Ausgabe 
24.12.1903 Sechstes Blatt
 
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yw girr «nrfkynvmrg yorrwÄhrenv wagende föpomnin^ Der Verlauf des MoriumS gleicht einem in Schareckenlmieu aufsteigenden Bergt*!ade. Wie sich schon bei jeder Wendung meitere Ausblicke austun aus dem trüben Mbel zeitlicher Zwietracht und Streit verschuldender labyrinthischer Eng­pässe, so schaut man vom Gipfel, beleuchtet von der Poesie der wissenschaftlichen Erkenntnis, die freie Region, in welcher ein Hauptzwist und Kampf errdlich zum versöhnenden Friedensschiust gelangen must.

Aus Stadl uni) Kaud.

0 Klein-Linden, 22. Dez. Die Weihnachts- Bescherung der Schüler unserer Kleinkinderschule fand am vorigen Sonntagabend, verbunden mit Gottes­dienst, statt. Äuf dem Altar prangte ein Christbaum, um welchen die Schwester ihre Kleinen aufstellte. Nach dem Aufsagen der Geburtsgeschickste des Heilandes und dem Gesang der Kinder wurden diese reichlich beschienkt. Um die Gaben recht reichlich fließen zu lassen, war in der Ge­meinde eine Sammlung abgehalten worden, die ca. 120 Murk ergab.

a. Krofdorf, 23. Dez. Heute morgen wurde unser -erster Burgermeistereisekretar v. Bülow durch Landrat Tr. Sartorius persönlich wieder in sein Amt einge- iführt.

() Lich, 23. Dez. Im 51. Dienstjahr ist unser bis­heriger Lehrer und Organist Wilhelm Jäger in oen wohlverdienten Ruhestand getreten. Jäger besuchte das Lehrerseminar zu Friedberg- das er Ostern 1853 verlies, aim in den Schuldienst zu treten. Im Sommer dieses 'Jahres war es ihm vergönnt, im Kreise seiner Freunde und Kollegen in Anwesenheit der Vertreter der Kreisschul- rommission das seltene Fest seines 50jährigen Dienstjubi- iläums zu feiern. Er war bisher der dienstalteste Lehrer des Kreises Gießen.

H. Butzbach, 23. Dez. Zu dem von uns schon ge­meldeten Brande auf dem Hof gut Bender in Griedel wird uns weiter berichtet, daß gestern eingehende Vernehmungen durch die hie.ige Gerichtstommission an Ort und Stelle stattgefunden haben, ohne daß eine Entstehungs- ursache des Brandes zu ermitteln war. Auch der Verdacht der Brandstiftung gegenüber einem früher auf dem Hosgute bediensteten und verhafteten Knecht hat sich nicht bestätigt. Der Mann wurde nach seiner Vernehmung durch das hiesige Gericht wieder aus der Haft entlassen. Ter Brand, welcher um 6 Uhr früh, als das Dienstpersonal beim Kaffee saß, tzum Ausbruch kam, kann vermutlich auch durch über­fliegende Funken aus der anstoßenden Tampfschreinerei Zeiß entstanden sein. Ter Besitzer des Hofes erleidet einen beträchtlichen Schaden dadurch, daß nur ein Teil des ver- hrannten Gutes versichert war. Ein großer Vorrat unge­droschener Frucht, für welche die Dreschmaschine auf 14 Tage zum Dreschen vorgesehen war, ist vernichtet; ebenso ein großer Vorrat bereits verkaufter und in Säcken zum Versand bereit gestandener Frucht. Am selben Abend ereignete sich noch ein anderer Unfall. Als die Gendarmerie iwft Autzbach apj bm Wege nagj Hau.e war, wurde der

iN en darin wgrrr oon einem Person en fuhrwerk über fahren, das in der Dunkelheit auf dem aufge- tveichten Chausseeboden nickst vernehmbar war und zusällig urn eine Kurve der Landstraße bog-. Anstatt sich des Ver­letzten anzunehmen, fuhr der Bejitzer leichtsinniger Weise fort. Die anderen Kollegen des lieberfahrenen setzten dem Ausreißer" nach und stellten die Perstmalien fest, der sich nun zu verantworten haben wird. Der Gendarm Bogel erlitt einige leichte Verletzungen.

w. Bad Nauheim, 23. Tez. Tie Frequenz vom 1. April bis 31. Oktober 1903 betrug 23 931 Kurgäste (dar­unter 329 Aerzte). Tie höchste Frequenz, die bisher erreicht wurde. 1902 waren es in der gleichen Zeit 22 567 Kurgäste, somit sind es jetzt 1364 mehr. Aus Rußland waren 2589, Großbritannien 1257, Amerika 961, Oesterreich-Ungarn 807, Holland 351, Schweiz 212, Frankreich 212, Belgien 181, Schweden 116, Afrita 97 Kurgäste anwesend, ein Zeichen, welche Würdiigung seine bewährten Heilquellen das Bad im Auslande gefunden hat.

L. Friedberg, 23. Tez. Gegen das Urteil des Schöffengerichts in demSängerkrieginOber-Ros- bach" ist von allen Verurteilten Berufung eingelegt worden.

)( Frie d b e r g, 22. Dez. Daß nach Fertigstellung der Straßen-Unterführung der Main-We,er-Bahn am Fauerbacher Tor auch an die Verlegung desGüter- b a h n h o s e s in die Nähe des Fauerbacher Stadtteils ge­schritten wird, geht daraus hervor, daß seitens der Eisen- bahn-Tirektion zu Frankjurt a. M. in der Fauerbacher Gemarkung größere Geländekäuse gemacht worden sind. Zu diesem Zwecke haben bereits vor einigen Wochen ca. 15 Familien Gelände im Werte von über 200 000 Mark ab­gegeben und die Kauffummen jetzt erhalten. Gerade bei dem so enormen Wechnachtsverkehr fühlt man so recht, wie dringend erforderlich eine baldige Erweiterung des hiesi­gen Bahnhoses ist.

§§ Friedberg, 23. Dez. Tie hiesige Zuckerfabrik hat dieser Tage die diesjährige Rohzuckerproduktion beendet. Es wurden nahezu 800 000 Zentner Rüben ver­arbeitet, der Zentner wurde mit 0,85 Mk. bis 1 Mk. be­zahlt. Der Zuckergehalt war vorzüglich. Die Fabrik ver­arbeitet täglich bis zu 12 000 Zentner (60 Waggons) Rüben.

Vermischtes.

* P aris, 23. Dez^ Gestern fand das V erhör des Attentäters Luban in Gegenwart von Dr. Max N o r d a u statt. Beide diskutierten über die Z i o n i st e n - frage in sehr höflicher Form. Luban erklärte, die Juden seien gegenlärtig damit beschäftigt, die notwendigen Gelder zu sammeln, um der Türkei den Rückkauf von Pa­lästina anzutragen. Tann würde als König der Juden derjenige gewühlt werden, welcher durch Genea­logie seine Abstammung von König David be­weisen könne. Die Juden wollten nur eine Regierung von göttlicher Abstammung. Luban erklärte ferner, daß er nicht die Absicht gehabt habe, Nord au zu ver­letz en, worauf Nordau erwiderte:Ich weiß, daß die

russischen JUven mich als einen Verräter ve krachten, tftf will ja auch, daß die Volksjustiz gegen die Verräter ihre Rechte geltend macht und meine Angreifer glauben, dieses süecht ausüben zu müssen!"

* Erdbeben int Kohlenrevier. Nach einer Meldung aus Bochum wurden daselbst in der verflossenen Nacht starke Erdstöße verspürt, sodaß die Leute vor Schreck aus ihren Betten sprangen.

Wöchentliche Arberßchtder ToöesDe in der Stadt Hießen.

50. Woche. Vom 6.12. Dezember 1903.

Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (infL 1600 Mann Milstär.) Sterblichkeitsziffer: 28,98, nach Abzug von 6 Orlsiremden: 17,40 °/oo.

Kinder

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Tuberkulose der

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1. Lebensjahr: 2.-

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Tuberkulose anderer

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Organe

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Krebs

1

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Lungenentzündung

1

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Lungenkatarrh

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3(1)

Stlmmritzenkrampf

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KD

Lebensschwäche

1(1)

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Rhachitis

1

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Croup

1(1)

1(1)

Altersschwäche

1

1

Summa:

15 (6)

8(2)

3(2)

4(2)

Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nacb Gießen gebrachte Kraiste kommen.

Trocken und leicht

Ausserordentlich bekömmlich

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Kreisblatt für den Kreis Stegen