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27.5.1903 Erstes Blatt
 
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ISS Jahrgang

(frfteS Blatt.

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Nr. 1Ä2 rfeint täglich anher Sannlag«.

Dem Gretzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kessischra tanbmirt bieitMntr foalllev* blältet oiernuil in der Woche de,gelegt.

Rotattontbnid u. Ver­lag der Brühl'lchen Unwer1.-vuch- n.Vteur- brudrvd (Vieüch Erdech

Ve>t,g4»rei,r monaisich?bPl^ otertefr Ehrlich SIL 8 JO; durch Abhole- u. Hroeiflfteaen monatlich 6o P1-; durch diePostMk.S.viertel- jäbrL auSschl. Vestellg. Annahme von Anzeigen ür die Tagebnummer >»A DormUtaQi 10 Uhr. ;,etlenptet<: lokal UHU aueroärtt Vv TNg.

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GietzenerAnzeiger

M General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Politische Tagesschau.

flöaig Eduard.

Aug Verlin, 26. Mai, wird uns geschrieben:

Aus bet hiesigen englischen Botschaft sind Nachrichten Über eine ungünstige Wendung an Befinden deS Königs, von der die .Liverpool Post' wissen will, nicht eingetroffen. Die Möglichkeit einer erneuten Operation wird in Anbetracht der Natur deS Leidens des Königs allerdings nicht in Abrede gestellt. Man hält zunächst für wahrscheinlich, daß nach den Besuchen deS Königs m Nom und Paris, bei denen körper­liche Anstrengungen unvermeidlich waren, ein starkes Ruhe- bedürsnis sich geltend macht. Am zuträglichsten sollen für König Eduard bisher die Seefahrten gewesen sein, zu denen auch, wie eS heißt, die Leibärzte immer raten. Man rechnet für den Fall, daß ärztlicherseits gegen Eisenbahnfahrten im Laufe deS SommerS Bedenken geltend gemacht werden, mit einer Begegnung zwischen König Eduard und Kaiser Wilhelm in einer deutschen Seestadt, etwa in Kiel.

Die Ankunft deS Königs Viktor Emanuel in London ist auf den 8. Juli festgesetzt worden. Drei oder vier Tage vorher trifft König Viktor Emanuel in Paris ein, um den Präsidenten Loubet zu besuchen.

Die AutomobUsahrt Paris-Madrid.

In der französischen Kammer fragte am Diens­tag Congy (Nationalist) die Regierung betreffs der Auto­mobilfahrt ParisMadrid. Ministerpräsident EombeS erwidert, er erteilte die Genehmigung zum Rennen, weil sich die Antragsteller auf berechtigte Interessen der französischen Industrie beriefen. Die Unfälle seien nicht dem Mangel an Vorsichtsmaßregeln zuzuschreiben, son- dem lediglich der Schnelligkeit. Die Regierung sei nicht geneigt, ein neues Experiment zu gestatten, jedoch sei es nicht erforderlich, daß die Kammer äußerste Maßregeln beschließe unter dem Vorwande, daß eS sich um den Schutz von Menschenleben handle. Der Ministerpräsident fügt hinzu: Wenn die Automobilgesellschaft Schnellig­keit Spröden anstellen wolle, so muffe sie hieß auf einer ihr gehörenden Rennbahn tun. Die Kammer müsse darauf bedacht sein, die öffentliche Sicherheit und die Interessen der Industrie zu wahren. Nach kurzer Erörterung wird eine von dem Ministerpräsidenten erbetene einfache Tagesordnung an­genommen.

Wie dem .Bert. Tagebl.' aus PanS telegraphiert wird, werden anbauemb noch neue UnglüdBf&lle be­kannt, die sich bei der Automobilfahrt am Sonntag morgen ereigneten. Der Rennfahrer Lesna erlitt bei Port de Pille mit seinem Motorzweirad einen Knöchelbruch, sodaß seine Rennfahrerkamere desinitio beendet ist. Auf der Präfektur Bordeaux hat man 8 Tote und mindestens 16 meist schwer Verletzte gezählt. Der Chauffeur Stead dürste bald wieder hergestellt sein. Dem Fahrer Barrow wurde der Fuß amputiert. Der Zustand Marcel Renault ist höchst kritisch. Im allgemeinen herrscht in Paris bie Ueberzeug- ung, baß die Aera der großen internationalen Automobilrennen endgiltig abgeschlossen ist.

Im Hinblick auf diese ungünstigen Ergebnisse neigt man der »Rat. Ztg.' zufolge in Berliner Automobilisten- Kreisen der Anschauung zu, daß der Gordon-Bennett-Cup, um den in diesem Jahre in Irland gekämpft werden sollte, überhaupt nicht stattsinden dürste. ES waren Besttebungen im Gange, das Rennen um den Gordon Bennett-Cup im nächsten Jahre in Deutschland abzuhalten. An eine Reali­sation dieses Projektes ist nun kaum zu denken.

Air Kluttat in tzffen vor dem Marine- Kriegsgericht.

Kiel, 26. Mai.

Die lebhafte Hafenstadt steht unter dem Eindruck des Prozesses, der heute vor dem Kriegsgericht der 1. Marine- Inspektion beginnt Den Gerichtshof bilden: Korvetten­kapitän Starte (Vorsitzender), NlurinettiegSgerichtsrat Ta- maschke (Berhandlungsleiter), Hauptmann Graf v. Soden vom ersten Seebataillon, Oberleutnant Leonhardi von der ersten Werftdivision und Gerichtsassessor Wachsmuth (Bei- litzende). Vertreter der Anklage ist MarinekriegSgerichtsrat oe Bary, Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Stobbe (Kiel).

Ter Angeklagte Fähnricy z. S. Robert H ü s s e n e r ist im Februar 1883 in Gelsenkirchen geboren und evangelischer Konfession. Er ist der Sohn des verstorbenen General- direltors des Gelsenkirchener Hütten- unb Bergbau Vereins. Er hat die Oberrealschule zu Schalke besucht und soll als­dann durch besondere Befürwortung in das Seekadetten­korps auf genommen worden sein. Am 21. März d. I. hatte er die Offiziershauptprüfung bestanden. Er ist zu den Osterferien auf Urlaub gereift. Am Oftersamstag nachts kam es zu der Bluttat, über bie schon wiederholt berichtet wurde. Ter von Hüssener getötete22jährigeAugust Hartmann hat bis 18v6 das Gymnasium in Essen be­sucht, ist alsdann in ein Essener Handlungshaus in bie Lehre und im Lttober 1902 in das siebente Fußartillerie- regimeni m Köln als Einjährig-Freiwilliger eingetreten. Ei soll ein sihr gutmütiger und ordentlicher Mensch ge­wesen sein. Kurz vor 9 Uhr wird der Anaeklagte von zwei Infanteristen auf die Anklagebank geführt. Er ist ein

S

habe, als daß, wenn er die Wa

war aber nüchtern. Ich mochte noch hinzufügen, daß

auch als Waffe gebrauch t w e r

er gesagt habe,es müsse auch Blut fließen, so habe er damit gemeint, daß der Arrestant verletzt, nicht getötet lverden könne. Der Angeklagte macht auf Anregung des Kriegsgerichtsrats de Bary die Bewegung nach, bie er beim

ffe ziehe, diese ben müsse. Wenn

nmal ein Mädchen ein Auge der

9 ' während einiger Stellen aus ben Briesen cm seine Mutter weinte und schluchzte der Angeklagte.

Danach wird der Student des Bergfackes Lütscher als Zeuge vernommen. Auf dem Wege in bas Müllersche Lokal sei Unteroffizier Schröder bei einem Mädchen stehen geblieben Er sei deshalb mit Hartmann allein weiter­gegangen. Kaum hatten sie den Hausflur des Müllerschen Lokals betreten, da sei Hüssener an sie herangetreten simd habe Hartmann aufgefordert, ihm zur Wache zu folgen. Da Hartmann zögertt, habe er ihm zugeredet, dem Befehl seines Vorgesetzten Folge zu leisten. Hartmann habe sich auf dem Wege rur Warne von Hüssener losgerissen und sei geflohen. Er habe nicht ben leisesten Versuch gemacht, gegen Hüssener tätlich vorzugehen. Hartmann war wohl stark an­getrunken, aber er tonnte ganz ruhig gehen und war meiner Ueberzeugung nach vollständig Herr seiner Sinne. Staatsanwalt Äriegsgc ichtsrar bc Bar.): Sie haben mir seinerzeit aufgegeben, daß Sie ziem . chtern n hprt n h i .-.-i f T.-rfÄ >l nf-rr'«' wnp

er dabei viele und schwere Weine und sei wahrscheinlich betrunken gewesen. Nacy einem Wortwechsel mit dem Hotel- direktor, wo die Hochzeit ftattfand, schmte ihn sein Vater nach Hause. Zu Hause tobte er und schoß mit einem Revolver: er bereute aber sein Verhalten sehr, als er ruhig geworden war. Aus bie Frage, ob ihm der Artikel 13 Absatz 2 betr. Den Gebrauch der Waffe betannt fei, erklärt . Hüssener, er lernte den Artikel bei Den üblichen Bor- waren. Haben Sic nicht auch o.el geturntenz , les un gen kennen, sei aber nicht näher über den selben hatte nur 2 0 Gras Bier getränten. Speit, instruiert worden. L r 7^

loten. Wie kam das? Angeklagter: Das war in meinem 12. Jahre Das Mädchen stand hinter der Mauer eines Grundstücks, das an das meines Vaters grenzte. Ich wollte das Dkädchen erschrecken, warf einen Stock über bie Stauer und traf das Mädchen so unglücklich, daß das Ange zerstört wurde. Verhandlungsleiter: Erzähleu Sie mal ganz aus­führlich die Vorgänge vom Samstag vor Ostern. Angell.: Ich kam am Samstag spat abends in lttsen eiligen Schrittes in die Brandaasse, um mich in das Schlütersche Lokal zu begeben. Da sich ich einen Soldaten, der stark angetrunken war, sodaß ihm der Speichel vor dem Mund stand, das Schlütersche Lokal betreten. Ich wollte verhüten, daß der Soldat noch mehr Alkohol zu sich nehme und womöglich Unfug verübe. Ich forberte deshalb ben Soldaten auf, mir zu folgen. Ter Soldat zöge-te. Darauf sagte ich: Ich fordere Sie dienstlich auf, mir zu folgen. Der Begleiter des Soldaten, Lütscher, redete diesem zu, meinem Befehl Folge zu leisten. Der Soldat nahm mich unter den linken Arm und Lütscher unter den rechten. Verhandlungsletter: Früher sagten «ie, der Soldat habe sich plump vertraulich benommen. Angeklagter: Das ist richtig. Nachdem wir etwa 20 bis 30 Schritte gegangen ivaren, riß sich der Soldat plötzlich los und wandte sicy mit erhobener Faust um, wdaß ich glaubte, er wollte mich schlagen. Ich zog daher sofort meinen Dolch. Da der Soldat flüchtete, rief ich ihm ,Halt" zu. Der Soldat stand aber nicht, ich schlug daher mehrere Male nach ihm und traf ihn beim zweiten Male auf die rechte Wange. Da aber der Soldat trotzdem nicht stand, so stieß ich ihn zweimal in den Rücken. In diesem Augenblick blieb der Soldat unter lautem Aufschrei stehen und sank sogleich dem Studenten Lütscher in bie Arme. Lütscher rief um Hütfe. ES kamen mehrere Leute herbei, darunter auch der Unteroffizier Schröder. Ich sagte' diesem sogleich, ich sei der Täter und forderte ihn auf, mich auf bie Wache zu begleiten. Wir begaben uns zunächst auf die Polizeiwache. Nachdeiy ich dort zu Protokoll vernommen, wurde ich in das Arrestgebäude im Essener Bezirkskommando gebracht. Es ist richtig, daß ich dem Polizeibeamten und auch dem Unteroffizier Schröder Zigaretten an geboten habe. Bald kam bie 'Nachricht, daß der Soldat gestorben fei. Ich hörte spater, daß es der Einjährig-Freiwillige August Hartmann aus Essen war. Ich kannte ihn aber nicht. Berhandlungs­leiter : Hartmann kannte Sie aber und war auch Ihren Brüdern bekannt. A.: Das ist möglich.

Hüssener gibt sodann zu, daß er ben Ausdruck brauchte: Es war meine Pflicht!" Er beantwortet mehrere Fragen über die Lokal Verhältnisse in Essen in der Nähe des Tatortes und erklärt, baß er nicht anders gewußt

Aus dem im weiteren Verlaufe der Berhandlunaen verlesenen Sektionsprotokoll geht hervor, daß her Tod infolge des von Hüssener mit dem Dolche geführten Stoßes erfolgt ist und daß keine Anzeichen von einem übermäßigen Alkoholgenussc und Erbrechen vorlicaem Hüssener erklärt auf Befragen, er habe nicht geglaubt, baß der Stich Hartmann habe täten können Er habe ben Fliehenden nur so verletzen ioollen, baß es ihm unmög­lich getvesen sei, weiterzulaufen. ES wird bann bie Aus­sage des KapitäiileutnantS HanS Küsel verlesen, in dessen Kompagnie Hüssener eingestellt war. Hiernach war Hüssener bei den Kameraden wenig beliebt und aIS jähzorniger, unberechenbarer Charakter be­kannt. Bezüglich der Behandlung Untergebener und deS Benehmens auf Urlaub, besonders in ben Jnbustriebczirken, sei verschiedentlich instruiert worben. Ob Hüssener diesen Instruktionen beigewohnt habe, sei nicht bestimmt festzu­stellen. Hüssener ist dies nicht erinnerlich. Auch von der Instruktion betreffend die Behandlung Betrunkener will er nur wissen, daß dieselben mit Vorsicht zu behandeln feien.

Zeuge Oberleutnant zur See Weiße hat den Fählv- richen wiederholt in der Instruktionsstunde eingeschärft, nur in den dringendsten Fällen von der Waffe Gebrauch zu machen. Er habe allerdings einmal in der InstruktionS- ftunbe erklärt, in Danzig sei ein Offizier, der in Zivil ausging und von Soldaten und Zivilisten an gerempelt und geschlagen wurde, gezwungen worden, seinen Dienst zu quittieren, da der Täter nicht ermittelt werden konnte. Er, Zeuge, habe dabei gesagt, wenn der Offizier bewaffnet gewesen wäre, dann wäre es feine Pflicht ge­wesen, von seiner Waffe Gebrauch zu machen.

Bei der Vernehmung des folgenden Zeugen, des Fähn­richs Conrad, wird auf Beschluß des Gerichtshofes der Angeklagte aus dem -Sitzungssaal geführt. Zeuge: Der Angeklagte war ein guter Charakter, aber sehr prahlerisch. Aus Antrag des Vertreters der Anklage wird auch der fol­gende Zeuge Brandes in Abwesenheit deS Angeklagten ver­nommen. Dieser bekundet, der Angeklagte sei sehr begabt gewesen. Berhandlungsleiter: Ihre Vorgesetzten sind dar­über anderer Meinung. (Heiterkeit.)

Nach kurzer Beratung beschließt der Gerichtshof, bie Briefe des Angeklagten zu verlesen. In dem Briefe an die Eltern des Erstochenen bittet der Angeklagte um Verzeihung. Er bedauert den traurigen Ausgang, aber seineharte, harte Soldatenpflicht" habe ibn ge­nötigt, so zu handeln. In einem Briefe an feine Mutter schreibt der Angeklagte u. a.: Gott, der All­mächtige, werde chn nicht verlassen, denn er habe nur jo gehandelt, wie er handeln mußte. Ich werde freimütig vor meine Richter treten und sagen, daß ich nicht anders handeln konnte. Wenn leg doch bestraft werden sollte, muß id) mich in mein Schicksal fügen. Ich werde bann ben Trost unb das frohe Bewußtsein haben, meine Ehre unverletzt erhalten zu haben. Sw ist doch das höchste'Gut, das der Mensch hat. Mir schwebt dabei die Rede des Geistlichen vor, die er beim Tod unseres in Gott ruhenden VaterS gehalten hat. Der Vater hat sein Bestes für feine Ehre und seinen Namen daran gesetzt. Wenn ich meinem guten Vater in allem gefolgt wäre, stünde es heute besser um mich. Wenn ich aber erst wieder in Freiheit sein werde, so werde ich mich bemühen, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten. Gott, der bie Güte selbst ist, wird mein gutes Mütterchen nicht verlassen. Tu brauchst Dich, geliebtes Mütterchen, nicht zu grämen. Ich werbe sicher frei- gesprochen. Auf das Gerede der Leute braucht man nichts zu geben. Gott wird alles aufs beste lenken. Der Eesängnisschließer sagte mir, ich habe nichts zu befürchten; ich habe gehandelt, wie ich mußte. Ich vertraue dem Er- löser Jesus Christus. Soeben wird weine Zelle geöffnet und mir das Mittagessen gebracht. ES ist traurig, baß man einen Offiziers-Aspiranten einsperrt, der nur seine P fli ch t getan hat. Weshalb legt man drei Schlösser vor meine Tür? Ich werde nicht fliehen. Ich werde mit vollem Frei­mut vor meine Richter treten und Freisprechung verlanaen. Sollte ich dennoch verurteilt werden, so hätte ich aller­dings den Namen meiner Familie geschändet. Gott der Allmächtige wird uns vor dem bewahren. Das Essen, das ich betomme, ist ganz gut. Meine Mitgefangenen sehen mit Neid darauf. Ich möchte ihnen gern etwas abgeben, aber es ist verboten. Ich werde, wenn ich erst entlassen bin, Nichttaucher unb Abstinenzler werden, soeben höre ich das Klingeln her Straßenbahn. Ich glaube, ein Mädchen sitzt darin, das iich sehr lieb habe, das ich aber leibet nicht heiraten kann. Ich habe dies auch dem Mädchen

Stoßen gemacht hat. Et erklärt, daß er den Stich mit einem Exttadolch führte, an dem er die Spitze und beioe Schneiden schärfen ließ. Die Vorschrift über das Schärfen der Dolche sei ihm nicht bekannt. Eine Verabredung, schlecht grüßende Soldaten zu melden, bestand nicht.

Kriegsgerichtsrat Tamaschke verliest den von Hüssener auf der Wache fertiggestellten Bericht, der sich im wesent­lichen mit Husseners Aussagen deckt, und weift daruuf hin, daß von einer Verpflichtung zum Gebrauch der Waffe nicht die Rede sein könne, sondern nur von einer Berechtigung. Auf Aufforderung Damaschkes gibt Hüssener eine ausführliche Darstellung des Sachver Halts. Gelegentlich der Silberhochzeit seiner Ettern trank

mittelgroßer, schlanker, hübscher Mann. Sein Gesichtsaus­druck ist sehr ernst. Auf Befragen des Derhandlungsleiters gibt der Angeklagte Auskunft über seine Personalien. Er fei nur einmal wegen Unordnung in seinen Sachen^ mit Quartierarrest bestraft worden und einmal mit drei Tagen Mitteiarrest, weil er einen Kameraden in seiner Wohnung nächtigen ließ. Sonst habe er keine Disziplin ar- oder sonstige ©trafen erlitten. Er bekennt sich nichtschuldig. Bcrhand' hin geleitet Marinckriegsgerichtsrat Tamaschkc: Sie sind angeklagt der vorsätzlichen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Der Gerichtshof könnte auch wegen Totschlags erkennen. Richten Sie Ihre Verteidigung danach ein. Zu­nächst erzählen Sie einmal, welche Vorbildung Sie genossen haben. Angeklagter: Zch wurde anfänglich durch einen Privatlehrer vorbereitet unb besuchte bann die Realschule in Gelsenkirchen. Nach einem halben Jahr wurde ich längere Zeit krank ünd mußte deshalb die Schule verlassen. Nach­dem tzchs genesen war, erhielt ich wieder Privatunterricht. Inzwischen waren meine Eltern von Gelsenkirchen nach Essen verzogen und ich besuchte 'das Realgymnasium in Essen bis zur Obersekunda. Dann trat ich in daS See- kadettenkorps ein. Verhandlungsleiter: Sßr Prüfungs atteft lautet:Führung gut, stark affektiert, wenig wählerisch in seinem Privatverkehr, sehr aufgeregt. Wenn er diese Fehler ablegt, dann dürfte er sich zum See­offizier eignen." Ein weiteres Zeugnis lautet:Führung gut, wenigbegabt, ist sehr aufgeregt im Wesen, eign el sich wenig zum Vorgesetzten." Durch Ihre