schöne Plane schneller zur Wirllichtell. Es ist wirklich eine Freude, zu sehen, wie waaer und schnell aus unseren Stadt- bahnhöfen gearbeitet roirb. Tie Bahnsteige aller dieser Bahm-ofe müssen nämlich sämtlich ein paar Fuß Häher gelegt werden. Selbstverständlich trifft das auch die daraus be> sindlichen Stativnsi-auschen, Wartehallln rc. Aber das vollzieht sich ohne jede Störung des kolossalen Verkehrs und geht so glatt und ruhig, daß .vir in 14 Tagen in unsere neutn Ltaotbahiiwagen hincintonnen, ohne tue Aroei Lrittstujen ersteigen zu müjsen. Da der Passagier L Klasse Darin auch bas langcntbeyrte Rauchkoupee erhalten hat, das Minister o. Thielen aus irgend welchen Gründen nicht einsühren wollte, so ist man mit Herrn Bub de trotz seiner schneioigen Rci^stagsnben gegen Die Linke sehr zufrieden.
Auch ber neue Herr der Königlichen Theater kann sich rühmen, bie Gunst des Publikums zu erobern. Es weht ein frischer Hauch über die Bretter, so bie Welt bedeuten, seit Herr von Hülsen bat, Szepter führt. Der Maler- Dichter Hermann katsch, dessen „Siegesfeier in diesen Tagen im „Schauspiclhausk" die Premiere erlebte. Darf sich ehrlich beuanten für bie Sorgfalt und Liebe, die man feiner manchmal sehr amüsa.itcn, manchmal etwas unbeholfenen, dur^un-g aber in pae.ischer Sprache geschriebenen römischen Komödie angedechen ließ. Das Stück spielt im alten Rom zur Zeit Scch.os des Jüngeren, der nach der Heimkehr von kfrüa eine Siegesfeier veranstaltet und dazu als Äernpuntt ein Theaters.ua aufführeu lassen will. Wie der Maler Parnows, der in arg.n Geldnöten steckt, trotz aller Hindernisse dazu g.lange, seine „Flonia" durch Scipios Gunst auf Die Breuer zu bringen, wie er dadurch dem Stlaocndiensi em.s SSuL^erere tuuoer entrinnt und mit seiner Familie zu Ansehen und Wohlstand gelangt, wurde mit viel Gküd und Glaubhaftigkeit zur Darstellung gebracht. iaer den resignierten Maler im vierten Hdt im Dienste des Geizhalses Bretter streichen sah, mochte wohl mit leifer Wet-m-. an Gvt.srtcd Keilers „grünen Heinrich" p.n ehe, aib auch iym die Sonne des niu>t au^g.hen wollte, d. h. wenn er den „grünen Heinrich" gelesen hat. A.R.
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Nr. 68
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HotaiumlDrud u. t)er» Io« bei tJ i 0 b I 'leben Ünivers.-Buch- u.Liem- brude rei (thetld) ttrben) •Ubafnon, Eroevino» unb Druckerei:
Lchoiftratze 7.
fcbtefle tüt Deoelcheni An-et,er «letze».
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Drittes Blatt.
153. Jahrgang
Samstag 21. März 1903
SießenerAnzeiger
v General-Anzeiger v "**7
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Schlachlvich- und Fleischbeschau.
Dr. jur. v. Hippel schreibt in der „lägt Rundschau".
Hn wie vielfacher Hinsicht das Nahrungsmittel deö Fleisches al- Krankheitsursache wirten kann, ist durch zahlreiche Erfahrungen bewiesen, und doch ist der Konsument meistens nicht in der Lage, diese nachteUigc oder minderwertige Beschaffenheit der Berkaufsware zu erkennen und so seine Gesundheit und seinen Geldbeutel vor Sä)ädig- ungen ui bewahren. Da muß denn die sürsorgende Hand >cr Polizei emgrdfen und für den Schutz des Publikums orgen. In den Städten, welche eigene Schlach.Hauser bc- iben, ist diese- auch langst in ausgiebigster Weise ge- chchen, indessen blieb auch hier immer noch der Uebclstand, »aß da- von auswärts emg^hcnde Fleisch sich der Kontrolle entzog. .
Diesem Zustand« hat nunmehr das vielumkämpfte Fleischbeschaugcsey ein (Lnde gemacht, indem es in ganz Deutscl-land für alle Schlachtungen, von denen Fleiscp in den Handel gelangt, eine doppelte Beschau anordnet, deren Unterlassen unter Strafe stellt und das etwa ohne Beschau gelassene Fleisch der Konfiskation aiih.imgibt.
Jedes Sä-lachttier, desfen Fleisch nicht un eigenen Hau-- -alte des Besitzers Berweiidung fiiiden soll, wird nunmehr von einem behördlich geprüften und angestellten Beschauer vor der Schiachtuna auf seinen Gesundheitszustand und seine Säst ach twürdig feit untersucht, unb erst, wenn das Stuck als nicht krank befunden ist, darf die Schlachtung erfolgen, welcher sich dann die ziveite, eingehendere Untersuchung, die szleifchdeschau, und bei Schweinen die Trichinenschau anschliestt. Ergibt diese das Bochandensein von Krankheit, hochgradiger Abmagerung ober sonst einer Beschaffenheit, welche das Fleisch zum Genüsse untauglich mack)t, jo wird das Fleisch sofort vom Beschauer beschlagnahmt und die von ihm benachrichtigte Polizeibehörde beftimmt, ob es unschädlich beseitigt werden muß, oder etwa noch zu anderen Zwecken, z. B. Hundefutter, verwendet werden darf, jedenfalls sorgt sie dafür, daß es in den Bekethr als Äenuß- mittel nicht mehr gelangen kanii. Oesters zeigt nun das Fleisch Mängel, die es zivar zunächst nun Genüsse untauglich machen, die sich aber, wie z. B. Finnen im Schweinefleisch, durch geeignete Berfahrensarten (Auskochen, Dämpfen, Pökeln, Durchlühlen) beseitigen lassen. Auch solches — bedingt taugliches — Fleisch wird von dem Beschauer der polizeilichen Kontrolle überwiesen, welche die Ware erst dann freigibt, wenn die gesundheitsschädigenden Mängel beseitigt sind.
Sorgt die Beschau so dafür, daß ungesunde Ware über* Haupt nicht mehr in den Verkehr gelangt, so trifft sie auch gleichzeitig Fürsorge dcchin, daß die Qualität des Fleisches in einer für jeden Käufer deutlichen Weise bezeichnet wird. Zunächst wird da- Ergebnis der Leschchi auf den einzelnen Fleischteilen mit Farbe- ober Braiidstempeln, welche den Namen des Schaubezirks tragen, kenntlich gemacht, und zwar erhält untaugliches Fleisch einen dreieckigen, bedingt taugliches Fleisch einen quadratischen, das taugliche Fleisch einen kreisrunden Steinpel, Pferdefleisch außerdem die Aufschrift „Pferd". Als vierte Kategorie tritt hierbei noch die des in seinem Nahrungs- und Genußwert erheblich herabgesetzten Fleisches hinzu, das einen kreisrunden, von einem Quadrat umschlossenen Stempel erhält unb so schon in der Kennzeichnung andeutet, daß ei gewissermaßen eine Mittel- stufe zwischen dem bedingt und voll tauglichen Fleisch bildet. Dazu zähtt solches Fleisch, welches gerade keine gc- sundheitlichen Gefahren bietet, jedoch einen so geringen Nahrungs- oder Genußwert ausweist, daß es als Ware von
der im Verkehr vvrauSzusetzenden Beschassenhctt nicht gelten kann; vorwiegend Fleisch von Tieren, die ungewöhnlich schlecht genährt, oder unreif sind, ferner Fleisch, welches in Geruch, Geschmack oder Farbe erheblich von der Regel abweicht, kommt hier in Betracht, sodaß ben kreisrunden Tauglichkeitsstempel also tatsächlich nur gänzlich einwandfreie Verkaufsware erl-ält. Tas oedingt taugliche Fleisch, das auch nach seiner Bihandlung dem volltauglichen nicht gleichwertig erachtet werden kann, unterliegt zudem in Ieinem Vertriebe mannigfachen Einschränkungen, welche verhindern sollen, daß das kaufende Piiblikuni etwa über die Beschaffenheit der Ware getäuscht wird. In größeren Gemeinden darf solches Fleisch nur an bestimmten, polizeilich überwachten Stellen, ben sogenannten „Freibän t e 11", verlaust werden unb auch dort nur an Erwerber zum eigenen Verbrauch ober an besonders vonzesiionierte Gast- und Speisewirte, nieifteiis in beschränkten Quantitäten, Gc- roerbctreibenbe, welche tauglich gemacht.- oder Pferdefleisch verwerten, müssen dieses zudem in ih.en Gesckstistsräumen durch Anschlag kenntlich machen und dürfen in den gleichen Räumen nick>t vollwertiges Fleisch seichalten, sodaß also gegen eine Schädigung des Publikums durch Vertrieb minder tauglicher Ware als vollwertiger die größtmögliche Gewähr geboten ist.
Alle diese Vorschriften gelten nur für daS im Reichsinland produzierte Fleisch unb sind schon ihrer Natur nach auf die ausländische Ware nicht ohne weiteres übertragbar. Wenn vielmehr die Jnland-Bcschau von dem Gruiib-- gebanlen ausgeht, daß eine doppelte Untersuchung, vor und nach der Schlachtung, bedingt sei, so würbe eine konsequente Durchführung derselben em Verbot ber Einfuhr ausländischen Fleisches unvermeidlich gemack)t hLben, benx bie ausländische Beschau von Erportioare ist no-arisch vielfach un» zuverlässig, eine amtlich« deutsche Beschau von Schlachttieren im Auslande nicht möglich unb Die Herstellung etwa von Einlaßstellen, an benen das ausländische Vieh untersucht unb bann erst geschlachtet würbe, Xante immer nur ben kleinen Teil ber Fleischnahrung berücksichtigen, dessen Einführung durch lebendes Lieh ubee./aupt riöglich ist. Tie Gesetzgebung stand also vor der Alternative einer verschiedenartigen Behaiivlung inländischer uno aus.äudischer Ware ober einer Prohibition der ausmudisu-en Fleischein- fuhr im Werte von etwa löU Million"n Mark jährlich; um die Fassung des diese Frage regelnden Paragraph.n entstanden denn auch die h.jtcgstenii Jnt^res,eniä.upse, deren Ergebnis — wie meistens — die Annahme der Regierungsvorlage mit einigen praktisch belangioiin Aenderungen war.
Hiernach ist die Forderung ejier Schlachtouhbeschau für ausländische Ware fallen gi-Iaffen, eine der inländischen Fleischüberwachung gleichwert.ge jtomroile aber durch Verschärfung der Fleischbeschau und Auss^-luß von solchem ausländischen Fleisch angestrebt, bei welchem eine genügende Beschau nicht mehr mögEch erschien. Da nun als unbcschau- bar nach dem Gesetz alle Konserven, alle Fleischgemenge, alles frische zerlegte Fleisch gilt, so ist die Einfuhr tatsächlich zum großen Toil ausgeschloistn, unb bas Ausland kann seine Fleischware nur noch in ganzen unzerlegten größeren Stücken einfoheen; die amerikanischen Konserven und Würne, die russischen Renntierrücken ge- hören für Deutschlaiid der Vergangenheit an!
Eine solche strenge und einheitliche Fleischkontrolle hat neben dein sanitären auch noch den Vorteil, daß die amtliche Beschau, wo sie auch ausgeführt fein mag, überall als genügend angesehen werden niuß und daß das gestempelte Fleisch nunmi.hr in ganz Deutschland „Freizügigkeit" ge
wonnen hat. Bisher umgab sich jede Schlachthausgemeinde mit dem Schutze des lokalen Beschauzwanges unb verlangte auch für das schon einmal beschaute auswärtige Fleisch eine erneute Untersuchung im eigenen Schlachihause, deren Gebühren dann den Preis der Ware notwenoig steigern mußten. Jetzt ist jede Nachbeschau bei inländischem wie bei ausländischem Fleisch grundfätzlich unzulässig und die weitere Ueberwachung des einmal dem Verkehr frcigcgebcnen Fleisches beschränkt sich auf die gebührenfreie Kontrolle, ob das Fleisch seit der Beschau etwa verdorben ist oder sonst eine gestinbheitsschäblm-e Veränderung seiner Beschaffenheit erlitten hat. In letzterer Hinsicht bringt die neue Gesetzgebung noch eine weittragend« Verschärfung der bisherigen Bestimmungen, wenn sie eine Anzahl von Chemikalien, welch« bei der Konservierung von Fleisch Anwendung fiiiden, unter ihnen auch das Bor, ausnahmslos als ge- fundheUsschädlich bezeichnet unb mit ihnen behandelte- Fleisch konfiszieren läßt, unb ebenso alle unb jede Färbung von Fleisch verbietet. Namentlich das Verbot von Bor al- Konservierungsmittel hat unter der Behaupiung von dessen Unschädlichkeit vielfache Angriffe erfahren, aber die Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes, daS sehr interessante praküsche Versuche über die Wirkungen deS Genusses der bisher vielfach vertriebenen, mit Bora; ober Borsäure behandelten Konserven angestellt hat, haben das amtliche Verbot in weitestem Umfange gerechtfertigt. Uw» beforgt kann also jetzt die Hausfrau K o n s e r v e n f le i sch als tadelloses Nahrungsmittel einkaufen und kein trügerisches Rot darf sie mehr über die Qualität der Wurst täuschen!
Ohne weiteres wird nach dem Gesagten die Bedeutung der neuen sanitären Maßnahmen einleuchten. Umfassen diese doch einen Jlonfum, der nach amtlichen Schätzungen jährlich 31/2 Mill. Stück Rindvieh, 41/2 Mill. Stück Kälber, 14 Mill. Stück Schweine, 7 Mill. Stuck Schafe sowie ausländische Ware im Werte von etwa 150 Mill. Mark beträgt; derartige Massen von Nahrungsmitteln, abgesehen von dem auf die freigegebenen Hausschlachtungen entfallenden Teile derselben, werden nun durch ein Heer von Beamten unter eingehende staatliche Kontrolle gestellt, welche dem Publikum Den nach Lage der Unistände bestmöglichen Schutz gegen Die Gefahren bei dem Genüsse eines seiner wichtigsten Nahrungsmittel gewährt. Santb.n baut die Schl ach toiehbeschau ber Sanierung unserer Viehbestände, wenn sie etwaige Seuchen feftgeftellt und das Verheimlichen von solchen durch das Abschlachten tränier Stücke verh.ndert, und weiter tritt als wichtiger Nebenerfolg des Gesetzes ber Nutzen auf wirt- schaftlicheni Gebiete bazu: bie Feststellung der Fteischqualität und die Ausschließung schlechter Ware unterstützen den soliden Gewerbebetrieb des Produzenten unb des Händlers und schützen Jie gegen den unlauteren Wettbewerb des Inlandes; zweifellos wird die Durchführung des Gesetzes den Absatz guter Ware und deren Preis heben.
Tie Wirkungen der Beschaug.st^g.bung sind mithin ungemein weitgehende für die Voltsivohtfahrt und -Wirtschaft, sie werden durch einen so ausgedehnten Verwaltungsapparat erreicht, wie er für ähnliche Zwecke noch nicht in Bewegung gesetzt ist, und iverden fühlbar zvar zunächst den beteiligten Gewerben, mittelbar aber jedem einzelnen aus dem Volke; es entspricht nur ihrer Bedeutung, wenn dem Inkrafttreten der Fleischbeschaugesetzgebung ein Interesse entgegengebracht wird, wie es wohl kaum eine der staatlichen Maßnahmen auf dem Gebiete Der Gesundheitsfürsorge bisher für sich hat in Anspruch nehmen können.
iS"'M ®»rtbWn bHmli4iten feiner Blumen «nb.tmdri»/, W-nn der B-rUner Obe.bnrgermeif.er s° wi b^ite &el mit blanken Gla-augcn schauen dir au;| strafs regieren durfte wie un|cr ta|enb^nmtni|ier, wurden
zu blicken.
Auch unser Ratskeller-Umbau, der zunächst für eine würdige Gestaltung der deutschen Ratstrinkftube, bie nun einmal etwas traditionell Anheimelndes, gediegen Behagliches haben muß, geplant war, ist so gut wie tot Debattiert worden. Und was für ein trister Ratskeller ist der Berliner! Tunket, aber nicht lauschig, geschmacklos ausgestattet, räumltcg unbe1?agiiuj, sch.uust er den Besucher, der mit Erwartungen binemionimt, die ihn an Bremen, Hamburg, Lübeck oder Wiesbaden erinnern sollen, bald von bannen. Verliebte Pärchen, die ihr Piauderstündchen möglichst ungefüjrt halten wollen, sind die treueren Besucher der gewölbten Hallen, deren Wirtschascssührung übrigens nichts zu wünschen übrig läßt.
Diel Köpfe, viel Sinne! Tas ist hier wie
Plaudereien aus der Kaiferfladt.
(Nachdruck verboten.)
berliner Frählivgrjeichen. — Der Leipstger Platz. — Unser Ratskeller. — Buddeleien auf der Stadtbahn. — Alt-Rom aus den Brettern.
ihnen entgegen. Um dich her aber schwirrt es mit beängstigender Zungenfertigkett, unb „Modelle", „Vergißmeinnicyt", „Schlüsferblumen", „Agraffen", „Reiher", ,Seioenbaud" und manche andere Lenz-Vokabel schlägt an dein Ohr. — Rette sich, wer kann!
Am Leipziger Platz freilich, wo die großen Flieder- fträud)«r ihre saftigen Knospen treiben und allerlei Federvolk zum Nestbau schreitet, kann man wie im Tiergarten und Den anderen Park-Oasen Berlins wirklich etwas vom echten Frühling sehen. Aber die rastlose Menschenflut wälzt sich achtlos Daran vorüber. Wer hat Zeit, Das Werden und Wachsen zu beobachten? Und das starre, eiserne Gitter schließt noch immer die großen Rasenharbmonoe des Leipziger Platzes ab. Seit Fahr und Tag hat man darüber Debattiert im roten Hause, Projekte ausgeheckt und wieder verworfen — und nun bleibt alles beim alten. Tie so notwendige Ruhe-Insel hinter dem Lärmen und Jagen des Potsdamer Platzes bleibt umgittert, wohl um die vornehmen Anwohner nicht in ihrer behaglichen, Abgeschlossenheit zu stören. Es werden eben viel vernünftige Plane wieder zu Wasser in der schönen Welt. Und man braucht, um so etwas zu konstatieren, nicht immer auf Schilda unb Schöppenstedt
Er bat sonderbare Anzeichen, der Berliner Frühling. Nicht für den, der hinauswandert aus dem steinernen Meer, bis sein müdes Auge endlich auf frisch« Acker- chollen fällt, auf sammetgrüne Roggenfelder, über die der unge FrühlingSwind voll Mutwillen läuft Ter sicht auch >ie Weidenkätzchen am Lach« schimmern und hört Die märkischen Lerchen jubeln über Fluren, bie in etlichen Jahren gleichfalls gepflastert und asphaltiert sein werden. Aber wie wenigen i|t es beschicken, diese Frühlingswanderung zu unternehmen? Wie viele in diesem hastigen, erwerbshungrigen Spreebabel werden alt und grau uno sinken dahin im Daseinskämpfe, ohne das holde Geschmetter der lenz- frohen Sängerin je mit Bewußtsein vernommen zu haben? Für alle die wird es Frühling, wenn der erste Sprengwagen durch die endlosen Straßen rollt, wenn sie sich ohne Lampe zum Abendbrot an ihren Tisch setzen, wenn die Mutter nach einem heimlichen Kampfe mit ihrem wirtschaftlichen Ge- wissen daS Schneeglöckchensträußchen oder das Bündel Weidenzweige mit heimbringt, das die Händler je nach Ansehen der Person für zwei oder einen Mckcl abgeben. Und die offizielle Beglaubigung erhall der Frühling durch die ersten offenen Wagen der Straßenbahn, auf den sich die Passagiere wie toll stürzen, obgleich sie sich jedes Jahr denselben anhänglichen Frühlingslatarrh bann geholt haben. Das alles haben wir hinter uns in biqen verführerisch milden Tagen, und doch würde halb Berlin, und zwar bie weibliche Hälfte, noch nicht recht Daran g.auben, wenn nicht schon Die ersten Sommerhüte bei Den~ fire)ren ihrer Schwestern aufgetaucht wären. ^>n den -LchaufcNl.ern der
unb MoDeivaren-HanDlungeu wohnt cr,t Der eigentliche


