Erstes Blatt.
153. Jahrgang
Samstag 21. Fevruar 1903
Nr. 44
trldietiil täglich auBei Sonnlag».
Dem «Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit den. kesstscheo Landwitt die Llehener Lamilien- blätter viermal in der
Woche beigdegL
Rotauoiieörud u. Verlag de, Brüh l'schen Univ-rs.-Buch- u.Siem» biudeici (tfielld) tfcrben)
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Echulftrabe 7.
Kdielle tüx Develchenr Anzeiger Alchen.
Kcrnlprrchanlckluß^r 51
sich vielleicht mehr verdient um die Landwirtschaft machen, wenn er den Landwirten raten wollte,sich in allen Zweigen ihres schwierigen Berufes auszubilden, ihre Scholle mit Verständnis und unter Anwendung der ihnen von Wissenschaft und Technik gebotenen Hilfsmittel zu bebauen und auf diese Weise durch Erzielung möglichst hoher Erträge der ausländischen Konkurrenz erfolgreich zu begegnen, als ihnen durch irrige Lehren die Kopfe zu verdrehen und sie gegen unsere leiienden Bankinstitute zu Hetzen und letztere, die ein gut Teil zu unserer Weltmachtstellung beigetragen haben, in den Augen des landwirtschaftlichen, in solchen Lingen also laienhaften Publikums zu diskreditieren.
yolitildjr Lageslchau.
Der Kaiser und Professor Telitzsch.
Das von uns geji^ru bereu» un ra>ocuaute wiederge- gebcne Handschreiben, worin der Kaiser zu den Forschungen und Schlußfolgerungen des Professors Delitzsch Stellung nimmt, erregt noch größeres Aufsehen in der gesamten Öffentlichkeit, als die Bortrage über „Babel und Bibel". Im großen und ganzen mu ßman sagen, daß der Einigungs- punkie mehr als der trennenden Punkte sind. Es ist un- zweiselbast richtig, daß in der Versammlung, in der Pros. Delitzsch sprach, sich hüte, wenn auch gebildete Laien be- sanden — das Thema an sich könnte nur einen denkenden Menschen anziehen —, und daß mancher Zuhörer den stellen des Vortrags insbesondere, welche )iaj über das alte Testament als un Menschenwerk äußerten, stillenWidcr- speuch entgegensetzte. Aber wir möchten nicht der Annahme zuneigen, welche der Kaiser ausspricht, daß Delitzsch manchem seiner Hörer das Fundament des Glaubens erschüttert, wenn nicht entzogen habe. Denn eine auf so schwachem Fundament begründete religiöse Ueberz^ugung, die durch einen einzigen Vortrag, und sei es eines überragenden Geistesheroen, beirrt wurde, wäre nicht wert, ein Glaube zu heißen. Der echte Glaube ist fest und unerschütterlich, weit hinter chm liegen die überwundenen Zweifel, die aber gerade dazu beigetragen haben, dem Glauben die Festigkeit zu verleihen. Tief und richtig läßt Gutzkow feinen Uriel Äcosta sagen: „Nur aus Zweifeln kommt ein starker Glaube". Der Kaiser nähert sich dem Standpunkt Telitzsch s, indem er vom Alten Testament sagt, es verstehe sich für chn von selbst, daß es eine große Anzahl von Abschnitten enthalte, welche rein menschlich historischer Na.ur sind und nicht „Gottes geofsenbartes Wort". Den Atk der Gesetzgebung am Sinai z. B. faßt der Kaiser nur symbolisch auf, als „von Gott inspiriert". Durchlüft man mit voller Aufmerksamkeit das Handschreiben, das von einer großen Vertrautheit mit den Problemen der Religion und Dogmatik zeugt, so wird man einen absotuten Gegensatz des Herrschers zu dem Gelehrten darin wahrnehmen, daß Delitzsch die Gottheit Christi nicht anerfeimt, während der Kaiser mit begeisterten und gebaiiEendefen Worten seinen Glauben an den Messias bekundet. Hier scheiden sich unvereinbar die Wege. Poetisch ist die Auffassung, die der Kaiser über die Offenbarung Gottes in den Führern des Menschengeschlechts darlegt. Und ein Satz von Bedeutung ist der Schluß des Handschreibens: „Nie war Religion ein Ergebnis der Wissenschaft, sondern ein Ausfluß des Herzens und Seins des Menschen aus seinem Verkehr mit Gott." Der Kaiser — das ist das Wichtige und hauptsächliche — wünscht der wis,enschaftlichen For,chung keine Schwierigkeiten zu bereiten. Und insofern haben gewisse Hoffnungen Abtth.lung gefunden.
Wie das „Berl. Tagebl." erfahrt, ist der Brief an Admiral Hollmann am letzten Sonntag Konz piert und in mehrstündiger Arbeit niebergefdjrieben worden.
F ofeffor Auhlands ZSirlschaftsideale.
Gelegentlich eines Vortragscyklus für praktische Landwirte, der auf Veranlassung der Lanbwirtscyaftskammer in Posen stattsand, sprach Herr Professor Dr. Ruhland- Berlin, der bekannte, im agrarischen Fahrwasser schwimmende Nationalökonom, den unser Herr Reichs- und Land- tagsabg. Köhler gar so gern nach Hessen importieren möchte, über „bie drohende auswärtige landwirtschaftliche Konkurrenz und die Mittel und Wege, ihr zu begegnen."
Der Redner erzählte nach dem ,^3erl. Tagebl.", dcrß er sich schon seit mehr als zwanzig Zähren mit dieser für die deutsche Landwirtschaft so wichtigen Frage beschäftige, und daß er Reisen nach den Bereinigten Staaten, Argentinien, Rußland und Indien unternommen hätte, um in diesen Ländern, den fürchterlichen Konkurrenten unserer deutschen Getreideproduktion, an Ort und Stelle die Verhältnisse zu ergründen, welche die Landwirte der genannten Länder in den Stand setzen, das von ihnen produzierte Getreide zu Preisen auf den Weltmarkt zu werfen, bereit Niveau weit unter ben ProbuktionsKosten der beutschen Lanbwirte liegt unb für letztere ben Ruin betreutet.
Unb was fanb und hörte Professor Ruhland in jenen wetten Gebieten?
Er fand weber ba noch dort, baß bie betreffenden Lanbwirte, fei es burch exorbitant nichtige Grund- unb Doben- preise, noch burch extrem b.llige Arbeitslöhne, noch infolge ber Jungfräulichkeit bes BodenS, von der in Europa soviel gefabelt würbe, ober burch märchenhaft große Erträge, bie du |i)i hier unbekannte günstige klimatische Verhältnisse hei^argerufen werben, im stände seien, so erblich billiger zu provuzieren, als ihre europäischen Berufsgenossen. Und Herr Professor Ruhland kam nun zu dem Schluß, daß diese Getreideproduzenten, denen bie niebrigen Weltmarktpreise noch Rechnung lassen, überhaupt nicht existieren.
In bem weiteren Bestreben, jene in unsere wirtschaftlichen Verhältnisse auf bas tiefste eingreifeitbe Frage zu ergrünben, fanb ber genannte Nationalökonom, daß ber zeitweise unverhältnismäßige Tiefstand der Weltmarktpreise durch sporadisch uni) ziemlich plötzlich auf Europa hereinbrechende gewaltige Getreibcflittwillen hervorgerufen würde, die bald von -Daordamcrtta, bulo von Argentinien, bald von Indien kamen.
Diese — wie bemerkt — nicht ständig, sondern sporadisch fließenden und nad) gewisser Zeit wieder versiegenden Flutwellen mußten durch ganz beiondere Erscheinungen — natürlich Erscheinungen wirtschaftlicher Art — hervorgerufen werden, und um diese zu erläutern, ging der Redner bis auf die vierziger Jahre zurück.
In jener bewegten Zett, wp sich auf fast dem ganzen Kontinent revolutionäre Strömungen geltend machten, wurde den Kapitalisten, bas heißt den flüssiges Kapital bcsitzenben Klaffen, bange um bie Erhaltung ihrer Gelber. Sie fanbten dieselben nach England, wo ber Zinsfuß infolge bieses Golbstrorncs naturgemäß bis auf ein Minimum sank Da rieten bie englischen Fuianzinstittttc — benen an weiteren Gelbern nichts gelegen war — ben Golboffercnten, sie sollten doch ihre Kapitalien nach Amerika geben, ha fei ein großes Fell) für Kapital, ba sei ein zukunftsreiches, itoch unerschlossenes unb unermeßliches Gebiet, in bem man ungezählte Mengen Gelb für bie Pazifizierung anlegen kömtte gegen lohnendes Entgelt in Gestalt hoher Zinsen respektive Dividenden und Renten.
Nun wurden in jenen Ländern mit Hilfe ber vielen Gelber — nicht vereinzelt unb nicht nach und nach, nein — gleilch so und so viele Eisenbahnftrecken in die Wildnisse, in die Prärien hineingebaut, nachdem sich die betreffenden Gesellschaften vorher das Land rechts und links der Bahntraeen hatten schenken ober für ein Bttligcs verkaufen lassen.
Natürlich blieben bei so überhastet und künstlich und in /o großem Maßstabe und zahlreich hervorgerufenen Gründungen die Krisis und der Krach nicht aus. Alle die vielen großen Unternehmungen, sie gerieten ins Wanken, sie verfielen dem Bankerott, und bie Niesensummen, die man barin angelegt hatte, waren verloren.
Dann aber — so erzählt Professor Ruhlanb — traten jene Gesellschaften, welche bie Eisenbahnlinien ins Lanb hineingebaut hatten, als Wohltäter auf und boten ben Tauseuben brachliegenben Arbeitskräften an, heraus aus ben Stabten auf ihre Ländereien zu kommen, bie sie ihnen zu günstigen Bebingungen zu eigen geben wollten.
Unb jebesmal nach einer derartigen Krisis und einer Auswanderung der in den Städten brotlos gewordenen Massen auf das Land und Bebauung desselben in großem Stile ergoß sich — nach Professor Zttiylanbs Beobachtung — eine gewaltige Getreibeslutwelle über Europa unb warf bie Weltmarktpreise um ein gutes Stück zurück.
Unb biesen jebesmal ungeheuren Schaden für bie europäischen Lanbwirte bebeutenben Vorgang verschuldeten — darin gipfelten bie Ruhlandschen Ausführungen — bas europäische Großkapital, bie großen Banken, bie Gründerbanken, wie sie Professor Ruhlanb unter namentlicher Anführung her Deutschen Bank unb ber Diskontogesellschaft bezeichnet. Tenn diese sind es, die hie großen, ihnen zur Verfügung stehenden Kapitalien ins Äuslanb werfen, sie den exotischen Landwirten zum Bau von Bahnen zur Verfügung stellen, ungeachtet der riesigen Verluste, die derartige Transaktionen schon für das europäische Kapital gebracht haben.
Und somit liegt, wie sich Professor Ruhlanb ausbrückt, „der golbcne Schlüssel für bie aus.ändische Getteide- überschwemmung hier in Europa, bei uns."
Wolle man eine Rab.kattur machen, so mufje man jenen großen Banken bie Gelber, die Depots entziehen, die Ruh- land auf ca. 4y2 Milliarden beziffert. „Eigene" Banken,
dahin gehen Rußlands Vorschläge, sollte man gründen. Diese sollten allenthalben Filialen eröffnen, um bie Einzahlungen zu erleichtern; fast an jeher Stra^neckc sollte eine berartige Depotstelle fein, mit schöner Firma, schönen Geschäftstafeln, auf denen zu lesen wäre: „Hier werben Depots angenommen! Hier werben keine Divibenben, keine Tantiemen verteilt! Hier wirb nicht gestohlen!" (Der Dunb ber Lanbwirte hat, wie sich aus bem letzten Jahresbericht ergiebt, bieser Anregung schon Folge geleistet unb treibt setzt auch Bankiergeschäfte für seine Mitglieder.)
Zn bieser Art unb Weise empfiehlt Professor Ruhlanb ben Landwirten Maßnahmen, um her ausländischen Konkurrenz zu begegnen. Unb braucht bann her Staat Gelb, will er eine Anleihe machen, so soll sich ber Staatssekretär respektive ber Finanzminister an bie in obiger Weise ge- grünbeten Banken wenben unb von biesen bie zur Bilanzierung bes Bubgets nötigen Millionen entnehmen.
Kopsschüttcnlb muß jeher auch nur einigermaßen mit wirtschaftlichen Dingen Vertraute die Ruhlandschen Erörterungen und Ratschläge anhören. Er macht unseren leitenden Bankinstituten schwere Vorwürfe, baß sie Kapitalien ins Auslanb überführen unb in Unternehmungen hort investieren, während sie damit bc»ch gerade eine ihrer hauptsächlichsten Aufgaben erfüllen! Tenn jedermann weiß, daß auch Teutschland, bank seiner bebeutenben unb stets wachsen- ben Jnbustrie, bank seines blühenden Handels, glücklicyer- weisc zu denjenigen Staaten gehört, deren Volksoeimögen sich ständig vergrößert. Tas deutsche Reich — das scheint Herr Profeftor Ruhlanb in feinem Uebereijer nicht zu oerück- sichtigen — befriebigt seinen Kapitalbedarf sowieso im Zn- lande, aber baburaj werben bie verfügbaren Kapitalien nicht absorbiert, unb es harren trotzdem große Summen ihrer wirtschaftlichen Verwendung. Naturgemäß aber können diese Kapitalien unmöglick alle wieder im Znlande Ver- Wendung linden. Wo sollten alle die Unternehmungen hcr- lommen, die geschaffen werden müßten? Wenn durch die Lanken keine Ventile nach außen geöffnet werden, so würde das Angebot von Kapital im Inlaude so stark werden, daß ein starkes Sinken des Zinsfußes die unmittelbare Folge wäre, was einen großen Verlust für alle Kapital- besitzenden bedeuten würde. Aber nicht allein bas.
Ein so starkes Angebot von Kapital unb als Folge davon ein extrem billiger Zinsfuß würde unsinnige Gründungen aller Art zeitigen unb große wirtschaftliche Krisen heraufbeschwören. Darum wird es alle Welt, trotz Professor Ruhlanb, als ein Glück betrachten, baß wir ein hochentwickeltes Bankwesen haben, welches ben ange- sammelten Kapitalien Abfluß nach außen verschafft. Taß hierbei auch hin unb wieher Unternehmungen ins Leben gerufen werben, bie nicht existenzfähig jinb unb unter Absorbierung ber in ihnen angelegten Kapitalien zu Grunbc gehen, ändert an der Sache nichts. Tenn nicht nur bei ben überseeischen Unternehmungen passiert bics — wie Professor Ruhlanb anzunehmen sckieint —; bie Vorgänge gerade der letzten Jahre sollten Herrn Professor Ruhlanb bahin bekehrt haben, baß auch inlänbische Unternehmungen recht gut verkrachen können, unb baß auch biesen sehr oft ein Mangel an Solidität — wie sie für Unternehmungen jener Art durchaus nötig ist — anhaftet. Man braucht nur an bie Casseler Treber trocknun g zu benEen unb baran zu erinnern, daß bie Leipziger Bank nicht durch Gründung überfeeifdjer Unternehmungen, sondern einzig und allem durch die Casseler Trebertrocknung, also ein in ihrer Nahe domiziliert gewesenes Institut, zu Grunde gegangen ist, um zu beweisen, zu welchen trügerischen Schlüßen Professor Ruhlanb infolge seiner agrarischen Verblendung gelangt.
Unb geradezu ist unerfindlich, weshalb Professor Ruhland glaubt, daß Bankinstttute, welche aus dem breiten Publikum oder sagen wir aus der Landwirtschaft heraus gegründet werden, ihre Sacke besser machen sollen als unjere jetzt bestehenden leitenden Banken. Weshalb sollten sie letztere an Geschicklichkeit in ber Verwaltung ber ihnen anvertrauten Gelber, an Ehrlichkeit unb Solidität übertreffen? Tie Preußische Hypothekenbank, bie Stettiner Dank, bie Pommernbank, bie sich übrigens auch an keiner einzigen überseeischen Unternehmung beteiligt haben, waren sozusagen agrarische Institute, machten ihre Geschäfte hauptsächlich mit ber Landwirtschaft, und in ihren Aufftchtsräten saßen zum Teil Agrarier vom reinsten Wasser; sie erfüllten also alle Bedingungen, bie Professor Ruhlanb für seine Jbealbanken wünscht, unb dennoch haben jie bie ihnen an- vertrauten Gelber, bas ihrer Aktionäre, durch Unsolibität unb Mißwirtschaft in unverantwortlicher Weise vergeubet.
Uebrigens gehören bie 41/2 Milliarben Barbepots, bie nach Professor Ruhlanb jetzt in ber Hcmb unserer leitenben Bankinstttute finb, doch wohl nur zum geringen Teil Agrariern, wenigstens sollte man bies bei beren stänbigen Klagen über bie „lanbwirtschaftliche Notlage" annehmen. Zum größeren Teil sinb sie cnso im Besitz nicht agrarischer Kreise, unb biefe weroen sich wohl mit Rücksicht auf bie oben angeführten Vorkommnisse schwerlich entschließen, ihre Gelber den von Professor Ruhlanb ersehnten agrarischen Zukunftsbanken anzuvertrauen.
Und selbst wenn dem nicht so wäre, selbst wenn bie 41/2 Milliarben, bie nach Professor Ruhlanb bie hauptsächlichste Schuld an her landwinichaftlichen Notlage tragen sollen, nicht mehr mitsprächen, — die Erschließung pazisi- zierungs fähiger Länder wird deshalb nicht aufhören; sie wird bann eben ohne Hilfe ber beutschen Finanz- inftitute geschehen. Tie ausländische Konkurrenz für bie deutschen Landwirte wird deshalb fortbestehen, hingegen wird Leuischlands Rolle in ben überseeischen Landern eine viel 1 .. :.re fein, unb unsere ganze Weltpolitik, bie
1 Liner großen Flotte, wäre verfehlt.
<.cr cirom des Weltverkehrs kann auch durch Professor Ruhlands Rezept nicht gehemmt werden. Darum .jürbe er
Oberst Pavel.
Wie wir gestern be^.iS nuteten, steht ber Rücktritt bes Gouverneurs von Kamerun, v. Puttkamer, unb [eine Ersetzung burch Oberst Pavel, ben von seiner Stabsoffizrers- zeit in Gießen wohlbekannten verbienstvollen Kommandeur ber Schutztruppe bieser Kolonie, bevor. Herr v. Puttkamer hat allerdings selber bisher keine Andeutung gemacht, bie auf Amtsmübigkeit schließen ließ. Es ist indessen wohl möglich, daß Gesundheitsrücksichten — bas Klima Kameruns greift ben Körper bei mehrjährigem Aufenthalt an — bem Gouverneur bas Scheiben aus ber Kolonie geraten erscheinen lassen. Der Gvuverneurwechsel würbe bann zu einer für bie Entwicklung bes Schutzgebiets bebeutungsvollen Zeit erfolgen. Turch bie drei militärischen Expeditionen, bie im vorigen Jahre unter Führung von Offizieren ber Schutztruppe nach Norben hin, bis zum Tschabsee, unternommen wurden, ist die Erschließung bes Kameruner Hinlerlanbes mit Nachbruck eingeleitet worden. Einer ber Expebitionssührer war ber bamalige Oberstleutnant Pavei; seinem geschickten Vorgehen gelang bie Unterwerfung der unbotmäßigen Eingeborenenstämme unb bamit bie Herstellung der Verbindung zwischen Dikoa, der Endstation ber Expedition bes Oberleutnants Dominik, unb (Storno. Hinsichtlich ber Folgen bieser Expeditionen, namentlich in Bezug auf bie Errichtung von Militärstationen, ber Ausdehnung her deutschen Verwaltung auf die erschlossenen Gebiete, sind nur spärliche und wenig Tatsächliches enthaltende Mitteilungen in bie Oefsentlichkeit gc- brungen. Richtig_ ist, baß die Nutzbarmachung des Gewonnenen zunächst Sache des Handels ist, umsomehr als es von entscheibender Bedeutung ist, den Niger-Benuc- Handcl, her sich bisher fast ausschließlich auf dem Wege durch englisches Gebiet abwickette, nach der deutschen Interessensphäre zu letten. Doch ohne ausreichende militärische Sicherung des Ke.merunerhinterlandes wird sich das chwer ermöglichen lassen. Man berücksichtige, daß es
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Amts- und AnMgeblatt für den Kreis Gießen KWZZ
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