Ausgabe 
21.12.1903 Drittes Blatt
 
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Montag 21. DezemH'!" 1903

Nv. 399

153. Jahrgang

Drittes Blatt

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.

verantwortlich füt den aflgtmetnfn Ittt: P. Wittko: tüt den Qln^elgenteU: H. Bed.

Rotationsdruck und Verlag der Vrü hl lchen UntDcrfitätSbruderet (Pietsch Gießer*.

MioerMs Uachrichlrn.

Nach 'ber neuen Prüfungsordnung Nerzte Huben beEanntlid) die Kandidtaten der Me

Gertchlslaai.

Eine menschliche Bestie. Das Schwurgericht m Zweibrücken Halle sich dieser Tage mit einem entmenschten Weibe zu besahen, das ein 3*/2 jähriges Kind grausam mißhandelt und dann gemordet hatte. Der verwitwete Bergmann Buchholz von Niederberbach wohnte mit seinen zwei Kindern im Aller von 2 und 3'^ Jahren bet den Eheleuten Färber in Miltelberbach. Nach dem Tode des Färber blieb Buchholz als Kostgänger bei der 30jährigen Wilme Färber, die auch seine Kinder in Pflege nahm. Während die Frau die zweijährige Lina Buch« Holz leiden tonnte, zeigte ste gegen die 3* rjährige Frida Abneigung, die sich zu ausgesprochenem Haß steigerte. Ohne Grund wurde das Kind geprügelt, zu Boden geworien, eingesperrt und am gebunden. Der Angellagten war es egal, mit was sie das Kind schlug Tie rohesten Mißhandlungen mußte dieses hinter ver­schlossenen Türen aushalten. Tie Nachbarn mußten tagtäglich die Iammerschreie des Kmdes anhören. Allgemein war im Torfe die Meinung verbreitet, das Kind sollte aus der Welt geschafft werden. Am 10. August hat die Angeklagte dem Kmde eine st ark- prozentige alkoholische Lösung von Kalmusöl eingejchültet, das Kind auf den Boden der Küche gelegt und das Fläschchen, in dem der Spiritus enthalten war, daneben geitellt. Sie selbst ist dann zu einer Nachbarin gegangen und hat sich dort p/2 Stunden aufgehalten. Kaum war die Angeklagte m ihre Woh­nung zurückgekehrt, als sie auch sofort wieder zu der Nachbarin lies und'jammerte, das Kind müsse von dem Zeug, mit dem sich Buch­holz emrelbe, getrunken haben. Bald daraus ist auch das Kind gestorben. Nach dem ärztlichen Befunde der Leiche war der Körper in unmenschlicher Weise zugerichtet, außer den vielen Blutunter­laufungen waren die Lippen, die Zunge, die Speiseröhre u. s. w. durch den 8öprozentigen Spiritus verschorft. Die Geschworenen bejahten die Fragen nach Totschlag und Körperverletzung unter Ausschluß mildernder Umstände. Ter Gerichtshof verurteilte die Angeklagte wegen des Totschlags zu einer Zuchthausstrafe von acht Fahre n, wegen der Körperverletzung zu einer Gefängnis­strafe von vier Fahren und zu einer Gesamtzuchthaus­strafe von zehn Jahren, ferner zu zehn Jahren Ehr- vertust.

ältere Linie je 1.

Einen Zuschuß zu den Mitteln der Unioer«- ität Rostock hat der mecklenburgische Landtag ab­gelehnt mit der Begründung, daß dieser Zuschuß eine Sache besLandesregiments" sei. Damit ivar der prinzipielle Stand­punkt gewahrt. Da aber das Bedürfnis nicht abgeleugnet werden kann, erklärte der Landtag sich bereit, an dieMeuterei" eine Art Zentralkaffe einen ähnlichen Betrag zu zahlen, als man der Universität verweigert hat. Alan zahlte, aber das Prinzip ist gewahrt man erkennt die Unwersi ät nicht als ein Institut an, das aus allgemeinen Landesmitteln erhalten werden muß.

Wie verlautet, steht eine außerordentliche Auszeichnung des Geheimrats Professor Riedler von der technischen Hochschule in Eharloltenburg seitens des Kaisers bevor. Bekanntlich hat Riedler einen Ruf an die Wiener technische Hochschule auf be­sonderen Wunsch des Kaisers abgelehnt.

Heidelberg, 18. Tez. Hier bildete sich eine Ortsgruppe des akademischen Schutzvereins für die Produktion und Konsumtiv geistiger Arbeit.

Paris, 18. Tez. Die Acadömie des insenpttons et der beiles Lettres wählte Professor von Wilamoivitz-Atöllen- d o r f f von der Universität Berlin zum korrespondierenden Mit- gliede.

dizin nach der Beendigung der ärttttchen L>taatsprumns ein Jahr lang sich als Praktikanten in Kliniken, Krankenhäusern oder medizinischen wissenschaftlichen An­stalten zu betätigen. Für die Ausbildung der -prarttkanten der Medizin kommen an erster Stelle die Untversrtats- kliniken und Universitätspolikliniken in Betracht. Ta Die Zahl dieser und der Umfang ihres Krankenmaterials nicht dazu ausreicht, daß sic neben ihren bisherigen Aufgaben die neue der Prak.ik-.n^enausbildung übernehmen können, ist vorgesehen, daß auch andere Heilanstalten und wissen- schastlichc Institute zur Annahme von Praktikanten er­mächtigt werden. Das erste Verzeichnis dieser ermächtigten Anstalten mit Angabe der Zahl der -Praktikanten, welche jede von ibnen als Meistzahl annehmen darf, liegt jetzt vor. Es ergibt sich daraus, daß außerhalb der Univer- sitätsanstalten im engeren Sinne an Krankenhäusern ver­schiedener Art und wissenschaftlichen Instituten im Teut- chen Reiche 106.3 Praktikantenstellen den Unterrichtsverwalt- unaen im Deutschen Reiche offen stehen. Jährlich erlangten nach dem Durchschnitt der drei Jahre 18V8/V9 bis 1000/01 an den Universitäten des Deutschen Reiches rund 1360 Kandidaten der Medizin die Approbation als Arzt. Wenn alle offen stehenden Praktilantenstell-en an Krankenhäusern und Instituten, die nicht dem Verbände von Universitäten angeh^ren be.etzt werden, verble.ben noch 27 7 Kandidaten der Medizin nbttg, für die Praktikantenstellen an den Uni­versitätsanstalten zu beschaffen wären. Ta wir im Deut-» scheu Reiche 20 medizinische Farultäten haben, brauchen nur etwa 14 Praktikanten an jeder medizmijchen Fakultät untergebracht zu werden, damit wäre der gesamte Bedarf an Prartikantenstellen gedeckt. Tatsächlich wird sich aber die Besetzung der Praktikanrenstellen umgekehrt gestalten, wie oben der leichteren Uebersicht wegen angenommen wurde. Am begehrtesten werden die Praktikantenstellen an den Univerjitatstlintken und Univerfilätspolrkliniken fern und eine jede medizinische Fakultät wird tm stände fein, das Mehrfache der ange.etzten Zahl von Praklitantcnstellen zu besetzen, da auch neben den Kliniken die pathologischen Anstalten und Laboratorien rn Betracht kommen. Aller Voraussicht nach wird man einen Teil der offen stehenden Praktitäntenstellen sogar unbesetzt lassen können. "Nach alledem ist es sicher, daß die wirtschaftlichen Unterlagen ür eine der wichtigsten Steuerungen des medizinischen Stu- )iums in Deutschland, für das praktische Jahr, vorhanden sind. Von den Praktikantenstelien an ermächtigten Kranken- yänsern entfallen auf Preußen 628, auf Bayern 108, auf das Königreich Sachfen 100, auf Württemberg öO, Baden 41, Hamburg 37, Bremen 19, Reifen 17, Braunschwerg 14, Mecklenburg-Schwerin 12, EPaß-Lothringen 11, Sachsen- Altenburg 8, Sachsen-Meiningen 7, Koburg, Anhalt, Lübeck je 6, Oldenburg 4, Sachsen-Weimar 3, Acealenburg^Strelitz und Reuß jüngere Linre je 2 und Rudolstadt und Reuß

willigen.

Daß die bestehenden Verordnungen genügen, zeigen die in den Parlamenten Hessens und des Reiches zur Sprache gebrachten Vorgänge bei den Arbeit er unruh en in M a i n z und in K r i m m i t s a u. In Mainz haben die staatlichen Organe /sowohl Polizei wie Gericht, Besonnenheit und Müde walten lassen, was von den Regierungsvertretern mit Genugtuung hat festgestellt werden können. In Mainz wie in Krimmüschau aber sind die Arbeitswilligen auch ge­nügend geschützt worden gegen allen Streikterrorismus. Tie beiden beklagenswerten Vorgänge haben zugleich das Soli­daritätsgefühl von Arbeitgebern wie Arbeitern voll ins klare Licht gestellt. Dabei hat der Abg. Ulrich wieder einmal die ihm, wie es scheint, mehr zum körperlichen als mm geistigen Wohlbefinden nötige Gelegenheit gefunden, das Gegenteil von parlamentarischer WohterzogenheU zu be­werfen und in Worten fiu? zu ergehen, die recht offen­bachrisch klangen, was man anderswo mit ungarischen oder tschechischen Manieren zu bezeichnen flegt. Alan wies ihm nach- wie frivol seine, Behauptungen von dem Mainzer Maurerelend waren, und er mußte schließlich selber zuaeben, welche Feinschmecker die jüngeren, also kräftigeren und ihre Arbeit am besten verrichtenden und demnach belohnten Maurer zu sein pflegen. Ebenso frivol ist dre Aufforderung derLeipz. Volksztg", dre deutsche Arbeücr- schajt tatsächlich zum Generalstrerk aufzufordern. Er wurde die deutsche Volkswirtschaft und mit rhr dre deutsche Arbeiterschaft, die beide solidarische Konkurrenz-Interessen auf dem Weltmarkt haben, u n g e h e u e r s chä d i g e n und obendrein unwiderleglich beweisen, welche Macht unser beutiaer Staat und unsere heutige Wirtschaftsordnung, an der sich im wesentlichen nie etwas Grundlegendes andern kanrt noch wird, bedeuten. Und sein Fiasko würde nicht nur eine ungeheure materielle Schädigung bec Arbeiter )em, sondern, was diese Leute nicht sehen, auf eine schwere ^chädiauna der sozialdemokratischen ArberreL-bewegung selbst binauslausen. Jeder wahre Freund einer moralischen und materiellen Wetterentwicklung des Arbetrerstandcs kann daber gegenüber diesem Gedanken nur zur Besonnenheit raten. Eine Lehre freilich wird aus den Maitrzer und Krun- mitschauer Vorgängen auch für die 6ärgerliche Gesellschaft zu .ieücn sein: Tie Erbitterung, mit der hier die harten Kopse über die Prinzipienfrage auf einander gerteten, wäre viel­leicht weniger arg, wenn heute schon allenthalben m der deutschen Ge we r v e au s sich t, wie das von verschiedenen Seiten im h e s s i s ch e n L a n d r a g beantrage worden war, .Hilfsbeamte aus Arveitertreisen säßen uiw wenn wir bereits jene berufsständige Organisation und ^er- t r e t u n a d e r A r b e i t e r s ch a f t besaßen, au Die nach dem hessischen Ausschußantrag vom 15. d. M. im Bundesrat binaewirtt werden soll. Diese lönnten stets in genauer Auv- Äche und in alter Ruhe Huben wie drüben veryandeui und 'o wohl in den meisten Fällen Aeußcrstev vermeiden. Ev 'st erireulicku daß, wie die Mehrheit der 2. Hess. Kammer, auÄ der Reichskanzler sich rn dieser Frage ver e p u -

tation nicht sozialdemokratischer Arbeiter gegenüber entgegenkommend verhalten hat.

Alle Parteien waren sich in der mrzen Beratung im Reichstage über die vorläufige Fortsetzung unseres bisherigen handelspolitischen Verhältnisses zu England dar­über klar, daß Deutschland nicht die englischen Schutzzollpläne dadurch fördern darf, daß es das Mutterland oder irgend eine Kolonie entgelten ließe, wenn ein Teil des britischen Reiches uns gegen das englische Mutterland benachteiligt. Das wäre ja gerade, was Chamberlains Pläne zur wirtschaftlichen Einigung Großbritanniens am meisten fördern könnte: Stärkung des grotzbritischen Solidaritätsgefühis Chamberlain mackst ohnehin unerwartete Fortschritte. Zwei Ersatzwahlen in der Umgebung Londons, bei denen osten­tativ die Frage: ob Freihandel, ob Schutzzoll zur Wahl­parole gemacht worden war, brachte den Liberalen herbe Verluste, weil sie sich willig mit der Sache des Freihandels identifiziert hatten. Und Chamberlain hat, nachdem er jetzt von seiner Redetournee nach London zurückgekehrt ist, die Genugtuung, daß eine Reihe bedeutender Industriellen und Kaufleute sich unter seiner Aegide zusammengetan hat, um einen Schutzzollplan auszuarbeiten, der ganz Groß­britannien selbst die Arbeiter befriedigen soll. Er wird dann zum Schlachtruf für die Parlamentswahlen werden.

VoMische Wochenschau.

Das Echo des Rede-Duells Bebel-Bülow ist /erklungen und als wichtigstes Ergebnis klingt der Re­frain der Reichstänzlerrede nach:Kein Ausnahmegesetz gegen dre Sozialdemokratie". Politische Bewegungen, auch die der Sozialdemokratie, lassen sich mit Ausnahmegesetzen nicht totschlagen. Sie würden bei dem heutigen Stande der Anschauungen, die über Staat und Zukunftsstaat bei den sozialdemokratischen Arbeitermassen herrschen, auch durch­aus nur verbitternd auf das ohnehin schon so unglücklich gespannte Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeit­nehmer zurückwirken. Und Verschärflingen der sozialen Gegensätze wünscht auch heute der Unternehmer am aller­wenigsten. Mag die Sozialdemokratie auch noch so un­sozialistisch eine Bevölkerungsklasse absondern wollen vom übrigen Volke der Staat darf ihr umsoweniger auf dem Wege der Konsolidierung von Klassengegensätzen folgen, wie Ausnahmegesetze nur immer wieder-erfolgreich ge­deutet werden würden, weil von der Zufriedenheit der Ar­beiter wesentlich das Gedeihen der deutschen Industrie und des gesamten Wirtschaftslebens abhängt. Im übrigen hatte Graf Bülow vollkommen recht: unser Staatswesen und die Mehrheit der bürgerlichen Gesellschaft steht zu fest auf dem Boden der Gerechtigkeit und des sozialen Wohlwollens, als daß beide zu dem äußersten Mittel der Bekämpfung^ politischer Bestrebungen mit Gewalt schreiten müßten. Der Umsturz von unten, der nur in Worten besteht, darf nicht mit dem Umsturz von oben beantwortet werden. Und wann wohl werden den sozialdemokratischen großen Worten die Taten folgenDieTodfeinde des gegenwärtigen Staates", wie Bebel die sozialdemokratischen Führer genannt hat, haben in Dresden selber der bürgerlich!en Gesellschaft, die doch^ auch noch da ist, gerade den Beweis geliefert, wie wenig sie zur Herrschaft über sie gualifiziert sind.

Andererseits mehren sich nack) den Reden des Reichs­kanzlers jene Stimmen, die glauben machen wollen, daß mit Gesetzen gegen die Verbreitung sozialdemokratischer Meinungen vorgegangen werden müsse. Sie vergessen, daß der Erfolg ein purer Scheinerfolg sein würde. Gerade frei­heitliche staatliche Einrichtungen )inb das beste Bindemittel, das in kritischen Zeitläuften die Staatsmaschine in ihren Fugen zusammenhält, daß sie ungefährdet in eine ruhigere Zeit hinübergleitet. Nichts aus der Erfolglosigkeit des aiten Sozialistengesetzes hat in dieser Beziehung der General von Bogulawski gelernt, der in einer soeben erschienenen Brojchüre ein Ausnahmegesetz gegen di e Sozial­demokratie wieder verlangt Abschaffung der ge­heimen Abstimmung zu den Reichstagswahlen, und Ab­schaffung der Stichwahlen, Errichtung eines Oberhauses neben dem Reichstage, Einführung der Wahlpflicht usw. Einige dieser Gesetze zum Umstürze der von Bismarck ge­schaffenen Reichsverfassung würden direkt das Werk des Reichsbaumeisters Lügen strafen:Setzt Deutschland nur in den Sattel reiten wird es schon können." Im übrigen sind heute Betrachtungen darüber, ob solche Ausnahmegesetze mehr Helsen als schaden, müßig-. Denn eine Mehrheit dafür ist im Reichstage noch weniger vorhanden als vor drei Jahren für das sogenannte Gesetz zum Schutze der Arbeits-

TiefeF-inanzlage" ließ der englischen Presse doch > immer noch Zeit genug, sich mit der Krankheit des ; deutschen Kaisers, beinahe ausführlicher als die : deutsche Presse, zu befassen und daran lauge Betracht- : ungen über die weltpolitische Stellung Teutschlands und Englands cmzuknüpsen unbekümmert darum, daß durch den Empfang des Reichs t a g spr äsid ium s und durch : die Teilnahme des Kaisers an der Hofjagd in Göhrde und an den militärischen Festlichkeiten in Hannover, die sogar eine neue Kaiserrede brachten, der Beweis für die zur Tatsache gewordene volle Wiederherstellung des Monarchen geliefert ist.

Nicht weniger lenken aber auch die Ereignisse in Asien die Aufmerksam keck der britischen Staatsmänner auf sich. In Tib et ist den Engländern ihr erster Vorstoß in unwirtliches Gebiet säst vollständig geglückt. Tie Schwierig­keiten, die Rußland in der Mandschurei und mit Ja­pan hat, ließen den Augenblick zu diesem Vorstoß in ein von Rußland nicht minder beanspruchtes Interessen­gebiet ja so besonders günstig erscheinen. Rußland kommt Dagegen in seinen Verhandlungen mit Japan nicht vorwärts. TieKülu. Ztg." veröffentlicht aus einer russi­schen Quelle, die, wie das Blatt sagt, unterrichtet sein müßte, eine zusammenfassende Darstellung der letzten Ver­handlungen zwischen Rußland und Japan. Danach^ solle Rußland zwar geneigt sein, das Protekwrat Japans über Korea anzuerkennen und ihm für die Zukunft den Haupt­einfluß auf Koreas Politik zuzugestehen, es verlange ober volle, uneingeschränkte Handelsfreiheit in Korea sowie das Zugeständnis der Errichtung zweier befestigter milttärischer Stützpunkte in Masampho und Mokpho, mindestens aber die Überlassung von Masampho zum Schutze seiner Ver­bindungslinie WladiwostokPort Arthur. Japan habe die Frage der militärischen Stützpunkte glatt ab gelehnt und zu der Frage der Handelsfteiheit letztere illusorisch machende Gegenvorschläge gemacht. Statthalter Alexejew habe sich inzwischen energisch gegen die An­erkennung des japanischen Protettoraies über Korea aus­gesprochen. Andererseits sei Großfürst Alexander Michail o witsch wegen des Fehlens geeigneter Docks zu Schiffsrepararuren in Ostasien gegen einen Krieg, Staatssekretär Besobrasow aber für einen Appell an die Waffen. Ter Zar selbst sei ebenfalls gegen einen Krieg, so lange es mit der Ehre und dem Ansehen Rußlands vereinbar sei. Auch Gras Lamsdorff hoffe noch aus eine Verständigung. Es sei anzunehmen, daß die Verhandlungen in der Hoffnung weitergeführt werden, einen beiderseits befriedigenden Ausgleich herbeizuführen. Daily Expreß" dagegen erfährt, die britische Admi­ralität betrachtet die Sage in Ostasien so besorgnis­erregend, daß sie Vorkehrungen zur Mobilisierung der Torpedobootsflottille trifft. Es verlautet überdies, das englische Kanalgeschwoder sei angewiesen worden, die übliche Kreuzfahrt nach Weihnachten nicht über den Kanal hinaus auszudehnen. Tie Regierung von Korea ließ inzwischen offiziell mitteilen, daß die Ge­rückte über eine den Japanern erteilte Konzession zum der'Bahnlinie Söul-Wiju unbegründet seien.

Ein flotteres Tempo ist in das parlamentarische Leben Oesterreichs gekommen, seitdem in Wien Golu- chowski sein Expose über die auswärtige Politik Oester­reichs vorgetragen hat, das auch in Serbien nachhalti- gen Eindruck gemacht zu haben scheint. Kaiser Franz Josef hat die Delegationen empfangen, die dazu da sind, über die auswärtige Lage und über die Landesver­teidigung der Monarchie zu beraten und die soeben das Budoetprovisorium angenommen haben, nachdem ein All­deutscher für den engeren Anschluß Oesterreichs an Deutsch­land ein getreten war und man mehr noch über eine Zoll­union mit dem Deutschen Reich gesprochen hatte. Da ver­dient zum Schluß eine charakteristijche Aeußerung Erwähn- uno, die beweist, wie man in Oesterreich trotz allen Hasses doch noch von der alten deutschen Offenherzigkett ist. Bei dem Emvfange der Delegationen, unter denen sich beißblütige Nationalitätenrampfer befinden, sagte der Kaiser zu einem Abgeordneten:Sie lärmen auch überall, ljierunb im Landtage und überall." Daß Kaiser Franz Josef sich solchen pattiarchalischen Ton leisten kann, der in Berlin und auch in Dar mst ad t von gewisser Seite sehr übel aufgenommen werden würde, recht, welche Ehrfurcht er bei allen östteichischen Parteien genießt. Er ist geradezu das Symbol allgemeinen öftrer chischen monarchischen Gefühls.

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Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Del- B U igf UM C&. U' M U X jj iS 18 ..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. v U M W 'V v v V