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27.7.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 173

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Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Montag 27. Juli 1903

Gietzener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Vrrantwortltch für den polit und allgem. Teil: P. Wittko- für Stadt und Land^ und .GerichtSlaatE: August Götz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

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Kie heutige Wummer umfaßt 8 Seiten.

Volttische Wochenschau.

Politische Ferien das kann man als lleberschrift über die Ereignislostgkeit der vergangenen Woche setzen. Mit Haldem Interesse verfolgt selbst der eifrige Geschäfts­mann in der Sommerfrische, im Strandcafe oder in der Hängematte vor seinem Gebrrgshotel die Politik und den Kurszettel. Auch die Börse zeigt schwüle Sommerstille. Für die Presse aber ist die Zeit der platonischen Betrachtungen, der Spekulationen mit) Vermutungen angebrochen. Ein so bedeutsames, so tief in das innere Leben der europäischen Staaten eingreifendes Ereignis, wie der Tod des Papstes, das einzige bedeutende Vorkommnis der Woche, bot unerschöpflichen Stofs. Noch ein paar Tage wird man an Leos XIII. Leiche pomphafte Feste in der Peterskirche feiern. Frauen, Kleriker und Mönche drängen sich in der glutheißen Temperatur der alten Roma umher, um nur sagen zu können, sie hätten den toten Papst gesehen. Dann wenden sich diese theoretischen Erörterungen völlig von seiner Person ab- und das Interesse lenkt sich dem geheimnis­vollen Wahlakt zu, aus dem der neue Leiter der römisch- katholischen Kirche hervorgehen soll. Unendlich viele Rätsel gibt dies Konklave der Welt auf. Nicht nur wer aus ihm hervorgehen wird, sondern noch mehr wie dieser kommende Mann sich zu den brennenden Fragen der päpst­lichen Politik verhalten wird, ist zurzeit noch völlig unklar. So viel weiß man ja: ein Italiener muß es sein. Seitdem der Niederländer Hadrian VI. 152223 ein Jahr auf dem päpstlichen Thron saß, betrachtet die katholische Kirche den italienischen CharaÜer des Papsttums als un­abänderliche Einrichtung. Ihr entspricht die Mehrheit von 39 Italienern rniter den 63 Kardinalen. Und diese Speku­lationen darüber, welche Bedeutung der kommende Papst haben wird, haben mit ganz besonderem Eifer in Frank­reich eingesetzt.

Ter Plan der Trennung von Staat und Kirche liegt in Frankreich in der Luft, die Erregung im ftän- zösischen Klerus gegen die Kirchenpolitik der Regierung steigt immer höher. In Rom waren die Kardinale schon längst nicht mehr mit der Haltung Leos Frankreich gegenüber zufrieden. Es gehört ein außergewöhnliches Maß von Weisheit dazu, das Ähifflein der Kirche künftig um die ftanzösische Klippe herumzusteueru. Die Trennung von Staat und Kirche hat z. B. Mexiko bereits durchgeführt. Mit Ausnahme der Frauenerziehung in den höheren Ständen liegt in Frank­reich, das Unterrichtswesen in Händen des Staates und wer die Jugend hat, hat die Zukunft.

Wenn man sich ferner darüber den Kopf zerbricht, ob die Spannung zwischen Italien und dem Vatikan einem verträglicheren Verhältnis Platz machen wird, so schießen hier die Hoffnungen vielfach sehr weit über das Ziel hinaus. Der italienische Staat wird niemals von der römischen Kirche anerkannt werden. Es setzen sich in ihr die Ansprüche des alten Cäsarentums auf die Weltherrschaft fort, die nur von Rom kommen kann. Die Mehrzahl der Kardinäle würde es als treulosenVerrat" an diesen An­sprüchen des Papsttums betrachten, wollte ein Papst die Besetzung der Hauptstadt der kath. Christenheit durch eine weltliche Macht als unabänderlich anerkennen. Und doch ge­hörte dazu für den neuen Papst nicht viel mehr als ein wenig Mut und ein wenig mehr modernes Empfinden, als es trotz aller modernisierenden Anwandlungen Leos zu den eisernen Traditionen des Papsttums gehört. Die Kirche würde um nichts geschädigt, wenn sie sich an ihrer An­wesenheit und ihrem Schutze durch die italienische Re­gierung genug sein ließe, im übrigen aber den geistlichen Charakter ihrer Weltherrschaft betonte und damit auch amt­lich den Zustand anerkennte, der von 1870 bis jetzt geherrscht hat Und vermutlich 1970 sich nicht geändert haben wird. Aber die katholische Kirche lebt von der Tradition, und so wird es der Nachfolger Leos weiter für seine Wicht halten, die 31/2 Mill. Lire, die der italienische Staat ihm bietet, stolz zurückzuweisen und dafür die höchst wunderliche Rolle des Gefangenen im Vatikan weiter spielen. Höchstens, daß er in der ebenfalls exterritorialen päpstlichen Villa in Gandolfo im Albanergebirge Sommerausenthalt nimmt und damit auch dem römischen Volke menschlich etwas näher tritt und daß er es vielleicht nicht mehr so natürlich wie Leo finden wird, daß protestantische Fürsten den Papst besuchen dürfen, nachdem sie vorher im Quirinal vorgesprochen haben, während katholischen dieAn­erkennung Italiens" verboten ist, die in einem Besuch beim Quirinal enthalten ist. Auch das Papsttum muß schließlich kapitulieren vor geschichtlichen Notwendigkeiten. Aber nie­mand hat die Macht, die Illusionen zu zerstören, die im Klerus und Kardiualskollegimn sich foripflanzen.

Nicht die Zukunft des Papsttums allein gab den Geistern und Federn den Stoff her zu theoretischen Betrachtungen in Ermangelung politischer Ereignisse. Die alten Kämpfe über eine Vereinigung der Liberalen wurden in den Organen der Linksliberalen weiter ausgefochten und mancher Tadel gegen Eugen Richters politische Stellung und mancher Einwurf gegen den Ton, der häufig aus der Freisinnigen Ztg." gegen Leute der eigenen Partei heraus- könt, wurden dabei laut. Aber wie wenig Leute von viel­seitigem Wissen, von Temperament, von eigenen Gedanken und unermüdlicher Aufopferung für die öffentlichen Inter­essen heute gerade im Parlament vorhanden sind, dafür zeugte das so außerordentlich vielfach zum Ausdruck ge­brachte Gefühl der Leere, das der plötzliche Tod eines so ausgezeichneten Mannes wie des Reichstagsabg. Roe ficke zurückgelassen hat. Völlig unvermutet hat ihn die Opera­tion eines Darmleidens dahingerafft, von dessen Bestehen er erst wenige Tage vorher erfahren hatte. Wir haben

nicht viel solcher Leute, die mit dem Genie des Kaufmanns das warme Herz des unerschütterlichen Arbeiterfreundes und die Begeisterung des großzügigen Politikers verbinden. Fast alle Parteien haben Palmen der Anerkennung auf seinem Grabe nieder^elegt.

Es scheint fast, als sollte endlich einmal ein Stückchen des liberalen Ideals, für das Roesicke gekämpft, in Deutsch­land seiner Verwirklichung entgegengehen, die Landtags- wahlreform itn Bay eru ist im Gange ebenso wie die in Sachsen. Man staunt, wenn man vernimmt, daß in Preußen, das an Reform noch nicht $u denken scheint, das Landtagswahlrecht noch viel 'engherziger, viel pluto- kratischer ist als in jenen beiden Ländern. Wann wird die preußische Regierung mit der Macht sozialer Gründe vom Abgeordnetenhause die Abschaffung des veralteten Drei­klassenwahlrechts verlangen? Vielleicht wartet sie solange, bis die dritte Ablehnung der Kanalvorlage ihre Ge­duld erschöpft hat.

Der Geist der Kanalvorlage wurde heraufbeschworen, als die entsetzliche Verheerung bekannt wurde, die die U e ber­sch w e m m u n g e n der Oder, Neisse und Warthe von neuem verursacht haben. Eine staatliche Stromregu­lierung in Gebieten, die fast in regelmäßigen Zwischen­räumen von furchtbaren Ueberschwemmungen verwüstet werden, sollte schon seinerzeit in Preußen mit der Kanal­vorlage durchgefuhrt werden. Die Konservativen wollten das anders. Jetzt nutzen sie die Lage aus und verlangen Stromregulierung ohne Kanäle. Nun wird die preußische Regierung hart sein und ihnen das Fleisch nicht ohne die Knochen zu kaufen geben. Zur Linderung des in Schlesien hervorgerufenen Notstandes hat das preuß. Staatsmini­sterium in seiner Sitzung am Freitag einen Kredit bis zur Höhe von zehn Millionen Mark unter Vorbehalt der Genehmigung des Landtages zur Verfügung gestellt. Die Festsetzung dieses Betrages und die sofortige Flüssigmach­ung eines Teiles dieser Summe ist aus direkte Veran­lassung des Ministerpräsidenten Grafen Bü­low erfolgt. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben hat sich am Samstag nach Breslau begeben, um in Gemein­schaft mit dem Vertreter des Oberpräsidenten und dem Lanoesharp-tmann über die Verwendung der zur Linderung der Ueberschwemmungsschäden in Schlesien bereitgestellten ganz außerordentlichen hohen Staatsmittel zu beraten. Ihm soll der Kultusrninister Srudt heute folgen. Daß der eigentlich zunächst zuständige Minister des Innern, der Frhr. v. Hammer st ein, der allzu behutsame Zauderer, dem Notstandsgebiete fern bleibt, ist auffallend. Da dürfte die Hand des Kaisers im Spiele sein. Auch die gleich­falls arg heimgesuchte Provinz Posen hofft auf erheb­liche Staatshilfe. Im Kreise Glogau ist jetzt zu allem Unglück noch der Typhus ausgebrochen. In Wetterschütz ist der Lehrer Reich an Typhus gestorben. Auch in Dalkau kamen Typhusfälle vor. Die Epidemie brach im Anschluß an das Hochwasser aus und scheint mit ihm in Verbindung zu stehen. Der deutsche Kriegerbund und der preuß. Landeskriegerverband haben für ihre durch das Hochwasser geschädigten Kameraden aus ihrem Notstandssonds zu­sammen 10000 Mk. bewilligt und dem Provinzial-Krieger- verbande für Schlesien telegraphisch vermittelt.

Dunkle Verschwörungsgerüchte, die in Sofia aus­tauchten und in unmittelbare Verbindung mit der Abreise des Fürsten Ferdinand nach, Deutschland in die Oeffent- lichkeit geworfen wurden, haben sich, wie vorauszusehen war, als albernes Hundstagsgeschwätz erwiesen. DieAgence Telearaphique Bulgare" erklärt, die Nachrichten von einer MiIitärvers ch wörun g gegen den Fürsten Ferdinand seien reine Erfindung, zu dem Svecke ausgestreut, düs Lage ui Bulgarien als beunruhigend hinzustellen. Tie Abreise des Fürsten (nach seiner deutschen Vaterstadt Koburg) sei im Gegenteil ein Zeichen der Ruhe im Innern des Landes und des Nachlassens der Spannung in den Bezieh­ungen zwischen der Türkei und Bulgarien. In die Lage auf dem Balkan gewährt indes eine neue Note der bulgarischen Regierung an ihre Vertreter anderen Einblick, die die Auf­forderung enthält, bei den Mächten vorstellig zu werden, daß diese mit Rücksicht auf die Kriegsgefahr bei der Pforte Schritte tun, um die Zurückziehung der türkischen Truppen von der bulgarischen Grenze und die Durch­führung der Reformen zu veranlassen.

Ein Friedensfest konnte Irland anläßilch des ersten Besuches Königs Eduards feiern. An dem Tage, wo CLuard VII. irischen Boden betrat, siel im Lon­doner Parlament mit 317 gegen 20 Stimmen das letzte Bollwerk der irischen Ausnahmegesetzgebung. Durch eine sehr loyale Rentenablösung ist künftig der i r i s ch e P ä ch t e r Eigentümer geworden. Des Königs Empfang stach daher auch glänzend gegen den früheren Besuch ab, als er als Prinz von Wales trübselig hinter dem steinreichen Kize- könig von Irland, dem Lord Dudley, in das Dubliner Schloß einziehen mußte. Die Bevölkerung feierte Eduard fast wie einen Befreier. Das Königspaar verließ am Samstag die S Hauptstadt Dublin und reifte zpm Besuch des Lord nderry nach Newtownards. Vlvr der Abreise befahl der König, daß dem Volke sein und der Königin tiefgefühl­ter Dank ausgesprochen werde für die Loyalität und die ,Zu- neigung, von der er während des Aufenthaltes in Dublin umgeben war. Der König spendete für die Armen Dublins 1000 Lstr.

Ein seltsamer Chor der Friedensboten setzte in der vergangenen Woche seinen Fuß auf englischen Boden. Etwa 100 französische Senatoren und Depu­tierte trafen am Dienstagabend, einer Einladung des Commercial-Kvmitees des englischen Unterhauses folgend, zum Besuche in London ein. Sie sollten darüber beraten, ob nicht viele zwischen John Bull und Pa belle France schwebende Eifersüchteleien mitLiebe" beigelegt werden könnten. Und die englische Presse empfing die Deputation,

mit ostentativemBündnis-Jubel". Die Herren kehrten am letzten Samstag nach Paris zurück, bis aus einige, welche aus Privatgründen noch zurückblieben. Einer der Herren, Baron Destournelles, erhielt eine Depesche vom Sekretär des Königs Eduard, in der es heißt, der König schließe sich von Herzen den von Destournelles ausgedrückten Wünschen an, daß die guten Beziehungen, welche die französischen Parlamentsmitglieder soeben mit den Mitgliedern des eng­lischen Parlaments geknüpft haben, zur Bese st igungdes Weltfrieden beitragen möchten. Man kann sich der Tätigkeit dieser Gruppe, die schon mit Belgien und Schweden in Unterhandlungen getreten ist, und ihres guten Willens aufrichtig freuen. Allzuviel Hoffnung darf man allerdings erfahrungsgemäß an solche Friedensaktionen nicht knüpfen. Sie werden die Verteidigung der Nationen durch eigene Waffengewalt leider niemals unnötig machen. Aber da sie die Fälle mehren, in denen bei Fragen untergeordneter' Bedeutung an Stelle des Säbelrasselns der Appell an das Schiedsgericht tritt, so erwerben sie sich für die Zivilisation immerhin das Verdienst, daß dadurch eine, wenn auch nur geringe Verlangsamung des Wettlaufs ein tritt, in dem sich heute in ihren militärischen Rüstungen die Völker Europas abhetzen. Und wenn dadurch Mittel für die Erfüllung anderer Kultur aufgaben frei werden, so wird es riiemcmL» gaben, der sich darüber nicht aufrichtig freute.

Volttische Tagesschau.

Kaiser und Papst.

Die ftanzösische Einbildungskraft ist im Begriff, ein neues Wahngebilde auszuarbeiten, um von nun an un­erschütterlich daran zu glauben, als wenn es die bestver­bürgte, unbestreitbare Wirklichkeit wäre: Kaiser Wil­helm will fid) des Baticans bemächtigen! Er will einen Deu tschland ergebenen Kardinalzum Papst wählen lassen, um sich dann mit dem ihm verbündeten Oberhaupre der katholischen Kirche in die Weltherrschaft $u teilen. Diese Vorstellung eines Weltreichs, dessen zwei Häupter der Papst und der Kaiser, diese beiden Hälften Gottes", sind, ist gedem gebildeten Franzosen geläufig; nicht etwa aus der Geschichte, sondern aus dem poetischen Schrifttum. Ein großes Selbstgespräch Karls V. in der .Gruft Karls des Großen zu Aachen, in Viktor HugosHernani", das diesen Gedanken in den ein­dringlichsten romantischen Wendungen ausdrückt, gehört zu den volkstümlichsten Stücken der Werke Viktor Hugos. Jeder gebildete Franzose hat es gelesen, jeder hat es bej^ hallen und wenn man von einem Bündnis des Kaisers mit dem Papst zum Zwecke der gemeinsamen Weltherrschaft spricht, so^weckt man bei jedem einen Widerhall vertrauter Klänge. So erzieht ein Dichter sein Volk zu den seltsamsten politischen Anschauungen, die durch eine nüchterne Erkennb- nis der Tatsachen in der Folge fast nicht zu entwurzeln sind- Die Zeitungsleser jino für Las Märchen, das chnen ausgebunden wird, vorbereitet. Es leuchtet ihnen ohne weiteres ein, daß Kaiser Wilhelm die Hand aus die päpst­liche Gewalt legen möchte. Es wundert sie nicht, das Selbst­gespräch Karls V. ausHernani" in der Politik des deut­schen Kaisers am Anfang des 20. Jahrhunderts wieder- zusinden. Sie sind überzeugt, daß im Konklave ein groß­artiger, weltgeschichtlicher Kampf zwischen dem deuffchen und französischen Einfluß ausgefochten wird und daß von seinem Ausgang die Gestaltung der Geschicke Frankreichs und Deutschlands, wenigstens in den nächsten Jahrzehnten, abhängt. Wie sie sich, das genauer, im einzelnen, aus­malen, ist nicht klar. So viel geht indes aus allen Aus­führungen der Blätter hervor. Laß der Papst Deutschland hauptsächlich oder ausschließlich in der auswärtigen Polllit gegen Frankreich beistehen soll. Ein Delirium in seinen einzelnen Bestandteilen zu prüfen und zu kritisieren ist ein unfruchtbares Beginnen. Man hat sich ihm gegen­über lediglich beschreibend zu verhalten. Nach der fran­zösischen Vorstellung würde also ein deutsch gesinnter Papst die Beschützung der Katholiken im türkischen und chinesi­schen Reiche Frankreich entziehen und Deutschland über­tragen und es scheint, daß dies für Frankreich einem neuen Verlust seiner wertvollsten Provinzen gleich kommen, für Deutschland einen gar nicht zu ermessenden Machtzuwachs bedeuten würde. Ferner würde ein Papst nach dem Herzen- unseres Kaisers seinen Einfluß auf die Regierungen aus welche, wird nicht gejagt; die russische, englische, italie­nische und nordamerikanische können^ es jedenfalls nicht sein in internationalen Fragen gegen Frankreich in die Wvg- schale meisten. Wenn im Gegenteil ein französisch gesinnter Papst gewählt wird, würden die Aussichten Frankreichs in der Weltpolitit so gut werden, daß selbst die Aufwerfung der elsaß-lothringischen Frage in den Bereich der Absehbar­keit gerückt wäre. Daß die Erfinder, Verbreiter und Pfleger dieses bunten Äiärchens Klerikale sind, braucht nicht erst gesagt zu werden.

Uermljüstes.

* Bochum, 26. Juli. Im katholischen Krankenhause verlangten 180 wurmkranke Bergleute stürmisch ihre Entlassung, da sie nicht krank seien und ihre Familien nicht darben lassen wollten. Den Bemühungen des herbeigerufenen Knappschaftsoberarztes ist es gelungen, die erregten Leute zu beruhigen. In den anderen Krankenhäusern haben sich ähnliche Vorgänge abgespielt.

* Essen a. d. R., 26. Juli. Seit dem Tode des Geheimrats Kriipp wird mit den rein repräsentativen Posten aus den Krupp'schen Werken energisch ausgeräumt. In Kürze werden drei Herren, ein Oberstleutnant a. D., em Kapitän a. D. und ein Oberst a. D., aus dem Dienste der