridor Wache. Früh morgens weckten sie den jungen Ehemann, und nachdem dieser zärtlichen Abschied von seiner Frau genommen hatte, ließ er sich ruhig fesseln und in das Gefängnis zurückführen. Er drückte seinen Wärtern die tiefste Dankbarkeit für ihr rücksichtsvolles Betragen aus und beschenkte jeden von ihnen mit einem Andenken.
Kunst und Wlstensüjujt.
M ü n ch e n, 26. Nov. In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften gab Präsident Geh. Aal Zittel bekannt, daß Samson -Brüssel, em deutscher Staatsangehöriger, geboren zu Berlin im Jahre 1837, der anfänglich im väterlichen Bankhause tätig mar wid sich dann wissenschaftlichen Studien zuwandte, und ausgedehnte Reifen unternahm, der Münchener Akademie durch jern hier hinterlegtes Teslanient eine Stiftung im Betrage von '/ Millionen Mark als Zufluß zu ihrem Vermögen zugewandt habe. Ter Zweck der Stiftung besteht vor allem m der wissenschaftlichen Erforschung der Dl oral des einzelnen Dl e n s ch e n, der gesellschaftlichen Dioral, der gefchichtlichen Ent- wicklung der Moral und emzeliier Dioralgesetze, sowie der maß° gebeilden Einflüsse. — Tie Akademie wählte zu korrespondierenden Mitgliedern die Pro'essoren Lenel-Straßburg, Dilthey- Berlin, Diilleis-Leipzig, Wolters-Würzburg, Boveri-Würzburg, Fürbringer-- Heidelberg, Hilbert-Göttingen, Gras zu Solms-^aubuch-Straßburg, Weber-Siraßburg, Wiesner-Wien, Dleitzen°Berlm, Gierke-Berlm, Fester-Erlangen, Vischer-Göttingen.
Urrmilchles.
* Seine eigene Ermordung meldete der Nachttelegraphist William Glendenning in Brown Tower, einer Ortschaft an der New - Voller Zentralbahn, in einem Telegramm an die Abfertigungsstelle in Jerseys Shore. In dem Telegramm teilte er nut, er sei durch einen Schuß, der von außen durch das Fenster auf ihn abgefeuert wurde, schwer verwundet worden. Das Telegramm schloß nut den Worten: „Ich sterbe". Ein halbe Stunde später traf bereits em Sonderzug, der sofort nach Einlaufen der Depesche abgesandt war, in Brown Tower ein. Glendenning war jedoch schon tot. Man sand ihn auf dem Fußboden unter seinem Apparatentijch liegen. Es wurde festgestellt, daß^ ihm nach der Schußverletzung von dem Mörder noch der Schädel zertrümmert worden war. Man nimmt Raubmord an, da die Nachttelegraphislen in dieser Stellung abwechselnd große Geldsummen weiterzubefördern haben, die einige Zeit m ihrem Geschäftszimmer liegen bleiben. Es wurden mehrere Ab-
hältnis zu den Gehalts belügen stehen und von den Arbeitgebern und den Angestellten zu. gleichen Tellen getragen werden. Entsprechend dem empfundenen Bedürfnisse soll die Kasse auch Witwen- und Waisenrenten gewähren.
Die Regierung steht dem Plane nicht ablehnend gegenüber; sie hat Vertreter des Ausschusses empfangen und das Reichsamt des Innern hat sich zur Unterstützung der Maßnahmen bereit erklärt, die zur Beschaffung der erforderlichen statistischen Unterlagen zwecks Herbeiführung gesetzgeberischer Sck)ritte getroffen werden sollen. Demzufolge hat der Ausschuß im Einvernehmen mit Vertretern der Regierung einen Fragebogen aus gearbeitet, der durcb die Vorstände der in Betracht kommenden Verbände in die Hände ihrer Mitglieder gelangt ist Von dem Ergebnis dieser Enquete wird, wie die Dinge liegen, voraussichtlich das fernere Schicksal der Bewegung zu Gunsten einer Altersversicherung für Privatangestellte abhängen.
Die Altersversicherung der Urivataugestcllte«.
S. R. Das Verlangen nach einer staatlichen Altersversicherung der Privatangestellten ist nicht neueren Datums. Wenigstens verlangte bereite der dritte deutsche Handlungsgehilfentag, Ostern 1898 in Leipzig, einen Ausbau der Invalidenversicherung zu Gunsten derjenigen Angestellten, die mehr als 2000 Mk. jährlich verdienen, also der Versicher- ungssiflicht nicht unterworfen sind. Brennend geworden ist diese Frage indessen erst infolge der letzten wirtschaftlichen Krisis und der zahlreichen Konkurse, durch die viele Angestellte in vorgerücktem Alter brotlos wurden. Die gemeinsame Sorge um das Alter, sowie um das Wohl der Hinterbliebenen ihrer Mitglieder, veranlaßte bekanntlich verschiedene größere Verbände zur Gründung eines Ausschusses, dem sich nach und nach nicht nur Handlungs- ge hi Isen-Vereine, sondern auch Korporationen der Werkmeister, Gruben- und Fabrikbeamten, Techniker, Brennmeister, Privatfchullehcer, Landw.resch astS- und Forstbeam- len, Gärtner, Apotheker usw. anschlossen. Aus dieser Zusammenstellung ist schon ersichtlich, welche weiten Kreise der begriff „Privatangestellte" umspannt. Heute gehören dem Ausschüsse bereits über 30 größere Verbände der verschiedensten Art an, die zusammen mehr als 300000 Mitglieder zählen.
Allgemein hat sich in diesen Kreisen die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß eine staatliche Versicherung der gedachten Art unumgänglich notwendig ist. Gefördert wurde diese Erkenntnis durch die Tatsache, daß fettens der österreichischen Regierung bereits der Entwurf zu einem entsprechenden Gesetze seit längerer Zeit dem Aogeordnetenn- h,ause zur Beschlußfassung überwiesen worden ist llnd in der Tat sind die Gründe, die für ein Vorgehen in gleicher Züchtung feilens der deutschen Gesetzgebung sprechen, zwin-
teilungen Bewaffneter eptsandt, um die Wälder in der Umgegend von Brown Tower nach den Mördern abzusuchen.
* D i e Hochzeit des Gefangenen. Aus Genf wird einem englischen Blatte folgende höchst merkwürdige m.r.r.:.Y.z_ rc.= l-4- —"l? „eistaunliche Hoch- i
Fsrman (Schnupfenäther) klinisch erprobt und ärztlicherseits mehrfach als geradezu ideales Schnupsenmittel bezeichnet! Bei leichtem L-chnupfen Fonnan- Watte (Dose 30 Pf.) Bei starkem Schnupfen Forman - Pastillen (50 Pf.) zum Inhalieren mittels Riechgläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken. Dian frage
Nr. 280 Drittes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 28. NovemderlNvS
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MGZ
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Lender Natur.
Wohl haben einzelne Verbände Pensionskassen für ihre Mitglieder errichtet, aber deren Mttglledcrzahl beschränkt sich auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis von Angestell- i«en, da die meisten von ihnen nicht in der Lage sind, die ersorderlichen hohen Beiträge, zu denen die Arbeitgeber Mchts beisteuern, dauernd zu entrichten. Ebensowenig tonnen die Geschäftspensionskassen einen Ersatz für die sichtende staatliche Versicherung gewähren. Ganz abgesehen von den wenigen Angestellten, die einen Nutzen davon haben, bieten sie außeroem nicht die genügende Sicherheit bei Konkursen und Liquidationen, wie die lebten Jahre tneS wiederholt gezeigt haben. Ter allgemeinen Invalidenversicherung end tick) fehlen, da sie nur Angestellte bis zu einem Jahreseinkommen von 2000 Mk. umfapt, die höheren Lohu- llassen und Renten, die für die hier in Betracht kommenden Kategorien von Angestelllen erforderlich sein würden. Aus b leiem Grunde wird auch von dem Rechte der Weiter- und Selbstversicherung im allgemeinen kein Gebrauch gemacht. Ler Eharatter der bestehenden staatlichen Versicherung, die immer mehr Invaliden- als Altersversicherung geworden ip, insbesondere die Altersgrenze von 7u Jahren, die erst zum Bezüge von Attersrenien berechtigt, bringen eS mit sich, daß die Privatangestellten, die der Gefahr einer Invalidität bei wettern nicht in dem Maße wie die gewerblichen Arbeiter ausgesetzt sind, in den Gegenleistungen zu kurz kommen. Altersrenten werden daher an Privatangestellte nur selten ausbezahlt, in Württemberg bei,pielswei|e konnten bei einer Umfrage der kaufmünnischen Vereine nur fünf tzandelsangestellte aus.indig gemacht werden, die Renten bezogen. Eine Hinterbliebenen-Versorgung ist in der staatlichen .Versicherung bekanntlich' überhaupt noch nicht vorgesehen.
Angesichts dieser Tatsachen ist der erwähnte Ausschuß ......
dazu gelangt, auf Grund des Paragraphen 10 deS ^nva- ^schichte berichtet: Es hat schon viele
|ür 5ßrtbatangefieilte mit Reichszuschuß sür Invaliden- und cinlgcn ^.agcn m D-eggensllin (Kamen JlaigaiO seie t . Altersrenten zu fordern. Tie Einzahlungen sollen im Ver- Der Bräutigam war em Gefangener, der gerade ou 2 Jahien
Bitte Schaufenster zu beachten
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