Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Kießer oder Kießener?
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Volitische Tagesschau.
Finanzstatistisches ans Reich und Einzelstaaten.
Die mündlichen aber sind noch gegenwärtig. Kein Bauer der Umgegend sagt „die (Stießener", sondern stets „däi Gäißer". Und die Gießener selber nennen sich auch so, selbst wenn es ein Einsender der „Frkf. Ztg." anders gehört haben will. Und ich weiß es auch, denn ich bin selber ein „Gäißer Bubb". K. Ebel.
R. B. Darmstadt, 26. Nov. Die erste Opernpremiere der neuen Spielsaison an unserem Hof- t h e a t e r ging gestern abend in <$$ene und zwar das neue Wer? des durch seine frühere Oper „Die Bettlerin vom Pont des Arts" im weiteren Kreisen bekannt gewordenen sächsischen Komponisten Karl v. Ka s ke l. Die neue Volksoper führt den Titel „Der Dusle und Vas Babeli" und deutet damit schon an, daß es sich hier um eine volkstümliche Liebesgeschichte handelt. Sie basiert auf dem Vers: aus Brentanos „Des Knaben Wunderhorn": „Es haft' e Bauer e Töchter li, Mit Name hieß es Baveli. Es hatt' e Paar Zöpfli, die sind von Gold, Drum ischt ihm auch der Dusle hold." Aus diesem Satz haben zwei Wiener Journalisten, Schriefer und Kollodem, eine hübsck)? Fabel entwickelt und zu einer als Opernlibretto vorzüglich geeigneten dramatischen Dichtung gestaltet. Die Muiik, die Kaskel hierzu schrieb, schließt sich ganz dem volkstümlichen Eharakter des Textes an, der in höchst wirksamer Weise musikalisch illustriert wird. Neben der farbenreichen Instrumentierung und der geschickten Verwerfung zahlreicher Volkslieder weist die neue Oper namentlich viel lyrischmusikalische Schönheiten auf. Das von ^errn Kapellmeister Rehbock in tadelloser Weise einsrudierte Werk, dessen Hauptwerk im zweiten Akt liegt, wurde vom Publikum sehr beifällig ausgenommen, auch der Komponist mehrmals vor die Rampe gerufen. Das Liebespaar Dusle und Babeli spielten frerr Wolf und Frl. Roe big er ganz ausgezeichnet. Herr Weber als Brunone, der ,^vcumtenens" ber Lau s- knechte und Herr Riech mann als Georg von Frunds- berq taten ebenso, wie auch Frau I o l l i als die böse Ma ke- tenberin , Gemma" ihr bestes zu dem Erfolg des Äbents.
Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: In der neu arrangierten Dezember-Ausstellung des Kunst-Salons Hermes hat Adolf Hökel aus Dachau eine Sonderansstellung seiner Werke veranstaltet. Außerdem stellt der Brüsseler Paul Mathieu 12 seiner neuesten Landschaften, das Ergebnis seiner Sommerreisen aus. Vertreten sind ferner fast alle unsere ersten Meister mit hervorragenden Gemälden, wie Lenbach, Thoma, Stuck, Uhde ?c., neben einer größeren Anzahl Werke von Th. v. Sckenbrecker, Müller-Kurzwelly, Keller-Reutlingen und Victor Gilsoul.
— Aus Fran kfur t a. M. meldet man :Beyerleins „Zapfenstreich", von Quincke trefflich inszernert und fast durchweg vorzüglich gespielt, hatte einen glänzenden Erfolg. Ten HAepunkt bildete der dritte Akt. Es war das sensationellste TheaterereigniZ seit Jahren.
— Eine gewaltige Eroberung hat Kapitän Sverdrup auf friedlichem Wege anSaeführt, indem er, wie er in seinem soeben in zwei prächtigen Bänden erschienenen Werke „Neues Land" (Leipzig, F. A. VrockbauS) in interessanter Weise schildert, hrt Namen König Oskars von Schweden und Norwegen ein Gebiet von nahezu 300 000 Quadratkilometer in Besitz nahm, etn Gebiet, das fast so groß ist a(5 das ganze Königreich Preußen l Wenn ihm und feiner Handvoll kühner Gefährten auch nicht feindliche Menschen entgegengetreten sind, so hatte die Erpedikion in den vier Jahren ihrer Tätigkeit mit viel grimmigeren Gegnern, mit den finstern Mächten des Nordens zu tun, die ihnen mit Vernichtung drohten. Der stleck, nach welchem Kapitän Sw erbrüt) auf Raufens berühmtem Schiff, der „stram", ausgezogen war, ist in jenem Teil des Polargebietes gelegen, der die meisten Menschenopfer gefordert hat. Dort spielte sich einst die Tragödie des Unterganges der Expedition stranktins ab, dort fand das amerikanische Expeditionsschiff „Polaris" ein grauenhafte? Ende. Nun aber war diese Gegend, die von der Natur so hartnäck-g gegen jedes Eindringen des Menschen verteidigt wurde, der Schauplatz von Erfolgen, die nach dem Zeugnisse der berühmtesten Forscher zu den bedeutendsten gehören, die die Polarwrschunci seit Langem erzielt hat. Durch Kapitän Sverdrup ist der Eharakter des Ländergebietes westlich von Grönland ein für allemal bekannt geworden. Man muß das aufs reichste mit
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Nr. 27»
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Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gtehener Kamtiten« HILttrr oieimal in der
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Thema: evesche vom hj«mi, nann ist srdl. eiiigM ReiervierlerPchÄ-^^ 2o Pjq., HleiMiilVg.
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^tie Reichs statistik gliedert die öffentlich-rechtlichen Ein - /ka^meguellen in Reich und Staaten in drei Gruppen: Ueberschüsse aus Erwerbseinkünsten, aus indirekten und aus direkten Steuern. Was zunächst die Ueberschüsse aus Erwerbs ein kün ft en anbelangt, Einkünfte aus Domänen im engeren und weiteren Sinne des Wortes, Erträgnisse aus Feldern und Wäldern, Bergwerken und Eisenbahnen usw., so läßt sich ein genaues Ergebnis des Rechnungsjahres 1902/03 erst erzielen, wenn man die 'Schuldzinsen der Staaten von diesen Einnahmeüberschüssen in Abzug bringt. Erst dieses solchermaßen gewonnene Ergebnis kann als der Netto-Ertrag aus Erwerbseinkünften angesprochen werden. Ter Verschuldungsgrad der einzelnen Staaten ist, so lesen wir in der „Köln. Ztg." sehr verschieden. Tie höchsten Verschuldungsziffern fallen auf Hess
9.48 Mk. und Baden mit 8.48 Mk. auf den Kopf ber Bevölkerung jährlich aufzubringender Schuldzinsen. Tie Höhe
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der Verschuldungskapitalien entspricht nicht gleichmäßig der Höhe der erforderlichen Zinsen. Tie Schuldzinsen W Reiches belaufen sich auf 1.65 Mk. pro Kops. Reuß ä. L. hat weder Erwerbseinkünste noch Schulden, sodaß hier Null von Null aufgeht. Im Reiche und in einigen ganz kleinen Staaten überwiegt die Summe der Schuldzinsen die der Ueberschüsse aus Erwerbseinkünften. Außerordentlich hoch sind die Netto-Ueberschüsse aus Erwerb sein fünften nach der voranqeschickten Berechnungsweise in einigen anderen Kleinstaaten.
Tie zweite Haupteinnahmequelle der Staaten bilden die Verbrauchs-, Aufwunds-, Verkehrs- usw. Abgaben, zusammengefaßt unter dem Titel der indirekten Steuern. Weitaus die höchsten indirekten Austagen ffinden wir im Reiche selbst, 18.71 Mk. pro Kopf. Es folgen in der Höhe der Belastung, Elsaß-Lothringen, Baden und Bayern. Tie niedrigste Belastung an indirekten Steuern weist nach einer Reihe von Kleinstaaten Preußen auf. Es folgt als dritter Haupteinnahmeposten der Staaten, mehr oder minder mit dem Charakter der Ergänzung, die für den Steuerzahler am meisten fühlbare direkteBe- fteuerung. Ter niedrigsten direkten Steuern erfreut sich lnfölge seiner hohen Domanialeinkünfte Mecklenburg-Streif (4.33 Mk. pro Kopf). Auch Preußen und Bayern zeichnen sich durch niedrige Kopfquoten auf dem Gebiete der direkten Besteuerung. aus. Sehr hoch sind die direkten Steuern in Hessen und Oldenburg, am höchsten in Sachsen.
Tie Summen der Ueberschüsse aus Erwerbseinkünften, nach Abzug der Schuldzinsen, zusammen mit den indirekten und direkten Auflagen stellen den Staatsaufwand im gesamten dar. Tiefen Staatsaufwand sehen wir in den einzelnen Staaten in der Höhe von 6.18 Mk. pro Kops der Bevölkerung in Schaumburg-Lippe einsetzen und bis zu 22.11 Mark pro Kopf der Bevölkerung in Anhalt ansteigen. Der Lleberschuß der Erwerbseinkünfte, nach Abzug der Schuld- Zinsen, beträgt auf den Kopf der Bevölkerung: in Preußen 8.75 M?., Württemberg 5.68 Mk., Bayern 3.68 Mk., Hessen 3.39 Mk., Sachsen 3.33 Mk., Elsaß-Lothringen 1.42 Mk., Baden 1.20 Mk. Es werden kopfmäßig erhoben: i n d i r e k t e Steuern im Reich 18.71 Mk., Elsaß-Lothringen 9.60 Mk., Baden 9.27 Mk., Bayern 7.83 Mk., Württemberg 6.98 Mk., Hessen 3.45 M k., Sachsen 2.28 Mk., Preußen 1.25 Mk., direkte Steuern in Sachsen 11.40 Mk., Hessen 10.27 Mark, Württemberg 9.25 Mk., Baden 9.21 Mk., Elsaß-Lothringen 7.65 Mk., Bayern 6.22 Mk., Preußen 6.13 Mk., Reich
und 45 Hektar Gemeindeviehweiden melioriert mit einem Kostenaufwand von 295 Mk. pro Hektar. Vertragsmäßig bezahlen die Gemeinden die Hälfte dieser Kosten.
Mit Recht wurde vor zwei Jahren darüber geklagt, daß der Pvovinzialverein etwas einseitig die Dierz,ucht pflege und den Acker- und Pflanzenbau etwas stiefmütterlich behandele. Man ging deshalb, ohne die Pflege der Tierzucht im mindesten zu vernachlässigen, auch dazu über, in den verschiedenen Kreisen auf den verschiedenen Boden, das Bedürfnis nach den verschiedenen Düngemitteln festzustellen, Tüngunqsversuche zu machen. Die Oberleitung liegt in der Hand des Geh. Hofrat Prof. Tr. Wagner, dem Vorsteher unserer weltberühmten Versuchsstation in Darmstadt. Die Düngungsversuche werden über Jahre hinaus fortgesetzt, die alljährlichen Berichte werden den Landwirten wertvolle Fingerzeige geben. ,
Tie Rindviehzucht macht in der Provinz stetig Fortschritte, wenn auch noch sehr viele Landwirte nur erst beobachtend zur Seite stehen und leider die Pflege und Zucht des Vogelsberger Rindes im eigentlichen Vogelsberg vielfach vernachlässigt wird. Im Herdbuch sind eingetragen 3679 reine Simmentaler Rinder, 1381 Vogelsberger. Neu ausgenommen 1354 Simmentaler (im Vorjahr 970), 426 Vogelsberger (im Vorjahr 248), Kälber von Herdbuchtieren abstammend, 970 Stück. — Es bestehen 7 Bezirkszuchtvereine, mit 93 Ortsvereinen, davon 71 für Simmentaler und 22 für Vogelsberger.
Es bestehen 15 Bullenstationen für Simmentaler. Es werden diesen reichlich Tiere zugeführt, das Jntöresse für diese Stationen, die mit vorzüglichen eingeführten Tieren besetzt sind, ist im stetigen Wachsen. — An Schauen (Prämiierungen) in einzelnen Orten wurden 7 vorgenommen, an Stallschauen, bei denen nicht allein die Tiere, siondern auch die Stalleinrichtungen, Lüftung :c. mit beurteilt wird, 16. An Preisen wurden vergeben 4715 Mk.
Es bestehen 4 Zuchthöfe für Vogelsberger Vieh: auf der Bingmühle bei Lauter, auf Hof Zwiefalten, in Eschenrod, in Homberg a. d. Ohm. Aus diesen Zuchthösen wurden 12 Bullen an ob er hessische Gemeinden, 4 nach auswärts verkauft.
An Simmentaler Zuchtvieh wurden ein geführt: 15 Bullen, 12 Rinder, 30 Ziegenböcke und 25 Ziegen. Die Bullen konnten an die Besteller abgegeben werden durch schnittlich zu 699 Mk., die Rinder zu 712, die Ziegen zu 38 Mark. — Die Fortschritte in der Zucht find unverkennbar, das Geld für diesen Import ist gut angelegt, die Landwirte sehen den Erfolg und fordern die alljährliche Einfuhr einer Anzahl Zuchttiere. Das Geld ist wohl angelegt und trägt gute Zinsen.
Auch die Vermittelungsstelle für den Ankauf und Verkauf in der Provinz bewährt sich, sie wird ständig in Anspruch genommen, die Nachfrage ist oft größer als das Angebot.
Tie Jungviehweiden sind gut beschickt. Alle Weiden waren nahezu voll besetzt. Tie Landwirte gewöhnen sich allmählich daran, ihre jungen Tiere für die Sommermonate auf die Weiden zu schicken, damit sie sich draußen besser entwickeln können, eine widerstandsfähigere Konstitution erlangen. Es bestehen bis dahin vier Junavieh- toeiben: in Wernings, Tiergarten bei Hungen, Zell und Lauterbach. Tie Tiere werden meist auf den Weiden nicht, fett, und sollen ja nicht fett werden, aber die Gewichtszunahme ist doch bedeutend und die Kosten sind gering. Der Besitzer eines Rindes bezahlt an, Weidegeld 35 Mk., die Gewichtszunahme betrug durchschnittlich 150 Pfund.
Pvobemelkungen wurden bei 60 Kühen vorgenommen und die Milch untersucht. Gleichzeitig wurde der Went
Per Iahresöericht
des landwirlschastirchen 'Mrovinziakvereins.
Gießen, 27. Nov.
In ber gestrigen Hauptversammlung des lanbw. Provinzialvereins erstattete ber Vorsitzende Oekonomieralt Schlenke den Bericht über das Geschäftsjahr 1902/03. Dieser ergiebt keine wesentliche Aend^rnng gegen das Vorjahr. Tie wirtschaftlichen Verhältnisse sind so ziemlich dieselben geblieben. Die Arbeiternot war weniger^ drückend, wenn auch immer noch russisch-polnische und gal'zische Arbeiter in ber guten Jahreszeit zur Bewältigung von Saat unb Ernte herangezogen werben müssen. Die Preise für (betreibe haben sich nicht gehoben, bie Fleischpresie, speziell Schweinefleischpreise, waren gut, zuweilen sehr hoch und gewährten be,onbers auch den kleineren Landwirten vorübergehend gute Einnahmen.
In der Vereinsorganisation hat sich nichts geändert. Durch die Zunahme der Mitglieder war eine Znwayl in den Provinzialausschuß notwendig, der insgesamt auf 71 Mitglieder angewachsen ist. — Dem Provinzialverein sind angegliedert die 6 Bezirksvereine, die Mitglied erzähl beträgt 2522, ber absolute Zugang an Mitgliebern 81. Außer- bem bestehen 7 Bezirkszuchtvereine mit 93 Lokalvereinen. 7 Schweinezuchtvereine, 3 Kreisziegenzuchtvereine unb 6 Ortsziegenzuchtvereine, 9 Geflügelzuchtvereine unb ein Provinzialobstbauverein mit 6 Sektionen und zahlreichen Ortsvereinen.
Tas Rechnungswesen schließt ungünstig ab. Wir haben ein Defizit von rund 3000 Mk., bem sich das Defizit unserer Provinzial- und Verbandsausstellung demnächst zurechnen wird. Sparsames Wirtschaften an der richtigen Stelle wird dringendste Notwendigkeit.
Tas Unterrichtswesen blüht, die drei Ackerbauschulen (Winterschulen) sind an ber Grenze ber Aufnahmefähigkeit an gekommen. Tie Haushaltungsschule in Linbheim wurde von 43 Schülerinnen besucht, die Molkereischule in Lauterbach von 31 Schülerinnen. Ter Obstbauschule in Friedberg fehlt es nie an Schülern, alten und jungen, auch Damen aus den besten Kreisen verschmähen es nicht, in ber Konservierung bes Obstes sich Unterricht erteilen zu lassen.
Tas Feldbereinigungswesen macht in ber Provinz immer weitere Fortschritte. Für Jahre hinaus liegen Anträge auf Feldbereinigung vor. Nach langem Widerstreben ist man in ber lanbwirtschaftlichen Bevölkerung, enblich zu ber Einsicht gekommen, baß es ohiie Feldbereinigung nicht mehr geht. Auch bie Ent- unb Bewässerung von Feldern und Wiesen macht immer mehr Fortschritte. Man hat es für praktisch gefunden, neben den Kultur in spek- tionen in Gießen und Friedberg in den einzelnen Kreisen Kulturtechniker anzustellen, die bie Ausführung kleinerer Aufaaben unter ber Leitung jener Kommissionen in bie Hanb nehmen. Mit glücklichem Erfolg geschah das bisher in den Kreisen Lauterbach unb Lllsfeld.
Hutweiden-Meliorationen würben besonders in den Kreisen Lauterbach und Schotten ins Werk gesetzt. Im Berichtsjahre wurden in diesen Kreisen 46 Hektar Hutweiden
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0.00 Mk. Die Kosten ber Reichs- bezw. Staatsverwaltung stellen sich sonach pro Kops ber Bevölkerung: im Reiche (einschließlich der effektiv zur Erhebung gelangenden Matri kul ar beitrage) auf 19.27 Mk., in Württemberg 21.91 Mk., Elsaß-Lothringen 18.67 Mk., Bayern 17.63 Mk., Vaden 17.39 Mark, Hessen 17.11 Mk., Sachsen 17.01 Mk., Preußen 16.03 Mk.
.,.Frkf. Ztg." veröffentlicht tu dieser Frage einer Menge Zuschriften einige Proben und schließt die Diskussion, ohne zu einer Entscheidung zu gelangen. Für uns aber ist die Sache immerbin interessant genug, um ihr auf den Grund zu gehen. Meiner Ansicht nach beweisen alle angeführten Beispiele adjektivischer Bildungen ans anderen Städtenamen nur bas eine, daß man hier so, dort anders sagt. Man sagt wohl „Meißener Porzellan , aber man sagt auch „Bremer Stadtmilsikanten". Welche Wldung dieMusnahme der Regel darstellt kann wohl nur durch eine Zahlung festgestellt werden. Ich glaube auch, daß man die Frage nicht stellen darf: welche von beiden Formen ist die richtige?"", denn richtrg sind sie wohl meist alle beide. Tas Volk ist es doch, das die Sprache bildet! Man darf eigentlich nur fragen: welche Form ist die heute gebräuchliche? In unserem Falle ist/veifMos die weitere Form „Gießener" eine glarnmatiich richtige Bildung, wird auch von allen Gebildeten und amtlich gebraucht, und ist heute demnach giftig.
die kürzere Form „Gießer" ihre volle Berechtigung. In sämtlichen mir bekannten mittelalterlichen Urnrnben, in denen eine Adjektivbildung vom Namen /Meßen vor- kommt, lautet sie „Gießer". In Flurnamen stets ebenso: „am Gießer Pfad", „im Gießer Feld". Giu mittelalterlicher Stadtbrauch ist in ber Rebaktion des 17. Jahrhunberts betitelt: „Gießer Stadtbrauch" Tie erste Zeitung Gießens, von Pros. Böhm 1750 gegründet, führte den Titel: „(Stieger Wochenblatt", den sie nach einer Zwischenzeit, tn ber Las 'Statt „Giesische Anzeigen" hieß, auch spater tvteber «mnahm. Am Ende des 18. Jahrhunderts nannte fte sich Gießener JnteMgen-Llatt", aber gleich daraus wieder 7«.»s-er AnzeiguugÄblättchen" mit geringen Änderungen Lis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, ^abic 18-9 veröffentlichte Iah. Bal. Klein „Einige das Greß er aka- Lemffche Paedagog . . . betreffende Nachrichten.
Soweit die schriftlichen und gedruckten Nachrrchten.
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