Nr. Ä26
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Erstes Blatt.
Samstag 26. September l»O3
153. Jahrgang
den poltt and aflgem» tdlj P. Witiko: für .Stadt und vand^ und -Gerichts aal": August Götzi für den Anzeigenteil: Hand Beck.
GietzenerAnzeiger
M General-Anzeiger '***
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Aas russische Kaiserpaar
/st am Freitag in unserer Landeshauptstadt Darmstadt eingetrosfeu und herzlich, begrüßt worden. Es geht uns darüber folgender eigener Bericht zu:
R. B. Darmstadt, 25. Sept.
Das russische Kaiserpaar ist heute nachmittag A10 Uhr mit ExtraKug hier angelangt. Als der prächtige, ans zehn großen Salonwagen bestehende Kaiserzug heran- nahte, erschienen der Großherzog mit der Prinzessin Elisa- beth, das fürstliche Brautpaar, die Fürstlich Ballend ergü- schen Herrschaften und die übrigen hier weilenden Fürstlichkeiten, ferner der russische Gesandte, Fürst Koudajchesf mit Gemahlin, der russische Militär attachee Oberst v. Schebe- Losf, der russische Pope, die Generaladjutanten des Großherzogs u. a. ul auf dem festlich geschmückten Perron. Die Begrüßung zwischen dem Großherzog und den kaiserlichen Majestäten war außerordentlich herzlich sie umarmten und küßten sich wiederholt. Sowohl der Zar wie die Zarin sahen frisch uno gesund aus, sie begrüßten auch, die Ärigen Herrschaften aufs freundlichste. Line reizende kleine ^ene bot auch die Begrüßung zwischen den vier russischen Prinzessinnen Olga, Katjcma, Mcaria und Anastasia mit der kleinen Tochter unseres Großherzogs, die von den beiden größeren russischen Prinzessinnen sofort jubelnd in die Mitte genommen wurde. Der Zarin wurde von der Fürstin Lvudascheff ein prachtvolles Rosen- bouquet überreicht. Im Gefolge des Kaiserpaares befanden sich General der Kavallerie Generaladjutant und Hausminister Fredericks-, Generalleutnant und General- adjulant Hesse, Leibarzt Geh^-Rat Dr. v. Hirsch, Generalmajor a la suite Mossoloff, ^eapitäuleutttant Gras He y d e n, ferner zwei Hofdamen, die Prinzessinnen O b o - lanski und Orbelian i. Ter Kaiser trug die Uniform des Hess. Tragonerregiments Nr. 24, dessen Chef er ist, der Großherzog hatte die Uniform seines russischen Dragonerregiments angelegt. Nach kurzem Aufenthalt im Fürstenzimmer begaben sich die fürstlichen Herrschaften in den bereitstehenden Wagen durch die festlich geschmückten Straßen, begrüßt von lauten Hurrarufen der dicht zu- sammengedrärrgten Menschenscharen, nach dem neuen Palais.
Nach der „Frkf. Ztg." trifft Graf La ms do r ff, der russische Minister des Aeußern, heute in Darmstadt ein. Daraus darf man Schliisse auf bevorstehende diplomatische Unterhandlungen ziehen, sobald die Hochzeitsfeierlichkeiten vorüber sind. Die Aufmerksamkeit der politischen Welt wendet sich der Begegnung des Zaren mit Kaiser Franz Joses, am 30. September, zu Nach einer Depesche des „Bert. Tagebl." ans Konstantinopel verspricht man sich dort keine besonderen Maßregeln von der Kaiser- Zusammenkunft. Das bisherige Reformprojekt für Mace- donien werde beibehalten, unb nur eine internat io - nale Flottendemonstration in Erwägung gezogen werden, wenn die Reformen innerhalb einer gewissen Frist nicht durchgeführt seien. In den politischen Kreisen Berlins mißt man der Begegnung eine bei weitem größere Bedeutung bei. Es werde sicherlich in der ersten Reihe der Erwägungen stehen, wie der Trotz der bulgarischen Regierung gegenüber den unablässigen Mahnungen, den macedouischen Verschwörern die Wege zu verlegen, rasch und wirksam zu brechen ist. Es bieten sich hierzu die Mittel, daß entweder der Türkei freie Hand gelassen wird, oder daß russische Truppen in Sofia ein marschieren. Eine internationale Flottendemonstration ist nicht wahrscheinlich denn eine solche gegen die Pforte gerichtete Kundgebung würde von den Aufftän- dischen als Parteinahme zu ihren Gunsten betrachtet werden
Aus Sofia wird gemeldet: Fürst Ferdinand habe von dem Grafen Goluchowskr die Erlaubnis erbeten, daß er während der Llnwesenheit des Grasen Lams- d orff einen Vertrauensmann nach Wien enffenden könne.
politische Tagesschau.
Der Friedenskongreß
zu Rouen beschäftigte sich am Freitag mit der Frage der deutsch-französischen Beziehungen, und es gelangte zur Annahme folgende Resolution:
In Erwägung, daß eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland in hohem Grade wünschenswert und daß diese Annäherung notwendig ist zu einer soliden Organisation und Auftechterhaltung eines dauernden Friedens; in Erwägung, daß diese Annäherung die ftiedliche Lösung jeder Streitigkeit erfordert, welche zwischen beiden Ländern besteht, oder entstehen könnte, beschließt der 12. Internationale Hue- denskongreß auf die Tagesordnung des nächsten außerhalb der beiden interessierten Länder abzuhaltenden Kongresses die Frage zu setzen, welches die besten Mittel sind, diese Annäherung zu sichern. Zugleich beauftragt der Kongreß fein Berner Bureau, das Nötige zur Behandlung der Frage vorzubereiten.
Die Nachmittagssitzung beginnt mit einer Vertrauen S ku n d g e b u n g für die deutschen Delegiertem die der Pariser „Matin" heute angriff, als ob ste nach Frankreich gekommen wären, um die Lösung der Elsaß-Lothringer Frage zu erzwingen. In Wirklichkeit haben sowohl in der Kommission wie in der öffentlichen Sitzung immer nur französische Delegierte diese Frage angeschnitten, wahrend die deutschen sich korrekt und schweigend der Abmachung unterwarfen, daß ihr von der Kommission ausgeichie- dener, auf Anerkennung des status quo in Europa ab- 'ielender Antrag später auf neutralem Booen diskutiert werden soll. Der Präsident des Kongresses, der Franzose Arnaud, konstatiert denn auch gegenüber der Entstellung des „Matin" die taktvolle Haltung der deutschen Dele
gierten und spricht seine Freude aus, einen so bewährten Mitstreiter wie Adolf Richter cm seiner Seite zu haben. Die Versammlung bereitet Richter eine Ovation. Richter dankt und versichert, daß die deutschen Friedensfreunde ungestört am Werk der Versöhnung fortarbeiten werden. 9iad) langen Debatten wird beschlossen, den Kongreß im Jahre 1904 in Nord amerika abzuhalten.
Deutsches Keich.
Berlin, 25. Sept. Eine Gedenktafel für den General von Albedyll hat der Kaiser an dem letzten Wohnhause des Verstorbenen zu Potsdam anbringen lassen.
— Der „Nat.-Ztg." zufolge wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß in der marokkanischen Frage ein Abkommen zwischen Frankreich und England zu erwarten steht. Die anderen Mächte, einschließlich Deutschland, würden einem solchen Abkommen keine Opposition machen, falls der Grundsatz der offenen Tür für die Handelsbeziehungen gewahrt bleibt.
— Das erste sozialistische Flugblatt zu den preußischen Landtagswahlen ist erschienen und in der Umgebung Berlins zur Verteilung gelangt. Unterzeichnet ist es von dem fünfgliedrigen sozialistischen Wahl- Komitee für den Landtags-Wahltteis Oberbarnim und Niederbarnim. Einen Kandidaten nennt es nicht. Das Flugblatt hält Beteiligung an der Landtagswahl für im Interesse der erwerbstätigen Bevölkerung und der Allgemeinheit notwendig. In dem Flugblatt heißt es u. a.: Mit derselben Schärfe wie im Reichstage stellen wir auch hier unsere Forderungen: „Nieder mit der Reak^ tion, der staatlichen und polizeilichen Bevormundung, der Rechts-Unsicherheit und der Bevorzugung der besitzenden Klassen. Auf zum Kampf für die Freiheit und den Fortschritt aus allen Gebieten. Vorwärts zur Erringung des allgemeinen direkten und geheimen Wahl rechts auch zu diesem jetzt so vermoderten Junker- Parlamen t."
— lieber „B ebel un d G e n o s s e n" bringt Harden in feiner „Zukunf t" einen heftigen polemischen Artikel. In demselben werden Briefe veröffentlicht, in denen Genosse Bernhard Harden und fein Blatt anfchwärmt, Genosse Göhre feine ehrliche Hochschätzung bekundet, Genosse Heinrich Braun, Mitglied hes Reichstags, einen Vorschuß von 500 Mark verlangt für eine Reihe von Artikeln über sozial- polllifche Themen. Der Antrag wurde von Harden abgelehnt. Zweimal sei solches geschehen. Das hätte Braun nicht verschweigen dürfen, als er in Dresden sagte, er habe nicht eine Zelle für die „Zukunft" geschrieben; denn sein Verdienst war es doch nicht, daß es so kam. Drei Briefe von Braun aus den letzten Jahren ergehen sich in Beweihräucherung für Harden.
Bremen, 25. Sept. Heute wurde hier der 17. Be- rufsgenossenschaftstag abgehalten. Die Versammlung beschloß, von neuem um die Wiederherstellung des früheren Zustandes in der Frage der Reservefonds sich an die gesetzgebenden Körperschaften zu wenden.
«Heer und IloLte.
Der amerikanische Marinezahlmeister Nicholson, welcher den d eutschen Kons ul inTschifu (China) tätlich beleidigt hatte, wurde vom Kriegsgericht zum Verlust von fünf Nummern im Avancement verurteill. Dieses Urteil ist vom Admiral Evans bei der Nachprüfung scharf kritisiert worden, weil es seiner Ansicht nach viel zu milde ist. Das Kriegsgericht, sagte er, habe dem amerikanischen Offiziersstmid einen schlechten Dienst erwiesen. Das Marineamt billigt die Kritik des Admirals Evans und erklärt, Sttcholsons Aufführung sei eine Quelle schweren Aergernisses für die Marineverwaltung gewesen.
Die „Nat.-Ztg." erfährt: Dem Reichstag werde im nächsten Frühjahre eine Vorlage zugehen, die 12 bis 15 Millionen fordert für die Einführung der Rohrrücklaufgeschütze. Die während der Kaisermanöver mit den neuen Geschützen erzielten Resultate waren zuftie- denstellend. An den in Betracht kommenden Stellen werden alle Vorbereitungen für die schnelle Erledigung der Geschützänderung getroffen. Die Firma Krupp erhält den Hauptantell an der Arbeit.
Aeues vom Malka».
Die Botschafter Oesterreichs und Rußlands übergaben der Pforte eine Note, in der sie erklärten, daß sie ihr Reformprojekt für Macedonieu aufrecht erhallen und die Türkei verpflichten, die Reformen auzuwendeu ohne Hoffnung aus eine Intervention oder politische Veränderung. Die Ver- handlungeip zwischen Bulgarien und der Türkei dauern fort. Ter Sultan scheint zu einem gewissen Entgegenkommen bereit zu sein, wenn Bulgarien Beweise für den Bruch mit den Insurgenten erbringt. Größere Zugeständnisse sind jedoch kaum zu erwarten, da Rußland und Oesterreich sich nicht die Aktion aus der Hand nehmen lassen werden. In diplomatischen Kreisen verlautet, möglicherweise würden die Botschafter Rußlands und Oesterreichs Linowjew unü Baron Sauce aus Anlaß der Kaiserzusammenkuuft in Wien dorthin berufen werden.
Ter bulgarische Bandenchef Boris Sarafow sagte einem Bekannten, er verspräche sich viel von einem bulgarisch - türk ischen Winter feldzug, da die türkischen Tnippen dem scharfen Winter in Maeeoonien mangels Verpflegung und Bekleidung massenhaft zum Opfer fallen müßten. Es würde deshalb im Novembe r nochmals ein Aufstand inszeniert werden, um einen Krieg zu provozieren. Die türkischen Berichte über
Vernichtung von Banden seien unwahr, noch keine Bande sei tatsächlich aufgerieben worden.
Auf dem aus Thessalien eingetroffenen Lloyddampser „Aglaia" sand eine strenge Untersuchung statt, weil der Polizei die vertrauliche Ntttteilung zugegangen war, daß zwei bulgarische Passagiere große Mengen Dynamit und sonstiges Kriegsmaterial mit sich führten. Die Untersuchung verlief jedoch^ ergebnislos.
Tie Pforte versicherte neuerdings, daß sie mit der Mobilisierung der zwei kleinasiatischen Redifdivisionen keine Kriegsvorbereitungen beabsichtige. Diese sollen als Reserven für den Fall dienen, daß die im Grenzgebiet Küstendil versammelten Macedonier eine größere Einbruchsaktton unternehmen sollten. — Konsulardepeschen aus Uesküb besagen, daß im Bezirk Dionastir, im Desile Kalain, ein gßerer Bandenkampf stattgefunden habe, wobei 76 Homitadschis getötet und 8 gefangen sein, ferner 14 Manlicher-Gewehre, 4 Bomben, 2 Tragtierladungen mit Dynamit und elektrische Apparate erbeutet sein sollen. Auf Seiten der Truppen sollen 4 Mann getötet, 1 Offizier unb 10 Mann verwundet fein. — Nach türkischen Berichten aus Monastir sind in Presbei 2 Führer und 20 Komitadschis getötet und 8 Komitadschis verwundet, in Rikalar, Distrikt Perlepe, sind 8 Komitaoschis gefangen, in Kranesch, Distrikt Kastoria, 3 Komitadschis getötet und 4 verwundet, in Resen 13 Komitadschis verhaftet. Im Kreise Florina ergaben sich 42 Komitadschis.
Ter türkische Kommissar notifizierte der bulgarischen Regierung ein Jrade des Sultans an Hllmi Pascha betreffend die Einsrellung der Verfolgungen in Macedonien. Tas Regierungsorgan „Novek" tritt entschieden für den Frieden ein und führt aus, die Isolierung Bulgariens im Kriegsfälle gehe aus der Antwort der Mächte auf die bulgarische Note hervor.
Ter neugewählte serbische Deputierte Marian Wel- kowitsch ist im Torfe Sterlac von unbekannten Personen erschossen worden. — Bei der Verhandlung gegen die Nischer verhafteten Offiziere wurden noch! interessante Details über die Vorgänge in der Mordna chlt bekannt. Dem König, so behaupten die Angeklagten, wurden mit dem Säbel die Finger ab ge hauen und die Ringe, sowie seine Uhr von den Offizieren gestohlen. (!) Ter Königin Draga wurden sämtliche Ringe, und ein Brillant-Kollier gestohlen, das die heuttge Gemahlin eines verschworenen Offiziers ihr Eigentum nennt Tie Kasse des Königs wurde erbrochen, alles Geld mit» genommen, und den Brüdern Lunjewski wurden ihre Uhren, Ringe und Tabaksdosen entwendet. Nach vollbrachiter Tat öffneten die Königsmörder gewallsam Keller und Küche und zwangen den Hoskoch unter Todesdrohung, ihnen ein Mahl zu bereiten. Inmitten von sieben um sie herumliegenden Leichen — so behaupten die Angellagten weiter — haben die Mörder in Offiziersröcken Stunden lang geschmaust. Der Gerichtshof lehnte die geforderte Zeugenvei> nehmung ab. Die meisten angellagten Offiziere verzichten aus das Recht, sich einen Verteidiger zu wählen.
Aus Slaöl und Land.
Gießen, den 26. September 1903.
** Hessisch-Thüringische Staatslotierie. Bel der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fielen drei Gewinne von 10 000 Mk. aus Nr. 73077 (nach Darmstadt) 76460 (nach Eisenach) 94240 (nach Greiz), Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 32765 68951 83891 87590, Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 52398 54737 60128 73875 92865 (nach Alsfeld), Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 2947 3470
6119 11289 15274 16879 17230 24184 31943 34480
39133 40736 41763 53802 53983 55523 61005 69799
79912 77913 88927 89843 93689 97433 98920 99400.
(Ohne Gewähr.)
** Ueber die große Gemälde-Ausstellung im Saale des Lony'scheu Bierkellers wird uns geschrieben: In erster Linie, weil bezüglich seiner imposanten Größenverhältnisse am augenfälligsten, sei e rwähnt Prof. G Minsterfelns Gruppe von holländischen Fischern und Fischerinnen am Strande von Ostende. Etwa 10 Figuren hat der Künstler verstanden in malerischer, Leben atmender Gruppierung auf die große Leinwand zu zaubern, und mit Befriedigung weilt das Auge auf der unsere Sinne gefangen nehmenden Schöpfung. E. Qberhausers „Nach dem Bade" schildert Vorgänge aus dem Leben des ambroficull- schen Zeitalters in fesselnder Form. Aehnliche Darbietungen sind: „Frühling" und „Sommer"; Viädchen in griechischer Gewandung verbringen im blumigen Garten die Zeit mit Musik und Plauderei. Professor I. Klemms außerordentlich sein gehaltenes „Stilleben" und M. Sttff- ters virtuos gemalte Köpfe „SSeneiianerin" und „Römerin" reihen sich den gedachten Arbeiten an. Pros. Franz von Defregger, Andr. Achenbach, Gabr. v. Max, sowie (Sbuarb Grutzner find mit erstklassigen Werken vertreten. Der Münchener Meifsonier Prichenftied ist durch ein Prachtbild vertreten „der entdeckte Liebesbrief. Mit Beifall ausgenommen find die Werke des reinen Kleinmalers Karl Schleicher „Streit aus dem Talmus" und „Eine Frage aus der Bibel". Unter den Tierstücken nimmt Baliquants Bild „Schafe im Stall" den ersten Rang ein. Dies ist ein Kabinettstück, das die Natürlichkeit eines Momentphoto- gramms mit den Vorzügen der malerischen Technik und des Kolorits auf das glücklichste vereinigt. Die Wolle der Schafe ist, wie man zu sagen pflegt, „zum Greisen" gemalt, die teilweise drollige Positur der Hühner der Wirtlichkeit abgelaufcht, und auch das wenige Beiwerk verrät den gediegenen Künstler. Liebevoll behandelt ist Scheuerers Bild: „Hühner mit Enten", sowohl in den Details als auch in der Technik, welches Lob auch I. Kinzels „Weinprobe" ver-


