Ausgabe 
23.12.1903 Drittes Blatt
 
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ML- Starfenbvvg^ 69 ans Oberhefseu, 48 ans Rheinhessen juiii) 130, welche während der Lehrzeit Unterstützung er* ^halten), sodaß Ende März 1903 1982 Waisen in Verpfleg- amg blieben. ,

* Sta dttheater. Nochmals sei ausdrücklich auf die lWeihnachtsabonnements des Stadttheaters hingewiesen, die 510 BonS umfassen und in gefälligem Umschlag sich als be­liebtes Weihnachtsgeschenk präsentieren dürften.

t Burkhardsfelden, 22. Tez. Gestern fand hier tne Ehristbescherung der Klein kind er schule in der Kirche statt. Die Schwestern beschenkten die lieben Kleinen lauf das Reichlichste mit nur praktischen Sachen, wie Echürzen, Sttümpfen re. Die Kleinen trugen schöne Lieder toor, und das Fest nahm einen sehr schönen Verlauf, nament- !lich da die Schwestern einen prächtigen Christbaum heraus- ^aeputzt hatten.

§ Grv ß-Eichen, 22. Dez. Gestern abend gegen Uhr erschallte plötzlich Feuerlärm in unserem Orte; es [brannte im Wohnhause des Einwohners Hiserich Das sFeuer griff mit der größten Schnelligkeit um sich Im ^oberen Stock hat die Frau, welche einen Garnhanoel treibt, sichre Warenbestände liegen. Weder diese noch irgend ein ^anderes Stück von Mobilien oder Kleidern konnte gerettet Werden, alles verbrannte. Das Feuer ergriff auch Scheuer 'und Stallung und legte diese in Asche. Die dichtangrenzende Nachbarwohnung wurde ebenfalls vom Feuer ergriffen. Zwar hatten die hier in Miete wohnenden Leute noch Zeit gehabt, ihre Habseligkeiten zu retten, als das Feuer aus -ihre Wohnung übersprang, aber auch diese samt Scheuer und Nebengebäuden sank in Asche. Die Leute, bei denen das Feuer ausbracy, sind nicht versichert.

f Aus dem Vogelsberg, 22. Dez. Gegenwärtig Durchreist ein Bote die Ortschasten unserer Gegend mit Bild er n, die zu dem Zwecke verkauft werden, den Neubau einer Kirche zu Helpershain zu .ermöglichen. Der Preis eines Bildes ist eine Mark, der wirkliche Wert beträgt wohl 20 Pfennig. Was aus diesem Verlaus wirklich zum Besten des Kirchenbaues heraus springt, entzieht sich unserer Kenntnis; da aber die Geistlichen von der Kanzel gegen eine solcb-e Art des Kollektierens ihre warnende Stimme erheben, so muß wohl das meiste solcher Gaben an den Hecken hängen bleiben. Eine ähn- licbe Kollekte wurde im vorigen Jahre für die Kirche zu Eschenrod erhoben; wie reichlich derartige Betrüge fließen, zeigen die Summen, die aus einzelnen Orten fließen. So wurden allein aus dem Torfe R. 70 Mk. erhoben. Im Interesse des Publikums ist es sicherlich gelegen, wenn über derarttge Kollekten volle Klarheit herrscht, damtt nicht erst der Stall zugemacht wird, wenn das Pferd gestohlen ist.

a. Marburg, 22. Dez. Aus bisher unaufgeklärte Weise brach heute nachmittag gegen 4 Uhr in eurer zum Anwesen des Fuhrwerksbesitzers Grimmel gehörigen, vor dem Weidenhäusertor gelegenen Scheuer Feuer aus, das jedoch in den dicht aufeinander gestapelten Erbseureisern nur wenig Nahrung fand, sodaß es der rasch herbeigeeilten Feuerwehr schnell gelang, trotzdem sie anfangs mit Wasser­mangel zu kämpfen hatte, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Immerhin dauerte es mehrere Stunden, bis bei dem dichten Qualm, der sich entwickett hatte, die aus- gespeicherten Vorräte ins Freie gebracht waren und jede wei­tere Gefahr als ausgeschlossen betrachtet werden konnte.

Aus dem Kreise Kirchhain, 22. Dez. In Rauschenberg sowohl wie in Holzhausen fanden gestern Ver­sammlungen statt, welche sich nut den zur zett schwebenden Bahnprojekten befaßten. In Rauschenberg wünscht man eine Bahn Marburg-Cölbe-Schönstadt-Äiauschenberg- Gmünden-Haina und in Holzhausen befürwortet man die Weiterführung der Bahn Aiarburg-Treihausen nach Wittels- berg-Holzhausen-Mardors-Kttdorf nach Alsseld.

Frankfurt a. M., 22. Dez. Ein Berichterstatter meldet zu dem Liebesdrama, das sich Niddastraße 62 abspielte, noch folgende Einzelheiten: Leutnant Her­mann Laubrecht unterhielt schon seit einigen Monaten ein Liebesverhältnis mit der 27 Jahre alten JulieLöwy, geb. Kuttner, aus Baden bei Wien, die seit einigen Jahren geschieden ist und bei ihren Brudern hier wohnte. Die Beiden sind vermutlich deshalb in den Tod gegangen, weil sich ihrer Verheiratung Hindernisse in den Weg stell­ten. Laubrecht hat zuerst seine Geliebte und dann sich selbst erschossen; den Revolver hielt er noch in ber Hand, als man ihn als Leiche sand. Die Tat ist ver­mutlich schon am Montagabend geschehen. Am Dienstag vormittag wollte der Bursche den Leutnant wecken. Als er keine Antwort bekam, drang er in das Zimmer ein. Leut­nant Laubrecht lag tot auf der Chaiselongue, die Löwy auf dem Fußboden des Zimmers. Die Leiche von Leutnant Laubrecht wird nach Erfurt überführt, wo seine Eltern wohnen. Die Löwy wird auf dem hiesigen israelitischen Friedhof beerdigt. Zwei hinterlassene Briefe wurden von der Militärbehörde beschlagnahmt. Leutnant Laubrecht galt für einen tüchtigen Offizier; erst vor einigen Wochen hatte er vom Kaiser als guter Schütze eine Auszeichnung erhalten.

Frankfurt a. M., 22. Dez. Der Kaiser hat den Professor Maximilian Fleisch zum beratenden Mitgliede der Kommission zur Veranstaltung einer Samm­lung deutscher Volslieder ernannt. Vorsitzender dieser Kommission ist Frhr. v. Liliencron. Das Rüdesheimer Lokalkomitee des Schenckendorff'schen Vereins zur Abhaltung nationaler Spiele au.f dem Niederwald hat, der »Frkf. Ztg." zufolge, gestern seine Auslösung beschloßen. Der geringe Barbestand wurde zur Gründung eines Lokal­vereins für Volks- und Jugendspiele bestimmt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach einer Meldung aus Kassel ist der Hotelbesitzer Bettram aus Wil düngen in der Nähe von Unge danken bei der Jagd tödlich verunglückt. An den beiden Oberhessischen Bahnlinien soll mit Beginn des Sommerfahrplans die Bahnsteigsperre eingeführt werden. An einzelnen Stationen beginnt man bereits mit der Ein­zäunung. Man teilt uns mit, daß der Bürgermeistcrei- sekretär von Krofdorf, v. Bülow, nach seiner ersten gericht­lichen Vernehmung wieder aus der Haft entlassen worden sei. Die gerichtlichen Vernehmungen dauerten, wie wir imWetzl. Anz." lesen, bis über Mitternacht hinaus. Der verhaftete Bürgermeister soll auch Protest gegen seine Inhaftierung erhoben haben. Die Weihnachtsfeier am 2. Feiertag in Lo llar beginnt um 7V2 Uhr. In Offen­bach wurde unter Anwesenheit des KreiSratS und des Ober­bürgermeisters die Feier des 40 jährigen HandelSkammer- jubiläums des Geh. Kommerzienrats Franz Weintraud be­gangen. Kreisrat von Homdergk überreichte im Auf­trag des Großherzogs dem Jubilar das Ehrcnkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. In WormS haben Kreis und Stadt für GroßherzogS GebuttStc^Sspende

bis jetzt etwa 10 000 Mark aufgebracht, und nach der W. Ztq." ist die Sammlung noch nicht völlig abgeschlossen.

Vermischtes.

"Dortmund, 22. Dez. Die Stadtverordneten be­willigten für den Bühnenfundus des neuen Stadttheaters 250000 Mark. Die Sache wird viel teurer als man annahm. Bei der Beratung der Theatervorlage waren 50 000 Matt für den Fundus eingestellt worden, der Direktor sollte aus eigenen Mitteln das Fehlende zuschießen. Nun stellt die Stadt aber das Ganze, und der Direktor zahlt 10000 Matt Miete.

Göttingen, 22. Dez. Heute wurde auf dem Bahn­hofe Eichenberg ein Bremser vom Bebraer Güterzuge über­fahren und ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt.

* Budapest, 22. Dez. In dem Bahnhose Aes bei Komorn wurde dem Postboten ein Geldbeutel mit 75 000 Kronen gestohlen.

* Was ein Brauer im Trinken leisten kann, zeigt ein 26 jähriger Braubursche in Gunzenhausen, der, wenn er die Möglichkeit hat, täglich bis zu 35 Liter Bier konsumiert. Nimmt man auch nur 30 Liter pro Tag an, so macht das im Jahr immer noch 110 Hektoliter im Ver­kaufswerte von 2640 Mark.

* Vegetarisches Weihnachtsfest. Die Londoner Vegetarier veranstalten ein großes Weihnachtsfestmahl. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß die üblichen Weih­nachtsgerichte Wurst und Truthahn nicht auf den Tisch kommen dürfen. Der Küchenzettel verspricht eine Suppeä la Julienne (Kräutersuppe), Fisch, geschmorten Sellerie, Champignon- Pastete, geröstete Nüsse, Fruchte usw. Die Vegetatter be­haupten, daß ihr Festmahl eine treue Nachahmung der Liebesmahle" der ersten Christen sein wird. Hm! die Suppe ä la Julienne . . . !

* Zum Tee bei Frau Professor. Immer wettere Kreise schieint die AffäreProfessor Meyer und Frau" in Berlin zu ziehen, und immer von neuem melden sich Leute, die sich durch das hochstaplerische Ehepaar geschä­digt fühlen. Ob es möglich fein wird, alle Fälle ans Tagcs licht zu bringen, muß der gerichtlichen Untersuchung über­lassen bleiben. Zu verdenken wird es keinem der früheren Gäste des Haufes Meyer sein, wenn sie sich sorgsam im Hintergründe halten. Frau Professor pflegte säst immer nur zum Tee einzuladen, und zwar für die Nachmittags­stunden. An den Tee, der indessen selten getrunken wurde, schloß sich gewöhnlich ein lleines Sektgelage, dessen Kosten allerdings die männlichen Gäste aufbringen mußten. Denn Geld war fast nie im Hause, und wenn schon welches vor­handen war, brauchte es die Frau Professor zur Bestreitung von persönlichen Bedürfnissen. Selten wurden mehr als drei Paare eingeladen oder nie mehr als drei Damen die Herren kamenzufällig" etwas später. Offiziell brachs­ten sie den Kuchen zum Tee mit; aber bald hatte die kleine Gesellschaft den Appettt zu diesem Getränk verloren, und wenn allseitig der Wunsch nach einem prickelnderen Schluß geäußert wurde, beorderte man das Dienstmädchen, etliche Flaschen zu holen. Zur Unterhaltung der Gäste, denen als besondere Sehenswürdigkett das Boudoir der Frau Professor gezeigt wurde, tanzte die Hausfrau einen fulminanten Cancan, von dessen naturalistischer Manier kein Sang, kein Heldenbuch erzählen wird. Während des Gelages telephonierte auch hin und wieder der Gatte an, mit dem sich dann Frau Meyer für den Abend verab­redete, um bann gemeinsam der Freunde Scharen um ihre Fahnen zu sammeln, um neue Verbindungen anzuknüpsen. Aus welche Art Frau Meyer die ziemlich bedeutenden Sum­men zur Bestteitung ihres luxuriösen Lebens auszubringen wußte, wird wohl nie ganz aufgeklärt werden können, denn mit dem einfachen ohne Geld Kausen wäre es nie so lange gegangen. Dem Paare brannten längst die Sohlen unter den Füßen, und es wäre wohl schon lange abgebampft, wenn es nur bas nötige Reisegeld gehabt hätte. Fahrkarten bekommt man ja nietet auf Borg, wie Kostüme, Mobiliar und exquisite Soupers. Das Paar machte darum in den letzten Tagen krampfhafte Versuche, Geld aufzutreiben. So be­mühte sich der Herr Professor bei zwei großenBankinstituten und einer kleinen Privatbank, ein größeres Darlehen gegen Wechsel und ähnlicheSicherheiten" zu erlangen, man wies ihn jedoch überall ab, da 'Herr Meyer in Bankireisen längst unten durch" war. Professor Meyer war bis zuletzt in der Redaktion eines kleinen Börsenblattes tätig und konnte dabei für ein eigenes Organ die Bankprospekte acquirieren und dafür die Jahresabonnements einziehen. Die erlangten Aufträge cedierte er wiederholt an verschiedene Börsen Ver­treter, scheute sich aber nicht, die Rechnung direkt zum In­kasso dem betreffenden Bankhaufe zu präsentieren. Ein Berliner Hotelier konnte trotz seiner ausgetlagten Forder­ung die Zahlung für das Hochzeitsdiner nicht erhalten und der Tag der Hochzeit jährt sich bald zum dritten Male! Viel brachte Frau Meyer nicht in die Ehe mit. Ihr Talent nur und wie man sagt, ein Baby, für das sie, wie sie ostmals erzählte, sorgen müßte. Deshalb mußte sie auch angeblich im Variete auf treten, und als sie dazu keine Zeit und Gelegenheit mehr fand, in den Cabarets. Jetzt fann sie vorläufig keineSeitensprünge" mehr machen.

* Daß fünfzigjährige Frauen noch mit ein Baby beschenkt werden, kann kaum ein solcher Ausnahmesall {ein, wie es von einigen Sachverständigen im Prozeß gegen die Gräfin Kwilecki behauptet worden ist. In Berlin füw beispielsweise, nachdem schon früher wieder­holt derartige Fälle vorgewiumeu sind, auch im Jahr 1902 wieder zwei Frauen im Alter von mehr als 50 Jahren Mutter geworden. Die eine, 51 Jahre alt, schenkte ihrem Mann das 16. Kind, die zweite, 52 Jahre alt, das 6. Kind. Vielleicht ist es nicht Zufall, daß -in diesen beiden Ehen der Mann jünger lvar als die Frau: die 51jährige war mit einem 49jährigen verheiratet, die Dame von 52 Jahren mit dem 16. Kind hatte sogar einen Ehemann, der erst 39 Lenze zählte. Ebenso ereignet es sich nicht gar so selten, daß Frauen erst in ziemlich hohem Lebensalter mit dem ersten Kinde erfreut werden. Das trat im vorigen Jahre in Berlin sechsmal bei 45jährigen, dreimal mit 46jährigen, einmal bei einer 47jährigen ein. Als Gegenstück dazu sei mitgeteilt, daß es im Jahre 1902 eine 16jährige Ehefrau gab, die sich schon ihres ^weiten Kindes rühmen durfte. WaS den Kinderreichtum überhaupt betrifft, so ist er selbst in der Reichsdauvtstadt, die sich ja in dieser Beziehung mit dem platten Lande nicht messen kann, doch nicht so gering, wie man sonst anzunehmen pflegt. Ehen mit 16 Kindern jinb noch sehr häusig; sogar ein 20. Kind stellte sich in 3, ein 21. in 2 Familien ein; und schließlich brachte es eine 5rau auf den 23. Sprößling.. Ta dieser weibliche Champion erst 43 Jahre alt ist, so sind von ihm wohl noch weitere erfreuliche Taten zu erwarten.

Universitäts-Nachrichten.

Bern, 22. Dez. Ter Professor der gerichtlichen Medizin, Dr. Katt Friedrich Emmert, ist beute im Alter von 92 Jahren geworben.

Die lustigen Heidelberger. Amschwarzen Brett" der Heidelberger Universität befindet sich seit einigen Tagen solgender Anschlag:Zahlreiche in letzter Zeit zur Anzeige ge­langte grobe Ausschreitungen von Studierenden veranlaßen mich zu der Maßnahme, daß von der Befugnis, polizeiliche Haftstraien nn Karzer verbüßen zu lassen, bis aut wetteres fein Gebrauch mehr gemacht wird. Derartige Strafen werden m Zukunft im 21mt3- gefängnis vollstreckt werden, (gez.) Hebting."

Sport.

Rudersport. Wie erinnerlich sein wird, ist die G i e ß e n e r Ruder-Gesellschaft wegen des vom Deutschen Ruder- Verband geftihetcu WanderpreisesLahnpo. ka l" in Differenzen geraten. Der Ruder-Verband stellte bekanntlich das Verlangen, daß um diesen Wanderpreis jedes Jahr auf der Gießener Strecke gestartet werden müsse, wahrend die Ruder-Gesellschaft, welche in letzter Zeit nur ein um das andere Jahr Regatten abhält, nur alle 2 Jahre den Lcchnpotal aussahren lassen will. Mit dieser Wander­preis-Angelegenheit, welche übrigens auch für eine Anzahl anderer Rudervereme von prinzipieller Bedeutung ist, hat sich nun in neuester Zeit der Deutsche Ruder-Ausschuß beschädigt und den Vorschlag gemacht, den Lahnpokal wie bisher nur auf den Gießener Regatten, aber statt als Wanderpreis, als Herausforderungspreis aussahren zu lassen. Hiermit hat sich nun der Vorstand der Gießener Ruder-Gesellschast einverstanden erklärt, daran aber die Vedmgung geknüpft, daß der Lahnpokal erst nach drei aus einander folgenden Siegelt in das Eigentum des siegenden Vereins über­gehen soll. Damit ist die bestehende Differenz zwischen Ruder- Verband und Gießener Ruder-Gesellschaft in der Wanderpreissrage beigelegt.

Homburg v. d. H., 22. Dez. Das Gordon-Bennet- Rennen wird vom 15. bis 21. Juni ausgetragen werden. Die genaue Festsetzung des Tages hängt von den Dispositionen des Kaisers ab.

Arbeiterbewegung.

Dresden, 22. Dez. Der Crimmitschauer Weber­streik hat den Wohlstand der Stadt bereits schwer geschädigt. Bei einem Jahresumsatz der 80 Textilfabriken von über 40 Mil­lionen Mk. beträgt der bisherige Produktionsausfall über 13 Mil­lionen Mk. Ein Geheimer Regrerungsrat nrachte der Leitung der Ausgespertten die Mitteilung, daß er nach Crimmischau kommen und Vorschläge zu einer Einigung machen werde.

Gerichtssaal.

Herborn, 22. Dez. DemHerb. Tagedl." zufolge hat der christlich-soziale Relchstagsabg. Dr. Burkhardt gegen drei Mit­glieder des nationalliberalen Wahlkomitees, den Bürgermeister Gierlich, den Seminarlehrer Weiger-Tillenburg, sowie emen dritten Herrn wegen Beleidigung durch verschiedeiie währeiid der ReichS- tagswahlkämpse veröffentlichte Zeitungsartikel und Flugblätter Klage erhoben. Sowohl das Amtsgericht m Herborn, wie das Landgericht haben die Klage abgewiesen unb den Beklagten den Schutz des § 193, Wahrung berechtigter I Mer esse,i als Reichs­tagswähler, zugebilligt.

Jena, 22. Dez. Der Streik um den Stadtbau­plan zwischeii Dberbürgermeiüer Singer und den Professoren Weber und Henrici wurde nach zehnstülidiger Verhandlung durch T e i l s ch i e d s s p r u ch erledigt. Die hauptsächlichsten gegen­einander gerichteten V o r w ü r f e sind unbegründet. Tie Beleidigungen zwischen Singer und Weber werden zurück- g e n o m ,n e n. Henriei hat keine Erklärung abzugeben.

Kiel, 22. Dez. Tas Alarnieknegsgericht verurteilte den Obermatrosen Kürzel und den Heizer Schelm wegen tätlichen Angrifss auf Vorgesetzte, die sie wegen 9t i ch t g r ü ß e n s anhielten, zu 1, bezw. 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, den Atatrosen Steiges, der Kürzel ausgereizt und das Publikum zum Angriff gegen die Vorgesetzten angejeuert halte, zu 6 Atonaten Gesängiiis.

Kandel und Verkehr. Volkswittschast

Berliner Börse vom 22. Dezember 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Die heutig Börse eröffnete in ruhiger, abwartender Haltung; die Nachrichten über die Lage in Ostasien lauteten im allgemeinen etwas günstiger, aiiderersells fatidte London wiederum malte An- fangskurse. Tie Kapltalserhöhung der Diskonto-Gejellschait machte aus den hiesigen Atarkt gar feilten Eindruck, und so gestaltete sich der Verkehr in Anbetracht der nahenden Feiertage und der Ultnno- liquiöation äußerst ruhig. In der zweiten Börsenstunde führten bessere Stimmilngsberlchte aus London em», leichte Besserung der Tendenz herbei, die bis zum Schluß anhielt. Ter Kahaindustrie- markt war infolge von Realisierungen leicht gedrückt.

Privak-Diskoiit 33/- Prozent.

Oe st. Kredit . . 215.25 216.25

Teiitsche Bank . . . 223.70 223.70

Tarmstädter Bank , . 147.25 146.30

Bochumer Guß . . . 191. 191.10

Harpener Bergbau . . 204.25 204.

Tendenz: Behauptet.

Verhandlungen mit Banttretsen. Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel hat nun doch, entgegen einer 'Meldung der F. Z.", Männer vom Banksach empfangen und es wurden tn er|ter Linie Verhandlungen über Aenderungen in der Börjensteuer gepflogen, wobei sich lebhaste Debatten entwickelten. Der Schatz- lefretär hob hervor, die Aenderungen müßten vor allen Dingen feine Schmälerung der Staatseinnahmen involvieren, schließlich forderte er zu weiteren, bestimmten Vorschlägen auf, die er in wohlwollende Erwägung zu ziehen versprach. Er machte aber gleich daraus aufmerksam, daß das Votiim des Reichstags immer­hin zweiielhast sei.

Petroieumorgauisatiou. Sowie das Kapital sich zusam­menschließt, um ein grogeö Unternehmen, das insbesondere der Allgemeinheit dient, zu stützen, oder auch auszubeuten, fann man versichert sein, und zwar in 8 und 10 Fällen, daß der eigentliche Konsument, der direkte Verbraucher der gelieferten Produkte, mehr oder loeniger der Geschädigte ist, d. h. daß nun die Ware im Preise steigt. So steht es auch jetzt mit dem Petroleum. Der Petroleumexport von Oesterreich nach Teutschlandbetrug im Jahre 1902 rund 300. 000 Meterzentner; in diesem Jahre wird er aller Voraussicht nach das Doppelte erreichen. Tabei sind jedoch die Petroleumpreise innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Zeit in Oesterreich von 24% Kr. auf 39 Kr. gesteigert worden. Solche Preissteigerungen werden jedenfalls dazu führen, bau der Verbrauch eingeschränkt wird. Die rücksichtslose Erhöhung der Preise wird um so weniger für gerechtfertigt gehalten, da es durchaus nicht an Rohöl mangelt, und die Förderung beliebig gesteigert werden fann. Auch in Amerika besteht kein Atangel au Rohöl. Einstweilen ist so viel sicher, daß die Petroleumgeiellschaften sofort ins Leben treten werden, sobald die Pelroleumorganisation unilinslößlich beschlossene Sache ist. Schönen Stutzen wird hieraus voraussichtlich die Oesterreichische Kreöitanftalt ziehen, welche die in ihrem Portefeuille befindlichen Aktien der Fiumana Petroleumraffinerle - Gejellschaft uiid der Galizischen Staphia-Gesellfchast ohne weitere Formalität aui den Dtarkt bringen tonnte. Der Nutzen aus diesen beiden Ge­schäften würde sicher eine höhere Dividende im befolge haben.

Gsieildaljn-Zeilimg.

Nach denBerl. Polit. Nachr." erbrachten dieP reußi. f 11 6,1015 b°hu e n in den ersten acht Monaten des Jahres 1903 'M ganzen 1031 Millionen M k. Betriebseinnahmen, das ist über 66 Millionen Mk. mehr als im Bort j a h r e. .