Ausgabe 
27.5.1903 Zweites Blatt
 
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Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Anfangs- u. Schlußkurf e.

der

verltu, 26. Mau Dem .ReichSan-.^ zufolge wies

in

. IO8.80

21,9* C.

209.40 209.00 1S6L7 174.50 17737

. 102.03

. 91.07

. 101.08

. 91.08

. 101.02

. 100.06

. 103.03

DtfL Rrtbü . .

Teutfche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß .

. 209.40

. 208.75

. 186.40

. 174.00

. 176.80

Reicheanleihe do.

Konsole . do. . .

Heesen

KriesKasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

V. Bei den Leuten grassiert das graueElendim höchsten

fllhrliche Angaben über da« Fest selbst, ein Mitglieder. Verzeichnis der teilnehmenden Vereine sowie am Schluß einen mit Illustrationen gezierten Führer von Frankfurt sowie einen Stadtplan. Lin schwieriges Problem bot, nach den Mitteilungen des Fest-AuSschusicS, die Beleuchtung der Fest- Halle, doch ist eS glücklich gelüst worden. Die ganze Be- leuchtung erfolgt elektrisch. ES sind insgesamt vorgesehen: 720 Glühlampen i 25 NK und 50 Bogenlampen. Die An- brmgung der Beleuchtungskörper ist in inniger Verschmelzung nut der großzügigen Innendekoration durchgeführt. Zu der Hauptprobe für daS BegrüßungSkonzert, welche am 2. Jun, aachm. 3 Uhr m der Festhalle stattfindet, werden an den bereits bekannten Stellen vom 25. Mai ab Eintritts- karten zum Preise von 3 Mk. und 1,50 Mt. auSgegeben. Dom Sonntag den 31. Mai ab findet der Kartenverkauf für alle Veranstaltungen nur noch an den Kasten des Fest­platze« statt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der kroatische Waldarbeiter Peter Nendullc, rvcto Sabljak, welcher am 16. November 1902 tm Vogels­berg einen Landsmann ermordet und beraubt hatte, wurde wie die ,3L Fr. Zig.* meldet, vom Ogulmer Gerichtshöfe zum Tode durch den Strang verurteilt. In der Kron- prinzenstraße m Frankfurt mietete sich in einem Hause vor einigen Tagen ein Mädchen ein, daS inzwischen spurlos oer- schwunden ist. Nach vorhandenen Anzeichen »st daS Mädchen heimlich niedergekommen, die Bettwäsche hatte eS zu Kinder- Wäsche zerschnitten. Auch von dem Verbleib des Kinde« fehlt jede Spur. In Bingen ist der am Anfang der 60er Jahre stehende Fleischermeister I. B. Schürzens, der frühere Obermeister der Fleischerinnung Bingen und jahrelanger Bei- geordnete der Stadt Bingen gestorben. Der von Sprend- lingen verschwundene Gemeindeeinnehmer Weidmann be- findet sich bei Verwandten in Brüssel. Schon seit etlichen Monaten darf in der evangelischen Kirche m Eimsheim, welche als baufällig erklärt wurde, kein Gottesdienst mehr gehalten werden, weshalb er gegenwärtig im Gemeindehause stattstndet. ES soll nun eine neue Kirche erbaut werden, aber man ist sich wegen de« Bauplatzes nicht schlüssig. In O st- Hofen brannte gestern nacht daS Matenalienhaus an dem Güterbahnhof ab. Die Lntstehungsursache des BrandeS ist unbekannt.

Höchste Temperatur am

3J/0 Mexikaner . . 4ViVo Chinesen . . Electric, bcLückert . Nordd. Lloyd . .

Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laorahütte . . . . Bochum . . , . . Harpeoer . . . .

3V«°/o S' 3V,% 8°/0 8*/i%

103.06 5025

32.00

33.05

130.02

44.08

Meteorologische Beobachtungen

der Ltatiou Gießen.

Vermischtes.

Berlin, 27. Mai. In der Wohnung des kaiserlichen Oberstallmeisters Grafen Wedel erhängte sich das 18jährige Stubenmädchen Piske aus Verzweiflung über Drangsalierungen durch das Wirtschaftsfräulein.

* Halle a. d. S., 26. Mai. In der Dynamitfabrik in Reinsdorf bei Wittenberg wurden durch eine Explosion im Laderaum der Betriebsleiter, ein Lademeister und ein Arbeiter schwer verletzt. Ter Zustand des Laderneisters ist

. 26.55 . 92.07 . 95.04 . 101 09 . 209.06 . 186.01 . 136.09 . 147.09 . 154.01 . 145.08 . 14.02 . 189.05 . 216.08

. 175.08 . 178.75

37,% Obertassen .

4-4 Oesterr. Goldrente

41Oesterr. büberrente 100.05

4% Ungar. Goldrente

jeden, der an den folgenden trtrr AuSnahmetagen (18., 2L, 24. und 30. Mai einen enorm billigen Strohhut kauft gratis! ein Glas Laaerbier gratis! Möbius." Jedenfalls ist diesen ttonkurren^Sladiatoren der Humor noch nicht ausgegangen.

Grade. Hab in der ,Vol

Halbjahr.

Märkte.

p. &d)ottcn, 26. Mai. Ta in den Orten Attenham und ftreienfeen bie Schweinepest emgelreten ist, vermutlich durch pandlervieh emgeschleppt, so ist für den am 2. Juni hier fiatt- rndenden Biehmarkt, der wegen ferner günstigen i*age (3. Psingst- eiertag) stets stark besucht war, der Auslrieb von Schweinen durch blesiges KreiSamt verboten worden, während der Rindvieh- und Bullenmarkt in der seitherigen Weise abgehatten wird.

Butzbach, 26. SÖlai. Durch die m vielen Orlen der Umgeb­ung herrschetide S ch w e i n e p e st kann der für nächsten Tonners- tag, den 28. Mar, angesetzte Schweinemarkt hier nicht abgehalten werden; der Krämermarkt dagegen findet statt.

40/^ Italien. Bente . . , Portugiesen . . , 8*1/ r'oriagieicn. ...

1% C. Türken ...

Türkenlose.....

4°/o kriech. Monopol.-AnL

hausen wurde mit Steinen beworfen.

Bremen, 27. Mai. Hier hoben die Dialer-, Tischler-, Glaser-, Schlosser- und Tachdeaermcister beschlossen, die Aussperrung ihrer sämtlichen Leute am Samstag vor- zunehmcn, falls die aussräiidigen stlenqmer nicht brS bä­um wieder arbeiten.

Leipzig, 27. Mai. Das Kriegsgericht verurteilte den Kanonier S t e i n m ü l l e r vom 78. Zeldartillerie-Regiment wegen Fahnenflucht und schweren Tiebstahls in 13 Fällen zu 15 Jahren Zuchthaus, 1U Jahren El-roerlust und Aus­stoßung aus dem Heere.

Lo ndon, 27. lUtaL Die amtliche Untersuchung des Handels mit südafrikanischen Lazarettdecken hat nach einer Kapstadter Meldung desTally Expreß" er­geben, daß unter Nichtachtung allgemeiner und spezieller Armee-Verordnungen MUllarbeamle 260 olX) entbehrlich ge­wordene Tecken an einen Buchmacher und einen nanttnen- wirt zum Preise von 20 Pjg. das Sluck verlaust l-aben. Ten verkaufenden Beanllen sei der gefährliche Eharalter der Tecken belannt gewesen. Die beiden Staufer hätten von beii Tecken 180 000 -stück weiter nach Englaiid abgesetzt und 2JjO Att. pro Stück erhalten. Tre schuldigen Behörden in Südafrika suchen einen Teil der Leranllvortung aus das Kriegsministerium abzuwälzen, indem sie behaupten, im Eintlang mit den Befehlen gehandelt zu haben, die ruuh Beendigung des Krieges peinlichste Sparsamlell geboten haben.

London, 27. Mai. Die Morgenblätter veröffentlichen den soeben erschienenen Bericht der Kommission, welche im vorigen Jahre zwecks Einleitung einer Enquete über die englische Handelsmarine eingesetzt war. Die Blätter legen dem Bericht große Bedeurung bei. In Marinekreisen glaubt man, dap die Enquete der Handels­marine einen Aufschwung verleihen werde. Unter anderem wird bemängelt, bau viele Kauffahrteischiffe junge Deutsche als Matrosen aiinehmen, welche fahnenflüchtig sind, imb bei ihrer Landung im ersten deutschen Hafen feftgenommen werden.

Paris, 27. Mai. Die Blätter roiffen von einem neuen Grenz-Zwischenfall zu berichten. Zwei jugendliche Arbeiter aus Ioeuf hatten einen Ausflug nach MontoiS unternommen, welches aus deutschem Gebiete belegen ist. Sie wurden von deutschen Gendarmen angehalten, welche be­haupteten, die jungen Leute seien auf deutschem Gebiete ge­boren und hätten sich ihrer Militärpflicht entzogen. Sie wurden verhaftet und erst nach zwei Stunden freigelafsen, nachdem ihre Papiere untersucht worden waren.

Madrid, 27. Mau Eine große Menge Neugieriger hatte sich aus den Tribünen und auf den Straßen emgefun- den, welche die Automodilfahrer der Wettfahrt ParisMadrid passieren sollten. 60 Tounsten-Auto- niobile trafen hier em. König Alfons und Prinz Heinrich waren am Ziele erschienen. Don den Ausflüglern ist Niemand verletzt.

Saloniki, 27. Mat. Bei dem bei Mogila gefallenen Tandenführec Stevkow wurden Proklamationen gefunden, in denen die nomitees verständigt wurden, baß in Zu­kunft nicht nur Muselmanen, sondern auch Christen, die sich der aufständischen Bewegung nicht anjchlteßen, ermordet werden sollen. Weiter wurden bet Slev- kow Papiere gesunden, die Aufschluß über wichtige Pläne des mciccDont]cl)cn Komitees geben.

25.-26. Mai

Arbeiterbewegung.

ko. Frankfurt O.M., 25. Mai. Seit heitte morgen streiken hier die Spengler und Installateure. Sie fordern 9 */,- stündige Arbeitszeit, einen Mindesllohn von 3b Psg. pro Stunde im 1. Jahre nach beendeter Lehrzeit, von da ab bis zürn 21. Jahre 40 Psg. und für ältere Arbeiter 50 Psg außerdem die bezüglichen Lohnausschläge bei Ueberstunden usw. An dem Streik dürsten un­gefähr 850 Arbeiter beteiligt fern. Bei 15 kleineren Meistern wird zu den neuen Bedingungen gearbeitet. Der ,Frkf. G.-A.' teilt dazu noch mit: Im Lause des geftvigeu TageS haben noch weitere Firmen die Forderungen der Behülfen annerkannt. Bis jetzt ar­beiten 145 Behülfen bei 27 Firmen zu den neuen Bedingungen.

Telephonischer Kursbericht.

* rnukturi au 27. Mai 19u3

Temperatur der Lada und der Luft am 27. Mai 1903.

Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.

Wasser 15'/,°, Luft 19*.

Albert Rübs amen.

Harpener Bergbau

«Lchluß-Tendenz: befestigt.

hoffnungslos. x

Köln, 26. Mai. In dem im westfälischen Orte Nottulu belcgenen Martinistift, einer Anstatt für Ver­wahrloste bis zu 21 Jahren, sind Unruhen ausgebrochen, die gestern einen bedrohttchen Umfang annahmen. Aeltere Burschen überfielen mit Heugabeln und Schippen die ihres Amtes waltenden Brüder und verletzten mehrere derseweu tödlich. Gendarmerie mußte herbeigezogen werden. Sechs Anführer wurden teilweise einer Stefjer- ungsanstalt, tellweife dem Gefängnis überliefert

* Thorn, 26. Mai. Der Kandidat der Polen für pen Reichstagswahltreis Thorn^rulrn-Bricsen, Cheftedaktcur BrekSki, wurde, da er der Aufforderung zum Anttttt einer wegen Beleidigung auserlegten ztoeimonatlichen Ge- füngnissttafe nicht nachgekommen war, verhaftet, und dem Amtsgerichtsgcsängnis zu Golleb zur Verbüßung der Strafe zugefül)rt. Brekski war im Begriff, eine Reise anzutreten.

«München, 26. Mai. Ter LandgerichtsratDr. Guggenheim er, der die Frau eines Freundes ver- Shrte, mit diesem ein Pistolenduell hatte und zu stungshaft verurteilt, nach Verbüßung der Hälfte der Strafe aber aus Gesundheitsrücksichten aus der Festung beurlaubt wurde, hat mut die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienst erhalten. Wie man hort, tritt Tr. Guggen- heimer in Privatdienste.

Paris, 27. Mai. Sie Schwurgerichtsoerhandlung gegeti die Humberts ist endgittig in der ersten Hälfte des Augusst anberaumt worden.

* Paris, 27. Mai. Ter Sarg Zolas wurde au dem Monttnartte-Friedhof aus der provisorischen Gruft in das Erbbegräbnis übergeführt.

* M adrid, 27. Mai. In VaLepenas explodierte eine von einem unbekannten Reisenden in einem Gasthause deponierte Kiste, die statt angeblicher Chololade 40 Kilo­gramm Pulver enthielt. Eine Frau und drei Äinbcr wur­den getötet, 12 Personen schwer verletzt. Es wird ein Attentat vermutet. In der Bevölkerung herrscht große Bestürzung. . .

* Arras, 25. Mal. Sei einer Hochzeit un Gebäude der Zitadelle brach Feuer aus, welches das ganze Gebäude ergriss. 27 Gäste, meist Tarnen, erlitten Brandwunden. Trei Frauen find ums Leben gekommen. 8 Personen sind schwer verletzt. . _ , .

Bei den Judenmassakres in Kischinew ist, nach demHerren Konfektionär", auch ein gebürtiger Breslauer, Namens Arthur Stein, ums Leben ge­kommen. Stein siedelte vor 12 Jahren von Breslau zu einem Onkel nach Kischinew über und errichtete dort später ein Herrengarverobcgeschaft, das sehr gut ging. Trotzdem äußerte Stein in Briesen an seine Breslauer Verwandten ost, daß er sich in Rußland sehr unbehaglich fühle und bald nach Breslau zurückkehreu werde. Vor vier Wochen erst schrieb er an einen Vetter in Breslau, er habe Aussicht, sein Geschäft günstig verkaufen zu können und hoffe, dann noch zur Psingstzeit wieder in seiner Heimat sein zu können. Bald darauf brachen die Revolten in Kischinew aus und Stein kam auf schreckliche L6eise ums Leben. Zwei jüdische Frauen flüchteten in sein Geschäst, um sich dort zu ver­bergen-- der nachdringende Pöbel aber schlug alles kurz und klein, zündete das Warenlager an und zerrte die Frauen wieder auf die Straße heraus. Stein selbst wurde mit zerschmettertem Schädel tot ausgefunden.

*ModernerKonturrenzkampf. ImColbitzer Wochenblatt" findet sich folgende Annonce:Ta ein Re,taurantam Sophicuvlatz Strohhüte zum Engros­preise an seine Gaste abgiebi .entweder joli das eine Lock­speise sein, um sich Gage zu erhalten, oder sollen viel­leicht die Betrefseuden für ihr Lokal Reklame lausen, ich aber meine auch nicht einpökeln wlll, oerscheute ich an.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu de« Gießener Anzeiger«.

Potsdam, 26. Mai. Der Kaiser traf Hettle früh hier cm und fuhr nach dem Stadtschloffe, wohin sich auch die Kaiserin vom Neuen Palais begeben hatte.

Berlin* 27. Mai. Beim Reichskanzler Grafen- low fand zu Ehren des vattrischen Ministerpräsidenten Freiheirn v. Podewils ein Tiner statt, an welchem die Mitglieder der bai)ri|d)cii Gesandtschaft smvie saottuche hier anwesenden preußischen Minister und Staatsfettetüre tcu- nahmen. dkach der Tafel blieben die Geladenen noch längere Zeit in anregender Unterhaltung mit dem Reichs­kanzler zusammen. , .

Berlin, 27. Mai. Tiedkatztg." bemertt zum Pro» zeß Hüssener: Es sei der Schluß nicht von der Hand u weisen, daß nicht nur ein Urte it gegen Hüssener^ andern auch gegen feine Instruktion gefällt wordeu. Anscheinend habe sich Hüssener durch die ihm zu teil ge­wordene Instruktion zu der Auffassung, die er bei unt nach Begehung der Tot gehegt, berechiigt gehalten. Ter a rin e-'-Sc r ro al tun g erwachse darnach mehr noch durch das Urtell als durch den Fall an sich die ernste und dringende Aufgabe schärfster Nachprujung in dieser Richtung. Es sei im Interesse der Marine Air wünschen, daß die Ver­waltung aus den gewonnenen Lehren die Dollen Honjc- quelizen ziehe, um eine Wiederholung ähnlicher ereignijjc zu vermeiden. _

Nordhausen, 27. Mai. Unter dem dringenden Ver­dacht, einen Lustmord in Aschersleben an einem sechs­jährigen itnaben verübt zu haben, wurde der Barbier Earstensen aus Flensburg verhastet. Später wurde noch ein üomplize Carftensen's festgelwmmen.

Stralsund, 27. Mai. Eine m Batth abgehaltene Wählerverfammlung der oeremigten nationalen Parteien wurde von Sozialdemokraten Unterführung ihres Kandidaten Genzen in lumultuanscher Weise gestört. Tie Polizei mußte iuieberl)olt mit blanker Waffe ein­schreiten. Sämtliche Fenster des Saales sind zerttümmett. Der konservative ReichstagS-Kandidat Kammerherr v. Riepen--

Gerichlssaal.

Leipzig, 26. Mai. Da« Reichsgerichts verhandelte heute über die Revision des Trakehner SchulprozesseS. Ta Sanitätsrat Paalzorv-Berlin, der am 24. Oktober 1902 wegen Beleidigung des Landstallmeisters v. Oettingen-Trakehnen zu 300 Atark Geldstrafe verurteilt worden war, am 5. April 1903 gestorben ist, kam nur die Revision des wegen Beihilfe verurteilten Lehrers Otto Nickel-Trakehnen zur Verhandlung. Ter Verteidiger, Rechts- anivalt Sonnenfeld-Berlin, rügt insbesondere die Nichtanwendung des Paragraphen 193 des Strafgesetzbuches, da Stickel dem Paalzow die Mttteilung nicht in der Absicht, v. Lettingen zu beleidigen machte. Ter Reichsanwall beantragt Verwerfung der Revision, well Nickel von dem Artikel vor der Veröffentlichung Kenntnis ge­nommen bat Das Reichsgericht erkannte auf Aufhebung des Urteils und Zurückverweisung der Sache an das Landgericht I zu Berlin. Tas Gericht schloß sich den Ausführungen des Veneidigers insofern an, als es der Ansicht ist, daß in der bloßen Mitteilung einzelner Tatsachen durch Stickel an den Sanitätsrat Paalzow noch nicht eine Beihilfe zu der von Paalzow begangenen Beleidigung des Landstallmeisters v. Dettingen au erblicken fei, ba eine Beleidigung in einem verallgemeinernden Urteil bestehe.

Mannheim, 26. Mai. Tas hiesige Kriegsgericht verhandelte heute gegen den Grenadier Walz aus Mannheim wegen Körpers erletzung mit nachgefolgtem Tode. Walz soll in der Nacht von Ostersonntag auf Montag den Kauf­mann Max Berger aus Mannheim außer verschiedenen Ver­letzungen am Kopf auch einen Stich mit seinem Seitengewehr t n ben Unterleib versetzt haben, an dessen Folgen er st a r b. Ten Stich bestritt Walz, gab mdessen zu, infolge wiederholter An­griffe Bergers mit dem Seitengewehr geschlagen zu haben. Ter Vertreter der Anklage ließ selbst wegen des tölllchen Stiches die Anklage fallen, well Berger selbst m das Seitengewehr gerannt fein tonne und beantragte nur Strafe wegen Mißbrauch der Tienstwafie. Ter Vertreter des Angeklagten plaidierte für Frei­sprechung, weil glatte Notwehr vorliege. Das Gericht urteilte in diesem Sinne. Tas Publilum nahm diesen Urteilsspruch mit Beifall auf.

berliner Börse von» 26. Mai 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.» Troy maller Newyorker Schlußnotizen war die Haltung der heutigen Börse eine relanv feste; man eröffnete zwar infolge weiterer Provinzverkäufe unter gestrigen Schlußkurfen, doch stellte ich bald kräftiger Widerstand ein, da man allgemein den scharfen Jiudgang für übertrieben und überhastet hält. TaS beste Baro­meter für die Beurteilung der Position ist der Eaffamarkt, und dieser zeigte heute, daß die Angstverkause ziemlich beendet scheinen und tm allgemeinen der niedrigste Punkt erreicht ist. Tie Kurse teUen sich fast ausnahmslos über die gestrigen 9lotimmgeii, bei den meisten Werten sogar um mehrere Prozente. Gegen Schluß chwächten Serien-Türken sich leicht ab infolge unbestätigter Ge­rüchte, betreffend die Unififation.

Prwai-Tiskont 3% Prozent.

den Sie übrigens das folgende schone fingierte Inserat . .lolkswachf gelesen: .Tüchtige Tierbändiger! In der Redaktion des »Offenbacher Abendblattes" ist die Tollwut aiisgebrochen. Zur Bändigung des davon be­fallenen Subiekts werden mehrere handfeste Männer, die vor keiner Schmutzarbett zurückschrecken, gesucht."

heutigen Sitzung des Zentralausschuffes der R e l ch s b a n k Präsi­dent Tr. Koch noch darauf hin, daß der einige Tage lang um */, pLl. gefallene Privatdiskonl am offenen Markte wieder aus 3'/« pEL gestiegen feu Ter Geldmarkt habe trotz der Herabjetzung des Diskonts der Bank von England auf 3 , pEt. offenbar mit Schwierigkeiten zu kämpfen, zumal die Lage in Amerika nicht klar cu Indeiien, da die fremden Wechselturse etwas gefallen und auch bereit« Barrengold in das deutsche Zollgebiet emgesührl worden sei, läge ein Anlag zu einer Tiskontveränderung nicht vor, wiewohl eine weitere leichte Versteifung zu Ende des Atonats kaum zu vermeiden sei. Der Zentralausschuß genehmigte die Zahlung der A b s ch l a g s - D i v i d e n d e v o n V/< pEt. für bas erste

Mai 1903.

""Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Fe»lchtigkeit

Windrichtung

V f

Wetter

26.

2

749,6

21,8

8,6

44

NW.

2

Sonnenschein

26.

95i

750,0

13,5

9,4

82

NE.

2

veil. Dunmel

27.

7Ji

749,8

14,6

9,3

75

NE.

4

Sonnenschein