Mr. 168
Erscheint täglich außer Sonntags.
'Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.
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Schulstratze 7.
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Zweites Blatt.
158. Jahrgang
Dienstag 21. IM 1903
GiehenerAnzeiger
° General-Aiyeiger 99 **
Amts- md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
vezngspret-r monatlich 75 Pf^ viertel jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestetlg. Annahme von Anzeigen ür dre TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pl,
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Die heutige Kummer umfaßt 8 Seite«.
Gießen, den 18. Juli 1903.
Betr.: Fortbildungskurse für Lehrer und Lehrerinnen.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Herr Geh. Hofrat Dr. E. von Sallwürk aus Karlsruhe wird auf Veranlassung des Darmstädter Lehrervererns vom 19.—22. und 26.-29. August L I. nachmittags von 4 i/z—6 Uhr Vorträge in Darmstadt halten. Nach Verftigung Großh. Ministeriums d. I., Abt. f. Sch.,' vom 8. L M., darf denjenigen Lehrern, welche daran teilnehmen wollen, an den betr. Nachmittagen Urlaub erteilt werden.
I. B.: Dr. Wagner.
Die Zeremonien bei der Wahl des Papstes.
(Nachdruck verboten.)
K. H. Rom, 20. Juli.
Während die Trauerglocken hallen für einen der klügsten und achtenswertesten der Päpste, die in den letzten Jahrhunderten den Bischofsstuhl Petri einnahmen, bereitet mau eine weltgeschichtlich wie kulturgeschichtlich interessante Wahlhandlung vor, die Wahl des neuen Papstes, des papa, ponti- fex maximus, vicarius Dei oder Christi, wie seine kirchlichen Ehrentitel lauten. Woh lhat im Vergleich Ku früheren Jahrhunderten diese Wahl sich in ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung ab geschwächt, weil heutzutage die zum größten Teile protestantischen germanischen Völker die führende Rolle aus dem Welttheater spielen, trotzdem aber hat bei der geistlichen Gewalt, welche das Oberhaupt der Kirche über die Gewissen der katholischen Deutschen ausübt, die Wahl des neuen Papstes sür den t'onsessionÄlen Frieden in Deutschland noch eine solche Bedeutung, daß sie uns zum mindesten so nahe berührt wie ein Thronwechsel iu einer der europäischen Großmächte. Es umspinnt den Wechsel in der Besetzung des päpstlichen Stuhles aber auch noch dwrum ein besonderes Geheimnis, weil hier nicht wie in den europäischen Monarchieeu ein nach seiner Eigenart und Gesinnung schon längst bekannter Nach- solger den Thron einnimmt, sondern ein unbekannter Greis mit ausgelebtem, selbständigem Charakter zum Leiter der katholischen Kirche ausersehen wird, der unbeeinflußt von der Pietät eines Erben gegen die Ratgeber seines Vorfahren, sofort mit eigenen Ratgebern leitend die Zügel der Regierung ergreift.
Ms Joachim Pecci, als Papst Leo XIII. geheißen, starb, war es die erste Aufgabe des Kämmerers der römischen Kirche, des sogenannten Camerlengo, den Tod zu beurkunden und aus den Häupw des Kämmerers des verstorbenen Papstes die Siegel des Papstes sowie seinen Fischerring entgegenzunehmen, das ist der Bischofsring des Papstes, in dessen Siegelstein als Abzeichen des päpstlichen Primats der Fischzug Petri eingeschnitten ist. In feierlicher Sitzung übergiebt sie der Kämmerer dem Kardinals-Kollegium und zerbricht sie dann, um damit dps Ende der Regierung des Heimgegangenen zu dokumentieren. Die Regierung der Kirche bis zur Wahl eines neuen Papstes führt er nun selbst, (assistiert von einem Kardinalbischof, einem Kardincchpiester und einem Kardinätdiakon, welche täglich wechselnd die Regierungsgewalt mit dem Kardinalkämmerer teilen. Diese Tätigkeit beschränkt sich; übrigens auf die allernotwendigsten Regierungsakte. Die eigentliche Gewalt der Kirche ruht aber in dem Kollegium der Kardi- n ä l e, welche am dritten Tage nad) dem Tode des Papstes zusammentreten und chr Augenmerk darauf richten, den
Wahlakt, das Konklave, vorzubereiten. Täglich finden Sitzungen des Kollegiums statt, bis am 11. Tage nach dem Tode des Papstes das Konklave zusammentritt. Ms dahin, so nimmt man an, werden die Dvauerfeierlichkeiten zu Ende fein mpld auch die auswärtigen Kardinale sich in Rom ein gefunden haben. 72 sollen es sein, welche das Kardinalkollegium bilden nach der Zahl der Aellesten der Stämme Israels. 6 Kardinalbischöfe, 52 Kardinalpriester und 14 KmLinaldiakone, die aber selten vollzählig sind, da bei dem Greiseualter der meisten Kardinale eine Reihe von Vakanzen sich nicht vermeiden läßt. Mehr als die Hälfte der Kardinale sind Italiener, die anderen Nationen erscheinen recht spärlich vertreten.
Um nun von dem Kardinalskollegium, als dem Wahlkörper, eine jede Beeinflussung während der Wahlberatung fernzuhallen, wird nach dem geltenden Recht ein besonderer Wahlraum, das Konklave, in einem der päpstlichen Paläste (in den letzten Jahrhunderten meist im Vatikan) her gerichtet. Die katholische Kirche hat sich ja das Rechst in Jahrhunderten erkämpft, jetzt ohne Einspruch der Mächte sich ihr Oberhaupt zu wählen, und will sich! dieses wahren — ein Recht, das ihr zuerst die karolingischen und sächsischen Kaiser und später noch die Könige der katholischen Nationen streitig machten. Inzwischen haben Zimmerleute mehr als 100 Fenster im Vatikan mit Brettern vernagelt und Maurer die Fugen mit Mörtel verstrichen. Innen aber sind aus langen Gallerten aus Brettern gezimmerte Zellen errichtet worden für die Karpinäle undühre Bedienung, denn die wahlberechtigten Träger des roten Hutes ziehen nicht allein in das Konklave, sondern mit ihnen noch die sogen. Konklavisten: 6 Ceremonienmeister nebst Diener, ein Sakristan nebst assistierendem Kleriker, ein Beichtvater aus dem Mönchsstande, ein Sekretär mit Gehilfen, zwei Aerzte, ein Apotheker mit Gehilfen, zwei Zimmerleute, zwei Maurer, zwei Barbiere mit Gehilfen, sowie 35 Aufwärter und die Diener der Kardinäle, von denen jeder der Kirchenfürsten zwei mit hineinnehmen kann. Alle diese sind sorgfältig aus- gewählte, zuverlässige Leute.
Nach einem feierlichen Hochamt im St. Peters Dom, welches ein Prälat abhält, und in dem die Kardinäle ermahnt werden, ,per Kirche einen guten Oberhirten zu geben", ziehen Kardinäle und Konklavisten unter Vorantragung des päpstlichen Kreuzes, eines der Abzeichen der päpstlichen Macht, in p>as Konklave, ein halbes Grab ohne frische Luft, in enge Zellen von mönchischer Einfachheit, dazu angetan, eine baldige Einigung zu befördern. Die Zellen werden verlost und drei Kardinale erwählt, welche das Konklave sorgsam zu beobachten und die strenge Abgeschlossenheit von der Well genau zu überwachen haben. Sie kontrollieren genau die im Konklave Anwesenden, weisen die nicht Hineiugehörenden hinaus und dann wird die Klausur durch Zumauern der Türen geschlossen. Nur eine Tür bleibt, durch welche der Verkehr mit der Außenwelt vermittelt wird. Durch diese gelangen die Speisen zu dem Wahltollegium hinein und durch diese fertigt der Kämmerer der Kirche selbst die Gesandten der fremden Höfe ab, falls diese in dieser Zeit des Interregnums empfangen sein, wollen. Draußen aber wachen päpstliche Würdenträger imh päpstliches Militär, damit die mönchische Einsamkeit der Konklavebewohner nicht gestört werde. Hinein darf niemand mehr, hinaus nur derejnige, welcher schwer erkrankt ist und deshalb die Einpferchung verlassen muß. Nun werden in der Kapelle, welche in der Mitte .des Konklaves liegt und das eigentliche Wahllokal bildet, die Konstitutionen der Papstwahl verlesen; die Kardinäle beschwören sie und- auch die Konllavisten werden vereidigt. An' der Wahlhandlung muß jeder Kardinal bei Strafe der Exkommunttcttion teilneymen, selbst von den Kranken wird durch besondere Beauftragte die Stimmabgabe gefordert. Zweimal täglich findet Versammlung statt bis zur
Erreichung eines sicheren Resultates. Wahlkapitulationen aufzustellen, ist streng verboten. Der Wahlmodus ist ver- schreden, er kann geschehen durch Akklamation, per com- promissnm, indem eine engere Zahl der Kardinäle durch die übrigen mit der Auswahl betraut wird, oder man wählt, wie es meist geschieht, durch Stimmzettel, welche die Kardinäle verschlossen und versiegelt mit erhobener Hand am Mare der Kapelle des Konklaves abgeben. Stimmt die Zahl der Zettel nicht, so werden diese verbrannt, fällt aber auf keinen der'in den Zetteln Genannten die erforderliche Zweidrittelmajorität, so wird diese durch eine eigenartige Wahlergänzungsmethode, den fogenannten accessus, zu erreichen gesucht. Alle Wähler haben dabei noch einmal ihre (Stimme abzugeben; diejenigen, welche an ihrer ersten Stimme festhalten, schreiben accedo nemini, die aber, welche einem andern unter den im ersten Wahlgange bezeichneten Kandidaten ihre Stimme geben wollen, schreiben dessen Namen auf ihren Stimmzettel. Diese Stimmen werden den früheren zugezählt. Einmal darf aber dieser accessus nur geschehen. Ist die Zweidrittelmajorität nicht erreicht, so verkündet der Rauch der verbrannten Zettel der Außenwelt das negative Resultat, und die Wahlhandlung beginnt von neuem. Sollte aber gerade genau eine Zweidrittelmajorität vorhanden sein, so wird in den Stimmzetteln nachgesehen, ob nicht der Gewählte das Verbotene getan und sich selbst gewählt hat. Tat er es, so ist auch in diesem Falle die Wahl ungiltig. Die Wahlhandlung wird so oft vorgenommen, bis ein Resultat erreicht ist, und die unangenehme Klausur hilft dazu, daß man sich einigt. Bei der Wahl Leos XIII. geschah dieses schon nach dreitägigem Wahlakt. Ist endlich die Wahl gelungen, — feit 1522 sind es pur Italiener und seit 1378 nur Mitglieder des Kardinal- kollegiums gewesen, welche man wählte — so wird der Erwählte beftagt, ob er die Wahl annehme. Nimmt er an, so gehen von diesem Augenblicke alle päpstlichen Nichte aus ihn über, wenn auch die Päpste ihre Regierung erft von dem Tage ihrer Krönung an datieren, wie auch der am 20. Februar 1878 gewählte Joachim Pecci die Dauer seiner Regierung erst vom 3. März ein, dem Tage seiner Krönung berechnete. Eine wirkliche Mchtannahme der Wahl ist, übrigens noch nie vorgevommen, wenn auch einzelne Päpste, wie Gregor I., Gregor IV. und Gregor VII., sich zunächst gesträubt haben sollen. Sobald der neue Pabst nach "der seit dem 11. Jahrhundert herrschenden Sitte^sich den Namen gegeben hat, welchen ervals Papst führen will,' geleitet man den Neugewählten nach feiner Zelle, bekleidet ihn mit den päpstlichen Gewändern und hängt ihm das päpstliche Pallium um, einen weißwollenen Fuller-Umhang, ' mit' sechs schwarzseidenen Kreuzen, welche die Schultern ringförmig'umgeben. Auf dem päpstlichen Tragsessel bringt man ihn unter dem Gesang des Te Deum zur Kapelle zurück, und dort empfängt er fettens der Kardinäle die erste adoratio, d. h. sie küssen chm Fuß und Hand, woraus sie zum Friedenskuß zugelassen werden.
Unterdessen ist unter der rührigen Hand der Zimmerleute und Maurer des Konllaves die'Klausur gefallen^ und der erste Kardinaldiakon eill zur Peterskttche, nachdem er den Treueid geleistet, und verkündet von der Ä:an- Loggia der Kirche herab dem Volke von Rom:
Annuncio vobis gaudium magnum, papam habemu^ Eminentissimum et Reverendissimum Dominum.....
qui sibi imposuit nomen...... (Ich verkünde Euch
große Freude, wir haben einen Papst, den allerherrlichsten und verehrungswürdigsten Herrn......, welcher sich hen
Nanten . ........beigelegt hat.) Noch am Nachmittage
des Tages der Wahl erfolgt dann in der Sixtinischen Kapelle und in der Peterskttche die nochmalige Verehrung des neuen Papstes durch die Kardinale. War der Gewählte Bischof, so hat er inzwischen auch den Segen, war er es
Feuilleton.
Die Raumverhältnisse der Theater. Irr dieser theaterstillen Zeit gibt der „Bert. B.-C." einen Ueber-> blick über die Raumverhältnisse der hervorragendsten Theater. Während im „eigentlichen Vaterland des Thea-- ters", im alten Hellas, der Zuschauerraum, das Theatron, für eine möglichst große Zahl von Besuchern berechnet war, legt im Gegensatz hierzu die moderrre Theaterbaukunst aus einen intimeren Charakter des Gebäudes im allgemeinen größeres Gewicht. Das int 4. Jahrhundert v. Chr. erbaute Theater zu Athen faßte eine Auschauermenge von annähernd 14 000 Köpfen, das um dieselbe Zett entstandene zu Megalopolis, einer Stadt von nur 60000 Einwohnern in Arkadien, sogar eine solche von rund 20000 Köpfen. Als das größte Theater im alten Rom gilt das Theater des.Marcellus, dessen cavea, Zuschauerraum) 22 000 Personen faßte. Hingegen gewährte das größte Theater der Jetztzeit, das Opernhaus in Chicago, nur 8000 Personen Raum, während das Theatto San Carbo zu Neapel und das Theatro della Scala zu Mattatrd eine Zuschauermenge von 7000 und 6000 Personen zu fassen vermögen. Hinter diesen drei modernen Riesentheateru stehen aber säntkliche anderen Theater der Welt bedeutend zurück. Ueber 3000 saßt nur noch die Große Oper zu Paris. An der Spitze der deutschen Theater steht hinsichtlich der Größe des Zuschairerrailmes das Zentralhallentheater in Hamburg, das annähernd 3000 Personen Raum gewährt, wahrend das Stadttheater daselbst nur 2000 Personen faßt. An der Spitze der Wiener Theater sieht in dieser Stattsttk das Hofoperntheater mit 2500 Sitzplätzen, während, Deutsches Polkstheater und Kaiserjubiläunwtheater je 1900 Personen, Hosburgrheater 1474 und das kleinste der neun größeren Wiener Theater, das Jantsch-Theater, 1000 Personen Raum
gewähren. In Berlin faßt gegenwärtig das Metropol- Theater die größte Zuschauermenge, nämlich 2000 Personen. ©5 folgen das Neue königliche Operntheater (ftüher Kroll) mit 1760 Personen, Theater des Westens mit 1650 Personen, Berliner Theater mit 1600, königl. Opernhaus mit 1585, Schillertheater O. mit 1300, Schillertheater N. mit 1250, Karl Weiß- und Luisentheater mit je 1200, Lessing- thectter mit 1136, Thaliatheater mit 1100, königl. Sdjaw» spielhaus mit 1094, Deutsches Theater und Zentraltheater mtt je 1000, Neues Theater mit 820 und last not least das Residenztheater mtt 700 Personen. Von den übrigen drei preußischen Hoftheatern gewährerr das zu Hannover 1800 Personen, das zu Wiesbaden 1400 und das zu Kassel 1278 Personen Raum. An der Spitze der nichtpreußischen Theater steht das Hof- und Nationaltheater zu München, in dessen Räumen 2500 Personen Platz finden, während weiterhin die Zahl der zulässigen Zuschauermenge beträgt in Stuttgart und Karlsruhe je 1800, tu Braunschweig 1500, in Mannheim 1450 (der „Musensaal" im Rosengarten faßt 1800 Plätze, damit rangiert '.Naunheim also eigentlich an ftüherer Stelle), in Dresden 1400, in Darmstadt und Dessau je 1200, in Weimar und Gotha je 1100, in Schwerin 1050, in Coburg und Altenburg je 1000, in Detmold 800, in Meiningen 750 und in Sondershausen und Rudolstadt je 600 Personen. Bon größeren deutschen Stadttheatern seien schließlich noch erwähnt das Frankfurter Opertlhaus mit einem Zuschauerraum von 2000 Personen, das Bremer und Kölner Stadttheater, mit einem solchen von je 1800 und das Düsseldorfer Stadttheater mit einem solchen von 1700 Personen.
Weisen.
Karl Baedekers berühmtes Blich „Die Schweiz" er- schien soeben in 30. Auflage. Wiederum ist das Buch, das immer noch der beste Führer sür Schweiz-Reisende ist, mit größter Sorg
falt durchgearbeitet und znm Teil umgestaltet worden, so daß es im Vergleich mit der vorigen Auflage an Aktualität und Brauchbarkeit ganz erheblich gewonnen hat. Das Hauptereignis dieses Somnrers ist die Eröffnung der Albillabahn von Thusis nach Celerina-St. Moritz, die das Oberengadin dem Weltverkehr erschließt. Außer ihr studet der Leser u. a. die neue Simnlentalbahn, die schon int nächsten Jahr die großen Kurorte Interlaken und Montreux auf kürzesten: Wege verbinden wird; die neue Strecke der rhätifchen Bahn von Reichenau nach Jlanz im Bündner Oberland; die Straßenbahit von St. Gallen nach Trogeli, die einen bequemen neuen Zugang in das Appenzellerland bildet; die Jungfraubahn bis zur neuen Station Eigerwand usw. Eine besoitders eingehende Behandlung haben die zahlreichert neuen Höhenstationen, sowie die eigentlichen Hochgebirgstouren gefllnden. Tas im Verhältnis zunt Preise ungewöhnlich reiche kartographische Material wurde um vier mustergiltig ausgeführte, diesmal der Ostschweiz ztlsallende Blätter in dem auch für Fußtourert vollkommen ausreichenden Dtaßstabe von 1:150 000, sowie um zwei hübsche Um= gebungskärtchen von Zürich unt) Bern vermehrt, so daß der Band nun die bisher von keinem Reisebuch erreichte Anzahl von 65 Karten, 14 Plänen und 11 Panoramen enthält. Trotz der Vermehrung von Text und Karten ist das Buch haitdlich geblieben. Es verdient ferner besonders hervorgchoben zu werden, daß Baedekers Handbuch immer noch das einzige ist, das nicht durch Jnseratenverkaus Gastwirte und andere von: Fremdenverkehr lebende Leute zur Tragtlttg der Kosteit herailzieht, daß seine Ein- pfehlmtgen sich also nicht einmal in der Form von Jnserateit erkaufen lassen. Ueber die Schlvierigkeiteii unb Klippen der Hotelbeurteilung finden sich int Vorwort einige bemerkenswerte Angaben. Was der Verzicht auf Inserate wirklich bedeutet, davon litacheii sich nut: wenige Leser einen Begriff. Wenn die ^Abschaffung der Gasthofssterlie von anderer Seite neuerdings als Fortschritt bezeichitet wird, so ist das lediglich ein verstecktes Eingeständnis mangelnder Keiilttrtis in diesen Dingen und der begreiflichen Scheu, überhaupt bestimmte abschätzende Urteile ailsznsprechen. Welche BedeiltiNig diese Sterne in Wirklichkeit haben, zeigen am besten die, wie mir persönlich atls meiner Tätigteil un Redaktionsbureau des Baedekerschen Reisebuches bekannt ist, täglich in großer Llnzahl zu- gehenden Briefe. —o.


