Armeekorps, in O st Preußen, erfolgen. Damit ist im Grunde nichts neues gesagt, cs wurde bereits an dieser Stelle an der Hand von Zuschriften aus militärischen Kreisen — „die Ausbildung aus Kavallerie" usw. — mehrfach auf jene Wahrscheinlichkeit hingewiesen. Auch hat bekanntlich schon im April d. I. der Reichstagsabg. Sieg (ul.) in einer Wahlversammlung mitgeteilt, daß nach seinen Informationen durch die nächste Militärvorlage die Bildung eines neuen Armeekorps mit dem Generalkommando in Allenstein gefordert werden wird. So weit geht der gut informierte auswärtige Offizier nun nicht. Gr sagt voraus die Erweiterung der zur 37. Division (Allenstein) gehörigen Jnfanterieregimenter von 2 auf 3 Bataillone und die Hinzufügung einer dritten Infanterie-Brigade durch Neuaufstellung von 2 Jnsanterieregimentern mit der Garnison Allenstein. Hinsichtlich der Kavallerie signalisiert er für den Osten die Komplettierung der Eskadron Jäger zu Pferde in Graudenz bis zur Stärke eines Regiments. Nach den von unserm Berliner Mitarbeiter ein gezogenen Erkundigungen glaubt man in militärischen Kreisen, daß diese Forderung das Allermrnd este darstellen werde in Anbetracht der Stärke der russischen Grenztavallerie. Nicht unwahrscheinlich sei die Garnisonierung von Kavallerieabteilungen in den kleineren Grenzstädten des Ostens. Man glaubt audj,, daß die Militärverwaltung, um die Verstärkung der Grenztruppen bewilligt zu erhalten, zur Verzichtleistung auf Forderungen für mitteldeutsche Truppenteile sich geneigt zeigen würde.
Aus Erkundigungen an maßgebender Stelle behauptet aber die „Kreuzztg.", in Erfahrung gebracht zu habere daß die Meldungen über eine bevorstehende Militärvorlage auf freier Er findung beruhen. Bis jetzt seien noch keine definitiven Beschlüsse über eine etwaige Militärvorlage gefaßt worden.
In Ostasien geht etwas vor. Nicht ohne zwingenden Grund unterziehen sich kurz hintereinander zwei russische Minister der immerhin beschwerlichen Reise nach der Maird- schurei Finanzminister Witte machte den Anfang mit einer „Inspizierung" der Transsibirischen Eisenbahn bis Wladimirstock, und der Kriegsminister Kurv patt in ist gar bis nach Japan gegangen, wo er mit den leitenden <^taats- männern und auch mit dem Mikado konferierte. Handelt es sich um politische Abmachungen mit Japan, um die koreanische Frage oder um einen Rüctversicher- ungsvertrag zwischen Rußland und Japan, durch den die vielgewandte russische Diplomatie den „Erbfeind" England trotz seines Bündnisses mit Japan zu treffen gedenkt? Zu alledem arbeitet Rußland unausgesetzt an der Verstärkung seiner militärischen Position in Ostasien; erst dieser Tage sind wieder Infanterie- und Artilleriekolonne mit der sibirischen Bahn nach dem fernen Osten befördert worden. In England verfolgt man die Vorgänge mit begreiflichem Argwohn; cs fehlt auch nicht an Anfragen an die Regierung im Unterhaus. Doch diese kann nur eingestehen, daß sie einstweilen ebensowenig weiß, wie die Interpellanten.
Kolitische Tagesschau.
Graf Bülow
kst auf Einladung des Kaisers gestern nach Kiek gereist. Der Reichskanzler ist jetzt völlig wiederhergestellt und beabsichtigt bald nach seiner Rückkehr von Kiel den gewohnten Sommeraufenthalt in Norderney zu nehmen.
So melden heute die Berliner Telegraphenbureaus. Wir waren in der Sage, diese Reise bereits gestern an^ukündigeu. Ueber ihren Zweck wird von halbamtlicher Sette nichts mitgeteilt. Allerdings hat die „Kieler Woche" in diesem Jahr eine gewisse politische Bedeutung durch den Besuch des a m e r i k a n i s ch e n G e s ch w a d e r s. Schon die geplanten Veranstaltungen zu Ehren dieses Geschwaders — Diner des amerikanischen Gesandten, Festtafel des Staatssekretärs der Marine von Tirpitz, Gartenfest beim Prinzen Heinrich von Preußen — weisen darauf hin, daß der Kaiser seine Gäste in ganz besonderer Weise auszuzeichnen lvünscht. Während des gestrigen Diners an Bord der „Hohenzollern" trank sogar der Kaiser attf die Gesundheit des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Musik spielte die amerikanische Hymne. Aber die Anwesenheit des Grasen Bülow in Kiel erklärt sich doch wohl mehr noch aus Gründen der inneren, als der äußeren Politik. Daß den SVaifcr die unerwartet starken W a h l e r f o l g e der Sozialdemokratie lebhaft beschäftigen, liegt auf der Hand. Und daß der Kaiser über diese Erscheinung eine Aussprache mit seinen ersten Beamten wünscht, unterliegt ebenfalls keinem Zweifel. Der Kaiser ist ein eifriger Zeitungsleser,- die Ausführungen konservativer und agrarischer Blätter, daß die Regierung durch Entgegenkommen gegenüber der Sozialdemokratie die Mitschuld trage an dem Wahlausfall, die Rufe nach 'dem „starken Mann" usw. werden dem Herrscher nidjt entgangen sein. Gras Bülow steht, wie man weiß, nicht auf dem Standpunkt, daß die sozial- demokratifche Bewegung ein geeignetes „Objekt der Gesetzgebung" sei. Es kommt nun daraus an, ob der Kaiser in dieser Auffassung dem leitenden Staatsmanne beipflichtet. Graf Bülow hat eine entscheidende Fahrt an- getreten.
Die Nationalsozialen.
Der Führer der Nationalsozialen, Pfarrer Naumann, kündigt in Der „Nationalsozialen Wochenschau" das Ende seiner Parteigründungsversuche an, indem er wörtlich schreibt: „Wir Nationalsozialen kommen als geschlagene Truppe aus dem Kampfe zurück. Einer von uns ist in Stichwahl, Herr v. Ge r l ach in Marburg (er ist gestern bekanntlich gewählt lvordeu), wir andern aber sino auch diesmal nicht bis zur Schwelle des Reichstages gelangt. Wir sind nicht unterlegen, »veil es an Geld oder MiUeln gefehlt hätte; alles, was wir brauchten, luar Da. Wenn trotzdem die Niederlage erfolgte, so InDcuiet das, daß wir nicht im stände sind, Die neue Partei zu begründen. Pfarrer Naumann schlügt vor, einen nat^nals.zialen Delegiertentag einzuberufeu, dessen einziger Vetyandlungs- gegenstand sei: „Was tun wtr, nachdem klar geworden ist, daß wir im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht parteibilDenD auf treten können ?" Des weiteren erEiäri Naumann in einem Flugblatt, das; er persönlich, wenn er Wähler des 1. olden- burgischen Wahlkreises sein würde, in der Stichwahl für Den sozialdemokratischen Kandidaten eintreten würde.
Deutsches Keich.
Berlin, 25. Juni. Ter Kaiser nahm gestern in St'i c £ die Vorträge des Chefs De;? iSioii und Militärkabinetts entgegen. Heute morgen begab sich der Kaiser von der „Hohenzollern" zur Marine-Akadeuiie, um der Ent
hüllung der Bronzebüste des Kur-Brandenburgischen Obersten Hille beizuwohnen. Um 9 Uhr fuhr der Kaiser zu dem bei Holtenau liegenden „Neptun", um einen Vortrag über Funkentelegraphie zu hören. Zu diesem Zwecke ging der Kreuzer „Nymphe" in See, der den Vortrag durch praktische Beispiele erläuterte. Mittags nahm der Kaiser aus der hohenzollern" das Frühstück ein. — Die Binnenregatta des kaiserlichen Jachtklubs begann heute bei flauem Nordost. Zur ersten Wettfahrt der Sonderklasse hatten 12 Jachten gemeldet, die um 12 Uhr von Laboe ausliefen. — Der Kaiser hatte während seines heutigen Aufenthaltes auf dem amerikanischen Flaggschiff Kearsage eine anderthalbstündige Unterredung mit dem Kontre-Admiral Cotton. Er besichtigte die Räume des Schiffes und verabschiedete sich herzlichst von dem Offizierkorps. Tie amerikanischen Schiffe salutierten und die Musik spielte die deutsche Nationalhymne. — KaiserWilhelm sandte ein herzliches Beileidstelegramm aus Anlaß des Todes des dänischen Generals Hedemami.
Kirche und Schule.
In Nr. 25 des „P r o t e st a n t e n b l a t t s" (Verlag von Karl Schünemann in Bremen) spricht u. a. I. Gmelin über den evangel.-sozialen Kongreß in Darmstadt.
Rom, 25. Juni. Der Papst hielt heute vormittag 11 Uhr, umgeben von zwanzig Kärdinälen und dem Hofstaat, in der Sala Regia ein öffentliches Konsistorium ab, um den neuen Kärdinälen Noeella, Cavicchioni und Fischer, die gestern das rote Barett, nicht den Kardinalshut erhalten haben, den Kardinalshut aufzusetzen. Das diplomatische Korps, der römische Adel, die Ritter des Malteserordens und zahlreiche Eingeladene waren zugegen. Die prunkvolle Zeremonie dauerte 40 Minuten. Der Papst erfreut sich ausgezeichneter Gesundheit und wurde in der Sala Regia und in der Sala Dukale von Hunderten Eingeladenen begrüßt. In dem auf das öffentliche folgenden geheime Konsistorium ernannte Der Papst mehrere Bischöfe und bestätigte die schon früher durch ein Breve vorgenommenen Ernennungen, darunter die des Erzbischofs von Köln.
Ausland.
Rom, 25. Juni. (Kammer.) Das Haus und die Galerien sind stark besetzt. 3 an ar b e Hi ergreift unter lebhafter Aufmerksamkeit des Hauses das Wort und erklärt, er versuchte in der letzten Krisis die Grundlage der Mehrheit nach der chm in ihren Gedanken und Zielen am nächsten stehenden Seite der Kammer zu erweitern. Er hoffe, nicht vergeblich in diesem Sinne tätig gewesen zu fein, obgleich er gewünscht hätte, eine direkte Mitwirkung durch tätige Teilnahme an der Regierung zu finden. Uebrigens liege ihm jede jener Umwandlungen, Die eine Entartung des parlamentarischen Regimes bedeuten, ferne. Bei dieser Sachlage hätten, da es verfassungsmäßig zweifellos richtig war, das Kabinett, das noch gestern ein Votum der Kammermehrheit erhielt, bei- zubehalten, er und Kollegen für ihre Pflicht angesehen. Ihn leitete auch der Gedanke, daß, wenn seinem seit zwei Jahren mittels Freiheit (Beifall) regierenden Ministerium ein von den entgegengesetzten Grundsätzen beseeltes folgen sollte, welches diese in den nächsten Tagen abgeben möge. Dem sehe er in Ruhe entgegen. (Anhaltender lebhafter Beifall links.) Im weiteren Verlaufe der Sitzung spricht Mirabelli gegen die Lösung, welche man der Krise gab. — Der Schatzminister bringt die Vorlage betreffend Bewilligung von sechs provisorischen Budgetzwölfteln, ein. Orlando, Denava und Mantica sprechen zu Gunsten des Ministeriums, Mirabelli, Guicciardini, Chi- menti und Sacchi gegen dasselbe. Bissolati setzt die Gründe auseinander, die ihn bewegen, gegen das Ministerium zu stimmen. Während der Debatte herrschte im Hause große Unruhe.
— Hiesige Regierungskreise erwarten den Besuch des Zaren für Ende Oktober oder Anfang diovember.
Wien, 25. Juni. Wie die „N. Fr. Pr." meldet, soll das ungarischeMinifterium die Ressortminister des Kabinetts Szell bis auf Fejerwary und Szechenyi übernehmen. Als zukünftiger Minister um die Person des Kaisers kommen Graf Festetica und Ludwig Bathyango in Betracht. Als zukünftiger Bauns von Kroatien wird Graf Theodor Pcjaescevics oder Emil Josipovics bezeichnet. Der Ausgleich soll in beiden Parlamenten während des Sommers beraten werden.
Warschau, 25. Juni. Nach hier eingetrossenen Meldungen aus Petersburg unterbleibt der für Den September angesagte Besuch desZaren in Warschau. Auch die großen Herbstnianöver in Posen sollen ab- be stellt sein. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt.
Ans §taöt und Land.
Gießen, 26. Juni 1903.
Herr G. 8. Burkhar di ist aus der Brühl'schen Druckerei ausgeschieden. An ferner Stelle übernimmt mit dem heutigen Lage Herr Hermann Will die Geschäftsführung.
•* Zur gestrigen Wahl wird uns noch mitgeteilt, daß gestern abend im Lokale des liberalen Wahlkomitees der Sieg Heyligenstaedts mit freudiger Begeisterung aufgenommen morden ist. Oberamtsrichter Fuhr aus Ortenberg feierte unseren neuen Reichstagsabgeordneten in einer zündenden Ansprache, in der er hervorhob, daß das Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien in unserem Wahlkreise, der so als leuchtendes Beispiel vielen anderen deutschen Gauen dienen könne, allezeit zum Siege führen werde. — In den Orten der Köhler'schen Vorherrschaft, Ober-Bessingen, Langd, Röthges re. rc., hat, wie wir noch erfahren, das gute Wetter, das die Leute vielfach zur Heuernte auf die Felder trieb, ungünstig auf die Wahlbeteiligung gewirkt. Es heißt, daß antisemitische einflußreiche Persönlichkeiten dort sehr heftig für Krumm agitiert haben sollen. Durch ihr letztes Flugblatt, das an Beschimpfungen der Liberalen das Grausamste und Tollste leistet, rvas wohl je ein sozialistisches Stück Papier in unferer Gegend hat aushalten müssen, haben die Herren Sozialisten dem Liberalismus besser gedient, als dieser es von seinen treuesten Freunden hätte erwarten dürfen. Allzu straff gespannt zerspringt der Bogen, und allzu großen Humbug lassen sich die Gutgläubigsten nicht gefallen. Der widerliche Wisch hat seine Schuldigkeit getan. — Soeben geht uns noch das Resultat aus Bad Salzhausen zu. Dort wurden 12, und zwar nur liberale Stimmen abgegeben. Ferner ändern sich durch spätere Nachzählung noch die Ergebnisse aus Heuchelheim
(Heyligenstaedt 132, Krumm 284) und Glashütten (Krumm 40 nicht 70 Stimmen!) Demnach das Gesamtresultat:
Heyligenstaedt 10581, Krumm 7804 Stimmen.
In Krofdorf erhielt 135 Stimmen Bürgermeister a T. Krämer in Kirchen a. d. Sieg, 1 Stimme Apotheker W. Lamle zu Krofdorf. In Wißmar fielen 178 Stimmen auf Krämer.
Aus Offenbach geht uns kurz vor Redaktionsschluß folgender Drahtbericht zu:
Offenbach, 26.Juni. AuS Anlaß der Stichwahl, in der Ulrich unterlag, kam es in der Nacht zu b c - dcutcudcn Ruhestörungen. Die Herrnstraße mit dem Kasino der Zcutrumspartei war von einer riesigen, johlenden Menschenmenge umlagert, die erst nach Mitternacht von einem starken Lchutzmauuoausgebot, das wieder« holt mit blanker Waffe Vorgehen mußte, zerstreut werde» konnte. Dr. Becker erhielt einer» Stockschlag an den Kops und konnte nur unter polizeilicher Bedeckung den Heimweg autrctcn. Es wurden mehrere Bcrhaftuugeu vorgcnommen.
Ein Kommentar dazu ist wahrlich überflüssig.
Resultat der Stichwahl zu Gießen.
Stadl Gießen Heyligenstaedt Rrrnnn
1.
Wahlbezirk (Turnhalle der höh. Mädchen-
schule)........
»Turnhalle d. Realgymnasiums)
273
261
2.
383
214
3.
(Turmhaus am Brand) . .
233
222
4.
»
(Turnhalle der Stadtknaben- schule- .........
218
218
5.
(Schulhaus in der Neustadt) .
185
289
6.
IJ
(Bürgermeistereigebäude) . . (Tnrnh. d. Stadtmädchenschule)
361
174
7.
ft
362
182
8.
*
(Gastwirtschaft Seltershöhe) .
456
212
Summa:
2471
1772
** Oöffentliche Anerkennung einer edlen Tat. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Kaufmann Isidor P o st zu Gernsheim, in Anerkennung der von demselben am 3. Februar d. I. -unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung der Kinder Elisabeth Kissel und Anna Kissel von Gernsheim vom Tode des Ertrinkens, die Rettungsmedaille zu verleihen geruht.
** Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 19, abgegeben am 24. Juni, hat folgenden Inhalt: 1) Oeffentliche Anerkennung einer edlen Tal. — 2) Bekannt machung, betreffend die Ausführung der Verordnung, dic Bildung einer Ministerialabteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe betreffend, vorn 17. Januar 1900 — 3) Bekanntmachung, Den Ausschlag des Gehalts des Rabbinen zu Bingen für das Jahr 1903 betreffend. —, 4) Ueberfidjt über die von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kom- munalbedürfnisse der Stadt Darmstadt pro 1903/04. — 5 Ueberficht der von Großh. Ministerium des Innern für bai Etatsjahr 1903/04 genehmigten Umlagen der Kommunal bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Oppenheim Steuerkommissariatsbezirk Wörrstadt, mit Ausnahme bei Gemeinheit Gau-Bickelheim und Ober-Saulheim. — 6) Nach trags-Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1903/04 genehmigten Umlagen Der Kom munalbebürfniffc in ben Gemeinben Gau-Bickelheim und Ober-Saulheim bes Kreises Oppenheim, Steuerkommissa- riatsbezirk Wörrstabt. — 7) Uebersicht ber von den Israeliten nachstehend genannter Gemeinden des Kreises Oppenheim zu erhebenden und von Großh. Ministerium des Innern genehmigten Umlagen pro 1903/04. — 8) lieber- sicht der von Großh. Ministerium des Innern für bas Etatjahr 1903/04 zur Erhebung genehmigten Umlagen zur Be ftreitung ber Kommunalbebürfnisse der israelitischen Reli- gionsgemeinben bes Kreises Bübingen.
— 2) arm ft a bt, 25. Juni. Ein eigenartiger Rechte streit: „Großherzog Ernst Ludwig von Hesien geger Hofmöbelfabrikant Gluckert, hier", soll bei dem hiesigen Gericht anhängig sein. Herr Glückert erwarb seiner Zeit vor Großh. Kabinetts-Direktion in der sogen. Künstlerkolonie auf dem Alexandraweg zwei Grundstücke, die er bebaut hat. Nach dem geschlossenen Vertrag hat er sich verpflichtet, keine Wäsche auf dem Dache zu trocknen, was als dingliche Gerechtigkeit zugunsten des dem Großherzog gehörigen Nachbargrundstücks gewahrt wurde. — Nun trocknet er doch Wäsche und ist auf Unterlassung solcher Handlung gerichtlich belangt.
Mainz, 25. Juni. Rechtsanwalt Dr. Sichel hat geget das auf Todesstrafe lautende Urteil gegen Detrois Revision beim Reichsgericht eingelegt.
Hetzbach i. O., 24. Juni. Gestern abend sah der Bahnwärter am Himbächel Viadukt einen Fremden auf dem Schienenstrang des Viadukts. Als er denselben sortwies, wurde er mit einem Revolver bedroht. Bald Darauf zeigte sich der Unbekannte auf der äußeren Brüstung des Viadukts. Ais kurz nachher mehrere Beamte nachsuchten, war der Betreffende verschwunden. Heute früh fand man auf ber Wiese unter Dem Viabukt bie Leiche eines gutgekleibeten Unbekannten. (,,D. Z.")
Vom süblichen O ben w alb, 24. Juni. Obgleich die Reisezeit berHeibelbeeren noch nicht ba ist, würbe boch in ben letzten Tagen mit bem Aufkäufen Derselben begonnen. Ter Odenwald ist eines ber Gebirge, in Denen bie Ernte früher beginnt als in nörblicher gelegenen Gegen- ben, weshalb bie Erstlingspreise immer ziemlich hoch |inb. Für das Pfund wurden schon 25 und 30 Pfg. bezahlt; gegenwärtig gilt ein Pfund 20 Pfg., dies ist also ein verhältnismäßig niederer Preis. Hauptsache bleibt jedoch, daß zur Zeit Der Vollernte Die Preise nicht auf 5 und sogar 4 Pfg. sinken, sondern daß sie sich, wie beispielsweise vor zwei Jahren, auf 9 Pfg. halten, dann können bie Beeren- pslücker einen hübschen Lohn für ihre Mühe einstecken.
Ludwigshafen, 23. Juni. Ein Aufsehen erregen* ber Vorfall trug sich hier vor mehreren Tagen zu. In bie Leichenhalle würbe um 7 Uhr abends Die Leiche eines Säuglings gebracht und Dort aufgebahrt. Als nun Leichenwärter Kullmann um 8 Uhr abenDs Die Leichenhalle durchschritt, sah er, daß Das Kind noch Lebenszeichen von sich gab: er brachte es deshalb in die elterliche Wohnung, es ano^eu Tages pu.ro. Ta das Kind, ehe es Der Leichenhalle erstmals überwiesen wurde. Der Leichenschau unterstand, so Ware zur Beruhigung ber Gemüter um* geyenb eine behördliche lyrtlärung dringend am Platze, was nun geschcyen wird, nm hier ähnliche 95ortomnini||C unmöglich zu machen. (Mannh. Gcn.-Anz.)
Kleine Mitteilungen aus Hessen und Den 91a et) bar floaten. Die Dampfwalze deS Kreises Wetzlar fährt am Samstag, den 27. Juni d. Js. vormittags von L a u n s b a ch kommend über die Straße Krofdorf-Gießen- Heuchelheim nach Bahnhof Kinzenbach. — Ter Tierschutzverein zu Wiesbaden (E. V.), welcher in den letzten vier Jahren 250 Zugesel eingeführt hat, beabsichtigt bei genügender Beteiligung einen wetteren Transport kommen zu


