Köhler-LangSdorf und Genossen ein. AuS dem Wahlkreise Gießen veröffentlicht sie eine Zuschrift, m der .baß fegen- bringende Kapital" der Herren Krupp, Gail und Heyligenstaedt gepriesen wird, die ihr Kapital ,rolliren" lassen, sodaß eS .bcllb hier, bald dort" ist. Im übrigen wird in derselben Zuschrift jenes Blattes Herr Krumm aufs heftigste des ^Bauernfanges" beschuldigt.
— Dem Gießener sozialdemokratischen Redakteur Vetters, der zu einer in Laubach zu Gunsten der Kandidatur des Antisemiten Bindewald einberufenen Versammlung erschienen war, wurde, nachdenr er bereits s/4 Stunden lang die Anwesenden mit seinem Gerede gelangweilt hatte, daß Wort entzogen, worauf er zur Freude der Versammlung unter Protest das Lokal verließ.
Wetzlar, 26. Mui. In Friedewald int Wahlkreise Wetzlar-Altenkirchen entwickelte in einer stark besuchten allaemeinen Wählerversammlung der nutionallibe- rale Kandidat, der bisherige Vertreter des Kreises, Krämer, unter großem Beifall sein Programm. Nach ihm sprach Professor Moldenhauer-Köln. Er hielt besonders mit dem Kandidaten der konservativ-bündlerischen Gruppe Pfarrer Heckenroth aus Altenkirchen scharfe Abrechnung. Auch die Redner aus der Wählerschaft tvandten sich entschieden gegen Heckenroths maßlose Angriffe gegen die nationalliberale Partei, sodaß der agitatorische Pfarrer dort keine guten Geschäfte machen wird.
Deutsches Keich.
Berlin, 26. Mai. Ter Kaiser traf heute nachmittag von Prökelwitz in Marienburg ein. Ter Kaiser sowie die Herren seines Gefolges fuhren nach dem Schloß. Auf dem Wege dorthin bildeten Schulkinder Spalier. Auf dem Schlostbos ließ sich der Kaiser den Brandmeister der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, Monath, vorstellen, welcher sich bei dem Großfeuer am 6. lTezember '1902 besonders auszeichnete. Sodann erfolgte eine kurze Besichtigung des Schlosses. Um 4 Uhr 45 Min. fuhr der Kaiser nach Tan z i g weiter. Tort traf er bei regnerischem Wetter an der Schichau'schen Werft ein, worauf alsbald das Linienschiff glücklich vo m Stapel lief, nachdem der Stattt- halt/:r Fürst Hohenlohe-Langenburg das Schiff „Elsaß" geto.uft hatte. Nach kurzer Besichtigung der Schichau'schen Werft begab sich der Kaiser zur kaiserlichen Werft. Später fuhr er nach Langfuhr zum Besuch des Offizierkorps der Leibhusarenbrigade. Um Vs 11 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Potsdam. In der Taufrede führte der Statthalter Fürst Hohenlohe u. a. aus:
In glorreicher Zeit ist dieses altdeutsche Laird nach langer Trennung vom Vaterlande durch Gottes allmächtige Fügmig und Kaiser Wilhelms des Großen starke Hand wieder mtt Deutschland vereinigt worden und blickt mit sicherem Vertrauen zum mächtigen Schirmherrn des Deutschen Reiches empor. Der Taufakt bekräftigt von neuem, daß das, was wir vor einem Menschenalter in heißem Ringen erworben haben, für alle Zeiten durch ein neues Band fest mit uns vereint bleibt. Wie dieser mächtige Bau im Frieden wie im Krieg der hehren Flagge unseres erhabenen Kaisers stets Ehre bereiten wird, so wird auch das Elsässerland immer fest zu Kaiser und Reich stehen.
— Einige hübsche Worte des Kaisers von seinem Aufenthalt in den Reichslanden werden der „Köln. Ztg." mitgeteilt. Als nach der Begrüßung durch den Präsidenten deö Lothringer Bezirkstages auf dem Bahnhof der KreiSdirektor von Saargcmünd dem Kaiser mitteilte, daß 2000 Jungfrauen in Lothringer Tracht am Kaiser- denkmal seiner harrten, äußerte er scherzend: „Muß ich die denn nun alle küssen,'?" Und zum Bürgermeister Schuster, nach dessen Ansprache am Kaiserdenkmal: „Sorgen Sie dafür, daß sie alle tüchtige Soldatenmütter werden." Auf dem Gesechtsfelde gedachte der Kaiser auch der Garde-Füsiliere. Er fragte, ob nicht ein Maikäfer aufzutreiben fei; und als man endlich einen erwischt hatte, ließ chn der Kaiser in ein Schächtelchen packen und als fernen Gruß an ferne braven „Maikäfer" (der volkstümliche Name für das O^arbe-Füsilier-Regiment) senden.
— Oberbürgermeister Kirschner tritt eine Reise nach Petersbur g an, um dort als Vertreter Berlins den Feierlichkeiten beizuwohnen, welche die russische Haript- stadt anläßlich seines 200jährige n Bestehens begeht. Wie der ,^Lokalanz." hört, hat die Reichsregierung zu erkennen gegeben, wie wünschenswert es chr Tm Interesse unserer Beziehungen zu dem Nachbarstaate fei, daß unter den Dertretcnen Städten auch die Hauptstadt des Deutschen Reiches repräsentiert werde.
— Tie Maßregeln Deutschlands gegen die kanadischen Kampfziölle werden na-ch einer Meldung des ,Hamb. Storr." voraussichtlich im Laufe dieser Woche bekanntgegeben werden.
— Tie „Berl. Storr." schreibt: Durch Verfügung der Minister des Kultus, der Finanzen, der Landwirtschaft, deS Innern und des Haiidels wurden den Berwaltungs- behörden -usammenfassende Ausführungsbestimmungen botr. Untersuchung des im Inland eingehenden Fleisches mitgeteilt, ivelche naincntlid) die Bestellung deS Beschauperfonals bei den Beschaustellen für das ausländische Fleisch, die Befähigung zur Vornahme der Untersuchungen rc. betreffen. Sodann wurde eine Anweisung erlassen betr. Ansatz, Nachprüfung und Verrechnung der Gebühren und Mo|ten für die Untersuchung des im Inland eingehenden FleifcheS.
Ausland.
London, 26. Mai. Die internationale Telegrap h e n k o n fe r e n z trat heute unter Anwesenheit von Vertretern sämtlicher Regierungen und Gesellschaften, die die internationale Telegraphentonvcntion unterzeichneten, zusammen. Die Konferenz, die vom Gcneralpostmeister Austen Chamberlain ei öffnet wurde, wird sich mit der Verbesserung deö telegraphischen Dienstes im Interesse des Publikums und mit der Herabsetzung der Gebühren beschäftigen. Der König wird die Teilnehmer an der Konferenz im Schloß Windsor empfangen.
Brüssel, 26. Mai. Hier ist eine Liga zur Verteidig ungder b e l g i s ct) e n I n t e r e s s e n a m Kongo m der Bildung begriffen. Bis in die höchsten Streife hinein gibt man hier der Verstimmung über das englische Vorgehen gehen den Kongostaat unverhol>len Ausdruck. '.Dian Kalte bestimmt daraus gerechnet, daß England mit seinem Vorgehen gegen den Kongostaat wenigstens biS zum Ableben Leopolds II. warten werde
Paris, 26. Mai. Der Abg. Meunier wird demnächst in bet Kammer einen Gesetzentwurf einbringen, betreffend *die Abschaffung der Sittenpolizei.
— Der Miuisterrat beschloß, dem Antrag Berry, daß der Einfuhrzoll auf ausländisches Getreide herabgesetzt werden solle, entgegenzutreten.
Nancy, 26. Mai. Wie es heißt, hat der verhaftete Spion Baliquet eiuge stand en, die Pläne des Zentralbureaus des Großen Generalstabes verraten zu haben. Seine Frau wurde auf freien Fuß gesetzt.
Wien, 26. Mai. Der Zollausschuß setzte die Ber- handlungen bei Tarifklasse „Eisen und Eisenwaren" fort. Berichterstatter Pfaffinger beantragt eine Resolution, nach welcher der Roheftenzoll mit Rücksicht auf die amerikanische Konkurrenz in den Handelsverträgen nicht gebunden werde. Licht erklärt, Oesterreich-Ungarn könne mit einer Herabsetzung des Eisenzolles nicht vorangehen, am wenigsten im gegenwärtigen Zeitpunkte, wo sich die ausländische, namentlich die amerikanische Konkurrenz zu großen Kartellen vereinigt und die Zukunft der Welteisenproduktion noch eine ungewisse sei. Regierungsvertreter Rösler betont, die einheimische Eisenindustrie HÄe sich unter dem Zollschutz sehr gut entwickelt, und empfiehlt die Annahme der vorgescmagenen Zölle.
— Wad) Meldungen aus Olmütz hat Erzbischof Dr. tohn die Berufung nach Rom erhalten und wird ich Anfang nächsten AionatS dorthin begeben.
Belgrad, 26. Mai. 'Meldungen auswärtiger Blatter, daß die hiesige Polizei eine Verschwörung gegen den König Alexander, die vom Fürsten von Montenegro begünstigt worden wäre, entdeckt habe, wird von autoritativer Seite als jeder Begründung entbehrend bezeichnet.
K o n st a n t i n o p e l, 26. Mai. In diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der lange Urlaub des deutschen Botschafters, Frhrn. M a r sch al l v. Biber st ei n, der Vorläufer seines Abschiedsgesuches ist.
— Vorgestern fließen türkische Truppen bei Radovischte, Wilajet Uestüb, mit einer bulgarischen Bande zusammen. Letztere verlor 17 Mann.
Petersburg, 26. Mai. Viele Bürger erhielten Schriftstücke aufreizenden Inhalls gegen die Juden, jenen darin mit Vernich tung gedroht wird. Infolgedessen verlassen viele Familien für die Dauer der Veranstaltungen an den Jubiläums lagen die Residenz und begeben sich nach Finland ober in die Umgebung von Petersburg. Am letzten Feiertage ertönten auf dem Trödelmarkt, wo Juden Handel treiben, plötzlich Rufe: „Man will uns t o t s ch l a g e n". Eine furchtbare Verwirr un g ent- tand. Arbeiter durchzogen in Massen die Reihen des Marktes und die Folge war ein starkes Gedränge, das auf die Juden beängstigend wirkte. Alsbald erschien auch Polizei am Platze und befahl, sofort die Läden zu schließen. In wilder Hast kamen die Juden dem Befehle nach.
— Der „RegierungÄote" schreibt: In einigen aus- ländischen Blättern sind Meldungen erschienen, welche die Unruhen, die am 19. und 20. April in Kischinew statt- anden, in falschem Lichte darstellen. Diese Meldungen beziehen sich auf einen Brief des Ministers des Innern, von Vlehwe, an den Gouverneur von Bessarabien, in dem der Gouverneur aufgefordert wird, ein Mlltel ausfindig zu machen, um dtwa ausbrechende Unruhen unverzüglich auf dem Wege der Ermahnung zu unterdrücken, ohne jedoch in den Waffen seine Zuflucht zu nehmen. Diese Meldungen sind erfunden. Ein Brief des Ministers des Innern an den Gouverneur von Bessarabien vorstehenden Inhalts ist nicht vorhanden. Eine Mitteilung, welche die bessa- rabischen Behörden auf Unruhen vorbereitet, ist nicht erfolgt.
— Angesichts der bevorstehenden Jubiläumsfeier laufen hier allerlei beunruhigende Gerüchte um. ES yeißt, daß große Arbeiter-Demonstrationen ge- Kant und daß dazu auffordernde sozialistische Prollama- tionen gefunden worden seien. Die Fabriken werden daher angewiesen, an den Iubilänmstagen zu arbeiten und die Arbeiter fernzuhalten. Bereits im Lager weilende Truppen werden in aller Stille hier zusammengezogeu. Ueberdies cheint festzustehen, daß der Kaiser sich in keiner Weise an der Feier beteiligen wird. Es heißt sogar, daß er am Vorabend mit feiner Familie nach der Sarolvsch.er Ein- iedelei ün Gouvernement Tambow abreist.
Melbourne, 26. Mai. In einer Rede, mit der er heute das Parlament eröffnete, führte der General-Gouverneur der australischen Eommon Wealth, Lord Tennysvn, aus, dringende einl-eimische Fragen ließen die sofortige Prüfung des von Chamberlain befürworteten Vorzugover kehrs nicht zu, obgleich die Minister dem Gedanken engerer Handelsbeziehungen innerhalb des Reichs günstig gegen üb er ständen.
Aus Atadt und Kund.
Gießen, 27. Mai 1903.
— Personalien. S.K. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Wilhelm Schäfer zu Crumstadt, Dekanat Ederstabt, bie evangelische Psarr stelle ba selb st übertragen. — Das Ehrenzeichen für 'Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Oder-HilberSheim, Adam Fischborn und dem Mckgliebe ber freiwilligen Feuerwehr bet Firma Dörr unb Reinhart zu Worms, Johann Schreiber. — Ernannt wurde der Hilfsdiener bei der Direktion der Hessisch-Thüringischen Staatslotterie, Hermann Gentsch aus Neusellerhausen bei Leipzig, zum Dienet bei der genannten Direktion.
*• Die letzthin abgehaltene Staatsprüfung für Justiz und Verwaltung ist wieder einmal recht schlecht ausgefallen. Die Note 2 wurde gar nicht zuerkannl, mit 3 (gut) bestanden 4 Prüflinge, 7 Kandidaten sind durchgefallen, darunter einer zum zweiten mal.
- Vom Arbeitsnachweis. Laut amtlichen Mitteilungen betrug im Monat April d. IS. die Zahl der an 7 hessischen Arbeitsnachweisstellen (Darmstadt, Gießen, Mainz 3, Offenbach, WormS) gemeldeten offenen Stellen 1403 für männliche und 788 für weibliche Arbeiter. Arbeltfuchende waren es 2283, bezw. 600. Besetzt wurden 807 Stellen für männliche und 264 für weibliche Arbeiter.
•• Beschäftigung von GerichtLassessoren bei der Groß h. Landeß-Hnpothekenbank. Hessischen GerichtSassesioren, die sich bei der Landes-Hypothekenbank als Volontär beschäftigen wollen, ist, wie wir m einer Bekanntmachung deS Ministeriums der Finanzen in der „Darmst. Ztg." lesen, Gelegenheit geboten, sich im Hypothekenrecht, sowie in den Bankgeschäften auszubilden. Großherzogliches Ministerium der Justiz hat sich bereit erklärt, den zu diesem Zweck erforderlichen llrla.iv zu cneilen, falls nicht besondere Gründe entgegenjtehen. Bewerbungen sind an bie Ministerial- abtcüung für Finanzwirtschaft unb Eisenbahnwesen zu richten.
— Aufruf für Kischinew. Von einem surcyrvaren Unglück ist bekanntlich bie 50 000 Seelen zählende jüdische Gemeinde in Kischinew heimgesucht worden. Tie gegen daS Leben und daS Vermögen der Juden dort verübten Greuel- toten haben eine Ausdehnung gewonnen, bie sofortige Hilfe für bie Unglücklichen erheischt. Viele würben unter ben schrecklichsten Qualen ermorbet, Hunberte verwundet, Frauen würben geschänbet, Kinber mißhanbell, tausenbe von Famüien sinb ber bittersten Not preisgegeben. Unbeschreiblich ist daS Elenb ber schwer Geprüften. Wie an anberen Orten Herz unb Hanb sich für bie unschulbigen Opfer ber entsetzlichen Verfolgungen geöffnet haben, so will man auch in Gießen nicht zurückstehen, wo es gilt, benen zu helfen, bie jetzt auf baS Erbarmen ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Alle eblen Menschen mögen Gaben spenben für bie Verwunbeten, für bie zu Bettlern Geworbenen, für bie ihrer Ernährer beraubten Witwen unb Waisen. (Vgl. Inserat.)
Butzbach, 26. Mai. Erne Anzahl Stubierenbe ber Technischen Hochschule in Hannover, bie auf einer größeren Exkursion begriffen sind, besuchte gestern auch unsere Stabt unb Umgegenb mit ihren SehenSwürbigkeiten. Dieselben übernachteten tm Hotel «Hess. Hof unb reiften heute zunächst nach Bab 9tauheim loeiter. (B. Zt.)
m Nibba, 26. Mai. Am Sonntag abend war eine Frau von Ulfa mit ihrem siebenjährigen Töchterchen bei einem hiesigen Arzte gewesen. Auf dem Heimwege begegnete deren Fuhrwerk auf der Hungener Landstraße em Automobil. (Schon weiß man, daß eß ein Unglück gegeben hat. D. Red.) Vorsichtshalber stieg ber Fuhrmann, ber nichts gutes ahnte, ab unb nahm fein Pferb am Zügel. Als baß pustenbe Ungetüm jeboch in bie Nähe des Wagens gekommen war, warf baß scheu geworbene Pferb seinen Herrn über ben Hausen, rannte mit bem Wagen über ben Graben auf die Wiesen und kehrte bann auf der Straße nach Nidda zurück. Glücklicherweise wurde eß unterwegs von Passanten aufgefangen, sodaß die beiden Jnsaffen mit bem Schrecken davonkamen. Der Fuhrmann, der von dem Wagen überfahren worden ist, hat erhebliche Verletzungen baoongetragen.
L Darmstaabt, 25. Mai. Auß dem ärztlichen Geschäftsbericht pro 1902, welchen bie Jnvalibenanstalt Gr. Hessen über baß von ihr eingeleitete Heilverfahren bei Lungentuberkulosen veröffentlicht hat, entnehmen wir, baß in ber in ihrem Eigentum stehenben (im Jahre 1901 in Betrieb genommenen) Ernst Ludwig-Heilstätte un Jahre 1902 538 männliche Lungenkranke behandelt worben sinb. Die Heilstätte verfügt über 122 Betten, trotzdem ist sie im Sommerhalbjahr nicht im Stande, allen Aufnahmegesuchen zu entsprechen, sodaß ein leil der Kranken in der Pension Krichbaum in Eberbach bei Reichelsheim untergebracht werden muß. In dieser unter der Leitung des Herrn Dr. Fischer in Reichelsheim stehenden Station wurden 1902 weitere 97 Pfleglinge wegen Lungentuberkulose behandelt. Die weiblichen an Lungentuberkulose Erkrankten werden in ber Pension Göttmann in Reichelsheim L O. (ärztlicher Letter Dr. Sell baselbst) verpflegt, im Jahre 1902 insgesamt 147 Personen. Von benjenigen Pfleglingen, welche bie vorgeschriebene dreimonatliche Kur burchgemacht hatten, konnte ein großer Teil als wesentlich gebessert unb roieber vollkommen erwerbsfähig, ja als gehellt entlasten werben. Bei vielen Pfleglingen konnte eine ganz bebcutenbe Gewichtszunahme (in einem Falle von 47l/s Pfund) konstatiert werden. Der Erfolg ber Kuren wird immer noch baburch etwas beeinträchtigt, baß sich bie Erkrankten nur schwer entschließen, sofort bei den ersten Anzeichen der schleichenden Krankhett bie Heilstätte aufzusuchen. Wenn burch das Fortschretten ber Krankhett bie körperliche WiberstanbSfähigkett schon stark gelitten hat, ist naturgemäß eine Besserung unb Heilung schwerer zu erzielen. Von den Leidenden, welche ihre Aufnahme beantragen, mästen daher immer noch viele, da bei ihnen die Tuberkulose zu wett vorgeschritten ist, alß für bie Anstaltsbehanblung ungeeignet abgewiesen werben.
Offenbach, 26. Mai. Bei ber gestrigen Wahl* männerwahl zum hessischen Landtag, welche infolge der UnglltigkeitSerklärung beß ManbatS des sozialistischen Abg. Orb in ber ©cmeinbe Bieber (LanbkreiS Offenbach) stattfanb, siegten bei enormer Wahlbeteiligung bie sozialistischen Wahlmänner mit einer Mehrheit von runb 40 Stimmen über biefenigen beS Zentrums unb ber übrigen bürgerlichen Parteien. Eß wird auch gegen diese Wahl wegen grober Verstöße bei Aufstellung der Wahllisten Protest beim Landtag erhoben werden.
Mainz, 26. Mai. BiS jetzt kamen zwei Fälle von Genickstarre beim 88. Inf.-Regt, vor, einer beim 1. unb einer beim 2. Bataillon.
[] Marburg, 26. Mai. Ein hiesiger Taglöhner klagte heute früh roieber, roic schon seit längerer Zett, über Leib- schmerzen. Als er sich schließlich übergeben mußte, ging ein eidechsenartiges Tier (?) von ihm. Jedenfalls hat der Mann aus einer unreinen Pfütze Wasser getrunken und daß damals noch sehr minimale Tier mitverschluckt. (In anderen Märchen wird immer ber Mensch von ber Bestie verschluckt. D. Reb.)
Frankfurt a. M., 26. Mai. Um seinen .Schatz* zu besuchen, lief ber Musketier Wilhelm Ze henb er von ben 1 1 6ern in Gießen zu Fuß hierher. Gestern abenb wurde er festgenommen unb seinem Truppenteil roieber zugesührt.
Frankfurt, 27. Mai. Auf ben gestern nachmittag 2.40 Uhr hier abgehenben Schnellzug ber TaunuS- bahn rourbe wiederum oberhalb beß Redsiocker Hof eß an dem dortigen neuen Häuserblock ein scharfer Schuß, ber zweite innerhalb acht Tagen an berfclbcn Stelle, abgegeben« Daß Geschoß burchschlug eine Fensterscheibe eines Wagens brittcr Klaffe, ohne glücklicher Weise bie Jnsaffen zu treffen Tie Wieberholung biefer Schießerei läßt in Anbetracht ber sie begleitenden Umstänbe eher wie nicht auf Absichtlichkeit schließen. Hoffentlich gelingt es ber Untersuchung, ben Frevle zu ermitteln.
Fran kfu r t a. M., 25. Mai. Soeben ist baß vom Vereinigten Musik- unb Preß-Außschuß heraußgegebene Fest- buch erschienen, welches ben im Gesangß-Wettstreit Mitwirkenben kostenlos zugeht unb für jeden anderen zum Preise von 1 Mk. erhältlich ist. Tas in geschmackvoller und künstlerischer Weise von bei hiesigen Firma Wüsten u. Schön- seid hergestellte Werkchen bringt außer dem Text der verschiedenen Lieder, die zum Vortrag gelangen sollen, aus-


