Ausgabe 
21.2.1903 Erstes Blatt
 
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sich um etn Gebier handelt, das Teulschland an Ausdeh­nung nicht viel nachsteht. Bei dieser Sachlage sind zweck­entsprechende Maßregeln von Seiten des Gouverneurs un­erläßlich, und wenn Oberst Pavel in der Tat der kommende Mann für Kamerun ist, so würde der geeignetste Ersatz für Herrn v. Puttkamer gefunden sein.

Aas Uupstjubiläum.

Rom, 20. Febr. Heute begannen die Feierlichkeiten anläßlich des 25jährigen Pontifikats beS Papstes. Mittags begab sich der Papst bei bester Gesundheit, unter lebhaften Beifallsbezeugungen und Hochrufen in die sa'a regia und erteilte den dort Versammelten den Segen. In seiner Umgebung befanden sich die höchsten Würdenträger. Die Nobelgarben gaben bas Geleite. Von ber sala regia ging ber Papst in ben Saal ber Seligsprechung, wo sich 6000 Gelabcne, darunter eine kleine Schar belgischer Pilger, befand. Unter neuen Beifallskundgebungen bestieg der Papst den Thron, zur Rechten nahm die Familie Pecci Aufstellung, zur Linken die außerordentliche spanische Gesandtschaft. Außerdem wohnten der Feier sieben Kardinäle, mehrere Bischöfe und andere Geistliche bei. Kardinal Ferrare verlas namens der lombardischen Pilgerschaft eine Glückwunsch­adresse. Der Papst dankte und erteiltte den Segen. Darauf wurden dem Papste mehrere Geschenke, darunter eine Tiara, überreicht. Um 1 Uhr begab sich der Papst unter neuen enthusiastischen Kundgebungen in seine Gemächer zurück.

Krozeß ßLner.

Leipzig, 20. Febr.

Zn der heutigen Verhandlung wird zunächst die Ver­lesung der zwischen Schmidt und Exner geführten Korre­spondenz fortgesetzt. Exner schrieb 1891 an Schmidt, die Franks. Ztg." habe recht, wenn sie tadele, daß Schmidt buchmäßige Gewinne anstatt dem Reservefonds gutzu­schreiben, als Dividende verteilen wolle. (Einer bemerkt hierzu: Dieser Brief hatte den Erfolg, daß Schmidt dem- ßemäß handelte. Alsdann kommt zur Sprache, daß ein Trustkonsortium mit einem Kapital von fünf Mil- tionen Mark zwecks Uebernahme verschiedener Tochter­aktien gegründet sei. Die Leipziger Bank habe aber schließ­lich allein die Tochterwerte gegen Zahlung von drei Mil­lionen übernehmen müssen und zwar 97 Prozent die Leip- Nger Bank, ferner je 1 Prozent Exner, Sachsenrvder und Dodel. Die weiteren zwei Millionen seien in der Schwede geblieben. Sachverständiger Bankier Plaut-Cassel bezeichnet die Uebernahme dieser Tochterwerte al pari als umso leichtfertiger, als bereits im April 1897 die bosnische Tochter- unternehmung, die beste von allen, vor dem Konkurse stand. ES konnten schon damals die Arbeitslöhne in Bosnien nicht bezahlt werben, sodaß der bosnische Regierungskommissar an Schmidt schrieb: Ich mache den Schwindet nicht mehr mit. Wenn Sie nicht sofort eine Million herschicken, melde ich Konkurs an. Schmidt sandte darauf sofort eine Million Guldeir nach Bosnien, um den Konkurs abzuwenden. Das Geld Hatto er selbstverständlich von der Leidiger Bank.

Im weiteren Verlaufe des Prozesses bemerkt Sach­verständiger Kommerzienrat Süßkind auf Befragen des Staatsanwalts Kunz, er sei der Meinung, Jakob Landau habe eine Provision von 800 000 Mark gefordert, weil er das Geschäft nicht habe machen wollen. Diese hohe Provisionsforderung hätte ober die Verwaltung der Leiv- ziger Dank stutzig machen müssen. Zum mindesten hätte sie die Trebergesellschäft nicht mehr moralisch unter stützen dürfen. Bankier Plaut-Cassel ist der Mei­nung, daß Jakob Landau die Emission ernsthaft hlibe über­nehmen wollen. Andernfalls hätte er das Anerbieten ja bloß ablehnen dürfen. Verteidiger Rechtsanwalt Trucker bemerkt, Landau habe fug selbst um Uebernahme der Emission beworben. In einem Briefe mache Exner Schmidt Vorhaltungen darüber, daß er ohne Wissen der Verwaltung der Leipziger Bank eine Million Gulden an die bosnische Regierung gesandt habe. Tadurch habe das Vertrauen der Lank einen heftigen Stoß erlitten.

Exner bemerkt, er fei berechtigt gewesen, vertrauliche Briefe, die zwischen ihm, dem verstorbenen Vorsitzenden des Aufsuhtsrats der Leipziger Bant, ^achsenröder uno Schmidt gewechselt wurden, in sein Direktionspult einzuschließen, Damit nicht jeder Lehrling davon Kenntnis nehmen könne. Ties sei keine Verheimlichung der Beiseiteschaffung gewesen, denn er schloß die Briese nicht in seiner Privatwohnung ein, sondern im Pult seines Direktionszimmers. Er habe die Briefe dem Konkursverwalter nicht ausliefern können, da er nach Ausbruch des Konkurses sofort verhaftet worden sei. Auf Befragen bemerkt Exner, zunächst sei er vom Aufsichtsrat der Trebergesellschaft als Milglieo desselben abgelehnt worden, später lehnte er die Wahl als Aufsichts- ralsmitglied der Treoergeserlfchaft auf ausdrücklichen Wunsch des Aussichlsrates der Leipziger Bank ab, da jein Auf­sichtsrat von dieser Doppel^eckung eine Jnteressenkollision Defurajtetc. Die Verhandlung wird sodann auf Sams rag vertagt.

Vermischtes.

* Köln, 20. Febr. Die V o l t s s ch u l l e h r e r i n S i t t a r b, die mit einem am selben Schulsystem tätigen Lehrer ein Liebesverhältnis unterhielt, bas in ber letzten Zeit erkaltete, erschien vormittags um 11 Uhr vor ber Schul­klasse bes Bräutigams und schoß sich nach kurzem Wort­wechsel eine Kugel in den Kops. Die Lehrerin war ofort tot. Eine Kollegin ber Verstorbenen würbe beim Anblick der Leiche von einem Schlaganfall betroffen unb alsbald dem Hospital zugeführt.

* Plauen (Vogtland) 20. Febr. Ziemlich heftige Erde- erschütterungen würben in ben letzten Tagen im oberen Vogtlanbe, so in Brambach, Untersachsenberg unb Graslitz wahrgenommen.

* Paris, 20. Febr. Der Matm berichtet aus Genf, )atz ber dortige französische Finanzmann Perrit, ver­haftet worden ist. Dem Verhafteten, welcher Dwector unb Verwalter verschiebener Finanz-Gesellschaften war, werden Veruntreuungen in Höhe von 900,000 Francs

zur Last gelegt. Perrit wurde von seinem eigenen Sohne denunziert, welch letzterer damit bezweckte, seinen Vater von weiteren Geldgeschäften abzuhalten. Die vom Kriegsminister nach Rouen entsandte Aerzte-Comission slelltc fest, daß die Typhus-Epideniie noch immer in der Zu­nahme begriffen ist. Bis jetzt wurden 54 Soldaten im Hospital untergebracht. Zwei Erkrankte sind gestern gestorben. Eine teilweise Verlegung der Garnison wurde beschloßen.

'Wien, 20. Febr. Der Gesandte tu D. Ritter v. Scherzer, bekannt als wissenschaftlicher Leiter der Novara- Expedition von 1857, ist heute in Görz gestorben. Von 1878 bis 1884 war Scherzer Generalkonsul in Leipzig.

v Prag, 20 Febr. Böswillig verbreitete Gerüchte über die böhmische Sparkasse riefen heute einen Andrang zu ben Kassen dieser Sparkasse hervor. An diesen Gerüchten ist kein wahres Wort. Es fanden sich heute an ben Kaffen der böhmischen Sparkasse etwa 600 Einleger mit ihren Einlege­büchern ein, um ihre Guthaben zu erheben. Es wurde jeder Betrag a vista ohne Rücksicht auf die Höhe und ohne Kun° digung ausgezahlt. Bis zur Mittagsstunde waren etwa 400000 Kronen abgehoben.

* New Port, 20. Febr. In bem Cliftonhotel zu Cedarrapids in Iowa ist Feuer ausgebrochen. Es sind angeblich 15 bis 20 Personen um gekommen, viele wurden verletzt.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

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höchste Temperatur am 19.20. Februar 4- 6,4° C.

Niedrigste 19.20. 3,5" 0.

Gegen Schnupfen ist ber SchnupfenätherForman" anzuwenden, ber ärztlicherseits mehrfach alsgerabejit ideales Schnupfenmittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen Forman- Watte (Dose 30 Pfg.), bei starkem Schnupfen Forman - Pastillen (50 Pfg.) zum In" ^alleren mittels Riechgläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken. Man frage seinen Arzt. 1160

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