Ausgabe 
26.8.1903 Zweites Blatt
 
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133 Jahrgang

Mittwoch 26. August 1903

Kie yeutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

Em Neberfall in China.

D.-B. HL. meldet aus Hongkong:

Das Mitglied der Berliner Mission Ho hm eher ist am vergangenen Dienstag von Piraten angegriffen worden. Der Angriff fand bei Nanhung statt. Vier Kulis fielen über ihn her, plünderten ihn vollständig aus und fügten ihm schwere Verletzungen zu. Der Angriff geschah an demselben Orte, wo unlängst ein amerikanischer Ingenieur angegriffen wurde. Hohmeyer konnte sich nur

Nr. 199

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener KamilieN' blätter viermal in der Woche betgelegt.

Rotationsdruck u, Ver­lag der Brühl'schen Untveft.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei:

Schulstratze r.

Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr. 51.

Häuser auf den Boulevards sind deutsch; deutsche Hotels gelten als gut. Auf dem Boulevard des Italiens'und auf dem Boulevard Montmartre hört man mehr deutsch als englisch. Die deutsche Abteilung be^ Weltausstellung und die Wagnersche Musik haben den Franzosen, die mit einem starken Instinkt für geistige Größe ausgerüstet sind, einen tiefen Respekt eingeslößt. In Cherbourg fahren die Leute des nachts ans die Reede hinaus, um dieschwimmende deutsche Stadt", einen Dampfer unserer Amerikalinien, zu bewundern. In den Industriezentren der Provinz ist der deutsche Arbeiter, in den Kommissionshäusern der Handels­städte der deutsche Kommis beliebt. Die französischen China- Lampser sind des Lobes voll über die Kameradschaft unserer Leute, die ihnen weit besser gefielen, als die englischen Rotmützen.

Unsere Werkmeister und Arbeiter, die hinübergeschickt werden, unsere jungen Kaufleute, die hinausgehen, unsere Blaujacken auf der Kreuzfahrt das sind unsere besten Friedensboten! Vor 30 Jahren hat unser Paßzwang manchen Arbeiter des Erwerbs in Elsaß-Lothringen beraubt und zum Deutsch feinde gemacht. Heute wirbt die Anerkenn­ung tüchtiger französischer Sozialisten uns ebenfoviele Ver­söhnungsvermittler. Frankreich ist für unseren Jndustrie- absatz noch kaum entdeckt. Es sind erst 60000 deutsche Männer drüben, meistens Süddeutsche. Deshalb ent­stand die Versöhnungsliga auch in München. Wenn mehr junge Leute hinübergehen, dort bleiben, wenn unsere Aus­fuhr wächst, und wenn wir die Leistungen der französischen Arbeiterschaft herzlicher anerkennen lernen, so werden sich diese natürlichen Methoden der Annäherung als die frucht­barsten erweisen, zumal sie nichts mit der Frage: soll Elsaß-Lothringenneutralisiert", soll esausgetauscht" werden?" zu tun haben. Ueber so müßige Fragen streiten in Frankreich Politiker und Militärs. Das Volk wünschst Ruhe und fruchtbare Arbeit.

mit der Verantwortlichkeit vor dem Reichstage nicht weit her. Das ist ein schiefes Verhältnis, und läuft den Ge­sinnungen zuwider,'aus denen heraus die Verträge von Versailles im Jahre 1870 zwischen dem norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten geschlossen wurden. Als den besten Interpreten dieser Verträge wird man wohl den Reichsbegründer Fürst Bismarck gelten lassen müssen. Bekanntlich hat er regelmäßig dem Oberhaupte des größten außerpreußischen Bundesstaates, dem König von Bayern, Bericht über den allgemeinen Gang der auswärtigen Politik erstattet, er wußte sich in steter Fühlung mit den süd­deutschen Bundesstaaten und genoß dort das vollste Ver­trauen. Das ist jetzt anders geworden, zum mindesten ist nichts darüber bekannt geworden, daß der Reichskanzler Graf Bülow sich den Oberhäuptern der deutschen Bundes­staaten gegenüber über seine Politik ausgesprochen oder sich mit ihnen über zu ergreifende Schritte vorher ins Einvernehmen gesetzt hat. Dies ist vielleicht die Ursache der verschiedenenSpannungen" zwischen Berlin und den süddeutschen Höfen gewesen. Diese Spannungen werden wohl wiederkehren, so lange von Berlin aus über den Kops der süddeutschen Bundesfürsten hinweg die wich­tigsten und folgenschwersten Entscheidungen getroffen werden. Als Fürst Bismarck Reichskanzler war, ist das Bedürfnis nach einem Meinungsaustausch über die all­gemeine Reichspolitik in auswärtigen Angelegenheiten nicht laut geworden .In unserem Epigonenzeitalter sollte ver­sucht werden, den fehlenden einen klaren Kopf und einen starken Willen dadurch zu ersetzen, daß man die leitenden Miuisterder anderen Bundesstaaten mehr als bisher zur Begutachtung politischer Maß­nahmen heran zieht. Damit würde man nur im Geiste des Reichsbegründers handeln, bei den nichtpreußi­schen Bundesstaaten das Verantwortlichkeitsgefühl für den Gang der allgemeinen Reichspolitik stärken und dem Par- tikularismus etwas den Wind aus den Segeln nehmen.

Voiitische Tagesschau.

Die Polen in Berlin.

Man schreibt uns aus Berlin, 25. August:

Die Polen beabsichtigen offenbar, chr politisches Hauptquartier nach Berlin zu verlegen. Die Reichs- Hauptstadt ist in Aussicht genommen als Sitz der polnischen Zentral-Wahlkomitees, ferner soll in Berlin ein zweites polnisches Tageblatt herausgegeben werden. Das ist ein­mal ein Beweis für die ständige Vermehrung des polnischen Elements auch in der Reichshauptstadt, denn als Abonnen­ten und Inserenten kommen in der Hauptsache Polen in Betracht. Tann aber auch ein Beweis für die im polnischen Lager vorhandene Kapitalkraft. Die in Berlin leben­den Polen gehören vorwiegend der unteren Klasse an, von diesen allein können zwei Tageszeitungen nichtleben". Es muß also aus dem polnischenKampffond" ein beträcht­licher Zuschuß nach Berlin gezahlt werden, und das ist umsomehr bemerkenswert, als das Polentum in der Reichs- Hauptstadt auf die Erlangung politischen Einflusses, die Gewinnung von Mandaten usw. nicht rechnen kann. Das könnte nur eintreten, wenn die Sozialdemokratie den Polen Terrain überließe, und daran ist nicht zu denken.

Die süddeutschen Mundesstaaten und die all­gemeine MeichspoMik.

Ter Staatssekretär des Aeußern, Frhr. v. Richt- Hofen, hat vor kurzem bei dem Groß Herzog von» Baden politischen Vortrag gehalten urid sich! dami auch mit deut badischen Ministerpräsidenten ins Einvernehmen gesetzt. Wie der Karlsruher Hofbericht meldete, handelte es sich, bei dem Vortrage Richthofens um die gesamte nationale Politik. Vielleicht hat es sich bei dem Vortrag auch um die Spannung zwischen den Höfen von Berlin und Karlsruhe gehandelt, als deren Opfer in diesem Sommer der badische Gesandte in Berlin, Herr v. Jagemann, in den Orkus hinabstieg. Da auch der Kaiser und der Großherzog im Frühjahr eine fteundschaft- liche Zusammenkunft hatten, darf man annehmen, daß jetzt alles in Ordnung ist. Es ist noch nicht lange her, als auch von München Nachrichten kamen, daß zwischen der baye­rischen Hauptstadt und Berlin eine Spannung bestehe, die sich aus der mangelhaften Berücksichtigung bayerischer Wünsche und Vorstellungen über den allgemeinen Gang der Reichspolitik ergeben hätte. Die norddeutsch^ Allgemeine und die Münchener Allgemeine dementierten zwar alsbald. Tatsache ist aber, so meint die nationallib. und alldeutsche ,Mhein.-Westf. Ztg", jedenfalls, daß Klagen überUn­stimmigkeiten" zwischen den süddeutschen Bundesstaaten und der führenden Macht Preußen sich in den letzten Jahren immer häufiger vernehmbar machen. Ms beruhigerrdes Pflaster hat man jetzt einen Reich sschatzsekretär aus Süddeutschland genommen, indessen ist zu befürchten, daß damit das Uebel von Grund aus nicht kuriert wird.

Die Reichsverfassung sieht in Artikel 8 einen Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten vor, der sich zusammen­setzen soll aus Bundesrats Mitgliedern der drei Königreiche Bayern, Württemberg und Sachsen und zwei vom Bundes­rate alljährlich zu wählenden Bevollmächtigten anderer Bundesstaaten, worin Bayern den Vorsitz führen soll. Es ist nicht bekannt geworden, ob und wann einmal dieser Ausschuß Fleisch und Bein bekommen hat, aber es wäre dringend zu wünschen, denn der Ausschuß würde sich viel­leicht als Regulator für unsere auswärtige Politik vor­trefflich bewähren. In innerpolitischeu Angelegen- he .ten stellt das Plenum des Bundesrats diesen Regulator dar, in Fragen der auswärtigen Politik aber fehlt es an einer vorbeugenden Kontrolle. Hier entscheidet allein d-i-r Reichskanzler oder der Kaiser im Einvernehmen mit t<m Reichskanzler, rznd erst nachträglich kommt die Kon- Vplte im Reichstag, wenn eine Abänderung der getroffenen Maßnahmen nicht mehr möglich ist. Die Uebergehung der süddeutschen Bundesstaaten bei den großen Veränderungen, die infolge des Kolonialabkommens mit England im Jahre 1890 eintraten, fyat sich nachträglich empfindlich bemerkbar gemacht. Aus jüngerer Zeit ist namentlich noch der Kriegszug gegen Chrna in der Erinnerung. Auch hier wurde alles von Berlin aus gemacht, ohne daß die süddeutschen Bundesstaaten oder Sachsen zur Begutachtung herangezogen wurden. Den Schaden davon HÄte dann schließlich der Reichskanzler selbst. Die Ernennung der Bot­schafter und Gesandten, also von Personen, deren Wirken doch von außerordentlichem Einfluß sein kann, erfolgt durch den Kaiser und den Reichskanzler ohne Zuziehung der anderen Bundesstaaten. Unsere Diplomatie hat aber dock nicht nur Preußen allein, sondern das ganze Deutsche Reich zu vertreten, das schließlich zu einem Drittel aus nichp- vreußischen Bundesstaaten besteht.

Der Reichskanzler und seine Stellvertreter, die Staats­sekretäre, fühlen sich, wie die Dinge jetzt liegen, nur dem Kaiser und dem Reichstage verantwortlich Dabei ist es

Aeutsch-frauzöfische Annäherung.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

In München ist seit einiger Zeit eine Liga für eine deutsch-französische Annäherung tätig. Es wird eine Weile dauern, bis man sich ein Urteil zu bilden vermag, wie ein solcher Verein wirkt. Zunächst hat er törichte Tiraden der Ehauvinisteublätter vom Schlage desMatin" herausge- sordert, dessen Berichterstattern übrigens der Zutritt zu deutschen Mauövern und ähnlichen Veranstaltungen ver- wehrt werden sollle. Die Liga kann in absehbarer Zeit auf den Eintritt namhafter Franzosen in ihren Vorstand nicht rechnen. Damit wird ihre Bedeutung von vornherein auf ein ziemlich bescheidenes Maß zurückgeführt. Das schadet auch, nichts. Die Gründe der deutsch-französischeen Entzweiung liegen nicht so auf der Oberfläche, daß solche offizielle Vereine das erforderliche Wohlwollen zwischen den Völkern schaffen könnte. Eine Versöhnungskampague zwi- sckMl zwei monarchisch regierten Ländern würde vielleicht zu einem nennenswerten Telle von den Kabinetten geführt werden. Hier sprechen fast ausschließlich die Völker, chre Sympathien und Antipathien.

Als vor fünf Jahren die Frage: wird der Drehfus- prozeß revidiert oder nicht? die Gemüter erregte, war auf den großen Boulevards in Paris eine deutsch geführte Unter­haltung gefährlich, und junge deutsche Kaufleute sahen sich vor der unbedingten Unmöglichkeit, in Frankreich Äellung zu erhalten. Heute haben Enthüllungen über den deutschen Aufklärungsdienst in Frankreichs die Haltung der Franzosen nicht im mindesten beeinflußt. Die Spionenriecherei hinter jedem Deutschen hat aufgehört. Man kann erleben, daß Pariser Stadtsergeanteu ihrer Genugtuung Ausdruck geben, wenn ein Prussien die Rowdies des Montmartre einmal mit dem Stocke bessere Sitte lehrt. Die besuchten Bier-

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Giehener Anzeiger«

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen MZZ

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Feuilleton.

Frankfurter Theater. Aus Frankfurt a. M. schreibt man: Die Ferien sind vorüber und beide Theater begnügen sich damit, für den Rest der Saison zugkräftige Werke oder solche, deren Neueinstudierung man noch kurz vor den Ferien für nötig befunden hatte, dem Publikum vorzusetzen. So giebt man im Schauspielhause Meyer-För­sters unverwüstlichesAlt-Heidelberg",Flachsmann als Erzieher",Doktor Klaus" mit Diegelmann in der Titel­rolle, den Prinzen von Homburg, mit dem Franz Ludwig einen großen Erfolg erzielt hatte, FuldasTalisman" rc. Tem Mangel an wirkliche guten Novitäten, die ein lärrgeres Dasein aus dem Repertoire verbürgen, weiß der Obermten- dant in geschickter Weise abzuhelfen. Er griff auf Lortzing und siehe da,Tie beiden Schützen", ein liebens­würdiges, anspruchsloses Werkchen, dessen Handlung wohl in uysere Zeit nicht recht mehr hineinpaßt, dessen Musik aber in ihrer Ursprünglichkell und Frische gleichsam be­lebend wirkt, fanden ein animiertes und beifallslustiges Pubülunl. Eine vortreffliche Besetzung trug dazu bei, einer deutschen kölnischen Oper, die man fast vergessen hatte, wieder ini Repertoire der modernen Opernbühne Eingang zu verschaffen. Den dummen Peter sang und spielte .Herr Hauck ganz ausgezeichnet, während Herr Reich die Partie des Wirtes mit schönstem Gelingen durchführte. Aüch alle anderen Mitwirtenden boten ihr Bestes. Meyerbeers Asriffln, rin" bot am Sonntag Fräulein Schiroky und Herrn Breitenfeld Gelegenheit, sich in neuen Partien aus-

innen. Tic schöne Künstlerin sang zu ersten Male die Ines und errang sich damit einen hübschen Erfolg, der noch größer gewesen wäre, wenn nicht das Orchester durch überlaute Begleitung die an undl für sich, vollko»mnen ausi-

prunkhaften Kostüme aus dem Atelier von F. Diringer in München. Als am Schlüsse des Epllogs, in dem die Mm- pina, Hassia und Germania auftreten, Deutschland, Deutsch­land über alles, von den Spielern und der Versammlung gesungen, verklungen war, da brach mächtiger, immer wiederholter Beifall los, dem die Spieler und der Re­gisseur durch Hervortreten folgten, während die beiden Fest­dichter, Dr. Kemmer und Dr. Weitbrecht, in unseres Er­achtens unangebrachter Bescheidenheit sich fern hielten. Man verdankt ihnen doch ein Stück, das aus dem 5^eimatboden erwachsen ist und seine Kraft, auch die dichterische, aus diesem gezogen hat; das aber anderseits so gut das be­sondere ins allgemeine erhebt, daß es auch an anderen Orten als in Wimpfen mit Erfolg gespielt werden könnte. Tiefe letzte Aufführung und chr Gelingen ist eine Gewähr, daß auch die ferneren Vorstellungen ein dankbaresPublikum aus nah umd fern finden werden. Auch wer das Theater mit den Tarstellungen geübter Schauspieler gewöhnt ist, wird sich in Wimpfen an der urwüchsigen Darstellung des Volkes und an den Kräften, die in chm schlummern uick blos geweckt zu werden brauchen, erfreuen und erbauen Wie wir hören, findet am Donnerstag den 3. September, nachmittags lys llhr eine große Festvorstellung statt, zu welcher der Großherzog von Hessen sein Erscheinen zugesagt hat. Diese Festvorstellung wird sich durch musikalische Aus­stattung auszeichnen, indem die Kapelle des 4 württem- bergischen Jnfantevie-Regiments Vorspiele und Zwischen­spiele nach den Kompositionen des Reallehrers Dotter in

Wimpfen zum Vortrag bringen wird. Die Besucher dieser Festvorstellung werden bei dem beschränkten Raum aut tun, sich zeitig Eintrittskarten zu sichern (nur Mittelplatz ä 4 Ml.). Wimpfen rüstet sich zu großartigem Empfang seines Landesherrn'

reichende Stimme des Fräulein Schiroky hier und da fast! streng stllgemäßen, teilweise außerordentlich reichen und völlig untergehen lreß. Mit Stolz darf Herr Breitenfeld vrunkbaften Kostüme n.u§ h?m Wtpfipr hnn % den Nelusco zu seinen besten Partien zählen. Er wußte der sehr schwierigen Rolle, auch nach der darstellerischen Seite hin, vollauf gerecht zu werden. Sein Bariton sch,ein!t mehr und mehr an Umfang, Kraft und Wohllaut zu ge­winnen. Stürvnischer Applaus, selbst bei offener Szene, belohnte den intelligenten Künsller. Der Vasco de Gama war bei Herrn Forchhammer aufs Beste aufgehoben, ebenso die Selica der Frau Greef-Andrießeri, unserer geschützten Primadonna, die nachl schwerer Krankheit in dieser (einer ihrer Glanzpartien) zum ersten Däale wieder die Bühne betrat. Am 31. August beginnt der Wagner-Zyklus, für den sich im Publikum das lebhafteste Interesse tündgiebt. Herr Tijssen wird sich kommenden Sonntag als Faust in GounodsMcargarethe" verabschieden und nach> Hamburg an Stelle Borgmanns gehen, der für ihn hierher kömmt.

Wimpfener Fe st spie le. Glücklich ist der erste Spieltag des Wimpfener Festspieles vorübergegangen. Die Festhalle, die außen und innen chre Bestimmung durch! schönen Schmuck der Fahnen und Laubgewinde zeigte, nahm ein äußerst zahlreiches, zum Teil weit hergekommenes Pu­blikum auf. Und es war ein be^fallfteudiges Publikum, dank dem Inhalt des Fesffpiels, der im ganzen trefflichen, im einzelnen vorzüglichen Darstellung, die dem unermüd­lichen Fleiß des Leiters, Herrn Hoffchauspieler Viebeg aus T^armstadt und den schauspielerischen Talenten der Wiinpfe- ner alle Ehre machte. Schon der Prolog, der die geschicht­liche und festliche Stimmung des Tages ausgezeichnet zu treffen wußte und sehr gut gesprochen wurde, erntete Bei­fall. Dieser steigerte sich von Stück zu Stück mit ihren ge­radezu pracksivollen Dekorationen, insbesondere int dritten Stück, wo der Hurter gründ einen herrlichen Blick auf das alle Wimpfen eröffnet. Dazu kam die bunte Pracht der