Ausgabe 
27.4.1903 Erstes Blatt
 
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Aus Stadt und Sand.

Gießen, am 27. April 1903.

LU. Von der Universität. Die auf das Stipendienwesen 6er Universität bezügliche Anfrage des Abg. Kähler- Langsdorf, die beim Landtage eingegangen ist (f. Nr. 96 dieses Blattes) ist ans einem berechtigten Bedürfnis hervor­gegangen. Nur kommt sie leider post festum, da das Bean­tragte längst in viel umfassenderer Weife von der Universität angeregt und in Angriff genommen ist. Immerhin ist es erfreulich, bei dem Herrn Abgeordneten solches Interesse an dem Gießener Stipendienwesen anzutreffen. Man darf daher wohl l)ofsen, bag er auch seinen gewichtigen Einfluß geltend machen wird, wenn demnächst etwa Freunde der Universität etwa aus Anlaß der bevorstehenden dritten Säkularfeier eine Reform des Stipendieiuvesens in An­regung bringen würden, wie es seinerzeit in Heidelberg durch Stiftung des Jubiläumsfonds geschah. Unser Sti­pendienwesen ist durchaus hinter den Anforderungen zurück­geblieben, und Gießen steht in diesem Punkte heute er­heblich schlechter da als die anderen Universitäten. Die alten Stiftungen, durch die es früher einen Vorsprung hatte, silid nicht mehr zeitgemäß fortgebildet worden, ja vielfach untergegangen. Hat es doch geschehen können, daß unter den Augen der Universität ein von der Gemeinde Gießen gestiftetes Stipendium in Abgang kam!

Vermischtes.

Berlin, 25. April. In den Dachräumen des süd» lichen Gebäudes der Garde-Füsilier-Kaserne kam heute nachmittag Großfeuer aus, wodurch die Bekleidungs­kammer mit sämtlichen darin aufbewahtten neuen Uniformen des 2. Bataillons ein Raub der Flammen wurde. Nach mehrstündiger Tätigkeit gelang es der Feuerwehr den Brand zu löschen. Der Materialschaden ist ein beträchtlicher. Die Entstehungsursache wird auf Unvorsichtigkeit bei der AuS- ührung von Klempnerarbeiten zurückgeführt.

* San Remo, 26. Aprrl. Die Polizei nahm noch Haussuchungen in der Wohnung Wessels in Nizza vor, wobei mehrere Schriftstücke beschlagnahmt wurden. AuS den- eiben geht hervor, daß Wessel öfter geheime Zusammenkünfte an der italienischen Grenze bei Bordighera mit Spionen hatte, welche ihm Dokumente über die italienischen Vettec- digunspläne brachten. Wessel wurde bei seiner Tätigkeit von einer Frau Gessel, einer österreichischen Spionin, die m ranzösischen Diensten stand, begleitet.

* Ueberschivemmungen. Wie aus BreSlau te- legraphiett wird, fuhren Oder und Ohle gewaltige Wasier- mengen, welche die Niederungen bei BreSlau Überstuten. Im Kreise Oppeln ist ein Chausseewärter in dem stark an ge­schwollenen Murower Bach ertrunken. Infolge hef­tiger Regengüsse kommen anch aus allen Teilen der Nieder­lande Ueberschwemmungsnachrichten. Wie auS Wien telegraphiett wird, ist die Frühjahrsparade im letzten Augen- blick, als die Truppen die Kasernen schon verlassen wollten, abgesagt worden, da der andauernde Regen das Paradefeld grundlos gemacht hatte. .

Der eingesperrte Landrichter. Em nettcS Stückchen ist im Landgericht Augsburg passiert. Die ,Augsb. Abdztg." berichtet darüber: Wie allgemein bei den Gerichten werden auch hier bei Abwesenheit eines Unter­suchungsrichters an der Türe von dessen Bureau Tafeln auf- gehängt:Auf Kommission",Auf Reisen" oderIm Ge­fängnis". Kürzlich prangte nun an der Türe deS Unter- suchungSrichters LandgcrichtsratH. die TafelIm Gefängnis". Zufällig war am selben Tage ein Bäuerlein zur Vernehmung oorgeladen, kam aber aus Ueberängstlichkeit schon vor dem Termin, besah sich die Tafeln und zog wieder ab. Als die Vernehmung vor sich gehen sollte, war der Vorgcladene nirgends zu finden. Als man seiner später habhaft wurde, fragte man ihn, warum er denn nicht zum vermin gekommen sei, und erhielt die köstliche Antwort:Io, i hän g'lese, daß der Herr LandgerichtSrat üig'sperret isch, und da hän i denkt, sie lasset ihn do net so gleich wieda rauS!"

Die antisemitischen Exzesse m Galizien nehmen ihren Fottgang durch ärgste Mordbrennerei. Neuer- dings ist die Stadt Nikulrnee m Brand gesetzt worden. 60 Privathäuser und mehrere öffentliche Gebäude, darunter die griechisch-katholische Kirche, eine Dampfmühle :c. wurden em Raub der Flammen. AlS Anstifter der Exzesse in Ihnow wurde ein Gemeinderat, der Gemeindepolizist, em Gemeindediener und ein Agent einer Versicherungs-Ge­sellschaft eruiert und verhaftet. Nach einem Telegramm aus Petersburg sind in IekatarinoSlaw Krawalle auS- gebrochen, die von den Arbeitern inszeniert wurden und sich gegen jüdische Unternehmer richten. Tie Arbeiter zogen mit roten Fahnen durch die Stadt und hielten em Meeting ab. AlS Militär einschritt, gelang es, die Ruhe wieder her- zustellen. __ _

Ein Ballon deS Deutschen Vereins surLustt schifffahrt explodierte bet SkjelSkör auf Seeland un- ' mittelbar nach der Landung. 2er Ballon verbrannte voll­ständig. Sämtliche Insassen biteben unverletzt; sie reisten fofott nach Berlin zurück. Hierzu werden noch folgende Em- i jelheiten gemeldet: Der BallonPannewitz- deS Deutschen

- Landwirtschaftliche Ausstellung in Gießen. Am Samstag trat eine Kommission hier zusammen, in der zwei Vertreter der Brauereien Oberhessens anwesend waren, um über die Ausstellung von Braugerste zu beraten. Die Inhaber der Brauereien Oberhessens haben bereitwilligst einen erheblichen Betrag zur Verfügung des geschäftsleitenden Aus­schusses gestellt, um die besten zur Ausstellung gebrachten Braugersten angemessen zu prämiieren. Neben silbernen und bronzenen Medaillen und Diplomen, kann eine erhebliche Zahl von Geldpreisen vergeben werden. Der Anbau bester Braugersten empfiehlt sich für die Landwirte immer mehr. Aber viele wissen nicht, wie beste Braugerste beschaffen sein muß. Die Ausstellung wird ihnen Gelegenheit geben, die ausgestellten Gerstesorten zu vergleichen, für die Folge danach zur Saat die richtigen Sotten auszuwählen. Nicht immer sind die grobkörnigen sehr Hellen Gersten die besten keim­fähigsten Braugersten. Da in der Prämiierungskommission die berufensten Sachkenner mitwirken, wird sich auch die Gerstenausstellung für alle Interessenten lehrreich gestalten, da die PrämmiierungSkommission mit Kennerblick daS Beste unter dem Guten auswählen wird.

() Papstseier. Tie gestern abend in SteinS Saal» hau veranstaltete Papstfeier war, wie uns geschrieben wird, eine schöne und würdige Kundgebung der Liebe und der Verehrung, die die katholische Gemeinde Gießen ihrem 93* jährigen Oberhaupte, dem Jubelpapste Leo XIII. auf Petri Stuhl entgegenbringt. Die zahlreiche Festversammlung, zu welcher die Katholiken aus allen Ständen und Stell­ungen zusammengekommen waren, wurde mit dem kathol. Gruße:Gelobt sei Jesus Chttstus" eröffnet. Dem Pro- gramm entsprechend wurden abwechselnd Gedichte dekla­miert und gemeinschaftliche Lieder gesungen; ein Männer- chor trug unter Leitung des Lehrers Hartmann mit großer Exaktheit und Kunstfertigkeit drei Papstlieder vor. Den Mittel- und Glanzpuntt der ganzen Festseier bildete die meisterhafte Rede, die der Professor der Kirchengeschichte am biichofliä-cn Priesterfeminar zu Mainz hielt. Dr. Schmitt sckftlterte die Bedeutung, die das 25jährige Pon­tifikat eines Leos XIII. für die kath. Kirche, für die christ­liche Menschheit, überhaiipt für die Wett hat. Leo XIII., ein Licht vom Himmel", hat der Sonne gleich, so führte der Festredner aus, die Wett erleuchtet und erwärmt. Ter moderne Unglaube kann auf jene Fragen, die alle Menschen angehen und die ttefsten Tiefen des menschlichen Herzens berühren, auf die Fundamentalwahrheiten, woher die Welt, woher der Mensch was ist nach dem Tode usw. nur die dunkle Antwort geben:ignoramus et ignorabimuS das wissen wir nickst, und werden es nicht wissen". Papst L^o XIIL hat dem gegenüber die Menscl-en hingennesen au

christlichen Hehrheiten' 66 Stete euren Gott, EhristuS

am 1. Januar d. I. 566.

f-f Mainz, 26. April. Für die bevorstehenden RenyS» tagswahlen haben heute hier die Wähl er Versamm­lung en ihren Anfang genommen. Den Reigen eröffnete die Zentrumspartei, bereit hier fast unbekannter Kandtdat, Geh. Oberpostrat Dr. Max König, sich den Wählern vor­stellte. Dr. König will nach seinen Ausführungen den Kampf nicht angreifend, sondern abwehrend führen. Hier steht ein allgemeiner Maurer streik vor der Tür. Die Ar­beiter wollen nicht mehr im Akkord, sondern nur^gegen einen festen Stundenlohn von 50 Psg. arbeiten. Seitens der Meister und Bauunternehmer ist dies abgelehnt worden, was zur Folge hatte, daß die Arbetter bei einem Bauunter­nehmer gestern in Ausstand traten. Letzteres hat die weitere Folge verursacht, daß die übrigen Bauunternehmer mtt dem sofortigen Einstellen aller Bauten drohten. Um eine Ver­ständigung der streitenden Parteien herbeizuführen, haben heute auf der Bürgermeisterei von mittags bis abends Ver­gleichsverhandlungen stattgefunden, die indes, wie man uns mitteilt, resultatlos verlaufen sind. Voraussichtlich wird von morgen früh an auf allen Arbeitsstellen der flZaitrer die Arbeit ruhen.

w. Wetzlar, 26. April. Nach dem Verwaltungs* bericht des Kreisausschuffes, der soeben erschienen ist, hat der Kreis Wetzlar einen Flächeninhalt von 530,92 Quadrat­kilometer, auf welchem nach der am 1. Dezember 1900 statt- gefundenen Zählungen in 11 150 Haushaltungen und An­stalten 54 075 Einwohner leben. Dem Kreise gehören zwei Städte mit zusammen 10 390 Einwohnern und 84 Land­gemeinden (einschließlich fünf Fürstlicher Gemeinden) mit 43 685 Seelen an.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. JnBad-Nauheim sind vom 1.Aprü bis einschließlich 23. Apttl 350 Kurgäste angekommen. Tie Frequenz betrug am letzten Donnerstag 513. 3799 Bäder wurden abgegeben. In Mainz wurde am SamStag eine Frau von einem rasch dahinjagenden Fuhrwerk überfahren. Die stark blutende, aber nicht schwer verletzte Frau wurde durch Schutzmannschaft in ihre Wohnung gebracht. Der Fuhr­mann, der daoonfuhr, ohne sich um die Verletzte zu kümmern, ist noch nicht ermittelt. Nicht weniger als drei Selbst­morde an einem Tage sind in Kassel vorgekommen. In der Karlsaue sprang in einen Teich die jugendliche Gattin des Schuhmachers B., ferner erhängte sich der 30 Jahre alte städtische Arbeiter Z., und in der Holländischenstraße erhängte sich die 22 Jahre alte Gattin des Kaufmanns I.

großen Bender'schen Saale entwickelte sich bei Konzert, Ge­sang und Tanz ein gemütliches Beisammensein. Die vor- getragenen Couplets amüsierten vortrefflich und das gute Bier aus der hiesigen Aktienbrauerei, welches der Witt extra für diesen Ausflug sich verschaffen mußte, sowie die vortreff­liche Küche des Wittes fanden ebenfalls Anettennung. Am Abend ging es in imposantem Lampionzug zur Kleinbahn, worauf ein Extrazug die heitere Gesellschaft wohlbehalten nach der Stadt zurückbrachte. Der gemütliche Ausflug endete im Cafs Amend.

"Scheue Pferde. Gestern abend wurden in der Nähe von Steins Gatten die Pferde eines Wagens scheu, und durch ihr AuSreißen wurde der Wagenschlag beschädigt. Von Personen hat glücklicherweise niemand Schaden ge­nommen.

" Wegelagerer. Im Garbenteich wurde gestern abend eine mittelst Wagen nach Gießen zurückfahrende Familie von jungen Burschen belästigt. Die Burschen nahmen, während der Eigentümer des GefähtteS in der Wirtschaft weilte, die Peitsche vom Bock und warfen sie vor das Pferd; bann griffen sie die Jnsaffen des Wagens an und warfen schließlich dem daoonfahrenden Wagen Steine nach, ohne glücklicherweise jemand zu verletzen. Anzeige ist erstattet.

"Jubiläum. Am 24. d. M. waren es 25 Jahre, baß Herr Otto Ettel in der Brühl'schen Univ.-Druckerei tätig ist. Herr Ettel ist jetzt in unserer Maschinensetzerei be­schäftigt.

"EinwackererSchnupfer. Eme bekannte Schnupf­tabakfabrik in Lahr hat vor kurzem von einem Mainzer Geschäftsmann em Schreiben erhalten, in welchem der Letztere unter der Berufung auf das Zeugnis einer Mainzer Tabak- Handlung der Lahrer Fabrik die für dieselbe sehr erfreuliche Mitteilung machte, daß er jetzt schon über 50 Jahre den Tabak der betreffenden Firma ununterbrochen schnupfe und daher wegen seiner treuen Kundschaft glaube, seitens der Fabrik eine Gratifikation beanspruchen zu können, welche er sich am liebsten in Gestalt einer goldenen Schnupftabaksdose wünsche. Die Fabrik in Lahr hat sich bceitt, dem Wunsche des Geschäftsmanns nach dem Besitz einer neuen Schnupf­tabaksdose nachzukommen, wobei sie indes von der Wahl einer goldenen Dose absah und statt besten eine solche von Horn sandte, in welchen sich der Schnupftabak bekanntlich beffer konserviett, wie m metallenen Dosen.

8 Butzbach, 26. April. Gestern fand eine kompagnie- weise Besichtigung unseres Bataillons durch den Re- gimentsobersl statt, in Gegenwart der Divisions- und Bri­gade kommandeure. t .

8 Gr iedel, 26. April. Heute fand im GasthausZum grünen Baum" hier eine Delegiertenversammlung des Hausberg- Wetterauer -Sauaerbundes statt, welck)e zahlreich besucht war. Die Molkereigenos­senschaft Lstheim-Niederweisel, G. m. u. H., hictt ihre diesjährige Generalversammlung in dem nahen Ober- Mörlen ab. Nacki der Gesämsttbilanz beträgt der Gewinn , für 19U2 23 002 Mark. Tie Aktiva und Passiva K 92 438

Prinz Ettel Friedrich besichtigten gestern den Dom. Am Nachmittag stattete der Kronprinz dem Grafen Harrach in der Billa Marignole einen Besuch ab. Heute setzten bie Prinzen den Besuch der Stabt fort und wohnten dem Gottesdienst in der deutschen Kirche bei.

N e a p e 1, 26. April. KönigEduard besuchte gestern abend, begleitet vom Herzog der Abruzzen, die Galavor- stellung im Theater San Carlo.

Belgrad, 26. April. Hier zirkulieren neuerdings Ge­rüchte, daß die Stellung des Kabinett s erschüttert sei. Ter Finanzminister habe erklärt, daß er mit den ihm zur Verfügung stehenden Geldern fein Auskommen finden kann, da die durch den Staatsstreich erfolgte Massen-Pensionierung von Richtern und Beamten das Budget übermäßig belast et.

Konstantins pel, 26. Febr. Türkische Truppen sind im Vormarsch gegen die albanesischen Distrikte. In Er­mangelung konsularischer Verttetungen fehlen authentische Berichte. Ueber Saloniki wird gemeldet, daß nicht Prizrend, sondern Ipek von türkischen Truppen zerniert sei. Man be- fürchtet sehr, daß die dott eingeschlossene Spezialmis- sion des Sultans niedergemacht werden könnte. Etwa 100 Diener, Türhüter und Speiseträger albanesischer Abstammung wurden aus dem engeren Dienste des Sultans euttassen und durch bewährte anatolische Türken ersetz-.

Petersburg, 26. April. Nach Aufhebung des studentischen Speisehauses, das sich als Haupt­herd der umstürzlerischen Propaganda er­wiesen hat und nur von Studenten geleitet wurde, ist nun auch eine Geheimdruckerei in Wassiliostrow, wo sich das Speisehaus befand, entdeckt worden. Die Haussuchung dauerte die ganze dtacht. Fünf Studenten wurden verhaftet.

Bone (Algier), 26. April. Präsident Loubet ist beute hier eingetroffen. Die Decke des Festsaales im Nathause von Gran, in welchem Loubet vor drei Tagen einem Festessen beiwohnte, ist gestern eingestürzt. Unfälle sind nicht zu verzeichnen. ,

Washington, 25. April. Der deutsche Gesandte Speck von Sternburg überreichte dem Staatssekretär Hay das formelle Abberufungsschreiben des bis­herigen Botschafters v. Holleben.

New York, 26. April. Roosevelt erließ eme Ordre, die den Offizieren Aenß er ungen in betreff ber auswärtigen Politik verbietet, nach einer Kon­ferenz mit einem Deutschen. Die Regierung veröffentlichst Schriftstücke, welche zeigen, daß Rußland Versprechungen in Bezug auf die offene Tür in China gegeben hat.

ist der Sohn Gottes, im L , _

ferner die Wett erleuchtet dadurch, daß er in der eifrigsten ! Weise die Pflege der Wissenschaft befördert hat, intern er Universitäten gründete, das vatikanische Archiv den Ge­lehrten aller Richtungen eröffnete. Ein Licht vom Himmel war Leo XIIL auch, insofern er die Wett erwärmte, er­wärmte durch das Feuer der Liebe, ter christlichen Liebe, das er durch Wort und Werk mächtig anfachte, wodurch die gähnende Kluft zwischen Arm und Reich, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Kapitalismus und Proletariat zu schließen suchte. Mtt ter christlichen Liebe wollte Leo XIIL der Wett auch den christlichen Frieden geben, deshalb hat er an allen Fri ebenste streb ungen teilgenommen, hat z. B. in Deutschland alles aufgeboten, um den unseligen Kultur­kampf beizulegen. Die Sonne weckt Leben, und so hat Leo XIIL in der Wett wieder christlich-katholisches Leben erweckt, an Orten, wo das Christentum erstorben oder noch gar nickst angepflanzt war. Hunderte von katholischen Gemeinden und Bistümer sind entstanden unter dem Pon­tifikate Leos XIII., in Deutschland und England, in Afrika, Asien und Amerika. Mit einem Hoch auf den Papst schloß ter Redner. Nachdem bann noch auf die höchsten Träger Der weltlichen Gewalt, Kaiser und Großherzog, gebührend hingewiesen worden war, insbesondere auf den Frieden, in welchem Kaiser und Papst zu einander stehen, der dem­nächst bei ter Romreise unseres Kaisers durch einen Besuch Seiner Majestät im Vatikan einen so schönen Ausdruck finden wird, bestieg Dekan Bayer die Rednerbühne, um in kurzen Worten an der Hand ter 19 hundertjährigen Ge­schichte ter katholischen Kirche das Papsttum zu schildern at6 einen Hort der Wahrheit, der Freiheit und des Rechts.

** Schießübungen. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß das RegimentKaiser Wilhelm" Nr. 116 am Mittwoch, den 29. d. M., auf Schieß- sta nd 9 ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfer Muni« nition ad halten wird. Da trotz Anordnung unb Sicher- heitsmaßregeln nickst gänzlich ausgeschloffen ist, daß sich ein Geschoß verirrt, so dürfte es sich für die Spaziergänger insbesondere aber für Holzleser empfehlen, das umliegende Gelände, insbesondere den an dem Schießstand vorbei­führenden Weg nach Annerod, sowie die Schneisen 2, 3 und 4 zwischen der Straße Gießen-Reiskirchen und Gießen-Stein- bach gänzlich zu m e i b e n.

Meisterprüfungen in Oberhessen. Wie hnr hören, ist nunmehr für die Provinz Lberhessen ebenfalls bie Meisterrolle ausgestellt, und damit für bie geprüften Handwerksmeister alles das niedergelegt, was dieselben gemäß § 133 der Gewerbeordnung bei ber Prüfung an praktischen unb theoretischen Kenntnissen erbringen mußten. Tie Meisterrolle bient nicht bloß zur persönlichen Sicher­stellung ber Interessenten, sondern bietet ben Behörden unb Privaten Gelegenheit, sich über erwünschte Tatsachen orientieren zu können. Tiefe Meistervolle wird, außer durch bie Handwerkskammer für bie. Provinz Oberheffen, auch noch burch ben Vorsitzenben, Baumeister Traber, ber Meisterprüsungsvommifsion für Oberheffen geführt.

** Tie zweite Gauoorturnstunbe bes Gaues Hessen fanb gestern vormittag von i/89 Uhr an in ber Turn­halle statt. Außer ben Vereins- unb Bezirkstumwarten nahmen daran die Mitglieder des Gau- unb Turnaus­schusses teil. Bon größtem Interesse war bas Turnen unb Werten ber Gaumusterriege für bas beutsche Turnfest in Nürnberg. Auch bie (Stabübungen für bas Gauturnfest in Wetzlar wurden burebgetumt. Erst um 2 Uhr nahmen bie Turnübungen ihr Enoe.

" Ausflug. Am gestrigen Sonntag unternahm der VereinContentia" unter überaus großer Beteiligung mit der Biebertalbahn einen Ausflug nach Rodheim. In dem

Kreuze ist HeL Seo XHI. Hai Mari. Tie Gesamtlieferung /atzten Acht- ist -uf - - 1 - 1 2343 787 Liter gestiegen. Die Zahl ter Mitglieder betrug