Ausgabe 
23.2.1903 Siebtes Blatt
 
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über dieses Gesetz 'zusammen in den Worten: Klein, aber ganz niedlich. Es sei ein bedeutsamer Schritt, der hier getan werden solle. Abg. Gamp (frk.) steht im Prinzip auf dem Boden der Vorlage. Minister v. Rhein--» bab en bestreitet, daß durch das Gesetz das Budgetrecht das Hauses gefährdet werde. Tie Vorlage geht an die Buüget- lommission. Schluß 3 Uhr.

Der ZÄinisterrvechseL in Kapern.

München, 22. Febr. Der Staatsrat im Kultus­ministerium Dr. Wehner ist zum Kultusminister er­nannt morden. Die gesamte Zentrumspresse fordert energisch auch den Rücktritt der Minister v. Riedel und Feilitzsch. Wenn alle Minister katholischen Glaubens seien, könne das katholische Volk Bayerns ruhig werden. Nach der Stimmung in den höchsten Kreisen zu urteilen, ist der Rück­tritt der genannten Minister nur eine Frage der Zeit.

Heer und Flotte.

Breslau, 22. Febr. Ter Kommandeur des 8. Tra- goner-RegimentsKönig Friedrich III." in Oels, Oberst Zchalsch a von Ehren feld, wurde auf der Rückfahrt von Breslau nach Oels im Zuge vom Schlage ge­troffen und verstarb auf der Stelle.

Aenezuela.

Der Kaiser empfing am Samstag den Gesandten Pelldram anläßlich dessen Abreise nach Caracas.

Es ist das Versprechen gegeben worden, daß der d eut s che K o mm o d o r e die weggenommenen ve- nezolanischen Schiffe in Porr os Spain heute (Mon­tag) zurückg eb en wird. Als die Protorolle unterzeichnet wurden, war es die Absicht der Vertreter der verbündeten Mächte, daß die Uebergabe in den venezolanischen Ge­wässern erfolgen solle. Tas amerikanische Kanonenboot Marietta" bringt die venezolanischen Offiz ere und Mann­schaften zur Bemannung der Schiffe naaj Port of Spain. Inzwischen, so heißt es, würden von den Aufständischen Waffen und Schießvorräte in großem Umfange an unbe­wachten Häfen eingeführt. Castro habe keine Flotte, dies zu verhindern uno werde dadurch störrisch in seinem Verhalten.

Mitteilungen aus Willemstad zufolge sind die Meld­ungen über die angeblich von Venezuela über die Aufstän- dijcheri davongetragenen Siege falsch.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Februar 1903.

**Wolzo gen--Konzert". Wir machen wiederholt aufmerksam, daß das heute stattfmdende Konzert (Buntes Programm) des Freiherrn Ernst von Wolzogen präzise 8 Uhr beginnt. Die Firma Will). Rudolph hier hat in liebens­würdigster Weise einen Bechstein-Flügel zur Verfügung ge­stellt, und so sind Dank des glänzenden Programms und der trefflichen künstlerischen Leistungen alle Vorbedingungen er­füllt, um denWolzogen-Abend" zu einem künstlerischen Ereignis unserer Saison zu gestalten.

** Gewerbegerichtswahlen. Wir weisen darauf hin, daß für diese Wahl, welche jetzt zum ersten Male nach den Grundsätzen der Verhältnisivahl stattfindet, von den interessierten Kreisen Wahlvorschlagslisten aufgestellt und spätestens Freitag, den 2 7. Februar, bei der Bürgermeisterei eingereicht werden müssen. Die Vorschlags­listen müssen für Arbeitgeber und Arbeiter getrennt aus­gestellt sein; jede muß 12 Namen der als Beisitzer vorge­schlagenen Personen enthalten. Tic Listen für Arbeitgeber müssen voil mindestens 20 wahlberechtigten Arbeitgebern und die für Arbeiter von mindestens 20 wahlberechtigten Arbeitern unterschrieben sein. Die Personen der .Borge- schlagenen müssen unzweifelhaft zu erkennen sein. Zur Ver­meidung unliebsamer Ueberraschungen wird cs sich cm- vfehlen, derartige Vorschlagslisten rechtzeitig aufzustellen und cinzureichen.

-i-- Darmstadt, 22. Februar. In der letz­ten M i t g l i c d e r - V e r s a m m l u n g des Heil- stättenVereins für das Großherzogtum führte der stellvertretende Vorsitzende Regierungsrat Dr. Dietz, (Ober­bürgermeister Dr. Morneweg hat das Amt des Vorsitzenden nach der letztjährigen Versammlung niedergelegt), den Vor­sitz. Tie Mitglieder des Landesausschusses wurden gewählt, der aus seiner Mitte demnächst den Vorstand zu wählen hat. Uebcr die Genehmigung der Mittel für den Bau einer Lungenheilstätte für wciblibc Personen, entspann sich eine längere angeregte Besprechung, an der sich außer den Vorstandsmitgliedern namentlich Geheimrat von Ga g e r n- Mainz, Medizinalrat Dr. Weckerling-Friedberg, Kreis­rat ff er t - Alzey, Kreisrat t te. l m an n-Heppen­heim, Oberbürgermeister K ö h l e r - Worms, Kommerzienrat D i e s f e n b a cli Darmstadt und Dr. Sell Reichelsheim be­teiligten. Stadtbaumeister Metzler von Worms besprach die von ihm für die beiden in Aussicht genommenen Bau­plätze zu Winterkasten und Hambach entworfenen Bau­programme, während Bauskizzen unter der Versammlung zirkulierten. Ter Antrag des Vorstandes fand mit großer Mehrheit Annahme. Nach diesem Antrag wird der Vor­stand ermächtigt, eine Heilstätte für weibliche Lungenkranke zu errichten. Tic Heilstätte soll zunächst zur Aufnahme von 5060 Kranken dienen, es soll aber die Möglichkeit gegeben werden, sie entsprechend zu vergrößern. Lie Kosten der Heilstätte, einschließlich Grund­erwerb, Weganlage usw. sind so zu bemessen, daß die Ausgaben für ein Krankenbett sich nicht höher als 6000 Mark stellen. Soweit die Kosten nicht durch freiwillige Zmvendungen aufgebracht lverden, wird der Vorstand er- mächtigt, Darlehen aufzunehmen. Als Platz für die Heil­stätte wird in erster Linie die Gemarkung Winterkasten in Aussicht genommen. Sollten sich der (Ärichtung dort unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellen, dann ist der Vorstand ermächtigt, einen anderen geeigneten Platz zu lvählen. Ter Vorstand hat die Befugnis, die eigent­liche Bauausführung durch einen, aus seiner Mitte zu wählenden Bauausschutz betreiben zu lassen und diesen Bauausschuß durch Sachverständige zu verstärken. Ter Bau ist nun gesichert, und es liegt vornehmlich an den Vereinsmitgliedern, dem menschenfreundlichen Unterneh­men neue Freunde zuzuführen, die geneigt sind, durch eine Beitragszahlung das Vereinsbestreben zu unterstützen. Ta der Mindestbeitrag auf 2 Mark pro anno festgesetzt ist, ift e5 auch Minderbemittelten ermöglicht, dem Vcr.ine bei­zutreten.

Mainz, 21. Febr. lieber die wirtschaftlichen Verhältnisse im vergangenen Fahre äußert sich der soeben fertiggestellte Jahresbericht der Handelskammer

folgendermaßen:Der Rückgang in der gewerblichen Pro­duktion, welche im Frühjahr 1900 plötzlich einsetzte und während des ganzen Jahres 1901 anhielt, hat sich in der ersten Hälfte des Berichtsjahres größtenteils fortgesetzt, ob­wohl hier bei einzelnen großen Industrien sich bereits An­zeichen der Besserung geltend machten. Insbesondere war es der Kohlen- und Eisenindustrie gelungen, Dank ihrer Organisation und der Aufnahmefähigkeit des Auslandes, namentlich der Vereinigten Staaten, die angesammelten Vor­räte zum größten Teil abzustoßen und dadurch die Produktion mit dem Absatz wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ohne daß die Produktion wesentlich eingeschränkt zu werden brauchte. In der zweiten Hälfte des Jahres befestigte sich die Lage dieser Industrien, die Produktion konnte gesteigert loerbcn und auch bei einigen anderen Großgewerben machte sich stärkere Nachfrage, bei einzelnen Industrien sogar ein verhältnismäßig guter Geschäftsgang geltend. Im Allgemeinen herrschte indeß noch große Zurückhaltung und ein rechtes Vertrauen auf die Besserung der wirtschaftlichen Gesamtlage kann nicht aus- kommen. Hieran trug die Schuld der niedrige Preisstand der meisten wirtschaftlichen Erzeugniffe auf der einen, der verhältnismäßig hohe Stand vieler Lebensrnittel auf der anderen Seite, und der Druck, der infolge der Ungewiß­heit über die Endziele unserer Zoll- und Handels­politik und infolge der Ueberhandnahmc der Handels- und industriefeindlichen wirtschaftspolitischen Strömungen auf dem gesamten gewerblichen Arbeitsfeld lastete."

Frankfurt a. M., 21. Febr. Die Frankfurter Orts­gruppe des Deutschen Schriftsteller-Verbandes veranstaltet zu Gunsten des Frau Rath-Denkmals und der Schitler- stiftung am 28. Febr. im Saale der Loge Carl unter Mit­wirkung hervorragender künstlerischer Kräfte einen Festabend, der in der Vorführung lebender Bilder, einer dramatischen Aufführung sowie musikalischen und deklamatorischen Dar­bietungen besteht. In der Fabrik der deutschen Vereinigten Schuh-Maschinen-Gesellschaft entstand heute Nacht Großfeuer. Der Dachstuhl und das obere Stockwerk wurden völlig vernichtet. Zahlreiche wertwolle Modelle sind verbrannt. Der Schaden ist bedeutend.

Darmstadt, 21. Febr. Einer Nachricht derDarmst. Ztg." aus Bombay zufolge reifte der Großherzog heute von da nach Suez ab. Die Ankunft in Kairo wird zum 5. März erwartet.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Eine Wormser Vertrauensmänner- Versammlnng der Zentrumspartei des Wahlkreises Worms- Heppenheim-Wimpfen beschloß einstimmig, für die Reichstags­wahlen einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Der am Dienstag Nachmittag in dem Schacht an der Konstablerwache zu Frankfurt durch eine Explosion verunglückte Arbeiter Schultheis aus Langenselbold ist seinen Brandwunden er­legen. Aus Marburg vom 20. d. M. wird geschrieben: Das gestrige dritte Gesamtgastspiel des Frankfurter Schau­spiels brachte uns Maeterlincks SchauspielMonna Vanna". Der Besuch der Vorstellung ließ nichts zu wünschen übrig. Dte Gesamtdarstellung verfehlte auch gestern ihre Wirkung nicht. Die Festspiele im König!. Theater zu Wiesbaden finden in diesem Jahre im Juni statt und zwar im Anschluß an den Frankfurter Männergesangswettstreit. Bei dieser Ge­legenheit kommen der Kaiser und die Kaiserin nach Wiesbaden.

Vermischtes.

* Prinzessin Luise. Wie denDr. N. N." aus Salzburg gemeldet wird, ist die Reise der Groß- herzogin von Toscana nach Nyon zur Prinzessin Luise definitiv aufgegeben worden. Bezüglich des züglich des künftigen Aufenthaltes der Prinzessin schweben noch Verhandlungen.Petit Bleu" erfährt aus Lausanne, die Verhandlungen zwischen der Prinzeffin und dem Groß- Herzog von Toscana über eine eventuelle Rückkehr zu ihren Eltern seien auf gutem Wege zum Abschluß zu gelangen. Die Prinzessin soll bei ihrer Familie immer noch dasselbe Entgegenkommen finden wie früher. Die Abreise der Prinzessin soll bereits in einigen Tagen erfolgen. (?) Prinz Friedrich Christian hat in der Nacht zum Sonn­tag gut geschlafen. Das Allgemeinbefinden ist gut, die Tem­peratur normal.

* Kiel, 22. Febr. Gestern ereignete sich auf dem SchulschiffStos ch" während dessen Uebersahrt nach den Azercn cm Unglücksfall. Tcr aus Berlin gebürtige Seekadett Kurt Schäden berg stürzte aus dem Vor­mars herab und zog sich komplizierte Brüche beider Beine zu.

* Klein enberg (Kreis Büren), In der letzten Nacht brannten bei starkem Südweststurm 44 Häuser, dar­unter das Postgebäude, die Schule und das Pfarrhaus ab. Tie Postsachen sind zumeist ein Raub der Flammen ge- worden. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.

* Hürtgen bei Düren, 22. Febr. Gestern abend 7 Uhr brach hier Feuer aus, das infolge des herrschen­den Sturmes sich rasch ausbreitetc und über 90 Häuser einäscherte, darunter die Postagentur. Viel Vieh, beson­ders Kleinvieh, ist umgekommen. Stehengeblieben sind das Pfarrhaus und 56 Häuser. Heute früh konnte, nach­dem der Sturm sich gelegt hatte, dem Feuer Einhalt getan werden. Heber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt.

* Lille, 21. Febr. In der Kesselfabrik von Monlius wurden durch Umstürzen eines 4000 Kilogramm schweren Eisenbahnblockes z w e i A r d e i t e r zu einer unförmigen Masse zermalmt, während zwei andere Arbeiter schwer verletzt wurden.

Lüttich, 22. Febr. Zwischen klerikalen und liberalen Studenten der hiesigen Universität kam es gestern abend zu heftigen Zusammenstößen, wobei mehrere kleri­kale Studenten s ch lv e r verletzt wurden. Anlaß gaben die Klerikalen, dadurch, daß sie das Tragen einer neuen Couleur beschlossen hatten. Man befürchtet weitere Zwischenfälle.

* Paris, 21. Febr. In Vossy im Rhone-Departement beging ein Notar Selb st m o r d, indem er sich ins Wasser stürzte. Derselbe hatte die bei ihm hinterlegten Tepotgclder unterschlagen. W., es heißt, belaufen sich die Verun­treuungen auf eine halbe Million Francs. In der Ortschaft Landrais verbrannte gestern bet einer Feuers­brunst etn Greisenpa ar, von den der Mann 84, die Frau 75 Jahre zählte

* Marseille, 22. Febr. 5 Kilometer von der Stadt fand gestern ein Zusammcnsto ß zwischen einem Auta­rn ob ilw agen und einem Fuhrwerk statt. Ein In­sasse des Automobils wurde getötet und 4 andere schwer verletzt.

Madrid, 22. Febr. Auf der Station 211 ora streß ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen, wobei dreizehn Personen verletzt wurden.

* R o m , 22. Febr. Ter Advokat C a st r a t i wurde bei der Besteigung des Gransasso mit seinen beiden Führer von einem S ch ncc st u r m überrascht. Alle drei stürzten in einen Abgrund. Eine Hilfskolonne fand gestern ihre L e i ch n a m c.

* New-Port, 21. Febr. Ein großer Schnee- sturm wütete auf Neufundland. Eine Depesche aus St. Johns besagt, daß zwei Schnellzüge mit hunderten von Passagieren im Innern der Insel ein geschneit sind. Der eine dieser Züge war vier Tage lang von allen Nahrungsmitteln abgeschnitten und die Passagiere schwebten, da alle Versuche, den Zug herauszuschaffen, fehlschlugen, in der größten Angst, Hungers sterben zu müssen. Hilfs­züge sind sofort an die Stelle der Schneeverwehungen abge­sandt worden. Es herrscht eine grimmige Kälte. Das Ther­mometer zeigt 4 0 Grad nute r 91 u l l.

Uebcr den Run auf die Prager Sparkasse wird noch berichtet, daß allein im Laufe des ersten Tages mehr als eine Million Kronen zur Auszahlung gelangten. Die Sparkasse ift im Anfänge des vorigen Jahrhunderts gegrün­det worden, hat 230 Millionen Kronen Einlagen, aber mehr als 280 Millionen Kronen an Aktiven und Reserven. Der Ansturm wird auf die Kasse von tschechisch-nationaler Seite über das ganze Land ausgedehnt, weil die Kaffe seit jeher stets unter deutscher Leitung stand. In allen tschechischen Städten und Dörfern werden die Einleger durch Zirkulare und Zeitungen aufgefordert, ihr Geld aus der Sparkasse zurückziehen. Trotzdem am Samstag die Auszah­lungen bis in die späten Nachtstunden geleistet wurden, konn­ten doch nicht alle Personen, welche die Rückzahlung ihrer Einlagen forderten, abgefertigt werden. Diese und andere Einleger, erschienen am Sonntag bei den Schaltern, doch war das Gedtange nicht mehr so groß. Auch die Ansammlungen vor dem Sparkassen-Gebäude haben nachgelassen. Bis Sonn­tag nachmittag sind an 1005 Einleger 12 8 0 000 Kronen zurückgezahlt worden. Wie verlautet, hat die Polizei gegen den Redakteur der Katholike Listi, Mislovec, wegen des Verdachts, der Urheber der beunruhigenden Nachricht zu sein, eine Untersuchung eingeleitet.

*Draga und Alexander. Wie die höchsten Herr­schaften von Serbien, die wieder mal aktueller in der Nähe aussehen, wird in derBoss. Ztg." geschildert. Man schreibt dort: Er und Sic. Oder eigentlich: Sie und Er. Tenn sie interessiert mehr als er. Sie ist kaum mittel­groß, bedeutend an Körperfülle. Besonders die Hüften und Umgebung. Von einer Taille ist fast gar keine Spur. Tic Aermel sind von den Armen bis zum Nahtplatzen ausgefüllt. Tie Büste ift imposant. Der Hals ist Ltrz und apoplektisch, aber das Gesicht? Eigentlich sieht man vom ganzen Gesicht nichts als ein Paar kohlschwarzer, rollender, feuriger, strahlender Glutaugen. Dido, Calypso, Circe, Egeria haben wohl solche Augen besessen. Ob dem Glanze und die Ueberintelligenz dieser Augen vergißt man, daß die Nase stumpf, der Mund allzugroß, die Zähne nicht tadellos und bläulich, die Ohren ^erschreckend groß sind. Man beachtet nicht, daß in der Schläfengegend hunderte von kleinen Falten und Linien auf längst vollendete Groß­jährigkeit Hinweisen, daß die Gesichtsfarbe ein fahles Gc misch von Lebkuchengelb und Mörtelgrau ist, und daß das spärliche schwarze Haar von weißen Faden durchzogen wird. Tie zauberischen Augen machen, daß wir dieses in den Einzelheiten so unschöne Antlitz dennoch sympathisch finden. Wenn sic spricht und sie' tut das fortwährend, mit einer gewissen Afscktation und Prcziosität, und mit unangenehmer unausgeglichener Stimme, schlägt sie die Augen wie schwärmerisch zu dem auf, der vor ihr steht, und tausend Funken und kleine Blitze stteben und zücken in den dunklen Pupillen. Diese Augen strahlen ein lieber maß von Intelligenz aus, sie sprechen von größter Leiden­schaft und tiefstem Empfinden, sie erzählen von einem nicht alltäglich regelt Seelenleben. Tiefe, schwarzen Augen sind hochmüttg, und dennoch liegt oft ein unverkenn barer Ausdruck von Demut in ihnen, von Demut, die in der nächsten Sekunde in flammenden, lodernden Stolz umschlägt.... Aber ihr Gang ist watschelnd wie der einer Ente, undihr Kopf gleicht einer Birne". Er steht neben ihr, plump, vierschrötig, groß mit ungeheuren Han den und Füßen, ein goldbebrilltes Vollmondsgesicht mit nervös blintzelnden kleinen, schwarzen Augen, und ewig zuckenden, dicken Nasenflügeln. Vom Munde ist nichts zu ;chen, ein buschiger Schnurrbart bedeckt sogar die Unter tippen. In seinem rechten Arm ruht ihre Hand, ein kleines, molliges, gefülltes Pölsterchen. Sic spricht für ihn; er setzt zeitweilig ein verlegenes Lächeln auf und crgebungsvoll nickt er dazu. Aber seine Stirn ist gefurcht. e>ie trägt ein einfaches Trauerkleid genre tailleur, er die serbische Marschalluniform.

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Berlin, 21. Febr. Tic Strafkammer hat den Haft­entlassungs-Antrag des Rechtsanwalts Lieb ling, der in der Angelegenheit der gefälschten rumänischen Rentenscheine stark o.lastet ift, abgelehnt.

Paris, 22. Febr. Im Prozeß Cattani -Humbert wurden die Angeklagten Humbert im Sinne des An träges des Staatsanwalts von der Anklage, den Bankier Cattani verleumdet zu haben, freigesprochen. Das Publikum nahm das Urteil beifällig auf.

Petersburg, 22. Februar. Ter frühere Poli­zei m c i ft c r von Kronstadt, Oberstleutnant Schaf- r o w, ist nach 24tägiger Verhandlung wegen Bestechlich­keit und Fälschung zum Verlust aller besonderen durch Geburt und Stand ihm zustehenden Rechte und Vorzüge, verurteilt, außerdem auf Verlust seiyes Ranges und seiner Orden, auf Ausschluß aus dem Militärressort und auf Einreihung in eine Militär * Ar restanten-Kompagnie für zwei Jahre erkannt worden. Ferner muß der Verurteilte 2300 Rubel unter­schlagene Gelder zurückzahlen. Von einer sofortigen Ver­haftung Schasrows nahm das Gericht gegen Hinterlegung einer Kaution von 2000 Rubel Abstand.

Kirche und Schule.

Rom, 22. Febr. Bischoi Korum von Trier hal gestern die R ü ck r c i i e nach T e n i s ch l a u d angetreten.