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Gegen Schnupfen isr der Schnupfenäther „Forman" anzu» wenden, der ärztlicherseits mehrfach als „geradezu ideales Schnupfenmittet" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen For- man-Watte(Dose30Pfg.),bei starkem Schnupfen Forman-Pastillen (50 Pfg.), zum Inhalieren mittels Riechgläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken.. Man frage seinen Arzt. 8125
mäßig noch sehr jungen Jahren und hatte noch niemals in höheren Klassen unterrichtet. — Vvrs.: Was veranlaßte Sie, den Artikel „Wer bezahlt's" zu schreiben? — Dr. Ries: Weil ich es für sehr eigentümlich fand, daß zehn teilte auf Staatskosten zu der Tonnen- und Bakenschau, nach Bremerhaven fuhren, von denen nur ein einziger Fachmann war.
Es wird der Angeklagte Bi er mann vernommen. Tiefer bemerkt, er habe die Artikel ausgenommen, weil er glaubte, öffentliche Mißstände rügen zu sollen. — Bors.: Bon wein Haven Sie das Buweismalerial? — Bert. R.-A. Tr. Sprenger: Das Beweismaterial ist mir zugegangen. — Bors, (heftig mit sehr lauter Stimme): Ich muß es mir verbitten, mich bei meiner Vernehmung zu unterbrechen. —Bert. R.-A. Sprenger: Ich habe das Recht als Verteidi-- ger, bei der Vernehmung meines Klienten emzugreifen. Ich kann mit dies Recht unmöglich einschränken lassen, jvnst wäre die Verteidigung überhaupt überflüssig.
Bert. R.-A. Greving: Ich muß bemerken, daß ich auch nur mein Recht als Verteidiger wahre und kann mir den beschimpfenden, polternden und aufgeregten Ton des Herrn Vorsitzenden unmög- licy gefallen lassen. Sollte sich ein solcher Vorgang wie vorhin wiederholen, dann sehe ich mich in meiner Bertetdigung beschränkt und genötigt, dieselbe uiederzu- legen. — Bors.: Ich muß es entschieden zurüctweisen, daß ich ih beschimpfendem Tone gesprochen habe.
Es gelangen alsdann noch eurige Artikel zur Verlesung,.
Vermischtes.
*KaiserundLeutnaut. Oberst v. Köller ist mit der Führung der Breslauer Kavalleriebrigade beauftragt. Herr v. Köller ist berühmt durch seine nie versagende Schlagfertigkeit, die ihn, schon als er noch Leutnant war, selbst dem Kaiser gegenüber nicht im Stiche ließ. Bei einem Rennen in Potsdam stürzte er schwer; der alte Kaiser Wilhelm wohnte dem Rennen bei und ließ den so schwer verwundeten Offizier in seiner Equipage in das Krankenhaus bringen. Kaiser Wilhelm erschien dann wenige Stunden später selbst im Krankenhause, um sich nach dem Befinden Köllers erkundigen. „Was fehlt Ihnen, mein Sohn?" so fragte er teilnahmsvoll; v. Köller richtet sich auf und fagt militärisch: „Majestät eine Schwadron !" Der alte Kaiser lachite herzhaft und Köller wurde nach seiner Genesung Rittmeister und Eskadronchef. Als Rittmeister ist v. Köller lange in Berlin; er kommt zum Generalkommando des Gardekorps. Kaiser Wilhelm II. trifft ihn eines Tages bei einer Festlichkeit im Kaijerhos: „Run, Köller", so jagte er, „Sie sind schon ziemlich lange Rittmeister!" „Das finde ich auch", soll die prompte Antwort gelautet haben. Als Stabsoffizier war dann v. Köller in Pasewalk bei den 2. Kürassieren und hat darauf 5 Jahre lang die 9. Ulanen in Demmin befehligt. Als Rittmeister wat er die eigentliche Seele aller Veranstaltungen beim Distanzritt Berlin-Wien; am Steuer- Häuschen ftoiw er des Morgens und leitete das Ganze, wie der Berliner sagt. Unermüdlich sorgte er dann für die österreichischen Kameraden und sie werden aus den hellblonden schneidigen Rittmeister wohl mit liebenswürdiger Dankbarkeit zurüctblicken. Die alte Rosenbergsche Schule, das Reiten im coupierten Gelände, hat in Köller einen der eifrigsten Verehrer gesunden.
Nr. 274
Mrschetut tägltch außer Sonntags.
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Rotationsdruck u. Verlag de, Brühl'schen Untvers.-Buch- u. ©tein- druckeret (Pietsch Lrdech Redaktion. Expedition und Druckerei:
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In der vorigen Verhandlung stellten die Verteidiger : den Antrag, sämtliche Mitglieder des Gerichtshofes wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Diesem Beschlüsse sind inzwischen das hiesige Oberlandesgericht und auch das Reichsgericht beigetreten. Die Verhandlung beginnt mit dem Aufruf der Zeugen. Unter diesen bejiirdet sich Minister Ruhstrat, Regierungsrat Siebenbürgen-Berlin vom Reichs-Patentamt, Oberlandesgerichts-Präsident Schomann nebst sämtlichen anderen Mitgliedern des Oberlandesgerichts, mehrere Mitglieder des hiesigen Landgerichts, einige Offiziere, Gymnasiallehrer usw.
Der Angeklagte Tr. Gustav Ries bekennt sich als Verfasser der zur Anklage stehenden Artikel. Dr. Ries bemerkt: Am 1. Lftrrll 1902 wurde eine Oberlehrerstelle am hiesigen Gymnasium eingezogen. Obwohl ich nicht der jüngste Oberlehrer war, wurde ich an das Gymnasium zu Fever versetzt. Ich fühlte mich dadurch gekränkt, zumal ich pekuniär geschädigt wurde. Ich fühlte mich um so mehr gekränkt, da hie Versetzung eines Oberlehrers aus dec Hauptstadt an ein Gymnasium der Provinz noch niemals vorgekommen war. Ein preußischer Schulrat äußerte: Es muß doch ein trauriger Oberlehrer sein, pen man von der Resioenz in die Provinz versetzt! Ich fühlte mich um so mehr verletzt, da ia) der bestimmten Meinung war, meine Versetzung sei erfolgt, weil ich Mitbegründer des hiesigen Oberlehrer-Vereins lvar. Dieser Oberlehrer-Verein hatte , den Zweck, für Erhöhung der Oberlehrer-Gehälter zu wirken. Es wurde deshalb dem Minifteriunr eine Denkschrift eingereicht, in der es auch getadelt wu^de, daß nicht akademisch g e b i l d e t e L e h r e r, z. B. die am hiesigen Lehrer-Seminar angestellten, den Ti t e l „O b e r l e h r e r" e r h a lt e n. Ich war Verfasser der Tentjchrist, das lvar der Regierung bekannt. Es wurde auch in den Kreisen meiner Kollegen sofort, als meine Versetzung erfolgte, gesagt: „Tas ist die Folge der Denkschrift!" Ich war außerdem! Teilnehmer einer Oberlehrer-Konferenz, die gegen den Sohn des Ministers Ruhstrat wegen einer Straßenprügelei eine exemplarische Strafe verhängt hat. Da mir das Leben in Jever nicht beyagte, und ich auch einsah, daß ich im oldenburgischen Schuldienst auf Beförderung in keiner Weise rechnen konnte, so habe ich eine Stellung am Real-Gymnä,ium ih Barmen angenont- men. — Was bczweccten Sie mit den Artikeln, beabsichtigten Sie, den Minister zu stürzen? — Dr. Ries: Tas nicht, ich wollte aber meinem Mttzmut Ausdruck verleihen und außerdem offenbare Mißstände in meiner Vaterstadt rügen. — Vors.: Sie scheinen doch aber auch die Absicht gehabt zu haben, den Minister zu stürzen. Sie haben an den Landtagsabg. Meyer-Holle als angeblicher Geistlicher einen einen dahingehenden Brief geschrieben. —Tr. Ries: Diesen Brief habe ich allerdings geschrieben, da ich hörte, daß auch die Geistlichen von den Fustänoen wenig erbaut waren. — Bors.: Stoben Sie niemals hasardiert? — Tr. Ries: Ich habe allerdings in den ersten Jahren meines Lehramts bisweilen hasardiert, aber schließlich einen Abscheu dagegen empfunden. An Kaisers Geburtstag wurde ich wieder einmal zum Spiel verführt. — Vors.: Wieviel haben Sie bei diesem Spiel verloren? — Dr. Ries: 300 Mark. — Vors.: Sie hatten damals schon Ihrem Abscheu über das Ha,ardieren Ausdruck gegeben? — Dr. Ries: Jawohl. — Vors.: Das hielt Sie aber nicht ab, selbst dem Hasardspiel zu jröhnen? — Bert. R.-A. Greving: Herr Vorsitzender, ich muß doch bitten, nicht Schlußfolgerungen zu ziehen. — Vors. (heftig, mit erhobener Stimme): Ich lazfe mir keinerlei Vorschriften machen, in welcher Weise ich den Angeklagten zu vernehmen habe. — Bert.: Ich bin weit entfernt, dem Vorsitzenden Vorschriften zu machen, ich habe aber als Verteidiger ein Recht, gegen die Schlußchlgerungen des Vorsitzenden Einspruch zu erheben. — Bors.: Mir steht das Fragerecht zu, der Angeklagte ist allerdings berecvtigt, bie Antwort zu verweigern. Forrsahrend: Um nun Ihrem Mißmur 'Ausdruck zu verleihen, hielten Sie es für angezeigt, aus dem Hinlerhaü Minister Ruhstrat anzugreifen und wühlten als Organ den hiesigen „Residenzboten". Weshalb gerade den „Rest- denzboten", taumcit Me die Tendenz des „Rejidenzboten"? — Tr. Ries: Jawohl. — Vor,.: War Jynen diese Tendenz sympathisch? — Tr. Ries: Keineswegs, ich war aber der Ueberzeugung, daß ein anderes Blatt die Artikel nicP' ausgenommen hätte. — Vors.: Daß Sie sich dadurch stras- bar machten, scheint Ihnen bewußt gewesen zu sein, sonst hätten Sie die Artikel dem „Residenzboren" nicht anonym eingeschickt. Sie sandten die Artikel unter dem Pseudonym: „Gerdes" oder „Göritz, Ingenieur" mit verstellter Hand- schrist. Sie schrieben außerdem mit deutschen Buchstaben, wahrend Sie gewöhnlich lateinisch schrieben. Von wem erhielten Sie das Material? — Tr. Ries: Von verschiedenen stadtkundigen Perjvnen. — Vors.: Wollen Sie diese nennen? — Tr. Ries: Rem. — Vors.: Hat Ihnen auch Gymnasial- direttor Früstück Mitteilungen gemacht? — Dr. Rres: Zum Teil auch. — Vors.: Sind Sie der Meinung, daß Frchrück nicht befähigt zum Gynmasialdirertor war? — Dr. Ries: Tas will ich nicht sagen. Früstück stand aber in Verhältnis-
Volltische Tagesschau.
Die Redner des Reichstags.
Soeben ist der Schilußband der stenographischen Berichte bon der letzten Reichstagssession mit den Registern erschienen. Tie Listen erstrecken sich auf die letzten drei Jahre, da bekannülich die Session zweimal vertagt wurde. Während dieser dreijährigen Session haben mehr als 30 mal gesprochen :
Tie Sozialdemokraten Singer (191), Bebel (117), Stadthagen (107), Tr. Herzfeld (78), Molkenbuhr (78), Wurm (63), Ledebour (43), Metzger (42), Zubeil (38), Schwartz (34) und Thiele (32).
Tie freisinnigenVolksparteiler Richter (146), Dr. Müller-Sagan (137), Dr. Müller-Meiningen (86), Lenz- mann (74), Eickhoff (61) und Beckh (57).
Tie Zentrumsabgeordneten Spahn (143), Kirsch (94), Dr. Bachem (86), Prinz v. Arenberg (78), Speck (70), Trimborn (61) Frhr. v. Hertling (47), Groeber (45), Eahensly (37), Dasbach (36), Frhr. v. Thüneseld (36), Roeren (35)^1 nd MÜller-Fulda (31).
Tie Nationalliberalen Dr. Paasche (114), Basscr- mann (92), Tr. Semler (68), Graf v. Oriola (64) Dr. Hasse (60), Tr. Sattler (55) und Hoffmann-Dillenburg (35).
Tie Freikonservativen Gamp (96), Tr. Arendt (83), v. Kardorsf (80), v. Tiedemann (68) und Dr. Stockmann (66).
Tie Konservativen Dr. Ocrtel (65), Graf v. Roon (71), Schrempf (44) und Gras v. Kanitz (34).
Tie Mitglieder der freisinnigen Vereinigung Dr. Barth (69), Roesicke-Dessau (69), Dr. Pachinicke (66), Schrader (58), Goth ein (54), Frese (36) und Broemel (34).
Tie Antisemiten Werner (45) und Liebermann von Sonnenberg (35).
Tie Vertreter des Bundes der L a n d w i r t e Dr. Roesicke (37) und Tr. Hahn (32).
Der keiner Fraktion angehörige Dr. Stöcker (45).
Mehr als 80 mal haben das Wort ergriffen die Abgg. Singer (Soz.), Richter (Freis. Bolksp.), Spahn (Zentr.), Tr. Acüller-Sagan (Freis. Volksp.), Bebel (Soz.), Tr. Paasche (natl.), Stadthagen (Soz.), Gamp (freikons.), Kirsch (Zentr.), Bassermann (natl.), Dr. Bachem (Zentr.), Dr. Müller-Mei- niugen (Freis. Volksp.), Dr. Oertel (kons.), Dr. Arendt (freik.) und v. Kardorsf (freikons.). Wenn man die einzelnen Parteien betrachtet, so ist die freisinnige Vereinigung bei weitem die redeftohste. 50 Prozent ihrer Mitglieder finden sich in der Liste derer, die mehr als 30 mal gesprochen haben; es folgen dann die Freikonservativen (25 Proz.), die Antisemiten, Sozialdemokraten und die freisinnige Volkspartei (je 20 Proz.), die Nationalliberalen (14 Proz.), das Zentrum (12 Proz.) und die Konservativen (8 Proz.).
Sie MNeldlguug gegen gtitniflet Zluystcat vor Oericht.
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Oldenburg i. Gr., 20. Nov.
Der bekannte Prozeß wegen Beleidigung des olden- burgijchen Justiz-- und Kultusministers Ruhstrat und des diesigen Landrichters Haake gelangt vor der Strafkammer erneut zur Verhandlung. Es handelt sich, wie erinnerlich, um mehrere Artikel des „Olbenb. Residenzboten", in denen behauptet wurde: der oldenburgische Justiz- und Kultusminister Ruhstrat habe, als er noch Staatsanwalt war, im hiesigen Zivilkafino stark hasardiert, so daß er bisweilen in Geldverlegenheit geraten sei. Gym- najial-Oberlehrer Früstück habe ihm mehrfach Geld geliehen. Zum Dank dafür sei Früstück, als Ruhstrat Minister wurde, zum Gymnasialdirektor in Birkenfeld ernannt worben. Gs wurde ferner behauptet: Indem Zivilkafino zu „Dingelfingen", damit war die Residenzstadt Oldenburg gemeint, würde von Leuten, die vermöge ihres Amtes Hüter von Recht und Gesetz sein sollten, derartig hasardiert, daß ein junger R e f e r e n d a r und em junger Offizier sich wegen Spielschulden das Le ben genommen hätten mrd em hunger Afsesjor nach Amerika ausgewandert sei. Im weiteren wurde behauptet: Minister Ruhstrat habe, >als er noch Staatsanwalt war, im Zivilkafino einen inzwischen verstorbenen Oberlarldes-gerichtsrat „Ober.cyaf vom Oberlandesgericht" geirannt. Ferner hieß es m einem Artrkel: Ter Mmister sei auf Staatskosten zu der Tonnen- und Bakenschau nach Bremerhaven gefahren, obwohl doch em Minister für Kirchen- und Schulwesen von der Betonnung und Befeuerung der Weser nicht das mmde^ste verstehe. Von dem Landrichter Haake wurde gesagt: „Seine kirchliche Betätigung sei nur Heuchelei und Streberei usw." Der verantwortliche Redakteur und Her- Ausgeber des „Rejidenzbotsn", Wermann, wurde tat August vom hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung des Mö- uisters zu einem Jahre Gefängnis, und einige Wochen darauf von der Strafkarmner wegen Belewrgung des Landrichters Haake zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Inzwischen gelang es, den Verfasser aller dreier Artikel in der Person des Gymnasial-Oberlchrers Dr. Ries, jetzt am Real-Gymnasium zu Barmen, festzustellen.
daß man auch wirklich WGI’s beliebte Suppen erhält, nehme man nur Würfel an, welche die Firma WSLL88! und die Schutzmarke tragen.
Drittes Blatt. Jahrgang Samstag 21. November 1903
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Gießener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MGZ
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